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am 2. November 2014
In dieser Geschichte wird die heimliche, meist von heftigen Schuldgefühlen begleitete Kinderphantasie Wirklichkeit, dass die Eltern sterben und von da an die Kinder das Sagen haben und frei nach ihrem Willen leben dürfen. Doch das Leben der elternlosen und fast aller sozialen Bindungen ledigen Geschwistergemeinschaft entpuppt sich als ein beklemmender Albtraum, dessen Ende einen keineswegs erleichtert aufatmen lässt, sondern Im Gegenteil fürchten lassen muss, dass von nun an alles noch viel schlimmer kommen wird für die Kinder.

Atmosphärisch dicht geschrieben, unglaublich spannend, eine monströse Story, die den Leser mitnimmt. Ein zeitloser Klassiker, der seine Aktualität nicht verlieren wird!
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am 15. Februar 2013
...ist mit ihrer Romanauswahl einfach unschlagbar! Mal ganz abgesehen davon, dass sich die bunten, edel gestalteten Bände im Regal ausgesprochen gut machen, haben sie es auch inhaltlich in sich.

Das vermeintlich langweilige Leben einer Durchschnittsfamilie nimmt in diesem Roman des absolut genialen Ian McEwan - wie so oft - völlig unerwartete Wendungen. Ein paar Teenager sehen sich nach dem plötzlichen Tod von Vater und Mutter plötzlich vor der gewaltigen Aufgabe, auf sich allein gestellt zu sein - allerdings erst, nachdem der der Zement, der für den titelgebenden Garten zweckentfremdet wurde, um eines der verstorbenen Elternteile aus Angst vor den Behörden verschwinden zu lassen. Als wäre dies der traumatischen Wendungen noch nicht genug, bahnen sich zwischen den Gesichtern zusehends Gefühle an, die eigentlich nicht sein sollten...
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Der deutsche Text sollte niemand darüber hinwegtäuschen, dass Ian McEwan Brite ist und seine Geschichte aus britischer Sicht erzählt - oder nacherzählt, denn er borgte einiges der Geschichte von dem Buch "Our Mother's House" von Julian Gloag, ebenfalls ein Brite. Damit wird vielleicht verständlicher, woher die Angst vor den "Behörden" kommt: Die britischen Jugendämter dieser Jahre waren weder besonders zartfühlend noch rücksichtsvoll und schon gar nicht mit Vollwaisen: Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden britische Kinder in die früheren Kolonien (besonders Australien) verbracht, um so die Begründung: "für Auffrischung des britischen Blutes" zu sorgen. Ihr weiteres Schicksal war derart, dass sich der australische Premier öffentlich für ihr Schicksal entschuldigte.
Dessen ungeachtet: Inzest ist und bleibt ein Phantasiegebilde der Künstler, ob Schriftsteller, Regisseur oder Musiker: Der Westermarck-Effekt sorgt bei zusammen aufgewachsenen Geschwistern sehr zuverlässig für gerade das Gegenteil: Sie werden sich respektieren, vielleicht mögen, aber kaum Verkehr mit ihnen haben.
Die Geschichte ist damit zwar lesenswert, aber eher ein feuchter Traum eines später erfolgreichen Literaten, der sich hier sehr viel für seine Geschichte geborgt hat.
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am 10. Juli 2017
Wie einer meiner Vorschreiber schon schrieb: Es passiert einfach nichts! Keine Handlung. Ansonsten ist das Buch ziemlich pervers. Ein Jugendlicher, der sich wochenlang nicht wäscht. Ein Kind, das nicht viel macht, als in der Nase zu bohren oder sich in die Hose zu machen. Zwei Schwestern, von denen die eine nackt ausgezogen wird, die andere ständig dafür kritisiert wird, dass sie noch die vernünftigste in dem ganzen Haufen ist.

Na ja, wie gesagt, Altpapier. Auf der Toilette sehe ich es dann in einigen Monaten wieder ...
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am 17. August 2017
Ich habe das Buch gerade gelesen und muss sagen, es lässt mich ratlos zurück. In einem abgelegenen Haus sterben nacheinander Vater und Mutter einer Familie. Die Kinder bleiben alleine im Haus zurück und beschließen, ohne die Eltern das Leben dort zu meistern. Der Inhalt erinnert ein wenig an Goldings „Herr der Fliegen“, wobei letzteres eine Abenteuergeschichte ist, die wohl darlegen will, dass der Mensch nach moralischen Kriterien eigentlich böse ist – wenn nicht die Werte der Erziehung und das Gefüge einer Zivilisation den Menschen von klein auf anders prägen.

Hier in diesem Buch fehlt meines Erachtens ein solcher Hintergrund. Die Geschichte erschöpft sich in in ihrer eigenen Darstellung. Vielleicht wollte der Autor zeigen, wie sich Kinder verhalten, bei denen erzieherische Prägungen und Beistand durch die Eltern und die Gesellschaft wegfallen. Allerdings kann man das nur vermuten, vielleicht hatte der Autor diese Intention auch nicht. Denn die Kinder verhalten sich nach dem Tod der Eltern zwar in einer bestimmten Weise, aber dass dies vor allem mit dem Wegfall der elterlichen Erziehung zu tun hat, war für mich nicht nachvollziehbar; die Kinder hätten sich auch genauso gut völlig anders verhalten können. Ich will damit sagen, dass mich die Geschichte auch als psychologische Schilderung menschlicher Verhaltensweisen in extremen Situationen nicht überzeugt hat. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es in dem Buch nicht wirklich drastische oder, wie andere Rezensenten schreiben „perverse“ Schilderungen gibt – weder von dem Umgang mit der Leiche der Mutter, noch von dem kurzen sexuellen Intermezzo zwischen Bruder und Schwester. All dies wird so belanglos erzählt, dass es für den Leser nicht ansatzweise ergreifend ist. Man schaut dem Geschehen bis zuletzt sehr distanziert und wie durch eine Glaskugel zu.

Vielleicht wollte der Autor aber auch all dies überhaupt nicht, sondern nur eine bedrückende und etwas absonderliche Geschichte erzählen. Ich muss sagen, schlecht erzählt ist die Geschichte keinesfalls. Der Autor schreibt sehr stimmig und die düstere und kalte Atmosphäre in dem Haus überträgt sich schnell auf den Leser und das ist schon recht gut gemacht. Von daher hat mich der Autor schon auch neugierig gemacht. Es war mein erstes Buch von McEwan. Obwohl mich dieses Buch hier nicht sonderlich überzeugt hat, würde ich daher gerne noch andere Bücher von ihm lesen, denn ich könnte mir vorstellen, dass es Besseres von ihm gibt. Vielleicht kann ja jemand meine Einschätzung hier nachvollziehen und hat gute Tipps?
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Es könnte so passieren: in einer ärmlichen Familie in London stirbt zuerst der Vater und einige Monate später die Mutter. Doch die 4 Kinder melden den Tod der Mutter nicht, sondern zementieren die Leiche im Keller ein. In den folgenden Wochen kapseln sich die Kinder von der Außenwelt ab und beginnen ein völlig autarkes Leben zu führen.

McEwan schreibt so natürlich, dass die Absurdität der Situation erst auf den zweiten Blick richtig klar wird. Mit dem Tod der Eltern fehlt die Autorität, der gesellschaftliche Druck, der sich in der Erziehung äußert. Die Kinder entwickeln sich ohne Einfluss von außen. Das Ganze verläuft wie ein psychologisches Experiment, bei dem die Vorgaben des gesellschaftlichen Zusammenlebens aufgehoben und neu überdacht werden. Faszinierend.
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am 2. Januar 2007
In einer fünfköpfigen Familie stirbt zuerst der verhaßte Vater, dann auch noch die schwächliche Mutter. Die drei Kinder beschließen daraufhin, den Tod der Mutter zu verheimlichen, um nicht ins Heim zu müssen. Sie zementieren die Tote im Keller ein und versorgen sich fortan selbst. Dabei kommen sich Bruder und Schwester allmählich näher...

Tiefgründige Studie pubertierender Jugendlicher mit all ihren Sorgen und Irrungen. Die sexuell aufgeladene Stimmung führt schließlich zur Vereinigung von Bruder und Schwester, für die es ohne Obrigkeiten nun kein Tabu mehr gibt. Natürlich "darf" so eine Geschichte nicht gut ausgehen; die Schlußszene ist jedoch im Buch sehr viel einfühlsamer gestaltet als im gleichnamigen Film. Ein Buch mit ungewöhnlichem Thema, interessant und einfühlend gelöst.
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TOP 500 REZENSENTam 9. November 2004
Ian McEwan ist mit „Der Zementgarten" ein außergewöhnlicher Kurzroman gelungen, der sich schwerer beschreiben und charakterisieren lässt als die meisten anderen Romane. McEwan bricht Tabus. Und als Leser bleibe ich mit der Frage zurück, ob mich diese gebrochenen Tabus abstoßen müssen oder faszinieren dürfen.
Der Ich-Erzähler, Jack, ein 15jähriger pubertierender Jugendlicher, lebt mit seiner Familie zunehmend isoliert in einer Wohngegend, das letztendlich nur noch aus deren Haus und einer zurückgebliebenen Zement- und Asphaltwüste besteht. Der arbeitslose Vater stirbt, die krebskranke Mutter folgt ihm zwei Jahre später. Zurück bleiben Jack und seine Geschwister, die etwas ältere Julie, die jüngere Sue und der kleine Tom, der sich sein Leben zunehmend in einer Mädchen-Rolle einrichtet und zum kindlichen Transvestiten wird. Um sich nicht der Gefahr des Auseinandergerissenwerdens auszusetzen, verheimlichen die Geschwister den Tod der Mutter ihrer Umgebung, die quasi non-existent ist, und betonieren die eigene Mutter im Keller ein. Die erste gebrochene Unschuld.
Die vier richten sich danach ihr Leben, beinahe unabhängig von jeglicher Außenwelt, ein. Eine bedrückende Verwahrlosung ist unvermeidlich, ebenso völlig neue Rollen in ihrer kleinen Welt. Jack, fasziniert von seiner charismatisch geschilderten Schwester Julie, „drubbelt" (Auflösung im Buch) sich seinen Weg durch den täglichen Dschungel, befreit von jeglicher elterlichen Autorität und losgelöst von allen gesellschaftlichen Werten und Regeln.
Zuletzt, ich darf das beschreiben, weil der gesamte Inhalt auch bereits auf dem Schutzumschlag zusammengefasst wird, nimmt Jack auch seiner Schwester Julie die körperliche Unschuld. Gewaltlos, im gegenseitigen Einvernehmen. Vielleicht wäre es auch besser zu sagen, Julie nimmt sich selbst die Unschuld mithilfe ihres Bruders. Geschwisterliche körperliche Liebe rahmt den Roman ein und lässt den Leser hin- und hergerissen zwischen Entrüstung und Faszination zurück. Unbedingt lesenswert, wenngleich ich einen 120 Seiten starken Roman auch nicht als großes Werk bezeichnen mag.
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am 21. Februar 2005
Irgendwo in England, zu irgendeiner Zeit. Das Elternhaus steht in einem Abrißviertel, der Vater zementiert den Garten, die Mutter kränkelt. Der dreizehnjährige Jack und seine größere Schwester Julie übernehmen mehr und mehr die Fürsorge um die beiden jüngeren Geschwister Tom und Sue, nachdem der Vater an einem Herzanfall stirbt und die Mutter bettlägrig wird. Als auch die Mutter dahinscheidet, gießen die Kinder die Leiche in Zement ein, im Keller des Hauses, um zu vermeiden, daß ihre kleine Gemeinschaft auseinandergerissen wird. Es folgt eine Zeit des Laissez-Faire, in der Julie streunert, Jack seine eigene Sexualität entdeckt, Tom mehr und mehr zum Baby wird, Sue sich in ihren Büchern vergräbt. Dann bringt Julie ihren Liebhaber mit nach Hause, der alsbald hinter das Geheimnis der Geschwister kommt, und die Polizei ruft, als er Julie und Jack beim inzestiösen Sex ertappt.
Das bedrückende Buch wurde zum Fundament für McEwans Welterfolg, der in unkapriziöser, dichter Sprache von der Isolation berichtet, von Nähe, Distanz, Angst und Liebe, der seine Protagonisten schutzlos, aber einfühlsam präsentiert, und den Leser vereinnahmt, der ebenso schutzlos zum empathischen Beobachter wird bei dieser Tragödie gewaltigen Ausmaßes. Ein heftiges, ergreifendes und brillant konstruiertes Buch.
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am 9. Januar 2003
Es könnte eine grosse Hilfe für den Leser sein, wenn er sich einmal klar machen würde, dass MC Ewan "diese schrecklichen Pubertätserlebnisse" so keineswegs erlebt hat.(Siehe Interview in der Frankfurter Rundschau im Okt.2003)Wer hier also auch am liebsten sofort die Polizei rufen möchte, weil er diese Zustände der Kinder nicht aushält, der sollte doch lieber innehalten und sich fragen, was den Schriftsteller dazu bewegt haben könnte, sich soetwas auszudenken. Hier könnte die Metapher des Zementgartens ein möglicher Deutungsansatz sein. Welche verschiedenen Vorstellungen von Gärten tragen wir in uns, wie weit reicht unsere Phantasie zwischen Wildnis und "Zementgarten"? Wie wild war denn unsere Kindheit? Was geschah mit unseren Sehnsüchten und Trieben, als es aufbrach in der Pubertät? In MC Ewans Roman gibt es eine wunderschöne und einfache Schlüsselszene, in der er phantasiert, wie es ist, wenn die Eltern ihre halbwüchsigen Kinder einmal einen ganzen Nachmittag allein lassen, wie diese Kinder anfangen wild zu toben und ihre grenzenlose Freiheit zu geniessen. Kinder haben nun einmal kein schlechtes Gewissen und verhalten sich sehr unmoralisch. Der Leser wird in diesem Roman immer wieder an seine moralischen Grenzen stossen. Vielleicht spürt der Eine schon ein Unbehagen bei den Doktorspielen der Kinder, während ein Anderer erst beim Inzest ruft: Jetzt reicht's! Dabei geschieht hier überhaupt nichts, ohne dass der Autor es nicht einfühlsam und sorgfältig vorbereitet.Wer das Buch genau liest, wird feststellen müssen, dass es für jede provokative Szene, für jeden Durchbruch abweichenden Verhaltens, immer schon vorher eine Andeutung, ein Vorzeichen gab, der einen Riss im Zement andeutet.Im Roman wird buchstäblich mehrmals auf diese Risse im Zement geschaut: manchmal sind es Ameisen, die hier hervorkriechen, dann ist es die Leiche der Mutter, die nicht zugedeckt werden kann. Wer hier nur Makabres sieht, dem entgeht diese eindringliche Metapher, die mich sehr an Gottfried Benns Gedicht an die Mutter erinnert, wo er schreibt: ...Du bist wie eine Wunde, die sich nicht schliesst".- Wer sich daran stört, dass diese Kinder ein so abweichende Verhalten zeigen, der sollte weiter danach fragen, welche Bedürfnisse und Sehnsüchte Jack, Julie, Sue und Tom in ihrem abweichenden Verhalten auszudrücken versuchen. Wahrscheinlich hat dieses Verhalten und Zusammenleben der Kinder in Wirklichkeit hier in unserer Gesellschaft keinen Ort.Auch MC Ewan lässt ja am Ende die Staatsgewalt eingreifen. Ich selbst habe als Leser, wahrscheinlich auch von der normalen Meinung abweichend, hier überhaupt nicht am Ende das Gefühl, dass jetzt durch den Einfriff der Ordnung bei den Kindern alles gut wird.Im Gegenteil: ich finde das Zusammenleben der Kinder zunehmend so spannend und liebevoll, dass ich diese Phantasie noch gerne etwas länger verfolgt hätte. Schade, dass es so nicht weiter geht,-so empfinden es am Ende Jack und Julie. Beide bereuen nichts. Im Film...hier etwas anders als im Roman...lässt der Autor Julie sagen: ich fand es ganz natürlich ,was wir gemacht haben. Ich fand es auch, habe mir den Film 5mal angeschaut und inzwischen das Buch mehrmals gelesen. Was ich jedoch auch erfahren habe, ist, dass 17-20Jährige ganz empfindlich und eher ablehnend auf dieses Buch reagieren,...wahrscheinlich eine viel zu frische Wunde, an die hier der Autor rührt, und die frisch Betroffene unbedingt geschlossen halten wollen.
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