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am 4. August 2008
Als Balram Halwai via All India Radio vom bevorstehenden Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao erfährt, erzählt er diesem in Form eines in sieben Nächten entstehenden Briefes seine Geschichte und damit auch in gewisser Weise, die Geschichte Indiens. Eine Geschichte, die sich so wohltuend von den Klischees abwendet (Aravind Adiga scheut sich nicht, die dunklen Seiten Indiens hervorzukehren), dass es eine wahre Freude ist, Aravind Adigas Erstlingsroman und seinem sympathischen Helden, Protagonisten, der als Figur ein charismatischer und philosophischer Diener, Großunternehmer im Taxibereich, aber auch Mörder ist, gebannt zu folgen.
Im Dorf Laxmangarh (Bezirk Gaya) als Munna (Junge) in einer Kaste von Zuckerbäckern geboren, ist er der klügste Schüler in seiner Klasse, darf aber, da er zusammen mit seinem Bruder die Familie ernähren muss, die Schule nicht abschliessen, und das, obwohl der besuchende Schulinspektor Munna als großes Talent und einmaligen Schüler dieser Schuler erkennt (dieser Schulinspektor ist es auch, der Munna den Namen Balram gibt und Balram mit dem weißen Tiger vergleicht).
In diesem "ländlichen Paradies" Laxmangarh sind: "Strommasten - unbrauchbar, Wasserleitungen - kaputt und die Kinder - zu dünn und zu klein für ihr Alter, mit zu großen Köpfen, aus denen lebhafte Augen leuchten, so groß wie das schlechte Gewissen der indischen Regierung".
Balram arbeitet zuerst in einem Teehaus, bevor er als Taxifahrer den großen Aufstieg schafft und nach einer Zeit als zweiter Chauffeur der Familie des Storchs, Privatchauffeur von Mr. Ashok wird, mit dem er nach Delhi geht. Aravind Adiga überzeugt in seinen Schilderungen der fast peinlichen Treue Balrams dem Arbeitgeber gegenüber, obwohl er von diesem eigentlich nur ausgenutzt wird und als Mensch dritter oder vierter Klasse gesehen wird.
Ständige Erniedrigungen führen letzendlich zu Balrams Ausbruch aus dem Hühnerstall: "Gehen Sie ins alte Delhi, auf den Markt hinter der Jama Massjid, und schauen Sie sich an, wie dort die Hühner angeboten werden. Hunderte blasser Hennen und leuchtend bunter Hähne sind dicht and dicht in Drahtkäfige gestopft, so eng wie die Würmer im Darm, sie hacken nacheinander und scheißen aufeinander, sie kämpfen um ein bisschen Luft zum Atmen; der ganze Käfig stinkt fürchterlich nach verängstigtem, gefiedertem Fleisch... Die Hühner im Käfig riechen das Blut von oben... Sie wissen, sie sind als Nächste dran. Dennoch rebellieren sie nicht. Sie versuchen nicht, aus dem Käfig auszubrechen. Und genau dasselbe passiert mit den Menschen in diesem Land."
Balram bricht aus, gewinnt im Kampf des Stärkeren und wird selbst menschlicher Unternehmer. Ein Buch, das wie Indien in ein Indien der Finsternis und ein Indien des Lichts geteilt ist, zwei Seiten hat (Dunkel - Hell), ein zutiefst menschliches Buch, ein überzeugend leuchtender Erstlingsroman des jungen, 1974 in Madras geborenen Schriftstellers, eine absolute Empfehlung. Die Nominierung in die Longlist des diesjährigen "Booker Prize" ist mehr als gerechtfertigt, ein würdiger Sieger wäre Aravind Adigas "Der weiße Tiger" auch. Ein Buch, das ich sicherlich wieder lesen werde.
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am 2. August 2009
Ich habe dieses Buch im englischen Original gelesen - in Indien. Ich habe dort mehrere Jahre meines Lebens verbracht, kenne Indien also nicht nur als Tourist sondern auch in seiner Tiefe.

Es ist wunderbar das nun (2008) endlich mehrere Werke (dazu zähle ich auch "Slumdog Millionär") Aufmerksamkeit auf ein Indien abseits von Bollywood und Yoga-Ashrams lenkten. Den tatsächlich machen die wenigsten Inder Yoga und Bollywood versucht auch nur den schöne Schein zu bewahren.

Diese rasant geschriebene Geschichte beschreibt praktisch das moderne Märchen vom Tellerwäscher (Chai-Verkäufer) zum Millionär - allerdings unter indischen Gesetzmässigkeiten.

Mit all der in diesem Land herrschenden Korruption, keinen tut etwas ohne Bakschish, ungesühnte Kriminalität und dem Streben nach Macht, Macht und nochmals Macht. Denn Macht bedeutet in Indien Ansehen.
Und Ansehen ist hier alles, egal was die Leute hinter deinem Rücken reden.

Insofern verwundert es mich ein wenig, wenn die Leute das Buch als "herrlich ironisch" bewerten....äh, also...das ist alles Realität in diesem Land und keinesfalls überzogen. Aber ich würdes es vermutlich auch nicht glauben, wenn ich es nicht schon mit eigenen Augen gesehen hätte.
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am 9. August 2008
Aravind Adiga Der weiße Tiger C.H. Beck
ISBN 3406576915

Der Debütroman von Aravind Adiga entführt uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Indien.

Ein Junge mit Namen Balram, auch 'weißer Tiger in Anlehnung an den König der Wildnis genannt ', kommt aus einem kleinen indischen Dorf, in dem primitivste Lebensbedingungen herrschen. Er ist arm und intelligent, vorwitzig und neugierig. Sein Weg führt ihn heraus aus der Enge seiner Familie und fort aus seinem armseligen Leben.
Als Fahrer des reichsten Mannes im Dorf gelangt er nach Delhi und lernt Indien mit seinen Gegensätzen kennen, von denen er in seinem abgelegenen Heimatort niemals etwas erfahren hätte! Hier zeigt sich die ganze Sprachgewalt des Autors: wie er durch die Augen Balrams dem Dorf und seinen Bewohnern, seiner Familie und der armseligen Abhängigkeit von den reichen und großspurigen Grundbesitzern mit seinen Beschreibungen Leben einhaucht. Ironisch, geistreich und sarkastisch ist der Ton, mit dem Balram, ein Held aus der Kaste der Zuckerbäcker, den chinesischen Ministerpräsidenten, dessen Besuch in Indien demnächst ansteht, über seinen Werdegang unterrichtet. In langen Nächten schreibt er Episteln an ihn, die von aufreizender Vieldeutigkeit und detailliertem Wissen über sein Land nur so strotzen.
Korruption und Unterwerfung bestimmen den Alltag. Die Rechtlosigkeit der Armen steht gegen die Herrschaftsansprüche der Reichen, die ihre Diener nicht wie Menschen sondern wie Warengut behandeln. Der Dreck und die Niedertracht sind Begleiterscheinungen eines Lebens, in der es riesige Klassenunterschiede gibt. Eindringlich werden die Gegensätze im Vielvölkerstaat Indien beschrieben. Die Probleme im Land gründen auf religiösen, mentalen und Besitzunterschieden, wobei die Zugehörigkeit zu einer Kaste auch heute noch den Platz eines jeden in der Gesellschaft mit bestimmt. Allgemein herrscht das Gesetzt des Dschungels: nur, wer gerissen und durchtrieben ist, kann sich aus der Armut befreien und zur Klasse der Herrschenden und Unternehmer aufsteigen. Aravind Adiga zeigt in seinem Roman die Gegensätze eines kapitalistischen Systems, in dem unter Verletzung von Moral und Anstand der Gauner zum Gewinner werden kann, denn auch die Rechtsorgane sind bestechlich.
Balram ist der Held, der über den Weg der Gesetzlosigkeit sein Glück macht und über dessen Erlebnisse sich das Gesellschaftsbild Indiens öffnet. Er ist der weiße Tiger, der alle Bindungen und angelernten Verhaltensweisen des Dienens hinter sich lässt und zum Mörder und Spieler wird, um den gesicherten Status eines Unternehmers zu gewinnen.
Auch der Unmoralische aber kann mit gesichertem Einkommen wieder zum Wohltäter der Gesellschaft werden!

Gegenwart und Vergangenheit, Fortschritt und Aberglaube, Reichtum und Armut, Bildungsmangel und niedrigstes Kastendasein bieten ein Bild Indiens, das überwältigend ist. Es wäre bedrückend, wenn der Autor seine Schilderung nicht mit den Mitteln des Humors in eine geistreiche, amüsante und äußerst unterhaltsame und prächtige Lektüre verwandelt hätte! Die Erzählung behält ihre Leichtigkeit und bleibt famos in der phantastischen Vielfarbigkeit bis zur letzten Seite. Ein hoch zu lobender Debütroman!
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am 20. Oktober 2008
Anlass für Balram Halwai seine Lebensgeschichte zu erzählen, ist die Ankündigung, dass der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao das indische Bangalore Besuchen will.
In sieben Nächten erzählt Balram in einem Brief an Jiabao, wie aus ihm, dem Jungen Munna aus dem Dorf Laxmangarh, der Unternehmer Ashok Sharma aus Bangalore wurde.

Der Autor lässt uns direkt teilhaben am Indien des 21. Jahrhunderts. Schonungslos, offen, aber mit viel Ironie schildert er die Abgründe, die sich auch im heutigen Indien zwischen Arm und Reich, zwischen "Finsternis" und "Licht" auftuen.
Die Kasten spielen dabei immer noch eine wichtige Rolle.

Balram Halwai, geboren in der Kaste der Zuckerbäcker, war eigentlich ein Leben als Diener in einem Teehaus bestimmt. Er tut sich jedoch schon früh als Ausnahme hervor, weil er als Dorfjunge lesen kann (daher der Name 'weisser Tiger', da dieser eine Ausnahmeerscheinung ist). Balram kommt als Fahrer und Diener eines Großgrundbesitzers seiner Region mit dessen jüngerem Sohn Ashok nach Dehli, die Stadt, in der "Finsternis" und "Licht" aufeinander treffen.
In Dehli lernt Balram schnell, dass man nur durch Korruption und Gewalt ins "Licht" kommen kann. Er befreit sich aus dem "Hühnerkäfig" und steigt in kurzer Zeit vom ausgebeuteten Fahrer zum Chef eines großen Taxiunternehmens in Bangalore auf.

Adiga erzählt spannend, amüsant und realitätsnah die abenteuerlich anmutende Geschichte von Balram, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um ins "Licht" zu kommen. Ich konnte mich dabei sehr gut in die Gefühle und Gedanken des Aufsteigers Balram hineinversetzen.

Der Autor liefert trotz vieler Fakten einen lebendigen Roman ab, der ganz auf Handeln und Denken der Protagonisten beruht. Trotz des großen wirtschaftlichen Aufschwunges herrschen in Indien weiterhin Ungerechtigkeit und Ungleichheit.

Aravind Adiga hat für seinen Debütroman zu Recht den diesjährigen Booker Prize erhalten.
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Es ist das Indien jenseits der Tourismusbroschüren und Wirtschaftsnachrichten: Das Indien der rechtlosen Mehrheit, der Armen, die sich nur mit Not über Wasser halten können. Balram aus der Kaste der Teeköche und Zuckerbäcker wächst in einem kleinen nordindischen Dorf auf und wird sich im Verlauf der Geschichte seiner fast aussichtslosen Lage bewusst. Seine Erleuchtung erlangt er nicht durch religiöse Hingabe sondern alleine durch seine täglichen Beobachtungen, die in ihm einen Plan reifen lassen: Er wird seinen Herrn umbringen, um endlich aus dem 'Hühnerkäfig' auszubrechen, in den ihn die indische Tradition und der Kastendünkel gesteckt hat. Wer in Indien reich ist, muss sich vor nichts fürchten (ausser vor den korrupten Politikern), er steht über dem Gesetz und hat im wahrsten Sinne alle Freiheiten. Dort will Balram hin, und wie er es dahin schafft, das schreibt er in einem lakonischen, manchmal zynischen Stil dem Ministerpräsidenten von China, Wen Jiabao, damit dieser sich nicht von den schönen Worten blenden lässt, die dieser anlässlich seines bevorstehenden Staatsbesuches von den indischen Politikern ins Ohr geträufelt bekommen wird. So enttarnt Balram sukzessive eine durch und durch korrupte Gesellschaft, die empörende Scheindemokratie Indiens, das zerrüttete Rechtssystem und die zynische Arroganz der Reichen, die ihr Vieh besser behandeln als ihre Dienerschaft.
Dieses Buch gehört zum Besten, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es ist nicht nur brilliant geschrieben (2008 gab es den renomierten Booker Preis dafür) sondern es öffnet einem die Augen für das Indien hinter den euphorischen Wirtschaftsnachrichten, die nur zu leicht verhüllen, von wessen Rücken der Fortschritt eigentlich getragen wird. 80% der Inder sind arm und vollkommen rechtlos. 40% können nicht lesen oder schreiben. Es fehlt selbst in den großen Städten an frischem Wasser und Elektrizität. Die Infrastruktur ist katastrophal.
Ich fühlte mich oft an einen Aufenthalt in Delhi erinnert, bei dem ich Szenen wie aus dem Vorhof der Hölle gesehen habe. Natürlich nicht an den touristischen Sammelpunkten, sondern in den Seitenstraßen, dort, wo einen ein indischer Touristenführer niemals hinführen würde. Dort, wo uns selbst indische Passanten aufgefordert haben, nicht hinzugehen, damit wir nicht mit eigenen Augen sehen sollten, wie Indien wirklich ist. Es war einfach entsetzlich und grauenhaft. Der 'Weisse Tiger' ist zwar ein Roman, aber der Autor Aravind Adiga weiss genau wovon er spricht. Er kennt Indien ohne Zweifel besser als ich es in 4 Wochen kennenlernen konnte. So, oder so ähnlich könnte es sich abgespielt haben, so oder so ähnlich spielt es sich jeden Tag ab. Da habe ich nicht den geringsten Zweifel.
Es ist ein Buch, das die Augen öffnet. In jeder Hinsicht. Die Vielschichtigkeit der Geschichte, die ich hier auch nur anreissen kann (was könnte man alleine über den Zynismus referieren, dass diese Anklage an Indiens korrupte Politikerkaste ausgerechnet an Wen Jiabao gerichtet ist...), beschäftigt einen lange. Es wäre dem Buch zu wünschen, dass es in Indien jeder lesen darf. Aber das ist wohl ein frommer Wunsch in einem Land mit 40% Analphabeten, die mit Sicherheit nicht umsonst dumm gehalten werden...
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am 6. Mai 2009
Aravind Adiga ist für sein Werk "Der weiße Tiger" zu Recht mit dem Booker-Preis ausgezeichnet worden und zwar als zweitjüngster Autor, der den Preis jemals bekommen hat!

Balmram Halwai berichtet aus eigener Perspektive über das Leben in Indien und über seinen ungewöhnlichen Weg vom Sohn eines Rikscha-Fahrers bis hin zu einem erfolgreichen Unternehmer. Dabei gewährt er dem Hörer Einblicke in ein Land, das nichts mit den kräftigen Farben und dem Duft orientalischer Gewürze zu tun hat, wie wir es so gerne mit Indien assoziieren. Hier wird die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der sich durch Ehrgeiz und Cleverness über das Kastensystem hinweg einen Platz in der oberen Gesellschaft sichert und dabei selbst jene verwerflichen Züge annimmt, die er seit seiner Kindheit als Diener an seinen Herren beobachten konnte.

Aravind Adiga schreckt nicht davor zurück, ein Bild der heutigen indischen Kultur zu zeichnen, fernab vom populären Bollywood-Glamour. In Zeiten eines Oscar-prämierten "Slumdog Millionaire" bietet der ehemalige Times-Korrespondent Adiga mit "Der weiße Tiger" eine tiefsinnige und ironische Gesellschaftsanalyse - spitzzüngig vorgetragen vom "Die drei ???"-Sprecher Jens Wawrczeck.
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am 30. Oktober 2014
Ist es ok. aus der Kultur der Gesellschaft auszubrechen und sein eigenes Leben zu leben?
Dieses Buch beschreibt Bilder auf Bilder aus indischen Verhältnissen - schade das Menschen so respektlos behandelt werden und sich so unterwürfig an ihrer Kultur festhalten, ohne zu merken das sie die gefangen in der Geschichte sind. Gut das sich Balsam aufgemacht hat, seinen Weg aus der Finsternis zu finden. Trauriges Buch über eine unglückliche Gesellschaft auf beiden Seiten Indiens.
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am 28. Juni 2015
Außergewöhnliche Geschichte, die genau diesem Bild entspricht, welches ich von durch das Buch "Gleichgewicht der Welt" von Indien hatte. Die ungewöhnliche Erzählweise, eine spannende Geschichte und ausgeprägte Charaktere machen das Buch zu einer besonderen Lektüre. Jederzeit wieder!
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am 4. Januar 2009
"Der weiße Tiger" ist der Debütroman des indischen Autors Aravind Adiga; er wurde dafür mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Es ist die Geschichte eines Aufstiegs, einer Befreiung, aber sie hat fast nichts von der heiteren Erfolgsgeschichte eines ambitionierten Selfmade-Man. Balram erreicht die Freiheit nicht durch friedlichen Widerstand im Stile Mahatma Gandhis, sondern letztendlich nur durch Gewalt.

Viele Romane und Geschichten, die im postkolonialen Indien spielen, zeigen dem Leser, was er erwartet und was er hören möchte - die Exotik, die immer noch andauernde Magie dieses Landes, das den meisten Europäern so fremd ist. Gibt es keine Exotik oder wilden Tiere, so berichten die Geschichten von Indien als aufstrebender Industrienation, als Volk von Computergenies, die ihr Talent in die ganze Welt hinaustragen. Diesen Weg geht Aravind Adiga nicht. Er beschreibt das neue Indien" des 21. Jahrhunderts, und dieses Indien ist nicht exotisch und prachtvoll, sondern vor allem korrupt und laut und dreckig. Adiga zeigt uns Slums und Familien, die am Existenzminimum vor sich hinvegetieren und für die sich seit hundert Jahren nichts geändert hat. Menschen, die an Krankheiten sterben, so wie Balrams Vater, der zeitlebens ein armer Rikschafahrer war, an Tuberkulose stirbt.
Vor allem aber zeigt Adiga uns - oder lässt vielmehr Balram in einer seltsamen Mischung aus Zynismus und Stolz berichten -, wie in Indien große Teile der Bevölkerung von wenigen Herrschenden unterdrückt werden.
Am schlimmsten ist für Balram die Erkenntnis, und das ist das Hauptmotiv des Romans, dass die Armen und Unterdrückten sich in Indien mit Freuden von den zahlenmäßig unterlegenen Reichen und Korrupten unterdrücken lassen. Die Diener bestehlen ihre reichen Arbeitgeber nicht, sondern dienen ihnen unterwürfig, weil es ihnen, so Balram, seit Generationen im Blut liegt. Sie begehren nicht auf, sondern tun alles, was von ihnen verlangt wird. Als Synonym für diese Unterdrückung steht bei Adiga das Bild eines Hühnerkäfigs, in den leidende Tiere eingepfercht sind, die aber dennoch niemals einen Ausbruchsversuch wagen, sondern im Gegenteil noch gegenseitig auf sich einhacken.

Für den Leser sind die Schilderungen aus Balrams Leben teilweise ziemlich schmerzhaft, denn der Ich-Erzähler muss einiges erdulden, was ihm seine moralisch verfallenen Arbeitgeber antun, teils aus Dummheit und Überheblichkeit, teils aus purer Bosheit. So berichtet er, wie er zum Fahrer eines reichen Großgrundbesitzers wird, ihm die Füße massieren muss, täglich die Hunde wäscht und bürstet und auf dem Boden des Wagens kriechend nach einer einzigen Rupie suchen muss, die sein Herr verloren hat.
Balram geht den Weg aus der Düsternis bis ins Licht, allerdings zu einem hohen Preis, und am Ende steht ein Mord. Balram durchschaut das System von Arm und Reich, von Unterdrückten und Unterdrückern, und befreit sich letztendlich selbst, nachdem er begriffen hat, dass sein Leben sich sonst nie ändern wird. Doch auch der befreite Balram kann dem geltenden System von Bestechung, Korruption und Macht nicht wirklich entgehen und wird damit am Ende zu einem Teil der Gesellschaft, der er früher diente. Einst war er arm und anständig, wie er in seinen Briefen versichert - am Ende ist er zwar reich, aber auch verändert.

"Der weiße Tiger" ist ein wichtiges und provokatives Buch. Beim Lesen vergisst man immer wieder, dass der Roman im 21. Jahrhundert spielt, so armselig und archaisch muten die Verhältnisse an, die der Autor uns hier so deutlich vor Augen führt. Dieser Roman mischt Abenteuer und skurrile Lebensbeichte mit Gesellschaftskritik und Sittenbild des heutigen Indiens, und das ganz ohne die naive Verklärung des Subkontinents, die man so häufig liest. Sehr empfehlenswert!
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am 28. April 2014
Wir wissen so wenig vom Subkontinent Indien und seine Gesellschaft. Dieses Buch trägt in wunderbarer Weise dazu bei, mehr zu begreifen und sich inhaltlich damit auseinander zu setzen. Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben.
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