Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos Learn More TDZ Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited longss17

Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
35
4,3 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:29,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 1. Februar 2017
Der Buchtitel lässt keinen Zweifel darüber, was den Leser auf den 523 Seiten dieses Buches erwartet. In dem abschließenden Kapitel "Zahlen und Begriffe" fasst es Timothy Snyder zusammen: "Die Zählung von vierzehn Millionen Opfern vorsätzlicher Mordmaßnahmen in den Ländern der Bloodlands ist die Summe aus folgenden Annäherungswerten, die im Haupttext und den Anmerkungen dokumentiert werden: 3,3 Millionen Sowjetbürger (hauptsächlich Ukrainer), die in der ukrainischen Sowjetrepublik 1932/33 von der eigenen Regierung vorsätzlich dem Hungertod preisgegeben wurden; 300 000 Sowjetbürger (hauptsächlich Polen und Ukrainer), die von der eigenen Regierung als Teil von rund 700 000 Opfern des Großen Terrors 1937/38 in der westlichen UdSSR erschossen wurden; 200 000 polnische Bürger (meist Polen), die von Deutschen und Sowjets zwischen 1939 und 1941 im besetzten Polen erschossen wurden; 4,2 Millionen Sowjetbürger (hauptsächlich Russen, Weißrussen und Ukrainer), die 1941 bis 1944 von den deutschen Besatzern dem Hungertod preisgegeben wurden; 5,4 Millionen Juden (die meisten polnische und sowjetische Bürger), die 1941 bis 1944 von den Deutschen erschossen oder vergast wurden, und 700 000 Zivilisten (hauptsächlich Weißrussen und Polen), die 1941 bis 1944 von den Deutschen bei 'Vergeltungsaktionen' erschossen wurden, die meisten in Weißrussland und Warschau." Das sind, wie der Autor an anderer Stelle richtig schreibt, nicht nur vierzehn Millionen Opfer, sondern vierzehn Millionen mal ein Menschenleben. "Jeder dokumentierte Tod deutet auf ein einzigartiges Leben, kann es aber nicht ersetzen. Wir müssen fähig sein, nicht nur die Zahl der Toten zu sehen, sondern jedes Opfer als Individuum wahrzunehmen." Ein Leser aber, der diese Fähigkeit hat, wird manches Mal versucht sein, das Buch wegzulegen. Das wäre schade, denn, man muss zwar nicht, aber, wenn man es kann, dann sollte man dieses Buch unbedingt lesen; nicht zuletzt eine Art der Respekterweisung gegenüber den Opfern!
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. September 2015
Fundierte Zusammenfassung und Verdichtung der Geschichte und Logik beider Diktaturen sowie geografischer Räume (Deutsches Reich, Österreich, Polen, Baltikum, Ukraine, Sowjetunion, Bessarabien, Rumänien usw.) und Entwickeln von Bildern und Prozessen, von denen ich manche so noch nicht gesehen habe. Ich empfehle die Ergänzung des Themas durch Malinowski (Historiker) "Vom König zum Führer", was die deutsche Seite anbetrifft. Snyder entwickelt das Geschehen plastisch auf der Folie der deutschen sowie sowjetischer Ideologie - in meinen Augen klasse. Lesenswert.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Januar 2015
über einen grossen Teil des zweiten dreissigjährigen Krieg (1914-1945) im Osteuropa geschrieben und uns aus Sicht des aufgeklärten Judentums die Parallelen zwischen dem GröFaZ und dem 'Väterchen' wie niemand sonst nahe gebracht. Dass er bei dieser monumentalen Aufgabe und bei der von den beiden Hauptprotagonisten betriebenen Geschichtsfälschung nicht in jedem Detail wissenschaftlich-akurat geblieben ist, macht das Buch nur noch herzzerreissender.

Wie sagt der Zeitzeuge Herr Zwilling (in: Herr Zwilling und Frau Zuckermann, DVD von Volker Koepp +++++, unbedingt zum Buch dazukaufen!):
'Ich war mein ganzes Leben lang Pessimist, und leider habe ich fast immer recht behalten.'
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Juni 2012
vielleicht würde dann denen Ihre Einstellung vergehen. Das Buch zeigt die Grausamkeiten von Hitler und Stalin mit genaueren Zahlen beeindruckend auf. Auch der Holocaust, Gulags und vor allem das Leid der Polen und der Ukraine wird erschütternd beschrieben. Das Buch ist nicht geeignet für mal kurz lesen und dann gleich wieder weglegen - wer das macht wird es evtl. nicht zu Ende lesen. Man sollte schon konzentriert bei der Sache bleiben, denn das Buch fordert auch Konzentration, Aufpassen und Mitdenken - teilweise bei jedem Satz. Das Buch pumpt den Kopf voll (vor allem mit Krieg, Säuberungen, Holocaust, Polen, Hungerleiden, Propaganda, Zahlen) - mir hat trotzdem etwas gefehlt, und es ist teilweise schwierig zu lesen, daher ein Stern Abzug.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Dezember 2014
dass Thema ist sehr gut, auch wenn es der geschichtlich interessierte sicher schon kannte.
Es geht hier KEINESFALLS um die gegenseitige Aufrechnung der Toten, aber es zeigt, dass Stalin/Hitler in den sogenannten Bloodlands, also Russland, UA, Polen, Weißrussland sich wirklich nichts geschenkt haben, gebe zu, ist eine sehr zynische Bemerkung.
Für alle, die Solschenizyn gelesen haben, Archipel Gulag, Siebte Kreis der Hölle, ist die Thematik, zumindest was die Russische Seite betrifft, nichts neues.
Aber dies Buch ist nichts für empfindliche Mitmenschen.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. August 2014
Dem Autor gelingt Außerordentliches. Der Historikerstreit kann begraben werden. Nicht weil es sich um eine billige Aufrechnung handelt, welches Regime denn verwerflicher gewesen ist.
Es wird präzise beschrieben, daß in diesen BLOODLANDSs zu verschiedenen Zeiten enorme Verbrechen von Kommunisten und Nationalsozialisten begangen wurden. 14 Millionen Tote.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. Dezember 2014
Toll geschrieben und sehr interessant, nicht langweilig und trocken wie viele andere Bücher dieser Art.. Man muss den Geschichtsabschnitt mögen.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. März 2012
Timothy Snyders Buch "Bloodlands - Europa zwischen Hitler und Stalin" ist ein Buch, das vorhersehbar bei jedem Leser Entsetzen und Erschütterung auslösen wird. Natürlich hat man von den meisten der, hier penibel recherchierten und für Nachgeborene auf ewig wohl unfaßbaren, Gräueltaten gewußt, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhrdts. Mitteleuropa heimgesucht haben. Ausgehend etwa zeitgleich von zwei angeblichen Kulturnationen. Zu jeweils einer wird sich der Leser möglicherweise schamerfüllt zugehörig fühlen, je nachdem, ob er weiter westlich oder weiter nach Osten hineingeboren worden war in das Inferno, das für alle Zeit mit dem 20. Jhrdt. verbunden bleiben wird.

Unerbittlich wird man sich demnach während und nach der Lektüre mitschuldig fühlen, obwohl man doch vorher noch geglaubt hatte, womöglich wegen der zum Sprichwort geronnenen "Gnade der späten Geburt" gerade so daran vorbeigeschrammt zu sein, buchstäblich in das Unfaßbare verwickelt zu werden. Und man nimmt als Deutscher natürlich an, daß es einem russischen Leser im vergleichbaren Lebensalter im Wechselbad der Gefühle ebenso ergehen wird wie einem selbst. Es ist wohl so, daß jetzt alles von Snyder noch einmal in teilweise minutiös und akribisch fordernder Genauigkeit und Weitschweifigkeit, die als Stilmittel ihre wohlüberlegte Berechtigung haben, Aufgezeigte und Aufgezählte spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bekannt gewesen war und danach mit immer noch neuen, noch grauenvolleren Details zu einem Mosaik des Schreckens verdichtet worden ist. Und dennoch ist alles in "Bloodlands" keineswegs redundant. Wo man sich, vielleicht aus instinktiv geübtem Selbstschutz, geweigert hatte, allzu genau hinzusehen und sich informieren zu lassen, kann man sich jetzt nicht mehr entziehen. Snyders lakonische Schilderung und buchhalterisch genaue Auflistung läßt keinen Raum für andere Reaktion als die der tiefen Betroffenheit.

