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am 4. September 2012
Das in Deutschland noch lebendige traditionelle Idealbild von der "guten Mutter", die sich hingebungsvoll und ausschließlich Ihrem Nachwuchs widmet, weckt bei der französischen Philosophin Elisabeth Badinter eingestandenermaßen Ängste. Frauen, die in einem Trend "zurück zur Natur" ihre Berufstätigkeit der Kindererziehung unterordnen, drohten die Errungenschaften der Frauenbewegung 30 Jahre zurückzuwerfen, da sie bewußt ihre finanzielle Unabhängigkeit als ihr "wichtigstes Interesse" zugunsten der Kinder aufgeben. "Wenn wir Gleichberechtigung wollen, dann können wir nicht drei Jahre aus dem Beruf aussteigen", mobilisiert die prominente Feministin die Gegner des staatlichen Betreuungsgeldes für im Elternhaus erbrachte Erziehungsleistungen.

Mit der Biografie "Die Entdeckung der Mutterliebe" holt die Wissenschaftsjournalistin Deborah Blum den amerikanischen Psychologen Harry Harlow (1905-1981), der als erster in den 1950er Jahren empirisch die emotionalen Zusammenhänge der Mutter-Kind-Beziehung erforschte, aus der Unsichtbarkeit hervor. Seine Verhaltensstudien anhand von Primaten machten ihn "nicht berühmt, aber einzigartig". Blums zeitlose Lektüre ist lohnenswert, denn sie ruft in berührender Weise in Erinnerung, welche anthropologischen Konstanten die Natur in der Kindererziehung gesetzt hat, die zu ignorieren auch eine moderne Gesellschaft sich nicht leisten kann.

Als Harlow seine Forschungen begann, dominierte in der Psychologie als Standardmodell der Behaviorismus, der menschliches Verhalten auf ein seelenloses Reiz-Reaktions-Schema reduzierte. In diesem System hatte Liebe als nicht objektivierbarer Parameter keinen Platz. Die Beziehung zwischen Mutter und Kind beschränke sich alleine auf das Füttern. Verhalten könne konditioniert und damit gesteuert werden. Mit ihren daraus abgeleiteten Utopien von Babyfarmen zur Verbesserung der menschlichen Natur nahmen in einem technikgläubigen Zeitalter selbst seriöse Wissenschaftler die kollektivistischen Wahnvorstellungen totalitärer Systeme vorweg. Psychologen unterstützten Mediziner, die staatliche Empfehlungen ausarbeiteten, in denen das Quarantäne-Prinzip zum verbindlichen Erziehungsmaßstab erhoben wurde und so "die frostigste Periode der Kindererziehung" einleiteten. Der direkte Kontakt zwischen Mutter und Kind sollte sich auf ein absolutes Minimum beschränken. Die damit bezweckte Reduzierung der bis dahin hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit durch Infektionsrisiken war ein verständliches Motiv, standen noch keine Antibiotika zur Verfügung.

Doch die Maßnahmen schossen weit über das Ziel hinaus. Zwar sanken die Sterblichkeitsziffern drastisch, aber ausgerechnet aus Kliniken und staatlichen Waisenhäusern, in denen die Empfehlungen umgesetzt wurden, kamen beunruhigende Mitteilungen über Problemkinder, die mit dem Hospitalismus an einem neuen Syndrom litten: durch mangelnde Zuwendung innerlich abgestumpfte, schwer verstörte Kinder, die häufiger als gut betreute Kinder an Infektionskrankheiten starben.
Harlow stand mit seiner Affenzucht vor einem ähnlichen Problem. Um gesunde Exemplare für seine Verhaltensforschungen zu bekommen, suchte Harlow nach verbesserten Methoden für seine Aufzucht von Rhesusaffen, deren isolierte Gefangenschaft "perfekte Imitationen damaliger Kinderstationen" waren.

Ausgehend von der Fragestellung, ob man ein gesundes (Affen-)Kind ohne Liebe aufziehen kann, experimentierte Harlow mit immer perfektionierteren Attrappen als Mutterersatz. Die entscheidende Widerlegung des Behaviorismus lieferte ein Vergleichsexperiment mit zwei Attrappen: eine "Monstermutter" aus kaltem Drahtgestell mit Futterspender, die andere mit einer weichen Frottee-Ummantelung und einem Kopf, den eine freundliche Mimik zierte. Das vereinsamte Äffchen klammerte sich zielgerichtet und fest an die Frottee-Mama, ungeachtet der Vorhersagen des Behaviorismus, wonach die Nahrungsvergabe der ausschlaggebende Faktor für das Verhalten ist. So unzureichend die Ersatzmutter auch war, nur sie spendete in ihrer zentralen Rolle die Sicherheit durch Kontakttrost.

Harlow konnte seine daraus entwickelte Theorie der Bindung durch weitere Experimente präzisieren und so einen Paradigmenwechsel in der Psychologie einleiten. Diesem Weg folgend untersuchte er mit weiteren, teils grausamen und drastischen Experimenten die Kernfamilie und die Auswirkungen totaler Isolation. Der unkonventionelle Wissenschaftler scheute sich auch nicht, wie ein "Showman" in streitbaren Auftritten seine Botschaft einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen: "Liebe ist primär, Bindung ist primär". Für die meisten Eltern, die immer instinktiv ihrem gesunden Menschenverstand folgten, dürfte sie ohnehin keine Überraschung gewesen sein.

