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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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am 3. März 2016
.... um sich in seinem Nicht-Glauben zu bestätigen!?. Das passierte mir bei diesem Buch nicht. Klar, waren dort viele Hinweise darauf, dass es viele Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Bibel gibt und es bei der Kirche an erster Stelle um Macht geht. Interessant auch, dass sich die Kirche den geschichtlichen Entwicklungen immer wieder (heuchlerisch) anpasste und der drohende Weltuntergang mal so eben anders interpretiert wurde bzw. wird ..
= es ist und bleibt eine persönliche Suche bzw. Einstellung! Genauso wie bei der Liebe...nicht zu erklären. :-) Aber brauche ich dazu Kirchensteuer!!!
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am 24. September 2013
Rezension zu Kurt Flasch Warum ich kein Christ bin
Rezension zu Kurt Flasch Warum ich kein Christ bin

Flasch listet die Glaubensinhalte auf, an die ein Christ glauben müsste und die den Gläubigen oft nicht bekannt sind. ( Und daher konkret für den durchschnittlichen Christen keine Belastung darstellen.)
Er geht alles gründlich mit der historisch- kritischen Methode an und setzt sich mit zahlreichen Inhalten des christlichen Glaubens auseinander.
Er schreibt:
"Seit dem Konzil von Chalcedon 451 ist (der Kirche) Jesus im Vollsinn Mensch, hat also menschlichen Verstand und menschlichen Willen, und er ist zugleich im Vollsinn wesensgleich Gott, hat also göttliche Einsicht und allmächtigen göttlichen Willen." ( Seite 259).
In seinem Buch "Meister Eckhart Philosoph des Christentums" stellt er Meister Eckhart als Christ ( schon als Buchtitel) im Selbstverständnis der Römischen Kirche von Johannes dem XXIII. bis Benedikt XVI. dar. Dort ist die Position Gottes aus einer theologisch vertiefteren Sicht dargestellt, da eine historische Sicht nicht zum Grund der angesprochenen Problematik kommen kann.
Warum arbeitet er nicht in einer Auseinandersetzung mit Meister Eckhart positiv die Aspekte des Christentums heraus, die ein eigenes Denken, ein eigenes Aufarbeiten von Lebenserfahrung, ein Ansatzpunkt zum Selbstdenken, aufzeigen?

Flasch kann unwidersprochen bleiben, wenn er die Fehler und Unterlassungen der Kirche, die Machtsicherung der Institutionen betrieb, angreift, das ist eine lange Liste, beispielsweise:

- Die historischen Quellen seien widersprüchlich und deuteten nicht auf göttliche Inspiration, sondern auf allzu menschlichen Ursprung hin.

- Die unbefleckte Empfängnis sei keine historisch belegte Tatsache, wie es die Gläubigen als historisch belegte Tatsache hinnehmen und glauben müssten.

- Die Auferstehung, wie sie die Gläubigen akzeptieren sollen, beruht auf widersprüchlichen Zeugnissen /Aussagen von Zeugen, in deren Auswertung kein Ergebnis im Sinne der Kirche als Glaubensgrundlage gefordert werden könne.

- Jesus selbst habe sich mehrfach getäuscht, beispielsweise in der Erwartung des nahen Weltendes.
- Die Wunderberichte widersprechen sich.
- Der Glaube an Dogmen, wie: zur unbefleckten Empfängnis, der Auferstehung
Jesu und der Himmelfahrt sei auch heute noch gefordert.
- Die Kirche hat den Ungläubigen ewige Höllenstrafen angedroht.
- Gott sei nicht ein Gott der Liebe, sondern ein machtbesessener Sexist, der mit roher Gewalt das Volk führt und dominiert.

Hierzu und insoweit ist die Darstellung von dem von Kurt Flasch gewählten historischen Ansatz her in Ordnung.
Dieses Buch hilft dem Leser, der überhaupt mal wissen will, was man der Kirche historisch vorwerfen kann und muss, wobei nichts unterschlagen oder beschönigt wird. Insoweit verdient das Buch in der Bewertung fünf Punkte.

Der persönliche menschliche Ansatz, der mit der sachlich überzeugenden Arbeitsweise verbunden wird, ist aber nicht zu akzeptieren:

Kurt Flasch bezeichnet sich als einen "langsamen Nestflüchter" ( Seite 265). Denkprozesse, die andere kritische Menschen wesentlich früher in ihrem Leben vorgenommen haben, finden bezüglich fundamentalem Kritischsein als Lebensansatz erst jenseits seines sechsten Lebensjahrzehntes statt.
Dabei holt er aus Gläubigersicht eine ausgefallene pubertäre Entwicklung in aller Heftigkeit nach. Er schreibt: "Eine Kirchenversammlung hat mir nichts zu sagen" (Seite 261).
"Ich habe Gott gesucht und habe ihn nicht gefunden " (Seite 255)
"Ich habe etwas genauer hingesehen, und dabei bröckelte die barocke Stuckherrlichkeit alter Beweispaläste ab" (Seite 255)
Trotzig sagt er, dass er nicht verpflichtet sei, an die Stelle des christlichen Glaubens etwas Besseres zu setzen.
Mir wäre viel spannender, wenn er am Ende eines Gelehrtenlebens selbst mit einem dem heutigen Glaubenserfordernis angemessenen Ansatz nachdenken würde, statt die Gedanken anderer kalt und sachlich und nüchtern zu analysieren.

Kirche ist von ihrem Selbstverständnis her nie in vorderster Front, wenn es um Wandel und Anpassung an die Zeit geht. Dies kann man durchaus als eine Stärke sehen.

Wenn man aber die aktuellen Diskussionen innerhalb der Kirche aufgeschlossen und wohlwollend verfolgt, so sind mir solche Punkte viel wichtiger als nach rückwärts gewandte historisch einseitig ausgerichtete Kirchenkritik:
Papst Franziskus, der aktuelle Papst, sagt, dass die Kirche zuerst die Wunden und Verletzungen der Menschen zu heilen habe, statt sie moralisch zu kategorisieren.
Schwulen und Lesben solle mit Anstand und Respekt begegnet werden, Geschiedenen, die wieder heiraten, mit Barmherzigkeit und Frauen, die abtreiben, mit Anteilnahme.
Man müsse über eine gründliche Theologie der Frau arbeiten.
"Wenn eine homosexuelle Person guten Willens ist und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt", sagt Papst Franziskus.

Kardinal Lehmann denkt öffentlich darüber nach, dass es in der katholischen Kirche künftig verheiratete Priester geben kann. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte schon 2008, dass die Ehelosigkeit der Priester nicht theologisch notwendig sei.
Es dürfe keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben.
(Quelle: Süddeutsche online:
[...] vom 21.09.2013)

Gefordert ist heute eine Kirche, die warmherzig, schlicht und liebevoll ist.
In diesen Stil würde die Darstellung von Flasch auch nicht passen, der mehr historisch- nüchtern sachlich an dem die einzelne Person im Innern betreffenden Anliegen des Glaubens vorbeigeht, weil er rückwärts gerichtet historische Schwachpunkte herausarbeitet und keinen eigenen anders ausgerichteten Ansatz dagegen halten kann.

Beeindruckt hat mich, dass Flasch auch ein Buch über den Gottesbegriff schrieb. das offensichtlich genauso an seinem Innersten vorbeigegangen ist. Ich erinnere mich an ein frühes Seminar zum Bildungsbegriff an einer Universität. Der Dozent referierte ganz ausführlich und gründlich die einzelnen Ansätze mit ihren Stärken und Schwächen. Als er aber abschließend nach immer wieder vorgetragenen Wünschen, selbst seinen Bildungsbegriff, wie er ihn in dieser Arbeit für sich gewonnen hatte, vorzutragen, hatte er nichts vorzuweisen.

Der Leser hat sicherlich mehr Gewinn für sich, wenn er den Ansatz der schlichten Gläubigkeit eines Anselm Grün, über den Flasch spottet, zu seiner Glaubensauseinandersetzung hinzunimmt.

Empfindsame Vernunft, Vernunft des Herzens, Herz als zentrales Element, Sensibilität, das sind die Ausrichtungen von Religion heute.
Diesem Ansatz ist die katholische Kirche in Papst Franziskus näher als dem historisch-kritischen Ansatz von Flasch, wenn ein Christ im Glauben eine innere Heimat finden will.

Fazit:

Die von Kurt Flasch vorgelegten historisch- kritischen Darstellungen zum Glauben sind eine wertvolle Arbeit, die jedem Christen empfohlen werden kann, damit er mit den Einwänden zum Glauben gründlich vertraut ist.
Unbegreiflich aber ist mir, wenn diese sachlich- nüchterne wertvolle Arbeit ein Zeugnis gegen den Glauben sein sollte. Nur weil der Titel eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Glauben in all seinen Aspekten suggerieren könnte, hat er einen derartig unwahrhaftigen Erfolg. Ein Buch auf der Basis einer suggerierten Richtung, die nicht hält, was sie verspricht, kann einer Kirche, die um Wahrheit und um die Reinheit des eigenen Ansatzes ringt, nur neue Leser gewinnen, die sich mündig informieren wollen.

Über die aufgeschlossene Lektüre des hier vorliegenden Bestsellers hinaus wird ein Zugang zum Glauben durchaus sehr fruchtbar angebahnt werden können. weil er einen Aspekt des Glaubens gründlich herausarbeitet. Das Buch ist daher dem mündigen Leser mit fünf Sternen zu empfehlen.
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am 23. September 2013
Endlich ein Buch in diesem Genre, dass nicht aus blindem Hass und voller Vorurteile geschrieben wurde. Hier äußert sich ein Insider, dessen Zweifel und Sorgen dem ernsthaft denkenden Gläubigen sehr nachvollziehbar sind. Auch wenn ich dennoch und mit für mich guten Gründen Katholik bleibe: Danke für die sachlichen Denkanstöße!
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am 18. November 2013
Flasch ist keiner jener atheistischen Eiferer, die zunehmend das Bild der Auseinandersetzung um das Thema pro und contra Christentum bzw. Religion bestimmen. Kein „darwinistischer Goebbels“, kein „biologistischer Hassprediger“ (TAZ und SÜDDEUTSCHE über „Gotteswahn“-Autor R. Dawkins), kein Extremist wie der Amerikaner S. Harris, der den Westen, im Krieg mit DEM Islam sieht und öffentlich über nukleare Erstschläge gegen islamistische Regime sinniert. Kein Hetzer wie „Deutschlands Chef-Atheist“ (SPIEGEL) Schmidt-Salomon, der Andersdenkende in seinem Pamphlet „Keine Macht den Doofen“ als „hirnwurmbefallene“, „geistig behinderte“, „alles durchseuchende“, „Religioten“, „Dumpfbacken“, „geistige Kindesmissbräuchler“, „Schädlinge“ usw. diffamiert; kein Wirrkopf, wie der ehem. FU-Professor U. Lehnert, der in der Bundesrepublik theokratische Verhältnisse - vergleichbar mit denen im Iran - verwirklicht sieht und Seit an Seit mit pöbelnden Radau-Atheisten, die noch weit unter seinem Niveau rangieren, für das was er eine „naturalistisch-humanistische Weltanschauung“ nennt, missioniert.

Flasch ist Philosophiehistoriker – einer der renommiertesten in Deutschland. Er schreibt sachlich, seriös und abgeklärt. Im Grunde sind es jedoch die alten Argumente, die er vorbringt. Die Bibel könne nicht Gottes Wort sein, da sie viele Widersprüche enthalte. Es springe ins Auge, dass sich ihre Schreiber reichlich aus dem Fundus der zu ihrer Zeit gängigen orientalischen Mythen bedient hätten. Die Wunderberichte widersprechen dem natürlichen Lauf der Dinge und sind deshalb eine Zumutung für den Intellekt. Ebenso der Gedanke, dass ein allmächtiger, liebender Gott so nachtragend gegen die Sünde Adams sei, dass fortan die Menschheit von der Erbsünde belastet bleibt. Nicht weniger, dass Vergebung für Gott nur auf der Basis des Blutopfers seines Sohnes möglich ist.

Was er dann an Ergebnissen der historisch-kritischen Bibelforschung wiedergibt, ist reichlich selektiv und suggeriert eine Homogenität der Auffassungen, die so nicht besteht.

Auch für Flasch ist der Gott des AT ein blutrünstiger, rachehungriger. Da hätte man von einem Gelehrten seines Kalibers doch mehr erwartet. Der Gott des AT ist heilig und schrecklich in seinen Gerichten. Wenn man das ganze Bild wiedergeben möchte, gehört zur biblischen Darstellung aber auch, dass die zeitlichen Gerichte vor dem ewigen bewahren und dass Gott kein Gott der Toten, sondern der Lebenden ist, sprich menschliches Dasein nicht mit der irdischen Existenz endet. Auch unterschlägt Flasch, in welch hohem Maß der Gott der Israeliten sich von den Göttern umliegender Stämme, Völker und Kulturen unterscheidet. Angriffskriege und Raubzüge waren verboten. Bei den zuweilen tatsächlich sehr blutig erscheinenden kriegerischen Akten im Zuge der Landnahme handelte es sich um punktuelles Gerichtshandeln Gottes in Anbetracht ausufernden menschlichen Unrechts – bei ansonsten striktem Verbot zu töten oder eigenmächtig Krieg zu führen. Das AT ist darüber hinaus voll mit Aufforderungen, Fremden mit Achtung, Solidarität und Gastfreundschaft zu begegnen; immer mit Verweis darauf, wie das Volk Israel selbst unter der Unterdrückung im Land der Pharaonen gelitten hat.

Bezüglich der Mosaischen Gesetzgebung übersieht Flasch, dass diese nicht in erster Linie sozialethischen, sondern v.a. rituellen Charakter hatte. Dabei machen die entsprechenden Texte sehr deutlich, dass bestimmte Vorschriften nicht deshalb erlassen wurden, weil sie für das Leben in der Gemeinschaft unerlässlich wären, sondern weil Aspekte der Beziehung Israels zu Gott versinnbildlicht und ihre Beachtung so lebendig gehalten werden sollte. Bei der oft der Unverhältnismäßigkeit bezichtigten Strafzumessung wird zudem häufig vergessen, dass es um ein Volk ging, welches streckenweise nomadenhaft lebte und jedenfalls weit davon entfernt war, Vergehen mit einem fein gestaffelten Vollzugssystem begegnen zu können.

Unterschlagen werden viele weitere positiven Aspekte: Eine Sozialgesetzgebung, die selbst in unseren Zeiten und Breiten ihresgleichen sucht. Die unzähligen Stellen, die von einem immer wieder gnädigen, sich seinem Volk und den Menschen mit Anteilnahme und Fürsorge widmendem Gott reden.

Die zentralen Inhalte des NT erfasst Flasch leider noch nicht einmal ansatzweise. Er hält sich relativ lange bei der Moral und Ethik der Bergpredigt auf. Die immer wieder unter verschiedensten Blickwinkeln entfaltete neutestamentl. Kernbotschaft ist aber gerade die Überwindung aller Moral. Gesetz im alttestamentlichen Sinne, sittliches Kodizes, Pflichtbewusstsein, das alles sind im NT Notlösungen für den unerlösten Menschen. Wer in einer erneuerten Beziehung zu Gott eine tiefe innere Befreiung erfährt, muss nicht mehr durch Regeln, Vorschriften, Strafandrohungen etc. zum Guten angehalten werden.

Es geht also auch nicht um Jenseitsvertröstung, sondern erfüllende Gotteserfahrung in der Gemeinschaft mit Jesus Christus im hier und jetzt. Diese Einladung gilt jedem Menschen, weil – wie es das NT darstellt – Jesus für die Schuld aller Menschen starb. Im Kreuz auf Golgatha stellt sich Jesus als der Christus Gottes – im Gebet und in der Weigerung, sich auch nur gegen einen Menschen zu wenden - noch hinter den letzten seiner Feinde. Sein Leben, das nur das eine Ziel hatte: anderen zu helfen, sie zu retten und zu heilen – mündet so in einen Opfergang, der die alttestamentlichen Opferbestimmungen als symbolische „Vorschattung“ eines ungleich größeren und tieferen Geschehens erscheinen lässt.

Ob man nun an die Existenz Gottes glaubt oder nicht, eins wird niemand bestreiten können: Nie in der Menschheitsgeschichte wurde Gott mit einer tieferen Liebe zu seinen menschlichen Geschöpfen und nie ein Mensch – wenn man so will – in tieferer Menschlichkeit und Größe dargestellt.

Die „goldene Regel“, so Flasch des Weiteren, fände sich in anderen Religionen ebenso. Wenn es denn so wäre, müsste dies sicherlich kein Argument gegen das Christentum sein. Der Autor vermerkt dann zwar, dass Jesus eine „positive“ Variante der ansonsten „negativ“, auf Ausschließung bedachten Leitlinie vorbringt. Auch er übersieht jedoch den tiefgreifenden Unterschied zwischen dem Unterlassen des Bösen „Was du nicht willst, das man dir tu...“ und dem freudigen, aktiven Tun des Guten, das stets das Wohlergehen des Nächsten im Blick hat („Was immer ihr wollt, dass die Leute euch tun, tut ihr ihnen auch!“).

Bei der Behandlung der Theodizee-Frage, welcher der Autor ebenfalls ein sehr hohes Gewicht beimisst, führt er sechs mehr oder weniger gängige Antworten an und hat es nicht allzu schwer, diesen mangelnde Tragfähigkeit nachzuweisen. Die eigentliche, neutestamentliche Perspektive spart er jedoch auch hier aus.

Auch wer sich fragt, ob der Gott der Liebe und das Leid dieser Welt zusammengedacht werden kann, muss mitdenken, dass unser Leben - so der Gott der Bibel existiert - nur "Vorschule zur Ewigkeit" ist. Er muss - wenn er das Gedankenexperiment logisch durchhält - zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschen zwar vieles nicht verstehen, aber doch alles auf das beste denkbare Ende hinauslaufen muss - eben weil Gott Logos und Liebe ist.

Tatsächlich gibt es unzählige Berichte von Menschen, die darstellen, wie Leid zu einer am Ende doch segensreichen Erfahrung wurde. Und aus heilsgeschichtlicher Perspektive - sowohl bezogen auf den Einzelnen, wie auf Israel als Gottes auserwähltes Volk, wie auf die Menschheit an sich - ist - unvermeidbares - Leid eben immer auch das: Teil eines Lernprozesses, in dem der Mensch dessen inne wird, was in seinem Leben wirklich zählt, trägt und hält.

Die von Yad Vashem mit dem Titel "Gerechte unter den Völkern" geehrte Holländerin Corrie ten Boom, die aus einer Uhrmacherfamilie stammte, die in der Zeit des NS Juden bei sich versteckte, dann aufflog, zum Teil hingerichtet, zum Teil deportiert wurde, schildert es in ihrem Buch "Die Zuflucht" so: "Das Leben in Ravensbrück spielte sich auf zwei getrennten, einander ausschließenden Ebenen ab. Die eine, das sichtbare äußere Leben, wurde Tag für Tag furchtbarer. Die andere, das Leben, das wir mit Gott lebten, wurde täglich beglückender, Wahrheit um Wahrheit, Lichtglanz um Lichtglanz."

Weniger tief religiös verwurzelt, jedoch ohne den religiösen Hintergrund kaum denkbar, geht Viktor Frankl, einer der Väter der modernen Psychotherapie in seinem Buch "Trotzdem Ja zum Leben sagen - Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager", der Frage nach, wie es möglich war, dass sich die einen Menschen unter den zutiefst leidvollen Umstände des Lagerlebens eine konstruktive und für andere Menschen segensreiche, aufrechte Haltung bewahren konnten, während andere sich in Hass, Bitterkeit und Verzweiflung verzehrten.

Die dem eigentlichen Spezialgebiet des Autors zugehörige Auseinandersetzung mit den insbesondere für die kirchliche Dogmatik prägend gewordenen Theologen wie Augustinus oder Thomas von Aquin ist dann interessant zu lesen. Flasch bringt hier durchaus interessante Aspekte zur Sprache. So macht er etwa deutlich, dass gerade durch die Synthese mit der platonischen Philosophie ein rationaler, auf die intersubjektive Vernunft und Einsicht abstellender, allgemeiner Geltungsanspruch entstand, der dem Christentum ursprünglich nicht eigen ist, da es für die Erkenntnis der Wahrheit die göttliche Offenbarung im Leben des einzelnen Menschen für unerlässlich hielt. Auch räumt Flasch auf mit der Mär vom sexualitätsfeindlichen Christentum. Die Bibel bejahe Sexualität – Einschränkungen gäbe es lediglich zuweilen im rituell-geistlichen Kontext. M. Foucault und Norbert Elias wiesen darauf hin; renommierte Historiker wie Nipperdey oder Angenendt ebenso: Prüderie tauchte eigentlich erst im Jahrhundert der Aufklärung auf, als das Christentum – mehr und mehr seiner geistlichen Kraft und Lebendigkeit beraubt - zum moralischen System erstarrte. Wollust, so Flasch, hätte zuvor als die geringste aller Sünden gegolten.

Bei Augustinus freilich klingt da manches anders – auch wenn dies nicht für den christlichen Alltag prägend geworden sein mag. Wo dieser über Sexualität schreibt, scheint sich seine neuplatonische Vorprägung bemerkbar zu machen. Von der sprühenden Leidenschaft und Freude am Liebesleben, wie sie noch im Hohelied Salomons Ausdruck findet, ist hier nichts mehr zu spüren.

Weiteres kommt zur Sprache. Die scholastischen Gottesbeweise etwa. Sie überzeugen den Autor ebenso wenig, wie die mancherlei Versuche, theologische Aussagen durch ihren philosophischen Kerngehalt zu legitimieren.

Natürlich lässt sich vieles im die Jahrhunderte hindurch entstandenen kirchlichen Lehrgebäude zurecht hinterfragen – Mariendogmen, Heiligenkult, katholische Abendmalstheologie... Das dgl. nicht wesentlich zum Christentum gehöre, will Flasch nicht gelten lassen. Für ihn gibt es nur das historisch konkret gewordene, real existierende Christentum, da das NT zu unkonkret und widersprüchlich sei, um aus ihm die ursprüngliche Grundidee, den heißen Kern des Christseins zu entnehmen. Auch dieser Verweis auf das angeblich Vage und Uneindeutige des Christentums fehlt in keiner kritischen Ausführung.

Die entscheidende Aussage des Buches findet sich wohl letztlich in dem Satz, mit dem sich der Autor der wohlmeinenden Vereinnahmung als Gottsucher widersetzt. Flasch sieht sich am Ende eines solchen Prozesses und nicht mittendrin: „Ich habe Gott gesucht und ihn nicht gefunden“. - Warum hat der Autor niemals wirklichen Zugang zu Gott gefunden? Warum gab er sich, wie so viele andere solange mit einem entleerten Traditions-Christentum zufrieden? Hat er Gott überhaupt je wirklich gesucht oder bestand seine Suche nur in der philosophisch-theologischen Auseinandersetzung mit der katholischen Lehre? Der Leser weiß es nicht.

Deutlich wird jedoch, dass der hoch dekorierte Geisteswissenschaftler über Jahrzehnte seines Intellektuellen-Daseins hinweg die christlichen Wahrheiten als zumindest denkmöglich ansah. Er sah sich letztlich jedoch mit der Einsicht konfrontiert, dass sie nicht überzeugend genug seien, um ein Leben als Christ zu führen. Doch zäumt er damit das Pferd von hinten auf. Denn natürlich haben Glaubenssätze, die nicht durch persönliche Erfahrung gedeckt sind, keine solche Überzeugungskraft. Hätte der Autor aber – wie Millionen anderer Menschen – Gott in seinem Leben gefunden, ergäbe auch für ihn die Bibel in ihrem geistlichen und anthropologischem Gehalt ein sinnvolles Ganzes und die zentralen christlichen Glaubensaussagen wären ihm nicht mehr dogmatische Anmaßung oder religiöse Poesie, sondern erlebte, alles verändernde Wirklichkeit. Und mit all den offenen Fragen und Problemen am Rande – Jungfrauengeburt ja oder nein, Bethlehem oder Nazareth, Parusieverzögerung, vermeintliche oder tatsächliche Widersprüche in der Bibel, skurril anmutende Dogmen und Konzilsentscheide usw. - könnte er gut leben.
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am 10. Dezember 2013
Habe das Buch gelesen und in den meisten Teilen auch verstanden. Diese philosophische historische Betrachtung der christlichen Glaubenslehre ist tief begründet, dennoch bleibt der 'normale' Christ mit seiner Religionsgläubigkeit nach traditionellem Muster ein wenig ratlos zurück, Viele Argumente sind voll zu unterstreichen. Es ist ein Buch mit rationalem Ansatz, Herz und Gefühl bleiben außen vor.
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am 17. Januar 2014
Immerhin verzichtet Verf. auf die bei Schriften dieser Art übliche Polemik etwa eines Schmidt-Salomon. Das rechtfertigt immerhin zwei Sterne. Im Übrigen will ich mich auf einen, aber vielleicht den wichtigsten, da elementarsten Punkt des Buches beschränken, die Bewertung des Verf. der NT-Texte zur Auferstehung. 20 bis 70 Jahre "danach" seien die Texte entstanden, und dann wundert sich Verf., dass es gewisse Abweichungen gibt - allerdings bei identischem Kerngeschehen? Ob nun 2 oder 3 Frauen am Grab waren, etc. ist doch ernsthaft kein Argument, diese Texte insgesamt als untauglich zu bezeichnen. Das kann jeder nachvollziehen: man befrage über jeden Zweifel erhabene Zeugen zu einem realen Geschehen, das sie zweifellos vor 20 oder 30 Jahren selbst erlebt haben (z.B. zu einem bedeutenden politischen oder Sportereignis o.dgl.): jeder wird Details anders beschreiben, man wird sich über unterschiedliche Geschehnisse und Zeiten und Personendarstellungen, etc. sehr wundern (!), aber das Kerngeschehen dürfte (im Wesentlichen) gleich wiedergegeben werden. Alle Zeugen sind gerade aus diesem Grund glaubhaft, vollständige Exaktheit der Beschreibung ließe eher auf Absprachen etc. hindeuten. Also: diese "Beweisführung" des Verf. ist gegen jede forensische Erfahrung schlicht misslungen; dieser Kardinalfehler pflanzt sich leider durch das gesamte Buch fort, wobei durchaus nicht alle Gedanken als falsch bezeichnet werden sollen, aber die Ergebnisorientiertheit überlagert auch hier die Logik.
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am 30. November 2013
Kurt Flaschs Buch “Warum ich kein Christ bin“ ist eine deprimierende Arbeit. Als Christ kann man sie keinesfalls heiter-gelassen zur Kenntnis nehmen. Deprimierend ist das Buch, weil hier ein Mann, der sich professionell mit christlicher Tradition beschäftigt hat, eine Darstellung des Christlichen liefert, die so verzeichnend ist, dass von einer „Kritik von innen“ keine Rede sein kann. Ich habe mich bei der Lektüre gefragt: „Kann er es nicht besser darstellen oder will er es nicht?“ Wenn Flaschs Darstellung wahr wäre, wäre ich auch kein Christ.

Es ist frappierend, wie ungeschichtlich der historisch-kritisch argumentierende Autor denkt. Seine Auffassung, dass Wissenschaften „sich nicht durch ihre Inhalte (`Stoffe‘ oder `Materie‘ genannt), sondern durch ihre Verfahren, ihre `Methoden‘“ definieren (49), setzt er so um, dass er die biblischen Texte in einer Buchstäblichkeit interpretiert, die auf Kontext und Bedeutung keine Rücksicht nimmt. So verlangt er z.B. offensichtlich, dass die sechs Tage, in denen Gott die Welt erschaffen hat, im Sinne unserer Kalenderzeit zu verstehen seien (84, 186). Wer es nicht so sieht, nimmt gemäss Flasch die eigene Tradition nicht ernst: „Wer die Bibel bildlich auslegt, simuliert Zugehörigkeit und geht doch eigene Wege“ (190). Was aber, wenn biblische Texte selber schon allegorisch verstanden werden wollen und entsprechend im biblischen Kontext auch so verstanden worden sind? „Denn in deinen [sc. Gottes] Augen sind tausend Jahre wie der gestrige Tag…“ (Ps 90,4; vgl. 2 Petr 3,8). „Psalm 90 ist eine Deutung der Schöpfungstexte in Gen 1-3 unter Bezug auf Gottes Ewigkeit, von der diese Texte noch nicht sprechen“, wie Reinhard Feldmeier und Hermann Spieckermann zu Recht feststellen (Der Gott der Lebendigen, Tübingen 2011, 414). Schon für Gen 1 selbst ist allerdings sehr fraglich, ob hier einfach naiv mit 144 Stunden unserer Kalenderzeit für den Schöpfungsvorgang gerechnet wird, vor allem für die Redaktionsstufe, die im Textganzen von Gen 1-11 vorliegt.

Dass sich die verschiedenen Schöpfungsberichte nicht zu einer einheitlichen Aussage zusammenfügen, braucht uns nicht wirklich zu stören. Es handelt sich um unterschiedliche Zugänge zum Phänomen der Schöpfung, die sich durchaus nicht gegenseitig ausschliessen müssen. Aber wenn man die Texte bloss ganz flächig nebeneinanderstellt und nicht in ihrer literaturgeschichtlichen Tiefenschärfe und ihrer Bezogenheit aufeinander miteinander vergleicht, dann kann man hier – wie Flasch - nur Widersprüche sehen (188-189). Die Meinung, dass die biblischen Texte in ihrer Zeitgebundenheit und Diversität nicht im einen Kanon Gottes Wort sein können (62-63), ist eine sehr undynamische und primitive Auffassung von „Offenbarung“, die dem Werdegang des Kanons in keiner Weise Rechnung trägt (vgl. nur für das Alte Testament: Konrad Schmid, Literaturgeschichte des Alten Testaments. Eine Einführung, Darmstadt 2008). Was Flasch zur Auferstehung oder anderen biblischen Themen sagt, ist nicht weniger unglücklich.

Ganz schwierig wird es, wenn es um den Kern des Christlichen geht. Flasch moniert: „Die Liebesredner unterlassen die einfachsten Fragen, zum Beispiel: Warum hat Jesus nie gesagt, Gott sei die Liebe?“ (73). Nun, so ganz stimmt das dann doch nicht. Immerhin bezeichnet Jesus in der matthäischen Fassung der Bergpredigt die Feindesliebe als Gottes Vollkommenheit (Matth 5,43-48; vgl. Lk 6,35-36). Das ist eine starke Aussage. Ausserdem definiert Jesus durch seine Worte (Gleichnisse!) und sein Tun allererst, was Agape als göttliche Liebe bedeutet. Flasch sieht hier vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Wenn Jesus schlicht gesagt hätte, Gott sei die Liebe, dann hätte das Fragen doch erst angefangen: Was genau meint er damit? (Vgl. nur die Frage nach dem „Nächsten“: Lk 10,29.)

Noch schwieriger wird es, wenn Flasch feststellt, Jesus hätte „den Christen zweitausend Jahre Streit über seine Natur und seine Sendung erspart“, wenn er gesagt hätte: „Ich bin wahrer Mensch, und zwar die zweite Person der Trinität, ausserdem bin ich vollständiger Mensch und lasse mich für euch kreuzigen, damit ihr von der Erbsünde befreit werdet und Gott euch wieder gnädig sei“ (256). Zum Glück hat er nicht so geredet, denn dann wären wir in echten Schwierigkeiten! Im Kreuzesgeschehen geht es überhaupt nicht um die Besänftigung eines beleidigten Gottes: „Der Verärgerte erhält Sühne und wird wieder gnädig“ (201). Ich kenne keinen einzigen neutestamentlichen Text, der das direkt oder indirekt behaupten würde. (Das schliesst auch die biblische Rede von der Hölle und vom Zorn Gottes ein.) Paulus z.B. sagt pointiert das Gegenteil: Gott versöhnte nicht sich mit der Welt, sondern er versöhnte uns mit sich – als wir noch seine Feinde waren (Röm 5,10). So hat es offensichtlich auch Jesus selbst verstanden, unter Bezug auf Jes 53 (nicht „Jeremias 53“ [202]; das gibt es im AT gar nicht). Nicht Gott braucht das Opfer, sondern wir brauchen es. Das haben nicht erst Karl Barth oder Hans Urs von Balthasar verstanden, sondern bereits ein Anselm von Canterbury: "Es wäre verwunderlich, wenn Gott sich so am Blut eines Unschuldigen freute oder es bräuchte, dass er erst nach dessen Tötung einem Schuldigen verzeihen wollte oder könnte" (Anselm von Canterbury, Cur deus homo I,10).

„Wenn Jesus die zweite Person der Gottheit ist, wesensgleich dem Vater, und wenn er durch seinen Tod Gott mit den Menschen versöhnt, dann hat er sich mit sich selbst versöhnt. Als Gott hätte er das einfacher haben können“ (259). Und wenn Jesus als die zweite trinitarische Person nicht Gott mit den Menschen, sondern in der Handlungseinheit mit Vater und Geist durch seinen Tod die Menschen mit Gott versöhnt, dann erreicht er die von Gott abgewendeten Menschen in einer Weise, die die Freiheit des Menschen ganz ernst nimmt und dessen oder deren Weigerung nicht einfach durch ein Dekret überspringt. Leichter wollte Gott es sich selbst offenbar nicht machen.

Wenn man das Kreuz Christi wirklich ernst nimmt, vor allem auch in der Zuspitzung, dass Christus für die Welt gestorben ist (Joh 3,13-16), dann ist die Folgerung unausweichlich, dass Gott jeden Menschen in absoluter Radikalität liebt, ganz unabhängig davon, wie wir uns zu Gott verhalten. Gott in Christus ist zum vornherein „der Unsrige“, wie es Huldrych Zwingli formuliert hat (vgl. G.W. Locher, Die Theologie Huldrych Zwinglis im Lichte seiner Christologie, Zürich 1952, 33-42). Das schliesst nicht aus, dass Gott nicht zu allem, was wir tun, ja und amen sagt. Insofern bleibt die Rede vom Zorn Gottes aktuell. Aber das stellt Gottes Ja zu uns als Personen in keiner Weise in Frage: 2 Tim 2,12-13. (Nur von diesem Ja her lässt sich dann auch die Frage nach dem Bösen wirklich angehen, wie Dostojewski gewusst hat.)

Leider ist das in der Geschichte des Christentums nicht immer so klar gesehen worden. Flaschs Kritik an der Prädestinationslehre Augustins ist in diesem Zusammenhang zuzustimmen (vgl. vor allem Kurt Flasch, Logik des Schreckens, Mainz 1990). Dass Thomas von Aquin, aber auch ein Luther und ein Calvin der Auffassung Augustins im Wesentlichen gefolgt sind, macht die Sache nur noch schlimmer. Zum Glück orientieren sich die heute massgeblichen Stimmen der Theologie in dieser Sache wieder am Ursprung.

Schliesslich noch zwei letzte Punkte. Flasch präsentiert zuweilen Vertreter der Theologie in einer problematischen Weise, so als ob diese im Gegensatz zu Flasch nicht klar denken könnten. Flasch schreibt z.B. von Karl Barth: „Gott, sagt nicht nur Karl Barth, sei der `ganz Andere‘. Das ist nicht mehr als eine verächtliche Phrase“ (149). Dafür führt Flasch neben Platon und Aristoteles auch Augustinus, Anselm und Nikolaus von Kues ins Feld. Dazu ist zu sagen, dass Augustinus nicht nur von Gott als interior intimo meo (innerlicher als mein Innerstes), sondern auch von Gott als superior summo meo (höher als mein Höchstes) spricht und damit den Unterschied zwischen Gott und Geschöpf betont (Confessiones 3, 6 [11]). Ähnlich gibt es bei Anselm im Proslogion nicht nur die Formel des id quo maius cogitari nequit (das, worüber hinaus nichts Grösseres gedacht werden), sondern auch die notwendige ergänzende Formel des quiddam maius quam cogitari possit (etwas Grösseres als gedacht werden kann) (vgl. Proslogion 2 und 15). Und bei Nikolaus von Kues besteht die Pointe des Nicht-Anderen gerade darin, dass es das Andere zum Anderen ist und zugleich dem Anderen nicht entgegengesetzt ist – ein Geheimnis ohnegleichen, wie Nikolaus bemerkt (De non aliud, propositio 6). Die Andersheit des Nicht-Anderen ist anders als alle anderen Andersheiten. Die Rede von Gott als dem ganz Anderen ist entsprechend nicht falsch, sondern nur unvollständig. Barth wollte zunächst nur im Sinne von Kierkegaard auf den unendlichen qualitativen Unterschied zwischen Gott und Welt hinweisen. Das war in der damaligen theologischen Diskussionslage durchaus verständlich. Natürlich hat Barth gewusst, dass mit dieser Unterscheidung von Gott und Welt noch nicht alles gesagt ist. Er hat das dann später durchaus betont. Flasch denkt hier wiederum ganz ungeschichtlich.

Ein anderer, der bei Flasch regelmässig sein Fett abbekommt, ist Thomas von Aquin. In seiner Besprechung der fünf Gottesbeweise in der Summa theologiae fragt Flasch in polemischer Absicht: „Warum soll die Reihe der Ursachen nicht ins Unendliche weitergehen? Woher weiss er das? Geht sie vielleicht nicht doch ins Unendliche?“ (154). Für einen Mittelalterspezialisten sind das dergestalt - mit Verlaub - etwas dümmliche Fragen. Mit 14 Jahren habe ich auch so gedacht: „Wenn Gott die Welt geschaffen hat, wer hat dann Gott geschaffen?“ Das war der Pubertierende, der fasziniert die Möglichkeiten des abstrakten Denkens entdeckte. (Etwas von dieser Faszination lässt auch Kant noch verspüren, der Gott die Frage in den Mund legt: „Aber woher bin ich denn?“ [Kritik der reinen Vernunft B 641/ A 613].) Ein solches Verständnis gehabt zu haben, ist keine Schande, aber dort stehen zu bleiben, ist kein Ruhmesblatt. Die Kausalität des Erschaffens, die sich auf das Ganze der Schöpfung bezieht, also auf alle endlichen Dinge, ist eine grundsätzlich andere als die Kausalität, die uns zur Verfügung steht. Deshalb unterscheidet Thomas zwischen causa prima (Gott) und causa secunda (Geschöpf). Damit ist mehr gemeint als die jeweilige Stelle in einer neutralen Reihenfolge. Wenn wir die causa prima einfach in einer Reihe mit allen anderen Ursachen sehen (Heideggers Ontotheologie lässt grüssen), dann ist tatsächlich nicht zu begründen, warum die Reihe der Ursachen nicht beliebig weitergehen soll. Dass man mit den fünf Gottesbeweisen des Thomas in der Summa theologiae unzufrieden sein kann, das sei geschenkt. Flasch ist nicht der einzige, der hier Mühe hat. Aber das bedeutet ja nicht, dass Thomas nicht darüber nachgedacht hat, warum die Reihe der Ursachen nicht ins Unendliche weitergeht und warum die erste Ursache nur eine einzige sein kann. In der dritten quaestio von De potentia z.B., einem Werk, das kurz vor dem ersten Teil der Summa theologiae entstanden ist, kann man in extenso nachlesen, was Thomas dazu zu sagen hatte. Flasch müsste das wissen.

Zum letzten Punkt. Aufgrund der kontextlosen und ungeschichtlichen Interpretationen christlicher Inhalte durch Flasch stellt sich mir die Frage, ob dieses Buch die späte Rache Flaschs an dem Gott ist, der ihm im August 1942 den Freund genommen hat (149, 200). Und nicht nur das. Da war auch noch der 27. November 1944 (vgl. Kurt Flasch, Über die Brücke – Maizer Kindheit 1930-1949, Frankfurt a.M. 2005, 99 f.). Das vorliegende Buch ist nicht einfach heiter und gelassen, sine ira et studio geschrieben worden. Soweit ich sehe, will Flasch das Christliche nicht wirklich verstehen, sondern nur möglichst begründet Anstoss an ihm nehmen. Aber dass die Möglichkeit des Verstehens beim ihm seit den genannten schlimmen Erfahrungen blockiert ist, das kaufe ich ihm ab. Auch wenn mich weite Teile des Buches ärgern und ich mit vielem im Abschnitt über das Böse (171-179) nicht einverstanden bin, so nehme ich doch speziell diesen Abschnitt des Buches ernst.
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am 22. Januar 2014
Das Buch von Kurt Flasch ist nach eigenem Bekunden ein persönliches Buch zu einer Frage, die viele Menschen bewegt. Das ist beeindruckend gelungen. Dafür persönlich: Respekt und Dank!
Dr. Dr. Markus Vette
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am 30. Oktober 2013
Auf Kurt Flasch bin ich durch eine spätabendliche Kultursendung (schade, dass wirkliche Informationen erst ausgestrahlt werden, nachdem die meisten (arbeitenden) Zuschauer, abgefüllt mit seichter Unterhaltung wie Koch- und Spielshows und Doku-Soaps, schon im Tiefschlaf liegen...) aufmerksam geworden.

Die Kommentare zu den Rezensionen sind nach meinem Empfinden schon so gut, dass ich "Warum ich kein Christ bin..." ungelesen gerne 5 Sterne gebe.

Vieles erinnert mich - ganz offsichtlich lässt sich die Unwahrheit von Religion auf verschiedensten Wegen belegen? - stark an das im Betreff genannte Buch, das ich, dem die Gnade des ungeprüften Glaubens (teils leider) abgeht, vor geraumer Zeit mit Interesse gelesen habe und allen am Thema Interessierten gerne empfehle.

Dessen sinngemäßes Fazit:

Das Christentum ist nicht wahr. Trotzdem sind einige Ideen darin gut. Wie ließe sich dieses Gute/Snnvolle - Wahrheit hin oder her - leben?

Der Autor, übrigens studierter Theologe, kann diese meine Erinnerung an sein Buch natürlich viel besser in Worte fassen. Deshalb hier der Einband:

"Dieses ist ein Buch für die Ungläubigen und Zweifelnden, die Unsicheren und Orietierungslosen. Ihnen möchte ich auseinandersetzen, warum wir das Christentum, trotz seiner bekannten Geschichte, noch brauchen. Ihnen möchte ich jene spezifisch christliche Wahrheit und jene besondere christliche Sicht auf die Wirklichkeit zeigen, die auch dann gültig bliebe, wenn sich erwiese, dass alles, was in der Bibel steht, erfunden ist und sich histroisch nie ereignet hat. Es geht um jene bleibende Wahrheit des Christentums, die durch keine wissenschaftliche Untersuchung widerlegt werden kann. Es geht um jene Wahrheit, deren Anerkennung für diesen Planeten überlebensnotwendig ist. Es geht um das, was wir retten sollten, wenn das Christentum nicht mehr zu retten wäre."

Das Buch selbst liest sich ausgesprochen flott und geradezu spannend weg, weswegen ich Ihnen die ersten Zeilen des Vorwortes nicht vorenthalten möchte:

"Der Göttinger Theologe Gerd Lüdemann behauptet, Jesus sei in seinem Grab verwest wie jede andere Leiche. Damit behauptet Lüdemann mehr, als er wissen kann, aber ich fürchte, er hat Recht. Und wenn er Recht hätte - könnten wir noch Christen sein? Ja, sagt Lüdemann. Christen könnten Christen bleiben, auch wenn sie "nicht an die Wiederbelebung eines Leichnams glauben". Dem Christen helfe, "wenn er fortan vom Wenigen lebt, was er wirklich glaubt, nicht vom Vielen, was zu glauben er sich abmühen musste". Von diesem Wenigen handelt dieses Buch." ...

Ich denke, ich werde mir Flasch, der im TV-Interview auf mich einen sehr angenehmen Eindruck machte, gelegentlich zu Gemüte führen. Schätze aber auch, das Nürnberger mein persönlicher Favorit bleiben wird.

Weil er über die bloße Demontage des Glaubens hinausgeht und nach Alternativen sucht.

Da fallen mir die Worte des Soziologen Horst Eberhard Richter ein, der den Kapitalismus als eine Art Ersatzreligion bezeichnet hat. Das ständige "Anbeten" des (quantitativen) Wachstums und die abendliche Verkündung des Dax-Wertes scheinen Richter zu bestätigen. Was man nun finden mag wie man will.

Angesichts der Widrigkeiten des Lebens - nehmen wir "nur" mal Krankheiten, Altern und Tod - scheint der Mensch irgendwie glauben zu "müssen", zu wollen?

Die Frage ist, wie - und woran?

Insofern finde ich Aufklärung nur gut. Alternativen bzw. das Bemühen um solche allerdings noch besser.
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am 10. Oktober 2013
Ein sehr lesenswertes Buch; aber seine Antwort auf das "Warum" ist die typische Antwort eines nachdenklichen Intellektuellen, der nach Ursachen sucht. Der durchschnittliche Gläubige jedoch braucht lediglich die "äußere Form" seiner Religion, d.h. das unendlich wiederholbare, in seiner Form festgelegte Glaubensbekenntnis genügt ihm, und das braucht er zur Stabilisierung seines Ichs in einer wandelbaren Welt. Wenn man ein Bekenntnis ausreichend oft und lange wiederholt, wird es zur Wahrheit; das bedarf dann keiner Begründung mehr.
Aktuell vergleichbar ist das Ergebnis der Wahlen 2013 zum Deutschen Bundestag. Angela Merkel war und ist selbst, als "äußere Form", das Regierungsprogramm, das dem Bürger Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Der Wahlverlierer war derjenige, der es inhaltlich begründen wollte, Peer Steinbrück.
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