Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Sonderangebote Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos Learn More TDZ Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimitedEcho longss17



Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 16. Dezember 2016
Buchrückseitentext:

Missbrauch, Elektroschocks, Zwangsarbeit und Psychofolter - Alltag in der deutschen Auswanderersekte "Colonia Dignidad" in Chile. Sektenführer Paul Schäfer hatte unter dem Deckmantel bayrischer Idylle ein perfides Schreckensregime errichtet. Liebe war darin ein Fremdwort. Dennoch gab es sie. Heimlich.
Gudrun und Wolfgang Müller, deren Liebesgeschichte dieses Buch erzählt, haben fast fünfzig Jahre Gehirnwäsche und Folter überlebt. Dann erfuhren sie die bittere Wahrheit über Paul Schäfer und zogen die einzige Konsequenz, die ihnen richtig schien: Sie verließen ihr mit Stacheldraht abgeriegeltes Gefängnis in Chile, das sie fast ihr ganzes Leben als Heimat betrachtet hatten…

Unser geraubtes Leben stammt aus der Feder von Ulla Fröhling

Mit diesem Buch bekommt man einen kleinen Einblick in die schreckliche Welt die der Sektenführer Paul Schäfer erschaffen hat. Unter dem Deckmantel seiner Religionsauslegung bereitete sich Paul Schäfer ein Paradies, in dem er über Jahrzehnte ungestraft seinen pädophilen Neigungen nachgehen konnte. Aus heutiger Sicht ist für mich vieles schwer nachzuvollziehen, vor allem das Verhalten der Eltern die ihre Kinder einfach abgegeben haben, oder die Behörden und Ämter, die nicht reagieren, keine Anzeige erstatten, nicht unter einander kommunizieren und so Paul Schäfer es ermöglichten sein Unwesen zu treiben, aber in der Nachkriegszeit war Pädophilie ein absolutes Tabuthema, etwas was es „nicht gab oder geben durfte“.

Leider konnte mich die Umsetzung des Buches nicht so überzeugen, die Autorin springt leider nicht nur zeitlich immer wieder hin und her, sondern auch von einer Person zur anderen, was dem verfolgen des Ganzen doch etwas mühsam gestaltete. Auch ist der Sprachstil bzw. Schreibstil sehr nüchtern gehalten, eher wie eine reine Faktenaufzählung, was auf mich oft sehr leblos wirkte.

Es werden in diesem Buch die verschiedensten Personen vorgestellt und ihr Lebens- und/oder ihr Leidensweg aufgezählt, dabei sind Gudrun und Wolfgang nur eine von ihnen. Die angekündigte Liebesgeschichte spielt keine wirkliche Rolle, sie nimmt erst zum Ende des Buches etwas Raum ein, und wurde für mich durch durch den Erzählstil nicht wirklich greifbar.

Wer sich mit den Geschehnissen in der Colonia Dignidad intensiver auseinander setzen möchte, wird wohl auf andere Bücher oder Medien zurück greifen müssen, da dieses Buch doch nur sehr an der Oberfläche kratzt.

Mein Fazit:

Interessant, aber zu wenig Tiefe, und leider in der Umsetzung nicht gut gelungen.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Mai 2017
Sicherlich, Ulla Fröhlings Schreibstil muss man mögen. Aber hier handelt es sich auch weder um Schönliteratur noch um eine Sensationslektüre, vielmehr um eine chronologisch aufgebaute journalistische Erzählung, welche auf Recherchearbeit, Zitate und Zeugenaussagen beruht (> Länge des Quellenverzeichnis).
Wenn sich Mitglieder der ehemaligen Colonia-Glaubensgemeinschaft und der ihr verbundenen Krefelder Volksmission durch dieses Buch diffamiert sehen, ist es äußerst verständlich. Sie wären nicht die Ersten, die um ihr geistliches Überleben und den Ruf Gottes kämpfen, indem sie die durch ein uneingeschränktes „Gemeinde-Regime" im Namen Gottes erfahrenen Misshandlungen innerlich abspalten. Ob sie es nun wahrhaben können oder nicht, auch wenn die Narben der Misshandlung bleiben, die Wahrheit lässt vermeintliche Verräter aufatmen und macht sie frei.
Wohl dem, der die Fähigkeit besitzt seinen spirituellen Glauben von Menschenwerk zu trennen - sich selbst auf positive Weise immer wieder in Frage zu stellen und für Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit einzustehen, auch und gerade dann, wenn er von der eigenen Herde erniedrigt und verachtet wird. Solange dieser ureigene persönliche Prozess nicht zugelassen werden kann - weil nicht sein darf -, solange wird geistlicher Missbrauch von tiefgläubigen Menschen aktiv und passiv betrieben. Somit werden tiefgläubige Täter und Opfer ihren inneren Schmerz im geistlichen Gebet und der Anbetung geradezu ersticken müssen und sich nicht selten zu Unrecht des Fundamentalismus bezichtigt sehen.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. März 2017
einfach toll ge- und beschrieben - der Tagesablauf, die Befindlichkeiten. Keinerlei Sensationshascherei, keine blumigen Ausdrücke. Nicht leicht zu lesen von der Wort- und Satzgestaltung her.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. August 2016
Auch ich möchte meine Eindrücke zu diesem Buch zusammenfassen, da ich das Thema und die Aufarbeitung für sehr wichtig halte, und ich hoffe, dass alle Beteiligten mit Ihrer Vergangenheit, wieder eine Zukunft sehen. Das Leid das allen Menschen angetan wurde, ist unermesslich. Ich schäme mich, dass die Deutsche und Österreichische Regierung NICHTS gegen Paul Schäfer oder die Kolonie unternommen hatte, trotz erdrückenden Hinweisen durch Organisationen (Amnesty) und Fluchtversuche "abtrünniger" Bewohner zu den Botschaften in Santiago, die, statt den menschen zu helfen und sie ausser Landes zu bringen, sie der Colonia zurückanvertraut hatten - es ist eine SCHANDE. Erst Walter Steinmeier hat dieses Jahr die sofortige Freigabe der Akten der Deutschen Botschaft veranlasst, und damit die 30 Jahresfrist aufgehoben; ob das nun noch jemanden hilft bleibt abzuwarten und wünschenswert.

Aber zuerst zum Buch:

Teilweise möchte ich mich der kritischen Bewertung von Sarah Eger (1 Punkt) (9. Februar 2016) anschliessen, die ich las, als ich das Buch hier bestellte, und auch ich war drauf und dran es nicht mehr weiterzulesen, so wirr fand ich es erzählt und schwierig zu verstehen: Zeitsprünge, Detailschilderungen einiger - in meinen Augen nicht so relevanter Geschehnisse - sowie die ausführliche Auflistung der Namen aller Beteiligter, die zum Teil später nicht wieder vorkommen. Ich habe lange gebraucht und vielleicht an gegebenener Stelle überlesen, dass die Protagonistin hier Gudrun Wagner (später verheirtatet mit Wolfgang Müller) ist, und wenn ich das von Angfang an gewusst hätte, hätte ich beim Lesen ihres Namens auf sie und ihre Verwandschaft fokussiert.

Ich empfehle daher, unbedingt diese Reportage "Planet Wissen" mit der Autorin Ulla Fröhling und Gudrun Müller, die ich erst heute in der Buchmitte entdeckt habe, zuerst anzuschauen:
[...]