Erst durch die in den 1970er Jahren durch die aufstrebende Frauenbewegung ausgelösten gesellschaftspolitischen Verschiebungen stand Harlow plötzlich auf der "falschen Seite der Wahrheit". Wo Freiheit und Unabhängigkeit der Frau die feministische Agenda bestimmten, wirkte Harlows Pro-Familien-Haltung und seine Überzeugung, daß Geschlechtsunterschiede biologischer Natur und keine sozialen Konstrukte sind, "politisch unkorrekt". Aus dem Ausnahmewissenschaftler wurde nun ein Außenseiter, der mit seinem Hang zum als sexistisch empfundenen Sarkasmus ohnehin Angriffsfläche bot. Harlow und seine Verdienste fielen nach seinem Tod schnell dem öffentlichen Vergessen anheim.

Den Tierschützern war Harlow ebenso ein Feindbild wie den Feministinnen. Im Epilog erörtert Deborah Blum ausführlich die Unvereinbarkeit seiner Tierversuche mit den heutigen ethischen Standards des Tierschutzes. Und obwohl die Autorin um die Brisanz von Harlows Erkenntnissen für die Debatte um das richtige Kinderbetreuungskonzept ahnt, fehlt leider der Hinweis, daß der gleiche Schutz noch lange nicht für Kinder gilt, die den Gesellschaftsexperimenten der Sozialingenieure ausgesetzt sind.
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am 9. September 2016
Jeder von der Bowlby'schen Bindungstheorie begeistert ist, sollte dieses stilistisch hervorragend geschriebene Buch über die Hintergründe der Entdeckung der Mutterliebe u. a. durch Harry Harlow und andere Vorläufer lesen. Das Buch ist wie ein Streifzug durch die Geschichte der Psychologie, im Speziellen des Behaviorismus und flankierender psychoanalytischer Strömungen. Diese Biographie Harry Harlow's schildert differenziert die Licht- und Schattenseiten seines Wesens, seines Workoholismus, dem er die Kindererziehung der eigenen Kinder und seine Ehe opferte. Dass die Autorin von zahlreichen “Zuarbeitern“ wie den Söhnen Harlow's oder ehemaligen Arbeitskollegen in Form unveröffentlichter Briefe usw. unterstützt wurde, zeigt, wie sie selbst eine „sichere“ Bindung zum Familen-/Freundes-/ und Arbeitskreis der Zielperson aufbauen konnte. Das Ausblickskapitel zu weiterer Forschung im Sinne Harlow's und die ethisch problematische Seite seiner Tierversuche runden das äußerst lesenswerte Buch ab. Zeitweise bekommt man Mitleid mit Harlow -wünschte ihm, er hätte seine bahnbrechenden (wenn auch aus heutiger Sicht offenkundigen) Forschungsergebnisse mehr auf sich selbst bzw. seine Familie anwenden können.
Wem das Buch zu ausführlich ist, der sollte die Kapitel-Version in Blum's "Von Menschen und Ratten" lesen - auch sehr informatives großartiges Buch!
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am 26. Mai 2014
Wenn man etwas über die Studien erfahren möchte, die Harry Harlow mit 'seinen' Affen durchführte, dann dürfte man mit diesem Buch schlecht beraten sein. Auch wenn man das Buch als Biographie über Harlow betrachten möchte, wird man damit vielleicht nicht ganz glücklich.

Was mich am allermeisten störte, war der fast unerträgliche Schreibstil. Zum Teil mag dies an der zu starken prosaischen Ausrichtung des englischsprachigen Originals gelegen haben. Zum größten Teil jedoch ganz offensichtlich an der Übersetzung ins Deutsche. Ich möchte behaupten, dass dies vermutlich die schlechteste Übersetzung eines Fach- oder Sachbuches war, die ich je gelesen habe. Es gibt Sätze und zum Teil ganze Absätze, die man auch beim Mehrfachlesen einfach nicht versteht. Hier ein paar der harmoseren Beispiele:

Zitat: "Wenn man vorhat zur Liebe zu arbeiten, muss man zu all ihren Aspekten arbeiten", sagte Harlow.

Das müsste natürlich eher heißen: Wenn man vorhat die Liebe (wissenschaftlich) zu untersuchen, muss man all ihre Aspekte berücksichtigen.

Zitat: "Dennoch wurde (...) offensichtlich, dass die Fürsorge für Labortiere nicht gründlich war."

Was gemeint ist, dürfte zwar klar sein, trotzdem ist es eben schlecht übersetzt und müsste eher lauten: Dennoch zeigte sich, dass die Haltung und Versorgung der Labortiere (weiterhin) unzureichend war.

Wie gesagt: Dies sind Beispiele der eher harmlosen Art, die man noch verstehen kann. Für den Lesefluss förderlich sind sie jedoch gewiss nicht. Und man fragt sich stellenweise: War hier etwa der Google-Übersetzter am Werk?

Was weiterhin etwas nervtötend ist sind prosaische Beschreibungen von Wissenschaftlern die sich zu Wort melden bzw. die zitiert werden. So sind diese vielfach groß, attraktiv und haben strahlende blaue Augen. Gut zu wissen oder aber doch eher überflüssig!

Insgesamt zeichnet sich das Werk streckenweise als etwas unzusammenhängend aus. Es finden sich Zeitsprünge oder es tauchen immer mal wieder irgendwelche Personen aus dem Nichts auf, die scheinbar etwas zu sagen haben - nicht selten jedoch eher Belangloses.

"Publishers Weekly" (wer auch immer das sein soll) soll dieses Buch als "Best Book of the Year" ausgezeichnet habe. Dem kann ich mich in keiner Weise anschließen. Zumindest nicht im Hinblick auf die deutsche Fassung.
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