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Kundenrezensionen

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am 26. September 2002
Ein wahrhaft außergewöhnliches Werk, das erst im Laufe des Lesens zu einem meiner Lieblingsbücher geworden ist.
Begonnen habe ich „Abschied von Sidonie" mit einer Art „törichten Gleichgültigkeit" zu lesen, die auch vom faktischen und scheinbar gefühlskalten Erzählstil Erich Hackls provoziert worden war. Ich las dieses Buch ohne zuvor zu wissen, auf was ich mich eingelassen hatte. Als ich das Buch ausgelesen und dann weggelegt hatte, begann erst die Wirkung einzusetzen. Selten hat mich ein Buch nach Fertiglesen noch derart beschäftigt, wie dieses.
Die Geschichte beginnt damit, dass ein Zigeunermädchen nach der Geburt (1933) von seiner leiblichen Mutter ausgesetzt wird. Es kommt in die Obhut einer (arischen) Pflegefamilie, die sich aufopfernd und liebevoll um das Mädchen kümmert. Nach und nach mischen sich die leise Töne des Zweiten Weltkriegs und das einhergehende Denunziantentum in die Erzählung. Der Krieg hält Einzug - die „große Zeit" ist da!
Der „Chronist" behält die Sprache des Berichterstatters bei. Was mich zunächst als holpernde Erzählweise gestört hatte, habe ich erst nach Auslesen als gelungenes Sprachspiel erkannt. Er erzählt die Geschichte als Bericht, nicht als Roman; lässt kei-ne Gefühle zu und bleibt oberflächlich.
Doch es gibt einen Wendepunkt in der Geschichte, der schöner nicht sein könnte: Als Sidonie zu ihrer leiblichen Mutter und somit in ihr Verderben muss, „bricht" der Gleichmut des Erzählers; er schreibt wie ein Vater, dem sein Kind gestohlen wird, klagt an, ist verzweifelt. Der Ausgang der Geschichte, die Gedanken des Chronisten/Autors, das „was-wäre-wenn..?" und besonders der letzte Satz gehören für mich zum Ergreifendsten, was jemals zu diesem Thema geschrieben wurde.
Zuerst ist die Erzählung auf Sidonie - ein scheinbares Einzelschicksal - abgestimmt - zum Schluss verwendet Hackl bewusst allgemeine Floskeln wie „nennen wir es ...", „sagen wir ..." um der Erzählung damit eine ortsunabhängige Nuance zu geben
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am 10. September 2002
geschrieben, als wäre es ein Bericht und sicherlich ist diese Geschichte so oder so ähnlich tausendfach passiert.
Das beste, und es sollte Prüfungsbuch für viele SchülerInnen sein, ist das letzte Kapitel. Was wäre wenn....?
Jeder von und kann/könnte seinen Beitrag zu unserem gemeinsamen Leben leiste, auf das es noch lebenswerter sei. Was wäre wenn, wir nich den Mund halten würden?
Das betrifft nicht nur Sidonie und den Nationalsozialismus, sondern auch tausend andere Themen, die uns allen gerade heute passiert sind.
Was könnten wir alles verhindern oder verbessern, wenn wir doch nur etwas täten!
Und wenn es nur ein Lächeln ist für jemanden, der es gerade braucht! Morgen wird Dir ein solcher Jemand begegnen, genauso wie er Dir gestern begegnet ist.
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am 27. September 2014
Mit "Abschied von Sidonie" - ein Zufallsfund im Buchladen - lerne ich den Autor E. Hackl gerade kennen und bin neugierig auf seine weiteren Bücher geworden.
Die Mischung aus historischem Hintergrund, "harten Fakten" und persönlichem Schicksal gelingt ihm überzeugend und hat mich als Leser gepackt: die "Chronisten"-Perspektive ermöglicht eine emotionale Distanz zu der banalen Grausamkeit des kleinbürgerlich-denunziatorischen Umfelds, und trotzdem wird man beim Lesen ergriffen vom Ringen einer ganz "normalen" Familie, in ihrem immer bedrohlicher werdenden, mörderischen Umfeld redlich, anständig (!) zu bleiben. Da braucht es keine langwierigen Erklärungen zu den Umständen der nationalsozialistischen Machtergreifung und Aushöhlung des gesellschaftlichen Zusammenhalts (kann man bereits wissen oder sich anlässlich dieser Lektüre verschaffen) und auch keine detailreichen Schilderungen über die Entwicklung von Sidonie, um das Mädchen näher kennenzulernen (es reicht die Botschaft, dass es nie eine Chance hatte, sich zu entwickeln). Stattdessen geht es von der ersten Seite um die verschiedenen menschlichen und unmenschlichen Arten, sich von ihr zu verabschieden. Insofern ist der Titel genau treffend.
Für mich ein sehr gutes und wichtiges Buch in der gleichen Kategorie wie A. Szczypiorski's "Die schöne Frau Seidenman".
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am 8. März 2007
"Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: Ich heisse Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Strasse nach Altheim. Bitte um Eltern."

So beginnt der Chronist die Erzählung. Zunächst sachlich und distanziert erzählt er die Lebensgeschichte der Sidonie. Durch die genauen Angaben zu Ort und Zeit ruft er dem Leser immer wieder ins Bewusstsein, dass es sich um eine reale Geschichte handelt.

Unschwer lässt sich erkennen, dass die dunkelhäutige Sidonie das Kind von Zigeunern ist. Sie wird von den Breirathers, einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie, in Pflege genommen und wird von ihnen wie eine eigene Tochter anerkannt.

Vorerst hat Sidonie eine unbekümmerte Kindheit bei ihren liebevollen Pflegeeltern, doch allmählich verfinstert sich das politische Umfeld. Menschen werden zunehmend nach Herkunft und Hautfarbe diskriminiert. Langsam erahnt man ihr Schicksal...

Ohne dass die Breirathers zunächst etwas ahnen, intensivieren die Behörden die Suche nach Sidonies leiblichen Eltern und so bricht das Unheil langsam herein...

Die knappe und distanzierte Erzählweise lädt den Leser langsam mit Trauer und Wut über Sidonies Schicksal auf und nun endlich bricht der Chronist aus seiner Rolle aus: "Dies ist die Stelle, an der sich der Chronist nicht länger hinter Fakten und Mutmassungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte."

Er ist nun Ankläger. Die Anklage: Ignoranz und Intoleranz.
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am 21. Juni 2003
Mit schlichten Worten wird das Schicksal des adoptierten Zigeunermädchens Sidonie in der NS-Zeit erzaehlt.
Das Ende ist eigentlich voraussehbar, und doch gelingt es dem Autor, einen verblüffenden allerletzten Satz zu schreiben, der das ganze Buch in einem völlig veränderten Licht erscheinen lässt. Ein zutiefst moralisches Buch, das ganz ohne moralisieren auskommt. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre in unseren Schulen unf für Erwachsenen werden, um Menschlichkeit zu lehren.
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am 26. August 2010
"Das ist die Stelle, an der sich der Chronist nicht länger hinter Fakten und Mutmaßungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte." So leitet Erich Hackl die tragische Trennung des Zigeunermädchens Sidonie von ihrer Pflegefamilie ein. Das Mädchen wird ein spätes Opfer dessen, was der Autor treffend die "Bestialität des Anstands" nennt, die zur Zeit des zweiten Weltkriegs so weit verbreitet war. Alle haben ihr Scherflein dazu beigetragen, haben sich selbst eingeredet, zum Besten des Kindes zu handeln, als es zu ihrer leiblichen Mutter und der Zigeunerfamilie abgeschoben wurde. Dabei haben alle gewusst, wie es um die Überlebenschancen von Zigeunern im Jahr 1943 bestellt war.
Das ist eines der wichtigsten und besten Bücher, das die österreichische Literatur je hervorgebracht hat. Mit knappen, oft atemlos kurzen Sätzen erzählt Hackl diese unfassbare Tragödie so, dass man einerseits den journalistischen Wahrheitsgehalt des "Chronisten", wie er sich nennt, erkennt, andererseits aber der Erzählung mit Spannung folgt, so atemberaubend schmerzlich, schnörkellos und direkt ist sie gestaltet. Das ist ganz große Kunst. Es ist ein Buch, das betroffen macht, weil es die Unmittelbarkeit eines Zeitungsartikels mit der sprachlichen Kunstfertigkeit des literarischen Textes verbindet. Dafür, sowie für die uneingeschränkte Glaubwürdigkeit und tiefe Liebe zur Menschlichkeit, die den Autor Erich Hackl auszeichnen, möchte man das Büchlein fest umarmen und wie Josefa Breirather zum Schicksal der kleinen Sidonie sagen: "Das ist so ein Herzweh. So ein Herzweh ist das."
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TOP 500 REZENSENTam 29. April 2016
Die Verbrechen der Nationalsozialisten, Erich Hackl gibt ihnen ein Gesicht. Wer dieses Buch liest, wird nie wieder die Verblendung verstehen, die sogenannten "Anständigen" bei der überheblichen Illusion half, sie seien besser als irgendjemand anderer und dürften diese anderen töten. Das Bedauern für die arme Sidonie geht tief. Man möchte ihr helfen und kann es doch nicht. Denn ihr Tod ist längst beschlossene Sache. Beschlossen im Herzen der Finsternis, das sich allem Fühlen verschließt. Und bevor die Verzweiflung umkippt in mörderische Wut, holt Hackl uns zurück ins Spüren. Es geht um ein kleines Mädchen, dass Mitgefühl verdient hätte und nie bekam. Wer immer das Fühlen verweigert, macht sich mitschuldig an diesem Tod!
R Opelt, Autor von "Ohne Schmerzen"
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am 14. November 2012
Den Inhalt zu dieser kurzen Erzählung kann man den Kurzinformationen entnehmen, deswegen erläutere ich ihn hier nicht weiter.
Meine Meinung zu Erich Hackls "Abschied von Sidonie":
In den meisten Erzählungen/ Romanen/ Kurzgeschichten zum Thema Nationalsozialismus werden die Schicksale der Juden beschrieben, die natürlich zweifellos schrecklich waren, doch was passierte mit den Roma und Sinti, die ebenfalls von den Nazis gehasst, diskriminiert und verfolgt wurden?
Dies wird in dieser Erzählung thematisiert. Mit einer einfachen Sprache, die jedem zugänglich ist, beschreibt Hackl das Schicksal des Mädchens Sidonie, von ihrer leiblichen Mutter als Säugling verstoßen und in eine gutbürgerliche österreichische Familie aufgenommen. Von ihrer Familie innig geliebt und doch daraus herausgerissen.
Eine wirklich sehr interessante Erzählung, die auf jeden Fall lesenswert ist!
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am 5. Januar 2003
Am 18. August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: „Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße von Altheim. Bitte um Eltern."
Dies sind die ersten Worte in Erich Hackls Tatsachenbericht - Abschied von Sidonie.
Er versuchte mit diesem Buch ein Mahnmahl, all den im 2. Weltkrieg zu unrecht gestorbenen setzen. Es ist bedrückend das Schicksal dieses Kindes mitzuerleben, das Millionen anderen ebenfalls erging.
Erich Hackl schreibt meisterhaft, Langeweile tritt in keinem Moment auf.
Eigentlich haße ich lesen, und kaufte mir dieses Buch nur, weil ich eine Buchvorstellung in der Schule in Deutsch machen musste.
Doch dieses Buch fesselt sogar mich als absoluten Buchignoranten also dieses Buch ist genial.
Meine Empfehlung, kaufen.
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am 26. August 2004
Es war von Anfang an klar, was mit Sidonie geschehen wird. Doch kam nie Langweile auf. Dieses Buch ist als Massstab menschlicher Abgründe anzusehen, aber auch menschlicher Würde, Stolz, Zuneigung, Wertgefühl, zeigt auf wozu Menschen fähig sind, im positiven als auch im negativen Sinne. Erich Hackls Wut und Trauer ist trotz seiner sachlich kompetenten Ersählungsweise spürbar. Emotinal konnte ich mich nicht von Sidonies Geschichte distanzieren. Zuoft war ihr Bild vor mir, zuoft musste ich über diese quicklebendige, starke Mädchen innerlich lachen, zuoft verspürte ich Hochachtung vor dieser oberösterreichischen Arbeiterfamilie. Diese Buch ist ein Mahnmal, zeigt wohin uns Intoleranz, ungezügelter Hass, aber auch grenzenlose Liebe bringen kann.
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