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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
32
Mein Leben mit Wagner
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:19,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 19. November 2012
Was Christian Thielemann hier schreibt, fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Minute. Da wird man zum Wagnerianer, wenn man es nicht schon (längst) ist. Aber selbst für den begeisterten Anhänger bieten Thielemanns Ausführungen eine wahre Fundgrube neuer An- und Einsichten. So ein Wagner-Buch findet man äußerst selten. Unbedingte Kaufempfehlung!
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am 29. März 2013
Ein wunderbares, hoch interessantes und aufschlussreiches Buch für alle, die wissen möchten was es bedeutet, Dirigent zu sein und die sich besonders dafür interessieren, "einen Blick hinter die Kulissen" in Bayreuth zu werfen.
Nach der Lektüre dieses Buches wird niemand mehr annehmen, die Aufgabe eines Dirigenten sei lediglich, das Orchester zusammenzuhalten, Thielemann schildert eingehend was es bedeutet, ein Werk zu interpretieren.
Natürlich liegt der Fokus auf dem Werk Richard Wagners, das zusammengefasst und erläutert wird, in einem anderen Kapitel spricht Thielemann CD-Empfehlungen aus.
Besonders spannend sind die Einblicke in die Bayreuther Festspiele nicht aus der Sicht der Besucher, sondern aus der jemandes, der eine zentrale Rolle dabei spielt.
"Mein Leben mit Wagner" ist keine Autobiografie (das wird auch an keiner Stelle behauptet), man erfährt nicht viel über den Menschen Christian Thielemann, aber man erfährt wie seine Karriere bis heute verlaufen ist und für mich war dies mit das Interessanteste an diesem von mir hoch geschätzten Buch.
7 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 10. Juli 2013
Vorausgeschickt sei, dass ich ein glühender Verehrer des Dirigenten Thielemann bin, dass ich seine Karriere seit langem verfolge, seine musikalischen Vorlieben teile und auch seine sonstigen Verlautbarungen und Lebenshaltungen als ganz die meinen betrachte. Dennoch und davon leidlich unberührt, muss man konstatieren; dass er hier nicht nur ein verplaudertes Büchlein oder eine Selbstbeweihräucherung vorgelegt hat; sondern eine grundehrliche Darstellung der Verbindung seines Lebens und Arbeitens mit demjenigen Richard Wagners. Luzide, erhellend, klug, überlegt und überlegen; aus einer langjährigen praktischen Erfahrung gespeist; dazu lässig geschrieben, ohne vergröbernd zu argumentieren oder sich stilistisch zu sehr dem Feuilleton anzunähern. Ein Buch, das Mut macht; selber nachzudenken und Wagner für sich zu entdecken; das Lust macht, Wagner einfach nur zu hören und sich geduldig in die Bayreuther Warteschlange einzureihen. Ein Buch der Liebe, zu Wagner, dessen Bewunderern und Verehrern und auch zu sich selbst! Wie geschaffen also für Einsteiger und für profunde Kenner; für die einen als Wegweiser in einen gewaltigen Kosmos, für die anderen ein ästhetischer Genuss und die Möglichkeit, eigene Ansichten und Urteile zu überprüfen.

In drei großen Abschnitten, die durchaus miteinander korrespondieren, führt uns Thielemann durch seinen Wagnerkosmos. Im ersten Kapitel schildert er seinen persönlichen Weg zu Wagner, eine Mischung aus Kurzbiografie und Einführung in das Wagnersche Universum. Unprätentiös und ohne falsche Bescheidenheit spricht hier Thielemann von seinem Lieblingskomponisten und vor allem von sich selbst. Der da spricht, ist sich seiner Bedeutung wohl bewusst; er stellt sein Licht nicht unter den Scheffel; man spürt durchaus auch eine gewisse Eitelkeit und Eingenommenheit in einigen Zeilen; aber sie erscheint so natürlich und selbstverständlich, weil eingebettet in den Gesamtzusammenhang, dass man jene dem Autor nicht nur nachsieht, sondern sogar verbeugend zuerkennt. Da wird kein Hehl gemacht aus heute verpönten Ansichten und mir lacht das Herz, wenn es gleich zu Beginn heißt, er wuchs in einem gut bürgerlichen Elternhaus auf und das mehr als nur gerne. Was heute spätestens im Gefolge der 68er einen negativen Anstrich hat und wider jede Natur pauschal verleumdet wird, ist ihm ein großes Glück gewesen, wie übrigens vielen Millionen anderen Kindern auch. Bürgerlich, also verlässlich, grundsolide, behütet und bewahrend – und vor allem auch mit Musik. Es ist so wohltuend, von einem großen Mann und Künstler Derartiges zu hören: Dass sich situierte Väter für ihre Familien krummlegen und buchstäblich zu Tode schuften, um ihr ein gutes Leben zu ermöglichen, ist kein Klischee – ihre Kinder sind versorgt, sie haben ein Dach über dem Kopf, reichlich zu essen, Taschengeld, eine schulische und später eine berufliche Ausbildung, Grundlage für eine selbstständige Zukunft. Auch wenn diese Väter sich noch nicht so um die Kindererziehung kümmerten wie später in unserer Zeit; wenn sie noch nicht auch die sanften und liebevollen Väter waren, die Frau und Kinder umarmen und Tränen der Rührung weinen, wie in anderen Kulturen üblich, so waren sie doch fürsorglich und liebevoll auf ihre Art. Man will dies heutzutage nicht mehr wahrhaben und mokiert sich über bürgerliche Lebensformen, obwohl genau diese erst unseren heutigen Lebensstandard ermöglicht haben.

Thielemann nimmt kein Blatt vor den Mund und schämt sich seiner Herkunft nicht, seines außerordentlichen Standes unter den Altersgenossen. Fern von Elitarismus ist er doch realistisch und stellt fest, er war anders als die anderen. Eben kein Fußball, sondern Musik, immer schon und fast ausschließlich und dort das Überbordende und nicht das Schmallippige. Er hat nichts verpasst im Leben, er wollte nie aufbegehren um den Aufbegehrens Willen und sich als Jugendlicher in Lumpen hüllen oder Häuser besetzen. Er entlarvt das nicht direkt als bloße Attitüde, aber er wies der Musik mehr Realität zu als solchen Barrikadenstürmen. So schildert er prägnant seinen bisherigen musikalischen und beruflichen Werdegang, vom Musikunterricht in Kindheit und Jugend (Klavier und Geige, später Bratsche) über das Studium an der Berliner Musikhochschule, seine Einstellung als Bratscher in der Orchesterakadiemie der Berliner Philharmonie, dem Unterricht bei Hans Hildsorf im Partiturspiel und Dirigieren, dem Vertrag an der Deutschen Oper Berlin als Korrepetitor, als Assistent Karajans in Salzburg und als solcher von Barenboim in Bayreuth. Was zunächst eine beeindruckende Konsequenz scheint, relativiert er selbst durch Misserfolge beim Probedirigat bei Herbert Ahlendorf am Städtischen Konservatorium oder beim Karajan-Dirigentenwettbewerb.

Wie wird man dennoch Dirigent und möglichst ein großer? Die Antwort Thielemanns ist eindeutig: über die so gennannte Ochsentour – Korrepetitor, Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung, Assistenzen bei namhaften Dirigenten, zweiter Kapellmeister, erster Kapellmeister, Generalmusikdirektor in der Provinz oder an einem mittleren Haus, Generalmusikdirektor an einem großen Haus; dazu Gastdirigate und Plattenaufnahmen, und das alles möglichst bis 40. Er selbst geht diesen Weg; seine Stationen sind Berlin, Gelsenkirchen, Karlsruhe, Hannover, Düsseldorf, Nürnberg; später München und Dresden. Wagner begleitet ihn von Anfang an, „Tristan“, „Meistersinger“, „Parsifal“ – das Debüt symbolisch genug in Venedig, es folgten „Rienzi“, „Tannhäuser“ und „Lohengrin“ in Hannover, „Tristan und Isolde“ in Hamburg, auch einen in Nürnberg, vor den Toren Bayreuths. Aber dort schwieg man beharrlich, selbst nach einem „Ring“ in Berlin. Thielemann wartete und behauptet, gelernt zu haben, nichts zu sehr zu wollen; der einzige Satz im Buch, den ich ihm nicht abnehme. Aber seine Stunde schlägt in Chicago bei den „Meistersingern“, mit Wolfgang Wagner wird er sich einig und seitdem ist er bei den Festspielen in Oberfranken eine feste Größe, 2006 der „Ring“.

Kapitel 2, „Wagners Kosmos“, ist sicher das Ergiebigste und beginnt mit einer ersten Annäherung an Wagners Musikdramen, analysiert das Wagner-Orchester, das Verhältnis von Wort und Ton und die Stoffe. Für den Kenner sicher nichts genuin Neues, aber leichtfüßig und erhellend geschrieben, immer durchsetzt mit persönlichen Anmerkungen, Reminiszenzen, Meinungen und Anekdoten. Er räumt auf mit Missverständnissen, etwa der Gleichsetzung Wagner gleich großes Orchester gleich Krach; im Gegenteil: Je größer das Orchester, desto leiser und differenzierter und ausdrucksstärker spielt es. Und er gibt gerne zu, dass man sich auch über den Text zuweilen lustig machen könne; aber er verweist zu Recht auf das Verhältnis der vielen guten Verse zu den wenigen schlechten, bei den schieren Textmassen wären Unterschiede im Niveau nicht verwunderlich; diese taugten aber nicht dazu, einer der ganz großen Operndichter zu diskreditieren. Das Problem der Textunverständlichkeiten, das alle Opernliteratur betrifft, führt er darauf zurück; dass Wagner an menschliche, sängerische und artikulatorische Grenzen stieß. Plastische Vergleiche und Wertungen betreffen das Verhältnis Verdi und Wagner: Verdi vertone, Wagner verklangliche; Verdi verknappe, dramatisiere, destilliere; Wagner verströme sich, feiere Orgien, ergreife Besitz. Überdies müsse man als Dirigent der deutschen Sprache mächtig sein, wer nur phonetisch dirigiere, beraube sich einer wichtigen Dimension – eine schlichte Wahrheit, die heute keiner hören will. Zum Stoff führt er aus, dass Wagner germanische Mythen nur benutzt und instrumentalisiert; mythische Dichtungen in archaischen Gewändern treiben zeitgenössische subversive Dinge. Statt Antike oder Shakespare war eben die germanische Mythologie im 19. Jahrhundert im Schwange, daher der Zugriff. Zu Bayreuth, seinen Dirigenten, zu den Wagners, dem Festspielhaus, dem Graben, der Akustik erfährt man Intimes, Einblicke, die amüsieren, informieren, unterhalten und verstören zugleich. Das Profilbild Thielemanns vor Wagners Büste in Bayreuth wirkt freilich etwas deplatziert und zu dick aufgetragen.

Beim so genannten Weltanschaulichen muss er notgedrungen etwas weiter ausholen. Ihn interessiert das politisch Korrekte wenig, es sei der Weg des geringsten Widerstands. Er stellt Fragen: Wie sieht das Verhältnis von Politik und Musik aus? Wo endet eine Interpretation und fängt der Missbrauch an? Ist C-Dur noch C-Dur? Die Chronologie sei auf Wagners Seite, er lebte vor Hitlers Geburt und lange vor dem Faschismus. Thielemann leugnet nicht die antisemitischen Verirrungen, verweist aber auf die Zeitumstände; er beschreibt Bayreuth unter Hitler ehrlich und kritisch. Und er widmet einen eigenen Exkurs dem Verhältnis Wagners zu Mendelssohn-Bartholdy, in welchem er mit Kritik an seinem Helden nicht spart und dessen Todfeind ausführlich würdigt. Er stellt heraus, dass man Wagner für seinen Missbrauch nicht unmittelbar verantwortlich machen könne; aber er wirft ihm vor, der antisemitischen Hetze das Profil einer ästhetischen Debatte verliehen zu haben. Aber als Musiker betrachtet sieht er in der Hauptsache das handwerkliche und musikalische Können Wagners; Ideologie hilft ihm als Praktiker und Ausführendem nicht bei der Lösung musikalischer und aufführungstechnischer Probleme. In den Noten sei kein Platz für Politik und Ideologe und Antisemitismus; Wagners Musik sei keine Propaganda! Man könne einen Quartsextakkord nicht faschistisch, kapitalistisch, sozialistisch, anti- oder philosemitisch spielen oder dirigieren! Wenn man die Partitur als Meisterwerk erkenne, sei alles Außermusikalische Nebensache. Und er nimmt all denen mehr als übel, die aus ideologischen Gründen verhindern wollen, Wagners Musik überhaupt zu hören.

Was mache eine gute Aufführung aus, fragt Thielemann im Anschluss und benennt die besten Wagner-Opernhäuser und ergießt einen herrlichen Exkurs zum Kapellmeister im Unterschied zum Dirigenten: Charisma und Pop seien heute wichtiger als das Handwerk, bloß keine Langeweile; lieber Visionen, Herumgehample und Haargel. Er aber meint: Der Kapellmeister dürfe als Dirigent scheitern, aber nicht der Dirigent als Kapellmeister. Denn wenn dem Kapellmeister die Dimension der persönlichen Gestaltung fehle, auch die originellen Ideen; möge das noch angehen; aber das Handwerk mache auch erst den Dirigenten. Er durchleuchtet scharfsinnig und unerbittlich den heutigen Musikbetrieb, dessen Teil auch er ist, und er plädiert für einen angemessenen Ausgleich zwischen dem Verkauf seiner Seele und einer Verweigerungshaltung, zwischen Prostitution und Opportunismus im Gegensatz zu esoterischen Keuschheitsgelübden. Zur Regie und zu Regisseuren findet er deutliche Worte: Es gäbe diejenigen, die die Materie nicht beherrschten, keine Noten lesen könnten; aber die Stücke in Trümmer schlügen; diejenigen, die aus zu großer Ehrfurcht vor der Musik zu allem Ja und Amen sagten; und diejenigen, die zu viel Widerstand böten, weil sie niemanden neben sich duldeten; etwa Götz Friedrich, mit dem Thielemann in Berlin oft Krach hatte. Er wünscht sich Regisseure, die Partituren lesen können und aus der Musik heraus entscheiden; er will intellektuellen Austausch und seriöses und engagiertes und sachkundiges Brainstorming. E sei für alles offen, nur nicht für Pornographie und politisches Agitprop. Lars von Triers Abtretungsurkunde wird in diesem Zusammenhang ausführlich zitiert und zwar mit einigem Recht. Deutliche Worte auch zur Krise des Wagnergesangs: Es werde zu früh, zu viel und zu oft Wagner gesungen; die Ansprüche an die Sänger und Sängerinnen seien heute enorm hoch, musikalisch und optisch. Statt Jetset-Touren und Globalisierung plädiert er für das gute alte Ensembletheater; mehr zuhause arbeiten und weniger gastieren. Überdies seien die Sangeskünstler selbst verantwortlich für ihr Instrument, die menschliche Stimme. Fragen der Interpretation werden behandelt, bieten Einblicke in Thielemanns Werkstatt; etwa, wenn er die Operette als Baustein zum Wagnermusizieren erklärt, zu Tempifragen (Rubato) Stellung nimmt und zu seinen schwelgerisch- überbordenden Bögen, die nichts taugten, wenn ihnen die Spannkraft fehlte. Witzig der Schlussabschnitt für Anfänger, der Laien die Angst vor Wagner nehmen soll und sich unter anderem mit Botschaft und Personal aufhält.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit den einzelnen Musikdramen Wagners und untergliedert sich jeweils in „Einleitung“, „Entstehung“, „Besetzung“, „Handlung“, „Musik“ und „Aufnahmen“. Man denkt gerade als Wagnerliebhaber kaum Neues zu erfahren; aber dann eröffnen sich doch aus der spezifischen Sicht des Dirigenten, des Praktikers überraschende Perspektiven auf längst Gekanntes und tausendmal Gehörtes. Doch spannend vor allem, wenn man erkennt, dass die eigenen Lieblingsaufnahmem auch vom Meister selbst als Referenz ausgewiesen werden. Zusammen ergeben die Werkkapitel, vor allem im Bereich der Musik, eine schöne Genese Wagnerscher Tonkunst in nuce. Immer bringt Thielemannn das Wesentliche auf den Punkt, ohne populistisch zu werden oder Fachleute zu verprellen.

Fazit: Die Musik kommt immer zuerst, das Ideologische, Regieeinfälle und dergleichen ist immer nachgeordnet. Ehrlichkeit, das macht ihn einzigartig und so umstritten, obwohl es meines Erachtens die einzige Möglichkeit ist heute Wagner und Musik überhaupt anzugehen. Das stört nun aber alle Beflissenen, die glauben, Wagners Musik erneut missbrauchen zu können, als Konstrukt, dem sie ihre Bedeutungen überstülpen. Ein erfrischend unkorrektes, weil ehrliches und ebenso sachliches wie persönliches Buch aus der Feder eines Praktikers, den ich für mich selbst; auch wenn das ungerecht erscheinen mag, mit Uli Hoeneß oder Dieter Bohlen vergleiche. Beide sind enorm fleißig und erfolgreich in ihren Gebieten, dem Fußball- und Popmusikgeschäft, und sie haben nie mit ihrer oft umstrittenen Meinung hinter dem Berg gehalten, streitbare Geister, die aber nüchtern die Realität abbilden und sich wohltuend von all den Schwaflern und Blendern und Überkorrekten abheben. So auch Thielemann, der so viele Weisheiten gelassen ausspricht, ohne viel Worte das Wesen der Wagnerschen Musik und der ihr gemäßen Art des Dirigats charakterisiert und sich durch Widerspruch und Gegner nicht beirren lässt. In einer Zeit, da die Kulturbürokraten und Ideologen das Schlachtfeld der Kunst mit Worthülsen und weltanschaulichen Verdikten beherrschen , tut es gut; einmal einen wirklichen Feldherrn zu hören und zu erleben, der sein Metier versteht und das Phänomen Wagner vor allem aus der musikalischen Praxis begreift.
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am 31. Dezember 2012
Der Text ist oft langatmig und ohne interessante, spannende Momente oder Höhepunkte aufgebaut. Das Ganze wirkt wie von einem braven Sohn an seine Familie geschrieben, die die Wagnerfamilie heißt. Es fehlt jegliche persönliche psychologische, empirische Persönlichkeitsbeschreibung, jegliches dialogisches, konflikthafte Erleben. Alle Themen werden nur aus der Ferne beschrieben im Sinne einer Abhandlung. Von einer Autobiographie im Sinne einer inneren und äußeren Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen ist dieses Buch meilenweit entfernt. Es wird auch nicht reflektiert, worin die persönliche Faszination von Wagners Musik schon in der Kindheit und dann fortlaufend erweitert? besteht.
Dennoch bringt das Buch auch einige Details, die ganz interessant sind zu lesen, besonders, wenn man noch keine Gelegenheit gehabt hat, im Opernhaus auf dem "grünen Hügel" gewesen zu sein.
18 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 24. Januar 2013
Es ist eine enthusiastische Eloge an die Musik, wenn Christian Thielemann äußert:
„Für mich hat es nie eine Alternative zur Musik gegeben und niemals auch nur den leisesten Wunsch danach.“ Die Faszinationsgeschichte, die ihn ebenso konsequent zu Wagners Werken hinführte, seine Hingabe an die Wagnersche Musik, wird in diesem Hörbuch von Tukur grandios vermittelt und steckt regelrecht mit dessen begeistertem Ton an.

Nach nunmehr 30 Jahren Wagner-Dirigat blickt Christian Thielemann auf sein „Leben mit Wagner“ zurück, der große Wagnerdirigent rückt dabei im Hörbuch so hautnah an einen heran, dass es ein Geschenk ist, dem Maestro hier beinahe vis à vis durch Tukur zuhören zu dürfen.

Thielemann führt auf einfache Weise in den Mythos Bayreuth als „auratischen Ort“ ein, der allein höchstes Ziel und Erfüllung für einen Wagner-Dirigenten sein kann und dies nicht nur in Wort sondern ebenso mit von ihm dirigierten Auszügen aus berühmten Wagneropern (Tristan und Isolde, Lohengrin, Parsifal). – Eine große zweifache Nähe, die in der Lektüre des Buches nur schwerlich entstehen kann.
Thielemann erklärt die Besonderheiten Wagners im Vergleich zu Boito, Verdi und Strauß, die Besonderheiten der Wagnerschen Dichtersprache, der musikalischen Modernität Wagners, der Opernstoffe zwischen Archaik und Avantgardismus so einfach und lebendig, dass Thielemanns Buch als herausragende und unterhaltsame Einführung in Wagners Werk verstanden werden kann. Mit seinen Erläuterungen der Bayreuther „Verbrechergalerie“ weckt Thielemann die Dirigentenporträts an den Bayreuther Wänden als Audio-Galerierundgang zum Leben. Die besonderen Strukturen des Grünen Hügels mit seinen Konventionen, eine kritische Betrachtung von Wagners Antisemitismus bishin zu einzelnen Werkbetrachtungen von Wagners berühmtesten Opernwerken in ihrem entstehungs- und rezeptionsgeschichtlichen Kontext liefern ein breites Bild von Wagners musikdramatischem Schaffen.

Dass Thielemanns Opus bewusst als Einführungswerk für eine breite Zielgruppe und nicht elitär für musikwissenschaftliche Fachkreise gedacht ist, wird bereits an seiner Kapitelbezeichnung „Wagners Musikdramen“ deutlich, unter die einheitlich Wagners Früh- als auch sein Spätwerk subsumiert wird, doch gerade der Verzicht auf mit derartigen Details verbundene komplexe Fachdiskurse zeichnet die Zugänglichkeit seines Werkes für Jedermann aus und sein Ziel, zu Wagners Werk hinzuführen. Im Hörbuch gelingt dies abschließend besonders dadurch, dass vor der musikalischen Erläuterung zu Parsifal die Musik selbst zu hören ist und der Zuhörer nun von dem eigenen musikalischen Eindruck aus an Thielemanns Erläuterungen anknüpfen kann.

Thielemann liefert als einer der wichtigsten musikalischen Wagnerinterpreten mit seinen malerischen Beschreibungen eine eigene Stellungnahme zu Wagners Werk, die es ermöglicht, einen faszinierenden persönlichen Zugang zu dem komplexen Werk des berühmtesten deutschen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts zu erleben. Als Ergebnis bleibt ein wunderbares Wagner(hör)buch, das geradezu dazu aufruft, weiterhin darin zu „blättern“, Einzelinterpretationen etc. oder gar die Musikbeispiele wiederholt zu hören und als Anreiz für weiterführende Auseinandersetzungen genutzt zu werden und in die „Tiefe“ zu gehen, wie Thielemann es als Ziel äußert, damit sich das „Wagnerglück“ erfüllen kann, z.B., wenn am Schluss des Hörbuchs in Isoldes Liebestod noch einmal der Tristanakkord erklingt.
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am 8. Dezember 2012
Thielemann ist ein ausgesprochen guter Waghner-Interpret
und einj guter Dirigent.
Als Wagneranhänger absolut empfehlenswert. Man kann nei genug
über wagner eerrfahren
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am 21. Januar 2013
Die Angst des Dirigenten vor Richard Wagner

Ich lese gern, aber zum erstenmal finde ich es besser, mir vorlesen zu lassen. Weil ich im Unterschied zum Buch die passenden Musikeinspielungen gleich dazu bekomme und mir direkt anhören kann, was der Wagner-berauschte Christian Thielemann aus den Noten herausliest und herausspielen lässt.

Ich höre Instrumente und Töne, die ich vorher noch nie gehört habe, beim „Tannhäuser“ oder „Tristan“ etwa. Der Chefdirigent der Sächsischen Staatskappelle Dresden eröffnet dem Laien ganz neue Türen in Wagners Welten.

Natürlich ist es auch eine Thielemann-Biographie, die hier 200 Jahre nach Wagners Geburt erscheint, aber das macht das Werk nicht weniger spannend. Wenn Thielemann zum Beispiel erzählt, wie er selber zu Wagner fand, oder über die Angst, mit der Dirigenten lebenslang am Pult stehen, wenn sie Wagner interpretieren sollen und wollen, eine Angst, die bis zu körperlicher Übelkeit gehen kann.

Aber schnell ist der Dirigent beim Meister selbst, dem Menschen («ich hätte mich wohl vor ihm gefürchtet»), dem Genius und dem Revolutionär und Kapitalismuskritiker (was die meisten Besucher des „Ring“ gerne ausblenden, wenn Wotan seine raffgierigen Machenschaften um den Bau des Prestigeschlosses Walhall vorantreibt).

Eine Einführung in die Werke Wagners (Entstehung, Handlung, Musik) und eine Beschreibung der mythischen Stoffe gehört natürlich ebenso dazu wie die Familiengeschichte bis heute.

Es gibt selten ein Buch, das man nach der letzten Seite gleich wieder von von anfängt. Dieses Hörbuch aber zwingt dazu, die erste gleich wieder einzuschieben, wenn das letzte Wort der fünften CD gesprochen ist. Das zweite und das dritte Hören liefert neue Aha-Erlebnisse, etwa über den „sich beulenden Klang im Bayreuther Graben“, und warum im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel die 1. Geigen im Orchestergraben auf der „falschen Seite“ sitzen: weil die F-Löcher sonst gegen den Grabendeckel spielen und dadurch dumpf klingen würden. Und Thielemanns Ahnung, dass Isolde doch nicht den „Liebestod“ gestorben sein könnte. (von nakott.de)
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am 5. Dezember 2012
Opernmusik ist heutzutage ja nicht mehr unbedingt jedermanns Sache und gerade Richard Wagner wirkt mit seinem gewaltigen Nibelungenring oft abschreckend. Wie schön, dass es für diese Fälle jetzt ein Buch gibt, das einem nicht nur das Leben, die Musik und die Opern Wagners auf leichte Weise näher bringt, sondern auch einen Blick in das Treiben der Opernwelt gestattet: Der gefeierte Dirigent Christian Thielemann beschreibt in seinem Buch „Mein Leben mit Wagner“, wie er als Kind zur Opernmusik gekommen ist, wie sein Werdegang hin zum Kapellmeister verlief und gibt einen Überblick über die Opern Wagners.

So einen intimer Blick auf die Hintergründe der Opernwelt und vor allem auf die Geschichte, Abläufe und Besonderheiten des Bayreuther Opernhauses und seiner Festspiele sind einem wohl selten vergönnt. Thielemann, der sich in die lange Folge der Dirigenten, die auf dem Grünen Hügel zu bewundern waren und sind, eingereiht hat, erzählt in einem angenehmen Plauderton die Geschichte dieses einzigartigen Ortes. Doch nicht nur die Bayreuther Festspiele, auch das Leben Richard Wagners wird aufgerollt. Somit erzählt das Buch nicht nur aus dem Leben eines Kapellmeisters, sondern man hält auch eine Wagner-Biographie in der Hand, die einem den auf den ersten Blick etwas sperrig anmutenden Komponisten näher bringt.

Für den Einsteiger besonders hilfreich sind die Beschreibungen der Opern. Thielemann berichtet in chronologischer Reihenfolge über Entstehung, Besetzung, Inhalt und Aufnahmen der einzelnen Opern. Seine Begeisterung für Wagners Musik kommt dabei in jedem Satz zum Ausdruck. Auch wenn der Laie beim Namedropping des Autors (viele Namen großer Dirigenten, Sänger und Sängerinnen) manchmal nicht ganz mitkommt und einige Erklärungen der kompositorischen Eigenheiten eher für Leser mit Vorwissen zu verstehen sind, so springt der Funke doch über: Man möchte gleich ins nächste Kaufhaus gehen, um sich eine Aufnahme von „Tristan und Isolde“ zu holen, oder noch besser, gleich eine Karte für die „Walküre“ ergattern.

Nächstes Jahr wäre Richard Wagner 200 Jahre alt geworden. Wer sich aus diesem Anlass endlich mit dessen Werk befassen möchte, aber keine Lust auf den üblichen Opernführer hat, der ist mit diesem kurzweiligen Buch bestens bedient. Hier erzählt einer, der sein Herz und sein Leben diesem großen Komponisten geweiht hat. Wer könnte einem die Musik Richard Wagners also besser nahe bringen als Christian Thielemann?
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 18. Januar 2013
Das Wagnerjahr 2013 wirft seine Schatten voraus …
… für mich mit dem Buch „Mein Leben mit Wagner“ von Christian Thielemann

Die Bayreuther Festspiele wurden von Wagner ins Leben gerufen. Wir feiern das Wagnerjahr, weil sich der 200. Geburtstag und der 130. Todestag dieses berühmten Komponisten jähren.

Christian Thielemann, der Autor des Buches, ist einer der derzeit herausragendsten Wagnerinterpreten der Welt. Thielemann wurde 1959 in Berlin geboren. 1988 wurde er in Nürnberg der jüngste Generalmusikdirektor. Von 1997 bis 2004 war er Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin und von 2004 bis 2011 leitete er die Münchner Philharmoniker. Ab September 2012 ist er Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und im Wagnerjahr 2013 für die künstlerische Leitung der Salzburger Osterfestspiele zuständig. Er tritt jedes Jahr auch in Bayreuth auf.

Thielemann erzählt den Lesern eindrucksvoll und verständlich nachvollziehbar, wie dieser zu Wagner fand. Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Wagner und dessen Werken und natürlich auch von Bayreuth. Der Dirigent zeigt aber auch den umfangreichen „Kosmos“ Wagners und seiner Werke und erzählt topp recherchiert vieles rund um Wagner und sein Leben und Wirken, vermittelt dabei faszinierend und sachlich, doch auch spannend und kurzweilig jede Menge Wissen zu Richard Wagner. Auch historisch und natürlich wird der Leser mit viel Fakten versorgt. Besonders angesprochen hat mich immer wieder, wie Thielemann fundiert, aber auch herzlich Wagners Musik darlegt – dem Leser präsentiert. Auch Leser, die musikalisch nicht geschult sind, können sich sehr gut in Wagners Leben eindenken und die Wirkung seiner Werke nachvollziehen.

Man bekommt Lust, Wagner zu hören, weil man ihn einfach besser versteht …

Das Buch ist mit einem Lesebändchen versehen.

Leseprobe:
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In meinen Gesprächen mit Wolfgang Wagner war das Politische selten ein Thema. Über seine Mutter Winifred sprach er gelegentlich. Und ein paar Hitler-Anekdoten wurden erzählt – als Hitler 1923 zum ersten Mal die Festspiele besuchte, war Wolfgang vier Jahre alt und sein Bruder Wieland sechs. Die beiden sind, ob sie wollten oder nicht, mit dem Diktator aufgewachsen. Die besagten Anekdoten beschränkten sich allerdings auf Lappalien – wie Hitler in Wahnfried stundenlang im Kaminfeuer stocherte und die Buben ihn unterhalten sollten, weil er um drei oder vier Uhr morgens die amerikanischen Nachrichten hören wollte; wie viel öfter er vom Hotel Bube in Bad Berneck aus zum Tee oder zum Abendbrot erschien, als die Öffentlichkeit es wusste und wissen durfte; und was überhaupt so alles getratscht wurde über ein mutmaßliches Verhältnis zwischen Hitler und Winifred…

Diese und weitere interessante Hintergrundinfos erfährt man im Film. An dieser Leseprobe, denke ich, wird gut ersichtlich, in welcher Art das Buch geschrieben ist.

Sehr viel erfährt man über Wolfgang Wagner und über die Bayreuther Festspiele.

Auch hat man zahlreiches Bildmaterial in die Texte eingebunden.

Sehr viel erfährt man über die Werke Wagners und ihre Inszenierungen, hier wird in die Tiefe gegangen, wie überhaupt im gesamten Buch, welches sehr detailliert beschreibt, aber ständig spannend bleibt und, wo es nötig ist, auf den Punkt bringt.

Es geht um Besetzungen, um Handlung, Musik und Aufnahmen usw. – alles detailliert und topp recherchiert – sowie verständlich aufbereitet für jeden Leser – egal ob involviert in die Musikszene oder nicht. Auch, wenn man sich einfach für die Biografie dieses Menschen interessiert, ist man hier an der richtigen Stelle, wobei sie – so finde ich – intensiver und umfassender ist, als bisherige Biografien Wagners, weil sie sich neben der eigentlichen biografischen Belange detailliert mit seinen Werken und deren musikalischen und inhaltlichen Bezügen beschäftigt.

Ich bin begeistert. Das Buch ist rundherum gelungen und lesenswert !!!
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am 8. Oktober 2012
Unbestritten gilt Thielemann in der Klassik-Welt als der oder einer der besten Wagner-Dirigenten der Gegenwart. Dass er ein äußerst eloquenter Zeitgenosse ist, spiegeln Interviews mit ihm wieder – und sein neues Buch. Anhand vieler Anekdoten erzählt er seine Geschichte hin zu "dem" Wagner-Dirigenten, der er geworden ist. Und er erklärt, warum Wagner für ihn der größte Komponist ist. Gerade diese Erklärungen zu Wagners Biographie, Rezeption und seiner Komponiertechnik sind es, die dieses Buch so faszinierend machen. Hier beschreibt ein Titan der Klassik in selbst für Laien völlig verständlicher Sprache, was Wagner und sein Werk so einzigartig machen. Ein tolles Buch, nicht nur für Wagnerianer. Letztere dürften vor allem die Passagen begeistern, in denen Thielemann von seinen Erlebnissen mit Wolfgang, Gudrun und Katharina Wagner berichtet – und den vielen Stargästen auf dem Grünen Hügel. Ein Buch, das mich wirklich gefangengenommen hat.
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