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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
9


am 2. Februar 2009
Auch für Nichtphilologen sind die Tagebücher V. Klemperers ein zeitgeschichtliches Kleinod, die den Nachfahren speziell hier mit dem alltäglichen Daseinskampf nach dem 2. Weltkrieg in der sowjetischen Zone, dem politischen Engagement und den immer wieder aufbrechenden Zerrissenheiten zwischen seiner jüdischen Abstammung und der Angst vor erneuten Repressalien vertraut machen.
Kritisch anzumerken ist, dass ein familiärer Stammbaum in jeden Band hätte aufgenommen werden müssen.
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TOP 500 REZENSENTam 30. Juni 2016
Nachdem ich Victor Klemperers bedrückende, aber nicht weniger beeindruckende Tagebücher der Schreckensjahre 1933 bis 1945 gelesen hatte, bin ich mit großer Spannung an die Lektüre seiner Nachkriegsaufzeichnungen gegangen.
Meine Eindrücke, ich muß es offen gestehen, sind zwiespältig. Einerseits bieten sie interessante Einblicke in das Leben in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands nach dem Krieg sowie das allmähliche Entstehen der DDR, andererseits sind sie, ganz im Gegensatz zu den Tagebüchern aus der Nazizeit, über weite Strecken langatmig, ausschweifend, ja langweilig. Da gibt es seitenlange Berichte über KPD- bzw. SED-Tagungen, über Gespräche und Verhandlungen im Kulturbund sowie im VVN, über sich oft stundenlang im Kreis drehende Diskussionen und Gedankenaustäusche zwischen Personen, die man weder kennt noch kennen muß. Das zieht sich oft schlimmer wie Kaugummi, und der Leser ermüdet rasch, schlicht weil er überfordert ist.
Hinzu kommt noch eines, was mir persönlich wenig gefallen hat: So sympathisch der Autor über die Zeit seiner Verfolgung und Unterdrückung berichtet, so sehr einen der leidende, der gejagte Victor Klemperer anrührt und bewegt, so sehr befremdet manche seiner Verhaltensweisen in der Zeit danach. Sein fast nicht zu bändigender Ehrgeiz, seine Geltungssucht, seine Posten- und Pöstchenjägerei, auch sein manchmal aufbrausendes Verhalten Andersdenkenden gegenüber trüben das Bild, das man aus den Bänden der NS-Zeit von ihm gewonnen hat. Hinzu kommt seine manchmal etwas grotesk anmutende Anbiederung an die neuen Verhältnisse, an SED und Sowjet-Besatzung.
Noch eines ist mir ins Auge gefallen: In der vollkommenen Isolation des Dresdner "Judenhauses", ohne Radio, Zeitung und Telefon, nur auf Gerüchte und zufällig aufgeschnappte Gesprächsfetzen angewiesen, weiß Klemperer bereits 1942, wie seine Kriegstagebücher belegen, von der Existenz des KZ Auschwitz, aber nach seiner Rehabilitation und dem damit verbundenen ungehinderten Zugang zu allen damals zur Verfügung stehenden Quellen schreibt er kein einziges Wort über die Massenvergewaltigungen und die schier unglaublichen Grausamkeiten der Roten Armee beim Einmarsch in Ostdeutschland, über die willkürlichen Verfolgungswellen der SED und der sowjetischen Besatzungsmacht, über Bautzen und das von den Kommunisten wieder in Betrieb genommene KZ Buchenwald und die zahlreichen anderen "Speziallager" der Sowjets in ihrer Zone, in denen Hunger, Elend und Grausamkeiten aller Art das Leben der meist unschuldigen Insassen bestimmte*. Das mutet befremdlich an.
Auch sein vehementes, frühes Eintreten für die "Oder-Neiße-Friedensgrenze", zu einer Zeit, als sogar noch weite Kreise in der SED auf eine Revision hofften, ist nicht recht nachzuvollziehen, vor allem angesichts der Tatsache, daß diese Maßnahme den eklatanten Mangel an Grundnahrungsmitteln, wie Kartoffeln, Fleisch, Brot, Gemüse, und damit die grassierende Hungersnot in der Sowjetzone erheblich verstärkt hat. Das alles kann doch einem so hoch gebildeten, aufmerksamen Beobachter wie ihm nicht gänzlich entgangen sein, zumal nicht zuletzt er selber und seine Frau Eva an Unterernährung und den daraus resultierenden Krankheiten litten.
Daß Victor Klemperer die Zukunft Deutschlands nur im Marxismus sieht, sei ihm verziehen, auch, daß er in der KPD und späteren SED die besten Garanten gegen ein Wiedererstehen nazistischen Gedankengutes sieht, ist aus seiner persönlichen Situation und den furchtbaren Erlebnissen während der bitteren NS-Jahre durchaus zu verstehen. Weniger jedoch, daß er geflissentlich neue Gesinnungsschnüffelei, neue Pressionen, neue Verfolgungen, neue Enteignungen und Ungerechtigkeiten übersieht bzw. sogar mit einem gewissen Verständnis begleitet. Es ehrt ihn aber, daß er trotz alledem nie das Gefühl ganz los wird, "zwischen allen Stühlen" zu sitzen.
Nun muß der Leser natürlich berücksichtigen, daß der Autor diese Tagebücher niemals für eine Veröffentlichung vorgesehen hatte. Sie wurden erst lange nach seinem Tod, in den 1990er Jahren, erstmals ediert. Das erklärt die vielen Belanglosigkeiten, die endlosen Wiederholungen, die langatmigen Berichte. Ich denke, daß die Herausgeber gut daran getan hätten, hier entsprechende Kürzungen vorzunehmen oder aber die Zusammenhänge besser zu erklären.
Von Interesse sind die Aufzeichnungen allemal, aber ich kann nicht verhehlen, daß mir das Lesen erhebliche Mühe bereitet hat. Durch manche, ja viele Seiten habe ich mich regelrecht hindurch gequält, etliches auch nur überflogen.
Natürlich gibt es auch Passagen, die höchste Aufmerksamkeit verdienen. Ich nenne z.B. Thomas Manns Besuche in Weimar 1949 und 1953, Klemperers Begegnungen mit Johannes R. Becher, seine immer wieder aufscheinende umfassende humanistische Bildung, seine (wenigen) Reisen ins westliche Deutschland und andere Länder Westeuropas.
Daß Victor Klemperer trotz seines weiten Horizonts und seines hohen Intellekts nur selten seine einseitige Hinwendung zum Kommunismus, der ja aufgrund seiner Herkunft so gar nicht zu ihm paßte, ernsthaft in Zweifel zog, scheint trotz allem schwer verständlich und ist wohl nur aus seiner Furcht, ja aus seiner panischen Angst vor einer Rückkehr nazistischer Herrschaft zu erklären.

*) Wer darüber näheres erfahren möchte, dem sei das Buch "Tag der Befreiung? Das Kriegsende in Ostdeutschland" von Hubertus Knabe sehr empfohlen.
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am 10. Dezember 2015
Dieses Buch hat mein Freund lange gesucht, er hat keinen Computer. Also habe ich bei Amazon gesucht und es auch gefunden. Sehr gut erhalten, schnell geliefert, rundum zufrieden
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am 22. Juni 2009
Victor Klemperers Tagebücher aus den Jahren nach dem 2.Weltkrieg sind ein beeindruckendes Zeitzeugnis. Sie stellen, wie die Tagebücher während des sog. "Dritten Reiches", Situation und Lebensumstände eines Intellektuellen in Deutschland dar, der von seiner jüdischen Herkunft geprägt ist.
Klemperer beobachtet die Aufbausituation in der Sowjetzone und der DDR äußerst kritisch, obwohl er im Marxismus das Gesellschaftsmodell für die Zukunft Deutschlands sieht.
Die zwei Bände haben eine hervorragende Ausstattung (jeweils zwei Lesebändchen, was es ermöglicht, schnell auf die gut recherchierten Anmerkungen und Erläuterungen zuzugreifen.
Klemperers Tagebücher sind nicht ganz einfach zu lesen. Wer sich jedoch darauf einlässt, erhält einen Einblick in Zeit und Gesellschaft, die kein Geschichtsbuch bieten kann.
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am 9. Februar 2012
Die beiden gebundenen Bände in der Kassette waren in einwandfreiem Zustand und alles macht den Eindruck einer Neulieferung.
Zustellung war sehr schnell und sicher verpackt. Bei dem Preis für mich ein Schnäppchen.Über den Buchinhalt möchte ich nur so viel sagen: "Es schließt sich den vorangegangenen Tagebüchern von 1933 bis 1945 nahtlos an und schildert beeindruckend und für mich gelungen das damalige Tagesgeschehen ohne eine Korrektur aus heutiger Sicht vorzunehmen,zeigt aber auch gleichzeitig die ewig menschlichen Schwächen am Verfasser selbst!"

M. Kunze
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am 17. November 2010
Die Tagebuchaufzeichnungen Viktor Klemperers aus den Jahren 1933-1945 waren von einer Eindringlichkeit, wie selten zeitgenössische Berichte über das Leben in Deutschland unter den Nazis. Die jetzt veröffentlichten Tagebücher dokumentieren den Zeitraum von 1945-1959. Sie zeigen einen verletzten, psychisch angeschlagenen Menschen, der aber bereit ist, einen radikalen Neubeginn zu wagen.
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am 17. März 2008
Klemperer beschreibt minutiös die Lebensumstände und die Anfänge der Herausbildung
erster gesellschaftlicher Stukturen in der sowjetischen Besatzungszone.
Ehrlich wird (auch eigene) Vorteilsnahme und Pfründen-Wirtschaft präzise protokolliert.
Tabulos werden das Postengeschacher und die Ordenshascherei offengelegt.
Sein "Prolet-Kult" und seine Dankbarkeit für die russischen Befreier werden verständlich,
wenn man Klemperers Leben im Nazi-Deutschland ("Tagebücher 1933-1945") gelesen hat.
Die Schilderung der Lebensverhältnisse deckt sich mit meinen Kindheitserinnerungen nahtlos.
Für mich eine ehrliche Geschichte des Anfangs der DDR, die durch ausführliche Anmerkungen
sowie ein umfangreiches Personen-Register komplettiert wird.
Bei dieser Lektüre wird einem unser jetziges luxuriöses Leben
erst so richtig bewusst.
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am 7. September 2008
Ich habe Klemperers "Ich will Zeugnis ablegen bis zum Letzten" gelesen und war neugierig, wie es ihm in der DDR gehen würde. Bis jetzt bin ich noch ganz am Anfang, aber schon wird sein Zwiespalt, diesen Staat betreffend und seine eigene, zutiefst humanistische Gesinnung, deutlich. Die Lektüre wird mich viele, viele Stunden festhalten...!
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am 28. Juni 2009
Nachdem ich die Kriegstagebücher gelesen hatte, wollte ich vor allem zwei Dinge wissen: Wieso tritt Klemperer nach der Erfahrungen mit den Nazis in die KPD ein, und wie kommt es, dass er relativ schnell nach dem Tod seiner Frau Eva wieder heiratet? Frage eins klärt sich im ersten Band, mit dem zweiten fange ich gerade erst an. Es ist spannend und interessant, zu lesen, wie das Leben unter russischer Besatzung abläuft, und ich empfinde es als große Bericherung, so hautnah mitzuerleben, wie sich ganz langsam die spätere DDR entwickelt. Auch Klemperers Charakter, sein Ehrgeiz, sein Ringen um Anerkennung und Würde, Erfolg und Genugtuung ist faszinierend. Ich wünschte allerdings sehr (und genauso ging es mir schon bei den Kriegstagebüchern), es gäbe eine stark gekürzte "Volksausgabe", weil er so viele viele Informationen liefert, die ich nur mühsamst bewältigt habe. In den Kriegstagebüchern ist das die detaillierte Auflistung der Bücher, die er liest (vor allem französische Literaur des 18. Jahrhunderts) und was er sich dazu denkt. Und in den Nachkriegstagebüchern geht es seitenlang, immer und immer wieder um KPD- und sonstige Versammlungen, Konferenzen und Wahlen. Wer aus dem Kulturbund hat was gesagt, wen gewählt, diesen getroffen und über jenen geredet, und wieder eine Russenaufführung und noch eine Sitzung in der Uni. Die Alltagsbeschreibungen und die persönlichen Einträge sind wirklich berührend und lesenswert, aber diese nicht enden wollenden Protokolle von Sitzungen und Versammlungen, die ermüden mich doch sehr. Ich bin eigentlich ein Schnell- und Immer-Leser, aber für diesen ersten Band habe ich fast drei Monate gebraucht und ich fürchte, beim nächsten wird es nicht besser.
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