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Solar (detebe)
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 18. September 2014
Da stand es nun: Hochangepriesen, mit einem vielversprechenden Buchdeckel. Die versprochende kriminelle Energie blieb, meineserachtens, aus. Der Protagonist war mir zwar symphatisch, aber insgesamt war die Story alles andere als spannend. Der Schreibstil? Bemerkenswert. Dass war allerdings auch der einizigste Grund warum ich das Buch zu Ende las.
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am 29. Februar 2012
Ian McEwan kann meisterhaft unperfekte Charaktere zeichnen. Das tut er auch hier mit dem Physiker und Nobelpreisträger Dr. Michael Beard, ein Schürzenjäger, zum vierten Mal verheiratet und seiner Frau mehr als untreu. Man fragt sich sofort, wie ein so unattraktiv gezeichneter, mit wenig Charme gesegneter Mann so viele Frauen anzieht. Als nächstes fragt man sich: Was will der Autor mir sagen? Will er witzig sein mit der Episode in der Arktis? Das finde ich unpassend. Er klebt kleine Geschichten aneinander, nicht unbedingt in zeitlicher Reihenfolge, was verwirrt. Er beschreibt elend lang, wie Beard zu spät zu einem Vortrag kommt, und zitiert dann praktisch den ganzen Vortrag. Ich finde, Solar kommt an die psychologisch ausgefeilten und trotzdem spannenden bisherigen Romanen des Autors nicht heran.
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am 17. Februar 2014
Die sehr originelle Story über einen Physik-Nobelpreisträger schöpft ihren Witz aus den völlig überraschend gearteten Perspektiven des Genies für typische Situationen und Ereignisse des Lebens wie des Alltags. Der Hörer wird ausgehend von Situationskomik über schmerzliche Peinlichkeiten aber auch erotische Phasen, die unter die Haut gehen können, zu einem immer bedrohlicher wirkenden Schicksal mitgenommen. Von hoher Wertigkeit für die eigene Charakterbildung ist u. a., dass dem Leser/Hörer gut nachvollziehbar die Folgen von chronischer Ignoranz und Selbstbetrug näher gebracht werden. Neben letztgenanntem Punkt ist dieser Roman von Ian McEwan auch aus populärwissenschaftlicher Sicht eine Bereicherung und gibt einen Blick hinter die Kulissen der heutigen Forschungs- und Subventionslandschaft frei. Die Umsetzung als Hörbuch ist gut gelungen, die Stimme von Burghart Klaußner ist in jeder Situation angenehm, das Hineinversetzen in die Figuren bis hin zum Kleinkind bringt ausreichend akustische Abwechslung. Warum sollte man dieses Hörbuch also nicht empfehlen?
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am 17. Oktober 2010
Ich habe, bis auf einige Kurzgeschichten, bisher alles von Herrn McEwan gelesen und war immer sehr von seinen Büchern angetan. Vor allem die faszinierenden Plots fesselten mich durchweg aufs Neue, sei es der entfleuchende Ballon in "Liebeswahn" und dessen Folgen oder der "Zementgarten", "Abbitte" oder "Saturday", immer Superhandlungsstränge, die auch zu einem logischen Grande Finale mit allen Schikanen führten.
Jetzt wagt der Autor erstmals, deftigen Humor in die, übrigens sehr interessante Handlung einzubeziehen, was mir (als Frau!, Pardon an Rezensent Winfried!) schon gefällt. So gelacht habe ich lange nicht mehr bei der Buchlektüre; der Protagonist ist einfach so unsymphatisch, dass man ihm alle Desaster gönnt!
Die eigentliche Handlung bis zum Schluss hier zu besprechen (wie Frau Helga K.) widerstrebt mir sehr, macht Euch doch alle ein eigenes Bild, ich -als Frau- empfehle das Buch sehr, vor allem für die Humorvollen unter Euch!!!
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am 29. September 2010
McEwan neuester Roman ist ein ungewöhnlicher. Eher auf der humoristischen Seite bedient er das Thema 'Besessenheit', wie schon in einigen anderen Werken zuvor.
Michael Beard, Nobelpreisträger und fünfmal geschieden, ist ein selbstverliebter, selbstüberzeugter Gierschlund, der alles haben, aber nichts dafür geben will. Wirklich sympathisch ist er nicht, eher bedauernswert und widerlich. Wie eine vernichtendes Naturereignis wirkt er sich auf das Leben seiner Umgebung, seien es seine fünf Ehen, Arbeitskollegen oder Affären, aus. Er nimmt sich alles mit absoluter Rücksichtslosigkeit. Aber als seine fünfte und letzte Ehefrau ihn mit seinen Waffen schlagen will und selbst eine Affäre, und zwar mit Tarpin dem Handwerker, beginnt, glaubt Beard, sie wieder zurückgewinnen zu können. Und so läuft es in seinem Leben, erst wenn etwas zu scheitern droht, fängt er an dafür etwas zu tun. Er ist aber nie überzeugend geschweige denn liebenswürdig, viel mehr versucht er seiner Ehefrau klar zu machen, dass sie einen dämlichen Handwerker IHM dem Nobelpreisträger vorzieht.
Beard ist Direktor eines Instituts, das Forschungen in der Energiegewinnung betreibt, dort ist einer der Physiker der junge Tom Aldous. Dieser hat eine geniale Idee die Sonne als billige Energiequelle zu nützen. Beard ist total genervt von diesem jungen Wichtigtuer und schenkt ihm keine Aufmerksamkeit, bis zu dem Tag, als er Aldous bei sich zu Hause erwischt. Tom war die neueste Affäre von Ehefrau Nr.5. Als ihr Treffen in einem tödlichen Unfall endet und Aldous in einer tiefen Blutlache vor Beard liegt, beschließt Beard, diese Situation für sich zu nutzen und 2 Fliegen mit einem Schlag zu erledigen.
Nach Aldous' Tod hinterlässt dieser Beard seine Forschungsarbeit zu seinem Projekt. Egoistisch wie Beard ist, glaubt er dem Toten nichts schuldig zu sein und beschließt dessen Wissen für sich zu nutzen. Und es sollte erfolgreich sein.
'Solar' handelt neben Beards eigener Geschichte auch von Umweltschutz und Physik. McEwan hat sich ausführlich damit beschäftigt und präsentiert die verlogene Haltung der Menschheit gegenüber ihrer Umwelt. Beard steht als Synonym für eine egoistische Menschheit, die erst dann zu handeln beginnt, wenn es lukrativ zu werden scheint, ansonsten verteidigt man das Nicht-tun damit, dass es ausreichend Ressourcen gäbe. Beard ist ein Heuchler, der nicht an die Beständigkeit oder an Umweltschutz glaubt, für ihn ist die Katastrophe der Weg zum Geld.
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VINE-PRODUKTTESTERTOP 1000 REZENSENTam 21. Februar 2011
Ich mag die Bücher vom Diogenes Verlag sehr gern, nicht nur, aber auch wegen ihres Designs. Hier hat man wieder die bekannte weiße Umschlaggestaltung, und das Buch ansich ist in Leinen gebunden, also sehr edel.

ACHTUNG !
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Man kann das Buch auch als Hörbuch erwerben. Es besteht aus 8 CD`s mit einer Gesamtspieldauer von 608 Minuten und ist gelesen von Burghart Klaussner.

Inhalt und Gliederung:
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Solar - hier kann man aktuellen Bezug zum Klimawandelthema und Energie erkennen, dies hat mich eigentlich dazu bewogen, mich mit dem Buch zu befassen, auch wollte ich gern einmal ein Buch von McEwan gelesen haben, ich habe es nicht bereut ...

Das Buch besteht aus 3 Teilen. Teil 1 entführt den Leser in das Jahr 2000, Teil 2 in das Jahr 2005 und in Teil 3 befinden wir uns in 2009.

Michael Beard ist sozusagen der Protagonist, er ist Nobelpreisträger und 53jährig. Sehr eitel gehört er wohl zu jener Sorte Mensch - Mann - , die eigentlich nicht gerade als attraktiv und Frauenheld bezeichnet werden kann, aber trotzdessen anziehend wirkt auf Frauen. Er war zum 5. Mal verheiratet und auch diese Ehe war gerade zum Scheitern verurteilt, man kann sich vorstellen, dass er nicht gerade frohen Mutes war. Er war lustlos und der Verzweiflung nahe. Nur sein Name - den er sich vor Zeiten - vor guten Zeiten - einstmals erarbeitet hatte, konnte ihn noch aufrecht erhalten. Fördergelder kann er z. B. auch nur durch seine Reputation erlangen. Eigens das Institut für Erneuerbare Energien - für welches er die Fördergelder verwendet - hält ihn am Leben.

Viele Affären hat er hinter sich. Seine Frau will so nicht mehr weiterleben und nimmt sich einen Liebhaber. Das Buch spielt in Londen, aber auch in New Mexico und in der Arktis. Man kann sagen, dass Beard besessen ist.

meine Meinung zum Buch:
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Ich kann diesen McEwan nicht mit anderen seiner Werke vergleichen, weil es das erste aus seiner Feder ist, welches ich gelesen habe, aber ich bin begeistert, wie er es schafft, dieses doch eigentlich ernst Thema und menschliche Thema so herzzerreißend schön zu beschreiben. Er schreibt einerseits ironisch, appeliert an die Moral, schreibt aber auch komisch und ernst in einem, man kann das kaum beschreiben, es mag wohl sein eigener Stil sein, der hier mitschwingt.

Teilweise schreibt er irgendwie distanziert, dann aber auch wieder sehr nah am Geschehen, sodass man viele Sichtweisen erlesen kann und auch zwischen den Zeilen viele spannende, interessante und intensive Eindrücke erleben kann.

Die große wissenschaftliche Leistung, die unser Hauptcharakter hervorgebracht hat, wird vor seine Eitelkeit gestellt und gemeinsam beleuchtet. Das Leben in seiner ganzen Pracht - in seinen Schwierigkeiten und Höhen und Tiefen wird anhand dieses einen Menschen beleuchtet und dargestellt. Immer ist die Handlung auch auf die wissenschaftliche Ebene gerichtet und die persönlichen und privaten Begebenheiten des Beard bilden die Rahmenhandlung, die auflockend und spannungsbringend ist. Man erhält als Leser aber auch Einblicke in die Arbeit der Behörden, in Machtspielchen. Umwelt und Menschlichkeit - Unmenschliches - Verstrickungen und der schon teilweise komische - auf jeden Fall übertrieben negativ dargestellte - Charaktere des Michael Beard bilden hauptsächlich den Grundstock des Buches.

Was will uns der Autor damit sagen? Übertrieben sexsüchtig und geldgierig wird er dargestellt - einfach unsympatisch. Klimawandel ist sicher der Punkt, mit dem sich McEwan am meisten im Vorfeld auseinander gesetzt hat, bevor er das Buch schrieb. Fundiert und perfekt in die fiktive Handlung eingearbeitet, erhält der Leser viele Infos im Hinblick auf das Thema und auch auf die schwindenden Ressoursen auf der Welt.

Dieses eigentlich lockere und ironische Buch ist, wenn man zwischen den Zeilen liest, ein moderner Roman, der nachdenklich macht, der viel Inhalt hat und qualitativ sehr hochwertig ist. Die Handlung ist absolut durchdacht und der Autor hat sich - so spüre ich - sehr viel dabei gedacht, was er in die Geschichte involviert hat. Es ist einfach klasse und wirkt ungeheuer spannend, wie McEwan dieses brisante und ernste Thema mit der Geschichte rund um den Hauptcharakter, seine Frauengeschichten und sein Leben an sich erschaffen hat.

Das Ende des Buches ist relativ offen gelassen, was mir eigentlich sonst nicht so gefällt, ich habe lieber einen vorgeschriebenen Schluss, an den ich mich halten kann, aber hier passt es irgendwie ...

Die Handlung ist sehr dicht und realistisch geschrieben, daher liest sich das Buch auch sehr spannend und man bekommt Lust noch mehr vom Autor zu lesen.

am Schluss noch eine kurze Leseprobe:
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Das war die Schwäche, mit der er leben musste, sein Handicap, diese infantilen Gedankenspielchen, die in der Regel zu gar nichts führten, ihm gelegentlich Schwierigkeiten und nur sehr selten Erfolg einbrachten. Andererseits hatten ähnliche Träumereien - manische Momente, aufflackernde Hirnstürme, verdichtete, wenn auch im Vagen bleibende Augenblicke, in denen sich das Tatsächliche mit dem Unwirklichen verband, kunterbunte Perlenschnüre, auf denen sich Unmögliches, Unerhörtes und Widersprüchliches ohne eine vorgefertigte Logik aufreihten - ihn vor lange Zeit auf sein Theorem gebracht. Poesie, Wissenschaft, Erotik - was kümmerte es die Phantasie, welchem Herrn sie diente?
....

Man sieht, nicht immer sind die Sätze kurz und knackig, McEwan schreibt zum einen sehr poetisch, aber auch ab und an in langen verschachtelten Sätzen, aber es passt und liest sich bestens. Viele Adjektive verwendet er und bildhafte Umschreibungen, die sich sehr schön lesen und Spaß machen. Die Charaktere werden sehr intensiv beschrieben und auch im Buch einem Wandel unterzogen, daher kommen sie sehr real rüber und lassen den Leser sehr intensiv an der Handlung und deren Personen teilhaben.

Ich empfehle das Buch sehr, für meine Begriffe ist es inhaltlich qualitativ sehr hochwertig und wertvoll !!!!
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am 6. Dezember 2010
Einige sehr unterhaltsame Passagen liest man mit Vergnügen. Doch es gibt auch viele trockene Stücke Kuchen, die mühsam zu schlucken sind. Am Schluss fragt man sich, wohin der Autor den Leser führen wollte. Das Schicksal von Michael Beard ist eigentlich zweitrangig. Die offenste aller Fragen ist am Schluss: hat die Menschheit und die Welt eine Chance, gerettet zu werden?
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am 1. Februar 2013
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich darauf gespannt war, wie man eine visionäre Energieversorgung als belletristischen Roman umsetzt. Auch Quantenphysik ist mein Steckenpferd. Natürlich muss (soll) ein Roman nicht ins Detail gehen, wenn er sich an eine breite Leserschaft wendet. Aber von einem Buch, das als "profunde Plauderei aus dem Nähkästchen von Quantenphysikern" beschrieben wird, in dem aber kaum etwas davon im Buch vorkommt (außer dass mal Richard Feynman erwähnt wird), verfehlt für mich das Thema.

Positiv: Sprachlich ist das Buch ganz gut. Die anfängliche Beschreibung seiner Reise nach Spitzbergen (Forschungsstation) ist hervorragend. Wenn er im Detail beschreibt, wie er sich bei horrenden Minusgraden erleichtern musste und seine Finger am Reißverschluss anfroren und wie er sich bei Schneesturm aus der lebensbedrohlichen Situation befreit hat, bekommt man beim Lesen Frostbeulen.

Negativ: Alle weiteren detaillierten Beschreibungen sind nur noch langatmig und tragen weder inhaltlich noch dramaturgisch zur Lektüre bei. Die künstliche Photosynthese, um die es laut Buchtitel und Beschreibung geht, wird so gut wie nie erwähnt. Irgendwann gibt es einen Zeitsprung, und die Technik ist fertig. Und der Leser fragt sich - wie kommt das denn jetzt? Stattdessen werden seine Frauengeschichten breitgetreten.

Für alle, die ein spannendes Buch über ein aktuelles Thema erwarten, eine Kombination aus Fiktion und Realität, dürfte die Lektüre eine Enttäuschung sein.

Schade um die Zeit.
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VINE-PRODUKTTESTERTOP 1000 REZENSENTam 1. Oktober 2010
Nach Franzens "Freiheit" nun McEwans "Solar", zwei Neuerscheinungen, die sich mit Umweltfragen und menschlichen Abgründen beschäftigen. Walter Berglund und Michael Beard, zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Geschichte ihres literarischen Zusammentreffens würde ich mir bestimmt nicht entgehen lassen.

Michael Beard ist verfressen und versoffen, ein Lügner, Betrüger, ein nahezu kahlköpfiger Fettwanst mit unappetitlichen Angewohnheiten, der seine Wohnung verkommen lässt, seine Kleidung auch, und nicht viel von Körperpflege hält. Er ist missgünstig, gierig auf Sex und Geld und auf ein komfortables Leben, außerdem schlampig, asozial und ein zynisches, schlaues Kerlchen. Dieser Mann ist unerträglich, ich mag ihn nicht. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass er nahezu ein Allerweltstyp ist und jeder von uns sich hin und wieder mehr oder weniger in ihm erkennen kann. Das macht den Kerl noch unsympathischer.

Ian McEwan hat diesen abgehalfterten Nobelpreisträger der Physik, der im Windschatten seiner einstigen, einmalig herausragender Leistung segelt und daraus Profit schlägt, in den Mittelpunkt dieses Buches gestellt. Er erzählt uns eine ironische Geschichte vom Raubbau an der Natur, der Endlichkeit der Ressourcen, vom Klimawandel und nicht zuletzt von betrüblichen menschlichen Verhaltensweisen mit einer Leichtigkeit, die nur sehr guten Erzählern gegeben ist. Manche verwechseln das vielleicht mit Oberflächlichkeit. Jedoch seine Besorgnis, sein Engagement und nicht zuletzt seine Wut liegen sorgfältig unter der glatten Oberfläche verpackt.

Am Beispiel von Michael Beard zeigt er auf, dass Intelligenz ohne Verknüpfung mit anderen herausragenden Eigenschaften weder von besonderem Wert ist, noch zu gewünschten Resultaten führt. Die Menschheitsgeschichte lehrt uns immer wieder, dass den größten Schaden selten die "Dummen", aber um so häufiger die "Intelligenten" anrichten. Dieser Mann, ein Egoist ohne nennenswertes Gewissen, schreckt vor wenig zurück, wenn es darum geht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. So gibt er, dessen Ideen schon lange in einer unproduktiven Endlosschlaufe kreisen, die Erkenntnisse eines begabten Nachwuchsphysikers als seine aus. Die bringen ihm etliche lukrative Patente und ein außergewöhnliches und innovatives Projekt im Süden der USA ein. Kurz vor dem Durchbruch holen ihn dennoch die Schatten der Vergangenheit ein, obwohl sich der geistige Eigentümer seines Projekts, der einst mit seiner 5. Ehefrau ein Verhältnis hatte, schon lange nicht mehr wehren kann. Und damit sind wir bei Beards Frauen, die mich immer wieder ratlos machen. Zu gerne würde ich sie in die Schublade "Männerphantasien" ablegen, jedoch zahlreiche Beispiele aus dem Bereich Politik, Showbusiness und vermutlich auch Wissenschaft (letztere nicht so sehr hochglanzmagazinmäßig präsent), sprechen für die Realität. Ja, es gibt sie, diese Frauen, die, um ein wenig im Glanz fremder Reputation zu stehen, für Außenstehende merkwürdig anmutende Verbindungen eingehen. Diese Frauen stehen sehr häufig selbst "ihren Mann", wie beispielsweise Melissa, Beards Langzeitgeliebte und Mutter seiner Tochter. Sie ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, aber betriebsblind, was ihren wankelmütigen Freund angeht, und in hohem Maße leidensfähig. Denn Michael Beard gibt emotional nichts, er nimmt, was nicht für eine tatsächlich existierende Beziehung spricht. Außerdem ist er notorisch untreu, gerne auch deftig, und suhlt sich schon auch einmal mit einer fetten, alkoholabhängigen Kellnerin in deren Wohnwagen und in schäbigen Motels. Auch ein Nobelpreisträger schließt eben hin und wieder seine Türe hinter sich und lässt die Hosen herunter - nein, der Preis wäre mir entschieden zu hoch! Nun, über Geschmack lässt sich nicht streiten, und so sehen wir am Ende des Buches zwei Furien auf Beard losgehen, der vor den Scherben seiner Existenz steht. Ein fulminantes, offenes Ende und ganz zum Schluss gibt es, als Sahnehäubchen, die honorige Nobelpreisrede aus Beards Glanzzeit.

Auch wenn Ihnen vielleicht in diesem Buch alte Versagensängste und das Gefühl der Unzulänglichkeit wieder begegnen werden, die Sie nur allzu gut aus Ihrer Schulzeit kennen, wenn es um Mathematik oder Physik ging (Einstein geistert beunruhigend oft durch diese Geschichte), begleiten Sie Beard in die Arktis, verweilen Sie mit ihm in London oder fliegen Sie in seiner Begleitung nach New Mexico - Sie werden es, wenn Sie sich genügend geärgert und Tränen gelacht haben, vermutlich nicht bereuen. Vielleicht fragen Sie sich anschließend auch, obwohl Ihnen Ihre Kinder und Enkel und deren Zukunft am Herzen liegen, wie sehr Sie dazu bereit sind, liebgewonnene Annehmlichkeiten aufzugeben und Verhaltensweisen zu ändern, wenn es darum geht, einen drohenden Klimawandel abzumildern, den Sie vermutlich in seiner ganzen Kraft gar nicht mehr erleben werden. Keine Frage, dieses Buch unterhält und regt zum Nachdenken an, was will man mehr.

Helga Kurz

1. Oktober 2010
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am 2. Dezember 2010
Spannendes,temporeiches Buch.
Ein bisschen Krimi, ein bisschen Liebesroman, ein bisschen Naturwissenschafts- und Umweltkritik, gewürzt mit Witz, Ironie und Situationskomik.
Sehr zu empfehlen.
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