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am 29. August 2010
Erich Hackls Chronik der Salzmanns beginnt am vorläufigen Ende der deutsch-österreichischen Familiengeschichte, als der Enkel gemobbt wird, weil er beiläufig erwähnt hat, dass seine Großmutter Juliana im KZ gestorben sei. Die spontane Entrüstung des Lesers bekommt Form durch die Schilderung des Schicksals der beiden vorhergehenden Generationen. Zunächst sieht alles nach stereotyper Tragik aus: Hugo Salzmann sen., überzeugter Kommunist aus Bad Kreuznach, heiratet kurz vor der nationalsozialistischen Machtergreifung die Österreicherin Juliana, bekommt mit ihr einen Sohn, Hugo jun., und muss mit seiner Familie als Regimegegner das Deutsche Reich verlassen. Während das Kind schließlich bei seiner österreichischen Familie aufwächst und dort die Nachricht vom Tod der Mutter erhält, hat der Vater den Krieg überlebt und bald eine neue Familie gegründet. Doch die Zusammenführung von Junior und Senior bringt nicht das gewünschte Happy End. Durch die lange Trennung bleiben sich Vater und Sohn fremd; und als der ebenfalls kommunistisch gesinnte Hugo jun. in der DDR von der Realität des Arbeiter- und Bauernstaates enttäuscht und zum Republikflüchtling wird, endet die nie intakt gewesene Beziehung der beiden Hugos endgültig. Angesichts des Leids und des persönlichen Schicksals dieser Familie wird die Dummheit und Inakzeptanz des antisemitischen Mobbings, das dem Enkel in den 1990er Jahren widerfährt und das keine Konsequenzen für die Verursacher nach sich zieht, besonders deutlich.
Die Stärke dieses Buches liegt aber auch darin, diverse Facetten einer Persönlichkeit aufzuzeigen. Man fragt sich, wie es möglich ist, dass Hugo sen. einerseits für seinen Mut zum Widerstand gegen das NS-Regime ausgezeichnet wurde und andererseits nicht in der Lage ist, zu seinem Sohn nach alle den Wirren ein gesundes Verhältnis aufzubauen.
Zudem ist man sprachlos über die sich durch die geschilderten 100 Jahre ziehenden Parallelen: Nur die, an denen Unrecht verübt wurde, haben mit Konsequenzen zu rechnen, die wahren Übeltäter kommen davon.
Erich Hackl gelingt es, in einer sachlich-schmucklosen Sprache vor dem inneren Auge des Lesers Bilder entstehen zu lassen, die das Schicksal der Salzmanns anschaulich machen und nachdenklich stimmen.
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am 5. Mai 2016
Erick Hackl erzählt die wahre Familiengeschichte der Familie Salzmann über drei Generationen, deren bekanntester Proponent der Bad Kreuznacher Gewerkschafter undKommunist Hugo Salzmann senior war.

Anhand des Mikrokosmos dieser deutsch-österreichischen Familie erzählt Hackl die Geschichte Europas im 21. Jahrhunderts mit all seinen großen Dramen und individuellen Tragödien. Hackls Familienchronik ist eine Geschichte vom Kampf gegen den Faschismus, von Exil, Deportation und Leid, aber auch von Entfremdung, sturen politischen Dogmen und Gefühlskälte.

Doch trotz dieser großen Themen erweckt Hackls Buch kaum Begeisterung und Empathie. Hackls schnörkelloser und distanzierter Stil trägt dazu bei, dass "Familie Salzmann" mehr wie eine historische Reportage denn ein Familienepos in Romanform wirkt.
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am 25. September 2010
Ähnlich wie sich der österreichische Schriftsteller Erich Hackl neben seiner eigentlichen literarischen Produktion immer wieder als Herausgeber von Werken unbekannter oder an den Rand gedrängter Autoren betätigt, so lässt er in seinen eigenen Werken Menschen zur Sprache kommen, bringt Licht in das Dunkel ihres vergessenen, gequälten oder verachteten Lebens, deren Geschichte sonst vielleicht niemand interessieren würde. Es sind Originalgeschichten, die Hackl minutiös und mit viel Empathie und Leidenschaft recherchiert hat. Es ist ein leises Schreiben, das vom Gespür für das leidenden Einzelwesen lebt, "ein Lichtblick in der verödenden geistigen Landschaft", wie der leider viel zu früh verstorbene Essayist und Kritiker Lothar Baier Hackls Werk vor vielen Jahren schon charakterisiert hat.

In seiner hier vorliegenden "Erzählung aus unserer Mitte" berichtet er vom Leben der Familie Salzmann. Es ist eine bewegende und erschütternde Geschichte von Verfolgung und Diskriminierung quer durch das 20. Jahrhundert. Über drei Generationen verfolgt Erich Hackl, der Aufzeichnungen von Hugo Salzmann sen. und Forschungen verschiedener Historiker zum Leben von Hugo Salzmann jun. und dessen Frau Juliana in sein Buch hat einfließen lassen, die Geschichte einer politisch engagierten Familie. Was mich bei der Lektüre ganz besonders bewegt hat, ist, dass es auch hier zwischen den Generationen ein undurchdringliches Schweigen gibt, die das Leben vor allem des Sohnes von Hugo und Juliane Salzmann, Hanno Salzmann, unerträglich schwer machte bis hin in die neunziger Jahre des 20.Jahrhunderts. Dort, im aufgeklärten und sozialdemokratischen Österreich setzt sich die Verfolgung und Diskriminierung fort, indem man Salzmann auf seinen verschiedenen Arbeitsstellen als Jude denunziert und seelisch fertig gemacht wird von seinen Kollegen und Vorgesetzten.

Und das alles nur, weil er im Vertrauen einem Kollegen einmal gesagt, hatte, dass seine Großmutter in einem KZ umgekommen sei. Ohne den väterlichen Schutz, den er sein Leben lang vermisste, ist Hanno den Anfeindungen ausgesetzt.

"Familie Salzmann" ist eine Geschichte, "die uns vor Augen führt, was schützens- und liebenswert ist, gerade dann, wenn die Unstände die Menschen zu überfordern scheinen."

Ein bewegendes und erschütterndes Buch, das mir manches Mal die Zornesröte auf die Stirn trieb. Wenn einer aus der Masse von Unrecht ein einzelnes Schicksal heraushebt, wird die Dimension des Unrechts erst richtig deutlich.
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am 22. Mai 2011
Erich Hackls "Familie Salzmann" ist erzählte historische Realität. Er schildert das Leben von drei Generationen der Familie Salzmann im Zeitalter der Extreme.

Hugo und Juliane Salzmann, die als überzeugte Kommunisten nach Hitlers Machtergreifung ins französische Exil flüchten, sich zunächst in der Illegalität durchschlagen und schließlich nach der deutschen Besetzung zurück ins Reich überführt werden. Hugo überlebt Gestapohaft, Volksgerichtshofprozeß und schließlich Jahre im Zuchthaus, Juliane stirbt nach Jahren im KZ Ravensbrück.

Sohn Hugo verbringt seine Kindheit zunächst im Pariser Exil, dann bei der Schwester der Mutter in einem österreichischen Dorf. Die Verbindung zum Vater, der nach dem Krieg als Gewerkschaftsfunktionär Karriere macht und eine neue Familie gründet, bleibt distanziert und bricht schließlich aufgrund gegenseitiger Enttäuschung ganz ab. Sohn Hugos Versuch in der DDR ein neues Leben aufzubauen, scheitert an den dortigen realsozialistischen Zuständen, die in die erneute Republikflucht - dieses Mal nach Österreich - führen.

Hanno Salzmann, jüngster Spross der Salzmanns, wächst in Österreich auf und erlebt in den neunziger Jahren, dass die Vergangenheit nie wirklich vergangen ist. Als Arbeitskollegen erfahren, dass seine Großmutter im KZ gestorben ist, beginnt für ihn ein täglicher Spießrutenlauf durch antisemitische Beschimpfungen. Von den Vorgesetzten einer österreichischen Versicherungsanstalt gedeckt, mobben ihn die "Kollegen" von Abteilung zu Abteilung bis ihm schließlich gekündigt wird.

Erich Hackl schildert reale Vorkommnisse, erschütternd und ernüchternd. Hackl braucht weder zu kommentieren noch auszuschmücken, die historischen Fakten sprechen für sich. Ein eindrückliches Stück deutsch-österreichischer Vergangenheitsbewältigung.
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am 22. Januar 2011
Lange hab ich mich auf den neuen Hackl gefreut und ich wurde nicht enttäuscht, zumindest nicht von Hackl.
Er erzählt, wie immer kurz aber eindringlich, die wahre Geschichte der Familie Salzmann. Hugo und Juliana Salzmann waren Kommunisten, die für ihre Überzeugung eingestanden sind und sie bis zum Schluss, welcher für Juliana ein bitterer war, durchgezogen haben, trotz der Trennung von ihrem damals kleinen Sohn Hugo, der sich dann selbst durchschlagen musste und ganz ohne Eltern bei der Tante in der Steiermark aufwuchs.
Die Chronik beginnt aber mit Hanno, dem Sohn vom kleinen Hugo Salzmann, der den Fehler machte zu erwähnen, wie seine Großmutter umkam, nämlich im KZ. Der Leser erfährt aber erst zum Schluss das ganze Ausmaß seines eigentlich nur nebenbei erwähnten Missgeschicks.

Hugo und Juliana, die sich von Österreich über Deutschland schließlich nach Frankreich retten konnten, waren immer auf der Flucht vor den Nazis. Als sie schließlich doch gefasst wurden, trennte man das Ehepaar und brachte sie in unterschiedliche Lager. Hugo wurde zu einer Haftstrafe verurteilt während Juliana zum Verhör geladen wurde, aber nicht aus dem Lager entkam. Es gab nur einen dürften Briefverkehr, da dem Paar nur eine gewisse Anzahl an ihre Verwandten erlaubt war, so sind nicht viele Fakten bekannt über das genaue Ableben von Juliana.

Nach dem Krieg hoffte der kleine Hugo immer, endlich zu seinem Vater zu kommen, der mittlerweile in Deutschland lebt und weiterhin sehr politisch engagiert war, immer wieder hat er das Versprechen gebrochen, seinen Sohn zu sich zu holen. Nie sollte die Beziehung zwischen Vater und Sohn je eine enge sein und nie konnte Hugo mit seinem Vater das Erlebte, das Unerlebte und Ungewusste über die Mutter aufarbeiten können. Der Vater hatte mittlerweile eine neue Familie, in der sein Sohn keinen Platz fand. Als diesen ihm unter falschen Tatsachen ein Visum aus der DDR nach Österreich entlocken konnte, bricht der Vater endgültig mit seinem Sohn.
Hugo war derweil schon verheiratet und hatte einen Sohn mit spastischer Lähmung, später kam noch Hanno.

Um nicht das Ende der Geschichte vorweg zu nehmen, belass ich es bei der Darstellung der Chronik.

Hackl deckt die tief verwurzelte Falschheit der Österreicher, der österreichischen Politik und die Macht der Verleumdung auf. Er hält nicht mit Namen hinterm Berg und entlarvt die Unschuld der Unwissenden, die sehr stets im Klaren über die Tatsachen waren. Und auch Jahrzehnte nach dem Krieg geht die Blindheit und die Uneinsichtigkeit weiter, wer es bis jetzt nicht erkannt, spätestens nach 'Familie Salzmann' erkennt, dass sich rein gar nichts an der Mentalität des Wegschauens und Blinde Vertrauens geändert hat.
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Erick Hackl ist ein großer Chronist der Geschichte des 20. Jahrhunderts, literarisch "aufbereitet" ("Abschied von Sidonie" usw.)
Das vorliegende Buch ("Erzählung aus unserer Mitte") handelt von Juliana Sternad, geboren 1909 als 12. von 13 Kindern in Stainz in der österreichischen Steiermark, und den nachfolgenden 2 Generationen. Ende der 20er Jahre wandert Juliana - um der Not und dem Elend daheim zu entkommen - nach Deutschland aus. Hier lernt sie den deutschen Kommunisten Hugo Salzmann kennen und lieben. Ganz schnell wird diese Liebe in den katastrophalen Verhältnissen der Nazi-Diktatur auf die Probe gestellt...
Erich Hackl ist ein Buch gelungen, das an den Erfolg von "Abschied von Sidonie" anknüpfen könnte (und sollte). Hier ist der Bogen noch weiter gespannt: Von der tiefsten steirischen Provinz in das Deutschland der 30er und 40er Jahre; vom Sohn bis zum Enkel, wobei Letzterer wieder in der Steiermark lebt und unglaubliche Demütigungen erleiden muss.
Eine ganz, ganz große Geschichte; heftigste Leseempfehlung!
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am 1. Mai 2014
Es war die erste Erzählung die ich von Erich Hackl gelesen habe und ich war nicht enttäuscht. Langeweile kam nie auf, im Gegenteil, ich konnte das Buch kaum weglegen. Diese Familiengeschichte ist packend, traurig und zeigt die Realität.
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am 12. Januar 2011
Ein neues Buch von Erich Hackl (einer meiner Lieblingsautoren)

Der 24jährige Hanno Salzmann arbeitet seit dem Jahr 1994 zu aller Zufriedenheit in der Beitragsabteilung der Steirischen Gebietskrankenkasse in Graz, bis er Jochen Koraus kennenlernt, der in Erfahrung bringt, daß die Großmutter von Hanno im KZ Ravensbrück gestorben ist. Er wird jahrelang wegen seiner Familiengeschichte und seines Namens Salzmann gequält und verspottet. Es wurde angenommen, daß Hanno Jude sei. Er wurde dann im Jahre 1997 fristlos entlassen.

Zur Familiengeschichte

Familie Salzmann lebte sehr zurückgezogen. Der ältere Sohn Peter war schwer behindert und somit ans Haus gefesselt. Obwohl sie schon Jahrzehnte in Graz lebten, fühlten sie sich immer noch fremd.

Hannos Großeltern, Elisabeth (geb.1909) und Josef Sternad, lebten mit 13 Kindern in großer Armut. Mutter Elisabeth verstarb mit 47 Jahren. Die Tochter Ernestine kümmerte sich um ihre beiden jüngeren Schwestern Juliana und Anna. Ernestine hatte ein heiteres Wesen, liebte das Leben und verehelichte sich mit dem Tischler Peter Fuchs.

Juliane war eine sehr pflichtbewußte junge Frau. Anna wollte schnell selbständig werden und zog bald aus dem Haus.

Juliana lernte in Bad Kreuznach den Metalldreher Hugo Salzmann kennen und heiratete im Jahr 1932. Sohn Hugo wurde am 2.11.1932 geboren.
Hugo S. war politisch sehr engagiert. Er war Organisationsleiter bei der KPD sowie Leiter des "Antifaschistischen Kampfbundes". Beide mußten 1933 nach Paris flüchten, arbeiteten für Exil-Organisationen der KPD und lebten unter großen Entbehrungen.

1939 sahen sich das Ehepaar das letzte Mal. Hugo wurde verhaftet, dann an die Gestapo ausgeliefert und zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Seine Frau wurde ebenfalls verhaftet und ins KZ gebracht.
Klein Hugo wurde zu seiner Tante Ernestine nach Stainz zurück gebracht, die ihn sehr gern hatte. Er konnte sich hier wieder gut erholen.
Es gab auch brieflichen Kontakt mit seiner Mutter.

Hugo Senior kam zurück nach Bad Kreuznach, hatte anfangs keine Möglichkeit seinen Sohn zu sehen.
Nach einiger Zeit wurde er über die Verehelichung mit Lore und Geburt einer Tochter benachrichtigt. Den 16-jährigen Hugo holte der Vater im Jahr 1948 zu sich nach Deutschland, wurde aber sehr unfreundlich aufgenommen und wenig beachtet.

Aus diesem Grund entschloß er sich in die DDR zu wechseln. Er wurde nach schwerer Krakheit als Naziverfolgter anerkannt, konnte studieren und lernte die Lettin Herta Heinrich kennen, heiratete sie 1957.

Sie hatten immer wieder engen Kontakt zu Ernestine.

Seinem Vater begegnete Hugo noch 2 mal, aber es war eine sehr kühle Erfahrung.

Der Autor hat aus dieser ausgezeichnet recherchierten Familiengeschichte eine ernsthafte zeitgenössische Literatur gemacht, die sich über das ganze 20. Jahrhundert zieht.

Ein Buch mit relativ wenig Seiten, aber äußerst brisantem und informativem Inhalt.
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am 21. Februar 2012
Ähnlich wie sich der österreichische Schriftsteller Erich Hackl neben seiner eigentlichen literarischen Produktion immer wieder als Herausgeber von Werken unbekannter oder an den Rand gedrängter Autoren betätigt, so lässt er in seinen eigenen Werken Menschen zur Sprache kommen, bringt Licht in das Dunkel ihres vergessenen, gequälten oder verachteten Lebens, deren Geschichte sonst vielleicht niemand interessieren würde. Es sind Originalgeschichten, die Hackl minutiös und mit viel Empathie und Leidenschaft recherchiert hat. Es ist ein leises Schreiben, das vom Gespür für das leidenden Einzelwesen lebt, "ein Lichtblick in der verödenden geistigen Landschaft", wie der leider viel zu früh verstorbene Essayist und Kritiker Lothar Baier Hackls Werk vor vielen Jahren schon charakterisiert hat.

In seiner hier vorliegenden "Erzählung aus unserer Mitte" berichtet er vom Leben der Familie Salzmann. Es ist eine bewegende und erschütternde Geschichte von Verfolgung und Diskriminierung quer durch das 20. Jahrhundert. Über drei Generationen verfolgt Erich Hackl, der Aufzeichnungen von Hugo Salzmann sen. und Forschungen verschiedener Historiker zum Leben von Hugo Salzmann jun. und dessen Frau Juliana in sein Buch hat einfließen lassen, die Geschichte einer politisch engagierten Familie. Was mich bei der Lektüre ganz besonders bewegt hat, ist, dass es auch hier zwischen den Generationen ein undurchdringliches Schweigen gibt, die das Leben vor allem des Sohnes von Hugo und Juliane Salzmann, Hanno Salzmann, unerträglich schwer machte bis hin in die neunziger Jahre des 20.Jahrhunderts. Dort, im aufgeklärten und sozialdemokratischen Österreich setzt sich die Verfolgung und Diskriminierung fort, indem man Salzmann auf seinen verschiedenen Arbeitsstellen als Jude denunziert und seelisch fertig gemacht wird von seinen Kollegen und Vorgesetzten.

Und das alles nur, weil er im Vertrauen einem Kollegen einmal gesagt, hatte, dass seine Großmutter in einem KZ umgekommen sei. Ohne den väterlichen Schutz, den er sein Leben lang vermisste, ist Hanno den Anfeindungen ausgesetzt.

"Familie Salzmann" ist eine Geschichte, "die uns vor Augen führt, was schützens- und liebenswert ist, gerade dann, wenn die Unstände die Menschen zu überfordern scheinen."

Ein bewegendes und erschütterndes Buch, das mir manches Mal die Zornesröte auf die Stirn trieb. Wenn einer aus der Masse von Unrecht ein einzelnes Schicksal heraushebt, wird die Dimension des Unrechts erst richtig deutlich.
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am 30. Mai 2011
Weil die Großmutter von Hanno Salzmann in einem KZ verstorben ist, geht man automatisch davon aus, dass er Jude ist. Daher ist es kein Problem, dass er auf seinem Arbeitsplatz gemobbt wird, keine Aufstiegschancen erhält, beschimpft wird, usw.. Gelebter Anitsemitismus in unseren Tagen in der Steiermark. Erschütternd!
Die Familiengeschichte, welche mit der Herkunft der Großeltern von Hanno beginnt, ist bedrückend, aber läßt zu keinem Zeitpunkt verzweifeln.
Ein typischer Erich Hackl - Roman! Empfehlenswert für jeden kritischen Leser, nicht nur für solche, die sich mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus beschäftigen.
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