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am 16. Juni 2009
"Je mehr nun aber Einem die Furcht in Ruhe lässt, desto mehr
beunruhigen ihn die Wünsche, die Begierden und Ansprüche."
(Arthur Schopenhauer, 1788-1860)

Nur zu glauben, dieser Band (1851) enthalte nur (im Wesentlichen) die Lebensweisheiten, fehlt. Er hat den Band nicht gesehen. Vielmehr gilt hier der einführende Satz Juvenals für Schopenhauer, das Leben sei dem Wahren zu weihen. Und so beginnt er mit der Auseinandersetzung zwischen dem Realen und dem Idealen, zeigt den Einstieg in die Fragmente zur Geschichte der Philosophie und zeigt hier in 14 Paragraphen seine durchaus kritische Meinung zu den Philosophen. Schopenhauer lässt Sokrates in einem weniger guten Lichte stehen, so wie Xenophon es bereits äußerte. Über Kant schreibt er ausgiebig, ist es doch der anerkannteste Vorgänger seiner Zeit. Anscheinende Absichtlichkeiten im Schicksale des Einzelnen klären die Frage der Vorhersehung und des Zufalls. Sein "Versuch über das Geistersehn" erinnert an Kants Kritik an Swedenborg und erst dann folgen die Aphorismen zur Lebensweisheit. Schopenhauer zeigt sich ungemein belesen. Seine sinnverwandten Anverwandlungen bei Shakespeare, Goethe u.a. sind von spannender Vielfalt. Schicksal findet er bei Shakespeare, bei Goethe, in der Bibel, eigentlich überall dort, wo behauptet wird, "des Menschen Thun steht nicht in seiner Macht".

In den Paränesen und Maximen erinnert er an die Kyniker der Antike, an die Lehre der Stoa und findet entsprechendes bei Horazen oder eben Goethe, der bereits feststellte: "Wer sein Übel los seyn will, weiß immer was er will". "Ich hab mein Sach auf nichts gestellt", diese Goethe Maxime sagt nichts anderes, als das der Mensch aus allen möglichen Ansprüchen heraus getrieben, sich selbst trifft, "das klare und nackte Daseyn".

"Vom Unterschiede im Lebensalter" schließt den Band I des P&P Duos, ein geistreiches Werk, dem der vorurteilsbeladene Pessimismus nicht anzulasten ist. Es sei denn, man würde die Besinnung auf sich ablehnen zu Gunsten der vergänglichen Freuden. Vielmehr kann man sich erinnern an ein Leben wie an einen Maskenball. Am Ende werden die Larven abgenommen, "die Charaktere werden an den Tag gelegt" oder wie es bei Matthäus zu lesen ist: Die Taten haben ihre Früchte getragen. Oder wie man enden kann, eben in der gerechten Würdigung aller Leistungen im Zerfall der Trugbilder.

So kann man die Lebensweisheiten lesen, die Schopenhauer entschädigten für die teilnahmslose Belanglosigkeit seines Hauptwerkes, dessen Erstausgabe erst nach 30 Jahren vergriffen war. Aber erleben durfte er den Erfolg in der Ansprache der Menschen nicht mehr richtig.

Der Verlag hat gut daran getan, Wert auf Schopenhauer zu legen. Empfehlung bleibt jedoch die neue fünfbändige Ausgabe mit Ergänzungsbuch von Ludger Lütkehaus.
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am 19. Februar 2016
Die 'Aphorismen zur Lebensweisheit' hat wohl fast jeder schon einmal zumindest auszugsweise gelesen, sie fehlen in keinem einigermaßen gutsortiertem deutschen Bücherregal. Diese 6 Kapitel umfassenden berühmten kleinen Essays sind allerdings nur ein kleiner Teil dieser Sammlung der handschriftlichen Aufzeichnungen und Notizen des Philosophen.
Als sein 'letztes Werk' hat er sie angekündigt und mit Mühe einen Verleger gefunden. Danach hat er sich sozusagen zurückgelehnt und gesagt: "'Das war es gewesen. Ich habe die Philosophie verändert. Meine Gedanken sind unsterblich"'.
Und dieses 'letzte Werk' brachte Schopenhauer erstmals große Aufmerksamkeit und europaweite Anerkennung. Erst jetzt wurde er überhaupt als Philosoph wahrgenommen, und auch seine Hauptwerke wurden beachtet. Im Gegensatz zu seinem 'Nachfolger' Nietzsche hat er seinen Erfolg noch erleben können, auch seinen sehr späten finanziellen Erfolg.
Seine Gedanken sind unsterblich. Wenn man sich an sein Hauptwerk ('Die Welt als Wille und Vorstellung') noch nicht herantrauen möchte, hier ist der ideale Einstieg. Eine gewisse Altersmilde hat ihm ein wenig von seiner früheren Kompromisslosigkeit und Unnachgiebigkeit genommen, er zeigt Verständnis für seinen philosophisch nicht so hochgebildeten Leser und versucht ihn für sich zu gewinnen.
Einige Kapitel sind genial. So der fiktive Dialog eines absoluten Verächters der monotheistischen Religionen mit einem Gesprächspartner, der diesen Religionen einen gewissen Sinn und Nutzen für den einfachen, vom Leben hart angefassten Menschen zugesteht. Sie bringe Ethik und Moral, Trost und Hoffnung in einem schlechten, unerträglichen Leben, auch um den Preis der 'Lügen und Fälschungen'. Selbst der von Luther gegeißelte Ablasshandel habe so manchem Menschen Frieden gebracht und ihn in Ruhe und Gewissheit sterben lassen. Das Leben sei bekanntlich sinnlos, ohne Zweck und zufällig. Für die Vielzahl der stumpfen, einfachen Menschen, die täglich schwere Muskelarbeit leisten müssen, um ihr tägliches Brot zu erhalten und überhaupt zu überleben, seien die Tröstungen der Religionen notwendig. Für philosophische Betrachtungen hätten sie keinen Sinn und keine Zeit. Die Wunder und Mythen der Religionen solle man nicht zu wörtlich nehmen, sondern als 'Allegorien' betrachten. Auch Unwahrheiten oder besser Ungenauigkeiten solle man zum Wohle aller akzeptieren. Erst wenn der Mensch einmal reif geworden sei, könne er die ganze Wahrheit erfahren und ertragen, so der Verfechter der Religionen in diesem Dialog. Worauf der Religionshasser (natürlich Schopenhauer selbst) es nicht versäumt, auf die Ausrottung und Ausbeutung ganzer Völker im Namen der Religion hinzuweisen und seine tiefe Abscheu gegenüber diesen "'barmherzigen Lügen'" auszusprechen. Der Leser kann sich am Ende dieses leidenschaftlich, aber freundschaftlich geführten Disputs den Argumenten der jeweiligen anderen Seiten nicht entziehen. Er bleibt nachdenklich zurück.
Es gibt auch unerträgliche Passagen voller Arroganz, Zynismus und Hochmut, so z.B. das Kapitel über die "Weiber". Auch gibt es Abschnitte in denen Schopenhauer sich maßlos überschätzt und Physiker als "Esel" bezeichnet, die schon damals in absolut genialer Voraussicht eine Wellenstruktur des Lichtes ins Spiel brachten und sogar zusätzlich von "Lichtteilchen" sprachen. Schopenhauer meinte, diese "Schwätzer" sollten endlich denken anstatt zu experimentieren. Aber selbst diese Kapitel sollte der Leser mit einem leichten Schmunzeln noch genießen und sich an den wortgewaltigen und präzisen Schilderungen und auch an den Schmähtiraden erfreuen.
Insgesamt sind diese 'Nebenwerke und Nachträge' eine Sammlung von Wert für jeden Leser. Man muss sie nicht von Anfang bis Ende in einem Zug durchlesen, man kann sich einzelne Kapitel herauspicken. Irgendwann wird man alles gelesen haben.
Das Buch gehört zu den 100 wichtigsten Büchern der Weltliteratur.
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am 5. September 2013
Schopenhauer kann nicht oft genug gelesen, zitiert und auswendig gelernt werden.
Schopenhauerlektüre zu betreiben ist ein Hochgenuss in jeder Hinsicht.
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