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am 6. August 2009
Jutta Voigt , 1941 geboren und schon vor der Wende als Feuilletonistin und Autorin von Reportagen bei den Wochenzeitungen "Sonntag" und "Wochenpost" in der DDR tätig und auch in der Bevölkerung bekannt, weiß, von was sie schreibt in ihrem neuen Buch mit dem Titel "Westbesuch", das im Aufbau Verlag erschienen ist.

Es ist ein Buch "Vom Leben in Zeiten der Sehnsucht", wie der Untertitel der Sammlung von 24 deutsch-deutschen Geschichten lautet, die allesamt beschreiben, wie sich über eine lange Zeit seit dem Mauerbau 1961 Ost und West begegnet sind.
"Der Westen, so wie ihn die Ostler sahen", schreibt Jutta Voigt, "war eine Erfindung des Ostens. Der Osten hat sich seinen Westen ausgedacht, Diesen Westen als Paradies. Und da sie nie oder kaum das überprüfen konnten, wie es da war, konnten sie es sich vorstellen."

Es ist ihre eigene Geschichte und auch zu Teilen die von anderen Bekannten, die die Autorin da mit Witz und Ironie aufgeschrieben hat. Die einzelnen Geschichten verströmen einen eigenen Charme und halten den vorzugsweise aus dem Westen kommenden Besuchern ebenso einen deutlichen Spiegel vor wie den östlichen Gastgebern mit ihren übersteigerten Erwartungen.

Neben den vielen eher politischen und geschichtswissenschaftlichen Büchern, die in diesem Jahr 20 Jahre nach der Wende erschienen sind, ist dieser witzig-bissige und charmante Blick in die Alltagswelt ein ganz besonderer Lesegenuss, der in den Geschichten aber nicht weniger klare Analyse liefert als so manches mächtig daherkommende Geschichtsbuch eines Profis
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In Berlin steht eine Mauer
Trudirabaridibum
Gegen Brandt und Adenauer
Trudirabaridibum
Die wirft keiner um
Wolf Biermann, 1961

Das ist lange her, als der Westen den Osten besuchte und der Osten sich darauf freute, in den Zeiten der Sehnsucht, wie Jutta Voigt es in ihrem neuen Buch "Westbesuch" beschreibt. Heute ist in Deutschland überall Westen, beinahe. Und die Sehnsucht, wenn einer denn noch eine hat, gilt anderen Ländern, anderen Leben. Denn so ist es mit den Fern-Reisewünschen (und ferner als die Bundesrepublik war für den DDR-Bürger kaum ein Land): Man will raus aus seiner Existenz, rein in die der anderen. Und sei es auch nur für ein paar Wochen: Spanier sein oder Nordamerikaner. Manchem reicht schon eine Pizza, scusi, um des fernen Geschmackes willen. Wer aber eine Latte bestellt, der bestellt nicht Italien, der bestellt das scheinbar bessere Leben. Auch das lieferte der Westen: Die bunten Verpackungen, die schickeren Autos, die West-Jeans, das Abzeichen von Weltläufigkeit, selbst nach Lauchhammer oder Neubrandenburg.

"Dass mit dem Sozialismus die Menschheit", zitiert Jutta Voigt, "aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit" springe, hatte Friedrich Engels prophezeit. Der Sprung misslang. Und weil das so war, gab es die vielen Fluchten, von denen die Autorin beklemmend genau berichtet. Dem einen fiel die Langeweile der DDR auf den Kopf und er machte rüber, alles riskierend. Die anderen liessen sich von den Verwandten mit "Mon Chérie" im Westpaket, ohne sonderliche Gefahr, ein scheinbares Stück Frankreich in die Stube kommt: "Die Dinge von drüben ermöglichten Millionen kleiner Grenzübertritte", schreibt Jutta Voigt. Nicht aus der Position derer, die es zwanzig Jahre danach besser wissen. Sie war dabei, so oder so. Sie kann sich noch an ihre eigene Begeisterung für den Sozialismus erinnern und zugleich daran, wie sie einmal in Paris war und vor Sehnsucht nach diesem exotischen, pariserischen Leben beinahe gestorben wäre. Das macht ihren Blick aus: Unbestechlich nah und zugleich fern genug, um den Tellerrand nicht für das Ende der Welt zu halten.

Das mag heute schwer vorstellbar sein, diese Gier einmal die Zugspitze zu sehen und zu glauben, weil man ja zurück fuhr in die DDR: "Merk's dir, merk's dir, du siehst es nie wieder." Oder das Gefühl von dem, der sich extra einen dicken Mercedes leiht, um die Ostverwandten damit zu besuchen und zu beeindrucken. Vielleicht fahren ja auch heute noch manche in die armen, fernen Länder, weil ihnen det hebt. Vom Gefühl nur der Beschenkte zu sein, nicht gleichwertig, weiß Jutta Voigt zu erzählen, und es war kein gutes Gefühl. Und sie schreibt auf, wie diese Einbahnstraßen sich im Nichts verloren, als die Mauer fiel. "Das Ende der Besuchszeit war das Ende einer Amour fou", das war, ist gewesen. Wer wollte heute noch den Westen wie verrückt lieben? Vor dem Hintergrund historischer und politischer Wirklichkeit, sieht die Autorin ein Rollenspiel und kommt so der Wahrheit ziemlich nahe. Während die öffentlich behaupteten Gewissheiten über die DDR mit jedem Jahr strikter und falscher zugleich werden, während die wirklichen Biografien der DDR-Bürger immer stärker in den Schatten einer Stasineurose geraten, und wenn einst das "Neue Deutschland" die DDR erklärte, machen es jetzt wahlweise Guido Knoop oder Hubertus Knabe.

Sie kramt in ihrem Gedächtnis, in Akten, redet mit den Leuten, die Autorin, und fand damals den Westen in Polen, wann immer es ging: "ich kann es nicht fassen, dass das ein sozialistisches Land sein soll", schreibt sie und freut sich über polnische Plakate, Filme, ja sogar über die routinierte Hingabe, mit der der Katholizismus absolviert wird. Sie findet die Frau aus der DDR, die dem Westmann in ein Kaff bei Bonn folgt und nach acht Wochen wieder zurück geht, und auch den Westmann, der Bürger der DDR wird und dann, nach genau den zwei Jahren, die er hier verbringen wollte, wieder nach Leverkusen zurück fährt. Sie hört die Namen der Enricos und Vanessas, wissend, das in ihnen der Wunsch nach den fernen Ländern atmet, so wie heute, in Ost und West, die Dianas und Kevins die fernen Traumfiguren widerspiegeln. Sie hat das Auge und das Ohr, ihrem Kopf entgehen die Zitate nicht: "Den einen droht, sich zu Tode zu amüsieren, den andren, sich zu Tode zu langweilen (Peter Bender über die Deutschen in West und Ost).

Manchmal gelingt es der Voigt Geschichten zu erzählen, die muss sie erfunden haben. Wie die von dem befreiten Käfighuhn, dass sein Besitzer als ein Gleichnis auf die Karriere von Angela Merkel begreift: Kaum hatte er das Tier aus dem Käfig befreit, schon dominierte es seine frei laufenden Hühner. Zum Brüllen komisch und vielleicht doch wahr. Und dann wieder erzählt sie tieftraurige, wahre Geschichten darüber, wie Freundschaften in die Brüche gehen, über das Ostige und Westige, wie man sich nach dem Fall der Mauer noch weniger begreift als zuvor. "Wir sind am selben Bahnhof eingestiegen und fahren auf verschiedenen Gleisen zur Endstation Sehnsucht", überlegt sie laut und lässt den Zug Geschichte fahren, ahnend: Man müsste den Fahrplan schon selber machen, um dort anzukommen wo man hin will.
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Die Autorin Jutta Voigt, Essayistin und Kolumnistin u. a. für die Zeit, erhielt 2000 den Theodor - Wolff - Preis. Mit ihrem jetzt editierten Buch "Westbesuch" ruft sie nicht nur dieses nostalgische Zauberwort in Erinnerung, fügt zufällige Ereignisse mit einer filigranen Beobachtungsgabe zu einer Kleinkunstform des Erzählens zusammen, sondern verweist bei aller Wiedersehensfreude und herzlicher Anteilnahme auch auf das fortschreitende Auseinanderleben. Wenn in der Reflexion auch vieles widersprüchlicher war, als es heute vom Westen gesehen wird, so konstatiert sie doch mit viel Sachkunde, dass sich Ostdeutsche und Westdeutsche eigentlich viel besser kannten, als das nach 1989, nach dem Fall der Mauer, für wahrscheinlich gehalten wurde. Wenn den DDR Bürgern mangelnde Zivilcourage und Anpassung vorgehalten wurden, dann widerlegt die Autorin diese Mutmaßungen durch zahlreiche pointierte Fallbeispiele, widersprüchliche Absurditäten die gemacht wurden, um die Grenze zu passieren, während Westbesucher häufig Angst vor den fraglos unangenehmen Grenzkontrollen hatten.

In dem Buch geht es auch sehr massiv um Westpakete, nicht nur um die Besucher aus dem Westen. Mit viel Ironie erinnert sich Jutta Voigt an die Tatsache, dass egal was auch immer in den Paketen geschickt wurde, es wie ein Fetisch wie ein Gegenstand dem eine besondere Ausstrahlung, ja Zauberkraft zugeschrieben wurde, behandelt wurde. Diese Fetischisierung der Westwaren war besonders nach 1989 zu beobachten, ganz zum Leidwesen der Bürgerrechtler, den dieser regelrechte Kaufrausch aufregte und die es lieber gesehen hätten, wenn man sich auf die Ideen gestürzt hätte.

Große Bedeutung hat auch das Wort Sehnsucht in dem Buch. Umstände die eine Lebensqualität mindern führen vordergründig zu einem Sehnsuchtsgefühl. Rückblickend muß man allerdings mit Nachsicht feststellen, dass das überborde Kaufen der Westwaren die Erfüllung von Sehnsüchten war. Pointiert formuliert die Autorin in diesem Zusammenhang, dass der Sinn der Sehnsucht nicht unbedingt in der Erfüllung liegt und das die Erfüllung in sehr vielen Fällen Enttäuschung bedeutet.

Die Mauer wurde bei der Entstehung von vielen Intellektuellen begrüßt, weil man glaubte nun in Ruhe und ungestört den Sozialismus aufbauen zu können und in fünf Jahren sei die Mauer dann wieder weg. Es war ein grober Irrtum und eine große Enttäuschung wie lange die dann stand, wenn auch die Autorin an sehr vielen Stellen des Buches zum Ausdruck bringt, dass sie trotz Anwerbung durch die Stasi auch in den 70 er Jahren noch an den Staat glaubte. Es war ein langer Prozess, mit vielen prägenden Ereignissen, der schließlich dazu führte das Julia Vogt zu dem Ergebnis kam, dass es mit diesem Staat über kurz oder lang zu Ende gehen würde.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist zwar die Besuchszeit lange vorbei, aber, obwohl man die gleiche Sprache spricht, gibt es auch heute auf Grund der unterschiedlichen Sozialisation Missverständnisse und Verschiedenartigkeit und viele Ostdeutsche fühlen sich als "Besucher in Westdeutschland".

Die grandiose Beobachtungsgabe und der gespiegelte filmische Blick führen zu den unterschiedlichsten Erzählsträngen, wobei eine wunderschöne Metapher das Ost-Westverhältnis beleuchtet, in dem Vergleich zwischen Käfighuhn, Freilandhühnern und Kanzlerin Angela Merkel.

Die Geschichten, die unterschiedliche Leseinteressen bedienen können, entwickeln einen Sog, von dem man sich gerne gefangen nehmen und in die Geschichte mitnehmen lässt.
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am 23. August 2009
Trotzdem ich immer Kontakt mit Bekannten in der DDR hatte, war diese Buch doch sehr lehrreich für mich. Es trägt vielleicht auch zu einem besseren Verständnis der heute immer noch herrschenden Animositäten zwischen Ost und West bei.

Das Buch zeigt einmal mehr, dass 40 Jahre Sozialismus in den Menschen tiefe Spuren hinterlassen hat. Das war gelebtes Leben, welches man in den neuen Bundesländern nicht einfach abhaken kann.

Kann das Buch zwecks besseren Verständnisses zwischen "hüben und drüben" nur empfehlen.
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am 27. September 2013
Ähnliche Gedanken hatte ich manchmal auch. Die irrwitzigen Situationen, die systembedingt waren werden gut in Worte gefasst. Das Buch ist lustig, aber auch sehr nachdenklich
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am 16. April 2009
Westbesuch: Vom Leben in den Zeiten der Sehnsucht

Sehr realistisch geschildert.
Gott sei Dank ist das heute nicht mehr nötig!
Trotzdem sehr interessant dargestellt.
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