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Der amerikanische Autor Richard Yates (1926-1992), der mit seinen Romanen und Erzählungen eine ganze Generation von Schriftstellern geprägt hat, war nach seinem Tod unbegreiflicherweise in Vergessenheit geraten. Erst durch die Herausgabe seiner Romane und Short stories in den letzten Jahren durch die Deutsche Verlags-Anstalt ist er dem deutschen Lesepublikum wieder bekannt geworden.

Der vorliegende Roman „Eine gute Schule“ aus dem Jahre 1978 liegt daher auch erstmals in deutscher Sprache vor, in einer Übersetzung von Eike Schönfeld. Richard Yates schildert darin das Internatsleben an der kleinen Dorset Academy in Neuengland zu Beginn der 40er Jahre.

Der 15jährige William Grove ist hier Stipendiat, der aber wegen seiner proletarischen Herkunft wenig Kontakt zu seinen Mitschülern hat. Er wird von ihnen sogar erniedrigt. Seine Mutter hofft jedoch weiterhin, dass sich für ihren Sohn durch den Academy-Besuch die Türen zur höheren Gesellschaft öffnen. Obwohl sie eine große Künstlerin war, blieb ihr das leider verwehrt. Von ihr hat William vielleicht die künstlerische Neigung geerbt, denn die Mitarbeit an der Schülerzeitung „Dorseter Chronicle“ bereitet ihm viel Freude.

Realistisch schildert Yates das Zusammenleben der pubertierenden Jugendlichen und ihre Cliquenbildung. Aber nicht nur die Schüler müssen mit ihren Problemen zurechtkommen, auch die Lehrer und Erzieher haben ihre Schwierigkeiten. Da ist z. B. Jack Draper, dessen Frau ihn mit einem Kollegen betrügt und was in der ganzen Schule, selbst unter den Schülern, kein Geheimnis ist.

Mit der Nachricht von Pearl Harbor beginnen auch Veränderungen in der Academy, denn es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann die USA in den Krieg auf dem europäischen Festland eintreten werden. Der Sportlehrer hat schon einen „Kommandokurs“ errichtet, auf dem er die Halbwüchsigen für den späteren Militärdienst ertüchtigen will. Später gibt es sogar Luftschutzübungen. Schließlich entlässt die Dorset Academy ihre letzte Abschlussklasse in den Krieg und dient danach als Unterkunft für erblindete Armeeveteranen. Viele Jahre später, nach Kriegsende, erkennt William Grove, dass die Academy für ihn doch irgendwie eine glückliche Lehrzeit war.

„Eine gute Schule“ ist das psychologische Porträt eines heranwachsenden Jungen, das sowohl mit großer Sprachkraft als auch mit Feingefühl noch heute überzeugt. Es besitzt außerdem viele autobiografische Züge und gehört zu den besten und persönlichsten Werken von Richard Yates. Selbst nach über dreißig Jahren ein unheimlich aktuelles Buch.

Manfred Orlick
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am 13. September 2012
Dem Roman "Eine gute Schule" ist ein sehr eindrückliches Zitat von F. Scott Fitzgerald, der Richard Yates ein großes Vorbild war, vorangestellt: "Rück den Stuhl heran / Bis an den Rand des Abgrunds / Dann erzähle ich dir eine Geschichte." Richard Yates erzählt in "Eine gute Schule" die Geschichte von William Grove, der als Stipendiat an die Dorset Academy kommt, der einzigen "Schule im Osten, an der man Jungs versteht". Richard Yates erzählt in "Eine gute Schule" eine typische Internatsgeschichte und ich habe mich beim Lesen immer wieder an Tobias Wolffs Roman "Old School" erinnert gefühlt. Es geht um heranwachsende Jungen, um Erniedrigungen. Und natürlich geht es auch um die Träume und Wünsche von jungen Männern, die kurz vor einer der wichtigsten Phasen in ihrem Leben stehen: für viele von ihnen endet die Zeit in der Dorset Academy mit dem Kriegseintritt. Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen von Richard Yates, in denen er sich auf ein oder zwei Charaktere konzentriert, die er förmlich seziert, gibt es in "Eine gute Schule" sicherlich ein gutes Dutzend Figuren, über die Yates schreibt. William Grove ist sicherlich die Hauptfigur, doch Yates springt in seinem Roman von einer Figur zur nächsten. Es gibt typische Yates-Figuren, wie den Chemielehrer Mr Draper. Mr Draper ist eine Figur, die gescheitert ist: er ist ein schwer gezeichneter Krüppel, wird von seiner Frau nicht nur abgelehnt, sondern sogar betrogen und eines Tages von seinen Schülern sturztrunken auf dem Fußboden gefunden. Mr Draper verkörpert das Scheitern bei Yates so stark, dass er selbst beim finalen Akt scheitert – in einer der sicherlich stärksten Szenen des Romans.