Danach ist das Buch einfacher zu verstehen -soweit man von "verstehen" überhaupt sprechen kann:
dennoch erschliesst sich mir immer noch nicht, obwohl im Buch versucht wurde es zu beschreiben, was denn Paul Schäfer "ausmachte", dass er so Menschen in seinen Bann ziehen konnte, und Mütter und Väter ihm ihre Kinder und ihr Vermögen überliessen. Dass man sich mal spontan für jemand begeistert (passiert allen), aber eine Entscheidung der Euphorie am nächsten oder übernächsten Tag immer noch nicht hinterfragt? Vielleicht fehlt mir ein Verstehen für die Zeit und Ohnmacht der 50iger Jahre, und es ist aus heutiger Sicht, wo breits jedes Kind um Sekten und Abhängigkeit weiss, denke ich schwieriger nachvollziehbar, dass Menschen, die gerade eine Diktatur überlebt haben, sich wieder einen Führer suchen und unterjochen. Wer waren diese Menschen, die schon wider jemandem gaubten, obwohl sie gerade erst getäuscht wurden? Und was für Menschen sind das - besonders wenn sie gläubig und gottesfürchtig sind - die einen "Zwischengott" brauchen? Diese Frage lies mich während des Lesens nicht los. Wir alle hier, die das Buch lesen haben Vorfahren, die in dieselben 1950er Jahren und vielleicht an denselben Schauplätzen der Nachkriegszeit gelebt haben, aber dieses Phänomen (jemandem folgen zu können, Verstand ausschalten, sich unterjochen) ist nicht Hauptziel dieses Buches, vielmehr ist es ein Tatsachenbericht - und zwar ein schwer vorstellbarer und schwer verdaulicher.

Von daher halte ich das Buch als ergänzend wertvoll, aber man sollte das "drumherum, wieso weshalb warum" bereits besser kennen oder andere Bücher oder Filme zu dem Thema geesen/gesehen haben.
Positiv fand ich, dass durch Frau Fröhling den Frauen, die keinerlei Wertschätzung aber nur Verachtung in der Colonia erfuhren, und auch keine Aufmerksamkeit in anderen Belangen um die Colonia erhalten, hier eine Stimme verliehen wurde.

Bemerkenswert fand ich die Aussage von Frau Fröhling am Ende der WDR Reportage auf die Frage der Moderatorin hin, was Betroffende die diese Sendung sehen würden, am Besten tun sollten: sie meinte, wahrscheinlich keiner der Betroffenen würde die Sendung bis zu Ende schauen, bevor sie auf die Frage einging, aber sie sagte ganz klar, dass einzig das Sprechen darüber zur Verarbeitung hilft. Ich hoffe dass auch die 99% anderen der Colinia Dignidad ihr Schweigen brechen und erzählen, was wirklich geschen ist, auch wenn es schmerzt und die Scham gross ist, aber ich denke, dass all die darin verankerten Themen in der heutigen Zeit und in unserer heutigen Gesellschaft weniger stigmatisiert werden als in den 1950/60er Jahren, in denen sich der oder die eine vielleicht noch immer wähnt. Sprechen Sie darüber, aber nicht weil es eine Beichte ist, sondern um Ihr damaliges Handeln oder Unterlassen besser zu ergründen und damit abzuschliessen zu können !

Ich wünsche Frau Wagner und allen anderen Betroffenen und Involvierten, ob sie Opfer waren, Opfer und Täter, oder sich als keines der beiden sehen oder bezeichnen, einen neuen Sinn im wirklichen Leben zu finden.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Juni 2012
Ich gebe ehrlich zu, dass ich vor diesem Buch nichts von der Sekte gehört hatte. Als ich begann, dass Buch zu lesen, dachte ich "Ok, das war ja lange vor deiner Zeit". Leider stellte sich heraus, dass es in gewisser Weise immer noch topaktuell ist und die Erzählung bis in das Jahr 2011 geht.
Ich fand es absolut informativ und spannend. Eine nahezu unglaubliche Story über die Manipulation von Menschen. Besonders die umfassende Lebensgeschichte der einzelnen Personen (vor der Sekte, Weg in der Sekte, Konsequenzen), eingebettet in die jeweilige Zeit, war sehr interessant.
Absolute Kaufempfehlung, auch wenn man vorher nichts von der Sekte gehört hat!
0Kommentar| 23 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. April 2017
Es war vorteilhaft, dass ich schon Bücher und Berichte über Paul Schäfer gelesen hatte. Und dass ich Jahrgang 1945 bin. Denn für die Generationen danach sind diese Geschehnisse absolut unbegreiflich und nicht zu verstehen. Genauso unbegreiflich wie die entsetzlichen Vorfälle in Internaten und Schulen, wie z. B. die Odenwaldschule oder bei Bethel in Freistatt. Viele meines Jahrgangs, die in den 50ern zur Schule gingen, erinnern sich noch an prügelnde Lehrer, an Kollektiv-Bestrafungsaktionen, Mobbing von Flüchtlingskindern. Damals alles ganz legitim, so lange kein Blut floss; wir büffelten in einem Klima von Einschüchterung und Angst. Und wer sich zuhause über den Lehrer beschwerte, bekam statt Trost und Hilfe eine weitere Tracht Prügel. Die Lehrer von damals, überwiegend ehem. Wehrmacht-Offiziere, traumatisiert, sadistisch veranlagt und vor allem besorgt, dass diese neue Generation ohne einen Hitler an der Spitze zu Weicheiern ohne Rückgrat verkommen wird. Paul Schäfer konnte daher in diesem Nachkriegs-Milieu unbehelligt seine perversen Veranlagungen ausleben. Frau Ulla Fröhling ist es in genialer Weise gelungen, mit psychologischen Erläuterungen aufzuzeigen, wie einfach es dieser irre Typ hatte, nicht nur Kinder, sondern auch scharenweise intelligente Menschen einzufangen und für seine kruden pseudo-christlichen Ideen zu begeistern. Nein, man hatte offensichtlich nichts gelernt aus der Existenz der Rattenfänger Dr. Goebbels, Adolf Hitler usw.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. April 2012
Wenn man nicht schon viel über die Colonia Dignidad gehört hätte, dann könnte man dieses Buch für Fiktion halten, so unfassbar ist die Darstellung der Lebensgeschichte von Gudrun und Wolfgang Müller. Mich faszinierte, dass diese beiden Menschen (und sicher auch noch andere), die so viel Furchtbares, gar unbeschreiblich Grausames erleben mussten, sich ihrer persönlichen Geschichte gestellt und sie (in diesem Fall) Frau Fröhling geschildert haben. Und das, ohne, dabei zu verrohen - ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Frau Fröhling hat daraus ein spannendes Buch gemacht, das sich zügig liest.

Man bekommt einen tieferen bzw. persönlichen Einblick in die "Kolonie der Würde", aber auch in die Zeit davor, als der Päderast Paul Schäfer seine "Schafe" in Deutschland um sich schaarte und dort den Aufbau seiner Sekte unter totalitärer Herrschaft begann. Interessant ist auch die Auseinandersetzung, warum gerade zu dieser Zeit doch einige Menschen, auf ihn reinfielen.

Das Cover empfinde ich als unpassend, das sieht nach einem Roman oder nach einem Ratgeber zur Trauerbewältigung aus, aber gut, was zählt schon das Cover.
0Kommentar| 40 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. Oktober 2013
Das Buch musste einfach auf den Markt. Es ist eine grausame Wahrheit, sehr peinlich für uns Christen geschrieben, aber wie heißt es so schön: "Die Wahrheit wird ans Licht kommen." Was wurde doch in den vielen Jahrhunderten von dem Bodenpersonal Gottes mit dem Wort Gottes, Schindluder getrieben, gemordet, gelogen, verdreht, betrogen, vergewaltigt......Das Gott trotzdem immer noch Gnade über uns ausgießt, dass beschämt mich tief in meinem Herzen. Aber ich bleibe nicht am Versagen der Menschen hängen, sondern wir sollen nicht auf Menschen schauen, sondern auf Jesus. Danken möchte ich diesen Zeitzeugen und Opfer, dass sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gingen.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 30. September 2014
Von der Autorin (Journalistin Ulla Fröhling) las ich vor einiger Zeit "Vater uns in der Hölle", welches sich um die Geschichte einer Frau mit dissoziativer Identitätsstörung (früher multiple Persönlichkeitsstörung genannt) erzählt. Die letzten Tage ging ich mit einer Freundin zusammen spazieren, wir kamen an einem Büchertauschschrank vorbei und mir fiel schnell dieses neuere Buch von Ulla Fröhling ins Auge. Eben weil ich die Verfasserin bereits kannte.

Beim anderen genannten Buch ("Vater uns in der Hölle") lag der Schwerpunkt auf der innerpsychischen Welt bzw. den Erfahrungen der zentralen Person. Bei "Mein geraubtes Leben" geht es viel mehr um die im Sozialen sich abspielenden Prozesse. Auch wenn es ein wenig auf die (realen) Leben von Wolfgang Müller und Gudrun Wagner fokussiert ist. Diese durchliefen seit ihrer Kindheit die Colonia Dignidad, kamen beide mit nach Chile, fanden später beide den Ausstieg.

Dieses Buch gefällt mir etwas besser als das "Konkurrenzbuch", wenn man es so nennen möchte. Es endet mit einem gewissen "Happy End". Insofern, als beide Hauptpersonen den Ausstieg fanden und heute ohne Angst leben können. Der Führer bzw. Gründer der Colonia Dignidad, Paul Schäfer verstarb 2010. Verrückterweise gibt es die Organisation in Chile bis heute. Dennoch kann man mit dem (relativen) Happy End besser aus dem Buch herausgehen als aus der Geschichte der Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung.

Zu Anfang jedes Kapitels wird mit ein paar Schlagwörtern jeweils benannt, was in der jeweiligen Zeit bzw. dem jeweiligen Jahr so in der Gesellschaft ablief (Musik, Kino, bekannte Zitate der Zeit). Das bettet die jeweiligen Handlungen auch nochmals in einen historischen gesellschaftlichen Kontext.

Bescheiden werden manchmal Erklärungsversuche mit in den Text mit eingebunden. Etwa, dass Menschen in einer komplexer werdenden Welt einfache Lösungen und Sinn suchten. Oder aber das Gemeinschaftsgefühl schätzten. Allerdings wird alles in allem vor allem nüchtern und neutral die Geschichte erzählt. Dabei muss die Autorin eine unglaubliche Recherchearbeit und Aufnehmen von Interviews auf sich genommen haben. Dafür kann man ihr garnicht genug danken!!!

Sie ist aber eben auch Journalistin und wer eher nach psychologischen Erklärungen rund um Sekten bzw. deren Mechanismen sucht, muss sich dementsprechend eher nach einem anderen Buch umsehen. Jedoch... finde ich allein den Umstand, dass und wie die Menschen in der Kolonie durchhalten, erstaunlich und mutmachend. Unter welchen Umständen Menschen überleben können... stärkt für mich immer den Glauben in die eigenen Möglichkeiten und relativiert die eigenen Probleme beträchtlich. Bzw. lässt einen (bzw. mich) auch sehr viel mehr schätzen, welche Möglichkeiten ich hier in Deutschland (außerhalb einer Sekte) lebend genießen darf.

Zuletzt zu sagen ist jedoch, dass das Domizil der Colonia Dignidad in Chile (auch in Folge wirtschaftlicher Not) heute weitestgehend geöffnet ist. Das gilt sowohl für die Möglichkeiten der Bewohner, Kontakte in die Außenwelt zu knüpfen als auch die Offenheit der Gruppe für Touristen usw.. Letztere sind heute die letzte Möglichkeit oder Hoffnung der noch verbliebenen Gruppe, ihr Leben dort zu sicher. Also zu über-leben. Am 28. Juni erschien per Zeit Online im Internet ein relativ aktueller Bericht mit dem Titel "Ausspannen im Folterlager" über den derzeitigen Stand der Colonia Dignidad in Chile. So wie es sich liest, sind die Misshandlungen aufgedeckt, die Gruppe - wie beschrieben - offen und das Grüppchen heute gänzlich anders als zu Lebzeiten des Gründers Paul Schäfer.
11 Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Oktober 2016
Es ist eine traurige Geschichte - aber sprachlich nicht gut geschrieben leider - ich konnte das Buch nicht zu Ende lesen weil so schlecht geschrieben
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden