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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
21
Rimbaud und die Dinge des Herzens: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:4,99 €+ 2,99 € Versandkosten


am 13. Dezember 2017
Eine unglaublich lebendig erzählte Geschichte. Ich habe sie zum ersten Mal auf WDR5 gehört, auf der Fahrt vom Niederrhein in den Taunus, zusammen mit meinen Jungs, 7 und 11. Wir waren alle drei so gefesselt, dass wir auf Höhe Limburg vollkommen verzweifelt waren, weil der Sender für mindestens 5 Minuten nur noch spratzte. Das man dann nicht einfach umschaltet oder das Radio ausmacht, sondern versucht, aus dem Rauschen auch nur das kleinste Fitzelchen Sprache herauszuhören, heißt wirklich viel! Leonard Hohm ist eine geniale Wahl als Sprecher. Er versteht es ausgezeichnet, das Französisch des jungen Protagonisten im Deutschen nachklingen zu lassen, ohne gekünstelt oder affig zu wirken. Die Thematik wird in die Geschichte so leicht und unbeschwert eingebracht, dass die Quintessenz hervorsticht, ohne die Umstände vollkommen verblassen zu lassen. Ein Junge, der am Anfang der Pubertät steht und sich verliebt. Was geht in seinem Kopf vor, wie verhält er sich.Wie steht er zu seinen Freunden, seiner Familie. Was würde er sagen, wenn er vollkommen frei und unbefangen diese Dinge bereden könnte.Die Lebensumstände: dass er ein Schwarzer aus einem Wohnbunker in einem Pariser Vorort ist, dessen Mutter deportiert werden soll, da sie sich illegal in Frankreich aufhält, weil der Vater mit allen Papieren zurück nach Afrika gegangen ist. Dass sein älterer Bruder Drogen-abhängig ist. Dass seine Mutter als Putzfrau arbeitet, um die Familie zu ernähren. Dass sie nicht viel Geld haben. Diese Lebensumstände nimmt er wahr, sie sind nicht schön, aber auch nicht so dramatisch, dass er verzweifelt, sondern er reift daran. Und mit ihm der Zuhörer. Und die Liebe und Wärme, die er in seiner Familie erlebt, die kann er weiter geben. Er ist offen, neugierig, fröhlich und mutig und nimmt sein Leben gewitzt in die Hand-und mit ihm der Zuhörer.
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am 6. April 2012
"Wenn man traurig ist, wird man mutig, und Glück macht einen stark."
Charly (eigentlich Charles - aber so möchte er nicht genannt werden!) lebt mit seiner Mutter und gelegentlich auch seinem großen Bruder Henry in einem heruntergekommenen Hochhaus im einem noch heruntergekommeneren Pariser Vorort.
Ursprünglich kommt die Familie aus Mali. Nur Charly ist in Frankreich geboren und hat damit eine Aufenthaltsgenehmigung. Die Papiere seiner Mutter und seines Bruders sind vor Jahren vom Vater bei dessen Weggehen einfach mitgenommen worden. So halten diese beiden sich illegal in Frankreich auf.
Eines Tages beobachtet Charly frühmorgens auf dem Weg zur Schule wie seine Mutter von Polizisten mitgenommen wird. Er versteckt sich im Treppenhaus, wird aber von ihr gesehen. Dabei geschieht etwas für Charly zutiefst Beängstigendes. Seine Mutter lächelt ihm nicht zu - ihr Blick bleibt starr. Dies hat sie noch nie getan!
Charly beschließt, nicht in die Schule zu gehen und stattdessen seinen Bruder zu suchen. Er nimmt uns einen Tag lang mit auf eine abenteuerliche Reise durch sein Leben und seine Stadt. Wir lernen seinen Bruder, seine Freunde, Nachbarn, Bekannte und die verschiedensten schillernden Figuren seines Viertels und vor allem natürlich seine große Liebe Mélanie kennen. Immer auf der Suche nach einer Erklärung für die Verhaftung seiner Mutter.
Der Schreibstil des Autors verzaubert. Das Leben und die Nöte der Menschen werden trotzdem klar und schonungslos dargestellt. Gleichzeitig ist diese heruntergekommene und teilweise verfallene Gegend vor Paris voller Poesie und netten hilfsbereiten Menschen.
Ich kann dieses Buch empfehlen - es ist überaus lesenswert.
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am 10. April 2013
Das Buch ist lesenswert und es kann gerne vielen weiteren Interessenten gut empfohlen werden. Gerne wieder etwas aus der Reihe.
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am 1. Januar 2013
Das Buch ist natürlich ein Kinderbuch, aber ein Kinderbuch, dass den großen französischen Dichter im Namen trägt, kann auch einem Erwachsenen noch was beibringen, dachte ich.

Protagonist des Romans ist der Charly. Er ist zehn Jahre alt und lebt in einem Banlieue von Paris. Seine Eltern stammen aus Mali. Sein Vater hat die Familie verlassen und sein Bruder ist drogenabhängig. Die Mutter arbeitet als Haushaltshilfe bei einem älteren Ehepaar.
Als Charly eines Morgens zur Schule gehen will, beobachtet er, wie die Polizei seine Mutter festnimmt.
Charly schwänzt die Schule, um herauszufinden, was passiert ist. Dabei erzählt er dem Leser einige Anekdoten aus seinem Leben, stellt uns seine Freunde vor und das Mädchen, in das er verliebt ist. Er erzählt von seiner Mutter, seinem Bruder, wie sehr er Gedichte liebt, wie er einmal ein Buch gestohlen hat...
Schließlich trifft er auf seinen Bruder, der ihm erklärt, dass die Mutter keine Papiere mehr hat, schwarz arbeitet und dass ihr nun die Abschiebung droht.

Viel mehr gibt es über den Inhalt nicht zu sagen, denn das Buch hat kein befriedigendes Ende. Es wird nicht erzählt, wie diese heikle Situation sich auflöst und was mit den beiden Brüdern passiert und das lässt mich als Leser doch ein bisschen unbefriedigt zurück.

Auch gibt es kaum irgendwelche Anspielungen auf Rimbaud oder sonstwelche Querverweise auf französische Literatur.
Lustigerweise ist das Werk, dem dieser Roman am ähnlichsten ist, ein amerikanisches, nämlich "Der Fänger im Roggen".
Allerdings, wird im Fänger im Roggen weit mehr geflucht...
Charly ist eigentlich ein netter, optimistischer, geradezu weiser kleiner Junge und das macht seinen Charakter irgendwie unrealistisch.
Das Banlieue ist allerdings ganz ohne Zweifel realistisch geschildert. Das ganze Elend, die ganze Tristesse wird gezeigt, aber eben auch, wie die Menschen es schaffen, hier ein halbwegs glücklichen Leben zu verbringen. Charlys Mutter ist beispielsweise eine ganz große Filmliebhaberin...

Was für das Buch spricht, ist der positive Grundton trotz der eigentlich schrecklichen Geschichte, die sympathische - wenngleich unrealistische - Hauptfigur, die realistische Beschreibung der Umgebung.
Was gegen das Buch spricht, ist dass entgegen der Versprechung im Titel es nicht um Lyrik oder die Schönheit der Sprache Rimbauds geht und dass es keine Auflösung, kein Ende der Geschichte gibt.

Es ist ein Kinderbuch, dass von Kindern der sechsten oder siebten Klasse gelesen werden kann. Aber ich würde raten, wenn man in diesem Alter ist, noch ein paar Jahre zu warten und dann lieber J.D. Salinger zu lesen. Da hat man dann doch mehr von. Mir persönlich ist ein frustierter, desillusionierter, das Gute, Wahre suchende - und nicht findende - Holden Caulfield lieber, als ein hoffnungsvoller, fröhlicher Charly, der die Schrecklichkeit seiner Umgebung gar nicht wahrnimmt und deshalb als "weise" bezeichnet wird...
7 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 30. Dezember 2012
Meine Mutter gehört zu den Menschen, die überzeugt davon sind, dass die Schule eine Chance fürs Leben ist und dass die blöden Lehrer immer recht haben. Wenn man ihr erklären würde, an meinen Problemen wären meine Beine schuld, dann würde sie mir die bestimmt abhacken.
Zitat Seite 12

Inhalt:
Der 10jährige Charly ist ein kluger und aufgeweckter Junge. Er lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder Henry in einem heruntergekommenen Hochhausblock in einer Pariser Vorstadt. Charly ist es inzwischen gewohnt, dass ab und an die Polizei vorbeikommt, doch meist ist es wegen seinem drogensüchtigen Bruder Henry. An einem Tag, frühmorgens als Charly sich auf den Weg zur Schule macht, sieht er wieder die Polizei das Gebäude betreten, er folgt ihnen und sieht wie seine Mutter mitgenommen wird.