Der Roman wird durch ein Vor- und ein Nachwort eingerahmt, die für mein Empfinden einige der eindrücklichsten Passagen des Romans enthalten. Das spannende an dem Vor- und Nachwort – das in der Ich-Form gehalten ist – ist sicherlich, dass der Bezug zum Roman zu Beginn nicht ganz klar ist und dadurch beinahe der Eindruck entsteht, als würde sich Richard Yates in diesen Passagen selbst an den Leser wenden. Dank der großartigen Biographie und Einführung in das Werk von Richard Yates von Rainer Moritz habe ich erfahren, dass "Eine gute Schule" der am stärksten autobiographisch geprägte Roman von Richard Yates ist. Diesen autobiographischen Bezug habe ich als sehr spannend empfunden. Im Mittelpunkt des Vor- und Nachworts steht die Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler (bei dem ich vermute, dass es sich um William Grove handelt) und seinem Vater. Williams Eltern haben sich getrennt, William Grove hat das Gefühl, nach der Scheidung in den Besitz seiner Mutter übergegangen zu sein, während sich das Verhältnis zu seinem Vater sehr stark abgekühlt hat. Doch auch Williams Mutter ist nicht so erfolgreich im Leben, wie sie es sich selbst erhofft hat. Mit wenigen Pinselstrichen gelingt es Yates Szenen zu entwerfen, die so typisch sind für seine Romane: enttäuschte Erwartungen, zerplatzte Träume und das Streben nach etwas Höherem, das ein Leben lang unerfüllt bleiben wird. "Eine gute Schule" ist der kürzeste Roman von Yates und unterscheidet sich für mein Empfinden wesentlich von seinen anderen Texten. Ein Unterschied der heraussticht, ist sicherlich auch, dass "Eine gute Schule" – für die Verhältnisse von Richard Yates – schon beinahe überschwänglich positiv und versöhnlich endet. Wenn man möchte, könnte man schon fast von einem glücklichen Ende sprechen.

Für mich ist "Eine gute Schule" ein guter Roman, der einige großartige Passagen hat, in denen das ganze Erzähltalent von Yates aufblitzt. Dazu kommt, der sehr spannende autobiographische Bezug, der sich auch im Roman fortsetzt, da Richard Yates eine ähnliche Schule besucht hat, wie die Dorset Academy. Dennoch hat mir "Eine gute Schule" nicht ganz so gut gefallen wie andere Romane von Yates, ohne dass ich genau sagen könnte, woran es gelegen hat: vielleicht an der Vielzahl an Figuren und Erzählsträngen, da vieles nur angedeutet bleibt, unausgeführt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Roman mehr Seiten gehabt hätte, mehr Platz, um die Figuren ausführlich vorstellen und beschreiben zu können. Und dennoch ist "Eine gute Schule" besser als so viele andere Romane die heutzutage erscheinen– oder, um es mit den Worten von Rainer Moritz zu sagen: "auch schwächere Yates-Bücher sind besser als die meisten Nicht-Yates-Bücher."
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am 13. Oktober 2012
Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, der wir sieben Romane und zwei Erzählbände verdanken, verfasste Yates in den späten 1960ern für eine kurze Zeit Reden des US-Senators Robert Kennedy und war als Journalist und Werbetexter tätig. Sein erster Roman wurde bereits 1961 veröffentlicht. Obwohl er zunächst wohlwollend aufgenommen wurde, geriet er bald in Vergessenheit. Eben dieser Roman kam vor ein paar Jahren mit Leonardo Di Caprio und Kate Winslet unter Regisseur Sam Mendes verfilmt unter seinem deutschen Titel Zeiten des Aufruhrs ins Kino. Meine erste Berührung mit Yates.

Bereits aus der Titulierung „großer Existenzialist und Fatalist“ kann man schließen: Kein sehr fröhlicher Film nach keiner sehr fröhlichen Romanvorlage. Überhaupt gibt es in all seinen Romanen keine fröhliche oder hoffnungsmachende Grundnote. So hoffnungsvoll vielleicht seine Figuren auch von ihrer Form von Glück träumen mögen, alle enden ohne Happy End. Ja noch nicht einmal mit etwas, das auch nur entfernt an ein Happy End erinnern könnte.

Trostlos und trist, so ist auch Eine gute Schule aufgebaut. Das persönliche Drama und Unglück auch darin keine hoffentlich schnell vorübergehende Begleiterscheinung des Lebensalltags sondern bitterer Kern. Auch dieser Roman erzählt von der Hoffnungslosigkeit des amerikanischen Mittelstandes. Einer Klasse also, deren Leben ansonsten eher schön gemalt oder gar nicht beachtet wird. Mit einfachen, klaren Worten, ohne Schnörkel und Beschönigungen, erzählt Yates in Eine gute Schule die Geschichte des jungen William Grove, der Anfang der 1940er auf kleines, privates Internat in Neuengland kommt. Es wird gesagt, dass Eine gute Schule der persönlichste Roman Yates‘ ist. Tatsächlich spielt er in dem Zeitraum, in dem er selbst zur Schule ging. Wie viel davon autobiografisch und was schriftstellerisch erdacht ist – diese Frage kann er uns heute nicht mehr beantworten.

Seine Hauptfigur Grove ist jedenfalls 15 und ein Außenseiter. Doch ist er das wirklich? Im Grunde sind alle Charaktere in dem Roman – und davon lernt man mit Yates einige kennen – Außenseiter. Obwohl der eine oder andere von ihnen eher auf der Gewinnerseite zu stehen scheint, gewinnt keiner von ihnen wirklich. Alle scheitern früher oder später an einer stumpfen Realität und doch überleben die meisten irgendwie. Grove kann nur dank eines Stipendiums auf diese Schule, denn sein Vater bringt das Schulgeld kaum auf. Seine Mitschüler lassen ihn das spüren, wie sie überhaupt jede Schwäche anderer gnadenlos ausnutzen. Er erlebt Erniedrigungen und Zurückweisungen, nur weil seine Mutter darauf hofft, dass ihm durch den Besuch dieser Schule die Möglichkeit gegeben wird, in höhere Kreise aufzusteigen. Etwas was ihr selbst verwehrt war. Einzig die Mitarbeit an der Schülerzeitung scheint dem Jungen einigermaßen Freude zu bereiten.

Im Grunde zeigt sich Grove jedoch genauso berechnend wie die anderen, nutzt Vorteile wenn sie sich ergeben und lässt andere zurück, wenn er sich etwas davon verspricht. Das teils grausam anmutende, bisweilen melodramatisch und seltsam erwachsen wirkende Zusammenleben pubertierender Jungen prägt seinen Alltag.

Doch Yates lenkt unseren Blick nicht nur auf Grove und seine Mitschüler allein. Da ist die Schule an sich, die eigentlich nur dank einer schrulligen Gönnerin überleben kann, die den Traum von einer guten Schule hat. Einer Schule, die etwas bewegt und in der Jungen sich entwickeln können. Einfach, weil sie selbst als Frau diese Möglichkeit in dieser Form nie hatte. Der Autor lässt uns auch gleichermaßen unverstellte wie flüchtige Blicke auf die Lehrerschaft und ihre Familien werfen. Denn auch diese haben ihre Probleme und Sorgen. Seitensprünge, Krankheiten, Süchte und Zukunftsängste. Nicht nur weil die Schließung der Schule droht, sondern weil es da auch noch diesen drohenden Krieg gibt. Ein Krieg der dafür sorgt, dass manche der Schülern sich freiwillig melden. Die zurückgebliebenen Schüler erhalten erste Todesnachrichten der Freiwilligen und wissen, dass sie spätestens nach Abschluss der Schule eingezogen werden, es ist nur eine Frage der Zeit.

Über den gesamten Roman baut sich angesichts der Erlebnisse keine große Spannung auf. Tatsächlich plätschert er in seiner Tristesse gleichsam vor sich hin, ohne je wirklich langweilig zu sein. Der stellenweise flüchtige wie gleichermaßen eindringliche Erzählstil des Autors lässt den Lesefluss nicht wirklich versiegen, entwickelt sich für mich persönlich aber auch nicht in einen reißenden Strom.

Jahre nach Kriegsende lässt Yates Grove einen Blick zurückwerfen und auch dabei wird klar, dass es zwar irgendwie weitergegangen ist, aber natürlich auch deutlich schlechter hätte kommen können. Hoffnung? Nein, die sieht anders aus. Also typisch Yates eben. Nicht schönmalerisch. Dafür aber klar und irgendwie am realen Leben.

Fazit

Mit Eine gute Schule hält man ein bedrückendes Buch in Händen. Keines dass man einfach so nebenbei lesen sollte und kann. Wer ein Happy End liebt sollte auf alle Fälle die Finger davon lassen. Aber mal ehrlich: Wer erwartet das schon bei jemanden, der für seinen existenziellen und fatalistischen Erzählstil gerühmt wird? Ich möchte für Eine gute Schule vier von fünf Punkten vergeben.

2012 Antje Jürgens (AJ)
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am 16. Dezember 2012
William Groves Eltern sind schon lange geschieden. Er wächst bei seiner Mutter auf, welche einen nicht unproblematischen Lebenswandel pflegt. Bereits in jungen Jahren war er sich ihrer Schwächen bewusst, doch man arrangiert sich. "In einer Art und Weise, die weder hilfreich noch besonders angenehm war, gereichten sie und ich einander zum Trost." Kontakt und Verhältnis zum Vater gestalten sich reserviert, da dieser seine väterlichen Gefühle stets auf die größere Schwester fixiert. Er und sein Vater sind "ständig voneinander irritiert", was William zu der Überzeugung führt, sich seit der Scheidung im "Besitz seiner Mutter" zu befinden.

Wegen einer entsprechenden Anfrage gibt sich der Direktor der Dorset Academy in Connecticut, W. Alcott Knoedler, persönlich die Ehre eines Besuches, da er ohnehin gerade in New York weilt. Williams Mutter verspricht sich von einer Einschulung in diese Schule sehr viel, da ihr der Gedanke an ein Sprungbrett in bessere Kreise nicht weichen will. Nur 125 Schüler, ein Direktor, der an Individualität glaubt, und der damit verbundene Mehraufwand an persönlicher Zuwendung könnte die Weichenstellung für eine erfolgreiche Zukunft entscheidend beeinflussen. Schließlich wurde die Schule von einer Millionärin gegründet. Abigail Church Hooper verfolgte in den Zwanzigerjahren den Gedanken, eine Schule "für die Söhne der besseren Leute" aufbauen zu müssen.

Probleme sind insoweit vorprogrammiert, wenn ein Junge mit proletarischen Wurzeln die Bühne betritt. Auf der verzweifelten Suche nach Anerkennung muss William die schlimmsten Demütigungen ertragen, bis er (wie sein Schöpfer) das Schreiben entdeckt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, und er ist nicht der einzige, der in dieser Schule mit großen Problemen zurechtkommen muss. Auch in der Lehrerschaft brodelt es gewaltig. Allen voran vegetiert der unglückliche, an Kinderlähmung erkrankte Chemielehrer Mr Draper dahin, dessen Ehefrau ein Verhältnis mit dem Französischlehrer Frenchy La Prade zu unterhalten pflegt ...

Das ganze Elend des Krüppels wusste Richard Yates auf Seite 135 in einem emotionalen Rundumschlag gnadenlos realistisch aufs Papier zu bringen. So wie er es auch mit anderen Figuren tut und auch mit scheinbaren Nebensächlichkeiten, die in ihrer entlarvten Funktion plötzlich ganz andere Gewichtungen erhalten.

Bereits im Vorwort fallen unübersehbare autobiographische Bezüge auf, denn bei den erwähnten Eltern handelt es sich ganz offenbar nicht (nur) um die seiner Romanfigur William Grove (die auch er selbst sein könnte), sondern um seine eigenen. Wie der Vater im Buch, arbeitete sein eigener im wirklichen Leben tatsächlich als Vertreter bei General Electrics und hatte alle Mühe, von seinem bescheidenen Gehalt Unterhalt und Schulgeld für seinen Sohn abzuzweigen. Auch "William Groves" Mutter ähnelt der tatsächlichen Mutter des Autors, denn auch sie versuchte in Kreise aufzusteigen, die letztlich für sie unerreichbar blieben. Der völlig überzogene Anspruch, eine berühmte Bildhauerin zu werden, scheiterte ebenfalls kläglich.

Insofern handelt es sich bei "Eine gute Schule" um ein noch vielschichtigeres Werk, als der Leser zunächst vermuten mag. Es ist auf der einen Seite eine sehr amerikanische Internatsgeschichte, angesiedelt in den 40er Jahren, die in ihrer Gesamtheit die damaligen Verhältnisse eindrucksvoll skizziert. Auf der anderen Seite wird eine Vielzahl von Charakteren beschrieben, welche die vermeintliche Hauptfigur fast etwas in den Hintergrund drängen. Gefühle von Heranwachsenden, deren Gedanken und Irrtümer, sich abzeichnende Lebenslügen, philosophische Erwägungen, Knüpfen von Freundschaften und das Zerbrechen derselben, erste (grandios beschriebene) körperliche Kontakte mit Mädchen ("romantische Dilemmas") und die ganzen pubertären Wirrungen vermochte Richard Yates in fast erschreckender Klarheit zu formulieren.

Zudem beleuchtet das Buch nicht unwesentliche autobiographische Stationen im Leben des Autors, dem das sogenannte Schicksal in seinem Streben nach Anerkennung seines Werkes überaus übel mitgespielt hat. Anerkennung und der ganz große Durchbruch blieben im zeitlebens verwehrt. Er starb in ärmlichen Verhältnissen. Doch das ist eine andere Geschichte ...

Was bleibt, ist eine ebenso faszinierende wie behutsame Zeitaufnahme der amerikanischen Vorkriegsjahre aus der Sicht von Heranwachsenden, die in ihrer scheinbaren Unbekümmertheit "reifen", sich ihre Hörner abstoßen, langsam erwachsen werden und dennoch nicht den Hauch einer Ahnung haben, was sie erwartet!

Insgesamt nicht nur eine "gute Schule", sondern ein idealer Einstieg in das Werk des 1992 verstorbenen Schriftstellers und Essayisten.
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am 27. Dezember 2012
Dieser Roman ist wieder mal ein Meisterwerk von Richard Yates. Aber, liebe Leser, erwartet nicht, dass dieses Werk bedrückend und schwer wie „Zeiten des Aufruhrs“ ist. Denn das ist es ganz und gar nicht. Dies hier ist eine mit viel Liebe und Herz geschriebene Geschichte über das Erwachsenwerden. Es ist zwar kein neues Thema, kennen wir es doch aus „Fänger im Roggen“ von Salinger oder sogar aus „Club der toten Dichter“, dennoch hat Yates seine ganz eigene Art damit umzugehen und macht so aus diesem Buch was Unvergessliches.
Hier erzählt ein Mann im Rückblick, wie er als Teenager auf die Dorset Academy ging. Es handelt von Jungs, die sich in einem Internat in Connecticut treffen – nicht wenige von ihnen von der Familie abgeschoben – und den Erwachsenen, die dort arbeiten. Die Dorset Academy ist nicht die Brutstätte der Elite von morgen, sie ist eher die Schule für Problemkinder, deren Familien nicht mehr mit ihnen klarkommen.
Als hätte William nicht schon genug damit zu tun, seinen Weg zu finden – seine Noten sinken, er fängt an zu rauchen –, wird er dort auch noch von seinen Mitschülern gedemütigt, gehänselt und gemobbt. Die beschriebenen Episoden klingen sehr fies, aber nicht völlig herzlos, sondern meist eher etwas hilflos. Es sind Jungs, die nicht wissen, wie man mit Zuneigung umgeht, was besonders klar wird, wenn sie aussuchen müssen, mit wem sie im nächsten Jahr das Zimmer teilen: Sie gehen total cool hin, fragen ihren Wunschzimmergenossen ganz lässig, als wäre ihnen seine Antwort völlig egal. Und wenn sie eine Abfuhr bekommen, dann heißt es stolz den Kopf hoch halten und weiter. Coolness: wichtiger Überlebensmechanismus. William flieht davon, als er die perfekte Aufgabe für sich entdeckt: Er beginnt bei der Schülerzeitung zu arbeiten. In diesem Konglomerat von unterschiedlichsten Menschen findet der Leser sich wieder, mit seinen Hoffnungen für die Zukunft, seinen Ängsten, seinen Fehlern. Denn wenn Yates etwas kann, dann ist es Menschen zu zeigen, durch ihre Taten zu porträtieren und sie mit all ihren Schattierungen darzustellen... Bis sie einfach nur menschlich sind.
Das Ganze spielt in den Jahren 1941–44, beginnt am Abend vor dem Einzug der USA in den Zweiten Weltkrieg. Überall ist der Krieg gegenwärtig, aber dennoch ist der Roman nicht schwerfällig und düster. Niemand bekommt Mitleid, es wird nicht groß über Verluste gebrütet, der Tod gehört einfach zum Leben.
Insgesamt beeindruckt der Roman durch seine Knappheit (woran man Yates journalistische Erfahrungen sieht: kürzen, das kann man noch kürzen). Leider hat er dennoch einen Schwachpunkt: Die Ich-Erzählweise, für die sich der Autor entschieden hat, ist manchmal etwas unglaubwürdig, da der arme William ja keine Möglichkeit hat zu wissen, was in den Zimmern der Lehrer hinter geschlossenen Türen passiert.
Ich glaube, dies ist der autobiografischste Roman Yates’, denn auch seine Eltern waren geschieden und schickten ihn in ein Internat, in etwa sogar zu der gleichen Zeit. Dort arbeitete er ebenfalls für die Schülerzeitung, was wohl der Anfang seiner Karriere als Autor wurde. Nach der Zeit in der Schule zog auch er in den Krieg. So fragte ich mich, als ich das Buch nach der spannenden Lektüre schloss: Wurde er auch so gemobbt? War es für ihn auch so hart?
Sandra Kielmann
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Richard Yates dessen Werke häufig mit denen von John Updike oder John Cheever verglichen werden gehört zu den wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Gefeiert wurden neben seinen Kurzgeschichten vor allem die beiden großartigen Romane „Zeiten des Aufruhrs“ und „Easter Parade“. Nun ist sein bereits 1978 im Original erschienener Internatsroman „A Good School“ auf Deutsch erschienen. Seine klaren und schnörkellosen Sätze sind sicherlich nicht leicht zu übersetzen. Elke Schönfeld die „Eine gute Schule“ aus dem Amerikanischen übersetzt hat gelang es großartig den richtigen Erzählton zu finden.

„ Eine gute Schule“ ist der wohl am stärksten autobiografisch geprägte Roman Richard Yates, denn er greift eine Episode aus seinem Leben auf, nämlich die Zeit von 1941 bis 1944. Eigentlich hat er in seine Romanen immer an seinem eigenen Leben entlang geschrieben.

Zum Plot: Die Eltern der Hauptfigur William Grove haben sich scheiden lassen. William wächst in der Obhut seiner Mutter auf, das Verhältnis zu seinem Vater ist abgekühlt. Der durch ein beeindruckendes und spannendes, sich autobiografisch gebendes Vor- und Nachwort eingerahmte Roman, erzählt ohne Verklärung vom Internatsleben. Williams Mutter, eine angesehene Bildhauerin, strebt für ihren Sohn nach etwas Höherem. Sie meldet ihn auf der Dorset Academy an, einer privaten Internatsschule für Kinder aus finanziell besser situierten Familien. Diese abgelegene, in den nördlichen Wäldern von Connecticut gelegene kleine Schule wurde in den Zwanzigerjahren von der exzentrischen Millionärin Abigail Church Hooper gegründet und beherbergte 1941 einhundertfünfundzwanzig Schüler. Es ist ein Hort englischer Erziehungstradition.

In diesem Internat wächst der 15 jährige William als Außenseiter auf. Es gibt in diesem wunderbaren Roman ganz klassische Internatsszenen, in denen die heranwachsenden Jungen alle Spielarten von Erniedrigungen, Streiche und ekelhafte Quälereien kennenlernen, Freundschaften schließen und immer wieder auch von einem künftigen Leben in Wohlstand und Geborgenheit träumen. Und obwohl viele Episoden grausam sind, geht Yates in diesem Roman auffallend gefühlvoll damit um, insofern kann man fast von einem liebevollen, sanftmütigen Buch sprechen. Doch, und natürlich, wie kann es bei Yates anders sein, zerplatzen diese Träume nicht selten und das Leben hält fast nie das bereit was man haben möchte. Ein wichtiger Erzählstrang schildert von Willliams anfänglicher Schwäche seine Hände richtig gebrauchen zu können. Das meistert er erst als er seine erste Zigarette in den Händen hält. Das war bekanntlich für Lebensführung des Protagonisten auch nicht unbedingt hilfreich. Halt findet William in dem er sich in der Schülerzeitung engagiert.

