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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
38
3,7 von 5 Sternen
Die Heimkehr (detebe)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 31. März 2008
Gewiss, ich schätze Bernhard Schlink. Doch gehört es zu den wirklich schwierigen Dingen im Leben eines Autors, nach einem Welterfolg an diesen anzuschließen. Meiner Meinung nach ist Schlink dies mit dem vorliegenden Titel nicht gelungen.

Im Wissenschaftsbereich gibt es den Begriff der "kumulativen Dissertation", das heißt, dass ein Doktorand beantragen kann, anstelle einer Dissertation eine Sammlung verschiedener Aufsätze als Dissertation anerkannt zu bekommen. Und genau so empfinde ich den Roman "Die Heimkehr": Eine Sammlung disparater Textfragmente, bei denen sich er Autor verzweifelte Mühe gibt, Zusammenhänge herzustellen und dem Ganzen einen Sinn zu geben.

Ohne Zweifel, der "Plot" ist spannend gewählt, doch dann verirrt sich Schlink in seiner eigenen Geschichte. Viele Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur haben es bereits versucht, nach Martin Walser jüngst Pascal Mercier: Der Roman im Roman. Dabei werden über lange Passagen Auszüge aus tatsächlichen oder erfundenen Büchern im eigenen Werk zitiert. Parallele Handlungsstränge entstehen, Zusammenhänge werden nach und nach mehr oder weniger plausibel hergestellt.

Die große unbeantwortbare Frage aber lautet: Wird das Werk dadurch auch spannender, interessanter oder gar besser? Oder sitzen Verlage und Leser geschickten Autoren auf, denen mit zunehmendem Alter die Kraft für einen eigenen Roman von über 300 Seiten fehlt?

Bernhard Schlink konnte diesem Trend, dem offenbar auch deutsche "Großschriftsteller" verfallen sind, nicht widerstehen und hat nun seinerseits versucht, dieses Textprinzip in seinem Roman Die Heimkehr" zur Anwendung gelangen zu lassen.

Kurz gesagt geht es um den Ich-Erzähler Peter Debauer, der die Ferien seiner Kindheit häufig bei seinen Großeltern in der Schweiz verbringt. Diese editieren und korrigieren als Nebenverdienst abends nach getaner Arbeit Heftchenromane. Eingearbeitete Korrekturbögen werden - sparsam wie die 50er Jahre waren - auf den Rückseiten als Kladden weiterverwendet, nicht jedoch ohne das Verbot auszusprechen, die Vorderseiten zu lesen. Doch was verboten ist, macht nicht nur Peterchen scharf.

Auf diese Weise entdeckt er Fragmente eines jener Groschenromane über die Heimkehr eines deutschen Soldaten aus sibirischer Gefangenschaft auf der Suche nach seiner Frau. Doch angekommen in seinem Haus - der Leser ahnt es - öffnet ein anderer Mann. Leider fehlen dann die folgenden Seiten.

Viele Jahre später erinnert sich Peter dieser Geschichte - und will nun deren Ende wissen. Dazu muss er dessen Autor finden. Doch diese Suche gestaltet sich alles andere als einfach. Wen wundert's, wollen doch knapp 400 Seiten gefüllt werden!

Besonders das Ende ist arg konstruiert und m. E. unterlaufen Schlink dabei auch ein paar logische Schnitzer. Er findet seinen vermeintlichen Vater John de Baur in den USA als lehrenden Professor. Doch selbst wenn die Handlung in den 90er Jahren spielt, wäre dieser längst emeritiert.

Fazit: Für Schlink-Leser sicher unverzichtbar, insgesamt aber ein mühsames Werk, bei dem der "rote Faden" nicht nur dem Leser ab und an verloren geht.
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am 6. April 2007
Insgesamt war „Die Heimkehr“ von Bernhard Schlink ein lohnender Roman. Für Fans des „Vorlesers“ ist er empfehlenswert, aber nicht gleich gut gelungen. Für „lesensmüde“ Menschen könnte es auch zur Qual werden, denn die Leichtigkeit, die damals durch Michael Bergs Geschichte trug, herrscht hier nicht mehr vor. Der Vergleich zu anderen Werken eines Autors ist immer etwas nervig (auch in meinen Augen), jedoch kaum umgänglich bei dem internationalen Bestsellererfolg, den Schlink mit dem „Vorleser“ hatte.

Kaum überraschend war der Bezug zu Kriegsverbrechern (hier z.B.: De Baur) und Kriegsopfern (hier z.B.: der Heimkehrer Karl). Der Autor geht verantwortungsvoll mit der deutschen Geschichte um. Er zeigt beide Seiten der Deutschen zu nationalsozialistischer Zeit, denn oftmals wird bei diesem Thema vergessen, dass es gleichermaßen Opfer und Täter gab und diese Wiederum soziale und asoziale Verhaltensweisen aufweisen konnten.

Der Aufbau dieser verstrickten Geschichte war beeindruckend- die Biografie Peter Debauers beinhaltete eine innere Geschichte (die des Kriegsheimkehrers Karl), eine Reise durch die Vergangenheit (die von Peters Eltern und Großeltern), außerdem gab es die Suche nach vielen Phantomen (die sich Krimi- ähnlich in einer Person vereinten) und die laufenden Parallelen zur Odyssee. Man hat das Gefühl mehrere Romane verschlungen zu haben.

Wie erwartet habe ich genau den Aspekt in „Die Heimkehr“ wieder gefunden, mit dem mir Bernhard Schlink auch schon den „Vorleser“ schmackhaft gemacht hat- sein unverwechselbarer und spannender Stil. In meinen Augen reicht es nicht eine tolle Story zu schreiben! Ein Roman wird erst dann empfehlenswert, wenn der Inhalt passend und individuell präsentiert wird. Und das schafft der Autor.

Wider Erwarten hingegen war ich teilweise überrascht- nicht aufgrund seiner spannenden Wendungen- sondern über teilweise absurde Passagen, die bei mir einen negativen Nachgeschmack hinterließen. Ich spreche hier einerseits von Peter Debauers Entschluss, sein eigenes Leben zur Odyssee zu machen und Affairen des Odysseus eins zu eins „nachzubauen“, und andererseits von der Schlusssequenz in De Baurs Experiment. Eigentlich keine thematisch/inhaltlich schlechte Idee, aber die Umsetzung wirkte auf mich fad und dadurch unglaubwürdig.

Alles in allem war der Inhalt jedoch sehr anregend und für mich als unstudierte Schülerin lehrreich- historisch und philosophisch gesehen. Wieder waren es die Details, die den Roman so lohnend gemacht haben. Schlink baut absolut realistische, aber zu gleich so fantasievolle Einzelheiten in die Handlung ein, die bei mir die verschiedensten Emotionen auslösen können (Beispiel hierfür: „Noch als ich Student war, nahm er [der Großvater] mich beim Gehen gelegentlich an der Hand.“ S.6- Warum nicht? Es ist absolut vorstellbar, doch erst einmal auf diese Idee zu kommen ist fantastisch).
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NR. 1 HALL OF FAMETOP 500 REZENSENTam 28. Mai 2006
Peter Debauer, der Protagonist in Schlinks jüngstem Roman, begibt sich auf Spurensuche.

Will Debauer zu Anfang noch den Autor eines Heftchenromans , den er als Heranwachsender bei seinen Großeltern in der Schweiz gelesen hat, finden, sucht er schon bald darauf nach seinem tot geglaubten Vater, als er bemerkt, dass es sich um ein und diesselbe Person handelt.

Peter lebt von Kindheit an rückwärtsgewandt, weil er seine Wurzeln nicht wirklich kennt. Seine Mutter läßt ihn in vielem im Ungewissen und erzählt Halbwahrheiten, um ihn zu schonen. Schweizer Herkunft ist Peters Vater. Seine Mutter hatte ihn einst während der NS-Zeit in Breslau kennengelernt.

Wie Peter eruiert, hat Debauer senior im Laufe seines Lebens viele Identitäten angenommen. Den Nazis stand er nahe. Er schrieb damals Traktate, in denen Begriffe wie Ritterlichkeit sophistisch in ihr Gegenteil verkehrt und für ideologische Zwecke missbraucht wurden. Rechtswissenschaften hatte der alte Debauer in Deutschland studiert und mit Heftchenromanen sich über Wasser gehalten, bevor er in die USA ging und dort unter anderem Namen als Juraprofessor Karriere machte. Frau und Kind besorgte er zum Abschied einen Schweizer Pass.

Peter, selbst Jurist, will seinen Vater kennen lernen und ihn stellen. Der rechtschaffene Sohn ist empört über das chamäleonartige Wesen seines Vaters und auch aufgebracht darüber, dass dieser als Professor es spitzfindig immer noch schafft, Begriffe unentdeckt zu verbiegen, indem er ihnen wortverdreherisch einen neuen , völlig fragwürdigen Inhalt zuordnet.

Worin liegt der Nutzen von Gerechtigkeit? Bei wieviel Kälte, Hunger, Druck, Angst ist der Lack der Zivilisation ab? Ab wann verraten sich die Menschen? Was ist das Böse? Muss man dem Bösen ins Auge schauen, um es in sich selbst und in anderen zu erkennen? Hat das Böse im vergangenen Jahrhundert aufgehört zu existieren oder lebt es fort solange es Menschen gibt? Das sind die Fragen mit denen sich Peter auf der Suche nach der gedanklichen Ausrichtung seines Vaters auseinandersetzt. Während er die Antworten auf diese Fragen findet, beginnt der stets rastlose Sucher ruhiger zu werden.

Um wirklich heimzukehren, muss man eine Reise, die auch ein intellektueller Prozess sein kann, tatsächlich abgeschlossen haben. Das macht Barbara, Peters kluge Freundin, ihm immer wieder klar. Während Barbara ihm hilft sein ungeklärtes Gestern aufzuhellen und es Peter in diesem Zusammenhang gelingt essentielle ethische Problemstellungen gedanklich zu durchforsten , ermöglicht er es sich zu der Frau , die er liebt, uneingeschränkt heimzukehren, ganz anders als Odysseus einst zu Penelope.

Empfehlenswert!
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am 15. Juni 2006
Wenn Juristen Bücher schreiben - Tucholsky war auch 'so einer' -, dann darf man zweierlei erwarten: formuliert wie abgeschrieben aus dem Creifelds oder aber eine Prosa, die aufgrund ihrer Detailgenauigkeit und psychologischen Subtilität dazu einlädt, sich Autor und Roman näher anzusehen. Das Schlink vom Kriminalroman herkommt (wen wundert es, ist er doch Professor für Rechtsphilosophie) hat ihm nicht geschadet, im Gegenteil - er weiß nun genau, wie ein Plot dramaturgisch aufzubauen ist und Dialoge gestaltet werden müssen, ohne daß das Papier in den Ohren des Lesers raschelt. Der gute Erfolg von Der Vorleser ermüdete den Autor offenkundig nicht, sondern stimulierte ihn. Juristen bleiben eben Realisten. Die Geschichte ist kurz erzählt: Der Protagonist, Peter Debauer, macht sich auf die Suche nach seinem eigenen Ich. In einer Bundesrepublik, die von der jüngsten Nachkriegszeit gezeichnet - und wie er findet - auch ziemlich entstellt ist, beginnt er den Autor jenes Textes zu recherchieren, der ihm als Junge eher zufällig in die Hand fiel und seitdem nicht mehr loslies. Er findet ihn schließlich... Mehr soll nicht verraten werden, denn, obgleich es reizvoll wäre, den Plot als Konstrukt eines gigantischen Zufalls zu analysieren und an der Realität zu messen, sollte auch ein wenig Poesie erhalten bleiben. Und prosaisch zu sein und wie der Autor schnörkellos das Bild von Menschen und Begebenheiten zu schildern, hat eines für sich, nämlich ein wie in eine Kupferplatte eingesticheltes Muster, das, vervielfältigt, manchem Leser einiges über sich und seine verdrängten Sehnsüchte wie in einem Vexierbild erzählen könnte. Schlink gehört zu den wenigen erfreulichen Gegenwartsautoren, die zu lesen es sich lohnt. Kurioserweise (?) läßt er sich bei den Eidgenossen verlegen - aber Diogenes ist hierbei in der Tat allererste Wahl für jemanden, der auf sich hält und nicht zu den Partygängern der einschlägigen Szene gezählt zu werden wünscht.
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am 24. August 2006
Da hat man nun das Buch mit Genuss, wenn auch gepaart mit etwas Verwirrung, wie das manchmal bei Schlink so ist, gelesen und möchte es anderen Leuten empfehlen, schlägt aber vorsichtshalber erst einmal die Seite der privaten Rezensionen auf und ist überrascht. Es gibt ein paar wohlwollende Besprechungen, eine giftige auch, aber man hat das Gefühl, dass diese Leser das Buch nicht so richtig verstanden haben.

Oberflächlich betrachtet geht es natürlich um die Suche eines Kriegskindes nach dem verlorenen Vater, wobei der Leser, eher Peter Schlemihl als Odysseus gleich, durch wahre Labyrinthe geführt wird, bis sich die Dinge langsam klären und am Ende eine recht unerwartete Lösung finden: der Vater wird eigentlich nicht mehr benötigt, der Sohn hat gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen. Wie so oft war der Weg das eigentliche Ziel und wie so oft im Leben findet man das erst am Ende des Wanderung heraus. In einer spanischen Pilgerherberge auf dem Jakobsweg hängt ein Zettel mit dem Satz: "Am Anfang ist es eine Hoffnung, am Ende eine Fußspur" - so auch hier.

Blickt man tiefer in das Buch hinein, so merkt man, dass es nicht nur um einen einzigen Vater geht, den, der in den letzten Kapiteln dann auch auftritt, sondern um eine Vielzahl von Männern, die dem Suchenden als mögliche Väter gezeigt werden: das deutsche Frontschwein, das irgendwo herumirrt, der kalt-distanziert agierende Schweizer Intellektuelle, der an Ernst Jünger erinnert, oder - horribile dictu - der NS-Gauleiter von Schlesien, Hanke, um nur einige zu nennen.

Wie ein Erwachsener auf der Suche nach den Wurzeln der eigenen Persönlichkeit meist vergeblich versucht, nach dem Tode der Eltern die verschiedenen Personen des häuslichen Bekanntenkreises zueinander in Beziehung zu setzen, so erkennt man in Schlinks Buch, wie durch einen Spiegel, die Strömungen, die das Leben aller Nachkriegsdeutschen geformt haben, ob wir das nun wahr haben wollen oder nicht.

Der Roman führt uns das in behutsamer Weise vor Augen, weniger krass, als es Günter Grass in seiner bevorstehenden Autobiographie wohl mit seiner eigenen Vergangenheit tut, und wir tun gut daran, uns damit abzufinden, mit den guten und den schlechten Eigenschaften unserer Väter, mit ihren ehrenwerten und ihren verwerflichen Handlungen, mit den Zeitumständen, in die sie hineingeworfen wurden.

In Terence Rattigans Stück "Tea and Sympathy" sagt eine Frau zu einem jungen Mann, den sie in die Geheimnisse des Lebens eingeführt hat, "wenn du an diesen Tag zurückdenkst, sei milde in deiner Erinnerung". Auch wir sollten über unsere Väter milde denken. Schlinks Buch kann uns dabei helfen.
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am 14. Dezember 2008
Ausgangspunkt ist eine Schweizer Dorfidylle in der Nachkriegszeit. Von dort nimmt uns Schlink mit seinem larmoyanten und grüblerischen Helden Debauer hinaus in die Welt, wo er zunächst sich selbst und schließlich seinen Vater sucht. Dazwischen bietet uns der Autor verschiedene Varianten zum Thema Heimkehr.
Das eigentliche Thema ist natürlich wie schon im Vorleser sehr deutsch: Wie stellt man sich als Nachgeborener am sinnvollsten den Irrungen und Wirrungen seiner Vorfahren? Zwangsläufig bekommt diese Rückkehr zu den Wurzeln etwas Unheimliches, auch wenn am Ende ein treusorgendes Weib auf den modernen Odysseus wartet.
Weil sich die Liebesgeschichte allzu zäh durch den deutschen Geschichtsmüll wühlt, bekommt der ansonsten sprachlich perfekte Autor diesmal nur 3 Sterne.
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am 9. März 2007
Peter Debauer, der Ich-Erzähler des neuen Romans von Bernhard Schlink, in dem ich den Autor selbst etliche Male wieder zu erkennen glaubte, ist nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in jedem Sommer bei seinen Großeltern in der Schweiz zu Besuch. Beide redigieren abends eine Heftchenreihe mit dem Titel Romane zur Freude und zur guten Unterhaltung."

Die zusammengeklebten Korrekturbögen darf Peter jedes Mal mit nach Hause nehmen - das Papier ist noch knapp; er soll aber auf keinen Fall jemals die bedruckten Rückseiten lesen.

Doch eines Tages fängt Peter an zu lesen, und er findet eine Geschichte einer dramatischen Irrfahrt und Heimkehr eines deutschen Soldaten aus Sibirien, der nach seiner Rückkehr in der Wohnung seiner Frau einen anderen Mann vorfindet, der ihr Kind auf dem Arm trägt.

Weiter kommt Peter Debauer damals nicht. Viele Jahre später kommt er auf diese Geschichte zurück und beginnt eine Recherche, die ihn nicht nur durch seine eigene Lebensgeschichte treibt, sondern auch durch die Verbrechen und Tragödien des 20. Jahrhunderts. Als er herausfindet, dass Homers Odyssee dem Autor des alten Heftchenromans als Vorlage diente, kommt er der Lösung immer näher. Und er begegnet der geheimnisvollen Geschichte seine Vaters, den er immer im Krieg getötet wähnte....

Dieses wunderbare Buch ist ein Roman über die Suche eines Mannes nach der eigenen Herkunft, über Heimkehr und Heimat" und über die Suche nach der Frau, die er liebt. Bernhard Schlink hat mit diesem Buch einen großen Roman geschrieben, dem ein thematischer Bogen gelingt zwischen der Nazidiktatur, der Nachkriegszeit und ihren Verdrängungen und der Wiederauferstehung des Bösen am Anfang des neuen Jahrtausends.

Er spannt diesen Bogen mit einer wunderbaren Prosa, die man so in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur selten findet, vom Hitlerfaschismus und seinen intellektuellen Verfechtern bis zum 11. September 2001 und den politisch -philosophischen Reaktion darauf in den USA und der westlichen Welt.

Dieses Buch kann man nur ausdrücklich empfehlen.
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am 25. November 2014
Leider wurde ich so gar nicht "warm" mit dem Protagonisten, daher interessierten mich die wechselnden Schauplätze zunehmend weniger, ob privat oder beruflich. Ich habe tapfer durchgehalten und das ganze Buch gelesen, um am Ende zu sagen: Wozu das Ganze? Teilweise nervige Ausflüge in das Werk "Odyssee".
Die Sprache ist gut, daher zwei statt einen Stern.
Mich hat es nicht gefesselt, zu wirr auch die Suche nach einer Vergangenheit, deren Notwenigkeit mir nicht eingeleuchtet hat.
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am 28. November 2006
Seit Bernhard Schlink anfing Romane zu schreiben, bin ich Fan seiner Prosa.
Zunächst entstanden die Krimis um den Privatdetektiv Selb. Bereits diese, die im Raum Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen handeln, waren mehr als bloße Unterhaltungsware. Vor allem aber der Erzählband "Liebesfluchten" und der Roman "Der Vorleser" (Handlungsort: Heidelberg) zeigten, dass Schlink zu einem der herausragenden Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur zählt.
Bei Bernhard Schlinks neuem Roman "Die Heimkehr" (erneut im Bereich Mannheim-Heidelberg angesiedelt) bin ich mir nicht sicher, ob er zu diesem Lob beiträgt.
Worum geht es?
Peter Debauer, die Hauptfigur, wächst in den 50er Jahren bei seiner Mutter vaterlos auf. In den Sommerferien reist er immer in die Schweiz zu seinen Großeltern väterlicherseits. Sein Vater ist in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verschollen.
Seine Großeltern leben von der Herausgabe bzw. Redaktion von "Landser"-Heftchen - die Rückseiten des Konzeptpapieres für diese Heftchen darf Peter Debauer als Malpaier verwenden.
Jahre später - Debauer hat inzwischen ein Jurastudium absolviert und arbeitet bei einer juristischen Fachzeitschrift - findet er Teile dieses Schmierpapieres wieder und beginnt zu lesen, was auf den Manuskriptseiten steht. So findet er Bruchstücke einer spannenden Geschichte eines in Russland in Gefangenschaft geratenen Landsers, dem die Flucht gelingt (vgl. "So weit die Füße tragen"). Bei Debauers Versuchen, diese Geschichte zu vervollständigen, beginnt gleichzeitig eine Reise zu ihm selbst, zu seiner Geschichte, vor allem zur Geschichte seines Vaters.
Und mit dieser Suche nach der vollständigen Geschichte, nach deren Verfasser und dessen wechselnder Identität lässt sich auch der Titel erklären: Es ist die Geschichte von Odysseus und Telemach, es ist die Irrfahrt in die deutsche (Nazi-)Geschichte.
Vor allem das bestürzende Ende der Geschichte in Amerika lässt den vorher relativ handlungsarmen Roman noch einmal aufregend erscheinen: die anthropologischen Voraussetzungen des Nazismus, die psychologische Konditionierung des Individuums für autoritäre Strukturen (vgl. Milgram-Experiment) werden thematisiert.
Unbedingt empfehlen möchte ich diesen Roman nicht: der große Geschichten-Erzähler Schlink bastelt hier eher eine Story - sie wirkt nicht immer überzeugend.
Stefan Kellerer (Amazon-Redaktion) bezeichnet Schlinks Prosa als "geradlinige Sprache und [...] von Melancholie durchzogen" - wenn er damit eine in den handlungsarmen Passagen trockene Juristen-Sprache meint, so stimmt's.
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HALL OF FAMETOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 6. Juni 2006
Die Autor Bernhard Schlink, Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Berliner Humboldt Universität, hat 1995 mit Der Vorleser" einen der erfolgreichsten Romane geschrieben. Sein neuester Roman "Die Heimkehr" hat auch für viel Aufsehen gesorgt. Die Odyssee, Urform aller Heimkehrgeschichten, steht dabei Pate oder ist im Hintergrund dieses Romans. Zum Plot:

Es beginnt in den fünfziger Jahren, Peter Gebauer der Protagonist, verbringt als Kind seine Ferien gern in der Schweiz, bei den Großeltern väterlicherseits. Von seinem Vater weiß er nicht sehr viel, seine Mutter gibt da auch ungern Auskunft. Er weiß eben nur, dass er Schweizer Staatsbürger und am Ende des Krieges gefallen ist. An den Abenden sitzt er mit den Großeltern in der Stube und liest, während diese Heftchenromane redigieren, um damit ihre Rente aufzubessern. Papier ist in dieser Zeit sehr teuer und so geben die Großeltern dem Enkel die Druckfahnen als Schmierpapier mit, geben ihm aber den dringenden Rat, bloß nicht lesen, das ist noch nichts für kleine Jungen. Doch eines Tages, die Neugier lässt sich nicht mehr bremsen, macht er es trotzdem, liest von der Irrfahrt und Heimkehr des deutschen Soldaten Karl. Er frisst den Stoff förmlich in sich hinein, erkennt, dass es die Odyssee ist, die als Groschenroman vom Zweiten Weltkrieg erzählt. Eigentlich hat jede Geschichte, die uns fesselt, diese dramaturgische Struktur. Jemand bricht auf mit unbestimmtem Ziel, besteht diverse Prüfungen und kehrt eines Tages heim. Das ist quasi ein Naturgesetz für spannendes Erzählen. So kommt der Soldat eines Tages nach Haus, klopft an die Tür seiner Frau. Die Tür geht auf und neben seiner Frau steht ein anderer Mann, der ein Baby im Arm hält. Peter Debauer erfährt aber nicht mehr über diese Geschichte, denn ihm fehlen die folgenden Korrekturbögen. Die findet er erst sehr viel später, als er seine Kindheitsspielsachen auspackt, die in diesen Bögen eingepackt waren.

Was macht diese Heimkehr zur Heimkehr? Der Ich- Erzähler will wissen wo dieser Karl nach dem Krieg heimgekehrt ist. Ist es der Ort, die Familie oder das Umfeld? Er resümiert, vielleicht ist es aber auch die Weisheit der Odyssee, dass es eine Heimkehr wirklich gar nicht gibt? Wir können an Orte zurückkehren, wir können zur Familie zurückkehren, aber wir können nie darin zurückkehren, wo und wie wir einmal gewesen sind. Sicher gibt es eine unglaubliche Sehnsucht nach Heimkehr, aber diese Heimkehrsehnsucht bleibt unerfüllbar.

Diese Lektion lernt unser Protagonist dann auch. Er verliebt sich in eine Frau, die mit einem amerikanischen Kriegberichtserstatter verheiratet ist. Sie hat ihn in Afrika geheiratet, im Sudan dann aus den Augen verloren. Und eines Tages passiert genau dasselbe wie in dem Groschenroman, es klingelt und vor der Tür steht der Amerikaner.

Dieser Roman hat natürlich auch einen zeithistorischen Bezug. Dieser Peter Gebauer, auf der Erkundung nach dem Ende der Geschichte, macht sich fast wie besessen auf die Nachforschung nach dem Autor und er will natürlich wissen, was mit diesem Karl weiter passiert ist. Er macht sich also auf die Suche und erfährt, dass es wohl ein gewisser Volker von Landen gewesen sein muss, der diesen Roman geschrieben hat. Der entpuppt sich schließlich als Wegbereiter des berüchtigten Gauleiters von Breslau, Karl Henke, eine zumindest moralisch sehr zwielichtige Figur. Dieser von Landen vertritt auch im höheren Alter die These, fast dasselbe wie Mephisto im Faust, "das das Gute am Bösen quasi ist, das man das Böse will und damit das Gute schaffen kann."

Und dieser Peter Gebauer will über das Thema, Hauptsache Gerechtigkeit soll geschehen und wenn dabei die Welt zu Grunde geht" habilitieren, weil er glaubt, es ist der einzige wahre Rechtsgrundsatz, der sich verteidigen lässt. Er muss daran eigentlich scheitern.

Der Autor dieser Groschenromane, ein Mann der es immer wieder verstanden hat seine Spuren zu verwischen, der verschiedene Berufe und Identitäten gehabt hat, entpuppt sich schließlich als der in New York lehrende Professor John de Baur, der in seiner Vorlesung, das Verständnis der Odyssee als Urform der Heimkehrgeschichten dekonstruierte. Dieser "Dekonstruktivismus bedeutetet Ablösung des Textes, von dem was der Autor ursprünglich damit gemeint hat." Und in de Baur erkennt Peter Debauer endlich seinen leiblichen Vater. Er lernt seinen Halbbruder, seine Halbschwester kennen. Schließlich veranstaltet der Professor ein ganz ausgefallenes Selbstfindungsseminar. Der Protagonist ist letztendlich bei seiner eigenen Odyssee angelangt, der Suche nach seinen Wurzeln und der Heimkehr nach seiner geliebten Frau.

"Das einzig Bleibende, ob Wahrheit oder Lüge, Treue oder Verrat, ist, dass die Odyssee den uralten Mythos von Aufbruch, Abenteuer und Heimkehr von einem zeit- und ortlosen Geschehen zu einem Epos gewandelt hat, zu einer Geschichte, die zu einer Zeit und an einem Ort spielt."

Peter Debauer, der von seiner Mutter mit Sekundärtugenden voll gestopft worden ist, neigt aus diesem Grunde hinsichtlich des Hanke, der ja letztlich Nachfolger von Himmler wurde, zur Ambivalenz, wenn er über diese Figur sagt:" Mochte Tapferkeit einen geringere Tugend als Gerechtigkeit, Wahrheit oder Nächstenliebe sein, eine Tugend war sie allemal. Und wenn es Hanke nun schon einmal gab, war ihm tapfer lieber als feige. Ich mochte keine feigen Leute."

Bernhard Schlink hat in dem Buch eine sehr interessante biographische Charade" gemacht, denn seine Mutter war Schweizerin und er hat bei den Großeltern am Zürichsee Kindheitsferien verbracht. Ist es also Sehnsucht nach Heimkehr, Sehnsucht nach der Kindheit oder anderen früheren sorglosen und glücklichen Lebensabschnitten? Sicher man kommt zurück, aber man ist doch inzwischen immer ein anderer Mensch und so ist es schließlich bei der Hauptfigur des Romans nicht die Sehnsucht nach John de Baur, es ist die Sehnsucht nach einem Bild, dass sich John Debauer von seinem Vater gemacht hat und das er immer in seinem Herzen bei sich trägt, denn es gibt keine vernünftigere Regung als die Liebe.

Ein wunderbares Buch, rasant geschrieben, von unglaublicher Sogkraft, in einer Klarheit der Sprache die geradezu phantastisch ist. Ein grandioses literarisches Ereignis.
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