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TOP 500 REZENSENTam 23. Februar 2014
Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1713/14) gehört zu den vielen Kabinetts- und Erbfolgekriegen des 18. Jahrhunderts, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Bezeichnend für den geringen Stellenwert des Krieges im historischen Gedächtnis der Deutschen ist der Umstand, dass es bisher keine für ein breites Publikum geeignete Darstellung des Krieges in deutscher Sprache gab. Das Büchlein von Matthias Schnettger schließt nun diese Lücke. Wahrscheinlich wird es für lange Zeit das einzige Buch bleiben, mit dem sich deutsche Leser über den Spanischen Erbfolgekrieg informieren können.

Im ersten Kapitel erörtert Schnettger die dynastisch-genealogischen Hintergründe des Krieges. Karl II. (1661-1700), der letzte spanische Habsburger, hatte keine Kinder, und die Frage, wem das gewaltige spanische Erbe zufallen sollte, beschäftigte im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts alle führenden europäischen Mächte. Erbansprüche machten sowohl die österreichischen Habsburger wie auch die französischen Bourbonen geltend. Auf welchen verwandtschaftlichen Beziehungen diese Ansprüche beruhten, ist für den Laien nicht leicht nachzuvollziehen. Schnettger erläutert die genealogischen Zusammenhänge präzise und verständlich. Eine Stammtafel am Ende des Buches hilft zusätzlich beim Verständnis.

An der Frage nach der Zukunft der spanischen Monarchie waren auch England und die Niederlande interessiert. Beide Staaten wollten verhindern, dass das spanische Erbe komplett entweder in französische oder in österreichische Hände fiel. Daraus hätte sich für Frankreich oder Österreich ein Machtzuwachs ergeben, der das europäische Gleichgewicht gefährdet hätte. Daher brachten England und die Niederlande immer wieder Teilungspläne ins Gespräch. Schnettger analysiert die verschiedenen Teilungsvereinbarungen, die die beiden Seemächte mit Frankreich schlossen. Alle diese Absprachen erfolgten ohne Zustimmung Karls II. und Kaiser Leopolds I., die nach wie vor an der Einheit der beiden habsburgischen Linien, der Casa de Austria, festhielten. Künftige Konflikte waren daher absehbar. In Madrid setzte sich schließlich die profranzösische Partei durch. Karl II. benannte in seinem letzten Testament Philipp von Anjou, einen Enkel Ludwigs XIV. von Frankreich, als Universalerben.

Ein Krieg hätte durchaus vermieden werden können. Ludwig XIV. nahm das Testament im Namen seines Enkels an und sicherte den Seemächten zugleich zu, dass es nicht zu einer Vereinigung Frankreichs und Spaniens kommen würde. Das Schreckgespenst einer bourbonischen Universalmonarchie schien damit gebannt. London und Den Haag erkannten Philipp V. zu Beginn des Jahres 1701 an. Ludwig XIV. beging dann aber eine Reihe folgenschwerer Fehler, die zu einem Meinungsumschwung in London und Den Haag führten. Die Seemächte schlossen eine Allianz mit Kaiser Leopold I., der sich später auch einige kleinere Staaten anschlossen (u.a. Portugal, Savoyen). Im Gegensatz zum Kaiser, der das spanische Erbe für das Haus Habsburg reklamierte, ging es den Seemächten zunächst nur darum, sich die Zustimmung zur Nachfolge Philipps V. durch Kompensationen entgelten zu lassen. Erst ab 1703 verfolgte die Allianz das Ziel, Philipp V. aus Spanien zu vertreiben und Erzherzog Karl, den jüngeren Sohn Kaiser Leopolds I., als neuen König von Spanien zu etablieren.

Im dritten Kapitel, das quantitativ den größten Teil des Buches ausmacht, schildert Schnettger mit knappen Strichen die Kampfhandlungen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen: Deutschland, Italien, Niederlande, Iberische Halbinsel. Auch das diplomatische Geschehen während der Kriegszeit (Bündnispolitik) und die innenpolitischen Entwicklungen in den kriegführenden Staaten werden berücksichtigt. Die vielen Schlachten des Spanischen Erbfolgekrieges sind heute kaum noch bekannt. Allenfalls die Namen einiger herausragender Heerführer, etwa des Herzogs von Marlborough und des Prinzen Eugen von Savoyen, sind in Erinnerung geblieben. Trotz beachtlicher militärischer Erfolge auf allen Kriegsschauplätzen gelang es der Großen Allianz nicht, Frankreich in die Knie zu zwingen und Philipp V. aus Spanien zu vertreiben. Ludwig XIV. und sein Enkel profitierten schließlich davon, dass die Allianz ihrer Gegner ab 1710/11 zerfiel.

Abschließend schildert Schnettger den schwierigen Weg zu den Friedenschlüssen von Utrecht (1713) und Rastatt (1714). Die Gewinne und Verluste für die beteiligten Staaten wurden kunstvoll ausbalanciert; keine der europäischen Mächte wurde nachhaltig gestärkt oder geschwächt. Die Bourbonen blieben in Spanien; zugleich gingen einige Nebenlande der spanischen Monarchie als territoriale Kompensation an andere Mächte. Schnettger sieht in den Friedensschlüssen von Utrecht und Rastatt eine wichtige Etappe in der Entwicklung des europäischen Staatensystems. Die Idee vom Gleichgewicht der Mächte setzte sich durch. Um den Frieden in Europa zu sichern, sollten Hegemonialbestrebungen eines einzelnen Staates verhindert werden. Um dies zu erreichen, wurden die Machtmittel der führenden Staaten ausbalanciert.

Schnettger hat eine kompakte, konzentrierte und durchweg gut lesbare Darstellung vorgelegt, in der die europäischen Dimensionen und die historische Bedeutung des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Spanischen Erbfolgekrieges anschaulich herausgearbeitet werden.
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am 11. Januar 2016
Although I can read German, writing in stylish German is an entirely different matter, hence this review is written in English.
This is a fantastic book, and gives a comprehensive but concise account of the War of the Spanish Succession. Other reviewers have discussed its contents at length (and some have given it high scores), so there would not be much added value in repeating this in English.
For English-speaking readers, the War of the Spanish Succession means basically the Duke of Marlborough's campaigns against the French in the Netherlands and Germany. There was much more to this conflict, as Matthias Schnettger shows. Spain itself, Italy, and also the high seas and the colonies, because of the overseas empires of England (Britain since 1707, to be precise), Spain and France.
To my knowledge, only one overview of this war has been written in English and only appeared recently. I have no doubt that translations of Matthias Schnettger's book into other languages would receive an excellent reception, since this work is definitely "value for money". Warm congratulations to the author from someone reading this book with the ocasional help of a German-English dictionary!
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am 4. August 2015
Auch gut,aber man muss sich mit den Herrschafthäusern bestens auskennen sonst ist man verloren.Es werden gesetzes Punkte bekannt gegeben,die ich noch nicht wusste
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am 8. Juni 2014
Hervorragende Darstellung!
Zu einer Thematik, zu der man selten Publikationen findet.
Alle Fakten und Hintergründe werden bestens erzählt. Solche Publikationen sind spannender als mancher Roman.
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am 11. Mai 2014
Das Buch bitet in kompakter Form alle wichtigen Fakten über einen Krieg, der bis heute z.B. im katalonischen Separatismus nachwirkt.
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