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"Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung
die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden."
(Satz 3 der Präambel GG alte Fassung)

Die Forschungsschwerpunkte des Autors, Prof. Dr. Andreas Rödder, lassen wie auch seine Publikationen erkennen, dass er nicht nur ein ausgewiesener Experte für die jüngere und jüngste deutsche Geschichte ist, sondern auch dem Konservatismus nahe steht. Der "frischgeschlagene" Ritter vom Orden des Heiligen Grabes zu Jerusalem war Anfang der 1990er Jahre in den Genuss eines Promotionsstipendiums der Konrad-Adenauer-Stiftung gekommen und wirkte danach bei der Edition "Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland" im Institut für Zeitgeschichte München und dem Auswärtigen Amt, dem seinerzeit mit Klaus Kinkel ein Außenminister der schwarz-gelben Regierung Helmut Kohls vorstand, mit. Sein 2009, ebenfalls im Münchner C.H. Beck Verlag erschienenes, 490seitiges Standardwerk "Deutschland einig Vaterland: Die Geschichte der Wiedervereinigung "bietet die umfassende Grundlage....

....für sein zwei Jahre später in der Reihe C.H. Beck Wissen herausgegebenes kleines Kompendium "Geschichte der Deutschen Wiedervereinigung", in der er sich jedoch nicht alleine auf deren dramatische und wechselhafte Chronologie beschränkt. Nichts desto kann der Leser die unglaubliche Rasanz der nicht einmal dreijährigen Geschichte - von den Kommunalwahlen in der DDR bis hin zur Unterzeichnung des Vertrages von Maastricht – einer abschließenden Zeittafel entnehmen.

Beginnend mit dem "Vorabend der Revolution" zu dem neben dem Ende des Sowjetimperiums, vor allem Strukturprobleme, Führungskrise und die sich formierende Oppositionsbewegung in der DDR gehörten, hat Rödder seine umsichtige Darstellung in insgesamt fünf Kapitel untergliedert. Die Phänomene Flüchtlingskrise, Regimekrise und Staatskrise werden danach im zweiten Kapitel unter dem Terminus "Friedliche Revolution" subsumiert in einen kausalen Kontext gebracht. Die vom verunsicherten Politbüro-Mitglied Günter Schabowski erteilte Antwort (nach dem Beginn der Reisefreiheit für DDR-Bürger) "Ab sofort", führte zu der, von der SED-Führung unbeabsichtigten Maueröffnung, welche der Anfang vom Ende der Deutschen Demokratischen Republik bedeuten sollte. Das dritte Kapitel beschreibt die "Nationale Wende", die mit dem Zerfall der Machtstrukturen, der Spaltung der Bürgerbewegung und ersten, vorsichtigen Forderungen und Vorschläge zur Deutschen Einheit einhergeht. Mit seinem spontanen Alleingang, dem "Zehn-Punkte-Programm" brach Bundeskanzler Helmut Kohl das bisherige bundesdeutsche Tabu regierungsoffiziell über eine Wiedervereinigung zu sprechen, für die er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch einen Zeithorizont von zehn Jahren (!) veranschlagte. Die unverhohlene Drohung "Kommt die D-Mark , bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" sollte den Ereignissen jedoch zu einer unerwarteten Brisanz und Beschleunigung verhelfen. Im Kapitel „Wiedervereinigung und Weltpolitik“ werden zunächst die Ressentiments, Ängste und Forderungen der ehemaligen Alliierten Frankreich, Großbritannien und der Sowjetunion dargestellt, zu deren wichtigsten Aspekten auch die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze und die Bündniszugehörigkeit eines wiedervereinten Deutschland gehörten. Mit US-amerikanischer Unterstützung und der Nachgiebigkeit Gorbatschows konnten schließlich in den "Zwei plus Vier"- und "Zwei plus eins"-Gesprächen alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, so dass die Bundesrepublik Deutschland samt ihrer fünf neuen Länder am 3. Oktober 1990 ihr volle Souveränität erlangen konnte. Zuvor wurde mit dem "Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" die Nachkriegszeit beendet.

"Einheit durch Beitritt" ist die Überschrift des fünften und letzten Kapitels, in denen sich der Autor verschiedenen Problemfelder und Kontroversen widmet. Dazu gehört auch die Anwendung von Art. 23 GG alte Fassung (Beitrittsklausel). Mit dem Trick der "juristischen Sekunde" waren am 3. Oktober 1990 fünf neue Bundesländer aus der DDR hervorgegangen, die zu diesem de-facto existierten. Da hierbei die verfassungsrechtlichen Vorgaben der Präambel GG (Eingangszitat) umgangen wurden, kann folgerichtig nicht von einer gleichberechtigten Vereinigung zweier gleichberechtigter Partner im formalen Sinne gesprochen werden. Weiterhin werden vom Autor die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche in den fünf neuen Ländern, die Kosten der Einheit (inklusive der Zahlungen an die marode Sowjetunion und der Einführung des Euro), sowie die damaligen Alternativen zum Vollzug der Einheit diskutiert.

Rödders setzt die Wiedervereinigung auch in einen geschichtlichen Kontext zum 19. Jahrhundert, indem er feststellt, dass die Bürgerbewegung der DDR im Jahre 1989 in der Tradition der damaligen bürgerlich-liberalen und demokratischen Bewegung gestanden hat. Nachdem der erste revolutionäre Anlauf 1848/49 gescheitert war, waren die Deutschen 1871 in einer kleindeutschen Lösung ohne Volkssouveränität unter einem Kaiser und preußischen Blut-und-Eisen-Ministerpräsidenten vereint worden. Demgegenüber wurde die "Deutsche Frage" 1990 erstmals im friedlichen Einvernehmen mit allen Beteiligten und Nachbarn im europäischen Einigungsprozess auf eine für alle Seiten akzeptable Lösung gelöst. "Deutschlands zweite Chance", wie sie der Historiker Prof. Fritz Stern Ph.D. formulierte, ist zugleich als eine Revolution der Bürger für Freiheit und Selbstverantwortung an Stelle obrigkeitlichem Zwangs und staatlicher Lenkung der Gesellschaft, ein historisches Vermächtnis.

Was am "17. Juni 1953: Geschichte eines Aufstands" scheiterte und noch im Herbst 1989 als utopisch angesehen wurde, konnte schließlich trotz allem wenn und aber realisiert werden. Der komprimierten und dennoch differenzierten Darstellung des komplexen Themas kann timediver® nur zustimmen und sie mit 5 Amazonsternen bewerten.
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am 13. Oktober 2016
Am 10. November 1989, einen Tag (bzw. wenige Stunden) nach dem Fall der Berliner Mauer, deren Bestand Symbol deutscher Teilung war und deren Öffnung Symbol der deutschen Wiedervereinigung wurde, merkte der damals für kurze Zeit im Amt befindliche West-Berliner Bürgermeister Walter Momper (SPD) an: "Gestern war das deutsche Volk das glücklichste auf der Welt." Er schob aber auch nach: "Wir müssen die Mauer in unseren Köpfen beseitigen. Nichts wird in Europa so bleiben, wie es war..." Tatsächlich verbinden wir heute mit dem Fall der Mauer anno 1989 die deutsche Wiedervereinigung - und damit eines der beachtenswertesten Ereignisse der deutschen Geschichte -, aber auch den Beginn eines mühsamen Prozesses der Annäherung von Ost und West, der nach wie vor nicht abgeschlossen ist, zumal einige Ostdeutsche begonnen haben, neue Mauern in ihren Köpfen und Herzen aufzurichten. Doch wenn wir in wenigen Wochen den 27. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer feiern, dann ist es vor allem ein Grund zum Feiern, aber auch ein Anlass, uns vielleicht noch einmal den Prozess in Erinnerung zu rufen, der weit vor dem 9. November anfing: Der Untergang der DDR, die erst die Voraussetzung schuf für die deutsche Wiedervereinigung. Andreas Rödder, Professor für Neuere und Neueste Geschichte in Mainz, hat dazu 2009 ein großes Werk vorgelegt, das sich mit der Geschichte des Wiedervereinigungsprozesses, von seinen Anfängen in der tiefen Krise der DDR und des kommunistischen Systems in Osteuropa in den 1980er Jahren, bis hin zu den Folgen der erstaunlich schnellen Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1990, beschäftigt. Sein hier vorliegender schmaler Band bietet den Vorzug, Rödders Darstellung auf knapp 120 Seiten zu bündeln und so einen schnellen Überblick über die damaligen Ereignisse zu gewährleisten.

Und dieser Überblick kann vollauf überzeugen, indem die Prozesse von Friedlicher Revolution, Untergang der DDR und deutscher Wiedervereinigung von allen wichtigen Perspektiven aus beleuchtet werden; die Ursachen der Krise der DDR und der Revolution ihrer Bürger gegen das diktatorische System werden ebenso überzeugend dargelegt wie die Frage beantwortet wird, wieso das Thema Wiedervereinigung so schnell auf die Agenda kam, und wie sie sich gegen Widerstände des Auslands, aber auch innerhalb der DDR-Opposition durchsetzen konnte. Dass Rödder, wie Konrad Jarausch ihm das mit Blick auf seine umfangreiche Darstellung vorwirft, die Rolle der Bürger, der Demonstranten und ihrer Revolution für die Ereignisse marginalisiere, konnte ich nicht erkennen, weder nachvollziehen noch teilen. Tatsächlich wird bei Rödder deutlich, wie sehr gerade die ostdeutsche Bevölkerung DIE tragende Akteursgruppe war, ohne die weder der Sturz des SED-Regimes, noch die Frage der Wiedervereinigung überhaupt auf die politische Agenda gekommen wäre. Sie war es, die sich im November 1989 gegen das SED-Regime durchsetzte, aber sie war es auch, die sich, in seit Ende des Jahres scharfer Abspaltung von der organisierten Bürgerrechtsbewegung, gegen Gedankenexperimente einer weiterhin eigenständigen DDR und für die Wiedervereinigung entschied. Und der entsprechende Druck, der von den Menschen aus in dieser Frage aufgebaut wurde ("Kommt die D-Mark, bleiben wir hier, kommt sie nicht, gehen wir zu ihr!") trieb die Politiker geradezu vor sich her. Gleichzeitig zeigt Rödder allerdings, dass die Wiedervereinigung eben auch ein internationales Ereignis war, ohne die oft komplizierten Verhandlungen mit den Siegermächten (von denen nur die USA von Anfang an dafür waren) und ohne die entscheidenden Initiativen der bundesdeutschen Regierung Kohl, niemals Realität geworden wäre. Er stellt auch heraus, wie sehr die Vereinigung beider deutscher Staaten mit anderen wichtigen Phänomenen dieser Zeit zusammenhing: So konnte Frankreichs Zustimmung zu diesem Schritt nur mit Zugeständnissen der bundesdeutschen Seite in der Frage der zu dieser Zeit beginnenden Europäischen Einigung erkauft werden - was diesen Prozess wiederum entscheidend prägte. Weiterhin waren die enormen finanziellen Opfer, die Gesamtdeutschland für die Vereinigung bringen musste, eine entscheidende Voraussetzung für die Überlastung der sozialen Sicherungssysteme und des Bundeshaushalts seit den 1990er Jahren. Wegen all dem ist Rödders Kontextualisierung so wichtig.