Die Erzählstränge beschäftigen sich mit zahlreichen Figuren, wobei Yates von Figur zu Figur springt und leider die Charaktere zu wenig modelliert, denn viel bleibt dabei nur angedeutet. Viele Figuren scheitern und so bringt Yates sehr geschickt unter der zunächst im Fokus stehenden Internatsgeschichte die Geschichten gescheiterter Menschen ein. Es ist keine gute Schule, es sind gestrandete Lehrer, gescheiterte Menschen, dessen Leben voller Risse ist. Episoden wie man sie aus seinen anderen großen Romanen kennt. Da ist der völlig überforderte Schuldirektor, dem es nicht gelingt die Schule vor dem finanziellen Ruin zu retten; da ist der durch Kinderlähmung verkrüppelte Chemielehrer Draper, dessen Frau ihn mit dem Französischlehrer betrügt und der eines Tages sturzbesoffen auf dem Fußboden liegt; da ist Terry Flynn, ein athletischer Typ, zu dem sein Engelsgesicht so gar nicht passt. Der Roman fokussiert Sorgen und Freude, aber vornehmlich auch Ängste der Jungen und des Lehrerpersonals über Jahre hinweg, wobei das Scheitern am überzeugendsten in der Figur Draper gespiegelt wird, der selbst dann scheitert als er sich umbringen will.

Der Roman endet 1944, als die Schule bankrott geht, aber das ist eigentlich zweitrangig, weil die Absolventen der Schule zu diesem Zeitpunkt im Zweiten Weltkrieg als Soldaten eingezogen werden.

Das berührende Nachwort von Richard Yates, eine wie der Verfasser der Yates Biographie Rainer Moritz es formulierte, eingebende „Vaterklammer“, in den 70 er Jahren verfasst, ist eine Hommage an den Vater, der den Besuch der Privatschule finanziell, wenn auch zähneknirschend, ermöglicht hat.

„Eine gute Schule“ ist sicher nicht das beste Buch das Richard Yates geschrieben hat. Die Sprache ist unprätentiös, und was ganz erstaunlich ist, ohne den Einsatz von Stilelementen, in einem über die Maßen reduzierten Stil gelingt es ihm, mit wenigen Worten, bei seinen Figuren mittels bloßer Andeutungen, ohne Selbstmitleid oder Selbsterhöhung, ohne jede Spur von Sentimentalität, ein ganzes Menschenleben in einer Innensicht auf zu fächern.

Yates hat seine Schulzeit so erlebt wie er sie hier in diesem schmalen Buch beschreibt. Mit Blick auf diesen Roman sagte Rainer Moritz:“ Auch schwächere Yates-Bücher sind besser als die meisten Nicht - Yates - Bücher“. Richard Yates, sein durch unzählige, permanente Schicksalsschläge gekennzeichnete Leben, schreit nach Aufmerksamkeit.
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am 8. April 2013
Unaufgeregt aber eindringlich erzählt. Während der Lektüre fragte ich mich manchmal, ob noch irgendein Höhepunkt folgen würde und wusste doch jederzeit, dass dies nicht zu erwarten war. Dennoch konnte ich das Buch kaum beiseite legen. Am Ende angelangt frage ich mich dennoch, woran ich mich in fünf Jahren noch werde erinnern können, wenn (und falls) ich an dieses Buch zurückdenke. Vielleicht liegt dieser Zweifel weniger an der Abwesenheit dramatischer Handlungsstränge, sondern daran, dass fast alle Protagonisten für meinen Geschmack zu wenig entwickelt wurden. Wäre spannend gewesen, wenn Yates einige von ihnen etwas mehr ausgeleuchtet hätte. Dennoch besteht keinerlei Zweifel, dass dieser Mann über grosse Erzählkraft verfügt.
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am 10. Oktober 2014
Lange stand der Roman von Richard Yates in meinem Regal - nun ist er gelesen und kommt ins Regal zu "Easter Parade" vom gleichen Autor. Von Rainer Moritz habe ich auch die Biographie gelesen und von da an war Yates eine meiner Entdeckungen in der Literatur.

"Eine gute Schule" gilt als das persönlichste Buch des amerikanischen Schriftstellers, der lange in Vergessenheit geraten war. Er beschreibt darin seine eigene Schulzeit an der Dorset Academy - einer privaten Jugendschule. Obwohl die Mutter kein Geld hatte, vom Vater getrennt war und dieser den Besuch eines Privatinternates in Frage stellte, kommt Yates Alter Ego William Grove durch Vergünstigungen an die Schule, wo er von einer Horde Jungen zur Begrüßung vergewaltigt wird. Trotz der Tat kann er sich behaupten, schreibt für die Schülerzeitung und leitet diese später sogar akribisch, während er toleriert wird und weiterhin um Freundschaften kämpfen muss. Er trifft auf die coolen Jungs, auf die Schüchternen, auf Homosexuelle, er beobachtet Lehrerentgleisungen, er lebt und schreibt, er sieht und schaut weg, er nimmt auf und verarbeitet durch seine Arbeit für die Zeitung. Er ist nicht schön, nicht stark, nicht besonders schlau - er ist Durchschnitt in den 40er Jahren. Seine Mitschüler treten ins Militär ein, er hat daran kein Interesse. Er spannt dem einzigen Freund das Mädchen aus, versucht auch bei anderen Mitgliedern des andren Geschlechts anzukommen, aber er bleibt unscheinbar.

Yates Stil ist unaufgeregt, sachlich, beobachtend. Als Leser vermisst man eine Figur, die man sympathisch finden kann, doch diese verwehrt uns der Autor. Das macht er bewusst, denn seine Zeit war frei von Empathie - es ging ums Leben und ums Überleben in der Pubertät. Aus Jungen werden Männer und so erscheint es auch verständlich, dass die Vergewaltigung nicht großartig thematisiert wird als eben jene, sondern als Initiationsritus erscheint.
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am 28. August 2012
Die lange verkannten Werke des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates werden seit einigen Jahren von der DVA in Deutschland in neuen Übersetzungen präsentiert. Sein Romandebüt „Zeiten des Aufruhrs“ wurde mittlerweile erfolgreich verfilmt, und sein 2010 erschienener Roman „Ruhestörung“ fand bei den deutschen Kritikern viel Beachtung.

Zu seinen Lebzeiten haben Yates Bücher kaum Beachtung gefunden. Vielleicht traute man diesem Mann mit seiner extremem Lebensführung und seinen Alkohol- und Psychiatrieabstürzen keine wirklich gute Literatur zu. Doch das hat sich geändert und seine Werke zählen mittlerweile nicht nur in den USA zu den wichtigsten der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts, die viele seiner Kollegen geprägt haben.

Führte sein Buch „Ruhestörung“ in die kurze Zeitspanne des Wahlkampfs und der kurzen Amtszeit von John F. Kennedy, und beschrieb mit sehr viel autobiographischen Bezügen die Selbstzerstörung der Hauptfigur John Wilder durch den Alkohol, spielt das nun veröffentlichte in den USA zuerst 1978 publizierte Buch „Eine gute Schule“ in der Jugend- und Schulzeit des Autors. Denn man darf wegen des in Ich-Form gehaltenen Nachworts vermuten, dass sich hinter der Hauptfigur des Romans, William Grove, niemand anderer verbirgt als der jungen Richard Yates mit seinen Erfahrungen an einer kleinen Privatschule Dorset Academy in Neu-England.

Mit viel Gespür und Sympathie für die Schüler und die Lehrer, die sich mühen, aus der Stiftung einer schrulligen alten Frau eine funktionierende „gute Schule“ zu machen, beschreibt Yates nicht den schulischen Alltag und das Heranwachsen der männlichen Schüler, ihre sportlichen, musischen und intellektuellen Interessen, sondern er beschreibt den Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und wie sich die Jungen auf ihren möglichen Einsatz in der Army vorbereiten.

Es war wirklich eine gute Schule, die Dorset Academy. „Sie half mir durch die schlimmsten Momente meiner Adoleszenz, wie nur wenige Schulen es vermocht hätten, und sie hat ich die Grundzüge meines Gewerbes gelehrt. Ich lernte schreiben…“

Man darf auf die weiteren Romane, die DVA veröffentlichen wird, sehr gespannt sein. Dieser hier zeigt einen Richard Yates auf der Höhe seines schriftstellerischen Arbeitens.
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am 30. Januar 2013
Das ist einfach ein gutes Buch. Viel mehr fällt mir dazu gar nicht ein.Junge und Alte werden in diesem Buch etwas finden das sie berührt. Es ist das erste buch von Yates das ich gelesen habe. Ich muß mir witere besorgen.
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