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am 8. Dezember 2014
Das Buch ist wunderbar. Der Anfang ist mir etwas zu philosophisch, aber danach wird es immer interessanter. Es eignet sich aber nur für Katholiken ober zumindest Menschen, die der Religion positiv gegenüber stehen.
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am 12. Dezember 2011
In seiner Streitschrift für den katholischen Glauben bringt der Autor Matthias Matussek gleich zu Beginn auf Seite 9 ein Zitat von Les Murray, welches so lautet: "Snobs bringen uns von der Religion ab, heutzutage, wenn's ihnen gelingt. Ich s***** auf sie. Und wünsch Dir Gott." Daran scheint sich das ganze Buch auszurichten, das mehr auf die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Katholiken, Protestanten, Muslimen und Atheisten eingeht. Nur selten werden Geschichten von Seligen wie Mutter Teresa, die - wie auf Seite 180 - schon mal an ihrem Glauben zweifelt, oder Heiligen wie dem Apostel der Deutschen, dem heiligen Bonifatius (S. 192), erzählt. Einen dieser gesellschaftlichen Streitpunkte, die Matussek erwähnt, sehen viele Atheisten im Zölibat der katholischen Priesterschaft. Matussek zitiert und begegnet dem, indem er schreibt, dass der Zölibat letztendlich zu größerer innerer Freiheit führe (S. 199) und ein Glanzbeispiel des Katholischen ist. Selbst Mahatma Gandhi oder der Dalai Lama und seine buddhistischen Mönche leben im Zölibat (S. 50). Den Zölibat gab es bereits im Hellenismus (S. 51) und der Glaube, dass katholische Priester Eheleuten keinen Rat geben können, weist der Autor auf Seite 50 zurück. Sollen denn protestantische Priesterinnen und Priester, bei denen die Scheidungsrate hoch ist, besser beraten können angesichts ihres persönlichen Scheiterns. Die Haltung der katholischen Kirche zur Abtreibung wird auf Seite 200 mit dem 2. Vatikanischen Konzil und dem Psalm 139 ("Du hast mich gebildet im Mutterleib") als verabscheuungswürdiges Verbrechen begründet. Siehe selbst. Dass der katholischen Kirche ständig die alte Inquisition mit Hexenverbrennungen etc. vorgehalten wird, obwohl die heutige katholische Kirche, die politisch links steht (S. 46), mit ihrem Streben nach weltweitem Frieden diese Irrungen schon längst abgelegt hat, wird auf Seite 55 begründet. Dort wird beschrieben, dass insbesondere in protestantischen, später puritanischen Gegenden, wie Salem, die Hexenverfolgung durchgeführt wurde. In Spanien hat die katholische Inquisition die Hexenverfolgung verhindert und im Kongo, in Tansania und Südafrika, wo es zu vielen Hexenmorden gekommen ist, waren es die christlichen Missionare, die die Hexenverfolgung untersagten. Jeden Tag sterben in unserer ach so mitfühlenden Welt 26 000 Menschen an Hunger (S. 90), während sich katholische Orden überall auf der Welt für Bildung und Nahrung einsetzen. Der gesamte Beginn des Buches widmet sich dem Umstand, wie sehr unsere westliche Gesellschaft in ihrem Konsumglauben doch mit den 7 Todsünden umgeht, indem sie sie für therapierbar und verantwortlich für Schuldgefühle erklärt. Auch der in den Medien so oft hochgespielte Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester, Mönche und Nonnen, ist bei genauerer Betrachtung eher zu vernachlässigen, wenn auch Matussek das Verhalten der katholischen Kirche bis zum medialen Echo darüber für skandalös hält. Dennoch machen einer Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer zufolge diese Fälle nur 0,1 Prozent der gesamtgesellschaftlichen Kindesmissbrauchsfälle in Deutschland aus (S. 47).

Darüber hinaus wird in dem kurz erwähnten Buch "God's Brain" dargelegt, dass religiöse Menschen glücklicher und länger leben (S. 90). Selbst die großen Evolutionsbiologen Mendel und Darwin waren gemäß Seite 93 Theologen und glaubten an Gott (S. 93). Matussek zeigt auch auf, dass viele Menschen zwar nicht an die jungfräuliche Geburt Jesu durch Maria glauben, dafür aber kein Problem mit dem allein mit Kraft der Gedanken Löffel verbiegenden Uri Geller haben. Im Übrigen greifen wir im Alltag immer wieder auf Glauben bzw. Vertrauen auf andere Menschen oder Institutionen zurück. Selbst die exakteste Wissenschaft kommt so ohne ständige Rückgriffe auf den Glauben nicht aus (S. 96). Auf Seite 97 und 98 finden sich auch die Sätze "Die Wissenschaften können uns die Entstehung des Lebens erklären, aber nicht, warum es überhaupt Leben gibt" und "An einen Gott glauben heißt, die Frage nach dem Sinn des Lebens verstehen." Vielmehr ersetzen laut Matussek und seinen Gesprächspartnern Fernsehen, Kino sowie PC, Internet und Computerspiele die Vorstellungen der religiösen Welten, ja sogar der Apokalypse. Auf Seite 152 finden sich dazu die Sätze: "Wir lesen nicht mehr über die letzten Tage in der Apokalypse des Johannes, sondern wir sehen sie, in Videokonsolen oder im Kino. Wir können der großen Endschlacht zwischen Gut und Böse beiwohnen in diesen digitalen Ersatz-Andachtsräumen." Das große Ideal des Christentums sieht der Autor verwirklicht auf Seite 133 in dem Satz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Jedoch hat das Christentum auch etwas Wehrhaftes, wie Jesus mit seiner Aussage aus Psalm 139 es trifft: "Ich bin nicht gekommen den Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Matussek zitiert dazu auf Seite 199, dass laut Bibel erst mit der Herstellung des Gottesreiches all die "Schwerter in Pflugscharen" verwandelt würden. Dem Papst mit seiner Regensburger Rede von 2006, die in der muslimischen Welt zu enormen Protesten geführt hatte, zu unterstellen, er wolle damit den Islam angreifen, sieht Matussek als verfehlt an. Vielmehr wollte unser Papst Benedikt XVI. mit dem Zitat "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten" laut Matussek zum interreligiösen Dialog aufrufen (S. 136). Die Rede wurde von 138 muslimischen Geistlichen zum Anlass genommen in einem 29-seitigen Brief zu einem Dialog zwischen Christentum und Islam aufzurufen (S. 138). Auf Seite 143 wird kurz auf das "Prinzip der Taqiyya" des vor allem schiitischen Islam eingegangen, das die Verstellung erlaube, wenn die Wahrheit lebensbedrohlich wäre. Katholiken sei dies als "reservatio mentalis" bekannt, was erlaube, nach außen ein Versprechen so zweideutig zu formulieren, dass man es jederzeit brechen darf (S. 143). Im Übrigen verhalte sich unser Christentum oft so, dass wir auch die andere Wange zum Schlag hinhalten, während der Islam alle Waffen aufbietet.

Bei den Atheisten sei laut Matussek die bloße Wiederholung von Nietzsches "Gott ist tot" ohne eine Begründung zu platt (S. 148) (, ja nach dem Wirken Gottes auf Erden sogar widerlegt - D.V.). Nietzsche wollte mit dieser Aussage zu Elegie, Mut und Freiheitsdrang aufrufen und keine platte Begründung für bloßen Konsumismus liefern. Der Katholizismus selbst dürfe nicht zu einer bloßen Ware verkommen. Der Herr sage laut Seite 182: "Die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichts." "Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten." "Kein Haussklave kann zwei Herren dienen. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Zum "Vater Unser" (Beginn S. 187) schreibt Matussek, dass ein Freund ihm einmal schrieb, dass der Vater-Unser-Text "Und führe uns nicht in Versuchung" im Aramäischen, der Sprache Jesu Christi, folgendermaßen lautet: "... führe uns in der Versuchung", was Matussek darauf schließen lässt, dass selbst Jesus ein von Versuchungen freies Leben nicht vorstellbar war (S. 188). Auf diese Weise rettete auch Papst Pius XII. vielen Juden das Leben, auch wenn ein großer Schlag gegen den Faschismus wohl selbst den Vatikan diesem Faschismus ausgeliefert hätte und durch diesen zerstört worden wäre (S. 210 f.). Siehe dazu auch den Film "Pius XII. - Ein Papst in Zeiten des Krieges". Rund 1300 Selig- und Heiligsprechungen hat Johannes Paul II. in seiner Amtszeit vorgenommen, um dem konsumistischen Zeitgeist und seinen Idolen mit neuen Helden entgegenzutreten (S. 212). Johannes Paul II. sprach auch von einer "Zivilisation des Todes" und davon, dass wenn 800 Millionen Menschen auf der Welt hungern, das irdische System kaputt sei (S. 218). Dies tat er auch mit seinen Sozial-Enzykliken wie "Sollicitudo rei socialis" (Über die soziale Sorge der Kirche) (S. 223). Heute ist Benedikt XVI. der Heilige Vater über mehr als eine Milliarde Katholiken (S. 232). Es gibt noch rund 2 Mrd. Christen auf der Welt, die anderen Konfessionen angehören (S. 234). Dass Benedikt XVI. die Karfreitagsbitte für die "verblendeten Juden" wieder eingeführt habe, sehen selbst Rabbis wie der New Yorker Jacob Neusner kaum kritisch. Schließlich würden auch gläubige Juden dreimal am Tag darum beten, dass eines Tages alle Nichtjuden den Namen JHWHs anriefen (S. 241). Es folgt ein Kapitel über die USA und ihre Christen. Über die Hälfte der Amerikaner sind politisch lautstarke Protestanten und Do-it-yourself-Gläubige, ein Viertel sind leisere, hierarchiebewusstere Katholiken... (S. 247). So gibt es rund 50 Mio. wiedergeborene Christen in den USA (S. 256). Er aufrüttelndes sowie bewunderndes Bildnis der US-Gesellschaft (vor allem in den 90er Jahren).

Und dann, im Abschnitt zu Südamerika erwähnt Matussek dann doch noch einige Wunder. So gibt es ein wunderwirkendes Madonnen-Bildnis, das ein Jäger 1700 im Wald gefunden haben soll (S. 278). Ja, Jesuiten (ein katholischer Orden) zertsörten die indigene Kultur nicht, sondern kümmerten sich um Erhaltung von Kultur und lokalen Sprachen (S. 279) und kämpften als Soldaten Gottes sogar auf der Seite der Indios gegen Milizionäre und CIA-Killer (S. 280). Ebenda finden sich auch die Sätze: "Die aus den USA oft im Schutz der CIA eingesickerten Evangelikalen mit ihrem Wohlstandsevangelium ("Streng dich an, du bist deines Glückes Schmied") waren prinzipiell staatstreu. Die Katholiken prinzipiell aufsässig." Papst Johannes Paul II. distanzierte sich in den 70er Jahren von der Befreiungstheologie (S. 281), was an dessen Sozial-Enzykliken aber nichts änderte. Die Urkupina-Madonna wird auf den Seiten 298 ff. erwähnt. Eine blutende Jesus-Büste wird auf den Seiten 300 ff. erwähnt. Auch die Juden hatten im Jahr 1992 den Glauben, dass Menachem Schneerson der lebende Messias sei (S. 307), was sich im Nachhinein aber als falsch herausstellte, obwohl dieser 91-jährige auch schon unzählige Menschen geheilt haben sollte (S. 309). Auch der Messias lebe nach dem Gesetz, heißt es auf Seite 311. Ab Seite 331 werden sämtliche Engel aus Judentum, Christentum und Islam vorgestellt. Letztlich war auch Jesus ein Jude (S. 350). Meister Eckhart findet auch noch ab Seite 346 Eingang in dieses Buch, das sich gut als Ergänzung zu Werken wie "Gottes Spuren: Die Wunder der katholischen Kirche", "Wenn Gott spricht: Die Prophezeiungen der katholischen Kirche", "Stigmata. Sie tragen die Wundmale Christi" oder "Träger der Wundmale Christi: Eine Geschichte der Stigmatisierten" lesen lässt. Absolut zu empfehlen!
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am 11. Mai 2013
Alles ausgezeichnet.und so, wie beschrieben. Bin sehr zufrieden. Keinerlei Beanstandungen. Das Buch selber sollte jeder lesen, der sich mit Religion auseinandersetzt. Matussek ist ein großartiger Schreiber, aber das ist bekannt.
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am 20. Februar 2014
Gefällt mir als persönliche Meinung des Verfassers sehr! Gut lesbar. Wünsche mir mehr davon. Schreibt Matussek noch mehr solcher Bücher?
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am 29. März 2012
Matussek: Das katholische Abenteuer
Matussek schwimmt gegen den Strom
Die Kirchen haben es heute schwer, und die katholische wird noch stärker angegriffen als die protestantische. Letztere weist sogar 'Lichtgestalten' auf wie Käßmann. Der katholischen Kirche wird ihre autoritäre Führung vorgeworfen, geistige Rückständigkeit, verklemmte Sexualmoral, unzeitgemäßes Festhalten am Zölibat, Missbrauchsfälle, um nur einige Kritikpunkte zu nennen. Welche Aufgeregtheiten hat allein der verstorben Bischof Dyba ausgelöst, der sich strikt und unerbittlich gegen jegliche Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs wehrte. Ihm bescheinigt Matuseek 'Mut gegen die Mehrheit.' Diesen Mut kann man auch ihm selbst zuschreiben. Matussek und verteidigt nicht nur die Kirche. Er lobt ihre konsequente Haltung, behauptet, nicht ihre fehlende Anpassungsfähigkeit an die Moderne sei ihr Problem, ihr schade im Gegenteil jeglicher Modernismus, mit dem man versucht, Gläubige zu halten oder zurück zu gewinnen. In Wirklichkeit hätten wir es nicht mit einer Kirchenkrise, sondern mit einer Gotteskrise zu tun. Angriffe auf die Kirche dienten letztlich nur dazu, die Abkehr vom Gottesglauben zu kaschieren. Wie ungerecht viele Angriffe seien, erhellt allein