Was das Buch zum darüber hinaus ganz besonderen Ereignis macht, ist jedoch die Tatsache, daß hier nicht nur die Hauptprotagonisten der Tragödie des 20. Jhrdts., daß nicht nur Hitler und Stalin (Stalin und Hitler), und die von diesen beiden jeweils beherrschten, geknebelten, geschundenen, vergewaltigten Nationen, als Protagonisten im Vordergrund der Ereignisse stehen und sich darin widerspiegeln, sondern vor allem der kleineren Nationen "gedacht" wird, die zwischen den Mahlsteinen der großen europäischen Politik (und der Weltpolitik) in den "Bloodlands" buchstäblich zu Blut und Staub zerrieben worden sind. Was empfinden die Tschechen, Slowaken, Polen, Litauer, Letten und Esten, die das Blut in den Bloodlands vergossen haben, wenn es heute um die allenfalls akademisch, vielleicht, zu beantwortende, weil, im Grunde sinnlose, nachzurechnende und in endlosen Zahlenkolonnen aufzudröselnde Frage geht, welchem der beiden wahnsinnigsten der Diktatoren des (an Ideologien und Diktaturen reichen) Jahrhunderts, Hitler oder Stalin (Stalin oder Hitler?), die meisten Opfer zuzuschreiben sind?

Hier nun kommt es buchstäblich "auf den (geographischen) Standpunkt an", und diese Standpunktschau kann innerhalb einer Familie zu unterschiedlichen Bewertungen führen, die in langdauernden Diskussionen immer wieder unvermittelbar sind. Es zeigt sich hier, daß das Bewußtsein von Leid und Ohnmacht unteilbar ist, und daß es einem deutschen Betrachter unbenommen bleibt, das von seinen "Führern" begangene unfaßbare Entsetzen für das größte und unsagbarste zu halten, während sich bei einem russischen "Nachgeborenen" möglicherweise die Waagschale zur Seite Stalins hin neigt.

Für die Menschen in den "Bloodlands" jedoch sind alle diese Erwägungen unerheblich. Für sie zählt allein, was zu ihren Lebzeiten tatsächlich geschehen ist. Für einen in der Mitte des Lebens angekommenen Zeitzeugen aus dem heutigen Tschechien, aus der Slowakei, aus Polen, Litauen, Lettland und Estland, deren Weltkriegserfahrungen erst mit dem Zusammenbruch des Sowjetimperialismus' (etwa 50 Jahre später als bei den übrigen Europäern; 50 Jahre, die die Deutschen schon mit der "Bewältigung ihrer Vergangenheit" verbringen durften) ihr Ende gefunden haben, ist die Frage "Hitler oder Stalin?" unnötiger Ballast und schnell beantwortet. Hier heißt es: die Letzten beißen die Hunde! Und so gilt die vorherrschende Erinnerung der Sowjetdiktatur, deren Zusammenbruch 1992 in Lettland die letzten Todesopfer gefordert hat.

Bei den Diskussionen, die auf Timothy Snyder, unter anderem im Goethe Institut in Riga, in den nächsten Wochen zukommen werden, wird es ihm demnach auch in Lettland nicht leicht fallen, das thematische Augenmerk von "Stalin" weg und "Hitler" zuzulenken. Dazu sind auch heute noch die Russen viel zu nah und viel zu bedrohlich, während man mit den Deutschen (nolens-volens) lange schon seinen Frieden gemacht zu haben scheint. Von Ausnahmen natürlich einmal abgesehen. Auch hier zeigt sich wieder einmal, daß Geschichte zwar die Vergangenheit meint, aber immer auch eine Jetztzeit hat, mit der sie unvermittelt, und für den einen oder anderen Beobachter "von außen" unerwartet, korrespondieren kann. Auf den "Standpunkt" kommt es eben an.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juni 2014
Nationalsozialismus in Deutschland und Stalinismus in der Sowjetunion trennte die grundsätzlich entgegengesetzte Ideologie, dennoch interagierten und kooperierten beide Diktaturen sowohl in Friedens- als auch zu Kriegszeiten zum Leidwesen sämtlicher osteuropäischer Ethnien und Milieus miteinander.

Timothy Snyder, Geschichtsprofessor an der Yale University, beschreibt die aus dieser phasenweisen Kooperation und letztendlichen Konfrontation verursachten Katastrophen im Territorium zwischen Leningrad, dem Baltikum, Weißrussland, westliches Russland, Polen und der Ukraine. In diesem Territorium wurden allein zwischen 1933 und 1945 nicht weniger als 14 Millionen Zivilisten zu Opfern beider Regime. Darüber hinaus ist die Hälfte aller in Europa gefallenen Soldaten des zweiten Weltkrieges in diesem Territorium zu Tode gekommen. Insofern erscheint der Buchtitel tatsächlich alternativlos.

Ohne zu moralisieren werden historische Fakten sprachlich präzise erörtert und die jeweiligen Charakteristika der Deportation und Massenmorde an Zivilisten vom Plan über Organisation bis hin zu den Resultaten beschrieben. Ergänzend werden zahlreiche beklemmende Zeitzeugenberichte hinzugefügt. Ebenfalls werden die heute vielfach vergessenen Pogrome, Vertreibungen und Verbrechen an ethnischen und religiösen Minderheiten im Schatten der Massenmorde und Kriegsverbrechen von SS, Wehrmacht, NKWD und Roter Armee aufgeführt.

Unter anderem werden die nachstehenden Ereignisse chronologisch aufgearbeitet:
• Enteignung und Deportation der ukrainischen Großbauern/Kulaken 1930
• Kollektivierung in der Landwirtschaft und dadurch ausgelöste Hungersnot in der Ukraine 1933/34
• Kollaboration der ukrainischen Kommunisten mit der Sowjetführung
• Mordkampagne des sog. Großen Terrors durch den NKWD in der Sowjetunion 1937/38
• abgestimmter Überfall von Deutschland und der Sowjetunion auf Polen 1939
• Massenerschießungen und Deportation von polnischen Eliten durch SS und NKWD im jeweiligen ehemals polnischem Machtbereich 1939-1941
• Massenerschießungen polnischer Kriegsgefangener durch den NKWD 1940
• Jüdische Ghettos als SS-Arbeitslager in Polen 1940-1943
• Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion 1941
• Hungertod der sowjetischen Kriegsgefangenen in Verantwortung der Wehrmacht 1941-1943
• Einsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen als Arbeitssklaven 1943-1945
• Belagerung von Leningrad mit der Absicht die Einwohner auszuhungern 1941-1944
• Massensterben von politischen Häftlingen durch Hunger und Vernachlässigung in sowjetischen Gulags 1941-1947
• Holocaust durch Massenerschießungen von Juden durch SS-Einsatzgruppen und Polizeibataillone in Baltikum, Weißrussland und der Ukraine 1941-1942
• Errichtung der Konzentrationslager und Holocaust an polnischen Juden durch Vergasung in speziellen SS-Vernichtungslagern in Polen 1942-1943
• Kollaboration von Juden in den Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslagern mit der SS
• Ghettoaufstand in Warschau und dessen rücksichtslose Niederschlagung durch die SS 1943
• Holocaust an westeuropäischen, ungarischen und griechischen Juden in Auschwitz 1943-1944
• Polnische Heimatarmee im Kampf gegen Wehrmacht, Volksdeutsche und einheimische Kollaborateure 1939-1945
• Deutsche Repressionsmaßnahmen an polnischer Zivilbevölkerung 1939-1945
• Warschauer Aufstand der polnischen Heimatarmee und dessen Niederschlagung durch die SS 1944
• Ablehnung von sowjetischen Unterstützungsmaßnahmen für den Aufstand der polnischen Heimatarmee 1944
• Pragmatismus und Prinzipienuntreue der West-Alliierten im Verhältnis Polen-Sowjetunion 1944/1945
• Kriegsverbrechen von weißrussischen Partisanen an einheimischnen Kollaborateuren und Nonkombattanten 1942-1944
• Deutsche Vergeltungsmaßnahmen im Rahmen der Partisanenabwehr; unterstützt von weißrussischen, russischen und ukrainischen Kollaborateuren 1942-1944
• Zwangsrekrutierungen für den Partisanenkrieg in Weißrussland von der Wehrmacht und den Partisanen 1943-1944
• Kriegsverbrechen und Greueltaten von ukrainischen Nationalisten an Polen und Russen 1944-1950
• Antisemitismus von Polen, Balten, Weißrussen, Russen, Ukrainern und von Kommunisten 1939-1950
• Vertreibung der Deutschen aus Ost- und östlichem Mitteleuropa 1944/45
• Todesmärsche von Häftlingen der Konzentrationslager 1945
• Territoriale Verschiebung Polens nach Westen 1945
• Territoriale Eingliederung der Gebietsgewinne von 1939/40 durch die Sowjetunion 1945
• Ethnische Säuberungen durch Deportationen von nationalen Minderheiten in allen von der Sowjetunion befreiten Staaten des entstehenden Ostblocks 1945-1947
• Konsolidierung des Sowjetimperiums in Osteuropa und Beginn des Kalten Krieges 1947/1948
• Übertragung der von Partisanen und NKWD verantworteten Opferzahlen auf die Wehrmacht und SS
• Nachkriegspolitik übertriebener Opferzahlen in Deutschland, Polen, Ukraine und der Sowjetunion

Die politische Entwicklung und territoriale Grenzziehung des heutigen Osteuropas wurde durch diese historischen Vorgänge maßgeblich und dauerhaft geprägt. Die von Timothy Snyder gewählte Aufarbeitung ermöglicht dem interessierten Leser die vielfältigen Konfliktlinien zu erkennen, dessen komplexe Ursachen und Eskalationsstufen zu verstehen sowie gewisse Mythen einordnen zu können. Der Autor bleibt bei seiner Tatsachenbeschreibung stets objektiv, wahrt zu allen Konfliktparteien die kritische Distanz und erörtert präzise die Hintergründe.

Darüber hinaus ist diese Gesamtdarstellung eine sehr profunde Hilfe um die aktuellen politischen Vorgänge in den oben genannten Staaten zumindest teilweise zu verstehen bzw. im historischen Zusammenhang betrachten zu können.

Insgesamt sehr empfehlenswert.
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. August 2015
Manchmal muss man einfach mal das große Fass aufmachen: Timothy Snyders „Bloodlands“ ist eines der besten und wichtigsten Geschichtsbücher der letzten 25 Jahre, und weil es zudem auch noch gut lesbar ist, sollte es so oft wie möglich verschenkt, empfohlen und zitiert werden.

Snyders Buch zeigt, dass das Wort „Revisionismus“, das in Deutschland so unsäglich politisch aufgeladen ist, im wissenschaftlichen Betrieb unabdingbares Werkzeug ist. Und Snyders Buch zeigt, dass all die „turns“ in der Geschichtswissenschaft durchaus zu neuen Erkenntnissen führen können, wenn sie vernünftig angewandt werden – in diesem Fall natürlich der „spatial turn“.

Die Rezensionen zu Snyder sind Legion, fast alle online verfügbar, darum spare ich mir hier die Schreibarbeit und reduziere mich auf wenige wichtige Punkte:

1) Snyders Buch hat meinen Blick auf die Massenmorde des NS und der Sowjets grundlegend geändert. Ich habe die Dimension und völlige Emotionslosigkeit des sowjetischen Vorgehens bisher deutlich unterschätzt, und ich habe von den Phasen und ihrem jeweiligen Charakter der deutschen Massenmorden ein falsches Bild gehabt. Dankenswerterweise nimmt sich Snyder die Zeit, auch auszuführen warum das so ist, so dass man sich als Historiker nicht allzu schlecht fühlen muss. Ich hab selten bei einem Thema so basale Bewegungen in meinem Geschichtsbild „gespürt“ beim Lesen.

2) Snyder kann erzählen und er kann analytisch komprimieren. Beides ist eine Kunst, meistens geht Autoren eine der beiden Fähigkeiten ab. Snyders Buch hingegen ist eine beeindruckend kohärente Taktung aus Darstellung, Analyse, Zwischenfaziten,die einem hunderte von Seiten das Gefühl gibt, ununterbrochen Wichtiges zu lernen.

3) Snyder verliert bei all dem unvorstellbaren Massentod nie die menschliche Dimension aus den Augen. Wir alle kenne die optische Chiffre aus Filmen, wenn Personen ein Schriftstück aus der Hand legen und die Hand zur Stirn oder zum Nasenrücken führen. Das soll uns innere Bewegtheit anzeigen und wir verstehen das als filmisches Mittel, aber wann tut man das schon mal? Bei Snyders Buch habe ich es mehr als einmal gemacht. Die biographischen Stränge sind nicht, wie so oft, intellektuell-bemühte Feigenblätter, die letztlich genauso leblos sind wie der Rest wissenschaftlicher Texte. Bei Snyder stehen die Personen vor dem inneren Auge und man braucht manches mal eine Pause – all das aber ohne effektheischende Sprache.

Einfach jeder, der über die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert mitreden will, kann es nicht mehr, ohne dieses Buch gelesen zu haben; völlig egal, aus welcher Ecke der Forschung oder des allgemeinen Interesses man kommt. Gerade aber, wer auch nur ansatzweise das Phänomen der entfesselten Gewalt streifen will, vielleicht als Militärhistoriker, muss es unbedingt getan haben.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden