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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
22
4,3 von 5 Sternen
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am 8. April 2014
Das Debütwerk von Nina Sahm enthält sicher interessante Ideen, wie die Frage nach der Anpassung an die Erwartungen der Mitmenschen und die Befreiung hiervon, das Ausscheren aus dem Alltag und Eintauchen in ein anderes Leben; die Überforderung, der im Koma liegenden besten Freundin die Treue und Zuwendung aus glücklichen Tagen zukommen zu lassen. Es spiegelt die menschlichen Schicksale und Tragödien der einzelnen Menschen wieder - und es hat einen gut gelungenen Schluss.

Der gesamte Roman liest sich über weite Strecken allerdings wie das aufgemotzte Tagebuch des völlig durchschnittlichen Lebens einer Mitzwanzigerin, wie ein laues Lüftchen weht es vorüber, ohne wirklich zu berühren. In vielen zähen Details wird der Leser zwar in die Alltagsatmosphäre mitgenommen, die Beobachtungen mögen die Erinnerungen des Lesers wachrufen, auch die Budapester Gegenwart ist in den Einzelheiten durchaus "maßstabsgetreu" abgebildet. Aber die Geschichte läuft oft dröge vor sich hin, da die zahlreichen unwichtigen Details wie Füllmaterial der Grundgeschichte zugefügt wurden. Ebenso wie die etwas zu bemüht über das Buch verteilten wissenschaftlichen Fakten, die dem Buch wohl etwas dem "Prädikat wertvoll" entgegenbringen sollten, dann noch ein bisschen Wissen aus dem ärztlichen Bereich, ein bisschen was aus der Welt der Backstube. Ferner eine milde Prise Sex und Politik. Letzteres hätte unter Umständen auch mehr Tiefgang verdient gehabt, wenn es schon einen nicht unwichtigen Teil des Romans einnimmt. Die tiefe politische Spaltung der ungarischen Gesellschaft wird nur angedeutet, Hintergründe bleiben nebulös. (Allerdings wäre es zugegebenermaßen schwierig, die problematische Lage der Demokratie in Ungarn in einem unterhaltsamen Roman im Einzelnen wiederzugeben. Es ist der Autorin natürlich unbenommen, hier eine bestimmte Sichtweise einzunehmen.)

Insgesamt Glückwunsch zum ambitionierten Erstlingswerk mit ordentlich Luft nach oben, vor allem, was die sprachliche Raffinesse anbelangt. (Ich wüsste auch gerne, wie es aussieht wenn die Hauptfigur erst einen Klinikhof, später auch eine Toilette "im Krebsgang verlässt". Rückwärts auf allen Vieren?)
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TOP 500 REZENSENTam 25. Februar 2014
bis in alle Zeit. Die von Laith Al-Deen wurden wohl nicht mit einer altmodischen Polaroid geschossen wie die von Annas und Kingas gemeinsamer Jugend, denn diese verblassen - aber noch sind sie da, vor allem im Herzen von Anna: Vergänglichkeit wie auch Beständigkeit sind wichtige Themen in diesem Roman, ebenso wie Verlust und Ersatz.

Anna aus München und Kinga aus Budapest sind Freundinnen, seit sie sich als Jugendliche am Balaton kennengelernt haben - beide machten dort Urlaub mit der jeweiligen Familie. Obwohl - oder vielleicht gerade weil - Annas Eltern strikt gegen diese Freundschaft waren, haben die beiden Mädchen engen Kontakt gehalten, hauptsächlich über Briefe. Doch nun liegt Kinga im Koma und ihre Eltern haben Anna benachrichtigt. Anna kommt nach Ungarn, wo sie seit den Balaton-Urlauben nicht mehr war und taucht ein in Kingas Leben, in das Leben der sinnesfrohen, lebenslustigen. "Das Leben der anderen" ist jetzt ihres und sie genießt es....

Ein mitreißend geschriebenes, spannendes, gut recherchiertes und kluges Buch, das ich nicht nur aufgrund seiner Kürze quasi in einem Zug durchgelesen habe. Ungarn im politischen Aufruhr, Anna im inneren Umbruch - ein Buch, das Widersprüche weckt, überlegen lässt, wie man selbst in dieser Situation handeln würde. Ein Buch über Freundschaft, Neid und Verrat, falsch verstandener Treue - das war es für mich. Auch wenn einige Aspekte ein bisschen unlogisch rüberkamen - so sprachen bspw. überraschend viele Ungarn überraschend gut Deutsch - wurde ich von der Handlung gefangen genommen, trotz oder gerade weil die Ich-Erzählerin Anna über weite Strecken nicht unbedingt als Sympathieträgerin auftritt - ebensowenig wie die bewusstlose Kinga. Aber sie haben ein ungeheuer sympathisches Umfeld, angefangen mit der ungeheuer atmosphärisch geschilderten Stadt Budapest über Kingas Freunde bis hin zu ihrer Familie. Ein kurzer Roman, in den man nichtsdestotrotz eintauchen, von dem man sich einfangen lassen kann - ein Genuss, den ich jedem Freund erfrischender neuer deutscher Literatur von Herzen empfehle!
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Dezember 2014
Anna aus München und Kinga aus Ungarn sind Freundinnen, seit sie sich mit 14 Jahren als Jugendliche im Urlaub am Balaton kennengelernt haben.
Über eine Brieffreundschaft halten die unterschiedlichen Freundinnen Kontakt. Anna ist die behütete, aber zurückhaltende Akademikertocher, die in ihrer Familie Wissen vermittelt bekommt, aber emotionales Familienleben eher vermisst. Die Ehe der Eltern zerbricht.
Kinga dagegen ist temperamentvoll, frühreif und sehr bestimmend. Überall macht sie ihre Polaroidaufnahmen und wechselt häufig ihre Freunde. Ihre Eltern sind arm, aber herzlich und lebensfroh.
Als Kinga 10 Jahre später nach einem Unfall ins Koma fällt, reist Anna nach Budapest und taucht ein in Kingas Leben. Sie wohnt bei ihren Eltern, benutzt ihre Kamera und lernt ihre Freunde kennen.

Dieser Roman erscheint mir wie ein Tagebuch, das allerdings durch verschiedene Erzählebenen abwechselnd eintaucht in die Vergangenheit und die Gegenwart Annas. So erfährt man näheres über die junge Frau, die eigentlich wenig eigene Ambitionen und Emotionen hat, aber neugierig die Ideen Kingas ausprobiert, weil sie selbst keine hat. Sie steckt noch in einer Art Selbstfindung, ihre Identität sucht sie in der ihrer Freundin Kinga.

Beschrieben wird eine Art Alltagsatmosphäre, die vor dem Hintergrund des politischen Umbruchs in Ungarn, der Zeit der Unruhen wegen des Orban-Regimes und der Protestbewegung statt findet. Diesen Umbruch scheint Anna innerlich durchzumachen. Doch sie ist nicht die treue Freundin, die ihre Zuneigung am Krankenbett zeigt, sie übernimmt die Lebensweise von Kinga. Da ist von Freundschaft eigentlich keine Spur. Später übernimmt sie auch noch Kingas Freund Tibor. Da hatte sie dann alle Sympathie bei mir verspielt.
Sie lässt sich treiben, ohne ein direktes Ziel vor Augen zu haben.
Ihr Verhalten ist ein Ausscheren aus ihrem eigenen Alltag in der Backstube in München. Ein Versuch, dieses in Ungarn als Kind empfundene Glück mit der Freundin wieder aufkommen zu lassen. Den Schluss finde ich sehr gelungen.

Gut gefallen haben mir die eingestreuten politischen Fakten über die Wirtschaftskrise Ungarns und zeitgeschichtliche Ereignisse. Diesen wird aber nicht weiter auf den Grund gegangen. Anna nimmt es fast unbemerkt zur Kenntnis. Hier wurde das Potential leider nicht ausgeschöpft.

Ein nachdenklich machender, unterhaltsamer Roman, der Freundschaft beschreiben will, aber nur die Suche nach einer eigenen Identität beschreibt.
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am 4. März 2014
*** ZUM INHALT: ***
Anna und Kinga lernen sich in einem Urlaub am Balaton kennen, als sie vierzehn Jahre alt sind. Zwei Mädchen, die unterschiedlicher kaum sein können. Anna, eher verschlossen und unsicher in ihrer Art, und Kinga, selbstbewusst und lebenslustig. Anna ist zwar wohlbehütet aufgewachsen, war aber stets gefangen in einem Netz von Regeln und Vorschriften, während Kinga vor Lebenshunger und Freiheit nur so sprüht. Auch nach diesen Ferien bricht der Kontakt zwischen den beiden Mädchen nicht ab und sie schreiben sich Briefe, in denen sie die Andere an ihrem eigenen Leben teilhaben lassen.

Zehn Jahre später erfährt Anna, dass ihre Freundin nach einem Unfall im Koma liegt und beschließt nach Budapest zu reisen. Es fällt Anna schwer, mit der Situation umzugehen. Kinga war für sie immer ein Vorbild, und deren Ratschläge und Tipps wie ein Wegweiser in ihrem eigenen Leben. Diesen Halt droht Anna durch die Krankheit von Kinga zu verlieren. Doch statt Kinga im Krankenhaus zu besuchen, taucht sie immer tiefer in Kingas Leben ein und übersteigt dabei nicht nur die Grenzen der Freundschaft.

„In einer Gruppe von Lebewesen überleben nur die Individuen, deren Gene sich besonders günstig an die bestehende Umwelt angepasst haben. Alle anderen kommen nicht durch. ... Siehst du, sagte mein Vater, das musst du dir merken.“ (Seite 10)

Ihre Gene kann Anna natürlich nicht ändern, aber Äußerlichkeiten und Lebensumstände sind variabel. .....

*** MEIN FAZIT: ***
Dieser Debütroman von Nina Sahm hat mich vom ersten Kapitel an gepackt. In klarer Sprache und in verschiedenen Zeitebenen wird man aus der Sicht von Anna durch die Geschichte geführt. Tief taucht man in die Gedankenwelt der jungen Frau ein und versucht dabei ihre Handlungen zu verstehen. Durch diese Erzählweise entsteht eine Stimmung, die ich als schwermütig und melancholisch bezeichnen möchte.

Der Roman überzeugt mit einem sehr geschickten dramaturgischen Aufbau, fasziniert mit seinen Einblicken in Annas Psyche, und lässt bis zum Schluss viel Raum für eigene Interpretationen und Gedanken. Als Leser ist man hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Empörung über Annas Vorgehensweise. Aber auch Kingas Charakter wirft bei Annas Erzählungen Fragen auf.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch, dass sogar politische Probleme und Geschehnisse eingearbeitet wurden. Insgesamt war dieses Buch für mich also eine hervorragende und sehr vielschichtige Leseerfahrung, die mich begeistert hat. Gerne vergebe ich hier fünf Sterne.
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TOP 500 REZENSENTam 24. November 2014
Hier gibt es wirklich viele begeisterte Stimmen zu diesem Buch. Ich kann das leider nicht nachvollziehen.