Der Vorzug von Rödders Darstellung liegt darin, dass er alles, was er erzählt, auch erklären kann, und dass man am Ende versteht, wieso alles so gekommen ist, wie es kam, ja, dass manches tatsächlich so kommen musste, wie es kam. Es war beispielsweise klar, dass, als die Proteste der DDR-Bürger gegen ihre Regierung erst einmal begonnen hatten, diese nur zwei Alternativen hatte: Blutige Niederschlagung oder Untergang. Als sie den günstigen Zeitpunkt für die erste Alternative (Gott sei Dank) verpasst hatte, waren alle Zeichen des Zurückweichens nur Eingeständnis der eigenen Schwäche - ein System wie das SED-Regime hatte nur bestehen können, weil es an den Bedürfnissen und dem Willen seiner Bürger jahrzehntelang vorbeiregiert hatte. Sobald man anfing, auf die Bürger einzugehen, wurde man hinweggefegt, denn die SED-Regierung hatte einfach keine Legitimität. Zugleich wird bei Rödder deutlich, dass, als die SED erst einmal gescheitert war, dies auch für die DDR galt. Die vollständige Diskreditierung des DDR-Sozialismus hatte dazu geführt, dass alle Appelle der Bürgerrechtsbewegung (die die DDR-Opposition zu Beginn geführt hatte), doch die DDR als eine "sozialistische Alternative" zur BRD zu erhalten, verhallten - die Menschen hatten einfach, wie ein Demonstrant Ende November verkündete, "keine Lust mehr auf neue Varianten des Sozialismus." (S. 44) Sie hatten zunehmend Lust auf Wiedervereinigung. Und zu dieser wiederum, dies stellt Rödder trotz aller Kosten, die dadurch entstanden, heraus, gab es gerade aufgrund der Stimmungen in Ostdeutschland 1989/90 keine Alternativen (S. 109-112). Zweifellos kostete der rasche Prozess der Eingliederung der DDR und ihrer maroden Wirtschaft Unsummen und zahllose Arbeitsplätze. Doch die Alternativen hätten entweder den wirtschaftlichen Niedergang des international nicht konkurrenzfähigen Ostdeutschlands nicht aufgehalten, oder sie wären am Willen der ostdeutschen Mehrheitsbevölkerung gescheitert, unbedingt zur BRD "dazuzugehören."

Rödder hat ein sehr informatives kleines Büchlein vorgelegt, das viel erklärt, mit manchen Irrtümern aufräumt, vor Sach- und Quellenkenntnis strotzt und vor allem zweierlei klarmacht: Erstens: Es waren vor allem die Ostdeutschen, die ihre Freiheit und die Einheit erzwangen. Zweitens: Die Wiedervereinigung war trotz aller Opfer eine Erfolgsgeschichte, weil die deutsche Bevölkerung in freier Selbstbestimmung etwas Großes erreichte, ohne zugleich das Ausland zu verschrecken und zu brüskieren. Das erste Mal in der europäischen Geschichte wurde die seit dem 19. Jahrhundert virulente "deutsche Frage" einvernehmlich und friedlich gelöst. An diesen Erfolg sollte man immer denken - trotz mancher berechtigter Kritik an nach wie vor bestehenden, oder neu aufgerichteten Mauern. Fünf Sterne.
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am 30. Oktober 2015
Übersichtlich gestaltet - logischer Aufbau - verständlich geschrieben - prima Kurzfassung.
Eine interessanter Rückblick auf eine wichtige Epoche der deutschen Geschichte.
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am 26. April 2016
Eine lesenswerte Übersicht zu den Jahren 1989/90 in der DDR, die sicher einige Lücken hat, aber dafür zum Einstieg sehr gut geeignet ist. Hätte ich nicht gemeint, hier und da politisch gefärbte "Siegerjustiz in der Geschichtsschreibung" rausgelesen zu haben, hätte ich auch 5 Sterne gegeben.
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