die Tatsache, dass nur 0,1 % der Missbrauchsfälle kirchlichen Einrichtungen oder Personen zugeordnet werden können. Matussek prangert auch die Asymmetrie bei der Behandlung der Religionen an. Jede Verunglimpfung des Islams, selbst wenn es sich nur um eine vermeintliche handelt, löst empörte Reaktionen aus, während man bei blasphemischen Verletzungen der Kirche schweigt. Matussek kommt zu dem Ergebnis, nicht der zu starke Widerstand gefährdet die Kirche, sondern ihr eigener zu schwacher Widerstand. Wer sich der Kirche verbunden fühlt, wird diese Verteidigung dankbar begrüßen, wer ihr kritisch oder ablehnend gegenüber steht, dürfte nachdenklich werden. Vielleicht wirft man Mazussek einen Verstoß gegen die Political correctness vor. Das wäre ungerecht, denn politische Korrektheit darf nie zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit führen.
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Wer schon als Kind Messe spielte, wie schön, der wird sicher mal ein glücklicher Mensch, wenn alles gut geht.
Sollte es aber Schwierigkeiten geben im späteren Leben, dann kann man sich an seine Kindheit erinnern und alles wird (vielleicht) wieder gut.
Es ist schon ein Ding mit dem Katholizismus, mit dem deutschen sowieso und Matthias Matussek, der Spiegel-Blogger, er ist auch hier dialektisch, katholisch dialektisch wohlgemerkt. Denn er erscheint scharfsinnig zum einen, zum anderen ist er gutmütig und gefühlsbetont und er kommt weit herum.
Er kann also mitreden. Als Kind, wie gesagt, spielerisch in den Katholizismus hineingewachsen, als Heranwachsender dann das Gegenteil suchend, in einer WG mit maoistischen Gedanken (wer hatte die nicht damals?).
Also, ich sage mal so: was Matussek hier beschreibt ist vieles. Aber immer scheint so etwas wie Humor oder Menschenverstehen oder beides durch das Geschriebene, aber es ist wirklich manchmal zum ..., also manchmal schüttelt man doch den Kopf, weil man meint (glaubt), er glaubt es wirklich, was er sagt, fühlt.
Nein, Religion ist menschliche Geistesarbeit, ist Gefühl und ist vielleicht Transzendentes fühlend, erlebend. Schön, dass es soetwas gibt, sage ich mal.
Sehr gut der Beginn und das Eingehen auf die sieben Todsünden im Vergleich zu unserer rigiden, unserer ach so leichten, liebsündigen Welt mit den oftmals schluffigen Menschen, auch den Vorbildern, wie wir sie gerade sehen oder immer wieder sehen.
Ja, es regt sich etwas bei uns, auch in Deutschland (egal ob zustimmig oder reserviert), und das ist gut so, denke ich.
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am 5. Mai 2013
Ein kluger Mensch, der Herr Matussek. Auch wenn man hier und da anderer Meinung sein kann, analysiert er doch unsere Gesellschaft und den Glauben sehr präziese.
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am 7. Dezember 2012
Sehr schnelle , top Lieferung . Bin es am Lesen . Danke !!!
Ich bin slbst ein gläubiger Mensch , gehe in die Kirche und bin auf den Inhalt sehr gespannt .
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am 20. März 2012
Eigentlich ein interessantes, mitreißendes Buch. Matusseks journalistische Schreibkunst ist für jeden Sprachliebhaber ein Schmaus. Allerdings kommt es mir so vor, als wenn dieses Buch nur aus Versatzstücken alter Zeitungsartikel Matusseks zusammengewürfelt wurde. Das wird besonders zum Ende mit den alten Reportagen über den amerikanischen Katholizismus deutlich, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben.
Ich finde es etwas frech, alte Artikel und Reportagen, ausgeschmückt mit der eigenen Lebensgeschichte in ein Buch zu packen und dies als etwas neues zu verkaufen.

Für Leute, die Matussek bisher nicht kennen bzw. seine Artikel im SPIEGEL nicht so sehr verfolgen, trotzdem aufgrund der an sich spannenden Lektüre empfehlenswert.
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am 26. September 2015
Wenn ein ehemaliger Feuilleton-Chef des SPIEGELs und begeisterter Katholik – eine etwas ungewöhnliche Kombination – ein streitbares Bekenntnisbuch vorlegt, kann ihm Aufmerksamkeit gewiss sein. „…es zischt und kracht in diesem Buch Seite für Seite“, schrieb ein Rezensent übertrieben, aber große Sprachkraft muss man dem vielgereisten Journalisten in der Tat zubilligen – und Mut zum Exhibitionismus.

Viele positive Attribute hat man für dieses Buch Das katholische Abenteuer gefunden: es sei ein Sprachkunstwerk, ein berührendes Selbstzeugnis, gebildet, klug usw. Erfährt man dann noch, das Buch sei „leidenschaftlich katholisch“ und ein Kurienkardinal habe es in Rom vorgestellt, so muss man freilich kein Ungläubiger sein, um sich schon hier ein großes inneres Fragezeichen zu malen. Als hervorstechendes Merkmal der Schrift sei aus Sicht des Rezensenten hervorgehoben: Der Mut zu diesem Exhibitionismus. Dass man des Öfteren auch zustimmend nicken kann bei mancher (freilich nicht neuer) Kritik an Erscheinungen des Zeitgeistes, das nur nebenbei.

Erzkatholische Sozialisation

Konzentrieren will ich mich auf die speziell katholischen Sichtweisen mit ihren Emotionen und Begründungen. Die Wichtigkeit kindlicher Sozialisation für die weltanschauliche Einstellung zeigt sich auch an der Vita Matusseks. Aufgewachsen mit vier Brüdern im „rabenschwarzen“ Münster in der klerikal-katholisch dominierten Adenauer-Ära, war seine Kindheit vom Fussball bestimmt, aber mehr noch vom Kirchenkalender, vom Tischgebet, Rosenkranzgebet vor dem Hausaltar. Gebetet wurde auch, wenn man den Schlüssel verloren hatte (zum hl. Antonius) usw. Sonntagsmesse und Marienandachten waren selbstverständlich, und der päpstliche Ostersegen im Fernsehen bewirkte den Erlass der Sündenstrafen. Klein-Matthias spielte mit seinem Bruder Messe in der Kutte, und Vater half beim Ausfüllen der Beichtzettel, wenn er auch dabei überlistet wurde. Ein Psychologe könne als Resultat dieser Erziehung vielleicht erschwerte Religionsvergiftung diagnostizieren, für ihn, so Matussek, sei es aber eine „glückliche und beschirmte Kindheit“ gewesen. „Dieser Kinderglaube hat ein Reservoir angelegt wie einen unterirdischen See“, bekennt er (58 ff.). Der Autor fasst zwar zusammen: „Versunkene Welt“ und spricht von seiner Kindheit als religiös inniger „frommer Hokuspokus“. Auf derselben Seite (62) schreibt er aber auch, er sei bei seinem Kindheitsglauben hängen geblieben und damit in guter Gesellschaft. „Heiliger Vater“ ist für ihn eine „wunderbare Anrede“ (63).

