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TOP 500 REZENSENTam 22. Juli 2011
Sabrina Janesch legt mit "Katzenberge" einen beachtenswerten Debütroman vor. Sie erzählt einerseits die Geschichte der Nele Leipert, die sich selbst als in Deutschland angekommen betrachtet, von den Deutschen und den Polen jedoch immer wieder der anderen Seite zugeordnet fühlt. Viele der beiderseitig gängigen Vorurteile werden angesprochen und mit den dazugehörigen Klischees ad absurdum geführt. Die Autorin erzählt aber gleichzeitig die Lebensgeschichte von Neles Großvater. Mit Neles Reise ins frühere Galizien lichten sich nach und nach die Schleier, die über dessen Vergangenheit lagen. Durch die gekonnten Beschreibungen fühlt man sich als Leser schnell in die harte Nachkriegszeit hineinversetzt. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass die verschiedenen Zeiten ineinander verlaufen, ebenso wie die Grenzen zwischen Realem und Mystischem. Diese etwas rätselhaften Elemente haben mich überhaupt nicht gestört, sie stehen für sich und sind nach der Lektüre des Buches selbsterklärend.
Der Roman ist wegen der angenehmen Sprache und der unterschwelligen Ironie sehr gut und flüssig zu lesen. Er besitzt eine ganz eigene Spannung, die es einem schwer machte, das Buch zur Seite zu legen. Die Charaktere sind lebensnah, wenn auch nicht alle bis zur letzten Konsequenz für mich greifbar waren.
Nicht anfreunden konnte ich mich mit den immer wieder im Buch vorkommenden polnischen Redewendungen und Floskeln. Auch ohne diese wären ihm weder Glaubwürdigkeit noch Authentizität verlorengegangen.
"Katzenberge" ist eine sehr schöne Reise in die Vergangenheit, in dieser Richtung wird die Geschichte erzählt. Schuld, Vertreibung, ein Familienfluch und die große Liebe einer Enkelin zu ihrem verstorbenen, geheimnisvollen Großvater sind die tragenden Pfeiler in diesem Roman, den ich mit viel Freude gelesen habe und gern anderen Lesern empfehle.
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Es ist ein Geisterhaus das Neles Großvater betritt. Der Krieg hat ihn in das Dorf bei Obernigk gespült. Ein Ort nicht weit von Breslau, der gestern noch deutsch war und heute polnisch ist. Der Strom der Vertreibung hatte den Großvater aus Galizien mitgerissen, einer Gegend, die mal Österreich gehörte, dann Polen - und die heute in der Ukraine liegt. Über der Eingangstür des schlesischen Bauernhauses hängt noch ein Hakenkreuz, oben am Dachbalken hängt der ehemalige Besitzer des Hofes. Der Großvater, der 1945 nicht freiwillig aus dem galizischen Ostpolen ins deutsch geprägte Schlesien gegangen ist, der auch nicht bleiben will, spürt das Fremde, das Feindliche im Haus. Aus der Sicht dieses Großvaters erzählt Sabrina Janesch in "Katzenberge" über die vielen verschiedenen Heimaten und fügt die Sicht der Enkelin Nele hinzu, einer jungen Frau aus dem heutigen Berlin, Tochter einer Polin und eines Deutschen.

Es ist der Ungeist des Nationalismus, der in "Katzenberge" in der Verkleidung der Hausgeister, der alten ungelösten Familiengeschichten auftritt. Mit dieser gespenstischen Kostümierung entwickelt sich aus der erzählten Geschichte Literatur, in einem bewegenden Buch, das mit großer Wärme das Vergangene im Heute schildert, das nicht richtet zwischen den Nationen, sondern ihre Eigenheiten wahrnimmt und in vielen Details festhält. "Die Deutschen sind da." rufen sich die Bewohner des polnischen Dorfes zu, wenn Neles Vater mit ihr im BMW durch die Gegend um die Stadt Obernigk fährt, die jetzt Oborniki heißt. Und sie haben noch nach Jahrzehnten Angst, dass da einer kommt und sagt: "Das ist mein Land, diesen Brunnen, diesen Stall hat mein Vater gebaut."

Auf der Beerdigung des Großvaters - der den Seinen ein Weiser war, der die Frauen und Kinder aus dem galizischen Dorf in die neue, ungewollte Heimat geführt hatte - erfährt Nele von einem düsteren Geheimnis, von einer Wie-auch-immer-Schuld des Großvaters. Ihr Großvater ist der Geschichtenerzähler ihrer Kindheit, der Mann auf dessen Knien sie erstmals von der Baba Jaga, der ukrainischen Hexe gehört hatte und von dem sie den Eigensinn, die Sturheit geerbt haben soll. "Iss und trink, forderte mich meine Tante auf, das unterscheidet uns von den Toten." Das soll bedeuten: Lass'die Toten ruhen. Die Familie will nicht, dass Nele den Geheimnissen nachgeht. Weder dem vom "schwarzen Biest", einem Fabelwesen, das sich noch heute auf dem Hof des Großvaters herumtreiben soll, noch dem vom Bruder des Großvaters, der nie nach Schlesien kam, von dem keiner genau weiß, wo er abgeblieben ist, aber manche zu wissen glauben, dass der Bruder den Bruder erschlagen habe.

Irgendwo, weit weg, liegt Berlin, da ist ein Beruf und ein Mann, mit dem Nele zusammenlebt. Dahin wird sie zurückkehren. Aber erst will sie nach Galizien, die Spuren des Großvaters suchen und herausfinden wie alles begonnen hat. Die Autorin entdeckt auf dem Weg, den sie Nele gehen lässt, ein kaum beschriebenes Stück der Vertreibung: Es waren ukrainische Nationalisten, die im galizischen Dorf des Großvaters ihre polnischen Nachbarn vertrieben haben, solche, die glaubten im Bündnis mit den Deutschen ihr Land um strittige polnische Gebiete erweitern zu können und eine neue, größere Ukraine aus der Sowjetunion zu lösen. Am Fluss Bug hatten die Polen friedlich mit ihren ukrainischen Nachbarn gelebt: Aber plötzlich, in der Nacht der Vertreibung, berichtet der Großvater: ". . . sei alles, was Polnisch sprach, Freiwild gewesen".

Mit einer perversen Grandezza haben die deutschen Vertriebenen-Verbände in ihrer jüngst noch gefeierten Charta "auf Rache und Vergeltung" verzichtet. Als sei es nicht die deutsche Hitlerei gewesen, die Anlass und Ursache der Vertreibung gewesen ist. Als dürften sie, Angehörige eines Volkes, das mit dem Weltkrieg und dem Judenmord millionenfaches Leid angerichtet hatte, sich selbst "als der vom Leid dieser Zeit als schwerste Betroffenen empfinden." Sabrina Janesch straft diese Phrasen Lügen. Mit einer bezaubernd einfachen Sprache, mit warmherziger Ironie und Selbstironie schreibt sie über das Geworfensein der Völker und darüber, wie man anständig bleiben kann in unanständigen Zeiten. Und sie lässt ihre Nele die Familienrätsel lösen: Ein gutes und verblüffendes Ende wartet auf den Leser. Günther Grass meint zu "Katzenberge": Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen". Diesem Wunsch kann man sich anschließen.
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am 5. März 2011
*Seite 17

Nele Leibert ist halb Deutsche, halb Polin und lebt in Berlin. Auch wenn sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Großvater hat, sieht sie ihn und den polnischen Teil ihrer Verwandtschaft selten. Ebensowenig kennt sie die alte Heimat im fernen Galizien. Auf der Beerdigung des geliebten Großvaters beschließt sie, sich auf eine Spurensuche in die Vergangenheit der Familie zu begeben.

Und so macht sich Nele auf den Weg nach Galizien, in das Dorf in dem ihr Großvater lebte, bevor er im Zweiten Weltkrieg fliehen musste, um nicht getötet zu werden. Schweren Herzens ließ er sich damals in Schlesien, nahe der Katzenberge, nieder. Und vergaß doch bis zu seinem Tode nie die geliebte Heimat.

Sabrina Janesch hat ein wunderbares Buch geschrieben. Mit einer einfachen und doch mitreißenden Sprache erzählt sie ein Stück deutsch-polnische, und nebenbei ein Stück eigener Familiengeschichte. Sie lässt den Zauber der alten Zeit wieder aufleben, würdigt die Leistung der Menschen damals wie heute und verzaubert mit ihren Schilderungen der Menschen, die noch nach jahrhunderteralten Traditionen leben.

Sabrina Janesch ist mit Sicherheit eine der aufstrebensten jungen deutschsprachigen Autorinnen, die auf mehr hoffen lassen. 'Katzenberge' ist auf jeden Fall eine Empfehlung.
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am 30. Juni 2016
Generell hat S. Jansesch hier ein interessantes Thema aufgegriffen. Nämlich die Vertreibung der Deutschen aus Schlesien bzw. die Zwangsumsiedlung der Polen nach Schlesien. Das Buch hat mich sprachlich voll überzeugt. Der Aufbau der Handlung in zwei unterschiedliche Zeitepochen war interessant. Insgesamt ein gelungenes Buch, das mich allerdings emotional nicht mitgerissen hat. Das gewisse Etwas hat leider gefehlt.
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TOP 500 REZENSENTam 21. Oktober 2010
Nele Leipert lebt in Berlin, doch ihre Wurzeln hat sie in Polen. Das merkt sie immer wieder. Als ihr geliebter Großvater stirbt, reist sie zur Beerdigung zurück in das kleine polnische Dorf in dem er lange Zeit lebte und in das er während der Vertreibung aus Galizien umgesiedelt worden war.
Nele, neugierig geworden durch die vielen kleinen Andeutungen auf die Vergangenheit des Opas, beschließt eine Reise in seinen Fußstapfen zu unternehmen.
Sehr geschickt gelingt der Autorin diese Reise mit der des Großvaters Djadjo zu verknüpfen. Ausgangspunkt ist das kleine schlesische Dörfchen, in dem gerade die Beerdigung stattgefunden hat. Vor hier aus wird Neles Weg nach Galizien beschrieben und von hier aus wird in Rückblicken der Weg Djajos von Galizien verfolgt. So gesehen, starten beide am selben Punkt.

Nele ist mit den Geistern der Vergangenheit aufgewachsen und immer wieder finden sich die düsteren Sagengestalten und der Aberglauben der Region in ihren Erlebnissen wieder. Sie glaubt nicht an die Dämonen, die den Hof der Großeltern bedrohten und die nur mit komplizierten Ritualen gebannt werden konnten - sie weiß einfach, dass es sie gibt und sie nimmt deren Existenz als ganz normal hin.
Das wird so selbstverständlich erzählt, so ohne Übertreibungen und Schnörkel, dass man als Leser schon fast selbst bereit ist, es zu glauben. Wunderbar sind die einzelnen Figuren gelungen. Der eigensinnige und starrköpfige Opa, dessen Ruf schon zu Lebzeiten legendär war und die trotzige Enkelin, die sich nicht von den Verwandten aufhalten lässt, und die Partner und Job in Deutschland hinter sich lässt, um den Fluch zu bannen, der auf ihrer Familie liegen soll.

Zum Schmunzeln regten mich die Vorurteile der Polen gegenüber den Deutschen oder den Galiziern an, denn diese Vorstellungen und Warnungen kommen einem merkwürdig bekannt vor... Der Schreibstil ist wohltuend schlicht - Die Charaktere haben so eine große Eigenwirkung, dass sie nicht unnötig ausgeschmückt werden müssen.

Die Erlebnisse während des Krieges, der Hunger, die Vertreibung, der Neuanfang in der Fremde, all das wird fast wertneutral und als Bestandteil der Vita des Großvaters erzählt. Gerade dadurch hatte das Buch auf mich eine sehr starke Wirkung.
Es ist eine andere Welt in die man als Leser eintauchen darf und ich war Sabrina Janesch dankbar für diese Reise in die Vergangenheit, die so wunderbar und ganz anders daherkam, als alles, was ich bisher kannte. Ich habe Menschen kennen gelernt, die so oder so ähnlich sicherlich existieren, da bin ich sicher - ich habe Landschaften gesehen, die irgendwie verwunschen auf mich wirkten und ich habe jede Minute auf dieser Reise/mit diesem Buch genossen.
Vielen Dank für diese wunderbare Unterhaltung!
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am 14. Oktober 2010
Beschreibung:

Die junge Journalistin Nele begiebt sich nach dem Tod ihres Großvaters auf eine wagemütige Reise in die Vergangenheit. Nele möchte herausfinden wer ihr Großvater wirklich war und was es mit seiner dunklen Vergangenheit wirklich auf sich hat. Die junge Frau halb pole halb deutsche reist von Berlin nach Schlesien und von dort nach Galizien um einen mysteriösen Fluch zu bannen, der ihren Großvater bis zu seinem Ende begleitet hat.

Meine Meinung:

Sabrina Janesch gelingt mit "Katzenberge" ein atemberaubendes Debüt. In einer fesselnden Art und Weise schafft es die Autorin mich ihrem Roman gebannt zu verfolgen. Zusammen mit der jungen Journalistin Nele begiebt man sich auf eine Reise in die Vergangenheit nach Schlesien und Galizien. Immer wieder verwischen die Grenzen zwischen der Gegenwart, in der Nele von der wagemutigen Reise berichtet, und der Vergangenheit die aus Erzählungen ihres ihr Großvaterers besteht.

Man taucht ein in die dunkle und mysteriöse Geschichte von Neles Großvater der in einer Zeit des Krieges von aus der Ukraine nach Niederschlesien flieht um sich dort mit seiner Frau Maria ein neues Leben aufzubauen. Mit den detaillreichen Beschreibungen der Umgebung erschafft Sabrina Janesch einen beeindruckenden Hintergrund auf dem sich eine wirklich mystische Geschichte rankt.

Besonders gut gefallen mir die eindrucksreichen Erzählungen von Neles Großvater, in der Sabrina Janesch eindrucksvoll die durch Gewalt, Hunger und Grausamkeit geprägte Nachkriegszeit heraufbeschwört. Geister und Dämonen sollen in den Wäldern hausen, in denen Neles Großvater wildert um seine Familie durch den Winter zu bringen. "Katzenberge" wird zum Ende hin immer mysteriöse und unheimlicher...So wie Gegenwart und Vergagenheit ineinnander verschwommen ist, lässt sich nun auch kaum eine Grezen zwischen Realität und übersinnlichem ziehen. Schließlich kann Nele den Familienfluch doch noch Bannen und kehrt in den Schoß der Familie zurück.

Ich habe nur einen ganz kleinen Kritikpunkt anzubringen, denn einige Charakter in Sabrina Janeschs "Katzenberge" werden mir einfach zu oberflächlich behandelt und da hätte ich mir einfach gewünscht, dass die junge Autorin etwas mehr in Detail gegangen wäre.

Nichtsdestotrotz ist der Autorin mit ihrem Debütroman "Katzenberge" eindrucksvolles Werk gelungen das mich gebannt lesen lies. Abzüglich meines kleinen Kritikpunktes vergebe ich daher 4,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit:

Ein atemberaubendes Debüt, dass man einfach lesen muss!
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am 24. August 2015
Magisch.Bewegend. Informativ. Fesselnd. -Neles Reise von Schlesien über Osptpolen bis in die ukraine zeigt ein wichtiges Stück deutscher Geschichte und ist für mich ganz große Litertaur.
Unbedingte Leseempfehlung!
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am 27. September 2010
Die junge polnisch-deutsche Journalistin Nele fährt zur Beerdigung ihres Großvaters zurück ins Katzengebirge nördlich von Breslau. Den Andeutungen der Dorfbewohner bei der Trauerfeier entnimmt sie, dass ihr Großvater ein dunkles Geheimnis hatte, an das zu seinen Lebzeiten niemand zu rühren wagte. Nele beschließt, die Wurzeln dieser Geschichte auszugraben. Sie macht sich auf eine Reise in die Heimat ihres Großvaters, der nach dem Kriegsende aus der Ukraine nach Niederschlesien geflohen ist.
Neles Reisebericht wird immer wieder von den Erinnerungen ihres Großvaters durchbrochen, der mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte Polens nach dem zweiten Weltkrieg erzählt. Es ist eine düstere und gefährliche Welt, die er beschreibt, geprägt von Gewalt, Hunger, Grausamkeit und Anarchie. Die polnischen Dörfer und Wälder sind bevölkert von Geistern, Teufeln und Dämonen. Das real Erlebte und das Übersinnliche sind nicht von einander zu trennen. Eins wächst ins andere und nur durch die Aufarbeitung kann der böse Zauber, der die Familiengeschichte bis in die Gegenwart beherrscht, letztendlich gebannt werden.
'Katzenberge' ist nicht nur ein wunderbar erzählter, sondern auch sehr spannender Roman - und meiner Meinung nach unbedingt empfehlenswert.
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am 14. November 2013
Das Buch hat in der besonderen ausdrucksstarken Sprache der Schriftstellerin einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Vertreibung und Leid sowie der Mut zu neuem Anfang werden gut darfgestellt. Die wiedergegebenen Eindrücke der Reise der Schriftstellerin kenne ich aus eigenem Erleben sehr gut.
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TOP 500 REZENSENTam 6. September 2010
Wer gibt eigentlich schon gerne zu, dass ein Buch schwierig zu rezensieren ist? Und wie soll man denn mit einer jungen Nachwuchsautorin verfahren, wo man das Schreibtalent ebenso wahrnimmt, wie die Durchschnittlichkeit, oder die Schwächen mit dem Anspruch, dem Allem noch irgendwie gerecht zu werden? Inwiefern wir uns von einem Zitat eines renommierten Günter Grass auf dem Front-Cover beeinflussen oder beeindrucken lassen, möchte ich jedem Leser selbst überlassen.."Diesem Buch sind.."

Sabrina Janesch begibt sich in ihrem Debut, auf Spurensuche ihrer Protagonistin und ihres verstorbenen Grossvaters, der aus Galizien stammt.."Dort hinter meinem Kieselstein-Bug, lag die Ebene des ukrainischen Galiziens, und, irgendwo in ihrer Mitte, unweit seiner Schlaufen, hinter seinen Wassern..Zastavne. Der Ort, wo Grossvater geboren worden war, wo alles begonnen hatte." Sie macht sich auf den langen Weg von Berlin, zunächst über Schlesien nach Wydrza.."Grossvater wäre der Erste gewesen, der mich eine Verrückte genannt hätte, dass ich nach Wydrza gefahren war und noch weit darüber hinaus fahren würde. Um in seiner Vergangenheit umherzuschnüffeln."

Sie schreibt in einer einfachen Sprache, in rätselhaften Schilderungen, mystisch, dämonenhaft.."was wenn Dämonen, wie Sprache oder Land, vererbbar sind?", unklar, keine Höhen, keine Tiefen, keine Emotionen, keine Sprache die einen irgendwie packen würde, alles plätschert einfach irgendwie dahin, abergläubisch, verwendet nervige polnische Ausdrücke, die sie auch nicht übersetzt, manchmal wirr, gespensterhaft, unheimlich, von Fluch umwoben, spannt den Leser auf die Folter.., und doch finden wir wieder feine Beobachtungen, oder Schilderungen, wo man spürt, dass diese junge Frau schreiben kann...

Das verschleiert dämonenhafte, scheint ihre Spezialität zu sein.."Über den Sümpfen lag Stille. Unweit einer Uferweide fiel Janeczko eine kleine Gestalt auf, die er für ein Kind hielt. Knietief stand sie im Sumpf, und als Janeczko näher kam, erkannte er eine ziegenartige Fratze und ihr lächerliches, zinnoberrotes Fräcklein, das im Winde flatterte. Zum Gruss hob das Wesen manierlich seinen Zylinder, durch dessen Löcher die Sonne schien. Eine weisse mottenzerfressene Perücke kam darunter zum Vorschein. Dann verbeugte es sich, lachte meckernd, zog die Füsse, die in pechschwarze Hufe mündeten, aus dem Sumpf heraus und verschwand so schnell, wie es erschienen war. Nur mehr ein paar Ringe waren auf der Wasseroberfläche zu sehen..Grossvater sagte,..dass in der Wildnis von Sandomierz mehr Teufel als Menschen gebe. Wasserteufel seien das gewesen, niedere Wesen, die kaum die Grösse eines neunjährigen Kindes erreichten."

Im Grunde lesen wir in zwei Ebenen, die Gegenwart, der Ich-Erzählerin und Journalistin Nele Leibert, die in den Osten fährt, von ihrer Reise, ihren Begegnungen erzählt, und dann schreibt sie uns im Grunde ihre Erinnerungen auf, der Erzählungen, Erinnerungen ihres Grossvaters, den sie Djadgos nennt, "Djadjos Erzählungen aus Wydrza, waren immer vage geblieben, unruhig, waren weder Erzählungen aus dem Jenseits noch aus dem Diesseits", wo wir in der Vergangenheit sind, wo wir von der Vertreibung der Deutschen in den Ostgebieten hören, wo der Grossvater aus Galizien stammend, in Schlesien Höfe vertriebener Deutscher übernimmt. Ahnend bekommen wir einen Geschmack wie sich das Deutsche und Polnische im Krieg gegenüber gestanden haben muss, die Protagnostin selbst ist halb deutsch, halb polnisch..Wir erfahren etwas davon, mit welchen Konsequenzen eine damaligen Vertreibung, begleitet war und wie diese Menschen damit umgegangen sind...

Ein Buch, das nach frischen Wald und Natur riecht..."Immerhin würde es bald Herbst sein..Wenn er im Dorf niemanden fände, bei dem er wohnen könnte, würde er im Wald bleiben und von Beeren, Nüssen und Wilderei leben. Als Kind hatte er sich manchmal zum Vergnügen tagelang im Wald versteckt, jetzt würde es ihm zugute kommen. Er musterte das Gewölbe der Rottannen über ihm. Um sich heraus eine Hütte zu bauen, bräuchte er ein Werkzeug, Überwintern würde er darin schwerlich können."

Eine Geschichte um Vertriebenheit, Spurensuche, dem Wiedererzählen eines Grossvaters der diese Zeit erlebt hat, und einer Enkelin die sich aufmacht, jene Erinnerungen wieder neu aufleben zu lassen, wo das Schicksal dieser Menschen unter den damaligen Umständen eine ganz eigene Atmosphäre und von mystischen Geschichten erzählt, wo sich Dämonen vertriebener Deutscher zu unsichtbaren Widersachern, wiederum vertriebener Galizier in den Weg stellen, ein Buch über Heimat und Heimatlosigkeit, der Suche aber auch dem Akzeptieren einer neuen Heimat...wo das Überleben in erzwungener Umgebung, von Fluch und Verrat nicht auszuweichen ist. Eine Lektüre wo man Anfängertum einer jungen Autorin und Talent gleichzeitig zu spüren vermag, lesenswert anders..
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