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Kundenrezensionen

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am 17. Februar 2011
Ich erlebe es zugegebenermaßen nicht häufig, dass mich ein Buch wirklich verfolgt. Würde Friedrich Nietzsche noch leben, hätte er vermutlich dieses Buch geschrieben. Es ist kompromislos und es stellt die Grundpfeiler unserer zivilisierten, kultivierten und abendländischen Moralvorstellungen sehr radikal in Frage. Der Mensch erscheint hier als ein Lebewesen, das Gewalt nicht deswegen verübt, weil es ideologisch oder moralisch dazu getrieben wird, sondern als ein Lebewesen, das gerne aggressiv und gewalttätig ist. Ideologie, politische und praktische oder gar moralische Grundsätze erscheinen hier als der Rahmen, innerhalb dessen wir unseren Spaß an der Gewalt rationalisieren, mithin rechtfertigen.
Unter normalen Umständen würde ich sagen: Gut! Das ist eine Position, die man haben kann. Aber die Gegenposition ist doch auch irgendwie plausibel. Das Problem bei diesem Buch - und darum verfolgt es mich und macht mich mehr als nachdenklich - ist nur, dass Eugen Sorg sehr viel Ahnung von der Materie hat. Er kennt den Menschen nicht nur als Psychotherapeut, sondern auch als ein Mensch, der bereits sehr viele Kriegs- und Kriesengebiete besucht hat. Er hat persönlich in Erfahrung gebracht, wie Menschen ihre Verbrechen beschreiben und rechtfertigen. Er schöpft aus der Anschauung und dem direkten Kontakt. Darüber hinaus widmet er sich aber auch bereits bekannten Untersuchungen, wie etwa dem Milgram-Experiment und liest sie noch einmal neu. Dabei entdeckt er, dass unser aggressives und zerstörerisches Verhalten nicht nur auf Autoritätshörigkeit reduziert werden kann oder auf das Befolgen von Befehlen, sondern er weist minutiös nach, dass es mehr als nur vereinzelt auch "die Lust am Bösen" ist, die uns leitet.
Ich weiß noch nicht, ob ich dem Buch in allem glauben möchte. Aber dennoch hab ich selten in so klarer und fundierter wie schonungsloser Weise das Gesicht des Menschen zu sehen bekommen, das keiner von uns gerne vor sich her trägt. Selten stellt ein Buch so einleuchtend dar, auf wie dünnem Eis sich unser Rechtsstaat, unsere Kultur und das, was wir so stolz als Zivilisation preisen, eigentlich befindet. Ein wichtiges Buch und ein absoluter Lesetipp, dem ich, wäre es möglich, weitaus mehr als nur fünf Sterne geben würde!!!
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am 19. März 2011
Hin und wieder stößt man auf ein Buch, das einen die Welt anders wahrnehmen und begreifen lässt. Eugen Sorg hat so ein Buch geschrieben. Fundiert legt er dar, dass unsere üblichen Erklärungsversuche nicht ausreichen, um die Gewalt zu deuten, wie sie zum Beispiel in Ex-Jugoslawien, Ruanda oder Afghanistan gewütet hat. Stattdessen wird diagnostiziert: Diese Greuel unterscheiden sich in ihren Ursachen nicht wesentlich von dem, was etwa Passanten widerfährt, die in deutschen Großstädten von Jugendlichen totgetreten werden. Es ist, so die These, die pure Lust am Bösen, die hier wie dort ihre Fratze zeigt.

Sorg wird sich mit seinem Buch einige Schelte von Seiten des politisch-korrekten Kommentariats einhandeln. Vermutlich schon deshalb, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er etwa die Anhänger des radikalen Islam mit Sätzen wie diesen beschreibt: "Ihre Religion heißt Sadismus, ihre Gebete sind der Albtraum jedes empfindsamen Lebewesens, ihre Messen sind Orgien der Verstümmelung. Die Jihadisten sind nicht verzweifelt oder unglücklich oder auf eine verdrehte Art idealistisch. Sie vergotten die eigene Allmacht. Sie preisen das Niedrigste im Menschen und zelebrieren den Kollaps der Zivilisation. Der radikale Islamismus verkörpert die zeitgenössische Ideologie des Bösen."

Sorgs "Die Lust am Bösen" ist ein gutes, ein wichtiges Buch.
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am 10. Juli 2011
Ich weiß nicht, ob es dem Autor bewusst ist oder nicht, aber was er erkennt und konstatiert, ist das Menschenbild, das uns die Bibel zu vermitteln versucht - und das heute normalerweise extrem unpopulär ist: Wenn es ernst wird, müssen wir uns eingestehen, dass wir uns selbst am meisten lieben, uns selbst, ganz persönlich, und dann, wenn es hochkommt, noch unsere Nächsten ein bisschen; und das Böse kann sehr schnell über Selbstverteidigung hinaus Selbstzweck werden an denen, die uns nichts bedeuten, die uns fernstehen, an denen, die sich nicht wehren können und uns vielleicht sogar noch den Hauch eines Anlasses geben.

Mir gefällt das Buch sehr gut, weil es mutig etwas aufdeckt, was in moderner Unterhaltung und der Selbstdarstellung unserer Gesellschaft immer gern unter den Tisch gekehrt wird: Es ist so leicht, Geschichten zu kreieren, in denen die Menschen sich letztlich doch als gut oder höchstens als Opfer schwieriger Umstände erweisen. Dass das Böse Selbstzweck werden kann, Sucht, "Hobby" - wer wagt es denn heutzutage, sowas vorzutragen? Hier wurde es gewagt.
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am 31. März 2011
Dieses Buch musste so, jetzt geschrieben werden und Eugen Sorg konnte es realisieren. Ein Kompendium, das Böse zu erahnen, als etwas, das mitten unter uns ist. Hilflos schauen wir zu und versuchen zu intervenieren. Wahrscheinlich sind Präventionsmaßnahmen sehr wichtig, sind jedoch zugleich wie das Schild, das eine Person vor der Gewalt, vor dem Bösen schützt.
Das Buch ergreift und regt an, Die Welt, die Presse, die Menschen, die Politiker, uns anders zu sehen. Wo ist in mir das Böse, wird sich der geneigte Leser fragen, denn zweifelsfrei ist es mitten unter uns. Wir alle tragen immer die Verantwortung.
Jeder Mensch, sagt der Rabbi, ist in der Lage, dem Guten oder dem Bösen zu dienen, es kommt allein auf seine Entscheidung an. Immer und überall auf seine Entscheidung.
Karl Popper sagte, "Die Freiheit hat immer einen schweren Stand". Die Dimension des Bösen und die Lust am Bösen ist nochmals eine andere Dimension. Und zu verstehen dass sie nicht heilbar ist wird zur Aufgabe im Umgang mit dem Bösen. Gerade so, wie Popper auf die ständige Bereitschaft die freiheitliche Demokratie zu verteidigen kommt, ist dieses Paradigma auf den Umgang mit dem Bösen zu beziehen. Das Böse beim Namen nennen wird es zwar entzaubern, aber nicht beseitigen, weil es immer da ist.
Die Abkürzung IKRK ist nicht erklärt, das ist ein Mangel, der sich jedoch interaktiv beheben lässt.
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am 27. März 2011
In dem Buch geht es keineswegs nur um die Abgründe des Islam. Es geht um das Böse und wie es in unserer Gesellschaft systematisch ausgeblendet wird. Es geht darum, dass viele, die sich selbst als aufgekläre Bildungsbürger bezeichnen, ihre heile Sicht der Welt auf die Realität projizieren, das Böse darin und die Lust der Menschen daran ausblenden und es dann nicht mehr erkennen können oder wollen, wenn es leibhaftig vor ihnen steht. Eigentlich geht es darum, wie die Gutmenschen und die Medien die Realität und das Wesen des Menschen, mit all seinen Abgründen, leugnen. Und wenn das Böse dann einmal zum Vorschein kommt, tun diese alles, um die Realität und die vorliegenden Indizien zu leugnen, damit ja nicht ihre Sicht der Dinge ins Wanken gerät.

Die Beispiele, die der Autor hier anführt, sind eindrucksvolle Zeugnisse dafür: Milgram-Experiment, Adolf Eichmann, mordende Krankenpfleger, mordende Nachbarn, usw. Beeindruckend nicht wegen der Grausamkeit der Taten, sondern wegen der (ignoranten) Schlussfolgerungen der Wissenschaftler und Medien daraus, die mehr über das Böse aussagen, als es die Taten je vermochten. Denn der Autor stellt auch dar, dass die Täter die vermeintlich aufgeklärten Wissenschaftler und die ach so oberklugen Medien selbst durchschaut haben und anscheinend mit großer Lust nach ihrem Willen manipulieren, so dass diese ihnen folgen und sich damit selbst zu Werkzeugen des Bösen machen. Die Klugen und die Guten sind in Wahrheit die Bösen.

Beeindruckend und eine absolute Kaufempfehlung!
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VINE-PRODUKTTESTERam 5. Juli 2011
Mit 'Die Lust am Bösen: Warum Gewalt nicht heilbar ist' macht der renommierte Schweizer Journalist Eugen Sorg ein vielleicht etwas konservatives Angebot für die Erklärung der Entstehung und Verbreitung von schwerer (körperlicher) Gewalt durch Individuen und Kollektive: es sei die Lust am Bösen.

Das weitgehend an Einzelbeispielen vom U-Bahn-Schläger in München über Adolf Eichmann zu Lagerkommandanten in Bosnien aufgehangene Werk bietet alternative Perspektiven für ein zeitloses gesellschaftliches Phänomen. Dabei versucht der Autor nicht durch repräsentative Empirie einen exklusiven Universalanspruch seiner Theorie geltend zu machen. Vielmehr ermöglicht die teilweise überzeichnende Reflexion des Mainstreams - besonders in Form von Fehl- und Mangelberichterstattungen seitens Zeitungsjournalisten - ein "Rosinenpicken" guter Diskussionsansätze.

Vor allem Eugen Sorgs Perspektive auf das Autoritätsexperiment von Stanley Milgram (1961) steht in einem erfrischenden Erklärungskontrast zu tradierter Mehrheitsmeinung. Nicht die Unterordnung unter einer Autorität ist handlungsleitend, "sondern die Lust, den >Schüler< zu bestrafen und zu demonieren" (S. 41).

Die durchaus zur Diskussion einladenden Kernaussagen des Buches könnten sein: "Der westliche Therapeutismus infantilisiert den bösartigen Kriminellen" (S. 155), deren "Gewalt >nicht persönlich< gemeint, weder Reaktion auf etwas noch Mittel eines zugrundeliegenden Zwecks" (S. 37) ist und letztlich immer "ein autonomer Entscheid der Einzelnen, eine individuelle moralische Wahl, getroffen in jenem winzigen Spielraum der Freiheit, der sich zwischen der Ausgangssituation und der Handlung eröffnet und der die Conditio humana kennzeichnet." (S. 25)

Leider steht die kollektivistische Dämonisierung des Islams am Ende des Buches in einem für mich ärgerlichen Kontrast zur Individualisierung der Tatverantwortung auf den ersten ca. 100 Seiten. Trotzdem lesenswert.
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am 11. Juli 2011
Eugen Sorg war als Beauftragter des Internationalen Roten Kreuzes und als Journalist in vielen Kriegsgebieten wie Jugoslawien, Afghanistan, Angola, Somalia, Liberia, Sudan und hat dort das Grauen des Krieges, die extremer Grausamkeit und Mitleidslosigkeit als Augenzeugen erlebt. Er hat mit vielen Menschen geredet, die kein schlechtes Gewissen beim Töten hatten. Das hat seine Überzeugung über die Herkunft des Bösen tiefgehend verändert. Ihm ist ohne jeden Zweifel klar geworden, das Böse ist das, was im tiefsten Innern eines jeden Menschen sitzt. Damit leugnet er den denktheoretischen Ansatz des Humanismus, ebenso wie den der Tiefenpsychologie und Psychoanalyse, die er als ehemaliger Psychotherapeut vertreten hat. Diese gehen davon aus, dass der Mensch im Kern gut sei. Sorg dagegen vertritt kurioserweise den biblischen Ansatz, ohne sich jedoch zum christlichen Glauben zu bekennen. Seine Erfahrungen zwangen ihn zum Umdenken, daher bedient er sich christlicher Terminologie, weil er sie für passend hält.
In diesem Buch vertritt er die Auffassung, dass Gewalt nicht therapierbar oder heilbar ist. Wer das Böse leugnet, so seine Erkenntnis, gefährdet die Freiheit. Zwar ist das Böse ein Extrem des Versuchs sich frei zu machen, und das Gefühl der Allmacht zu bekommen, nämlich so zu sein wie Gott, aber es zerstört in Wirklichkeit alles Freiheitliche.
Interessant ist, dass der Autor dazu auffordert die Gefahren, die vom Islamismus ausgehen, ernst zu nehmen. Im politischen Islam macht man die Täter nicht verantwortlich.
Sorg warnt, dass die " Decke der Zivilisation" dünn und brüchig sei. Die wichtigste Erkenntnis ist bei ihm, dass das Durchbrechen des Bösen bei jedem Menschen möglich ist, weil es bei jedem angelegt ist. Dann wird das was unvorstellbar ist, einfach und beinahe selbstverständlich. Es gibt ja genügend Beispiele auch aus der jüngeren deutschen Geschichte.
Aus einem Alptraum wird schnell Normalität, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Sorg sagt: "Die Menschen berauschen sich nicht an Ideen, sondern sie benutzen Ideen, um ihren Rausch zu legitimieren. Die äußeren Umstände bilden nur den Rahmen für das freie Handeln des Einzelnen, aber sie liefern keine Erklärung für die Entscheidung zu einer bösen Handlung."
Der Autor berichtet auch davon, dass die Journalisten meist selber nicht hinschauen können und deshalb die Berichterstattung über die tatsächlichen Ereignisse geschönt ausfällt. Er verrichtet, in Liberia praktizierten die meisten Kämpfer, darunter Kinder und Halbwüchsige, blutige Voodoo-Feiern, Blutopfer, ritualisierte Formen von Kannibalismus, Barbareien aus purer Lust am Bösen durch die Lust des Bösen. Wenn der Autor davon spricht, dass diese Menschen einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, der Rausch, Lust und Vergnügen verspricht, aber nur zur Selbstzerstörung anleitet und dass da der Teufel dahintersteckt, meint er das nur im übertragenen Sinn. Denn irgendwie gilt für ihn nach wie vor das, was er seinen Berufskollegen vorhält: "Die westliche Welt will sich ihr Gärtchen bewahren, ihre Vorstellungen von einer heilen Welt." Er zitiert sogar Baudelaire, der gesagt hat, die größte List des Teufels sei es, uns zu überzeugen, es gäbe ihn gar nicht. Der Teufel steht für ihn mehr für das Grundböse.
Die Existenz dieses Grund- Bösen zu leugnen sei der "schnurgerade Weg, sich ihm auszuliefern". Aber das gehört ja wohl zur political correctness, die er anprangert, denn in den Gesellschaften des Westens werden nicht nur das Böse wie das Gute relativiert oder ganz geleugnet. Das Böse wird sogar als fehl geleitetes Gutes, als reaktive Verhaltensweise, oder gar als Kinderglauben abgetan. Der Autor würde eher mit Kierkegaard von der " Faktizität des Bösen" sprechen. Das Böse ist lebendig und mächtig und kaum noch zu kontrollieren, wenn es einmal losgelassen worden ist. Das erklärt auch, warum die Massenmörder der Tutsi in Ruanda sagten, sie wüssten, dass sie nichts Christliches täten, aber in diesen Blutorgien wollten sie bewusst auf Gott pfeifen..
Dass Terror die "Sprache der Verzweifelten" sein soll bezeichnet Sorg als unrealistisch und weltfremd. Hinter dem Bösen steckt keine Pathologie, keine Verzweiflung, keine Rache für erlittenes Unrecht. Das ist das Ergebnis der Analyse in diesem Buch. Er folgert, um das Böse zu vermeiden, muss der Mensch moralisch die richtigen Entscheidungen treffen. Das klingt altmodisch. Der Autor ist aber überzeugt, dass jeder Mensch weiß oder wissen kann, was gut ist. Das ist eine gewagte These in der Zeit der Postmoderne.
Das Besondere ist hier nicht, dass der Autor auf völlig neue Erkenntnisse gestoßen wäre. Das Besondere ist, dass er die Fakten annalysiert hat und dadurch zu einer Schlussfolgerung gekommen ist, die gegen seine eigene bisherige Überzeugung war und zugleich allem widerspricht was die Postmoderne mit ihren pseudo-"wissenschaftlichen Erkenntnissen" vertritt.
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am 11. Dezember 2011
Heutzutage wird die Gewalt des Einzelnen stets mit schlimmen Ereignissen, selbst erlebter Gewalt und gesellschaftlichen Mißständen erklärt. Das hat für den Betrachter etwas von Entschuldigung, nach dem Motto: Der kann nichts dafür, man hat ihn dazu gemacht. Auf dieser Basis findet die mediale und rechtliche Bewertung von Straftaten bis hin zum Verhalten von Diktatoren statt.
Nun kommt der Autor mit einer Gegenbehauptung daher, knapp gefaßt: Der Mensch ist manchmal von Geburt an böse, er braucht nur die Gelegenheit, aber keine Unterweisung, und schon gar kein Trauma als Auslöser. Das wird an einigen Beispielen aufgehangen, die in sich sehr plausibel sind. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte, das Verdienst des Autors ist es aus meiner Sicht, weg zu führen von der eindimensionalen Gesellschaftskritik und der manchmal doch recht ärgerlichen Entschuldigungs-Apologetik der Sozialwissenschaftler. Wenn man beide Seiten der Betrachtung kennt, kann man sich entscheiden, wem man zuneigt. Dazu gehört auch die beunruhigende Alltagserkentnis, dass es richtig böse Menschen gibt, denen zeitlebens niemand etwas angetan hat und die nach der Theorie eigentlich glücklich und nett sein müssten.

Deutlich abfallend ist der Teil, in dem es um den Islam geht. Das greift zu kurz und hätte durchaus elegent gelöst werden können. Denn nach den Erkenntnissen des Autor braucht der latent böse Mensch nichts weiter als eine Ermunterung und den rechtlichen Rahmen, ungestraft böse sein zu dürfen. Das geht prinzipiell mit jeder monotheistischen Religion und ist in jeder Religion auch schon dann und wann vorgekommen ("Tod allen Ungläubigen" ist der beherrschende Kampfruf aller Fanatiker seit 2000 Jahren), in milderer Form kommt es auch in unserem zivilisierten leben vor. Oder wie erklärt es sich der Sozialwissenschaftler, dass stets die Sadisten und Menschenschinder in die Vorstände aufrücken, dass in so vielen Ländern Staatschefs zu Diktatoren mutieren, dass Menschen mit Macht solche ohne Macht verachten und nicht als ihresgleichen ansehen?
Das hätte noch besser erklärt werden müssen, aber wahrscheinlich weiß es niemand genau: Warum Menschen mit Macht diese so unausweichlich mißbrauchen.
Alles in allem aber doch ein wichtiges Buch, allein, weil es aus dem Einheitsbrei der verständnisvollen Erklärer herausragt.
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am 16. November 2011
Vergeßt die Bestseller! Es gibt nur wenige Bücher, die Neues von grundsätzlicher Bedeutung bringen. Dieses Buch gehört dazu und sollte deshalb zur Pflichtlektüre für jedermann werden. Unbeirrt von einer allgemein vorherrschenden Psychosozialromantik, die alles Böse auf die "Verhältnisse" zurückführt, als sei der Mensch nur deren Objekt, seziert der Autor das Phänomen des "Bösen" und findet drei fundamentale Eigenschaften, die den Menschen auch vom Tier unterscheiden: Die Möglichkeit, sich zwischen gut und böse entscheiden zu können, die Lust am Bösen zu empfinden und die Verlogenheit, mit der er seine Untaten hinterher zu verbergen sucht. Wenn wir vor einem unvoreingenommenen Blick auf die menschliche Natur nicht zurückschrecken, müssen wir davon ausgehen, daß auch und gerade bei den größten Untaten im Kernspintomogramm irgendeinein Belohnungszentrum aufleuchtet. Diese Erkenntnis tut mehr weh, als die, daß die Sonne nicht um die Erde kreist und die Welt sich nicht um den Menschen dreht. Aber sie ist auch wichtiger, denn nur so kann man die Gewaltphänomene wirklich verstehen und eindämmen.
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am 12. März 2011
Scharfsinnig und kritisch wird hier auf Sachverhalte hingewiesen, was schon lange überfällig ist. Basierend auf echter Menschenkenntnis, wirklicher Lebenserfahrung und dem Mut, so manchen Irrglauben in Frage zu stellen, ist dies ein brillantes Buch, wofür ich dem mutigen Autor dankbar bin.
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