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Dies ist der erste Roman, den ich nicht gelesen, sondern gehört habe. Die sonore, auf feine Nuancen achtende Stimme von Hans Korte hat die Hörstunden zu einem besonderen Vergnügen gemacht, auch wenn der Inhalt des Buches ein sehr trauriger ist.
Worum geht es in Schlinks neuem Roman?
Der Terrorist Jörg hatte sich des mehrfachen Mordes schuldig gemacht. Nach 20 Jahren Haft wird er begnadigt. Seine ältere Schwester Christiane, die sich ein Leben lang um ihren Bruder intensiv gekümmert hat, lädt alte Freunde in ihr Haus auf dem Land ein, um Jörg zu zeigen, dass er von diesen nicht vergessen worden ist. Frühe Freundschaft hat ein Recht auf lebenslange Loyalität, so der Tenor.
Eine Lehrerin, eine Bischöfin, ein Journalist, ein Jurist, auch ein Besitzer eines Dentallabors zählen zum Kreis der frühen Freunde. Diese Leute haben alle das 50. Lebensjahr überschritten. Sie kennen sich seit Uni-Zeiten. Damals waren sie politisch aktiv. Später dann sind sie bürgerlichen Brotberufen nachgegangen und haben trotz revolutionärer Vergangenheit keine Probleme damit das Leben im gehobenen Bürgertum auszukosten, Champagner und Bordeaux zu genießen und sich dabei in wohltemperierten, intellektuellen Gesprächen über eine bessere Welt auszubreiten.
Der aus dem Gefängnis kommende Jörg ist ein Fossil längst vergangener Zeiten. Seine Erfahrungen der letzten 20 Jahre sind wenig erbaulich.
Man spricht von diesem Gestern, aber auch von Sartre, von Marcuse, von Deep Purple, vom Sommer der Anarchie , vom linken Projekt und davon , dass ein Terrorist es nicht aushalten kann im Exil zu leben. Er bombt sich, stattdessen in seine vermeintliche Heimat. Diese Heimat sind seine ideologischen Träume, während das Exil das reale Leben ist, das er nicht bereit ist anzunehmen.
Der Sohn Jörgs, der auch anwesend ist, verachtet seinen Vater wegen seiner Lebenslügen und macht deutlich, dass zwischen der Gewalt der Akteure von damals und der Gewalt der Vorgeneration in der NS-Zeit kein großer Unterschied besteht. Die Fähigkeit zu trauern und die Wahrheit auszuloten haben beide Generationen im Nachhinein nicht erlernt. Stur wird auf alten Ideologien beharrt. Jörg verteidigt sein Tun von einst. Er hat sich stets als Kriegsgefangenen betrachtet, weil er, wie er sagt, gegen den Vietnamkrieg, die Armut in Afrika und die alten Nazis, die sich wieder in Amt und Würden befunden haben gekämpft hat. Jörg vertritt die Ansicht, dass der Kampf, wenn er zu Sieg geführt hätte, auch die Opfer gerechtfertigt hätte.
Der Mangel an Empathie in dieser Aussage spricht Bände. Über diesen und andere Gedanken ereifern sich die Freunde bei ein paar Flaschen Bordeaux, mittlerweile wissend , dass Jörg nicht mehr lange leben wird, weil er Prostatakrebs hat und eigentlich nur aus diesem Grunde das Gnadengesuch eingereicht hat. Er wollte die Natur noch mal erleben. In der Abgeschiedenheit des Gefängnisses konnte Jörg sich letztlich nicht von den alten Ideologien lösen. Das Gefängnis verhinderte, dass er sich neu orientierte. Die Zeit war für ihn stehen geblieben. Die Gewalt, die er anderen antat, vernichtete ihn am Ende selbst.

Ein empfehlenswertes Hörbuch!
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am 14. März 2008
Bernhard Schlink ist in wenigen Jahren zum Erfolgsautor geworden. Waren seine "Selbs"-Romane eher noch der (Massen-) Gattung Krimi zuzuordnen, erfuhr er mit dem "Vorleser" den Aufstieg in die literarische Oberklasse und so etwas wie Weltruhm. An einen solchen Erfolg ist thematisch und schriftstellerisch schwer anzuknüpfen.

Die Vergangenheit spielt in Bernhard Schlinks Romanen eine zunehmende Rolle. Wenn er sich auf der Suche nach einem neuen Thema nun der "RAF" annimmt, ist das zumindest gewagt.

Als hochintelligenter und belesener Schriftsteller fällt es ihm nicht schwer, dramaturgische Anleihen bei anderen Klassikern zu machen. Man kann, wenn man will, Gorkis "Sommergäste" entdecken oder gar "Bei geschlossenen Türen" von Jean-Paul Sartre. Die Reduzierung der Handlung auf ein Wochenende gereicht dem Kammerspiel perfekt! So weit so gut.

Doch leider ist nicht nur der Schluss "gehudelt" (wie manche meinen), sondern gerät ihm das ganze Werk m. E. überaus plakativ. Gleich, ob arrivierter Zahnlaborinhaber, Nachwuchsterrorist, verwöhnte Tochter, alte Jungfer, Anwalt oder ältere Schwester, für die Zeichnung seiner Charaktere hat Schlink einen Spachtel genommen, wo er solche einst mit feinstem Pinsel ausmalte. Gut und böse, Lebensträume und Lebenslügen ergeben einen schwarz-weißen Kontrast, der die 256 möglichen Graustufen außer Acht lässt.

Nein, mit diesem Roman wird Bernhard Schlink weder dem Phänomen Terrorismus noch dem 68er-Jahre-Roman gerecht. Das haben andere, wie zum Beispiel Uwe Timm, besser recherchiert und beschrieben. Für einen Abdruck im "Stern" würde es reichen, doch das entspricht nicht Schlinks wirklichem Niveau. Wir vermuten einmal mehr den Druck des Verlags auf seinen Autoren, um jedes Jahr mit einem neuen "Best Seller" auf dem Markt zu erscheinen. Das hinterlässt Spuren.

Fazit: Bedingt lesenswert, für bekennende Schlink-Leser natürlich trotz allem ein Muss.
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am 17. August 2008
Auch dieses Werk von Schlink hat mich nicht überzeugt und hat mir nicht gefallen. Es wirkt wie am Reißbrett und wie aufgrund eines Pflichtenheftes entstanden: ein Thema mit aktuellem Zeitbezug (Begnadigung von RAF-Terroristen), Vergangenheitsbewältigung (1968 und die Folgen), ein bisschen Polit-Theorie und dann natürlich so viele Personen, dass jeder jemanden wiederzuerkennen glaubt (die Bischöfin, den Anwalt, den unverbesserlichen, die geile Tochter, die frustrierte Lehrerin, die keinen Mann abkriegt usw.).

Schon das macht das Werk kopflastig. Hinzu kommt, dass Schlink, anders als in seinen anderen Werken keine subjektive Erzählperspektive einnimmt, sondern, wie es heute eigentlich nur noch Autoren von Trivialromanen machen, die Figuren als allwissender Erzähler entwickelt, der um sie herumkreist und sie bei ihren Gedanken, einsamen Spaziergängen und im Schlafzimmer beobachtet. Dadurch verhindert er nicht nur jede Identifikation des Lesers mit einem der eingenommenen Standpunkte und Lebensläufe, letztlich gelingt ihm diese selbst nicht, sondern er behindert sich selbst bei der Aufgabe, den Sommergästen in dem abgelegenen Haus in der Uckermark Leben einzuhauchen. Sie bleiben Figuren aus der Retorte, wie auch der Roman im Roman, den Schlink überflüssigerweise auch noch einbaut - ein äußerst schwieriges Stilmittel, mit dem er, wie ich finde, schon in "Heimkehr" gescheitert ist - und bei dem es ihm auch hier nicht gelingt, ihn in die Haupthandlung zu verweben.

Bei allem bleibt, dass Schlink schön schreiben kann. In dieser Geschichte fiel mir leider selbst das manchmal auf die Nerven, weil er dabei häufig in Manierismen aus dem 19. Jahrhundert abgleitet ("... und die heutigen waren's auch nicht"; "Wenn sie wolle, könne sie's auch seinem Vater geben").

Schließlich bleibt auch in diesem Roman die große Konfrontation aus, sondern alles verschwimmt um Ungefähren. Man fährt nach Haus, das ist es gewesen.

Fazit: Ästhetische Professorenliteratur mit wenig Biss und wenig Herz, die mich unzufrieden zurückgelassen hat.
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...soll Christian Klar in einem Interview am Ende des Jahrs 2007 gesagt haben, als er gefragt wurde, welchen Weg er künftig gehen will.

Die Idylle aus Liebermanns begabter Hand, die das Buch illustriert, sowie der belanglose Titel täuschen. Das ist ein Roman, der sich mit der RAF im Kontext zur Gegenwart beschäftigt.

Das Getöse des vergangenen Jahres um den Herbst 77, um Begnadigung, Reue, Schuld und Sühne ist in unserer schnelllebigen Zeit fast verklungen, wenn auch mit "Beugehaft" ein Nachgrollen zu hören ist. Viele, namhafte und andere, seriöse und unseriöse Chronisten haben Fakten und Vermutungen zusammengetragen und ihre Sicht auf diejenigen öffentlich gemacht, die vor rund dreißig Jahren für einige Zeit mit tödlicher Gewalt eine andere Welt erzwingen wollten und gescheitert sind. Wenn das Jahr 2007 überhaupt neue Erkenntnisse gebracht hat, dann die, dass das Interesse an den Geschehnissen jener Zeit immer noch sehr groß ist. Jeder, der über die RAF schreibt, kann sich der öffentlichen Aufmerksamkeit grundsätzlich sicher sein. Das gilt nicht nur für Dokumentationen, sondern auch für Fiktionen, wie beispielsweise Leander Scholz' Roman "Rosenfest", in dem er das junge Paar Baader/Ensslin ins Bonnie-und-Clyde-Licht rückte, mit dem Anspruch "ein Märchen zu Ende erzählen" zu wollen. Da Märchen oft unerbittlich und grausam sind, kann man das so sehen.

Schlinks Roman beleuchtet eine völlig andere Facette. Er beschäftigt sich mit einem RAF-Terroristen in der Gegenwart; mit einem, der wegen mehrfachen Mordes über zwanzig Jahre lang im Gefängnis saß und überraschend begnadigt wurde. "Jörg" wird von seiner Schwester Christiane abgeholt und soll das erste Wochenende in Freiheit mit alten Freunden auf dem Land in einem einstmals stattlichen, jedoch dem Verfall geweihten Landhaus von Christiane und ihrer Freundin Margarete verbringen, fernab von Kameras und Reportern. Nach und nach kommen die Gäste, alle längst im bürgerlichen Leben fest etabliert, "Idioten des Kapitals" nach damaliger Terminologie und entsprechend desillusioniert. Das Feuer der Revolution war für sie schon erloschen, bevor es überhaupt richtig brannte. Vage nostalgische Erinnerungen sind geblieben. Diese Leute sind neugierig und fasziniert, aber sehr auf Distanz bedacht. Sie, für die das Leben einfach weiterging, wollen "ihn" sehen, nach Möglichkeit auch helfen, ihm, der Ernst gemacht hat mit der Revolution, der ihr alles untergeordnet hat, der kämpfte, zum Mörder wurde und dafür vielleicht genug bezahlt hat. Welche Rolle soll aber einer in der Gesellschaft einnehmen, zu der er einst alle Brücken abgebrochen hat, für etwas, was von vornherein zum Scheitern verurteilt war? Will er überhaupt einen Platz in dieser Gesellschaft? Ein einziger Gast ist auf Initiative von "Jörg" in der Runde: Marko, der schon lange Kontakte zu ihm unterhält und hofft, dass der einstige Topterrorist seinen Kampf wieder aufnimmt und ein, wie er meint, schwelendes Feuer, das nicht so richtig lodern will, zu schüren versteht.

Der Journalist Henner, die Lehrerin Ilse, der Geschäftsmann Ulrich mit Frau und Tochter, Karin, Bischöfin, nebst Gatte, sowie "Jörgs" Rechtsanwalt Andreas wurden von Christiane eingeladen. Sie hat den jüngeren Bruder nach dem Tod der Mutter umsorgt und versucht, sie zu ersetzen. Schon immer hat sich die große Schwester für ihn verantwortlich gefühlt. Jetzt will sie ihm dabei helfen, ins bürgerliche Leben zurückzufinden und der handverlesene Kreis der Freunde soll sie dabei unterstützen. Jörg ist eine vertraute Last für sie und längst zum dominierenden Bestandteil ihres Lebens geworden. Lassen kann sie ihn nicht, auch deshalb nicht, weil sie es war, die ihn verraten hat. Was er nicht weiß. Bis auf Marko und Dorle, Ulrichs Tochter, ein Mädchen der "Deutschland sucht den Superstar (und findet ihn nie)"-Generation, sind die Menschen, die sich an diesem denkwürdigen Wochenende zusammenfinden, zeitlich auf der abschüssigen Seite des Lebens. Die Ungereimtheiten in ihren teils brüchigen Lebensentwürfen sind ihnen mehr oder weniger bewusst. Die emotional aufgeheizte Atmosphäre in dem zerfallenden Haus wird zusätzlich durch alte, ungelöste Konflikte belastet, die an die Oberfläche drängen. Ein weiterer, überraschend auftauchender Gast sorgt für die Zuspitzung der Lage. Wer kann, rettet sich, indem er sich emotional ausklinkt.

Ilse zum Beispiel. Alleinlebend mit Katzen. Während des Studiums war sie hoffnungslos in "Jörg" verliebt gewesen. Richtig dazugehört hat sie nie. Die anderen kamen aus dem gut situierten, gebildeten akademischen Mittelstand. Sie nicht. Unentschlossen blieb sie einfach in der Spur. Heute ist sie immer noch Lehrerin, pflichtbewusst, ausgebrannt. Sie ist fasziniert von 9/11, speziell von fallenden Körpern. Die Lehrerin schreibt über einen, der zu ihnen gehörte und früh starb. Sie spinnt den Faden vom vorgetäuschten Selbstmord bis hin zu jenem Tag, an dem die Türme fielen. Dabei verwickelt sie ihren Protagonisten in den Horror des Untergangs, dem er fliegend durchs Fenster entkommt und endgültig frei ist. Ein anderes Land, aber der globale Terror der Gegenwart. Ilse betrachtet das Leben aus der Ferne und will nur noch darüber schreiben.

Doch das Leben findet immer statt, jeder muss sich damit auseinandersetzen. Vor allem "Jörg" der überfordert zu sein scheint, aber trotzdem nicht willens ist, Christiane die Entscheidungen über seine künftige Lebensführung treffen zu lassen. Lange hat er vom Danach geträumt. Und, was die anderen nicht wissen, er hat nicht mehr viel Zeit.

Die Person, die in Schlinks aktuellem Roman Hauptperson sein sollte, bleibt vage und nimmt kaum Konturen an. "Jörg" ist nicht wirklich greifbar und daher auch nicht angreifbar. Stets fordern die anderen Personen im Spiegel seiner Präsenz mehr Aufmerksamkeit als er. "Jörg" erscheint wie ein Mann, der für seinen übermächtigen Schatten viel zu klein ist. Er ist bereits Geschichte. Das ist die Kernaussage dieses Buchs. Ich hätte mir mehr Tiefe beim Ausloten dieser Person gewünscht. Aber vielleicht gibt sie das gar nicht her, oder erst dann, wenn es für "Jörg" so etwas wie Alltag jenseits der Gefängnismauern geben wird. Erstaunlich leichte, aber gute und vor allem sehr aktuelle Lektüre zum Thema Schuld und verweigerter Sühne und dem Umgang damit.
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am 21. Februar 2008
Es ist ein krankes Thema: „Wie kann man gesunden Sinns erörtern, ob die Welt durch Mord eine bessere Welt wird? Ob die Gesellschaft durch Gnade für Mörder eine bessere Gesellschaft wird? Das alles tat einer hässlichen, abstoßenden Krankheit zu viel Ehre an“.
Der Jurist und Autor Bernhard Schlink hat gewagt, einen Roman über diese Krankheit zu schreiben, den RAF-Terrorismus. Seine Story ist kurz. Der Titel „Das Wochenende“ verrät sie: Am Freitag wird RAF-Jörg nach einer Begnadigung durch den Bundespräsidenten entlassen und von seiner Schwester in ein verstecktes altes Landhaus gefahren, um dort sofort mit alten Freunden zusammenzutreffen. Bis Sonntagabend essen und trinken alle zusammen, lieben sich, reden, verletzen sich gegenseitig beim Versuch, die Wahrheit zu finden.
Der Autor ist für Fragen nicht erreichbar. Darum bleibt sein Motiv ebenso im Dunkel wie die Klärung der Frage, ob er Sachkenntnis zum Thema hat. Dieses konspirative Verhalten trifft das Thema RAF gut; denn auch die Terroristen verstecken sich und mitschuldige Politiker ebenso – diese hinter ihren Geheimdiensten.
Der Jurist Schlink scheint die Gefahr zu kennen, die der RAF noch immer innewohnt. „Wir brauchen Dich“, lässt er einen Anhänger der Terroristen zu Jörg sagen, und: „Wir wissen nicht, wie wir gegen das System kämpfen sollen.“ Man mache nur „Kinderkram“, indem ein paar Brände gelegt würden. Der vorzeitig freigelassene Jörg könne helfen mit seinem Wissen. Dann könne man „mit den muslimischen Genossen wirklich was reißen. Die mit ihrer Power und wir mit dem, was wir über dieses Land wissen – gemeinsam könnten wir da zuschlagen, wo’s echt weh tut.“ Schlink gibt keine Antwort darauf, ob RAF-Jörg wieder aktiv wird. Erst einmal beginnt der vorzeitig freigelassene RAF-Terrorist in einem Labor zu arbeiten. Der Autor erweckt Mitleid für RAF-Jörg, lässt ihn an Krebs erkrankt sein.
So widersprüchlich werden auch die übrigen Landhaus-Wochenendler und ihre Vergangenheit geschildert, bevor sie Journalist, Lehrerin und Bischöfin wurden. RAF-Jörg muss nicht gestehen, die Fragen der anderen danach, wie man sich fühlt, wenn man Menschen umbringt, muss er nicht beantworten, sich aber anhören, dass er „zur Wahrheit und Trauer so unfähig“ sei, „wie die Nazis es waren. Du bist keinen Deut besser“.
Wieder einmal hat Schlink in vorbildlich ungespreizter Sprache seine Finger in eine noch eiternde Wunde deutscher Zeitgeschichte gelegt und das wie gewohnt mit einer Spannung versehen, die dazu führt, dass man den Roman nicht aus den Händen legen mag bis zur letzten Seite. Schade, dass Schlink sich vor der Öffentlichkeit versteckt. Es gibt viele Fragen an den Autor.
RAF-Jörg ist frei, das Problem ist nicht gelöst, auch wenn man das nicht wahrhaben will. Der Löwe schläft nicht, weil er noch nicht brüllte (Schiller): „Wir brauchen Dich“, hört RAF-Jörg am Tag seiner Entlassung. So mag es allen vorzeitig freigelassenen realen RAF-Mördern auch ergangen sein. Einige reisen schon wieder durch die Lande. Vermutlich weiß der Autor und Jurist Schlink mehr, als er verraten will. Das wäre ein Grund, sich der Öffentlichkeit zu entziehen und einer mehr, ihn aufzuspüren.
ULF G. STUBERGER
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am 31. Mai 2008
Der RAF-Terrorist Jörg wird nach 24 Jahren aus der Haft entlassen. Seine Schwester hat zur Begrüßung ein Treffen mit alten Freunden und früheren Weggefährten in einem abgelegenen Landhaus arrangiert.

Ihn erwartet eine illustre Schar Alt-68er, die sich mittlerweile gemütlich in ihrem bürgerlichen Leben eingerichtet haben und nun unversehens mit ihren früheren Gedanken, Zielen und Taten konfrontiert werden.

Schlink hat die Vita seines Protagonisten nahe an tatsächlichen Personen angelehnt, was den Hörer aber ärgerlicher Weise auf eine falsche Fährte führt. "Das Wochenende" ist eben kein Schlüsselroman, auch wenn sich der Schluss immer wieder in den Vordergrund drängt.

Die Athmosphäre im Landhaus ist angespannt, doch die große Abrechnung bleibt aus. Statt feuriger Dialoge finden die wirklichen Prozesse in den Gedanken der Personen stta und bleiben damit vage, im Bereich der Mutmaßung.

Gespräche werden zusehends zu Monolgen, an deren Ende die Sprachlosigkeit aller steht und die Enttäuschung des Hörers, der von manchen Figuren mehr Statement erwartet hätte.

Hans Korte ist eine gute Wahl des Verlages; er verleiht der Unsicherheit der Figuren, ihrem Irren, Verteidigen und Rechtfertigen eine Stimme, die in jeder Situation auf der Höhe des Geschehens.
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am 22. Juni 2008
Bernhard Schlink, seit seinem Buch "Der Vorleser" auch international erfolgreicher Autor, hat in seinem neuesten Roman die jüngere deutsche Geschichte ins Visier genommen. Über die RAF ist viel gesagt und diskutiert worden, so viel, dass man meinen könnte, es gäbe nicht mehr viel hinzuzufügen. Vom Gegenteil kann auch Schlinks Roman "Das Wochenende" nicht überzeugen. Literarisch versucht sich der Autor des Themas anzunehmen und wirkt oft sprach- und ideenlos. Alles, was Schlink seinen Protagonisten in den Mund legt, hat man auf die eine oder andere Weise bereits gehört. So bleiben Schlinks Figuren meistens farblos, erscheinen oftmals als bloße Sprachrohre bestimmter und allzu bekannter Positionen in der Diskussion um die RAF.

Auch konzeptionell kann Schlink nicht überzeugen. Die Lehrerin Ilse, die „nebenbei“ die Geschichte des alten und inzwischen toten Weggefährten Jan neu schreiben will, sich dafür in den Kopf eines Terroristen hineinzudenken, Beweggründe und mögliche Emotionen zu finden versucht, wirkt mehr als plump.

So lobenswert Schlinks Versuch, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist, so wenig gelungen ist er, wenn man mehr als gängige Klischees und hölzerne Figuren erwartet. Einzig Schlinks Fähigkeit zu schreiben macht aus diesem Roman ein lesbares und trotz allem unterhaltsames Buch. Wirklich zum Nachdenken regt es nicht an, dafür kratzt Schlink zu sehr an der Oberfläche und schafft es nicht, seine Figuren mit der notwendigen emotionalen und gedanklichen Tiefe auszustatten.

Nicht mehr als eine literarische Bearbeitung der Diskussion um die RAF, ihre Ziele und Methoden. Schade, denn von Bernhard Schlink erwartet der Leser einfach mehr.
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am 10. März 2008
Im letzten Jahr hat der Staatsrechtler und Schriftsteller Bernhard Schlink unter dem Titel "Vergangenheitsschuld" alte und neue Beiträge zu einem deutschen Thema vorgelegt. Sein neuer Roman "Das Wochenende" liest sich wie eine literarische Erläuterung zu den dort vorgelegten Thesen darüber, wie man in Deutschland mit Vergangenheitsschuld umgehen kann.

Er hat sich dazu ein Szenario ausgedacht, wie es aktueller nicht sein könnte. Noch klingen die heftigen Debatten um die mögliche Begnadigung Christian Klars, RAF-Mitglied mit lebenslanger Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes im Ohr, noch erinnert man sich an das unversöhnliche Grußwort, das Christian Klar an einen Kongress im Vorfeld des G-8 Gipfels schrieb, da hat Bernhard Schlink die aktuelle Begnadigungsdiskussion aufgegriffen und sie in einem Roman verbunden mit seiner Idee von Versöhnung als einer Form der Bearbeitung von Schuld.

Ein Terrorist namens Jörg, der deutliche Züge Christian Klars trägt, dennoch aber frei erfunden ist, ist vom Bundespräsidenten nach einem langen Gespräch begnadigt worden. Erst gegen Ende des Buchs wird deutlich, warum das Staatsoberhaupt zu dieser Entscheidung gelangt ist, obwohl Jörg, wie Klar, eine wie oben schon erwähnte Grußbotschaft verfasst hat.

Er wird entlassen und seine Schwester Christiane holt ihn ab. Sie fährt mit ihm zu einem alten Haus auf dem Land in Ostdeutschland, das Christiane zusammen mit ihrer Freundin Margarethe gekauft hat und zeitweise bewohnt.

Es ist Wochenende und Christiane hat die ersten drei Tage ihres Bruders in Freiheit genau geplant. Sie hat ehemalige Freunde in das Haus eingeladen, Menschen, mit denen sie all die Jahre (24!) einen lockeren Kontakt hielt, während sie sich neben ihrem Beruf wie ein Mutterersatz um den Inhaftierten kümmerte.

Das Wochenendtreffen ist angelegt wie ein Kammerspiel, bei dem neben Jörg, seiner Schwester, deren Mitbewohnerin Margarethe die alten Freunde auftreten: Henner, seines Zeichens Journalist, die Lehrerin Ilse, der Dentaltechniker mit eigener Firma Ulrich, der seine Frau und seine jugendliche Tochter mitgebracht hat, Karin, Theologin und mittlerweile Bischöfin einer kleinen Landeskirche mit ihrem älteren Ehemann und der Rechtsanwalt Andreas, der Jörg zeitweise anwaltlich vertreten hat.

Sie alle haben damals auf irgendeine Weise mit der Revolution sympathisiert und haben heute ihren Platz gefunden im bürgerlichen Leben und sich dort eingerichtet. Dennoch steht es überhaupt nicht für sie in Frage, der Einladung zu einem Wiedersehen mit Jörg nach einem Vierteljahrhundert Folge zu leisten.

Und es taucht, ungefragt, auf, Marko, ein politischer Aktivist der Neuzeit, der Jörg für den weiteren, auch gewaltsamen Kampf gegen das System gewinnen will, ihn an seine Verantwortung für die jüngeren Genossen, die Jörg verehren wie eine Ikone, weil er nie abgeschworen hat, erinnert, und vom gemeinsamen Kampf mit den Islamisten träumt.
Und dann taucht überraschend noch auf Jörgs Sohn Ferdinand, der seinen Vater sofort mit heftigen Vorwürfen überschüttet.

In den zum Teil heftigen Dialogen, aber auch in den einsamen inneren Reflexionen der Beteiligten, die alle irgendein Geheimnis, irgendeine Schuld mit sich herumtragen, entfaltet Schlink zwischen den Zeilen seine in "Vergangenheitsschuld" vorgetragenen Thesen. Im Umgang mit einer Schuld, so schrieb er damals, habe die Allgemeinheit zwei Möglichkeiten: Verurteilen oder vergessen. Letzteres entspricht der Amnestie durch das Staatsoberhaupt. Vergeben aber kann, so Schlink, nur das Opfer. Im Roman ist das Jörgs Sohn, der anmaßenderweise noch für die Hinterbliebenen der RAF-Mordopfer spricht. Ich glaube nicht, dass etwa dem Sohn von Herrn Schleyer das recht ist. Hier wirkt die Handlung zum ersten Mal nicht mehr überzeugend.

Auch die andere Möglichkeit des Umgangs mit Schuld wird von Schlink inszeniert: die Versöhnung. Mit ihr, so postulierte er in "Vergangenheitsschuld", "wird nicht wie mit der Vergebung die Last der Schuld vom Schuldigen genommen, sie wird lediglich ein bißchen leichter gemacht. An der Schuld soll das weitere Zusammenleben nicht scheitern."
Dass Schlink dieses Versöhnung in seinem Roman so schildert, dass sie religiöse Züge annimmt, kann meines Erachtens nicht verwundern, denn Versöhnung ist ein eminent religiöser und "heiliger" Vorgang. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass die ersten Rezensenten in der Presse dieses Arrangement fast kitschig fanden und wenig überzeugend. Vielleicht haben sie in ihrem Leben lediglich diese Dimension verloren und können sie nicht mehr erleben ?

Die Dauer der Handlung von Freitag bis Sonntag, die Verräterrolle Christianes, die Rolle von Karin, der Bischöfin, selbst mit Schuld beladen, erinnert an die Passionsgeschichte bis Ostersonntag, und wird viele säkulare und agnostische Leser irritieren. Schlink versucht damit zweierlei: zum einen setzt er eine These um, die er in einem Essay in dem schon erwähnten Band so erläutert:
"Die Beteiligten einer Versöhnung können aber nicht nur Täter und Opfer sein, sondern auch in Täterschuld und Opferschicksal verstrickte Enkel, und sogar Freunde und Liebende, die miteinander streiten, einander vielleicht nur versehentlich verletzt oder verfehlt oder verloren haben - einfach alle, deren Beziehung zueinander beschädigt ist."
Und er versucht anklingen zu lassen, dass Versöhnung ein Vorgang bzw. ein Geschehen ist, das unserer Planung und Entscheidung entzogen ist; sie geschieht einfach, verändert Menschen in einem Prozeß, den die Theologen als "Gnade" bezeichnen.

Um nichts anderes geht es in diesem Roman, dem es im übrigen gut getan hätte, wenn sich der Autor noch ein halbes Jahr mehr Zeit gelassen hätte mit der Arbeit an ihm.

Der Schluss macht einen eher hingehudelten Eindruck. Ob da ein vereinbarter Abgabetermin die literarische Qualität beeinflusst hat ?
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am 1. April 2009
Würden Sie sich von der Schwester eines Haftentlassenen zu einem Wochenende einladen lassen, dabei Ihre halb-erwachsene Tochter mitnehmen, weil diese sicherlich Gefallen an einem Ex-Terroristen finden würde und zusammen mit zwei Handvoll Leuten die wiedergewonnene Freiheit von ex RAF Agitator Jörg feiern?

Bernhard Schlink versucht, den in der Oeffentlichkeit ausgetragenen Diskurs um die Motive der damaligen Protagonisten, um die Ziele und die gewählten Mittel, um die Behandlung und Bekämpfung durch den Staat und die Bezahlung durch Strafe und die Gnade durch verstrichene Zeit im Mikrokosmos einer Freundes- und Schicksalsgemeinschaft nachzubilden. 3 Tage von Freitag bis Sonntag für die Aufarbeitung von 30 Jahren. Die rührselige, bemutternde Schwester Christiane will Jörg willkommenheissen und lädt deshalb Weggenossen, Polit- und Ideologienostalgiker, Freunde und Mitläufer sowie Streitgessellen für Recht und Gerechtigkeit zu einem Wochenende in die Landvilla ein.

Die Dialoge sind scharf, spielen auf den Mann, die Figuren bleiben ohne Konturen. Ich kann mir Jörg nicht recht vorstellen. Auch die anderen nicht. Es kommt zur Katharsis beim Zusammentreffen von Geschlechtlichkeit und Geschichte, zu Verbalinjurien und Offenbarungen gesundheitlicher und familiärer Art. Alle bleiben Sie blass. Alle haben Sie sich nicht entwickelt und bleiben starr in den Positionen der 70er Jahre und ihrer Wirrungen. Einzig Margarete gibt sich menschlich, die Freundin von Christiane, lässt Nähe zu und hat Konturen. Fleisch am Knochen.
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am 22. Mai 2014
Das Buch läßt sich leicht lesen. Der Schreibstil ist jedoch simpel und teilweise platt. Der Inhalt ist eine Konstrukt.
Auch wenn das Buch "Der Vorleser" des Autors einen großen Erfolg hatte und seine Verfilmung einen Oskar bekam, so ist dieses Buch eine Enttäuschung und erfüllt nicht meine Erwartung.
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