Sale Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle JustinTimberlake BundesligaLive wint17

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
13
Das Leben ist groß: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:5,98 €+ 3,00 € Versandkosten


TOP 500 REZENSENTam 15. Februar 2013
'Einmal, in Norwegen, habe ich fünfzehn Züge vorausgedacht, aber es hätte einen viel einfacheren Weg zum Sieg gegeben, und den habe ich übersehen. Sich zu sehr auf die Zukunft zu konzentrieren kann lähmend sein, habe ich festgestellt.'

Inhalt:
Die Amerikanerin Irina Ellison hat eine sehr genaue Vorstellung davon, wie ihr Leben verlaufen wird: ihr Vater litt an Chorea Huntington, ist nach 18 qualvollen Jahren gestorben, und Irina erwartet das selbe Los.

Nach dem Tod ihres Vaters stößt sie auf eine Kiste voller Zeitungsartikel über den Schachweltmeister Alexander Kimowitsch Besetow, auf eine Kopie eines Briefes, den ihr Vater an Besetow geschrieben hatte, sowie das recht nichtssagende Antwortschreiben einer gewissen Elisabeta Nasarowna.

Irina möchte die Antworten bekommen, die ihr Vater nie erhalten hat, und macht sich auf den Weg nach Russland, um Besetow zu finden.

Mein Eindruck:
Man möchte kaum glauben, dass es sich bei 'Das Leben ist groß' um das Erstlingswerk einer nicht einmal Dreißigjährigen handelt, denn 'Das Leben ist groß' besticht nicht nur durch eine anspruchsvolle Sprache, sondern auch durch eine überzeugende Charakterisierung der Protagonisten, wobei besonders die Hauptfiguren Alexander Besetow und Irina Ellison so authentisch gezeichnet worden, dass man regelrecht an ihrem Leben und ihrer Geschichte Teil hat.

Auch der Perspektivenwechsel (Alexanders Geschichte versus Irinas Geschichte) hat mir sehr gut gefallen, zumal die einzelnen Kapitel so lang waren, dass man sich wirklich auf die Erzählstränge einlassen konnte. Hervorragend gelungen sind auch die Beschreibungen des Lebens in der UdSSR bzw. in Russland nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs sowie die detaillierten Darstellungen einzelner Schachpartien.

Mein Resümee:
'Das Leben ist groß' erzählt von Siegen und Niederlagen, von Krankheit und Tod, von Schach und Politik, von Vertrauen und Verrat, von Sinnlosigkeit und Sinnfindung, von der Bürde des Wissens um die eigene Zukunft, von den Belastungen der Vergangenheit, von Angst und Verzweiflung.

Dieser wunderbare und berührende Roman ist sicherlich eines meiner Lesehighlights 2013!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 5. Juli 2013
Zuerst dachte ich: Ach Du meine Güte! Noch so ein zähes Buch über einen totsterbenskranken Menschen, der den Rest seines kurzen Lebens mit der finalen Sinnkrise und der verständlichen Frage "Warum ich?!" verbringt.
Jeniffer Dubois jedoch fackelt nicht lange und nimmt Dich in ihrem Erstwerk mit in das sonderbare Leningrad von damals und das St.Petersburg von heute und besitzt zuletzt das Herz, die Hauptheldin nicht dahinvegetieren und dann krepieren zu lassen sondern... das lesen Sie am besten selbst denn spoilern ist blöd.
Irina Ellison ist totkrank, beschreibt sich selbst als nicht hübsch oder auch nur ansehnlich. Sie ist weder symphatisch noch irgendwie auffällig und folgt einer seltsamen Idee.
Alexander Besetow ist Nachwendegewinner in der Post-Sowjet-Ära, völlig desillusioniert und folgt einer, für neurussische Verhältnisse, plausiblen politischen Idee.
Das Buch ist sehr gut geschrieben. Stilsicher schenkt uns Jeniffer Dubois kleine Weisheiten, gewollte Kargheiten, Schilderungen von unerfüllter Liebe sowie ihren Blick auf die heutigen Verhältnisse in Russland. Gekonnt läßt sie die Leserinnen und Leser an den speziellen Stimmungen in Leningrad/St.Petersburg teilhaben wenn sich Irina oder Alexander durch die Stadt bewegen oder spazieren gehen, so dass ich glauben möchte, Jeniffer Dubois muß einfach selbst eine Zeit lang in Russland verbracht haben...
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 11. Mai 2013
Nach diversen Rezensionen habe ich mir mehr von dem Buch erwartet. Gespannt war ich vor allem darauf, wie die Autorin und die Protagonistin mit der entscheidenden Frage umgehen, die die Richtung des Buchs vorgibt - wie weitermachen, wenn der Sieg unmöglich ist? Da diese Frage der rote Faden für das ganze Buch ist, fand ich die Auflösung zum Schluss enttäuschend und trivial. Die Autorin und die Protagonistin haben es sich aus meiner Sicht mit dem Ende zu leicht gemacht. Das Ende hat quasi verhindert, dass die Frage tatsächlich beantwortet werden musste, das Schicksal ist der Protagonistin gnädig zuvor gekommen. So viel Glück hatte ihr Vater nicht, und so viel Glück, wenn man es denn als solches bezeichnen will, haben wahrscheinlich auch die wenigsten Menschen, die im wirklichen Leben in einer ähnlich schwierigen Situation wie Irina sind, nicht.

Eine interessante Lektüre war das Buch trotzdem, aber nachhaltig beeindruckt hat es mich nicht.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 10. November 2013
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir; man merkt, dass sie schreiben gelernt hat,eine gute Beobachterin ist und meines Erachtens sicher selbst Russisch spricht.Dafür gibt es auch den "halben Stern" dazu, denn das macht die Handlung authentisch.Die Geschichte ist interessant und spannend erzählt, solange bis sich Irina und Alexander tatsächlich treffen. Das passiert ungefähr auf S.300( von 440 Seiten ). Danach passiert nicht mehr viel an Handlung.Das letzte Drittel ist mir zu philosophisch, obwohl logisch und realistisch dargestellt.Es geht jetzt im Prinzip - ein bisschen zu vordergründig - nur noch um die Antwort auf die Frage, was man machen soll, wenn man weiß, dass man sowieso verliert.Der Leser sieht quasi Irina beim Denken zu.Gut ist,dass es verschiedene Varianten dieser Antwort gibt. Das Ende ist -... realistisch.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 11. März 2013
Irina ist 22, als sie ihre Diagnose erfährt: Sie hat noch etwa 10 Jahre, bis sie erst die physische, dann die geistige Kontrolle über sich verlieren wird. Ihr Entschluss steht fest: Sie wird niemandem zumuten, sie zu pflegen und ihrem Verfall zuzuschauen. Und so bricht sie, als der Stichtag sich nähert, alle Brücken hinter sich ab und reist nach Russland, um Alexander zu suchen. Ihr an der gleichen Krankheit verstorbener Vater hat Alexander vor langer Zeit einen unbeantworteten Brief mit einer Frage geschrieben: Wie mache ich weiter, wenn die Niederlage unabwendbar ist? Irina will Alexander mit dieser Frage konfrontieren, die längst ihre eigene geworden ist.

Alexander ist 22, als er Schachweltmeister wird - wie Kasparow, der als Vorlage für die Figur diente. Während seiner Zeit in der Schachakademie in Leningrad gerät er, mehr zufällig als aus persönlicher Rebellion, in eine Dissidentenzelle und verstrickt sich in vermeintliche Schuld. Dann heiratet die Frau, die er liebt, einen anderen, und Alexander gibt auf: Er lässt sich von der Partei als Vorzeigefigur vereinnahmen, löckt zwar hin und wieder gegen den Stachel, lebt aber nur noch für sein Ziel, Schachweltmeister zu werden. Im Moment des Sieges fällt er ins Leere und muss seinem Leben einen neuen Sinn geben. Seine Geschichte fängt hier eigentlich erst an.

Die zwei Handlungsstränge dieses Romans laufen zunächst parallel, und das Schachspiel ist offenkundig das Leitmotiv nicht nur für den Inhalt, sondern auch die Struktur des Romans. Natürlich hat - im Schach wie im Leben - jeder Zug Konsequenzen. Da wir Irina aus der Ich-Perspektive wahrnehmen und Alexander aus der personalen Perspektive, entsteht beim Leser so etwas wie Jagdfieber: Abwechselnd, wie beim Schach, steigen wir Zug um Zug ein in Alexanders und Irinas Lebensgeschichte, bis beide Stränge in die Gegenwart münden und Irina Alexander - zunächst indirekt durch Freunde und Bekannte - immer näher kommt. Alexander ist der König, der Zug um Zug eingekreist wird, bis Irina ihn über die Dame - Alexanders Frau Nina - stellen kann.

Die Figuren sind bis in die Nebenfiguren subtil ausgestaltet; sehr gelungen zum Beispiel die pragmatische Nina. Wir sind ihnen sehr nah, Irina perspektivbedingt näher als Alexander. Aus dem vagen Alexander ist in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Persönlichkeit geworden, die ihre Intelligenz und ihren klug erworbenen Reichtum in den Dienst der Regierungsopposition gestellt hat. Er hat sich als Präsidentschaftskandidat gegen Putin aufstellen lassen, arbeitet an einem subversiven Film und weiß nicht nur, dass er nicht gewinnen kann, sondern muss auch fürchten, deswegen umgebracht zu werden. Sein Leben ist dadurch auf seine luxuriöse Wohnung beschränkt, seine Ehe unglücklich. Trotzdem macht er weiter und weiß selbst nicht, warum.

Als Alexander und Irina aufeinander treffen, lernen beide etwas daraus: Für ihn relativiert sich seine Situation, als er Irinas Lage versteht. Für Irina ist er jemand, der die Antwort auf ihres Vaters Frage vorlebt, und hier haben wir auch den Bezug zum Titel. Irina gelingt es durch ihn, sich dem Leben wieder ein wenig zu öffnen. Für beide, Alexander und Irina, gibt es ein Happy End. Dies ist kein Spoiler! Das Happy End von Irina ist eins der traurigsten, das ich je gelesen habe.

Das alles ist harter Stoff, aber in eine so schöne Sprache gefasst, dass es ein Vergnügen ist, den Protagonisten in ihre melancholische Welt zu folgen. Jennifer Dubois` Sprache ist voller schöner Metaphern und Vergleiche, voller kluger Sätze. Weniger poetischen Naturen mag das manchmal zu viel werden. Aber lässt man sich darauf ein, eröffnet sie dem Leser mit wenigen Worten ganze Panoramen: "Draußen tippte der Schnee mit weißen Fingern an die Fensterscheibe." Oder: "Über mir türmten sich die Wohnungen wie Klippenkolonien". Zwei Beispiele von vielen.

Kleine Schwäche des Romans: Der Brief als Prämisse der Geschichte überzeugt nicht: Warum glaubte Irinas Vater, Alexander könne ihm eine Antwort geben? Zu der Zeit, als der Brief geschrieben wurde, war Alexander noch das ziellose Schachgenie, nicht die Ikone der Dissidenten, die er später sein würde. Ich habe die Prämisse einfach als Setting für die große Frage akzeptiert, die die Autorin inszeniert. Die letzten beiden Seiten dann waren aus meiner Sicht überflüssig. Alles, was die Autorin hier sagt, hat sie bereits gesagt, und besser. Vielleicht hätte sie stärker auf den Leser vertrauen sollen, oder auf ihre eigene Wortmacht.

Im Grunde geht es in diesem Roman um keine geringere Frage als die, wie wir mit dem Wissen um unsere Sterblichkeit umgehen. Irina und Alexander haben kein anderes Problem als Sie oder ich, es stellt sich ihnen lediglich ein bisschen direkter. Die junge Autorin unternimmt es in ihrem erstaunlich reifen Debütroman, hierauf eine Antwort anzubieten, ohne sich ins Religiöse zu flüchten.

Von mir für dieses Buch - trotz kleiner Schwächen - eine ganz klare Leseempfehlung.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 26. März 2013
Irina ist eine amerikanische Dozentin, die nach einem Test die traurige Gewissheit bekommt, dass sie an der gleichen Krankheit erkranken wird, wie ihr Vater. Bei dieser Krankheit ist ziemlich klar abzusehen, dass die ersten Zeichen des geistiges Zerfalls in einem bestimmten Lebensalter auftreten werden. Von diesem Zeitpunkt an ist der fortschreitende Prozess in ein Leben ohne Selbstbestimmung und in Abhängig von anderen Menschen vorprogrammiert.

Irina möchte es ihrem nahen Umfeld nicht antun, ihr bei diesem Zerfall zusehen zu müssen und beschließt fortzugehen.

Ihr Vater war, zu Zeiten in denen die Krankheit bei ihm noch nicht ausgebrochen war, ein begeisterter Schachfan. So verfolgte er damals zusammen mit seiner noch kleinen Tochter Irina das Weltmeisterschaftsspiel mit dem jungen russischen Großmeister Alexander Besetow. Nach dem Tod ihres Vaters findet Irina die Abschrift eines Briefes von ihm an Besetow, in dem er den Schachweltmeister fragt, wie man eine Partie fortsetzt, wenn man doch schon absehen kann, dass man sie verlieren wird.

Eine persönliche Antwort von Besetow hat Irinas Vater nicht erhalten. Irina, die sich nun mit der gleichen aussichtslosen Lebenssituation konfrontiert sieht, beschließt ins ferne Russland zu reisen, um dort den Kontakt zu Besetow, der inzwischen ein aktiver Oppositionspolitiker ist, zu suchen.

Mit "Das Leben ist groß" ist Jennifer DuBois ein erstaunliches Erstlingswerk gelungen. Sicher keine leichte Lektüre für ein schnelles Lesevergnügen, sondern vielmehr ein tiefsinniges, geschickt konstruierte Buch. Neben der Frage, nach dem richtigen Umgang einer absehbarenund limitierten Lebenserwartung, erfährt man als Leser viel über die politischen Umstände eines vom angeblich lupenreinen Demokraten Putin beherrschten Russlands. Das Buch liefert keine Antworten auf dem Silbertablett, stattdessen ist der Leser gefordert, seine eigenen Schlüsse in Bezug auf die Kernfragen des Buches zu ziehen.

Sprachlich ist das Buch sehr ausgereift, wie es kaum von einem Debutroman zu erwarten ist. Dubois versteht es hervorragend mit einer sorgfältigen sprachlichen Komposition, Bilder, Atmosphäre und Gefühle beim Leser hervorzurufen.

Wer sich für das Russland der vergangenen 30 Jahre bis heute interessiert und zudem bereit ist, sich auf die Tiefe des Buches einzulassen, dem sei es wärmstens empfohlen.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 20. Mai 2013
"Ich bin nicht bereit zu sterben. Noch lange nicht. Mir ist noch nicht einmal die Tatsache langweilig geworden, dass die Erde eine Kugel ist."(407)

Irina leidet an Chorea Huntington, einer Krankheit, die das Leben hinterrücks auslöscht, schleichend und absolut schonungslos, die den Kranken seines Ichs beraubt und ihn letztendlich tötet. Irina weiß, was sie erwartet, litt doch schon ihr Vater an dieser Erkrankung und musste sie beobachten, wie er nach und nach seine geistigen Fähigkeiten und die Kontrolle über seinen Körper verlor.
Ihr Vater, der ihr alles bedeutete, war großer Bewunderer des jüngsten Schachweltmeisters aller Zeiten - Alexander Besetow. Ihm schrieb er vor langer Zeit einen Brief, in dem er im Angesicht seiner Krankheit uns seines allmählichen Verfalls eine für ihn essentielle Frage stellte: Wie weiterleben, wenn die Niederlage unausweichlich ist? Was tun, wenn man eigentlich schon verloren hat?
Nie hatte er eine Antwort erhalten und so macht sich Irina, als auch für sie diese Frage immer drängender wird, auf den Weg nach Russland, um sie von Alexander Besetow selbst zu erhalten.

Jennifer DuBois schreibt mit "Das Leben ist groß" ein ganz beeindruckendes Debüt. Beeindruckend reif, beeindruckend dicht, beeindruckend eloquent, nachdenklich stimmend, sensibel, beeindruckend in der Sicherheit ihres ebenso komplexen und fordernden wie bisweilen poetischen und immer ausgesprochen klang- und bedeutungsvollen Stils. Beeindruckend aber auch in der Informationsdichte, die dieses Buch für den Leser bereithält.

Auf zwei Erzählebenen, geschickt konstruiert und sich erst im Verlauf des Buchs langsam miteinander verschränkend, begleitet der Leser Irina auf ihrer genauso verzweifelten wie beinah resignierten Reise nach Russland, in die schmerzhafte Einsamkeit, in die Wut auf ihre Krankheit. Er begleitet aber auch Alexander Besetow auf seinem Weg zum Weltmeistertitel im renommierten Schachspiel, durch die verschiedenen Regimes und Ränkespiele der Macht in seiner Heimat, durch Ideologiekämpfe, Selbstzweifel und politisches Engagement.

Hochkomplex erzählt Jennifer DuBois das Leben ihrer beiden so unterschiedlichen Protagonisten - inhaltlich komplex, aber auch sprachlich komplex. Ihr Stil bietet dem Leser einen ausgesprochen intensiven wie eleganten Lesegenuss, der allerdings dessen volle Aufmerksamkeit einfordert. Für diese Aufmerksamkeit belohnt "Das Leben ist groß" aber über alle Maßen.

Jennifer DuBois' kritischen, intelligenten, einfühlsamen und grandios geschriebenen Debütroman habe ich sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen. Er erhält einen Ehrenplatz in meinem Regal, die vollen fünf Sterne nebst einer uneingeschränkten Leseempfehlung sowie den Sonderstatus des besten Buchs, das ich bislang in diesem Jahr gelesen habe.

Das Leben ist groß - wahrhaftig groß.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 5. März 2013
Die Handlung des Romans "Das Leben ist groß" beginnt in Leningrad der frühen 80er Jahre. Alexander Besetow, ein genialer Schachspieler, lässt sich vom Luxus verführen und gibt seine politischen und moralischen Ideale zugunsten des Kommunismus auf.
Parallel zu Alexanders Geschichte wird Irinas Schicksal dargelegt, die in Cambridge im Jahr 2006 lebt. Bei Irina wurde Chorea Huntington diagnostiziert, eine unheilbare Krankheit, die bereits ihren Vater tötete.
Irina findet nach dem Tod ihres Vaters einen Brief, den dieser viele Jahre zuvor an Alexander Besetow gerichtet hatte, der jedoch nie beantwortet wurde. Darin geht es um die alles entscheidende Frage: Wie weiterleben, wenn die Niederlage unausweichlich ist?
"Das Leben ist groß" hat mich wahnsinnig berührt und ergriffen! Nach einem etwas für mich sperrigen Anfang kam ich sehr schnell in einen Lesefluss und konnte dieses wundervolle Buch gar nicht aus der Hand legen! Ein sehr sanfter und feinfühliger Roman, der mich immer wieder überraschen konnte! Einfach nur grandios!
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 26. Februar 2013
Zunächst einmal ist es unglaublich, dass dieses Buch das Erstlingswerk einer so jungen Autorin (knapp 30) ist! Die Sprache ist so ausgereift, anspruchsvoll und voller schöner, treffender Bilder, dass ich fast sprachlos vor Bewunderung bin. Auch die Geschichten von Irina und Alexander, die sich zeitlich einander annähern und schließlich zusammengeführt werden, sowie der Schauplatz in St. Petersburg haben mich absolut überzeugt. Ich bin in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen und empfand die Beschreibungen von Russland, seinen Menschen und ihren Geschichten als sehr authentisch und gut eingefühlt. Spannend fand ich besonders die Vermischung von Realität und Fiktion: Seien es die Parallelen zur heutigen politischen Situation (so kommt Putin als reale Person vor) oder aber die Figur Alexander Besetow, die viele Parallelen zu Garri Kasparow aufweist. Insgesamt ein runder, sprachlich sehr schöner, melancholischer und kluger Roman, der mich neugierig auf weitere Werke der Autorin macht und einen kleinen Teil dazu beigetragen hat, dass wir im Sommer tatsächlich zum ersten Mal nach St. Petersburg reisen werden - die Reise ist gebucht! :-)
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 17. Februar 2013
Zum Inhalt:

Die dreißigjährige Irina ist Dozentin in Cambrigde. Sie weiß, dass ihr Leben auf wackeligen Füßen steht, denn sie hat Chorea Huntington. Schon ihr Vater starb an dieser grausigen Krankheit. Mit der Gewissheit des baldigen Bewusstseinsschwindens, will sie so nicht leben. Auf keinen Fall möchte sie, wie ihr Vater, im Pflegeheim dahinsiechen.

Freundschaften ist sie schon lange nicht mehr eingegangen, immer wieder hat sie das Bild der unkontrollierten Zuckungen der Gelenke vor Augen, wie sie sie bei ihrem Vater beobachten konnte.

Doch dann verliebt sie sich in Jonathan, als er sie dann bittet, mit ihr zusammenzuziehen, flieht Irina. Sie fliegt nach Russland und lässt ihr bisheriges Leben hinter sich. Ein Brief ihres Vaters im Gepäck, den er an Alexander Besetow den großen Schachweltmeister schrieb. Sie möchte die Frage beantwortet wissen, die er Alexander stellte: Wie weiterleben, wenn die Niederlage unausweichlich ist?

Auf der anderen Seite begegnen wir Alexander Besetow, dem Schachwunderkind, der seit seinem vierten Lebensjahr nichts anderes will, als Weltmeister werden. Wir begleiten ihn über Jahre und erfahren, wie ihm das Leben zusetzte. Arm und unwissend stürzt er sich in Leningrad in Schachpartien an der Akademie, die er alle gewinnt. Als er sie dann verlassen muss, weiß er eigentlich nichts mit sich anzufangen.

Er beginnt geheime Flugblätter zu verteilen, die seine drei angeblichen Freunde in ihrer Wohnung drucken. Iwan, der „Anführer“ stirbt dann durch einen ominösen Unfall und nun bricht Alexander's Welt aus den Fugen. Was soll er tun? Die KGB tritt an ihn heran und bietet ihm ein luxuriöses Leben und vor allem Schachpartien an, wird er diesem Kuhhandel zustimmen?

Wie sich die beiden Erzählstränge zu einem großen Ganzen verbinden, erfahren wir in einem absolut interessanten Buch.

So mehr werde ich jetzt nicht verraten. Lest selbst.

Fazit:

Der Autorin Jennifer Du Bois gelingt es sofort, mich in den Bann ihres Buches zu ziehen. In bildgewaltiger Sprache schreibt sie hier. Immer wieder habe ich Gänsehaut und lese die Sätze ein zweites Mal. Ihre Wortauswahl ist gigantisch, sensationell, die Sätze einfach nur unglaublich lesenswert.

Die Charaktere, die uns hier begegnen sind mit sehr viel Gefühl beschreiben, so dass man tatsächlich meint, sie stehen genauso vor einem.

Die Geschichte von Irina wird hier in der Ichform erzählt. Irina, die mir anfangs etwas zu wehleidig rüber kommt, wächst mir doch im Laufe des Buches sehr ans Herz. Sie lernt ihr Leben zu leben, auch mit der Gewissheit, dass die Krankheit sie einholen wird. Sehr überzeugend kommt ihre Geschichte rüber und ich kann nur sagen, wow. Interessant, herzzerreißend und absolut gefühlvoll erzählt. Ich hatte so manche Träne im Auge und wollte Irina drücken und über ihr Haar streicheln.

Alexander ist mir sofort sympathisch und ich begleite ihn bei jedem Schachspiel. Ich schaue über seine Schulter und erlebe jeden Zug live mit. Ich leide und trauere mit ihm, aber manches Mal möchte ich ihn auch schubsen und sagen, mach das nicht, lass die Finger davon. Es ist gefährlich.

Auch die anderen Charaktere werden toll beschrieben, so dass das Gesamtbild absolut stimmig ist. Die Schilderungen zu den Orten sind absolut bildlich, auch hier bin ich voll gefangen in den Beschreibungen.

Alles in Allem ein unglaubliches Buch. Ich kann es kaum in Worte fassen, ich bin beeindruckt von diesem Debüt und kann hier nur eine absolute Leseempfehlung geben. Aber Vorsicht, einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören zu lesen. Manche Sätze sind so beeindruckend, dass man sie immer und immer wieder lesen möchte.

Hier kommen von mir unglaubliche 5 Sterne, eigentlich reicht das gar nicht aus.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden