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am 17. April 2009
"Die Bücher, die die Welt unmoralisch nennt, sind
solche, die der Welt ihre eigene Schande zeigen."
(Oscar Wilde)

"Grauenvoll! Grauenvoll!", so die Reflexion des Herrn Kurtz, die er aus dem "Herz der Finsternis" dem Kapitän Marlow als Quintessenz seines Lebens in der Wildnis mitteilte. Der von Joseph Conrad (1857-1924) im Jahre 1902 preisgekrönte Roman als Reise in das Innere der menschlichen Seele findet bei Joris-Karl Huysmans (1848-1907) und seiner Idee, die düstere Seite des Transzendenten, des übernatürlichen Bösen zu zeigen, seinen Ursprung. "Tief unten" (1891) ist die literarische, realfiktive Exkursion zum absoluten Nullpunkt menschlichen Verhaltens, zu unvorstellbaren Grausamkeiten, zu einer Ästhetik des Bösen in den zahllosen Exzessen des Gilles de Rais im 15. JH und der intelligenten Auslegung aller Praktiken religiöser Sekten im 19. JH.

Der Schriftsteller Durtal auf der Suche nach den Daten, Fakten und Praktiken des Gilles de Rais (1404-1440) für sein neues Buch gerät bei seiner Recherche über Freunde und Empfehlungen in die dekadente Pariser Gesellschaft. Dort wird er fündig in der Geschichte des Mittelalters wie in den geheimen Treffen der Pariser Aristokraten, Ordensträger, Domvorsteher oder Priester zu seiner Zeit. Sein Freund Des Hermies und der Katholik und Glöckner Carhaix sind willkommene Begleiter in der Erreichung seines Forschungsziels. Sein Bestreben, alles über die Zeit des teuflisch Bösen als Widerpart des göttlich Guten zu erfahren, führt ihn gedanklich in eine finstere Welt mittelalterlicher Exzesse wie real zu religiösen Sekten, dem Satanismus als Gegenpol des Katholizismus, zu berauschten Alchimisten, zu düsteren Astrologen und letztendlich zur Teilnahme an einer schwarzen Messe, deren Beschreibung besondere Beachtung verdient. Wie durch einen Spiegel schreitend, betritt er den Symbolismus einer anderen möglichen Welt oder wie man bei Stephane Mallarmes "Die Fenster" findet: "entschweb vom Traum gekrönt der Erde" [...] "und drohe auch der Fall ins Nichts der Ewigkeit".

Huysmans schrieb seinen Roman als Nachfolge seines Erstlings "A rebours" (Gegen den Strich). Sein Anliegen, dem Natürlichen durch übersteigerte Künstlichkeit zu entfliehen, überträgt er der Romanfigur Jean Des Esseintes. So wie dieser nicht das Heil in der dekadenten Künstlichkeit als ewig sieht und er sich dem Glauben annähert in der Andacht des Ästhetischen, wird für Durtal und seinen Gesprächspartnern aus der Historie klar, dass das Böse in seiner absoluten Form des "tief unten" nicht durch den Geist vollendet werden kann, sondern in diesem Leben endlich ist. Dem Bösen als die eine Lebens-Idee in diesem verlorenen Paradies steht die Transzendenz des Guten gegenüber, verkörpert in der Liebe, gepaart mit Hoffnung und Sehnsucht und letztendlich im Glauben. Huysman wie kein Zweiter ist in der Lage, aus diesem tiefsten Punkt menschlicher Grausamkeit, Hoffnung zu erzeugen und zur Umkehr in den Glauben zu bewegen. Glauben als Wellenbrecher des Lebens, "ist der einzige Damm, hinter dem jeder schiffbrüchige Mensch in Frieden stranden kann".

Wie John Keats im Hyperion (Die unterste Stufe; und als er sie berührte schien / Das Leben an den Zehen einzuströmen.) dichtete, spürt auch Huysmans an diesem tiefsten Punkt der Leiter einen warmen Zug um seine Zehen, der den Mut zur Umkehr bewirkt. Umkehr in den Gedanken der Johannes Offenbarung, die im Heiligen Geist das kommende Reich erwartet, welches das absolut Gute im umfassenden Geist weltumspannend bereithält. Doch um dahin zu kommen, muss er den Weg über die gottesfernen Tiefen nehmen und hinabsteigen in sein "La bas".

"Es war das merkwürdigste Buch, das er je gelesen hatte. Es war ein Buch, das Gift ausströmt." So wie Oscar Wildes Romanfigur Dorian Gray sich nicht dem Einfluss von "A rebours" entziehen konnte, muss der Leser sich gerade all der geschilderten Grausamkeiten in "La bas" entziehen können, weil er sich sonst seiner Seele entfernt. "Gerade so, als ob das, was wir träumen, sein könnte!" Diese Verquickung von Staunen und Bestürzung, mit der man sich gegen Widersinniges auflehnt, diese Ahnung, dem Unglaublichen verfallen zu sein, gehört zum Wesen des Traumes, lesen wir bei Conrad. Huysmans beweist, was der Menschengeist alles vermag, weil in ihm alles vorhanden ist; das diabolisch Böse aber eben auch das unendlich Gute. Gerade zum Fin de Siecle wandeln viele Dinge in der Literatur vom Materiellen ins Magische, werden mystisch, suggestiv und symbolisch verdichtet und so u. a. zur "Traumnovelle", zum "Jedermann" oder führen ins "Herz der Finsternis" oder zu den "Gesängen des Maldoror".
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