Als junger Mann ist M. plötzlich seinem Kinderglauben „längst entwachsen“ (73) und wendet sich dem Marxismus-Leninismus zu, der Meditation und Rauschmitteln. Die bewegte Lebensreise endet in einem vorläufigen konzentrierten Credo: an einen persönlichen Schöpfergott, Jesus Christus (dessen Natur offen bleibt), eine unsterbliche Seele, an den Menschen als Mittelpunkt der Schöpfung und die Sündenvergebung in der Beichte. Dass es ein Leben nach dem Tod gibt, wünscht sich M. nur. Vielleicht am Erstaunlichsten: „Ich glaube, dass die katholische Kirche trotz ihrer zahlreichen Verschattungen und Fehler jedes Recht hat, stolz auf ihre Geschichte zu sein und auf all das, was sie an Gutem bewirkt.“ (78)

Eigentore

Mit seinem Gotteskapitel verhebt sich Matussek. Der großsprecherische Untertitel „Einige Argumente für den Glauben, die das atheistische Team blass aussehen lassen…“ lässt zu Recht eine intellektuelle Blamage erwarten. Dass M. Leute einfach nicht versteht, „die an gar nichts glauben“, ist eine ebenso billige wie falsche Phrase. Oder will er tatsächlich Andersdenkende, die (teilweise) andere (nicht: gar keine!) Grundüberzeugungen haben, gar nicht als Leser? Wenn er „Wissenschaftsatheisten“ vorwirft, ihr Determinismus sei so schlimm wie die Erbsündentheologie des Augustinus (der Mensch sei nichts, wenn nicht aus Gottes Gnade), so sagt er zwar nichts Dümmeres als etliche heutige Philosophen. Aber mit den Ergebnissen der aktuellen Hirnforschung hat das nichts zu tun: Problem nicht erkannt (von der Problematik der Begriffsdefinitionen einmal abgesehen). Die Wiederholung der konservativen Behauptung, eine glaubenslose Gesellschaft verliere ihre Werte, ist intellektuell auch nicht besser (dazu Ursula Neumann) Und der schlichte Hinweis darauf, Darwin und Max Planck hätten an Gott geglaubt, ist für Matussek bereits ein Traumtor gegen die Atheisten. Dabei hat Darwin zwar die Existenz „Gottes“ nie dezidiert verneint, war aber doch zumindest in seinen letzten Jahren Agnostiker. Und Planck könnte man neben vielen Anderen Albert Einstein entgegensetzen: „Was sie über meine religiösen Überzeugungen lesen, ist natürlich eine Lüge…Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe das… immer klar zum Ausdruck gebracht.- Der Gedanke an einen persönlichen Gott ist mir völlig fremd und kommt mir sogar naiv vor.“ Traumtore sehen anders aus.

Zur Untermauerung der Plausibilität seiner Gottesthese stellt M. (S. 101) ohne nachprüfbare Quellenbenennung die ebenso unmaßgebliche wie zweifelhafte Behauptung auf, 70% der (deutschen?) Bevölkerung glaubten an einen Schöpfergott. Aber wenn schon Statistik: Interessanter als der bloße (auch deistische) Schöpfergott wäre der persönliche Gott. Und an den glauben in Deutschland ausweislich etlicher repräsentativer Umfragen seit langer Zeit nur noch maximal 25% (so schon die ALLBUS-Studie 2002), und über 50% bezeichnen sich als „nicht religiös“. Das ist nur eines von vielen Beispielen für große Oberflächlichkeit. Ein noch ärgerlicheres ist die Behauptung, die „Abschaffung“ des Religionsunterrichts in Berlin und Ersetzung durch das Fach Ethik sei ein Skandal. Eher ist es ein Skandal, mit welch fundamentaler Unkenntnis ein prominenter Journalist über eine massive kirchlich-politische Lügenkampagne hinweggeht, denn an eine Verschlechterung oder gar Abschaffung des traditionellen Status des Religionsunterrichts in Berlin war zu keinem Zeitpunkt gedacht. Noch eins zur journalistischen Sorgfalt: Was, bitte schön, ist die „Schönstedt-Bewegung“ (S. 199), ist etwa die Schönstatt-Bewegung gemeint?

Referenzpersonen

Zu den Personen, die Matussek mag, gehört Mutter Teresa (45f.). Diese Ikone der Nächstenliebe ist aber durchaus umstritten, u.a. ihre Devise, eine Krankheit sei wie ein Kuss Jesu, so dass in den Einrichtungen ihres Ordens auch Sterbenden Schmerzmittel versagt wurden. Auch berichteten Ärzte im Jahr 2010 SWR-Journalisten von erbärmlichen hygienischen Zuständen (nicht anders als zu Lebzeiten Teresas), Nachforschungen vor Ort wurden unterbunden. - Eine weitere Referenzperson M.‘s ist der kath. Philosoph Robert Spaemann (extremer Lebensschützer; er hat bei den Essener Gesprächen 1995 vor Juristen ernsthaft vorgetragen, wegen der unbedingten sittlichen Pflicht zur Gottesverehrung müsse der deutsche Staat diese privilegieren, Gott sei der „Legitimationsgrund allen Rechtes“; Sp. ist auch Verfasser des abstrusen Büchleins „Der letzte Gottesbeweis“, 2007). - Erzbischof Dyba widmet M. respektvoll das interessante Kapitel „Die Axt Gottes“. Einer von Dybas Leitsätzen lautete: „Eine Gesellschaft ohne Glauben ist eine Gesellschaft ohne Moral.“ (zum Unsinn solcher Diffamierung.) Dass das einen ungeheuren gesellschaftsspaltenden Affront gegenüber allen Nichtreligiösen darstellt, kommt M. nicht in den Sinn. Den solitären Ausstieg Dybas aus der kirchlichen Schwangerenkonfliktberatung mit Bescheinigung (staatsfinanzierte „katholische Beratungsindustrie“) bewundert er anscheinend.

Besondere Verehrung bringt der Autor Joh. Paul II. und Benedikt XVI. entgegen. Beide hält er für Glücksfälle. Joh. Paul II. sei gar ein „Jahrtausend-Papst“ (S. 217). Kritikwürdiges scheint er trotz seines 26-jährigen Pontifikats nicht gefunden zu haben, nicht einmal manche Ungeheuerlichkeit bei Südamerikareisen. Die überstürzte Heiligsprechung des Gehorsams- und Glaubensfanatikers Josemaría Escrivá, Gründer der Lieblingsorganisation des Papstes, nämlich des demokratiefeindlichen Opus Dei, lässt Matussek immerhin unkommentiert. Zu Benedikt XVI. erklärt er, schon die erste Enzyklika (Deus caritas est) zeige „rhetorische Brillanz und menschenkluge Tiefe“, er habe ein „wundervolles Jesus-Buch“ herausgebracht, mit dem ihn der Papst „als Schriftsteller fasziniert“ habe (S. 234). In diesem Buch (2007), sei angemerkt, zeigt der Papst seine Verständnislosigkeit gegenüber Religionskritikern auch mit Hilfe moralischer Diffamierung. Liberale Theologen mag M. offenbar generell nicht (49 f.).

Weitere Vorlieben

M. hält große Stücke auf die Zehn Gebote, ohne deren Drohcharakter einerseits, Banalität andererseits und ihre fehlende Eignung für die heutigen komplizierten ethischen Fragen zu erkennen (vgl. H.-W. Kubitza, Der Jesuswahn, Marburg 2011, 333 ff.). An der katholischen Kirche schätzt er u.a. die 2000-jährige Tradition, Gebet und Messe (insbesondere in ihrer tridentinischen Form, S. 63), das Rosenkranzbeten ist ihm eine „großartige Meditation“ (S. 112 f.), die Aufrechterhaltung des Pflichtzölibats (der Zölibatär als „auratische Figur“) erkennbar ein großes Anliegen (S. 49, 50 ff., S. 199, 205, 241 f.). Dass innerhalb derselben Papstkirche der Zölibat in den orientalisch-katholischen Kirchen für die einfachen Priester nicht Pflicht und praktisch die Ausnahme ist, interessiert den Autor nicht.

