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am 22. November 2012
Vor 24 Jahren habe ich dieses Buch per Zufall? bei Freunden auf dem Küchentisch liegen sehen und hab es mir sofort besorgt, meine Intuition sagte mir: das birgt eine wichtige Botschaft für dich. Damals hatte ich noch keine Kinder, war aber sehr froh, dieses Buch "rechtzeitig" entdeckt zu haben. Es war für mich eine Offenbarung und ein starker Kontrast zu meiner eigenen Kindheit. Danke Jane. Ich denke bis heute oft darüber nach, kein Buch hat mich bisher so sehr beinflusst.

Bei unseren beiden Kindern war klar, dass wir ihnen soviel es möglich war davon angedeihen ließen. Wir haben sie so oft es möglich war bei uns getragen (aber auch ab und an im Kinderwagen spazieren geschoben, denn unser zivilisierter Rücken litten leider unter dem vielen Tragen, mein Mann und ich hatten oft starke Rückenschmerzen). Sie wurden beide lange gestillt. Sie haben die ersten Jahre bei uns im Bett geschlafen bis sie selber den Wunsch äußerten im eigenen Zimmer zu schlafen, sie waren wirklich überall mit uns unterwegs, auch bei der Arbeit und in der Freizeit sowie so. Unser erstes Kind war das pflegeleichteste Kind überhaupt, sie war immer sehr ausgeglichen, hat bestens geschlafen und nie geweint. Ein bisschen war ich schon stolz, sie belohnte uns sozusagen sofort. Unser zweites Kind hatte jedoch das erste Jahr wirklich immer ganz arg geweint wenn es wach war, kein Trösten und Tragen hat genützt, es wurde manchmal fast unterträglich sein lauthals brüllendes Kind nahe dem Ohr zu tragen, wo jeder Tröstungsversuch scheiterte. Er war gesund, war sozusagen ein Schreikind das nur Dreimonatskoliken hatte die aber ein Jahr andauerten. Eine Belastungsprobe für unsere junge Familie. Das positive Feedback blieb erst mal aus. Die Belohnug für unser Durchhalten bekamen wir dann ab seinem ersten Geburtstag, ab da war er wie umgewandelt, fröhlich, zufieden, ausgeglichen. Wäre es unser erstes Kind gewesen, ich denke ich hätte jegliches Selbstvertrauen verloren. In dieser Zeit hätte ich mir sehr Unterstützung von Anderen/Verwandten o. Freunden gewünscht, um etwas Luft zu bekommen. Das ist bei uns dann anderst als im Dschungel, wir lebten in eine Wohnung und leider in keiner Kommune, und so richtig helfen wollte auch Niemand, keiner reisst sich darum ein lauthals schreiendes Kind zu tragen das sich nicht trösten lässt. Es ist bei uns doch so, dass die meisten denken: Das sind deren Kinder, die bekommen das schon alleine hin.

Was ich daraus gelernt habe: Alle Kinder sind verschieden, wir können versuchen ihnen gerecht zu werden, ihre Bedürfnisse umgehend befriedigen, wir Eltern lieben sie, hegen und pflegen sie und hoffen dass sie sich wohl bei uns fühlen und gute Menschen bleiben und werden.

Jetzt im Rückblick kann ich sagen, unsere Beiden haben sich wirklich sehr gut gemacht und sie sind tolle Erwachsene geworden: Selbständig, Selbstsicher, Liebenswert, Verantwortungsvoll. Sicher auch wegen der Anregungen die wir aus diesem Buch bekommen haben, auch wenn nicht alles eins zu eins umsetztbar gewesen ist. Ich freue mich schon auf die Enkel.

Eines jedoch ist mir wirklich aufgefallen: Im Dschungel gibt es keine Uhr, keine Termine und kein Zeitdruck. Denn in diesem Punkt stößt man in unserer Zivilisation dann wirklich an Grenzen: Der Kindergarten hat bestimmte Bring- und Abholzeiten, Arbeitszeiten die man einhalten muss, ALLE Lebensmittel-Geschäfte haben damals um 18.00 geschlossen - ja ihr Lieben, das war damals noch so - Kinder, Familienleben, Geldverdienen, Einkaufen (onlineshopping gabs noch nicht ; ) - an ein Zeitkorsett gebunden das dem Rhytmus der Kinder meist nicht gerecht wird und unnatürliches Verhalten von den Eltern erfordert in dem sie die Kinder täglich "antreiben" müssen. Das ist der Stresserzeuger schlecht hin und lässt sich in der Zivilisation dann doch nicht vermeiden, oder doch?
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am 12. April 2000
Keiner der sich mit kindlicher Entwicklung in unserer Gesellschaft beschäftigt sollte an diesem Buch vorbeigehen. Die anschauliche und lebendige Darstellung des Lebens der Yequana-Indianer verhilft zu einer neuen Perspektive der Bedürfnisse des Menschen im allgemeinen und des Kleinkindes im besonderen. Jean Liedloff stellt unseren Lebensstil in Kontrast zu diesem aussergewöhnlichen Volk und stellt ihn allein dadurch in Frage.Wir können uns kaum vorstellen, daß es ein Volk gibt, dessen Kinder selten krank werden oder sich verletzten, sich nicht prügeln, selten weinen und sich sozial verträglich verhalten. Daß es solche Kinder tatsächlich gibt gibt, beraubt uns der Ausrede, Mangel, Unzufriedenheit und Leere seien normal und unvermeidlich, und läßt uns mit der Verwunderung darüber zurück, wie lange wir uns schon damit arrangiert und abgefunden haben. Die Absurdität von einigen pädagoischen Theorien, aber auch unserer Auffassung von der "Natur" des Menschen wird dadurch bewußt gemacht und verschafft jedem der dieses Buch liest eine neue Perspektive. Mich persönlich hat dieses Buch sowohl in beruflicher Hinsicht als Heilpädagogin als auch in meiner Rolle in Familie und Gesellschaft sehr bereichert und verändert. Durch die Gelassenheit und Einsicht die das Buch vermitteln,können viele unserer alltäglichen Konflikte gänzlich vermieden werden. Schuldgefühl und Zwang werden entlarvt und verringern ihre destruktive Wirkung. "Was würde ein Yequana jetzt tun?" - diese Frage steht nun öfter im Raum und hat mir jedenfalls ein Stück des verlorenen Glücks zurückgebracht.
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am 13. Mai 2009
Jeane Liedloff reist in den Dschungel Venezuelas und trifft dort auf die Yequana - Indianer. Ihr fällt das harmonische Miteinander auf, welches im Gegensatz zu dem Miteinander der Zivilisation steht. So bleibt sie 2 1/2 Jahre dort und beobachtet, worauf dieser Unterschied zurück zu führen ist. Sie beschreibt in ihrem Buch ihre Beobachtungen, die damit beginnen, dass die Yequana vom Beginn an mit ihren Babys respektvoll und in heutigem Sinne feinfühlig umgehen. Dies beinhaltet das Stillen der Kinder nach deren Bedarf, ständigen Körperkontakt mit der Mutter, Freude an und mit dem Baby, ein guter sozialer Kontext (d.h. die Mütter sind nicht vereinsamt mit ihrem Baby sondern ständig in einer Gemeinschaft mit anderen Frauen und deren Kindern, die Arbeiten werden gemeinsam erledigt, die Kinder haben Kontakt miteinander). Die Mütter haben volles Vertrauen in die Kompetenz des Kindes und so sind diese Kinder auch nicht ängstlichen Impulsen von Seiten der Erwachsenen ausgesetzt (so lassen sie die Kinder auch selbstverständlich mit ihren Macheten spielen, ohne dass es zu Verletzungen käme). So wachsen die Kinder zu wertvollen Mitgliedern der Gemeinschaft auf, deren Bedürfnisse befriedigt wurden und die ihre Potenziale entfalten konnten. Dement-sprechend normal ist auch der Umgang unter den Erwachsenen: Männer dürfen hemmungslos weinen, wenn sie Schmerzen haben, sie werden nicht verlacht