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Kundenrezensionen

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am 25. April 2005
Ich habe das Buch auf Empfehlung einer Bekannten hin angefangen zu lesen. Bei dem Titel dachte ich ursprünglich, die Frage würde sich auf die Täter beziehen, überraschenderweise ist es ganz anders. Es sind die Opfer, die soweit "entmenscht" werden, daß man sich diese Frage stellen kann.
Es wird extrem nüchtern über die Umstände in Auschwitz berichtet, aber ich glaube, daß man in einer solchen Situation gar nicht fähig ist, großartige Gefühle zu haben. Oder sie zu beschreiben. Es ist sowieso eigentlich nicht zu beschreiben, was damals passiert ist. Worte wie "schrecklich" oder "zum Verzweifeln" oder "grauenvoll" erscheinen mir einfach zu banal für dieses Thema, und ich finde es absolut passend, wie gefühlslos berichtet wird.
Ich denke, jeder sollte dieses Buch lesen, einfach schon deshalb, weil es so anders ist, als man es erwarten würde. Und weil es unsere Geschichte ist. Und eine Verantwortung.
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am 8. August 2016
Primo Levi, ein italienischer Jude, der am 13. Dezember 1943 von der faschistischen Miliz festgenommen und nach Auschwitz deportiert wurde, berichtet in „Ist das ein Mensch?“ von seiner Deportation und Gefangenschaft. Zuvor hatte er versucht „zusammen mit Freunden, die kaum mehr Erfahrung besassen als ich selbst, etwas auf die Beine zu stellen, was , wie wir glaubten, eine zu «Giustizia e Libertà» gehörende Partisanengruppe werden sollte“. In dem schmalen Bändchen mit 169 Seiten beschreibt Primo Levi sein Jahr in Auschwitz, von Februar 1944 bis zum Januar 1945.

Das besondere dieses autobiografischen Bändchens ist die zeitliche Nähe zu seiner Gefangenschaft in dem Vernichtungslager, in der Primo Levi es verfasst hat. Noch in Auschwitz selbst beginnt er seine Erlebnisse festzuhalten, als er in einem Chemielabor arbeitend Zugang zu Schreibzeug hat: „Dann nehme ich Bleistift und Heft und schreibe, was ich niemandem zu sagen vermöchte“. Sofort nachdem er nach Italien zurückgekehrt war schrieb er das vorliegende Buch binnen weniger Monate.

Das kurze Buch zählt ohne Frage zu den Klassikern, und das auch zu Recht: Mit seinen Schilderungen des Lagerlebens gewinnt man einen Eindruck der Ökonomie im Lager, wo Brot Währung ist und jedes Arbeitsmaterial, dass man entwenden kann zum Tauschobjekt wird. Man erhält einen Eindruck von der Lagerhierarchie, den Verhältnissen zwischen Juden, politischen Gefangenen und Kriminellen, zwischen Blockinsasse und Blockältesten, zwischen Häftlingen und SS. Enttäuscht wird, wer von dem Buch erwartet, mehr über den Faschismus zu lernen – hier allerdings ist mit anderen Büchern abzuhelfen.

Die Frage, die den Titel des Buches bildet: „ist das ein Mensch?“ kokettiert mit der Phrase, wer etwas wie Auschwitz ins Werk setzt, könne kein Mensch sein. Primo Levi beantwortet die Frage auf seine ganz eigene Weise. Die SS, welche das Lager leitet, die über Leben und Sterben entscheiden, sind für ihn ohne Frage Menschen. „Kein Mensch hingegen ist, wer darauf wartet, dass sein Nachbar endlich stirbt, damit er ihm ein viertel Brot abnehmen kann, kein Mensch ist jener, der noch im Todeskampf beständig sein «Jawohl» murmelt“. Für Primo Levi sind es die Gefangenen von Auschwitz, die um das gebracht werden, was Mensch sein ausmacht.

Die deutsche Übersetzung von Heinz Riedt liest sich gut, wer allerdings des italienischen Mächtig ist, wird an Kapiteln wie der Gesang des Odysseus im Original mehr Spass haben: Hier schildert Primo Levi wie er einem Mitgefangenen anhand Dantes Göttlicher Komödie italienisch beibringt, samt grammatikalischen Eigenheiten. Die Lösung mit deutschen und italischen Sätzen ist elegant, aber hilft nicht, wenn der Leser kein italienisch spricht. Die Entscheidung des Autors viele französische Sätze nicht zu übersetzten, lässt einen das „babylonische“ des Lagers erahnen, von dem Primo Levi spricht – für Menschen ohne Französischkenntnisse allerdings macht es manche Stellen schwieriger verständlich.

Die aktuellen Ausgaben seiner Romane sind solide gemacht und verhältnismässig billig. Ebenfalls zu diesen Klassikern zählt auch Primo Levis „Die Atempause“, das direkt nach der Befreiung von Auschwitz ansetzt und seine neunmonatige Odyssee zurück nach Turin beschreibt. Auch Das Mass der Schönheit und der Freund des Menschen, Wann, wenn nicht jetzt und Das periodische System von Primo Levi sind inzwischen in dieser Reihe erhältlich.
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am 20. September 2008
Primo Levi wird als italienischer Partisan verhaftet und vor die Wahl gestellt, ob er als Partisan sofort erschossen, oder als Jude deportiert werden möchte.
Er entscheidet sich für letzteres und landet in Auschwitz.
Dort trifft er als absoluter KZ-Frischling ein und macht alles falsch.
Er läßt sich Mütze, Schuhe, Löffel und Brot klauen, arbeitet zuviel, ißt zu wenig.
Die abgebrühten KZler lachen ihn aus, machen sich über ihn lustig und bringen ihn so manches Mal in die Bredouille.
Primo Levi versteht es, uns das Staunen und Wundern nahe zu bringen, das jemand erfährt, der ganz neu und naiv in der Welt des KZs landet und noch nicht einmal die Sprache beherrscht, geschweige denn die Sitten kennt.
Hier gelten normale Lebensregeln nicht mehr. Hier ist verkehrte Welt.
Levi schreibt detailliert und sachlich.
Obwohl ich seine extreme Sachlichkeit menschlich verständlich, psychologisch erklärbar und sogar literarisch angemessen fand, war es mir doch streckenweise zu emotionslos.
Was ich allerdings mehr als Hinweis auf meine Lesebedürfnisse, denn als Hinweis auf die Qualität des Buches verstehe.
Wie soll man auch etwas beschreiben, für das es keine Worte gibt?
Lediglich die Fakten zu berichten, kann da das geeignete Mittel der Wahl sein.
Einzig bei seinen erlittenen Demütigungen, ein Kapo wischt die Hand an seiner Schulter ab, eine junge Frau nennt ihn Drecksjude, die Primo Levi auch sehr nüchtern berichtet, scheint trotz aller Sachlichkeit seine starke Betroffenheit durch.
Diese Verletzung seiner Menschwürde konnte er nicht verwinden. Sie war schlimmer als die Schläge der Aufseher.
Levis detailreiche Beschreibungen sorgen für große Eindrücklichkeit.
Der ständige Schlafmangel, die Dreck- und Schneeklumpen, die sich unter den unbequemen Holzpantinen sammeln, der furchtbare Winter, die schreckliche Kälte. All diese kleinen Details, die das Leben unerträglich machen.
Unterbrochen wird die Handlungserzählung ab und zu durch essayistische Einschübe, in denen Levi über das Wesen des Menschen philosophiert.
Obwohl ich nicht mit Levi übereinstimme, daß ein Mensch ist, wer tötet und quält, kein Mensch mehr aber jemand ist, der zur bloßen Kreatur herabgewürdigt wurde, finde ich das Buch doch sehr lesens- und empfehlenswert.
Allein das letzte Kapitel macht es schon lesenswert.
Die SS verläßt das Lager auf der Flucht vor der Roten Armee. Die Kranken, zu denen der scharlachkranke Levi gehörte, konnten nicht auf die Evakuierungstransporte, sprich Todesmärsche mitgenommen werden, und so blieben sie im Lager, ganz auf sich allein gestellt.
Mit wieviel Erfindungsgeist, Mut und Zähigkeit die Kranken aus Levis Baracke nun ohne Wasser, Elektrizität und sonstige Versorgung überleben, ist hochspannend, sehr plastisch beschrieben und könnte schon für sich alleinstehend eine ganze Filmhandlung ergeben.
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am 5. Dezember 1998
Nach meiner Überzeugung ist dies das beeindruckendste Zeugnis, das über den Holocaust abgelegt worden ist. Primo Levi war Chemiker und verbrachte die Zeit von Februar 1944 bis Januar 1945 in Auschwitz. Er überlebte körperlich, aber nicht seelisch. Die stets wiederkehrenden Alpträume und die stete Präsenz der eigenen Vergangenheit im Lager führten zu Levis Selbstmord 1987 - so haben die Nazis ihn doch noch umgebracht. Primo Levi wurde 1919 geboren und war im Alter von 24 Jahren nach Auschwitz gekommen. Er war zuvor Mitglied des Widerstands und sehr belesen. Während der Zeit im KZ versucht er manchmal, sich an Passagen aus großen Werken wie etwa Dantes "Göttlicher Komödie" zu erinnern, nur um sich selbst am Leben zu erhalten mit der Gewißheit, er sei noch ein Mensch. Denn wer ist ein Mensch unter diesen Bedingungen? Ist der noch ein Mensch, der darauf wartet, dass sein Nachbar stirbt, damit er ihm ein Stück Brot abnehmen kann? Und hat man nicht dem, der noch sterbend stets "Jawohl" murmelt, bereits sein Menschsein genommen? Levi beschreibt sehr sachlich, was ihm und anderen widerfuhr, welche Beziehungen die Häftlinge zueinander hatten, und es gelingt ihm, dabei ein Panorama des Lebens im Lager erstehen zu lassen. Was er schildert, ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt aus den unfaßbaren Verbrechen, die von den Nazis und ihrer gigantischen Tötungsmaschinerie angerichtet wurden, doch ist jedem Leser hinterher um so klarer, daß die von manchen erhobene Forderung nach einem "Schlußstrich" bodenlos ist und keine Art von Vergebung auch nur denkbar.
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In seiner Autobiografie "Ist das ein Mensch?" schildert Primo Levi (1919-1987) die Erlebnisse seiner elfmonatigen Inhaftierung im Vernichtungslager Auschwitz. Der Autor versucht darin, die leidvollen Ereignisse zu verarbeiten und als Augenzeuge und Überlebender den Ermordeten ein bleibendes Andenken zu errichten.

Primo Levi ist Jude. Er hat Chemie studiert, er ist ein gebildeter und weltoffener Mensch. Als junger Mann schließt er sich 1943 einer Partisaneneinheit an und geht in den Widerstand. Von der italienischen Miliz gefasst, wird er in ein Lager transportiert. Die SS veranlasst schließlich seine Verlegung nach Auschwitz. Er weiß nicht, was das ist. Doch dort angekommen, offenbart sich ihm das ganze Grauen der Welt.

Levi wird als Chemielaborant eingesetzt, was ihm etwas "bessere" Lebensbedingungen verschafft. Auch ein hilfsbereiter Landmann schützt ihn vor dem Aufgeben und dem unmittelbaren Zugrundegehen. Als das Lager im Januar 1945 von der Roten Armee befreit wird, leben nur noch wenige der ca. 600 italienischen Juden, die ein Jahr zuvor nach Auschwitz deportiert worden waren.

Mit aufwühlender Sachlichkeit und schmerzhafter Detailgenauigkeit schildert Levi sein eigenes Leben und das Leben anderer Gefangener hinter dem Stacheldraht. Minutiös dokumentiert er die Torturen der Opfer. Mit seinem Buch will er den Lesern das Unfassliche erklären. Was ist ein Mensch in Auschwitz? Was bedeuten Gräuel wie die von Auschwitz für unsere Vorstellung von Menschlichkeit? Im Mittelpunkt steht aber immer die bittere Erfahrung: Der Holocaust ist ein von Menschen an Menschen verübtes Verbrechen.

Der schwindende Lebenswille und der brutale Überlebenskampf töten auch die Solidarität der Insassen untereinander ab. So reflektiert Levi auch kritisch die Frage: Was ist hinterm Stacheldraht von menschlicher Moral übriggeblieben? Hier existieren ganz andere Gesetze, als in der Welt da draußen. Das Leben im Vernichtungslager ist eine Auflösung jeglicher Vorstellung menschlicher Gesellschaftsnorm.

Um das Erlittene zu verarbeiten, um sich vom Albtraum der Existenz im Lager zu befreien und die schrecklichen Erinnerungen für die Nachwelt festzuhalten, beginnt Levi nach seiner Rückkehr in die italienische Heimat zu schreiben. Weder die Anklage der Täter noch die Vergeltung für all das Leid stehen im Vordergrund seines Berichtes.

"Ist das ein Mensch?" erschien 1947 in einem kleinen Verlag mit geringer Auflage, danach geriet das Buch in Vergessenheit, ehe es 1958 wieder zum Leben erweckt wurde. In Deutschland kam es zum ersten Mal 1961 in der Fischer Bücherei heraus. Nun liegt dieses belletristische Dokument der leidenschaftlichen Anklage gegen den Faschismus als Taschenbuch in einer aktualisierten Ausgabe vor.

Manfred Orlick
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am 27. November 2012
Ich habe wirklich lange überlegt, wie und was und ob überhaupt eine "Rezension", eine Stellungnahme zu einem Ausschwitz - Buch möglich ist. Etwas sagen über die grausamste und, was eigentlich noch schlimmer ist, unnötigste Negativleistung in der Geschichte der Menschheit.
Ich habe mich bislang immer gescheut, sogenannte Augenzeugenberichte über die Shoa zu lesen, kommt etwas darüber im Fernsehen, schalte ich sofort weiter: zu stark und zu aufwühlend sind die Berichte und Bilder, als das ich mir das einfach nur "reinziehen" könnte.
Primo Levis kleines und doch so riesiges Buch ergreift, schiebt und zieht uns hinein in das Lager von Auschwitz.

Wenn man liest, als ob es das alles niemals gegeben hätte, ist es nichts weiter als die literarisch vollkommene Schilderung eines vollkommenen Albtraums: Kälte, ewiger Durst, Gewalt, Schlafmangel, Verlorenheit, Mitgefangene, die täglich für immer verschwinden (Levi sagt, "sie gehen fort . . . . ."), der Verlust der Vergangenheit, die Unmöglichkeit der Zukunft, Schlamm, Exkremente, der gnädige Tod, alles in allem die totale Entindividualisierung und Entmenschlichung, verwaltet von einer maschinenhaften, kalten Bürokratie.

Doch schon nach wenigen Sätzen geschieht etwas gleichsam tröstliches: Die ungeheure Kraft der Worte Primo Levis beugt jeden Zweifler, fesselt jeden Uninteressierten. Jeder, der meint, es sei genug gesagt über die "schlimme Hitlerzeit", lernt, das Deutschland und die Deutschen, die dies in jeder Hinsicht unschuldigen Menschen, darunter viele viele Hundertausend Kinder, systematisch anzutun gewagt haben, exemplarisch sind für Autorität und Vollstreckung, Irrationalität, Sadismus und Anti - Demokratie - und alles gelenkt duch staatlich legitimiertes Unrecht und verwirklicht von gewöhnlichen Leuten. Es kann nicht vergessen werden kann, selbst wenn es mit aller Kraft versucht wird.

Levi schildert alles, was er um sich herum wahrnimmt, in nüchterner, kristalliner und doch so sehr menschlich - einfacher Klarheit, seine Sätze vervielfältigen dem Leser den lebendig gewordenen Albtraum um ihn herum.
Wie also ist es, wenn die Albträume nachts den Albträumen tagsüber in ihrem Schrecken gleichen, wie kann man leben?

Stellvertretend für die Qualität von Primo Levis Werk steht das einleitende Gedicht, welches dem ersten Kapitel vorangestellt ist:

"Ist das ein Mensch?

Ihr, die ihr gesichert lebet
In behaglicher Wohnung;
Ihr, die ihr abends beim Heimkehren
Warme Speise findet und vertraute Gesichter:
Denket, ob dies ein Mann sei,
Der schuftet im Schlamm,
Der Frieden nicht kennt,
Der kämpft um ein halbes Brot,
Der stirbt auf ein Ja oder Nein.
Denket, ob dies eine Frau sei,
Die kein Haar mehr hat und keinen Namen,
Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat,
Leer die Augen und kalt ihr Schoß
Wie im Winter die Kröte.
Denket, daß solches gewesen.
Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen.
Ihr sollt über sie sinnen, wenn ihr sitzet
In einem Hause, wenn ihr geht auf euren Wegen,
Wenn ihr euch niederlegt und wenn ihr aufsteht;
Ihr sollt sie einschärfen euern Kindern.
Oder eure Wohnstatt soll zerbrechen,
Krankheit soll euch niederringen,
Eure Kinder sollen das Antlitz von euch wenden."

Eigentümlich, aber dieses Buch ist mir mehr als viele andere ans Herz gewachsen. Es wird immer gesagt, Primo Levi sei ja kein richtiger Schriftsteller gewesen (er arbeitete hauptberuflich als Chemiker), ich perönlich konnte, was Sprachgewalt, Präzision und Authenzität betrifft, keinen Qualitätsverlust zu Autoren wie Dickens, Thomas Bernhard, Koeppen, Stevenson oder Tolstoj feststellen.

Die Passagen, in denen Levi die Ankunft der Viehwaggons auf den leeren, hell ausgeleuchteten Bahnhofsanlagen des Lagers schildert, die Beschreibung der ersten Begegnung mit den bereits gefangenen Lagerinsassen, die sich still und nur puppenhaft bewegen, das unmittelbar nach der Ankunft von der Nacht verschluckt werden der Frauen und Kinder, die bereits in den ersten Minuten lautlos in den Weiten der Lageranlagen für immer verschwinden werden, das alles gehört zu den stärksten geschriebenen Sätzen der Weltliteratur. Wie gesagt: Wenn man liest, als ob es das alles niemals ereignet hätte, ist es nichts weiter als die literarisch vollkommene Schilderung eines vollkommenen, grausam radikalen Albtraums . . . . .
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am 18. Januar 2013
Ich habe meine Lehrer nie verstanden, warum sie das Thema immer wieder ansprachen. Manchmal dachte ich, dass es auch mal gut sein müsste. Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet, hat mich verstehen gelernt. Dieses Thema ist nie vorbei. Wir haben eine Verantwortung und eine Verpflichtung.
Und jedem, dem das nicht klar ist, sollte man dieses Buch zum Lesen geben. Die Wirklichkeit jener Zeit wird einfach nur beschrieben, ohne belehrenden Finger, aber gerade das macht es zu einem meisterhaften Lehrwerk.
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am 29. März 2011
Der von einjähriger Folterhaft für sein Leben gezeichnete Autor verbindet seinen Bericht über menschliches Leiden mit einer Analyse über das "Leben" im KZ:
Die SS bleibt im Hintergrund und bedient sich der Kapos - jener wegen tatsächlich begangener Straftaten Inhaftierten - zur Durchführung der täglichen Handlungsabfolge im Lager. Die Kapos organisieren und überwachen den Ablauf vom morgendlichen Wecken, über die Brot- und Suppenausgabe, den Appell, die Führung der Arbeitskolonnen bis hin zum abendlichen Zapfenstreich. Das von der SS ausgeklügelte Lagersystem soll den Menschen durch Hunger, Durst, Terror, unmenschliche Arbeits- und Hygienebedingungen sowie gezielte Schlafstörungen erst körperlich und dann geistig ruinieren. Sicht- und hörbar treten die SS-Schergen nur bei Appellen in Verbindung mit Hinrichtungen und Selektionen auf.
Die im Lager herrschenden Regeln zwingen den Häftling, Abschied von sozialen Werten zu nehmen und sich rücksichtslos auf das eigene Überleben zu konzentrieren, z.B. durch Diebstahl- oder Denunziation zu Lasten des Mithäftlings, wenn sich dadurch ein "Vorteil" von einer zusätzlichen Scheibe Brot ergibt.
Levi kommt zu dem Schluß, daß bereits nach wenigen Wochen der bis dahin das KZ Überlebende seine durch Umwelt und Erziehung geprägte Individualität aufgibt und zum reinen Wesen verkommt. Die Nazis erreichen so ihr eigentliches Ziel: vor der physischen Ausrottung wird noch die Persönlichkeit des Einzelnen vernichtet.
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am 2. August 2013
Primo Levi schildert das Lagerleben. Sein Lagerleben. Die äußere Routine und sein Inneres.

Was bedeutete es, auf den Holzpritschen zu schlafen, Kopf an Fuß mit einem anderen Lagerhäftling? Welche Fähigkeiten halfen zu überleben? ... z. B. mit einem Blick die richtige Größe Holzschuhe auswählen zu können. Denn eine zweite Chance gab es nicht. Zu große oder kleine Schuhe werden zum Verhängnis.

Primo Levi schildert seine Jahre in Haft von der Gefangennahme bis zur Auflösung des Lagers. In meist ruhiger, sachlicher Sprache, wo nötig poetisch.

Der Holocaust, Auschwitz ... in der Schule besprochen, KZs und Ausstellungen besichtigt, Bücher gelesen, Dokus und Spielfilme gesehen. Levi schildert anders. Nach der Lektüre kommt mir mein früheres Bild unvollständig vor.
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am 27. September 2002
Primo Levi war ein italienischer Soldat, der in Norditalien stationiert war und nach dem Übergang Italiens zu den Allierten im Jahr 1943 von den Deutschen entwaffnet und interniert wurde. Die Deutschen fanden heraus, daß er Jude war und so landete er Anfang 1944 in Auschwitz. Weil er Chemiker war, wurde er nach Monowitz, einem Außenlager von Auschwitz verbracht. Dort mußte er für die Deutschen schuften, die ihn wie einen Aussätzigen behandelten. Die ständigen Selektionen überstand er, weil ihn sein Fachwissen rettete. Die Hölle dauerte ein Jahr. Seinen körperlichen Zusammenbruch und sein Überleben schildert er in seinem Buch "Atempause". Man muß eigentlich beide Bücher lesen.
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