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am 21. November 2017
Nothomb schreibt irre (selbst)ironisch und oft lustig, beschreibt aber gleichzeitig Stellung und Probleme der japanischen Frau in all ihren Grausamkeiten. Sie lernt diese im Zuge eines masochistischen einjährigen Praktikums in einer - wohl leider repräsentativen - Tokioter Firma am eigenen Leib kennen, das sie nur durchzieht, weil sie gegen das sadistische japanische System nicht einknicken möchte (ich hätte drauf gesch***en). Die japanische Gesellschaft ist eine zutiefst patriarchale, in der vor allem Frauen in unendlich viele absurde sowie misogyne Schubladen und (Verhaltens-)Vorschriften sowie "Pflichten" gepresst werden. So ist es für eine Frau fast eine Schande, wenn sie mit 30 Jahren noch nicht verheiratet ist (und Kinder hat), oder, was mich extrem schockiert hat, gilt es als verpönt, wenn man ihre Pinkelgeräusche hört.
Auch Männer leiden unter diesem hierarchischen System, in dem es überall und immer mehr um einen bizarren Begriff der "Ehre" (und "Schande") geht, denn um Menschlichkeit - beispielsweise sieht man die eigene Familie so gut wie gar nicht mehr bzw. ist man nur mehr zum Schlafen in den eigenen 4 Wänden und das oftmals betrunken. Kinder haben es nur in ihren ersten drei Lebensjahren schön, dann verschlingt sie der japanische Gesellschaftsdrache. So wird Individualität zum Schimpfwort, Kollektiv und Firma stehen über allem, Arbeitslosigkeit gilt als eine der erwähnten "Schanden", Urlaube als Abnormität. Der Japaner lebt, um zu arbeiten und schindet sich dabei zu Tode - das ist nicht einmal metaphorisch gemeint, sondern wörtlich: Japan ist eines der Länder mit der höchsten Selbstmordrate weltweit. Warum existiert dieses System noch?
Nothomb schildert, wie erwähnt, ihre(?) Zeit in einer (jener) menschenfeindlichen Firma, in der sie trotz (und wegen!) ihrer perfekten Sprach- sowie Verhaltenskenntnisse auf keinerlei Fürsprache trifft. Im Gegenteil, sie ist mit Mobbing, Bossing sowie antiwestlichem Rassismus konfrontiert, der nicht einmal hinter ihrem Rücken geschieht, sondern vor lauter Respektlosigkeit direkt neben ihr - Nothomb ist für diese chauvinistischen arroganten Deppen Luft (natürlich kommen im Roman auch nette Japaner vor, er bildet ja die Realität ab).
Nicht für sehr viel Geld würde ich mich diesem repressiven perversen System ausliefern, schon gar nicht als Frau.
Ein unterhaltsames, gleichsam schockierendes Buch.
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am 14. Dezember 2012
Es ist einfach sehr amüsant geschrieben. Man bekommt Einblicke in die japanische Geschäftswelt, wenn auch einiges romanhaft verarbeitet wurde.Empfehlenswert für künftige Auswanderer.
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am 10. Oktober 2013
Ein tolles Buch für Amélie Nothomb-Einsteiger. Locker geschrieben, ehrlich und durch die scheinbare Naivität entwaffnend. Mit Humor und einem leichten Augenzwinkern wirbt die in Japan geborene Belgierin für die Verständigung der Kulturen.
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am 11. August 2015
Sehr witzig und ausgezeichnet geschrieben. Absolut empfehlenswert. Gibt auch einen guten Einblick in die japanische Kultur. Ich habe es sogar zweimal gelesen.
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am 14. Juli 2013
Wie immer, ein mitreißender Humor, Das Tempo ist atemberaubend, das Thema hoch interessant. Ein Realitätscheck für jeden Japanverehrer. Ich werde es wieder lesen
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TOP 1000 REZENSENTam 11. März 2012
Obgleich ich den Klappentext und einige Rezensionen zu diesem Roman gelesen hatte, war ich dennoch schockiert über die fremde Welt, die sich mir offenbarte. Die Welt des Unternehmens Yumimoto, in der die Protagonistin Amélie einen rasanten Abstieg von einer Dolmetscherin zur „Hüterin der Aborte“, wie es im Buch umschrieben wird, erleben muss. Die Apathie von Amélie, das Fehlen jeglichen Kampfgeistes und jeglicher Anzeichen des Aufbegehrens gegen diese schier unerträgliche Situation erschreckten mich. Amélie erduldet alle Demütigungen, erlebt die öffentliche Erniedrigung ihrer unmittelbaren Vorgesetzten wie in Trance mit und muss dann noch feststellen, dass ihr Mitgefühl und der angebotene Trost als Anlass genommen werden, ihr die Tätigkeit als Toilettenfrau zuzuweisen. „Schikane“ umschreibt wohl hier mit einem Wort, was in dieser Firma abläuft – allein der Einsatz in der Buchhaltungsabteilung ist reiner Hohn, wo Amelie wiederholte Male monotone Tätigkeiten wie das sinnlose Kopieren von tausenden Seiten der Golfclubstatuten ihres Vorgesetzten ausüben muss. Die Autorin beschreibt die verächtliche Abscheulichkeit eines hierarchischen Systems, das nichts mit den idealistischen Sinneseindrücken aus der Kindheit von Amélie mehr zu tun hat, nein, es ist eine andere Welt. Sie kommt zur Erkenntnis, dass in Japan der Mittelpunkt der Existenz das Unternehmen ist und dass das Leben von Etiketten, Regeln und Zwängen geprägt ist. Keine Spontaneität, kein Lachen, keine Initiative sind hier erwünscht - sie ziehen mitunter sogar schlimme Bestrafungen und Demütigungen nach sich.

Amélie Nothomb schreibt gegen Ende des Buches: „Wie allgemein bekannt ist, ist Japan das Land mit der höchsten Suizidquote. Mich wundert daran nur, dass die Selbsttötung nicht noch häufiger ist.“

Nach Lektüre dieses Buches wundert mich das ebenfalls.
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am 4. Dezember 2012
Eins muss ich vorweg sagen - ich war selber fünf Monate in Japan und habe das Land kennen und lieben gelernt. Ich habe mir dieses Buch zugelegt, weil mir viele Freunde die Autorin empfohlen haben. Seit Monaten bzw. Jahren habe ich selbst überlegt in Japan zu arbeiten - genauso wie Amelie.

Ich wusste bereits durch meine Forschungen, dass das Arbeiten im Land der aufgehenden Sonne nicht das gleiche ist wie zu studieren oder ein Praktikum zu machen. Von der Hierarchie wusste ich auch mehr als Bescheid - aber das dies so extrem sein kann hätte ich nicht gedacht.

Ich hab das Buch in einem Zug verschlungen. Bereits aus "Die japanische Verlobte" liebte ich den Schreibstil der Autorin... humorvoll, gewitzt, unterhaltsam. Ich muss hier auch erwähnen, dass es sich empfiehlt "Die japanische Verlobte" vorher zu lesen, da hier hauptsächlich die positiven Eindrücke von Japan vermittelt werden - ebenso wie das Privatleben, das parallel zu der Handlung deies Buches verlief. Den Abstieg von der Buchhalterin zur Klofrau konnte ich mir richtig bildlich vorstellen!

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für Japan interessiert oder auch für Amélie Nothomb etwas übrig hat. Ihre erfrischende Art ein Buch zu verfassen ist einmalig.
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am 3. August 2013
Ich rezensiere dieses Buch gemeinsam mit "Die japanische Verlobte", denn das sind sozusagen Schwesterbücher.
Beide beruhen auf Nothombs autobiografischen Erlebnissen in Japan. Vereinfacht könnte man sagen, in "japanische Verlobte" sei die idyllische, in "Staunen und Zittern" die apokalyptische Seite Japans geschildert. Die ambivalente Sicht der Autorin auf ihr heißgeliebtes Nippon offenbahrt sich aber in beiden Büchern.
Neben den faszinierenden, erschreckenden, wunderbaren Einblicken in die japanische Kultur bilden beide Bücher eine Übung in Erlebnisfähighkeit. Die junge Nothomb will erleben, aber es sind nicht die großen Abenteuer, sondern die kleinen Erlebnisse des Alltags, die Sinneseindrücke, ihre große Fähigkeit, aus Einfachem alles herauszuholen durch ihren Assoziationsreichtum und ihre emotionale Offenheit. Ein facettenreiches Innenleben prallt auf eine facettenreiche Kultur, rübergebracht mit dem skurrilen, manchmal fast abseitigen Humor der Protagonistin.
Ein weiteres großes Thema der Bücher ist die Würde, bzw. deren Wahrung. Denn fast allen Figuren in diesen beiden Büchern lässt sie ihre Würde, selbst die chrakterlich miesesten (aus europäischer Sicht) Gestalten werden zwar nicht entschuldigt, aber verstanden. Sie bekommen alle immer noch eine Chance - zumal die Autoirn selbst auch nicht immer moralisch einwandfrei handelt.
Über das Verhältnis von Wahrheit und Dichtung kann man sich bei all dem nicht so ganz sicher sein. Manches mag Nothomb herausgestellt, übertrieben oder fabuliert haben. Aber der Eindruck sowohl des fremden Landes, als auch ihres farbenreichen Innenlebens bleibt stets stark und authentisch.
Zwei tolle Bücher!
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. Februar 2014
"Rekapitulieren wir. Als kleines Mädchen wollte ich Gott werden. Sehr bald begriff ich, dass dies zuviel verlangt war, und goss ein wenig Weihwasser in meinen Messwein: Ich würde Jesus werden. Als ich einsah, dass auch dieser Ehrgeiz zu weit ging, fand ich mich damit ab, wenn ich mal groß wäre, Märtyrerin zu werden. Als Erwachsene schwor ich dem Größenwahn ab und beschloss, als Dolmetscherin in einer japanischen Firma zu arbeiten. Leider war das zu hoch für mich; ich musste eine Stufe herabsteigen und Buchhalterin werden. Aber in meinem sozialen Absturz gab es kein Halten, und so wurde ich zur Null herabbefördert. Unglücklicherweise - ich hätte es ahnen können - war die Null immer noch zuviel für mich. Und nun endlich fand ich meine letzte Bestimmung: als Klofrau." (S.111)

Amélie Nothomb beschreibt in dieser ausgesprochen seichten Komödie eine kurze Episode einer belgischen Zeitkraft in einem japanischen Konglomerat. Auch wenn die Ereignisse unterhaltend überzeichnet sind, so liefern sie doch eine anekdotisch zutreffende Beschreibung japanischer Großunternehmen. Das eine oder andere Kapitel habe ich so oder ähnlich jedenfalls auch schon in Japan erlebt. Mit "Staunen und Zittern" zählt durch die ironisch-sarkastische Verklärung dieser gesellschaftlichen Anomalien zu den unterhaltsamsten Werken dieser großen belgischen Autorin.

Es bleibt natürlich die Frage, was die Lehre dieses Werkes ist. Manchmal ist aber Unterhaltung Lehre genug. Lesen!
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am 10. Oktober 2009
"Mit Staunen und Zittern" ist der treffende Titel dieses gelungenen Buches. Wir erfahren vom konsequenten Abstieg der hoffnungsvollen jungen Frau in einem japanischen Grossbetrieb. Der Blick von unten erscheint der einzig angemessene zu sein, um eine Gesellschaft zu beschreiben, die ohne Humor auskommt. Die Japaner, so erfahren wir, sehen die Europäer etwa so, wie diese die Afrikaner betrachten: Als eine exotische Spezies mit unerklärlicher Lebensfreude; von löblichen Ausnahmen abgesehen unfähig zu wahrer Disziplin; nicht recht erwachsen, mit einem Wort - unterlegen.
Die Autorin begegnet der Situation mit einem lebensfrohen Masochismus, verletzt und neugierig-robust, zitternd und staunend. Sie ist die Stimme des Lebens in einem Mechanismus, wo der Einzelne wenig zählt. Die Welt, in die wir bei der Lektüre treten ist kafkaesk, und sie tritt uns ohne alle Verfremdung, selbst ohne literarische Kunstfertigkeit als blanke Realität entgegen.
Für mich war es ein kurzweiliges Lesevergnügen. Für einen Europäer, der sich gern als Inhaber einer Leitkultur versteht, hat es einen feinen Reiz, einmal mit einem anders gearteten kulturellen Imperialismus konfrontiert zu werden.
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