Apologetik

Jeder verteidigt seine Sache, fragt sich nur, mit welchen Mitteln. Insgesamt könne die Kirche trotz ihrer Schattenseiten stolz auf ihre Geschichte sein, weil sie so viel Gutes bewirkt habe, meint Matussek kühn. Nun ist Geschichtsinterpretation stets mit ideologischen Fallstricken verbunden. Aber bei aller Großzügigkeit: Es gibt nicht nur die stets wiederholten Sündenkapitel kirchlicher Geschichte. Erinnert sei auch etwa an die weitgehende Vernichtung der antiken Literatur, die ständig geschürte Höllenangst, die Judenfeindschaft vom Neuen Testament bis in die Öfen von Auschwitz und sogar danach, an die jahrzehntelange herausragend grausame Verfolgung der Katharer, generell an die Missionsmethoden, an den krankhaften Dogmatismus, die brutale Unterdrückung interner Abspaltungen, allgemein die Unterdrückung freien Denkens, den rigiden weltlichen Machtanspruch. Im 20. Jh. hat die Kirche alle zahlreichen faschistischen Diktaturen in Europa und Lateinamerika entscheidend unterstützt, historisch herausragend die Ungeheuerlichkeiten des klerikalfaschistischen Ustascha-Regimes, die durch Pius XII. gebilligt und durch nachträgliche Ernennung des Hauptschuldigen und verurteilten Kriegsverbrechers Erzbischof Stepinac zum Kardinal gewissermaßen geheiligt wurden. Johannes Paul II. hat Stepinac 1998 sogar seliggesprochen und damit zum offiziellen Vorbild gemacht. Die unglaublichen und gut dokumentierten Verstrickungen der katholischen Kirche und Bevölkerung in den Genocid in Ruanda 1994 hat Matussek ebenfalls (unbenannt) mit dem vielen Guten vollständig ummantelt und mit Stolz gekrönt (S. 78).

Was ist das für ein Umgang mit Geschichte? Und was das Drama Sexualität anbelangt: Dass M. sich nicht scheut, die (unkorrekt zitierte) „Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen“ (www.vkpf.de) sogar ins Lächerliche zu ziehen (S. 204), kann man ihm wirklich übel nehmen. Natürlich sind Katholiken keine schlechteren Menschen, natürlich tun viele Katholiken viel Gutes, natürlich können Katholiken widerständig gegen „das Böse“ sein: wie Andere auch. Aber muss man deshalb die Geschichte so verbiegen?

Man könnte fast meinen, Matussek glaube den katholischen Kirchenhistorikern und Theologen alles, auch die Nichtexistenz ihrer gigantischen Auslassungen. Darauf deutet auch die Behauptung, die Kirche habe doch nun wirklich alles gegen die sexuellen Missbräuche getan (vgl. S. 47, 54 f., 71), oder die Rede von Petrus als dem ersten Papst, wo doch jedes Erstsemester in katholischer Theologie wissen sollte, dass in der (westlichen) Kirche eigentlich erst seit dem 5. Jh. von Papsttum gesprochen werden kann.

Religiöse Gefühle – gesellschaftliche Gefahren

Was für Matussek die Religion in etwa ausmacht, ist die Ergriffenheit, Trost, Hoffnung, das Mysterium, Rituale, Gebet, faszinierende Formensprache, Tradition, Heimatgefühl, Orientierung, Nächstenliebe, die Strukturierung des Alltags. All das, die Musik nicht zu vergessen, erzeugt Gefühle und Ordnung, und das hat schon was für sich. Der Rezensent kann das als mehrjähriger Ex-Ministrant bestätigen. Aber man muss halt den Verstand und die Kenntnis wichtiger Tatsachen schon kräftig wegdrücken. Auch braucht der weltliche Humanismus keineswegs gefühllos zu sein, sind doch Liebe, Mitgefühl, Freundschaft, Vertrauen usw. allesamt natürliche Phänomene. Aber um den säkularen Humanismus und eine differenzierte weltliche Ethik (Gegenstand einer wichtigen philosophischen Disziplin), um gesellschaftskritische Gemeinsamkeiten, um Religionskritik und um eine etwas nüchternere Kirchengeschichte hat sich M. offenbar noch gar nicht bemüht. Daher wird er seine Kritiker auch mit den positiven Aspekten, die das vielseitige Buch zweifellos hat, wenig beeindrucken.

Das Buch zeigt provokativ eindrucksvoll, welche skurrilen Fehlvorstellungen sich hinter prominenten und einflussreichen Köpfen verbergen können. Berührungsängste zeigt M. zwar nicht. Aber nicht in einer Zeile erwähnt er Belange Nichtreligiöser; er nimmt sie von vorneherein nur als moralische Gefahr und, überheblich, nicht als gleichberechtigte Diskussionspartner wahr. Das trägt unnötig zur Polarisierung bei und ist daher gesellschaftspolitisch gefährlich.
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