sondern getröstet, die Geschäfte untereinander oder mit anderen beruhen auf dem Vertrauen, dass der andere nicht mehr nimmt, als es dem Gegenwert entspricht, Arbeiten werden so verrichtet, dass sie Spass machen. Ein Yequana, der nach Jahren Aufenthalt in der zivilisierten Welt zu den Yequanas zurück kehrte, wurde über zwei Jahre mit einem wissenden Lächeln und ohne Vorwürfe von allen mit versorgt, da er das "nicht Arbeiten" als den besseren Zustand befand. Nach zwei Jahren gliederte er sich automatisch in das Arbeitsleben des Stammes ein, da er erkannt hatte, dass es ohne Arbeit für ihn kein ausgefülltes Leben war. Darauf (eben auf die Kompetenz) vertraute man und behielt recht. All das ist dem Leben hier sehr fremd, nichts desto trotz sicher sehr gesund. Mir persönlich wurde das Buch von meiner Hebamme kurz nach der Geburt meiner Tochter empfohlen und ich bin ihr überaus dankbar dafür. Vieles aus dem Buch kann guten Gewissens übernommen werden (Stillen nach Bedarf, ständiger Körperkontakt, Vertrauen auf die Kompetenz des Kindes), einiges natürlich nicht (Arbeiten nach Lust, Teilen der Arbeit mit anderen Frauen), was jedoch den Wert des Buches in meinen Augen nicht schmälert. Auch mein zwei Jahre später geborener Sohn kommt in den vollen Genuss dessen, was meiner Meinung nach hier umsetzbar ist. Beide Kinder sind bei bester Gesundheit, körperlich und geistig fit, zufrieden und kooperativ. Ich bin sehr froh, dass mir zum richtigen Zeitpunkt dieses Buch empfohlen wurde und kann es nur allen werdenden Eltern empfehlen. Mir hat es geholfen, der Sprache meines Herzens und nicht der Ratschläge im Außen (geprägt durch die seit 300 Jahren hier herrschende schwarze Pädagogik) zu folgen.
Die Beobachtungen von Liedloff über einen gesunden Umgang mit den Kindern werden in ihrer Richtigkeit durch die Sprache des Herzens und die geistig seelische Gesundheit der Kinder bestätigt und sind als wesentliche Faktoren beim Gedeihen von Kindern in der westli-chen Welt durch die Forschung mittlerweile bestätigt (Bindungsforschung, Säuglingsforschung, Konzept der Feinfühligkeit).
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am 26. März 2003
Ich habe das Buch vor 3 Jahren erworben und seither mehrmals gelesen , mit meiner Kindheit und auch mit der derzeitigen rauhen Realität verglichen . Voller Enthusiasmus war ich mir noch in der Schwangerschaft sicher , ganz viel davon umzusetzen.
Unsere Tochter ist nun 10 Monate alt und ich habe die Erfahrung gemacht , dass davon nicht alles möglich ist , aber ein Teil und das ist meines Erachtens schon revolutionär. Es gibt kein Laufgitter , sie kann vieles erkunden , was sie möchte , wir haben viel Körperkontakt , sie ist oft mit in unserem Bett und auch so oft mit dabei , egal ob Musik gehört wird oder Schuhe geputzt werden etc.
Trotzdem sollte man meines Erachtens beim Lesen des Buches nicht vergessen , dass wir in keinem Stamm leben in einem Urwald sondern in einer hochtechnisierten Gesellschaft mit sozial völlig anderem Kontext und völlig anderer über Jahrhunderte gewachsener Geschichte. Das ist nun mal in uns drin.
Veränderungen sind mit Sicherheit nötig , es müssen noch mehr Eltern und Großeltern aufwachen , Liebe statt Konsum geben , Mut haben , Steine aus dem Weg zu räumen . Aber das braucht Zeit. Einiges , was in dem Buch beschrieben wird , ist mit Sicherheit umsetzbar . Aber trotzdem sollten wir nicht vergessen , dass wir Europäer sind .
Jean Liedloff regt sehr zum Nachdenken an , inspiriert , deshalb 5 Sterne.
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am 7. Januar 2007
Ich hatte im Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern oft ein Unbehagen, das ich schwer festmachen konnte; irgendwie hatten sie mir immer leid getan. Das Buch hat mir klarer gemacht, woher dieses Unbehagen gekommen ist, ich hatte wohl instinktiv gespürt, dass ihnen etwas sehr Wesentliches fehlt.

Am eindrücklichsten ist die Feststellung eines wesentlichen Irrtums unserer zivilisierten Kultur: Dass Säuglinge und Kinder als von vorherein unsoziale Wesen seien, die man gesellschaftsfähig machen müsste, während in Wirklichkeit jedes Kind ein zutiefst soziales Wesen ist, was wir ihnen normalerweise tüchtig abgewohnen, indem wir nicht auf ihre wirklichen Bedürfnisse eingehen.

Ich bin sehr froh, dass mir ein Freund dieses Buch vor der Geburt meines Kindes in die Hand gedrückt hat, es ist eine große Erleichterung für mich zu wissen, dass das Tragen in den ersten Monaten viele spätere Probleme vermeiden oder verringern kann. Es ist bestimmt kein Allheil-Mittel, aber es hat mir auch einiges über meine eigenen negativen Gefühle klargemacht.

Ich empfehle die Lektüre dieses Buches allen werdenen Eltern.
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am 23. April 2007
Archimedes soll gesagt haben "Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die

Welt aus den Angeln". Liedloffs Buch hat etwas von einem solchen

archimedischen Punkt in Bezug auf unsere kulturelle Welt. Für mich war das

Buch wie ein fester Punkt außerhalb, durch den ich mich aus dem Sumpf der

Normalität befreien konnte.

Mit dem Sumpf meine ich die Rückbezüglichkeit oder Systemgefangenheit

innerhalb unserer Kultur. Fast alle Bücher und Theorien haben ein

Menschenbild zur Grundlage, das auf den Erfahrungen mit Menschen aus dieser

unserer Kultur beruht, und sind deshalb selten in der Lage, aus diesem System

herauszuführen. Sie beschreiben immer nur was ist, aber kaum was möglich

wäre.

Da ist Jean Liedloffs Buch ganz anders. Indem sie eine völlig andere Kultur -

die der Yequanas in Venezuela - beobachtet, beschreibt und sich in sie

hineinfühlt, ist sie auch in der Lage unsere Dominanzkultur mit ganz anderen

Augen zu sehen und das Menschenbild enorm zu erweitern.

Das Buch ist so radikal und gehaltvoll, daß bei den meisten LeserInnen nur ein

kleiner Teil davon hängen bleibt. So bekommt man beim Lesen der Continuum

Concept Seiten oft den Eindruck, als wäre das Buch nur ein Ratgeber für eine

Methode, mittels Tragen, langem Stillen und Familienbett eine bessere Mutter

zu werden. Das ist eben genau das, was am einfachsten in unsere Kultur

integriert werden kann. Doch im Buch steckt viel mehr, ein völliger

kultureller Wandel . Deshalb kann man es auch immer wieder lesen und dabei

jedesmal Neues entdecken, was man bisher übersehen hatte.
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am 6. Mai 2015
Das meiste wurde hier schon zu den positiven Seiten des Buches gesagt. Ich muss vorweg sagen: Ich liebe das Buch und habe es vielen Leuten schon geschenkt für die wertvollen Überlegungen und Beobachtungen, die man darin findet.
Wertvoll finde ich dabei aber eigentlich nur den ersten Teil des Buches, in dem das Leben der Yequana-Indianer beschrieben wird und ihre Denkweise. Denn diese ist tatsächlich besonders. Übertragen lässt sich das aber nicht einfach auf uns Westler und ich finde Jean Liedloffs Anleitung zur Erziehung dahingehend ziemlich kurzsichtig und nicht geglückt.

Jean Liedloff als Kind ihrer Zeit bleibt an der Oberfläche:
Ihre Empfehlung: Man kümmere sich immer umgehend um die Bedürfnisse des Kindes und zwar freudig. Man trage es rund um die Uhr.
Zweiteres kriegt man ja noch hin. Aber ersteres ... Es dauerte lange, bis ich mit meinem eigenen Baby, das nun knapp ein Jahr alt ist, an einen Punkt kam, wo ich mich nicht mehr mit schlechtem Gewissen quälte, weil er Bauchschmerzen hatte und es ihm nicht gut ging. Ich ging immer auf ihn ein, so gut ich konnte - aber es half nicht, er quälte sich. Es dauerte lange, bis ich verstand: Es geht nicht nur darum, auf jedes Bedürfnis des Kindes hinzuspringen. Es ist kein zerbrechlicher Gegenstand aus Glas, sondern ein Mensch, und er fühlt, wie gut es einem geht und wie man ihm begegnet. Kinder spüren die eigenen Unsicherheit im Umgang mit ihnen, und es verunsichert sie!! Das heißt nicht, dass man so tun soll, als wäre man sicher. Es geht einfach erst einmal darum, authentisch zu sein. Und dann geht es darum, dass man selbst glücklich ist. Babys fühlen sich wohl, wenn die Mama sich wohl fühlt. Im Bauch sind sie mit der Mutter verbunden. Meiner zappelte im Bauch immer wie wild los, wen ich anfing zu weinen, und so ließ ich es schnell wieder. Die Verbindung zwischen Mutter und Kind wird von Liedloff nicht besonders betont und das finde ich problematisch. Denn das ist immer der erste Schritt: Dass die Mutter dafür sorgt, dass sie sich wohl fühlt, entspannt ist, die Unterstützung und Gesellschaft hat in ihrem Leben, die sie benötigt und sich diese besorgt. Das Umfeld findet, das sie braucht, um sich auch um ihr Kind kümmern zu können. Denn kein Mensch hat unbegrenzte Kräfte. Man ist nicht faul - man ist einfach nur fertig. Und dann kommt auch das Kind zu kurz. Das ist nichts, wo man was falsch macht als Mutter - man braucht einfach Hilfe und wenn es einem selbst besser geht, dann kann man auch plötzlich viel positiver und entspannter auf das Kind zugehen. Ich hätte mir gewünscht, dass Jean Liedloff diesen Aspekt beleuchtet hätte (oder bemerkt), denn nach Lektüre des Buches habe ich mir nur einen unglaublichen Druck aufgehalst, der hier von vielen Negativ-Rezensenten auch beschrieben wird und den auch die Positiv-Rezensenten sicherlich spüren.

Wir leben nicht in Großfamilien, sind als Mütter oftmals isoliert, allein mit einem Berg an Arbeit und der einzige zwischenmenschliche Kontakt spielt sich mit dem Baby ab. Überforderung in einer so unnatürlichen sozialen Umgebung, wie wie sie in unserer Zivilisation vorfinden, ist normal. Darum ist man keine schlechte Mutter, sondern wir leben einfach in gesellschaftlichen Verhältnissen, die suboptimal sind. Die Kleinfamilie ist nichts natürliches und sie schadet einer entspannten Mutter-Kind-Beziehung, weil man zum Frohsein mehr benötigt, als Tagein-Tagaus die Einsamkeit plus Baby. Die Yequana halten sich den ganzen Tag in der Natur auf - wir uns in Wohnungen. Draußensein beruhigt, entspannt - besonders die Babys. Manchmal liegt es schon an so kleinen einfachen Dingen - unsere Bedürfnisse als Mensch erstrecken sich auf weit mehr als auf getragen werden. Liedloff hätte meiner Meinung nach mehr die Mütter in ihrer eigenen Intuition für das Wohl des Kindes bestärken sollen, anstatt einen Ratgeber mit Anweisungen zu schreiben. So bleibt es mehr ein theoretisches Konstrukt, das nicht umsetzbar erscheint, wenn man erstmal in der Praxis drinsteckt. Es hätte mehr Lebenshilfe werden können, wenn auf die Intuition der Mutter als Wegweiser, was das Wohl des Kindes angeht, eingegangen worden wäre und darauf, wie wichtig die emotionale und soziale Lebenssituation ist, in die das Kind hineingeboren wird ...
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am 2. März 2010
Als Mutter von acht Kindern kann ich nur sagen: Selbst mit allerbestem Willen habe ich es nicht geschafft, meine acht Kinder ununterbrochen umherzutragen. Schon beim zweiten Kind musste ich kürzer treten, weil mein Rücken nicht mehr mitgemacht hat. Ich habe auch schon beim zweiten Kind angefangen, Pampers zu benutzen. Gut, ich habe meine Kinder lange gestillt, ich bin fast rund um die Uhr für sie da (falls sie mich brauchen), schmuse viel mit ihnen (wenn sie wollen) und alle Kinder wissen, dass ich sie sehr lieb habe. Aber in den Augen der Autorin muss ich versagt haben...

Meine Kinder sind fröhlich, sehr sozial, psychisch unauffällig und selbständig. Ich habe den Eindruck, dass meine Kinder weniger durch das mangelnde Rund-um-die-Uhr-Tragen gelitten haben als z.B. durch die Schule, die Ihnen innerhalb kürzester Zeit die Freude am Lernen vergällt hat.

Es ist ein Unterschied, ob ich nur eine Ein-Raum-Hütte saubermachen muss oder ein Einfamilienhaus. Von der Wäsche ganz zu schweigen. Nach manchen Arbeiten ist man fix und fertig, wenn das Kind stets auf dem Rücken getragen wird.

Wir leben nicht mehr in der Wildnis und nicht mehr in großen Familien- oder Sippenverbänden. Unser Leben ist ungleich komplizierter als das der Naturvölker. Dafür sind aber die Eltern eines kleinen Kindes nicht verantwortlich zu machen, noch müssen sie ein schlechtes Gewissen bekommen. Selbst wenn wir in der modernen Welt weniger froh und unbeschwert leben können als ein Naturvolk, so bleibt unser Leben doch lebenswert. Wir können uns nicht aussuchen, wo wir geboren werden. Die Häufung verschiedenster psychischer Erkrankungen in unserer Zeit ist nicht allein die Folge des Nicht-getragen-werdens. Unsere moderne Gesellschaft hat viele Möglichkeiten, Eltern so unter Druck zu setzen, dass das Kindeswohl eingeschränkt oder sogar gefährdet wird.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Liebe und Zuwendung und die Anwesenheit (möglichst) der Mutter mindestens in den ersten drei Jahren des Kindes für das Kindeswohl am bedeutsamsten sind. Und dass Vater und Mutter als Einheit zusammenhalten. Das ist schon viel. Mehr ist einfach für viele unmöglich.

Verfechterinnen des ständigen Tragens der Kleinen, die mehr als zwei Kinder haben und trotzdem ihren Alltag meistern, möchte ich gratulieren. Sie tun gewiss ihren Kindern etwas sehr Gutes. Aber nicht jede hat die Kraft dazu und ist trotzdem eine gute Mutter.

Übrigens gibt es Naturvölker, die durchaus nicht so friedliebend und unbeschränkt glücklich wie die Yequana-Indianer sind, obwohl sie ihre Kinder viel tragen. So mancher Voodoo-Zauber setzt auch ganz schön unter Stress. Die zivilisierten Völker sind allerdings unbestritten Könige im Kriege führen.

Trotzdem, besonders in Hinblick auf die unseelige "Krippenpolitik", gibt dieses Buch eine gute Vorstellung davon, wie wichtig die körperliche Nähe der Mutter für die Entwicklung der Kinder ist. Dafür sei Jean Liedloff gedankt.
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am 7. September 2006
Ich habe das Buch als jemand gelesen, der sich für die Dinge des Lebens interessiert, für andere Menschen, wie für sich selbst und warum sich Menschen so verhalten, wie sie es tun (wo die meisten doch ganz anders reden und vor allem: wo doch so wenige glücklich damit zu sein scheinen).

Das Buch deckte sich schon auf den ersten Seiten so klar und deutlich mit meinen eigenen Gedanken, Beobachtungen, Erfahrungen und meiner tiefsten, inneren Stimme, dass ich das Lesen als ein echtes Geschenk empfand.

Zwar wurde mir dieses Buch von einer Mutter von 6 Kindern empfohlen (übrigens alle „wohl geraten“), doch es als „Erziehungsratgeber“ zu klassifizieren, halte ich für wenig gelungen. Vielmehr öffnet es einem wieder mehr den Blick für das Wesentliche, für den sprichwörtlichen „Wald, den man vor lauter Bäumen“ nicht mehr zu sehen scheint und das, was uns hier irgendwie wohl abhanden gekommen ist und wovon uns möglicherweise ein spürbarer Hauch während der Fußballweltmeisterschaft 2006 um die Nase geweht ist.

Es geht in dem Buch auch nicht um gesellschaftliche Fragen von „entweder oder“. Es ist mehr ein „sowohl als auch“. Dieses Buch ist eine echte Bereicherung mit privatem wie gesellschaftlichem Nutzen. Es vermittelt tiefes Verständnis für das Menschsein und ich kann es wirklich nur jedem empfehlen.

Krystyna Martin
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am 23. Januar 2009
Ich war beeindruckt, traurig, schockiert. ich bin so tief von diesem Buch beruehrt worden wie noch von kaum einem anderen, ausser vielleicht von den Buechern von Dr. William Sears.(Das 24-Stunden-Baby, Schlafen und Wachen) Ich habe alle meine 3 Kinder staendig gestillt, getragen und bei mir schlafen lassen, ohne vorher darueber gelesen zu haben. Es wr einfach eine Instinkthandlung. Nie haette ich sie schreien oder alleine schlafen lassen koennen. Und je mehr ich meine Kinder bei mir hatte und liebkoste, umso suechtiger wurde ich selbst nach dieser Naehe. Allerdings glaube ich nicht, dass ein Kind Schaden davon traegt, wenn es nicht immer am Koerper der Mutter ist, ich habe meine Kinder im selben Raum wie ich selbst gehabt und mit ihnen Blickkontakt gehalten und gesprochen und sie schienen eine Weile zumindest immer zufrieden gewesen zu sein. Sobald sie aber anfingen, unruhig zu werden, habe ich sie immer aufgehoben. (Nur mein Juengster wollte die ersten 5,6 Wochen wirklich ununterbrochenen Koerperkontakt nur mit mir,was zwar anstrengend und fuer viele unverstaendlich war, aber mir nichts ausgemacht hat, da ich wusste, irgendwann geht auch diese Phase vorbei. Und siehe da, auch der anhaeglichste kleine Kerl kann sich irgendwann einmal alleine beschaeftigen. Und jetzt habe ich ein goldiges, super-freundliches und froehliches Baby. Was sind schon ein paar Monate in unserem Leben? Die Zeit vergeht so schnell und es ist so schade, wenn man ein Baby schon so viel Traurigkeit und Einsamkeit lehrt. Ein Teil in mir wuenscht sich, ich haette dieses Buch nie gelesen, ich habe sehr viel geweint, als ich die Sichtweise eines einsamen Babies gelesen habe, aber andererseits finde ich es unsere Pflicht, Muetter und zukuenftige Muetter darauf hinzuweisen, wie grausam es ist, Babies alleine und schreien zu lassen, schliesslich geht es ihnen wie den Tieren, sie koennen ihren Kummer niemandem anvertrauen und bleiben deswegen so oft ungehoert. Ich wuenschte, jede Frau, die einmal Kinder moechte, wuerde dieses Buch lesen. Es kann einen nicht kalt lassen. Ich habe ausserdem Rueckschluesse aus meiner eigenen Kindheit gezogen und verstehe jetzt, warum ich immer auf der Suche bin nach irgendetwas, aber es nie finde. Ich hoffe, das meinen Kindern erspart zu haben.
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