Anna aus München und Kinga aus Budapest treffen sich in den Ferien am Balaton als sie 14 Jahre alt sind. Und obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie Freundinnen, die sich noch Jahre später lange Briefe schreiben. Das ist schön, aber nicht außergewöhnlich.
Anna kommt aus einer Akademikerfamilie, wächst auf mit täglichen Quizfragen zum Allgemeinwissen, Bioprodukten und einem vorgezeichneten Lebensplan. Das ist anstrengend, aber kein grausames Schicksal.
In Kingas Familie gibt es Spaß, Liebe und Kuchen, wenn auch nicht viel Geld. Kinga ist lebenslustig, weiß, wie man Jungs verführt und macht immer und überall Polaroids. Das ist der eher bemühte Gegenentwurf zu Annas Hintergrund.
Zehn Jahre später liegt Kinga nach einem Autounfall im Koma. Kingas Eltern bitten Anna, nach Ungarn zu kommen. Anna packt die Koffer und bezieht das Gästezimmer von Kingas Eltern. Sie lässt sich treiben in Budapest, übernimmt Kingas Eltern, Kleidung, die Polaroidkamera und sogar ihren Freund.

Man erfährt nach und nach durch Erinnerungssequenzen Annas Lebensgeschichte, aber besonders aufregend ist die nicht. Auch ihr Aufenthalt in Ungarn bietet keine bemerkenswerten Geschichten. Sie vertreibt sich die Zeit und lernt ein paar Menschen kennen. Alltag. Immerhin anderer Alltag. Man bekommt einen lockeren Eindruck vom Leben in Ungarn während der Wirtschaftskrise und Unruhen wegen des Orban-Regimes. Das war ganz interessant, auch wenn die Thematik nur gestreift wird. Anna nimmt es nur verwundert zur Kenntnis.
Nach zwei Wochen schafft sie es erst, Kinga im Krankenhaus zu besuchen. Dass sie gekommen ist, um ihrer Freundin beizustehen, die im Koma liegt, scheint nicht mehr so wichtig zu sein. Sorgen macht sie sich keine.

„ Die gefährliche Versuchung, das Leben eines anderen zu leben.“ Das ist die Botschaft, die uns hier vermittelt werden soll und die wir freundlicher Weise schon vorab geliefert bekommen. Von gefährlicher Versuchung konnte ich aber nicht viel spüren. Keine Gefahr weit und breit. Da ist nur eine Frau, die wenig Ambitionen und wenig Emotionen hat, die unreflektiert Ideen anderer ausprobiert, weil sie selbst keine hat.
Auf den letzten 10 Seiten des Buches denkt sie zum ersten Mal nach.

Eigentlich hätte man hier ausreichend Stoff für dramatische Entwicklungen gehabt. Die stehen aber weitgehend ungenutzt im Raum und dienen nur dazu, Anna auf ein paar Ideen zu bringen, die man normalerweise mit 16 von ganz alleine hat.
Ein großes Konstrukt für ein eher harmloses Ansinnen, das mich zu großen Teilen gelangweilt hat.
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am 3. März 2014
Anna und Kinga lernen sich als Jugendliche im Urlaub am Plattensee kennen. Kinga ist unbesorgt, ein bisschen "frühreif", aber bestimmend, Anna hingegen ist sehr zurückhaltend, naiv ja kindlich. So unterschiedlich wie die beiden Mädchen sind auch die Eltern. Kingas Eltern sind herzlich und Annas "unterkühlt". Zum Abschied schenken Kingas Eltern Anna eine Sammlung von Polaroids, die Anna versteckt und die sie auch immer wieder an den Urlaub erinnert. Obwohl Annas Eltern den Kontakt untersagen, schreiben sich die Mädchen heimlich viele Jahre.
Zehn Jahre später fährt Anna nach Budapest, um Kinga nach einem Unfall zu besuchen. Alles verändert sich. Bis zuletzt spielen Polaroids eine Rolle in der Geschichte.

"Das letzte Polaroid" ist der Debütroman von Nina Sahm. Ein sehr gelungenes Werk. Die leichte gut verständliche Schreibweise nimmt den Leser sofort gefangen. Man taucht direkt in die Geschichte ein. Begleitet Anna in ein neues Leben mit Höhen und Tiefen. Die Autorin schafft es mit Worten die unterschiedlichen Charaktere, Ereignisse, Orte so zu beschreiben, dass man das Gefühl hat direkt dabei bzw. dort zu sein. Sie leitet den Leser an, seine Fantasie zu entfalten, eigene Schlüsse zu ziehen, zu spekulieren und ein eigenes Ende zu "erfinden". Ein leises beeindruckendes Buch, dass ich gerne weiter empfehle.
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„Das letzte Polaroid“ ist der Debütroman von Nina Sahm. Die Autorin erzählt darin von einer Freundschaft die im Urlaub zwischen zwei Mädchen im Teenageralter begann und nun nach zehn Jahren zu einer unvorhersehbaren Entwicklung in ihrer Bekanntschaft geführt hat. Über diese lange Zeit der Freundschaft haben Fotos, die mit einer Polaroid-Kamera aufgenommen wurden, die beiden über die räumliche Distanz hinweg begleitet. Die Fotos verblassen langsam wie auf dem Titelbild, doch die Erinnerungen bleiben.

Zu Beginn des 21.Jahrhunderts macht Anna aus Deutschland mit ihren Eltern Urlaub am Plattensee in Ungarn. Im Nachbarhaus wohnt die gleichaltrige Ungarin Kinga, die ebenfalls mit ihren Eltern von Budapest aus in die Ferien an den Balaton gekommen ist. Ein Tag genügt und es beginnt eine Freundschaft, die für beide einen ganz besonderen Anreiz hat. Kinga findet in Anna jemanden mit dem sie ihre kleinen Geheimnisse teilen kann und Anna lauscht staunend den Ausführungen von Kinga über deren erwachende Liebe. Von Annas Eltern wird die Freundschaft nicht gutgeheißen, doch gegen deren Verbot finden die beiden einen Weg auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. Zehn Jahre nach dem Urlaub erhält Anna, in deren Leben sich inzwischen einiges geändert hat, einen Brief von Kingas Mutter, die ihr schreibt, dass Kinga nach einem Unfall im Koma liegt. Kurz entschlossen macht sie sich auf den Weg nach Budapest. Doch aus ihrer Reise wird mehr als ihr Besuch am Krankenbett der Freundin. Immer mehr nimmt sie Plätze ein, die bisher von Kinga ausgefüllt wurden.

Anna ist in einem gut situierten Haushalt aufgewachsen. Ihre Eltern legen sehr viel Wert auf Sauberkeit und Wissenserwerb, doch Liebesbekundungen sind selten. Kingas Eltern sind viel unbesorgter, ihr Umgang miteinander ist herzlicher. Doch Anna hat keine andere Wahl als ihre Eltern nach dem Urlaub nach Hause zu begleiten. Der weitere Kontakt zu Anna ist ihre erste Auflehnung gegen ihre Eltern auf dem Weg zum Erwachsensein und zu ihrer Selbstfindung, ihre Berufswahl ist eine weitere. Lediglich einmal haben Anna und Kinga sich in den ganzen Jahren bis zum Unfall getroffen. Anna, die inzwischen deutlich gereift sein sollte, bewundert Kinga und kommt sogar deren Wunsch nach als sie Anna zu einem ersten Mal verhilft. Die Schilderung fand ich unrealistisch und zu Anna unpassend.

Als Anna spontan nach Budapest reist trifft sie hier auf den Alltag von Kinga, den sie nur aus den Briefen kennt und auf eine Stadt, die sich aktiv in Auflehnung zur gegenwärtigen Regierung befindet, darunter auch der Vater ihrer Freundin. Obwohl Anna in der Ich-Form erzählt, erfährt man als Leser wenig über die Gründe für ihr gegenwärtiges Handeln. Das lässt Platz für eigene Interpretationen. Immer mehr nimmt sie den Platz von Kinga ein. Doch wie in allen menschlichen Beziehungen gibt es immer zwei Personen die für die Fortführung des Miteinanders verantwortlich sind. Es war für mich zwar verständlich, dass Anna Freude daran findet, die Rolle der von ihr bewunderten Kinga einzunehmen, doch dass Kingas Eltern und Kingas Freund sie so eng in ihr Leben holen, kann ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen.