Ich mag lieber Mädchen, die nach vorn blicken. Die das gelesen haben, was man selbst nicht gelesen hat. Die Musik lieben, die man selbst nicht kennt. Die einen ein Land entdecken lassen, das sie bereits kennen. Meine Frau wird einmal älter sein als ich, das schwöre ich Ihnen!
Zitat Seite 85

Handlung & Charaktere:
Der junge Protagonist Charles genannt Charly, ist trotz der Schicksalsschläge, die er in seinem jungen Leben schon erleben durfte, ein aufgeweckter, fröhlicher Junge. Der Autor Samuel Benchetrit verleiht Charly eine besondere Aura. Sein Schreibstil aus Sicht des Jungen ist sehr gut gelungen. Obgleich wir hier von einem 10jährigen Jungen durch die Geschichte geführt werden, hat die Geschichte eine besondere Tiefe und Ernsthaftigkeit. Charly beschreibt auf seine Art und Weise, die Drogensucht seines Bruders, das Verlassen werden vom Vater, die fürsorgliche Mutter sowie seine erste große Liebe zu seiner Mitschülerin Melanie Renoir.

Der Protagonist Charly wirkt überlegen und klug. Er ist im Gegensatz zu den anderen Kindern, seinen Freunden im Viertel ein besonders veranlagter Junge. Seine Interessen gelten, nicht nur altersentsprechend, dem Spielen mit Freunden sondern auch der Poesie und dem Lesen. Besonders gern besucht Charly den Französischunterricht, um dort immer wieder neue Gedichte zu lernen oder lässt sogar ein Buch aus der Bücherei mitgehen, um es zu lesen und später zurückzubringen. Bis hierhin klingt es nach einer wunderschönen Geschichte, mit den kleinen Ecken und Kanten des Lebens. Charly ist es inzwischen gewohnt, dass häufig die Polizei vor der Tür steht, um nach dem Bruder Henry zu fragen, aber an diesem Tag, sieht Charly wie seine Mutter mit einer Tasche in der Hand abgeführt wird. Selbst als Charly seine Mutter, wie so oft, in so einem Moment anlächelt, reagiert diese nicht wie gewohnt, sondern lässt Charly einfach unbeachtet.
Während Charly verwirrt durch die verschmutzten Straßen irrt und Antworten auf seine Fragen sucht und auch wissen möchte, wohin seine Mutter gebracht wurde, kommt er der Wahrheit immer näher. Diese Wahrheit könnte Charly das Herz brechen. Samuel Benchetrit lässt uns auf eine komisch kindliche Art und dennoch tiefsinnig und sensibel das Leben von Charly erleben.

[Rimbaud…] Früher, ich weiß es noch genau, da war mein Leben ein Fest, wo alle Herzen aufgingen und der Wein in Strömen floss. Eines Abends setzte ich mir die Schönheit auf den Schoß. – Und fand sie bitter. – Da verfluchte ich sie. Ich wappnete mich gegen die Gerechtigkeit. Ich floh, O Zauberinnern, Leiden, Hass, ausgerechnet euch wurde mein Schatz anvertraut!
Zitat Seite 254

Mein persönliches Fazit:
Charly hat mich durch seine Straßen geführt. Mit Kinderaugen und Kindermund habe ich die Wahrheit der Geschichte erlebt. Seine Sichtweise, seine reines Herz, seine Gutgläubigkeit, seine Neugier. All das vermittelt Charly. Er wirkt zeitweise Erwachsen und dennoch schafft er es im Gleichgewicht zu bleiben. Seine Ausdrucksweise ist ungewollt komisch und er beschreibt seine Liebe zu Melanie Renoir, seiner Mitschülerin, so kindlich rein und dennoch voller Leidenschaft. Aus Kindersicht eine Pariser Vorstadt, mit all ihren dunklen Ecken. Dem drogensüchtigen Bruder, der lieber weg ist, als seiner Familie größeren Schmerz hinzuzufügen und dem Schicksal des erneuten Verlustes den Charly erlebt.

Quelle Vita Autorin + Coverbild:
Website © Aufbau Verlag GmbH, mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlages und des Autors
Buch-Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat. © by Samuel Benchetrit und Aufbau Verlag
Rezension © Aygen Ekici [...]
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. Oktober 2012
Ein ganz zauberhaftes Buch.
Ein Tag im Leben des 10-jährigen Charles, Charly möchte er genannt werden. Er sucht seine Mutter, die morgens von der Polizei abgeholt wurde, was nicht unüblich ist. Dieses Mal hat sie ihn aber nicht angelächelt, sondern ignoriert. Er ist zutiefst beunruhigt und macht sich auf die Suche nach seinem Bruder Vielleicht kann er Charly weiterhelfen. Er wohnt zwar auch noch bei Charly und seiner Mutter, ist aber Junkie und treibt sich herum. Der Vater hat sich vor Jahren abgesetzt.

Im Laufe des Tages und der Suche haben wir teil an der unendlichen Phantasie des Jungens. Er kommt auf die unmöglichsten Gedanken, die einem ein Schmunzeln ins Gesicht zeichnen, die aber auch Tiefgang haben. Und über allem die Sorge wegen der Mutter, die Liebe zu seiner Mitschülerin Melanie, die Freundschaft zu seinen Kumpeln und dem Fußball und zu Rimbaud und seinen Gedichten.

Köstlich die Szene, wie er bei den Rolands kocht. Oder:
Was du wissen musst Charly, ist, dass die Rolands Maman nicht angeben.
Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass sie sie schwarz beschäftigen.
Weil sie eine Schwarze ist?

Das Ende des Buches fand ich unbefriedigend. Ich gehe hier aber nicht näher darauf ein, weil ich nichts vorweg nehmen möchte.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. September 2011
'Diejenigen, die den Schmerz fürchten, glauben nicht an das Leben ' Wenn du jedoch einem liebenden Herzen begegnest, folge ihm, mach es zu deinem Freund''
Das lasse ich hier einmal unkommentiert stehen. Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen.
'Rimbaud und die Dinge des Herzens' ist ein fantastisches und sehr beeindruckendes Buch. Ein wenig, auch wenn es weit hergeholt klingt, hat es mich an den kleinen Prinzen erinnert. Mag sein, dass es daran liegt, dass beide Autoren Franzosen sind.
Der 10jährige Charly lebt in einem Pariser Vorort mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder. Der Autor lässt uns teilhaben an einem Tag aus dem Leben des kleinen Charly, der Tag, an welchem er sieht, wie seine Mutter von der Polizei abgeholt wird. Er macht sich auf die Suche nach seinem größeren Bruder, der ihm vielleicht helfen kann und ihm eventuell sagt, was mit seiner Mutter geschehen ist. Und zwischendurch erzählt Charly aus seinem Leben in einem Pariser Banlieu. Schonungslos und doch mit den Augen eines zehnjährigen Jungen. Die Sprache in diesem Buch ist ein ganz großes Plus. Dem Alter angepasst und immer wieder den richtigen Ton treffend. Gleich, ob Charly nachdenklich ist oder eben mal wieder mächtig auf den Putz haut, wie es Jungs in diesem Alter gerne tun. Charly ist einem richtig sympathisch. Dem Autor ist hier etwas sehr Gutes gelungen. Die Sprache charakterisiert den jeweils Handelnden. Und das trifft nicht nur auf Charly zu, sondern auch auf alle anderen Personen in diesem Buch. Seien es Charlys Freunde, sein großer Bruder oder seine heimliche Leidenschaft. Wie er sich ihr zögerlich annähert und mit ihr spricht, wie er über sie denkt und wie er sie sieht. Und dann wäre da noch seine Mutter, über die Charly gar nichts kommen lässt. Seine Mutter ist für ihn unantastbar. Sie ist die erste Frau und die wichtigste in seinem Leben. Das wäre wohl auch nicht anders, wenn der Vater bei der Familie geblieben wäre.
Ich möchte hier nicht zu viel Inhalt wiedegeben. Dieses Buch muss man einfach gelesen haben. Es ist zärtlich, brutal, nachdenklich'.einfach schön. Und eigentlich mehr wert als nur die maximale Punktzahl.
Und ein wenig vom kleinen Prinzen steckt hier drin. Und es liegt nicht nur daran, dass beide Autoren Franzosen sind.
Unbedingt lesen.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 22. August 2012
Erster Satz:
Anfangs dachte ich,
Rimbaud wäre ein Wohnturm.

Inhalt:
Normalerweise begegnet Charly den Polizisten in seinem Wohnblock nur, wenn es um seinen großen Bruder Henry geht. Aber heute nehmen sie seine Mutter mit. Gerade noch beobachtet er die Gestalten aus dem Fenster, schon sind sie verschwunden. So begibt sich Charly mit klopfendem Herzen auf die Suche nach seiner Mutter. Dabei erzählt er von seinen Ängsten und Ideen, von Freundschaft und Mut, von Fragen und von den Antworten des Lebens.

Meine Meinung:
Als unscheinbares Taschenbuch kommt Charlys Geschichte daher. Er möchte uns erzählen, was so aufregendes am heutigen Morgen geschehen ist. Dabei driftet er in seine Gedankenwelt ab. Er erzählt uns von einem Mädchen, das so süß wie Marmelade ist.. von seinen Freunden, die immer zusammenhalten.. von den Nachbarn, die sich an Karneval immer als Strandgäste verkleiden.. von seiner Lehrerin, die ihm sicher kein Blumen-Buch schenkte.. und von Rimbaud, der schöne Gedichte schrieb. Sie alle haben etwas gemeinsam, und das ist Charly. Er hält die ganzen einzelnen Geschichten zusammen, vereint sie und zaubert daraus ein großes Bild, das es wert ist, betrachtet zu werden.

Seite 115

>> Es wird mucksmäuschenstill sein,
bis auf das Geräusch des Windes - der Wind ist immer der letzte Bewohner. <<

Charly ist ein toller Junge. Er heißt in Wirklichkeit Charles, ist zehn Jahre alt und hat schwarze Haut. Doch das ist alles nur nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass er den Kopf voll mit Phantasie hat. Er ist ein gewitzter und schlauer Junge, der sich ständig über alles Mögliche sowie Unmögliche Gedanken macht. Für jedes Problem gibt es eine Lösung, das hat er schon früh gelernt, man muss sie nur finden.
Aber als plötzlich seine Mutter ohne ersichtlichen Grund von der Polizei abgeführt wird, schlägt ihm das Herz bis zum Halse. Da geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu und dafür scheint es nicht die geringste Lösung zu geben. Auf der Suche nach seinem großen Bruder, der ihm eine unschöne Erklärung liefern kann, begegnet Charly einer Reihe kurioser Figuren. Jede Person, die von Benchetrit in den Hanldungsstrang mit eingeflochten wurde, ersetzt einen wichtigen Baustein im großen Gefüge der Geschichte. Der kleine, schwarze Junge kann sich anscheinend an jedes Ereignis seines kurzen Lebens erinnern. So kommt es einem vor, wenn man von den skurillen Momenten liest, die Charly bereits erlebt hat. Viele davon sind zum Schreien komisch, aber es gibt auch sinnliche und herzergreifende Szenerien, genauso wie traurige und hilflose Augenblicke. Es sind die Kleinigkeiten, die das Schöne ausmachen - und das ist auch hier der Fall. Durch die herrliche Detailverliebtheit bei den perfekt ausgearbeiteten Nebencharakteren und den prächtig anschaulichen Handlungsorten bekommt man das Gefühl, als säße man mitten drin .. mitten drin in einem der schmutzigen Viertel von Frankreich nahe von Paris. Menschen mit bunt schillernden Persönlichkeiten an Straßenecken mit witzigen Namen. Irgendwo da drin sehen wir Charly. Er kommt gut zurecht, fragt sich einfach durch die Welt. Denn Trauer macht mutig .. und Glück macht stark. Bei ihm trifft beides zu.
Hach, die Franzosen haben so eine Art zu schreiben. Leicht und unbeschwert werden die größten Schicksalsschläge zu Papier gebracht. Die Protagonisten schweben schlau und bedacht einen Meter über dem Boden und betrachten das Spektakel von weiter oben. Sie sehen alles mit Abstand, haben die nötige Distanz, um das Leben objektiv zu beurteilen. Dabei wird auch die persönliche Meinung über Gut und Böse nicht zurück gehalten. Bei den Franzosen ist einfach etwas von allem dabei.. und sie sind so unheimlich verschroben auf ihre Weise. Das alles kann man auch durch die Arbeit der Übersetzer hindurchspüren.

Mit poetischen Worten und klugen Gedanken entführt der mutige Charly uns in seine Welt.

Viele Sätze und Passagen hätte ich anstreichen können, weil sie mir so gut gefielen. Und auch weil sie mir aus der Seele sprachen. Ich fühlte mich manches Mal ertappt, bei einer der zahlreichen lakonischen Bemerkungen. Zeitgleich fühlte ich mich aber auch einfach nur verstanden. Es ging nicht nur einem Buben aus einer fiktiven Geschichte so wie mir. Sondern auch dem Autor, der seine Ideen an den kleinen Helden weitergegeben hatte. Vom Schriftsteller stammten die Einfälle, die mir den lieben Charly so sympathisch machen und somit das gesamte Buch.
Gut gefallen haben mir auch die Anspielungen auf bekannte Philosophen, Dichter und Politiker. Mag sein, dass ein zehnjähriger Junge das alles noch nicht so recht verstehen kann. Aber das Interesse darf da sein und dadurch haben wir die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen und die Lächerlichkiet, die wir Zivilisation nennen, noch einmal aus Kinderaugen zu betrachten. Mein großer Dank gilt an dieser Stelle dem Autor!

Seite 35

>> Mein späteres Leben stelle ich mir so vor ...
Es ist in eine Spritze eingeschlossen, innen drin bin ich und möchte heraus, ich klopfe gegen das Glas, ich schreie, aber niemand hört mich. Ein Mann hält die Spritze. Manchmal spritzt er ein bisschen was von mir in seine Venen, und da löse ich mich sanft auf. Im Innern der Spritze ist immer weniger Platz. und ich weiß, dass das wenige, was noch übrig ist, bald aufgebraucht sein wird ... <<

Es ist eine Geschichte über Sorgen, Scham und Unrecht, genauso über Mut, Freundschaft und Lösungen für arge Probleme.

Mein Fazit:
Ein Buch voller Wärme aus unschuldigen Kinderaugen erzählt, die schon viel mit ansehen mussten .. dafür vergebe ich herzlich gerne ~ 5 Sterne ~

papierkruemel.blogspot.com
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am 4. Oktober 2013
Die Geschichte eines kleinen Jungen, der im sogenannten Rimbaudturm in einer Pariser Banlieue lebt. Voller Intelligenz und Lebensklugheit erzählt Charly von seinem Leben in der Banlieue, während er nach seiner Mutter sucht, die morgends von der Polizei abgeholt wurde. Fand ich schon allein deswegen interessant, weil ich nur die Nachrichtenmeldungen von brennenden Autos in den Banlieues kannte und man hier mal eine ganz andere Stimme aus dieser Welt hört. Eine sehr schöne, aber auch tragische Geschichte, die toll gelesen wird. Mir hat auch gut gefallen, dass die Stimme des Sprechers jung ist, was bei einem 10-jährigen Erzähler extrem wichtig ist und hier sehr gut passt!
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 13. Februar 2011
Ja...man muß ihn einfach lieb haben den kleinen Charly Traore(Charles wie ihn seine Mutter nennt), der uns einen Tag lang an seinem Leben in einem der Pariser Vororte teilhaben läßt. Auf der Suche nach seiner Mutter, die er wie verrückt liebt und die an jenem Morgen von der Polizei abgeholt wird erzählt Charly von seinem Schwarm Melanie, seinem drogenabhängigen Bruder Henry, seinen Freunden aus der Schule und von seiner Vorliebe für Wörter und Aufsätze.
Und genauso liest sich dieser zauberhafte Roman....wie 1000 kleine Aufsätze von Charly in die sich immer wieder die rauhe Wirklichkeit einmischt. Das Schönste was ich seit langem gelesen habe......viel Glück in Deinem weiteren Leben kleiner Charly
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