find Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle AmazonMusicUnlimitedFamily AmazonMusicUnlimited Fußball longSSs17

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
8
4,5 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 17. Februar 2014
Das Buch ist wie ein Krimi!

Der Autor Steffen Patzold stellt zunächst dar, was in der Geschichtsschreibung traditionell unter einem Lehen verstanden wurde, nämlich kurz gesagt ein Vertrag zwischen zwei Freien mit einer personalen Komponente - Schutz und Schirm im Austausch gegen Hilfe und Rat - und einer dinglichen Komponente - die leihweise Überlassung von Land durch einen Lehensgeber (dem Herrn) zur freien Nutzung durch den Lehensnehmer (den Vasallen). Diese Form des Lehnswesens hat sich nach der traditionellen Sicht im Frankenreich des 8. und 9. Jahrhunderts etabliert und war im Hochmittelalter das bestimmende Ordnungsprinzip in Europa.

Mitte der 1980er Jahre wurde diese traditionelle Sicht angegriffen, inzwischen ist sie überholt, ohne dass sich schon ein neues, einheitliches Erklärungsmuster etablieren konnte, das weithin akzeptiert wäre. Patzold stellt sehr klar und anschaulich die Kritikpunkte der jüngeren Geschichtswissenschaft an dem alten Modell dar und erläutet anhand von konkreten Beispielen und mit Zitaten aus einschlägigen Quellen, welche Treue- und Überlassungsverträge es im Frankenreich gegeben hat und was diese alles konkret bedeutet haben könnten. Eines wird klar: Das Modell eines klar umrissenen Lehnswesens im erwähnten klassischen Sinne lässt sich aus ihnen nicht ableiten.

Im 11. Jahrhundert wurden vor allem in Oberitalien die verschiedenen Formen von Leih- und Treueverträgen, die damals gepflegt wurden, systematisiert und niedergeschrieben und damit verstetigt. Hier könnte man den Beginn eines einigermaßen klar umrissenen Lehenswesens sehen, das sich in den verschiedenen Regionen Europas aber unterschiedlich entwickelt hat. Vollends etabliert hat sich das Lehnswesen in Europa erst vom 13. bis 16. Jahrhundert, allerdings in solch unterschiedlichen Ausprägungen, dass von einem einheitlichen System keine Rede sein kann. Auch hier stellt Petzold anhand konkreter Beispiele die verschiedenen Formen von Lehen dar und eröffnet ein faszinierendes Bild vielfältiger Bindungsformen zwischen den Vertragspartnern.

Entsprechend dieses Panoramas gliedert sich das Buch, es hat fünf Abschnitte:
1. Einleitung
2. Das Frankenreich im 8. und 9. Jahrhundert
3. Lehen und Vasallen vom 10. bis 12. Jahrhundert
4. Lehen und Vasallen in Deutschland vom 13. bis zum 16 Jahrhundert
5. Epilog
Die Abschnitte 2-4 sind jeweils noch in mehrere Kapitel gegliedert. Hinzu kommen ein Glossar und ein Literaturverzeichnis.

Mich hat die Darstellung von Patzold unglaublich gefesselt. Der Autor versteht es, die verschiedenen Ausprägungen der lehensrechtlichen Bindungen anhand konkreter und nachvollziehbarer Beispiele darzustellen ohne dass dadurch der rote Faden verloren ginge. Dabei lernt man nicht nur ein zentrales Ordnungsprinzip des späteren Mittelalters und der frühen Neuzeit kennen, sondern steigt gleichsam in den Maschinenraum der Geschichtswissenschaft hinab und schaut den Historikern bei ihren Debatten über die Schultern. Für mich ist so zum spannendsten Geschichtsbuch geworden, das ich bisher gelesen habe.

Eine Sache hat mich allerdings sehr irritiert: Patzold schreibt in einer alten Rechtschreibung. Hier hätte sich der Verlag durchsetzen müssen. Weil es letztlich um den Inhalt geht und die Qualität des Buches ansonsten überdurchschnittlich ist, verkneife ich mir einen Stern Abzug.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. August 2016
Ich hatte mir erhofft in diesem Buch ein paar Fakten zu Charakteristik und Geschichte des Lehnswesens zu erfahren. Leider schafft der Autor das nur sehr bedingt. Nahezu das komplette Buch beschäftigt sich nur mit der These, dass alle Wissenschaftler der letzten 150 Jahre falsch lagen, und das Lehnswesen nicht bereits im karolingischen Reich Karls des Großen, sondern erst rund 300 Jahre später in Mitteleuropa etabliert war. Auf einem Großteil der Seiten wird geschildert, warum dies so sei. Fakten und Informationen zum Lehnswesen erfährt man nur nebenbei und sehr verstreut.
Eine Lektüre des Wikipediaartikels gleichen Namens hat mir in kürzerer Zeit mehr Fakten vermittelt, als dieses Buch auf über 100 Seiten, und zwar kostenlos.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Juni 2012
Der Historiker Steffen Patzold bietet in "Das Lehnswesen" einen prägnanten Überblick über das titelgebende Phänomen, das, wie er schlüssig auszuführen weiß, im Grunde eher ein Oberbegriff für die verschiedensten Formen von Abhängigkeiten ist, die je nach historischer Epoche und geographischer Region sehr unterschiedliche Ausprägungen erfahren konnten. Überzeugend weist er nach, dass das gängige Modell eines "typischen" Lehnswesens, das stark auf älteren Forschungen zu den Verhältnissen im hochmittelalterlichen Flandern basiert, nicht eins zu eins auf andere Teile Europas zu übertragen ist, und kritisiert insbesondere auch die Annahme, dass es schon sehr früh (in der Karolingerzeit) eine voll ausgeprägte Vasallität nach späterem Muster gegeben hätte.

Statt eine übergreifende und damit ungenaue Deutung anzubieten, spürt Patzold dabei zunächst den tatsächlichen Verhältnissen im Frankenreich nach, die sich noch nicht als klassisches Lehnswesen beschreiben lassen, und analysiert dann die hochmittelalterliche Situation in den verschiedensten Gebieten (Oberitalien, Südfrankreich, Katalonien, Flandern, Deutschland, England), um dann das deutsche Lehnswesen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, bei der unter anderem deutlich wird, dass das Lehen keine Erscheinung war, die mit dem Mittelalter verschwand. Dabei ist der Autor stets um eine sehr quellennahe Arbeit bemüht und lockert durch viele konkrete Fallbeispiele seine Darstellung auf, die so nie zur drögen Verfassungsgeschichte verkommt, sondern immer lebendig bleibt.

Patzold scheut sich dabei nicht, zuzugeben, dass gerade aufgrund des notwendigen Abschieds von der in der älteren Forschung postulierten Allgemeingültigkeit des klassischen Lehnsmodells viele Fragen offen bleiben müssen. Dennoch legt man das Buch nicht unbefriedigt aus der Hand, zeigt es doch, dass sich hinter dem Terminus "Lehnswesen" eine weitaus vielfältigere und faszinierendere Realität verbirgt, als man im Vorwege vielleicht angenommen hätte.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Januar 2015
Der flüssig und verständlich geschriebene text verdient insbesondere aus zwei gründen, gelesen zu werden: erstens räumt er auf mit dem schulwissen, welches noch meiner generation ( gymnasium in der ersten hälfte der 90-er eingetrichtert) worden ist.

Ausserdem regt der text zum nachdenken an darüber, wie "wissen" entsteht und überliefert wird.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Wissenschaftlich koreekt und informativ!
Ich würde dieses Geschichtswerk allen Studentinnen und Studenten der Geschichte sowie allen intellektuell Interessierten dringend empfehlen
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. März 2014
Dieses Buch erweitert die Kenntnis über die Ursprünge des Lehnwesens. Gibt aber zugleich auch einen Überblick über die einzelnen wissenschaftlichen Meinungen
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Januar 2013
Ich habe dieses Buch für meine Bachelorarbeit verwendet. Es fasst kurz und in verständlichem Stil (keine pseudowissenschaftliche umständliche Ausdrucksweise) die aktuelle Debatte über das Lehenswesen zusammen und bringt anhand von Fallbeispielen dem Leser die Lebenswirklichkeit im Mittelalter näher. Für mein Thema wäre es allerdings hilfreich gewesen, wenn die Leibeigenschaft in dem Buch besprochen worden wäre. Ansonsten ist dieses Buch absolut empfehlenswert.
11 Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Juni 2013
Das Lehnswesen wird jedem Schüler durch die Lehnspyramide verdeutlicht. Die Dinge liegen aber deutlich komplizierter - Patzold rollt den Fall "Lehnswesen" nochmal ganz auf. Eine spannende Entdeckungsreise in die Forschung mit überraschenden Ergebnissen. Kaufen!
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden