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Kundenrezensionen

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am 3. Oktober 2013
Ich habe schon lange nicht mehr mit dem Finger gelesen, so atemberaubend fand ich den Roman. Der Finger sorgte dafür, dass ich auch alle Wort las und nicht überflog, weil es so aufregend geschrieben ist.
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VINE-PRODUKTTESTERam 30. Oktober 2012
Francis lebt mit seiner manisch depressiven Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in einer langweiligen Kleinstadt in New Jersey. Der siebzehnjährige war früher ein guter Schüler und auch ein erfolgreicher Ringer seiner Schulmannschaft. Die Trennung seiner Mutter von Stiefvater und Bruder hat ihn jedoch aus der Bahn geworfen. Als seine Mutter aufgrund eines Zusammenbruchs erneut in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, lernt er Anne-May kennen, die ebenfalls dort behandelt wird. Seine Mutter versucht sich das Leben zu nehmen. In ihrem Abschiedsbrief klärt sie Francis über das Geheimnis seiner Zeugung auf. Er ist das Produkt eines wissenschaftlichen Experimentes und verdankt seine Existenz dem Samen eines genialen Spenders. Mit den Hinweisen seiner Mutter im Gepäck macht Francis sich mit seinem Freund Grover und Anne-May mit dem Auto auf den Weg quer durch Amerika um den Vater zu finden und dadurch Sinn in sein eigenes Leben zu bringen.

Benedict Wells verarbeitet in seinem Roman eine Story, die das Magazin Spiegel im Jahr 2005 unter dem Titel "Genies aus der Kälte" herausbrachte. Es ging dabei um die "Nobelpreis Spermienbank" des Multimillionärs Robert Graham die 1999 geschlossen wurde und aus der 215 Retortenkinder hervorgingen. Eines der Schicksale dieser Kinder die dieser Artikel beschreibt, diente augenscheinlich als Grundlage für den Roman.

Francis der vaterlose Junge, dessen Leben aussichts- und perspektivlos erscheint, klammert sich an den einzigen Ast, der sich ihm bietet. Durch die späte Offenbarung seiner Mutter bekommt sein Dasein einen Hoffnungsschimmer. Wer einen genialen Vater hat, kann kein Versager sein.

Es sind diese einfachen Formeln, die das Buch zu einer leichten, aber auch enttäuschenden Lektüre machen. Francis bringt den Sinn des Lebens auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Genius ist gleich Erfolg, Erfolg ist gleich Geld, Geld ist gleich Glück. So meint er seine große Liebe Anne-May für sich gewinnen zu können, so meint er das Rezept für ein erfülltes Leben zu haben.

Die Oberflächlichkeit der Handlung und ihrer Figuren wird dem ernsten Grundthema in keiner Weise gerecht. In einer kurzen Sequenz schreibt Wells über ein weiteres Retortenkind. Ein Mädchen, dass seinen "Spendervater" gefunden hat, von ihm zurückgewiesen wird und daran zerbricht. Hier scheint blitzlichtartig auf, worum es in diesem Buch hätte gehen können. Was passiert mit Kindern, die ihre Wurzeln nicht kennen? Wo die fehlende Identität das Leben vergiftet oder zur ewig schwärenden Wunde wird? Wo die Zurückweisung zur niederschmetternden Erfahrung eines jungen Lebens wird?

Wells hat aber nur einen leicht verdaulichen "Roadmovie" mit einem unreifen Helden inszeniert, der sich eher von seinen Genitalien als von seinem Hirn leiten lässt. Seine Hauptfigur begreift das Leben als ein Glücksspiel. Rot oder Schwarz, Hopp oder Topp, Alles oder Nichts.

