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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
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Kalifen und Assassinen: Ägypten und der Vordere Orient zur Zeit der ersten Kreuzzüge 1074-1171
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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TOP 1000 REZENSENTam 23. Februar 2014
Der Schwerpunkt von Halms Buch liegt auf dem historischen Überblick Ägyptens während des 11. und 12. Jahrhunderts. Dabei werden aber ebenfalls die Nachbarregionen, insbesonders der Vordere Orient behandelt.

In Ägypten hatten die Fatimiden ein schiitisches Gegenkalifat zu Bagdad errichtet. In Bagdad fristeten die Kalifen lediglich noch ein Schattendasein. Die Einwanderung und Eroberungszüge der türkischen Völker bildeten unter den Seldschuken eine Machtbasis, welche als Sultane in Bagdad herrschten, und den Kalifen im goldenen Käfig hielten. In einer ähnlichen Art spielte sich die Entwicklung in Ägypten ab. Hier schwindet ebenfalls die Machtbasis des Kalifen, Wesire ähnlich den Sultanen in Bagdad gelten als neue Machtfaktoren. Neben den Machtzentren in Bagdad und Ägypten gibt es zahlreiche lokale Fürsten im Vorderen Orient, welche zumeist unter sich zerstritten sind. In diesem labilen Machtgefüge finden so die Kreuzfahrer eine Nische um selbst zu einem Machtgebilde zu wachsen. Anderer Nutzniesser der Instabilität sind die Assassinen, welche zuerst im Iran, später in Syrien ein Netz von Burgen ausbauen, und durch Attentate auf sich aufmerksam machen. Der häufige Machtwechsel in Kairo, wo Kalifen und Wesire oftmals ermordet werden führt schliesslich zum Machtverfall. In diese inneren Wirren dringen sowohl die Kreuzfahrer als auch die Syrer ein. Letzteren gelingt es durch Schirkuh Fuss zu fassen. Unter Saladin endet schliesslich die fatimidische Dynastie. Ihm gelingt es Ägypten mit einem Teil Syriens zu vereinen.

Heinz Halm (anders als viele andere Historiker) versteht es die historischen Ereignisse dem Leser lebhaft zu vermitteln. Der ausgezeichnete Schreibstil macht das Buch dadurch zu einem Lesegenuss. Für Interessenten der historischen Ereignisse im Vorderen Orient ein absolut empfehlenswertes Buch. Das Buch bildet die Fortsetzung der 2 Bücher Das Reich des Mahdi und die Kalifen von Kairo, welche vom gleichen Autor stammen, und auf dem gleichen Niveau verfasst sind.
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HALL OF FAMETOP 500 REZENSENTam 1. Februar 2014
Sein knappes Kompendium "Der Islam: Geschichte und Gegenwart" hatte der Islamwissenschaftler Dr. phil. Heinz Halm (Jahrgang 1942) bereits im Jahre 2000 in der Reihe C.H.Beck Wissen veröffentlicht. In der achten Auflage erscheinen, ist es zu einem Klassiker zur Gewinnung eines Überblicks und guten Einstiegs in die Thematik geworden. Der habilierte Autor, der ab 1980 als Professor für Islamwissenschaft in Tübingen und Professeur associé an Pariser Sorbonne lehrte, hat sich bei seinen Forschungsarbeiten auf die šīʿat ʿAlī konzentriert, so dass er heute, auch international zu den besten Kennern des schiitischen Islams zählt. Auch dieses Teilgebiet ist jedoch derart umfangreich, dass Prof. Halm neben einer zweiten Übersicht in der der C.H.Beck Wissen Reihe ("Die Schiiten") auch spezielle Sachbücher wie "Das Reich des Mahdi: Der Aufstieg der Fatimiden (875-973)" und "Die Kalifen von Kairo: Die Fatimiden in Ägypten 973-1074" publizierte, denen er nunmehr mit "Kalifen und Assassinen" eine dritte wissenschaftliche Arbeit als Fortsetzung folgenden ließ.

Mit dem Untertitel "Ägypten und der vordere Orient zur Zeit der ersten Kreuzzüge" wurde eine räumliche und zeitliche Eingrenzung gewählt, die jedoch glücklicherweise vom Autor nicht immer stringent eingehalten wird. Während die ersten vier Teile und damit der überwiegende Teil des Buches dem 75jährigen Zeitraum zwischen 1074 und 1149 gewidmet ist, beschäftigt sich der fünfte mit den darauffolgenden Ereignissen bis zum Jahr 1171, dem noch ein weiterer, bis in die Gegenwart reichender folgt.

Seine Einleitung lässt Halm mit einem Prolog beginnen, in dem der Blick auf die Eroberung Ägyptens (Miṣr) und seinen Verwaltungszentrums al-Fustāt durch die ismailitische Dynastie der Fatimiden gerichtet wird. Die ursprünglich aus Ifriqiya (Tunsien) stammende Herrscherfamilie führte ihre Abstammung auf die Prophetentochter Fatima und den vierten Kalifen/ersten Imam der der šīʿat ʿalī zurück, die im Jahre 969 am Nil auch die Herschaft der türkstämmischen, sunnitischen Dynastie Ichschididen übernehmen konnte. Der 14. Imam der Ismailiten, Abu Tamim al-Muizz, ließ als vierter Fatimidenkalif (von chalīfat rasūl Allāh = Nachfolger des Gottegesandten) nördlich von al-Fustāt mit al-Qāhira al-Muʿizzīya (= die Siegreiche; heute Kairo) eine Palaststadt und ein neues Verwaltungszentrum errichten. Die Bewohner Ägyptens konnten, ebenso wie die danach unter die Fatimidenherrschaft geratenen Scherifen der heiligen Städten von Mekka und Medina Sunniten bleiben, mussten aber in ihrem wöchentlichen Freitagsgebet (Chutba) den göttlichen Segen auf den schiitischen Kalifen herabflehen. Die Einleitung stellt weiterhin 10 Hauptthemen vor, die dem Leser als "rote Fäden" dienen können: der Antagonismus Kairos zum sunnitischen Abbasiden-Kalifat in Bagdad, das zunehmend unter die eigentliche Herrschaft der nach Westen eingewanderten turkstämmigen Seldschuken und ihrer Sultane geriet. Der Aufstieg der Armenier und die Rolle der anderen orientalischen Christen und der Juden. Das Spannungsverhältnis zwischen Sunniten und Ismailiten, sowie weiter Schismata der Schiiten, wobei das zweite mit der Abspaltung der Nizariten (Assassinen; von arabisch hašīšiyyīn = Haschischesser) besonders herausgestellt wird, sowie der Erste (1099) und Zweite Kreuzzug (1147/49).

Beinahe der gesamte erste Teil beschäftigt sich mit Badr al-Dschamali, der als Statthalter der Fatimiden in Syrien von Kalif al-Mustansir (1036–1094) um Hilfe gerufen, Kairo im Jahre 1074 von der Besetzung durch die Seldschuken befreite. Vom Kalifen zum muddabir (Regenten) berufen, gelang es dem armenischen Konvertiten zudem, die inneren Zwistigkeiten zu beseitigen und dadurch das Fatimidenkalifat zu retten. Die weiteren teile des beschäftigen sich mit den Ereignissen unter der Herrschaft seiner Nachfolger, wie z. B. dem Ersten Kreuzzug, der während der Regentschaft seines Sohnes Malik al-Afdal stattfand. Daneben bilden die fortgesetzten Auseinandersetzung mit den sunnitischen Seldschuken und weitere Abspaltungen von der später als 12er Schiiten bezeichneten Hauptlinie der šīʿat ʿAlī die Hauptthemata. Der dritte Teil beschäftigt sich mit den Ereignissen zur Zeit des Fatimidenkalifen al-Āmir, der schließlich am 7. Oktober 1130 von einem Killerkommando der Assassinen ermordet wurde. Der Zweite Kreuzzug und der Fatimidenkalif al-Ḥāfiẓ, bei dessen Amtsantritt es zur Abspaltung der Mustaʿlīten (Tayyibiten) kam, sind Gegenstand des vierten Teil. Bemerkenswerterweise regierte zu dieser zeit mit Vahram ein armenischer Wesier, der trotz seines Amtes Christ geblieben war. Im fünften Teil werden neben dem Verhältnis zwischen Kreuzfahrern und Assassinen , die Feldzüge des Königs Amalrich I. von Jerusalem thematisiert, welche die Errichtung eines fränkischen Protektorats am Nil, syrischen Militärnterventionen und das Wesirat des Kurden Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub in Kairo nach sich zogen, der schließlich problemlos von heute auf morgen die Chutba wieder auf den abbasidischen Schattenkalifen in Bagdad ändern ließ.

Ein abschließender, 53seitiger Teil bietet Ausblicke auf die Herrschaft von Salah ad-Din , die Kreuzfahrerstaaten, den dritten Kreuzzug sowie das Verhältnis der Ayyubiden-Sultane zu den Mamluken (Militärsklaven), welche den siebten, Al-Malik al-Mu'azzam Turan Schah, während des sechsten, von Ludwig IX. dem "Heiligen" angeführten Kreuzzug, ermorden sollten, um die Herrschaft für mehrere Jahrhunderte an sich zu reissen. Hierbei werden auch das Fiasko, welches der päpstliche Kardinallegat Pelagius im Enklang mit den Templern und Johanniter hochmütig herbeigeführt hatte, sowie die Gründe für die friedliche Einnahme Jerusalems durch Kaiser Friederich II. Erörtert. Mit den Nizariten (Assassinen) von Alamūt und den Tayyibiten zieht führt der Autor die historischen Linien schließlich bis in die Gegenwart zu Karim Aga Khan IV. und den indischen Bohras weiter.

Die schiitischen Abspaltungen der Qarmaten, Zaiditen (5er Schiiten) und Nusairer (Alawiten) und Drusen werden gleich an mehrere Stellen erwähnt. Demgegenüber bleiben jedoch sowohl die bereits zur Zeit des vierten Kalifen Alī ibn Abī Tālib erfolgte Abspaltung der Charidschiten und die daraus hervorgegangenen Splittergruppen, wie z. B. den Ibaditen, als auch das ummayyadische Kalifat von Cordoba (929 – 1031) unberücksichtigt, da sie erkennbar aus dem räumlichen Rahmen der Betrachtungen herausfallen.

Zahlreiche Schwarzweissbilder, 15 historische Karten sowie ein Anhang mit einem ausführlichen Quellen- und Lietraturverzeichnis, einem Register und anderen Materialien runden das Bild einer wissenschaftlichen Arbeit ab, die all Denjenigen zu empfehlen ist, die sich mit der historischen Vielfalt des Islam und seiner Sicht auf die einstmals noch bestehende konfessionelle Geschlossenheit der christlichen, römisch-katholischen Kreuzfahrer beschäftigen möchten.

5 Amazonsterne.
22 Kommentare| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. September 2016
Dieses Geschichtswerk ist enorm gelehrt und kenntnisreich; es ist ruhig, klar und sachlich erzählt; nicht reißerisch oder effekthascherisch, aber doch jedenfalls für denjenigen, der sich für die Thematik ein wenig interessiert, durchweg spannend und niemals zu trocken.

Im Fokus des Autors steht das Ägypten der Jahre 1074-1171 und mithin die letzten 100 Jahre des Kalifats der Ismailiten/Fatimiden. Die heute so nicht mehr bestehenden Fatimiden waren (neben z.B. den heute im Iran vorherrschenden Zwölfer-Schiiten) eine der zahlreichen Spielarten der islamischen Glaubensrichtung Schiiten. Obwohl sie in Ägypten niemals die Mehrheit der Bevölkerung stellten, beherrschten sie das Land, in dem auch ihr Kalif als höchste Autorität, in Konkurrenz zum sunnitischen Kalifen in Bagdad residierte. Das Buch beschreibt die letzte Blüte und den Niedergang des Kalifats, in dem die weltliche Herrschaft nur im Ausnahmefall durch den Kalifen selbst, in der Regel aber durch dessen obersten Beamten, den Wesir bzw. Sultan ausgeübt wurde; die Sultane versuchten oft, eigene Dynastien zu gründen und den Kalifen zur Marionette zu degradieren. Das Buch beginnt mit den Wirren im Reich, zu deren Beseitigung der muslimische armenische Feldherr Badr-al-Gamali gerufen wurde, der sich schließlich als große Wesirsgestalt etablierte und seine Zeit prägte, es endet mit erneuten Wirren, in deren Verlauf der sunnitische Syrer Saladin, bekannt aus der Geschichte der Kreuzzugsgeschichte, an die Spitze Ägyptens tritt und den letzten Fatimidenkalifen schließlich entmachtet und die Sunna in Ägypten wieder einführt.

Daneben werden auch die Entwicklungen in Syrien behandelt, das damals politisch sehr viel fragmentierter war als Ägypten, einschließlich der seit 1095 auf den Plan tretenden Kreuzfahrerstaaten. Schließlich werden auch andere Gebiete betrachtet, die einen besonderen Bezug zu Ägypten oder Syrien aufweisen, etwa das Gebiet des Jemen wegen einer zeitweise bestehenden politisch-religiösen Abhängigkeit von Ägypten und die im Gebiet des Iran und weiter östlich liegenden Hochburgen der Assassinen, einer durch ihre Meuchelmörder bekannt gewordenen ismailitischen Sondergemeinschaft.

Zwar stehen die bunten, ereignisreichen und überaus blutigen Geschehnisse der politischen und militärischen Geschichte und die damit aufs engste verbundenen religiösen Entwicklungen im Vordergrund, doch werden auch andere Aspekte, etwa die Gründung und Entwicklung der Stadt Kairo samt ihrer Architektur, beleuchtet.

Die letzten 50 Seiten der 350 Seiten Text (hinzu kommt der umfangreiche Apparat) sind den Ausblicken vorbehalten; eine sympathische Herangehensweise, die den Leser nicht mit den angeschnittenen Themen alleine lässt, sondern kurz berichtet, wie es, z.T. bis in die Gegenwart, weiterging z.B. mit den Kreuzfahrerstaaten, mit den Assassinen/Ismailiten (Aga Khan!) und der Stadt Kairo. Das Buch ist üppig mit Karten (schwarz-weiß) und Abbildungen ausgestattet.

Der Autor ist erkennbar ein unglaublich kenntnisreicher Orient-Experte, er nimmt uns mit auf die Reise dahin, das ägyptische und generell „orientalische“ Hochmittelalter höchst lebendig sozusagen aus der Binnenperspektive zu erleben, aus der das, was in Europa (vielleicht mit Ausnahme von Konstantinopel und Sizilien) geschieht, keine oder nur eine Randrolle spielt. Insoweit ist das Buch tatsächlich, wie es irgendwo im Klappentext heißt, eine Art Medizin gegen historischen Eurozentrismus. Bemerkenswert und zugleich typisch für den nüchternen und unbestechlichen Blick des Autors ist dabei auch, dass er den christlich-abendländischen Eindringlingen in „seine“ Welt, den Kreuzfahrern und ihren Staaten und Herrschern, Gerechtigkeit widerfahren lässt. Seine ausgewogene Darstellung ist ebenso weit von der Verherrlichung christlich-ritterlicher Heldentaten früherer Jahrhunderte entfernt wie von dem genauso falschen, derzeit modernen „politisch korrekten“ Narrativ einer weitgehend friedlichen islamischen Welt, in die beutegierige, blutrünstige, barbarische Kolonisatoren aus Europa einbrachen.
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am 31. Oktober 2014
In einer Zeit, in der "Kreuzzüge" hochstilisiert und oberflächliche Meinungen und Urteile über "den Islam" abgegeben werden, ist die Beschäftigung mit den Arbeiten von Heinz Halm äußerst fruchtbringend, ja ich möchte sagen förmlich geboten. So bietet auch das Buch "Kalifen und Assasinen" einen tiefschürfenden Überblick und Einsichten über eine Zeit, die auch für mitteleuropäische Christen notwendig sind, um die eigene Geschichte und die heutige Ideenwelt zu verstehen sowie Vorurteile in beiden Richtungen abzubauen. . Dass sich in 800 Jahren nicht viel, ja mitunter gar nichts geändert hat, bleibt als erschütterndes Resümee. Sicher keine Alltagslektüre, aber höchst lesenswert. .Eine kleine Anregung für ähnliche Vorhaben: Bei der Fülle von Namen wären detailliertere Übersichtstabellen sehr hilfreich.
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am 19. April 2014
H.Halm bietet einen eingehende Ansicht eines an sich bekannten Zeitabschnitts aus einem neuen Blickwinkel. Spannend wie ein Krimi , informativ wie ein Lehrbuch. U.Sponner
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