Glaubte ich Anna durch ihre Erinnerungen näher zu kommen, so rückte sie durch ihr Handeln in der Gegenwart wieder von mir ab und konnte mir nicht sympathisch werden. Die Randfiguren waren interessant beschrieben. Der Reiz der Geschichte war für mich die wunderbare Freundschaft und der Zusammenhalt der Freundinnen über Grenzen und Jahre hinweg. Insgesamt eine nette Geschichte, aber für mich kein Highlight, darum 3,5 Sterne
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am 1. März 2014
Das letzte Polaroid ist das Debüt der jungen Autorin Nina Sahm, die einen interessanten, leisen und Fragen aufwerfenden Roman schrieb über Charaktere, Freundschaften, Anpassung und das Selbst-sein.

Anna und Kinga lernen sich am Balaton kennen, als sie 14 Jahre alt sind. Kinga ist Ungarin aus einfachen, aber sehr schönen Verhältnissen. Anna stammt aus einer erfolgreichen und wohlhabenden Familie. Die Freundschaft ist somit zumindest auf einer Elternseite unerwünscht, dennoch raufen sich die Mädels zusammen – auch trotz oder gerade wegen ihrer charakterichen Unterschiede.

Das ist der Beginn der Geschichte. Das Buch wird abwechselnd erzählt – es wird die aktuelle Gegenwart (Kingas Unfall und Anna in Ungarn) beschrieben als auch Episoden der Freundschaft damals vor 10 Jahren, als Anna und Kinga sich kennenlernten. Die Übergänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind fließend, aber sehr gut gemacht und sehr schön gestaltet. Man erfährt so Stück für Stück mehr von der Geschichte, bis es sich zu einem Ganzen zusammensetzt.

Der Stil ist sehr angenehm zu lesen und die Charakterstudie wirklich gut gemacht. Es ist ein leises Buch, dessen Stil darin besteht, bei der wörtlichen Rede die Anführungszeichen etc. wegzulassen – was dem Buch sehr zu gute kommt.

Das Ende ist abgeschlossen und offen zugleich und lässt einen nachdenklich zurück. Über die Geschichte hinweg ist man konfrontiert mit einer Vielzahl an Problemen. Interessant fand ich neben den Charakterentwürfen und der Geschichte von Kinga und Anna auch die jüngere politische Lage in Ungarn. Es wird sehr gut ins Buch eingebaut und bringt nicht nur die Geschichte voran, sondern auch den Leser.

Insgesamt also ein wirklich empfehlenswertes Debüt, dass den Leser mit einigen Punkten konfrontiert und mit Fragen zurücklässt, über die man noch eine Weile nachdenken kann.
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am 7. März 2014
Anna ist vierzehn, als sie bei einem Familienurlaub am Balaton Kinga kennenlernt - und durch sie eine ganz andere Art zu leben und lieben. Auch wenn ihre Begegnung nur ein paar Tage andauerte, entsteht daraus eine 10jährige Brieffreundschaft. Als Kinga verunglückt und im Koma liegt, ist Anna sofort zur Stelle - und nun ?

Scheinbar nahtlos gehen in diesem Roman die Übergänge zwischen Vergangenheit, Erinnerungen und der Echzeit ineinander über, fließend, aber dennoch deutlich zu erkennen und abgegrenzt. Ein Widerspruch ? Nein, Nina Sahm gelingt es sehr gekonnt hier eine packende Geschichte aus Sicht der Protagonistin Anna zu erzählen, uns mitzunehmen auf eine Reise, eine Lebensgeschichte, eine Suche, die sich über mehr als 10 Jahre hinzieht.

Der Sprach- und Schreibstil von Nina Sahm hat ein absolut hohes Niveau, ohne unverständlich zu sein, im Gegenteil. Man taucht regelrecht ein in eine Geschichte, die anders ist als andere. Die einen schon nach den ersten Seiten gefangen nimmt und die einen auch nach dem zuklappen der Buchtitel nicht sofort wieder loslässt. Eine Geschichte, die man gerne weiter spinnen, weiter raten, weiter sinnierieren, weiter fragen, weiter denken möchte.

"Das letzte Polaroid", und damit auch die Polaroidkamera, die in dem Roman eine große Rolle spielt, wecken nostagische Erinnerungen an die Zeit der Sofortbildkamera. Es ist auch ein Sinnbild für das Festhalten von Erinnerungen und ein Betrachten von Erinnerungen, so wie es Anna hier mit ihren Erinnerungen tut.

Hervorheben muss ich aber noch die vielen, vielen (un-)nützlichen Weisheiten, die die Autorin hier zusammengetragen hat und Anna und ihrem Vater in den Mund gelegt hat. Sie erheitern, gefallen, lassen den Leser schmunzeln und den Kopf schütteln, verleihen dem Roman aber eine humorige Note, die das ganze Abrunden zu einem tollen, nachdenklichen und empfehlenswerten Buch!
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am 27. Februar 2014
Ihr erster Kontakt war ein Kirschkern, den ihr Kinga an den Kopf spukte. Beide 14 jährig während eines Sommers am Balaton. Anna mit ihren Eltern im Ferienhaus, aus gutem Hause, nebenan Eva, Csaba und eben Kinga, ihre Nachbarn, die sie mit Gast - und Freundlichkeit begrüßten.
Die gemeinsamen Erlebnisse waren für Anna Befreiung und Spaß, ein Ausbruch aus ihrer sterilen Welt.
Und so entstand auch das erste Polaroid.
Mit Zitronenbonbon im Mund, geflochtenen Zöpfen, Arm in Arm und mit fletschenden Zähnen, zwei ausgelassene Lebenshungrige.
Daran erinnert sich Anna zehn Jahre später. Evas Brief, mit den wenigen aber dennoch wirksamen Zeilen, dass sie von einen auf den anderen Tag die Koffer packt, nach Budapest fährt, um an Kingas Seite zu sein.

Anna, die für Eva schon immer mehr Zuneigung empfand , wie eine Mutter war, die sie sich wünschte.
Ihre hatte sich abgewandt, ihren eigenen Plänen folgend. So findet sie bei Kingas Eltern Zeiten der Erinnerung, aber auch den Schmerz der Eltern, jeder auf seine Art damit umgehend, denn Kinga liegt nach einem Unfall im Koma.
Anna beginnt mit dem Leben von Kinga zu verschmelzen, ändert ihr Äußeres, lernt ihre Freunde kennen.

“ Vielleicht bedeutet Zuneigung gerade, dass man sich den anderen zuliebe auch mal verstellen konnte.”
(S.74)

Es ist aber gleichzeitig auch eine Zeit der Veränderung, des Aufbegehrens eines Landes.

Die Vermischung der einzelnen Handlungen ist wie die Einstellungen einer Kamera.
In ihr findet sich die Unsicherheit Annas, mit den politischen Veränderungen wieder.
Jeder muss seinen Platz finden, sich seiner Verantwortung stellen, lernen er selbst zu sein, um einzugreifen, sich treu zu bleiben.
Nina Sahm vermag, mit ihrer fast schon poetischen Sprache, zu verzaubern, Blickwinkel zu offenbaren,
die ein tolles Lesererlebnis versprechen. Ihre Figuren erzeugen unterschiedliche Sympathiepunkte, ihre Momentaufnahmen sehr bildhaft.
Für mich eine viel versprechende Autorin, die sicher schnell ihre begeisterten Leser findet.
Ein sehr lesenswert von mir!
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