Das Leben ist ein Abenteuer und will gespielt werden. Oft ist dazu auch Glück notwendig, aber ein Glücksspiel ist es deshalb noch lange nicht. Eigentlich hätte der Held auf seiner langen Reise quer durch die Staaten Zeit gehabt, das zu lernen, wenn Wells ihm die Möglichkeit dazu gegeben hätte bzw. dazu in der Lage gewesen wäre. Aber scheinbar waren ihm "Sex, Drugs und Rock'n Roll" sowie geographischen Besonderheiten wichtiger. Schade.
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am 28. August 2011
Zum Inhalt:
"Fast genial", das ist die Geschichte von Francis Dean, der eines Tages von seiner Mutter erfährt, wer sein Vater ist. Sie hatte ihm das nämlich bis fast zu seinem 18.Geburtstag verschwiegen. Als sie ihm dann mit der Wahrheit konfrontiert fällt Francis aus allen Wolken. Francis ist das Ergebnis eines Experiments, ein Ergebnis der Samenbank der Genies. Der Gründer dieser Samenbank, wollte nämlich dass es auf der Welt mehr Genies gibt. So suchte er Frauen, die sich freiwillig mit dem Sperma eines Genies befruchten ließen, um kleine geniale Nachfolger zu "züchten".

Da Francis mit dieser Wahrheit nicht so richtig klarkommt und seinen Vater trotz aller Geheimnistuerei kennenlernen möchte (seine Mutter weiß nämlich überhaupt nicht, wie sein Vater heißt), macht er sich zusammen mit seinem besten Freund Grover und dem psychisch labilen Mädchen Anne-May auf die Suche nach seinem Vater, seiner Herkunft, seiner Vergangenheit und letztendlich auch auf die Suche nach sich selbst. Denn bald muss sich Francis die Frage stellen, ob es wirklich so wichtig ist, wer sein Vater ist und ob ihn nicht ganz andere Dinge als nur die biologischen Gene ausmachen. Als Francis am Ende der Suche auf eine unbequeme Wahrheit stößt, gerät seine Welt aus den Fugen und nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Meine Meinung:
Mein erstes Buch von Benedict Wells, obwohl er schon 2 davor geschrieben hat. Sofort war ich von seinem Schreibstil und seiner Erzählart gefesselt und begeistert. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und mich während des Lesens immer wieder zum Nachdenken angeregt.

Der Leser wird vorallem mit der Frage konfrontiert, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Sind es wirklich die Gene, oder können wir trotzdem wir selbst sein, egal wer unsere Eltern sind. Benedict Wells beschreibt diese Suche nach Francis' Herkunft und die Suche nach sich selbst so eindrücklich, dass mir die Geschichte wohl noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

Selten empfande ich während dem Lesen eines Buches, so viele verschiedene Gefühle wie hier. Zum einen war da die Hoffnung, dass die Geschichte für Francis so ausgeht wie er sich das wünscht. Zum anderen waren da die melancholischen Gefühle Anne-Mays, die den Leser sofort mit sich ziehen. Ich habe gelacht, nachgedacht, mit den Protagonisten mitgefiebert und gelitten. Ich war einfach mittendrin statt nur dabei.

"Fast genial" ist definitiv ein Buch für die etwas jüngere Generation, da es sich ja auch um einen 17-jährigen Protagonisten handelt und dieser einfach die Probleme hat, die Jugendliche in diesem Alter haben. Abgesehen davon hat Benedict Wells, wie ich finde, einen sehr jugendlichen Schreibstil, was vielleicht auch daran liegt, dass er selbst erst Mitte 20 ist.

Das Buch ist leicht zu lesen, dabei aber keine leichte Kost und auf keinen Fall seicht oder flach. Benedict Wells schafft es, seine Protagonisten so zu beschreiben, dass sie markant und unverwechselbar wirken. Sie sind echt und man kann eigentlich alle drei verstehen.

Der Lauf der Geschichte ist stellenweise sehr überraschend, dadurch aber im Nachhinein auch wirklich sehr passend. Ich will hier nicht mehr verraten, aber so wie die Geschichte sich wendet und vorallem dann das Ende passen einfach wie die Faust aufs Auge. Der Autor hat die Geschichte am Ende offen gelassen, was ich ja einerseites eigentlich echt gemein finde, andererseits lässt das viel Spielraum für die Fantasie des Lesers und jeder kann sich sein eigenes Bild machen und die Geschichte so zu Ende gehen lassen, wie er es gerne hätte.

Der Titel des Buches passt übrigens auch total gut zu der Geschichte. Mehr kann ich hier leider nicht sagen, aber ich denke jeder, der die Geschichte gelesen hat wird mir zustimmen.

"Fast genial" wird ganz bestimmt nicht mein letztes Buch von diesem Autor sein, denn durch seine unnachahmliche, einfühlsame Art zu schreiben, seine eindrücklichen Protagonisten und seine "fast geniale" Geschichte hat er mich als Leserin dazugewonnen.

Fazit:
Ein rundum gelungenes Buch, dass von der Suche nach einem Vater, aber auch nach der eigenen Identität erzählt und dabei nie flach, sondern immer einfühlsam und überraschend bleibt.
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am 1. September 2013
Auch in dem 2011 erschienenen, dritten Roman des 1984 geborenen Müncheners Benedict Wells geht es um das Leben in seinen Hoffnungen wie auch in seinem Scheitern, diesmal ist der junge Autor angeregt worden zu seinem Plot über eine tatsächlich 1980 von Robert Klark Graham gegründete "Samenbank für Genies" bei San Diego in den USA. Die Spender waren allesamt Nobelpreisträger und Graham wurde darüber zum Pionier der künstlichen Befruchtung. Seine Ideen sind natürlich umstritten – damals wie heute. Mit Grahams Tod 1997 schloss die elitäre Samenbank ihre Pforten, doch ihr Erbe lebt in unzähligen Kindern fort.

Die Handlung des Romans spielt komplett in Amerika: Francis Dean, ein fast achtzehnjähiger junger Mann, lebt mit seiner mal wieder wegen Depression in die Psychiatrie eingelieferten alleinerziehenden Mutter in einem Wohnwagen-Park des amerikanischen Ostens in ziemlich ärmlichen Verhältnissen, ohne Chance auf Besserung seines Schicksals. Sein vermögender Stiefvater ist irgendwann nach New York gezogen und hat ihn und seine Mutter im Elend sitzen gelassen. Und seinen richtigen Vater kennt er nicht. Bei Besuchen seiner Ma in der Psychiatrie lernt er in Anne-May eine interessante und schöne, zwei Jahre ältere junge Frau und ebenfalls Patientin kennen, in die er sich sofort verliebt. Als seine Mutter mit Suizidversuch eingeliefert ist, entdeckt er ihren Abschiedsbrief, darin teilt sie Francis mit, daß er Sohn eines Harvardabsolventen sei, der einen IQ von 170 habe. - Er beschließt daraufhin, diesen Vater im fernen Kalifornien zu suchen, und zwar begleitet von Anne-May wie auch von seinem Freund Grover, ein Kind reicher Eltern, der einen Chevy beisteuern kann.
Was folgt, ist eine sehr interessant geschilderte Fahrt dreier junger Menschen, ein Roadmovie über die Suche des eigenen Weges, mitunter auch sehr ernüchternd und enttäuschend, zuletzt mit einem für den Leser offen gelassenen Ende.

Das Thema Gene und ihre fraglich bestimmende Auswirkung auf das Leben wird gut umgesetzt von Wells. Die Lektüre lohnt auf jeden Fall. (01.09.13)
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am 8. Oktober 2013
Um es vorweg zu nehmen: Dieses Buch hat mich wirklich überzeugt und es würde mich nicht wundern, wenn wir den Inhalt irgendwann als Road-Movie in den Kinos haben!

Die Story in Kürze: Francis lebt mit seiner psychisch erkrankten Mutter in einem Trailerpark einer amerikanischen Kleinstadt. Seine freie Zeit verbringt Francis vor allem mit Groover, der eher ein Außenseiter ist, jedoch für Francis ein guter Freund. Als Francis Mutter erneut in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, lernt er dort die suizidale Anne-May kennen. In dieser Zeit erfährt Francis auch Anhaltspunkte über seinen leiblichen Vater, die ihn dazu bewegen, auf die Suche nach diesem zu gehen. Auf dieser Reise, die quer durch Amerika führt, begleiten ihn Groover und Anne-May.

Rezension: Drei junge Erwachsene, jeder mit seiner eigenen Geschichte sowie mit seinen eigenen Problemen und persönlichen Verletzungen, gehen zusammen auf eine Reise, die durch Emotionen, Hoffnungen, Träume und Erwartungen geprägt ist. Alle Charaktere in diesem Buch sind sehr gut herausgearbeit und treffend beschrieben. Gerade das Miteinander, die damit verbundenen Freuden und gegenseitigen Verletzungen, machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Die Beziehung zueinander und die Zerrissenheit, die jeder Einzelne mit sich trägt, erschließt sich beim Lesen wie selbstverständlich. Es gibt keine unnötigen Längen und Wells gibt genau an den richten Stellen genügend Informationen. Beachtlich ist zudem, wie Wells in seinem Buch gesellschaftlich relevante Themen anspricht. Teilweise zwischen den Zeilen, aber trotzdem mit Gewicht.

Fazit: Ein Buch, in dem viel mehr steckt, als die bloße Beschreibung einer ereignisreichen Reise!
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am 7. Februar 2012
Wäre der Film Friendship! mit Matthias Schweighöfer früher produziert worden, hätten sicher manche den Verdacht geäußert, Wells habe sich bei dem Filmdrehbuch reichlich unverfroren bedient, so auffällig sind die Parallelen zum Film. Denn auch dort ist das zentrale Motiv, der Beweggrund für eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten, die Suche des jugendlichen Helden nach seinem unbekannten Vater. Pennäler-Possen pflastern auch hier den Weg der jugendlichen Gefährten. Allerdings sind es nicht zwei, sondern wie in The Lucky Ones (ein Film, der ebenfalls Pate gestanden haben könnte) drei Gefährten, die gemeinsam in Richtung Kalifornien unterwegs sind. Signifikante Unterschiede gibt es aber vor allem am Anfang und am Schluss. Man könnte auch sagen, Wells' Roman ist vielschichtiger und facettenreicher als der artverwandte Film, denn der in den Medien viel diskutierte Geniestreich seines Autors ist ja die Verknüpfung dieser Entwicklungs- und Entdeckungsreise mit dem Thema der Genie-Samenbank.

Ein Amerikaner namens Monroe hatte nämlich, so rekonstruiert es der Roman, einst die fast geniale Idee einer Samenbank, in der Genies, Nobelpreisträger, Hochbegabte, zeugungsfähig gewordene Wunderkinder, in Form eingefrorener Samenspenden ihre Gene der Nachwelt vererben konnten. Die inzwischen am bipolaren affektiven Syndrom erkrankte Mutter der Hauptfigur Francis Dean wurde achtzehn Jahre, bevor die Geschehnisse in diesem Roman ihren Lauf nehmen, zu einer der Frauen erkoren, die ein solches künftiges Genie austragen durften. Als Francis sein noch unentfaltetes Genie an die US-Armee verschleudern will, weil er mit seiner mittellosen, geschiedenen und nun auch noch nervenkranken Mutter und einer wenig zukunftsweisenden Gelegenheitsarbeit auf keinen grünen Zweig kommt, offenbart diese ihm, welch sensationelles Potenzial eigentlich in ihm schlummern müsste. Kurz darauf befindet sich Francis vermöge seinem Stiefvater abgeschwatzten Geldes gemeinsam mit der unter depressiven Attacken leidenden Anne-May, die Francis in der Klinik kennen gelernt hat, in der seine Mutter behandelt wird, und seinem besten Freund Grover, einem etwas verklemmt wirkenden Informatikgenie, der zum Glück ein Auto hat, auf dem Weg nach Los Angeles, zur Monroe-Klinik, wo noch Unterlagen über das gescheiterte Projekt lagern. Unterwegs kommt es zwischen den Jungen zu Spannungen, weil beide von der bildschönen Anne-May hingerissen sind und sie, offenbar zur Nymphomanie neigend, sich gern begehren, aber ungern besitzen lässt. Höhepunkte der transkontinentalen Reise: gemeinsames Nacktbaden im Hotel-Pool, ein waghalsiger Sprung über eine Felsspalte im Grand Canyon, der Grover kurzlebigen Ruhm einbringt, Francis' kläglich scheiternder Versuch, einen Roulette-Traum in Las Vegas wahr werden zu lassen, die Begegnung mit einem echten Samenbank-Genie, dessen Leben aber auch alles andere als genial ist, und Sex. Francis, Grover und Anne-May machen alle drei intensive erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Die anfangs sehr vagen Spuren, die Francis' Zeugung hinterlassen hat, führen schließlich bis nach Mexiko, wo eine gewaltige und nicht gerade erfreuliche Überraschung auf Francis wartet. So war das auch bei Friendship!, doch Benedict Wells hat sein Pulver mit dem Aufspüren des biologischen Vaters von Francis Dean noch lange nicht verschossen.

Dass der Autor sich mit dem gekonnten Ausreizen eines bewährten Handlungsmusters nicht begnügt, sondern um sein Buch gewordenes "Road-Movie" herum noch eine zweite Geschichte webt, einen modernen Initiationsroman, eine Art Fänger im Roggen des 21. Jahrhunderts (der kleine Bruder Nicky als Pendant zu Holdens Schwester Phoebe), das macht den eigentümlichen Reiz dieser wunderbar gewobenen Geschichte aus, die ihr Erfinder überdies in einer gefällig schwingenden und rhythmisch fließenden Sprache erzählt, frei von Manierismus und pseudo-künstlerischen Prätentionen.

Was bleibt also zu bemängeln? Die vielen Klischees? Die sind fast unvermeidlich, wenn ein Genre bedient und nicht etwas gänzlich Neues erfunden wird (und wer kann das schon?). Und doch zielt Benedict Wells mitunter etwas zu sehr, etwas zu augenfällig darauf ab, postpubertäre Pennäler-Fantasien wahr werden zu lassen: Sex mit einer engelsgleichen Schönheit auf einem Klavier, die Nachtclub-Tänzerin, die sich bestechen lässt, Grover die Unschuld zu rauben, Grovers Sprung, ein folgenloser kleiner Drogenrausch im Hippie-Apartment, das große Finale im Casino - im wahren Leben passiert all das, wovon man als Heranwachsender vielleicht träumt, eben gerade nicht. Derlei Zutaten sorgen zwar dafür, dass der Leser blendend unterhalten wird, aber Wells überschreitet damit auch eindeutig die Grenze zum Trivialen. Wie um das zu unterstreichen, rutscht seine Sprache auch gern mal ins Gossenhafte ab ("F*** dich, dachte Francis", S. 99). Und die Frage ist, ob der Roman das nötig hätte, ob es nicht ehrlicher und dichter an der Wahrheit dran gewesen wäre zuzugeben, dass das Leben für Menschen aus Claymont, einem Provinznest an der Ostküste der USA, keine heroischen Ausbrüche bereit hält und dass Träume eben nicht wahr werden, jedenfalls nicht so, wie wir sie geträumt haben. Als hätte er selbst diese kritische Frage beim Schreiben vernommen, findet Benedict Wells für seinen Roman ein furioses Finale, ein fast, ist man geneigt zu sagen, geniales Ende, das er, um ehrlich zu bleiben, nur so und nicht anders gestalten konnte, auch wenn mancher Leser ihn dafür hassen wird.
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am 1. August 2012
Inhalt: Die unglaubliche, aber wahre Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist, und sich auf die Suche nach ihm macht ' das Abenteuer seines Lebens.

"Francis hatte nicht schnell genug in den Westen kommen können, doch jetzt war er insgeheim froh über jede Pause auf dem Weg zu seinem Vater. Was, wenn er ihm nicht genügte, wenn er abgelehnt wurde? Am liebsten wäre er einfach nur sein ganzes Leben lang unterwegs zu ihm gewesen, ohne jemals anzukommen." [Seite 202]

Rezension: Eigentlich hat Francis bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Nachdem seine Mutter von ihrem Freund verlassen wurde, musste die beiden in einen Trailerpark am Stadtrand ziehen und wohnen nun am Rand der Gesellschaft. Doch als seine Mutter wieder einmal wegen ihrer Depressionen in eine Klinik eingewiesen wird und sich anschließen versucht umzubringen, ändert sich Francis Leben. Seine Mutter schreibt ihm einen Abschiedsbrief, indem sie ihm verrät, dass sein Vater keines ihrer vielen One-Night-Stands gewesen ist, sondern er das Resultat eines einzigartigen Projektes sei - der Samenbank der Genies. Plötzlich hat Francis wieder eine Lebensperspektive - er will seinen Vater finden!

Gemeinsam mit seinem besten Freund Grover und seiner Bekannten Anne-May, die er in der Klinik seiner Mutter kennengelernt hat, macht sich von Francis auf eine Reise durch Amerika um seinen Vater zu finden. Auf ihrer Reise erleben die Drei eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Während Francis von der Idee ein Genie als Vater zu haben begeistert ist und ihn der Gedanke auch ein Genie sein zu können fasziniert, denn nun scheint der mögliche Schulabschluss und das damit verbundene Studium nicht mehr in all zu weiter Ferne zu sein, von dem er dann später eine eigene Familie ernähren könnte, beginnt der schüchterne Grover hinter seiner aufgebauten Fassade hervor zu kommen und über seinen Schatten zu springen. Und auch Anne-May, die sich vor ihrem Klinikaufenthalt versucht hat das Leben zu nehmen, muss sich während der Reise vermehrt mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und beginnt sich Francis zu öffnen.

Alle drei Charaktere sind ein wenig skurril, die mit viel Humor aber auch der nötigen Portion Ernsthaftigkeit mit ihrer Lebenssituation umgehen. Das kenne ich schon aus dem letzten Buch, das ich von Benedict Wells gelesen habe. Das ist ein Teil seines Stils und der gefällt mir gut. Die ganze Geschichte spinnt sich um den Titel und auch wenn ich nach einiger Zeit meinte zu wissen, worauf dieses Buch hinaus will, so hat mich der Weg dort hin überzeugt. Ich will nicht sagen, dass das Buch vorhersehbar ist, nein, es ist auch keines dieser Bücher, das ein Happy-End braucht um den Leser zu befriedigen. Das Ende dieses Buches ist schon sehr besonders und das mag einigen Lesern nicht gefallen. Mir persönlich gefällt es aber, wenn der Leser nach dem Beenden eines Buches noch weiterdenken muss, wie es in diesem Fall ist. Es gibt einfach Bücher, denen ein offenes Ende unheimlich gut steht und Fast genial ist für mich eines dieser Bücher.

"Mal hatte man Glück, lebte in einem reichen Land oder war mit Gesundheit und Intelligenz gesegnet, mal hatte man Pech und war leider dumm, bekam Krebs oder kam in einem Slum von Afrika auf die Welt und starb, ehe man das Wort "sterben" überhaut buchstabieren lernte. [...] Es war alles willkürlich und wahnsinnig, wieso also nicht gleich nach Las Vegas fahren und dort um Leben und Tod spielen. Da setze man sich der Ungerechtigkeit wenigstens freiwillig aus, im Grunde war das der ehrlichste Ort auf dieser Erde.' [Seite 317-318]

Fazit: Fast genial von Benedict Wells ist so wie der Titel es sagt, eben fast genial! Wer Bücher mit besonderen Charakteren mag, die sich gemeinsam auf eine Reise begeben und daran wachsen, für den ist dieses Buch genau das Richtige. Es ist aber auch ein Buch über das Schicksal und der Frage, ob eben dieses vererbbar ist oder ob man seinem Schicksal entgehen kann und es schafft seinen eigenen selbstbestimmten Weg zu gehen. Genial zu sein könnte eben so ein Ausweg sein, findet Francis. Aber muss man immer genial sein um seinen eigenen Weg zu finden?
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am 14. Juli 2012
Benedict Wells hat es tatsächlich geschafft, mich dermaßen an dieses Buch zu fesseln, dass ich gerade zum Ende, als er einen wirklich genialen (!) Spannungsbogen aufbaut, das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen konnte, alle Müdigkeit, die ich zuvor verspürt hatte, abschütteln konnte und mit pochendem Herzen gebannt dem Ausgang entgegenfieberte.

Wells ist ein sehr junger Autor, von dem ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. So wäre ich auch nie auf den Gedanken gekommen, mir dieses Buch zu kaufen. Mit besten Empfehlungen ist mir das jedoch Buch vor ein paar Tagen ausgeliehen worden.

Anfangs entlockt mir die Handlung nur ein Achselzucken, da weder Thematik noch Sprache mir besonders zusagen. Aber schon bald nimmt der Roman Fahrt auf, die Figuren nehmen Konturen an, wirken echt und spannend. Die Sympathie zu den Protagonisten lässt einen mit ihnen mitfühlen und sie an ihrer Seite durch das Land begleiten. Die Beschreibungen sind allesamt sehr lebensecht - es erscheint eine sehr plastische Welt vor dem geistigen Auge. Es ist schon erstaunlich, dass so ein junger Schriftsteller im Prinzip alles richtig gemacht hat. Von einem interessanten Plot, über aufregende Figuren, über eine sprachliche "Farbenpracht", über Überraschungsmomente, bis hin zu einen ganz besonderen Gefühl, wie der Leser bei der Stange gehalten werden kann, indem die Spannung auf den Siedepunkt gelangt. Der einzige Wermutstropfen: Das tatsächliche Ende ist für meine Begriffe etwas unbefriedigend. Ich bin der Meinung, selber eine bessere Idee gehabt zu haben, wie der Roman hätte enden sollen. Aber das sieht jeder anders.

Fazit: Obwohl ich normalerweise nicht zum Pathos neige und grundsätzlich eher kritisch eingestellt bin, habe ich an dieser Stelle eher emotional, aus dem Bauch heraus rezensiert. Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt, vornehmlich jungen Leuten, amerikaaffinen Lesern und solchen, die tiefschürfende Lebenskrisen gemeistert haben oder noch drin stecken. Man wird sich und seine Gefühlswelt an vielen Stellen sehr treffend beschrieben vorfinden.

Zum Schluss noch meine Lieblingsstelle von Seite 212: "Das Wichtigste ist, dass du deine ganzen beschissenen Träume und Hoffnungen packst und sie nie mehr loslässt. Du kannst schreien, du kannst verzweifeln, du kannst winseln. Doch selbst wenn du schon kaum mehr an dich glaubst, du darfst sie nicht loslassen. Denn wenn du's tust, dann ist's aus, Kleiner. Ab dem Zeitpunkt ist dein Leben vorbei. Dann kannst du zwar noch jahrelang durch die Welt wandeln, aber innerlich bist du längst tot... so wie die meisten hier."
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am 22. November 2011
Ein junger Mann aus dem Trailer-Park sucht seinen genialen Vater und reist mit seinen zwei Freunden durch Amerika - eine leider nur fast gute Story. Dem Autor ist es nicht gelungen, mich wirklich in diese Geschichte hineinzuziehen. Das Wort "hölzern" trifft den Schreibstil teilweise am besten. Außerdem kann man herauslesen, dass der Autor eben kein Amerikaner ist und sich ein Amerika zusammenphantasiert, das er wohl in erster Linie aus Film und Fernsehen kennt. Ein bisschen Eminem, ein Mix verschiedener Roadmovies, dazu klischeehafte Charaktere (der Loser, der Nerd, die Schöne mit der dunklen Vergangenheit): Das reicht nicht, um das Buch mit Leben zu füllen.
Mich hat das Buch enttäuscht. Wer ein wirklich tolles Roadmovie-Buch lesen möchte, sollte lieber zu "Tschick" von Wolfgang Herrndorf greifen, das wesentlich authentischer ist.
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am 31. Januar 2014
Diese wahre Geschichte ist wirklich interessant und packend, leider stellenweise etwas langatmig erzählt. Meiner Meinung nach hätten es hundert Seiten weniger auch getan.

Francis wohnt mit seiner psychisch kranken Mutter im Trailerpark, sein Stiefvater mit Halbbruder Nick in geordneten Verhältnissen in New Jersey. Francis fühlt sich schon lange als Versager, denn er kommt bei Mädchen nicht mehr so gut an wie früher, und seine Noten werden immer schlechter. Dann enthüllt seine Mutter endlich das Geheimnis von seinem unbekannten Vater: Sein Dasein hat er nicht wie bisher angenommen einem bedeutungslosen One-Night-Stand zu verdanken, sondern der inzwischen aufgelösten Samenbank der Genies, einem absurden Experiment auf das sich seine Mutter damals eingelassen hat. Zusammen mit der schönen Anne-May und seinem besten Freund Grover macht sich Francis auf die Suche nach seinem (angeblich) genialen Vater...

Die Geschichte ist toll, der SChreibstil des Autoren leider nur fast genial und etwas hölzern. Das offene Ende hat mich ein bißchen gestört, aber man kann sich denken wie`s ausgeht.
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