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Kundenrezensionen

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am 25. Mai 2000
George Orwell beschreibt in diesem autobiographischen Bericht seine Mitwirkung im spanischen Bürgerkrieg. Orwell beschreibt in den einzelnen Kapiteln immer abwechslungsweise einmal die politische Situation und andererseits die Geschehnisse in den Schützengräben, die er als Freiwilliger in der spanischen Miliz hautnah miterlebte. Das Buch ist also nicht wie Remarque's "Im Westen nichts neues" ein "einfaches" Antikriegsbuch, dass parteilos die Vorkommnisse im Krieg schildert; Orwell ist natürlich für den Kampf gegen die faschistischen Truppen und gegen blinden Pazifismus. Im Verlauf des Buches geht er stark auf die Grabenkämpfe innerhalb der Milizen ein; er nimmt, obwohl er nicht in der CNT (Anarchistische Gewerkschaft Spaniens) kämpft, Stellung für sie ein und gibt den Kommunisten die Schuld für die Kämpfe innerhalb der eigenen Reihen. Dies ist auch der Anfang seines Misstrauen gegen den stalinistischen Kommunismus, der dann in seinem Buch "Farm der Tiere" märchenhaft aufgearbeitet wird. Alles in Allem gibt dieses Buch einen guten Überblick über den spanischen Bürgerkrieg, auch beschreibt er die politische Situation sehr genau. Sehr empfehlenswert!
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am 24. September 2015
George Orwell reiste Ende 1936 als Journalist nach Spanien, um über den Bürgerkrieg zu berichten. Er schloss sich jedoch nach Ankunft in Barcelona umgehend den republikanischen Truppen, genauer den marxistischen P.O.U.M-Milizen an. Sein Bericht ist eine spannende Innenansicht des spanischen Bürgerkriegs. Er ist zwar selbst so gut wie nicht in Kampfhandlungen verwickelt (da die aragonesische Front, an welcher er dient, zu jenem Zeitpunkt still liegt), schildert jedoch recht eindrücklich den physisch und psychologisch aufreibenden Alltag an der Front. Besonders interessant sind seine Darstellungen der politischen Entwicklung in den 6 Monaten seines Spanienaufenthaltes, in welche auch der eskalierende Konflikt innerhalb des linken Lagers sowie die Unterdrückung der P.O.U.M.-Partei fällt. Orwell flieht am Ende relativ schwer verletzt und weitgehend desillusioniert aus dem Land.
Orwell schrieb das Buch direkt im Anschluss an seine Rückkehr nach England. Entsprechend bezieht es sich nur auf den Zeitpunkt seines Aufenthaltes im Land und gibt keinen vollständigen Überblick über den Gesamtverlauf des Bürgerkrieges. Trotzdem bekommt der Leser einen guten Einblick in das atmosphärische Geschehen der Anfangsphase sowie der darauf folgenden kommunistischen Machtkonsolidierung auf Seiten der Republikaner vermittelt. Ich kann das Buch allen am Thema Interessierten wärmstens empfehlen!
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am 30. November 2007
…von Orwells Ankunft in der Kaserne der Loyalisten; von seinen Beschreibungen über die militärische Ausbildung, von seiner humorvollen und doch so wahren Analyse der spanischen Mentalität, und nicht zuletzt von seinen Beschreibungen des Grabenkriegs war ich gefesselt von diesem Buch.

Wiesoviele europäische Intellektuelle schloss sich auch Orwell bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs den Internationalen Brigaden an. Aber anders als beispielsweise Ernest Hemingway's "Wem die Stunde schlägt“ ist Orwells Bericht alles andere als ein Heldenepos; im Gegenteil: Die Lektüre dieses Buches stellt das eingebürgerte Verständnis des spanischen Bürgerkriegs gründlich auf den Kopf: In herkömmlichen Geschichtsbüchern hört man ja nur von "Faschisten“ und "Demokraten“ bzw. "Kommunisten“ – aber Orwell schloss sich erst der Brigade Demokratischer Sozialisten und dann den Anarchisten an. Und beobachtete aus erster Hand, wie die Divisionen der Roten Armee, die einen Sieg in diesem Bürgerkrieg allein für sich reklamieren wollten, brutal Jagd auf jeden machten, der kein sowjetischer Soldat war, bis der eigentliche Feind fast vollkommen aus den Augen verloren war. Die „Schlacht um Barcelona“ war kein Kampf gegen Franco – es war die Flucht der kleineren, schlechter ausgerüsteten Fraktionen vor den sowjetischen Panzern.

Man muss ein weiteres Mal den Mut und das große Talent George Orwells hervorheben, der mit einer unverwechselbar lakonischen Sprache große Historie an kleinere, persönliche Anekdoten aus dem Schützengraben knüpft. Und spätestens nach der Lektüre dieser Reportage muss einem auffallen, dass dieser Mann, den man für gewöhnlich nur mit "Farm der Tiere“ und "1984“ in Verbindung bringt, unbedingt eine stärkere öffentliche Würdigung erfahren muss.
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am 12. August 2008
Vor allem für historisch interessierte Leser, die die (spanische) Geschichte des 20. Jahrhunderts aus erster Hand miterleben müssen, ist dieses Buch ein Muss. Packend geschrieben und mit einem gewaltigen Schuss Ironie gelingt es dem Autor hinter die Kulissen zu schauen. Die Absurdität dieses sinnlosen Kriegs wird einem dabei plastisch vor Augen geführt. Absolut lesenswert!
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am 2. Dezember 1999
"Homage to Catalunya" ist der englische Titel dieses Buchs, das - wenn auch unerwähnt - die literarische Grundlage des Films "Land and Freedom" von Kenneth Loach bildet. Erzählt wird die Geschichte von Eric Blair, einem jungen Engländer, der sich 1936 aufmacht, als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg mitzukämpfen. Und so unbekannt die Geschichte Spaniens in dieser Zeit in Deutschland ist, so spannend ist dieser Bericht. Zumindest für mich war es schwer vorstellbar, daß der zweite Weltkrieg in Spanien bereits drei Jahre vorher begonnen hatte und 1939 schon beendet war. Guernica - bekanntestes einzelnes Ereignis des Bürgerkriegs und gleichzeitig Beweis, daß dieser Krieg nicht nur der Krieg der Bürger Spaniens war - fällt uns kaum mit Datum ein. Daß dieser unbekannte Krieg also auch noch ein besonders verwickelter war, zeigt Blair's Geschichte. Als Freiwilliger in den Reihen der Anarchisten wird er schließlich von der "regulären" (kommunistischen) Armee der Republik entwaffnet. Viel zu absurd, tragisch, politisch ist diese Geschichte, um sie in dieser Rezension wiederzugeben. Orwell macht es besser - das Buch lohnt! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 8. Oktober 2005
Schon längere Zeit beschäftige ich mich mit den "Wirren" des spanischen Bürgerkriegs. Von dem Augenzeugenbericht von George Orwell erwartete ich daher nicht allzuviel. Selten habe ich mich so getäuscht. Es gibt keine realistischere und mitreißendere Schilderung dieser Epoche Spanischer Geschichte. George Orwell vermittelt einem das Gefühl tatsächlich vor Ort zu sein. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages gelesen und später noch einmal. Es ist wirklich sehr faszinierend. Es ist tatsächlich eines der besten Bücher überhaupt. Auch wenn einen der Bürgerkrieg nicht interessiert so ist es dennoch ein hervorragend geschriebenes Buch.
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TOP 500 REZENSENTam 15. November 2015
"Ich war nach Spanien gekommen, um Zeitungsartikel zu schreiben. Aber ich war fast sofort in die Miliz eingetreten, denn bei der damaligen Lage schien es das einzig Denkbare zu sein, was man tun konnte. [...] Man hatte den Japanern erlaubt, in der Mandschurei zu tun, was sie wollten. Hitler war zur Macht gekommen und fuhr fort, die politischen Gegner aller Schattierungen zu massakrieren. Mussolini hatte die Abessinier bombardiert, während dreiundfünfzig Nationen abseits standen und fromme Sprüche von sich gaben. Aber als Franco versuchte, eine gemäßigt links orientierte Regierung zu stürzen, lehnten sich entgegen allen Erwartungen die spanischen Menschen gegen ihn auf. Es schien die Wende der Flut."

Fast vier Monate lang blieb George Orwell in der katalonischen Miliz, bei einer Abteilung der anarchistisch-sozialistischen Arbeiterbewegung, erlebte die Front, das Lazarett und zuletzt die Straßenkämpfe, politischen Verwicklungen und Propagandaschlachten in Barcelona. Seine Schilderungen und Analysen zu letzterem bilden das wirkliche Kernstück dieses Buches und sind sein großer Verdienst, bis heute.

"Es war nämlich vor allen Dingen ein politischer Krieg. Kein Ereignis, besonders aus den ersten Jahren, ist verständlich, ohne eine Gewisse Kenntnis von dem Kampf zwischen den Parteien, der sich hinter der Frontlinie der Regierungsseite abspielte."

Der spanische Bürgerkrieg wird in der historischen Betrachtung meist leichtfertig zusammengefasst als Kampf von Demokratie gegen Faschismus, als ein Aufbegehren von liberalen, kommunistischen, sozialistischen, demokratischen Elementen gegen die Flut des Totalitarismus. Aber gerade der ideologische Kampf auf Seiten der republikanischen Seite, der (zumindest in Katalonien) einen Bürgerkrieg in sich darstellt, wird dabei gerne verschwiegen; es wird gerne ausgespart, dass im republikanischen Spanien der Jahre 1937-38 eine der größten kommunistischen Säuberungsaktionen des 20. Jahrhunderts stattfand und einige anarchistische Arbeiterschaft-Verbände mit Terror und Willkür unterdrückt wurden.

Orwell kam im Dezember 1936 nach Barcelona, das Buch erschien 1938, noch bevor der Krieg beendet war. Es ist daher kein umfangreicher Bericht über den Bürgerkrieg selbst und auch keine Analyse des Kriegsverlaufes. Es ist ein persönlicher Erlebnisbericht aus dem Räderwerk des Bürgerkriegs, nicht nur des Fronteinsatzes, sondern vor allen Dingen der politischen Prozesse, die währenddessen abliefen.

Als Orwell nach Barcelona kommt, hat die Arbeiterschaft dort eine fast perfekte sozialistische Utopie umgesetzt. Es gibt keine Unterschiede in Sold und Gehalt mehr, alles liegt in den Händen der Arbeiter. Er tritt der anarchistischen Arbeitermiliz P.O.U.M. bei und geht an die Front. Als er ein paar Monate später zurückkehrt, haben sich sowohl die realpolitischen Verhältnisse geändert, wie auch die gesellschaftlichen. Alles war wieder zum bourgeoisen Standard zurückgekehrt. Orwell zog die richtigen Schlüsse und erkannte früh, was ein Problem des 20. Jahrhunderts war und ein Erbe geworden ist, das das 21. Jahrhundert weiterhin mitträgt:

"Im Namen der Demokratie gegen den Faschismus zu kämpfen, heißt, im Namen einer Form des Kapitalismus gegen eine andere zu kämpfen, die sich zu jeder Zeit in die erste verwandeln kann. Die einzig wirkliche Alternative zum Faschismus ist die Kontrolle durch die Arbeiter. Wer sich irgendein kleineres Ziel als dieses setzt, wird entweder Franco den Sieg aushändigen oder im besten Falle den Faschismus durch die Hintertür hereinlassen."

Der Kapitalismus und die staatliche Gewalt sind, wie Orwell aufzeigt, die wesentlichen Probleme und die wesentliche Unterdrückung der menschlichen Gesellschaft. Später wurden die Arbeiterverbände nicht nur aus der Regierung gedrängt, sondern vollständig aufgerieben, verhaftet, in Kerkern zum dahinvegetieren verdammt oder insgeheim erschossen. Die linke Presse in aller Welt druckte damals munter die kommunistische Propagandalüge, dass alle Mitglieder der Anarchisten geheime Handlanger Francos sein - eine Behauptung die nicht falscher sein konnte, lagen doch zum größten Teil Mitglieder der anarchistischen Miliz zu der Zeit an der Front und hielten sie.

"Als eine der traurigsten Wirkungen dieses Krieges erkannte ich, dass die Presse der Linken bis ins kleinste genauso falsch und unehrlich ist wie die der Rechten. [...] Das ist in allen Kriegen immer dasselbe. Die Soldaten kämpfen, die Journalisten schreiben. [...] In Wirklichkeit unterliegt jeder Krieg mit jedem Monat, den er länger dauert, einer gewissen sich steigernden Entartung. Begriffe wie individuelle Freiheit und wahrhaftige Presse können einfach nicht mit dem militärischen Nutzeffekt konkurrieren."

Orwells Buch ist ein verdammt wichtiges Dokument und eine Lektion in Antipropaganda und wider der historischen Geschichtsschreibung, die sich der Wirkungen verpflichtet sieht und nicht der Ursprünge und der Schicksale, Tatsachen und Ideen, die auf der Strecke bleiben. Es ist kein besonders spannendes Werk, teilweise auch nicht gerade großartig geschrieben, aber in seiner unaufgeregten und völlig unheischenden Dimension gewinnt es einen Grad an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit für sich, der mich sehr beeindruckt hat. Orwell schreibt am Ende, dass man seine Ausführungen kritisch hinterfragen soll und er meint es völlig Ernst. Und doch öffnet er einem mit dem Buch eine Sicht auf ein völlig verstelltes Kapitel des spanischen Bürgerkriegs und des zivilen und gesellschaftlichen Kampfes im 20. Jahrhundert. Und legt den Finger auf eine Frage, dessen Antwort weiterhin auf sich warten lässt: Wie kann man gewährleisten, dass die Interessen von allen in einem staatlichen Konzept gehört und bedacht werden?
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am 25. Februar 2015
Wenn man die bekanntesten Werke von Orwell (1984 und Farm der Tiere) kennt, erwartet man möglicherweise in diesem Buch etwas Ähnliches. Doch es handelt sich um keine Sozialutopie oder Fabel, nicht einmal um eine Darstellung des Themas, wie man es beispielsweise in Hemingways berühmten Roman vorfindet, sondern nur um einen Bericht darüber, was Orwell während seines Aufenthalts in Spanien (1936-37) erlebt hat. Und doch kommt darin bereits das Thema zum Vorschein, das später zum Hauptmotiv seiner Werke, etwa der Farm der Tiere wird: die Verwandlung der revolutionären Ideale (wie Wahrheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in Verleumdung, Verfolgung und Terror. Orwell hat diesen Wandel, der als Tendenz praktisch jeder Revolution innewohnt, während des Spanischen Bürgerkriegs, über dessen wirklichen Ablauf relativ wenig bekannt ist und oft falsch berichtet wurde, selbst erlebt und in diesem Buch beschrieben, selbst wenn ihm die Tragweite seiner Erkenntnis in dieser Zeit vermutlich noch nicht bewußt war.

Es war auch gewiß nicht Orwells Absicht, irgend etwas Allgemeingültiges oder auch nur etwas Besonderes zu enthüllen, und er konnte gar nicht ahnen, wie sich die Situation verändern und er selbst schließlich gezwungen sein wird, aus Spanien zu fliehen. Er ist einfach als einer der vielen ausländischen Freiwilligen nach Spanien gekommen, um dort gegen die Faschisten zu kämpfen, und hat versucht, möglichst wahrheitsgemäß über das Geschehen zu berichten. Seine Beschreibung dessen, was er in Barcelona oder an der Front alles gesehen und erlebt hat, ist dabei zum Teil sehr persönlich, wenn auch nicht neutral, sondern sehr wohl parteiisch. Er macht keinen Hehl daraus, daß er mit den dortigen Kommunisten und Anarchisten, gleich welcher Gruppierung, sympathisiert und viele der Vorstellungen über eine klassenlose Gesellschaft teilt. Gleich am Anfang erzählt er mit Begeisterung über die fast kommunistischen Zustände und die herrschende revolutionäre Atmosphäre in Barcelona und später auch in seiner Milizeinheit, wo quasi alle Klassenunterschiede und die ehemalige hierarchische Ordnung abgeschafft wurden und alle sich mit „du“ und „Kamerad“ ansprachen. Kritisch sieht er dabei lediglich die überall herrschende Unordnung, schlechte Ausrüstung, Organisation und Disziplin, die sich im Kampf – trotz großer Tapferkeit und Opferbereitschaft der Milizsoldaten – als ziemlich nachteilig erwiesen haben. Jedenfalls wird an der Front, wo er schließlich hingeschickt wird, kaum gekämpft, sondern meist nur Stellung gehalten (die Faschisten scheinen ähnlich schlecht dran zu sein wie ihre Feinde). Während seines Urlaubs in Barcelona findet er dort jedoch eine völlig veränderte Situation vor: Die revolutionäre Atmosphäre ist verschwunden, es wird Propaganda gegen Parteimiliz und für die Volksarmee betrieben, und es kommt zu Unruhen und Straßenkämpfen, etwa zwischen den Zivilgardisten (oder eher Sturmgardisten, wie es in einer späteren Korrektur heißt) und den Anarchisten sowie anderen Gruppen bzw. zwischen den verschiedenen Parteigruppierungen, von denen wohl einige beseitigt werden sollten. Die Situation scheint jedenfalls völlig unklar und die Kämpfe ziemlich unsinnig zu sein. Erneut an der Front, wird er verwundet, kommt ins Krankenhaus, muß sich aber nach seiner Rückkehr in Barcelona verstecken. Die Gruppe, der er sich selbst angeschlossen hat, die P.O.U.M., wird nun als „trotzkistisch“ bezeichnet, heimlicher Zusammenarbeit mit Francos Faschisten beschuldigt und verfolgt. Zusammen mit seiner Frau, die sich in Barcelona aufhielt, verläßt er heimlich das Land, ohne es wirklich zu wollen.

Die Darstellung selbst ist zuweilen etwas langatmig, insbesondere in den Abschnitten, in denen die damalige ziemlich unübersichtliche politische Landschaft (etwa die vielen Parteien der Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten und Gewerkschaften dieser Zeit), der bisherige Verlauf des Bürgerkriegs, der Kämpfe in Barcelona und die (meist falsche) Berichterstattung darüber (etwa 5. und 11. Kapitel) Spanien erläutert werden, obwohl gerade die darin enthaltenen Ausführungen von besonderem historischen Interesse sein dürften. Viel ergiebiger für die heutigen Leser sind eher seine Beschreibungen eigener Erlebnisse oder der Menschen in bestimmten Situationen, insbesondere der Spanier mit ihren typischen Eigenschaften (chronischer Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit, aber großer Hilfsbereitschaft und Großmut), die ihm trotz der ebenfalls geschilderten Mängel als durchaus liebenswürdig erscheinen. Dies kann man auch unabhängig davon gelten lassen, ob Orwells Sicht der Dinge realistisch oder eher in seiner revolutionären Begeisterung möglicherweise etwas zu idealistisch, naiv und mit vielen Illusionen in bezug auf die menschliche Natur behaftet sein mag.

Jedenfalls wird schon in diesem Werk deutlich, daß Orwells Vorstellung einer „besseren“ Gesellschaft – im Unterschied zu vielen seiner verblendeten Zeitgenossen – kein dogmatisch-spekulatives, sondern ein durchaus humanistisches Ideal war, daß es ihm um Menschen ging und nicht um abstrakte Begriffe und scheinbar gesetzmäßige Strukturen eines pseudowissenschaftlichen Weltbilds. Die Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit der Menschen und ihre kameradschaftlichen Beziehungen, die er wahrnahm und schätzte, stellen aber keinen normalen, und auch keinen stabilen Gesellschaftszustand dar, etwa eines echten Sozialismus, wie sich ihn Orwell gewünscht hätte, sondern sind das Ergebnis einer Ausnahmesituation. Die Verhältnisse hätten sich vermutlich auch dann geändert, wenn keine Anweisung aus dem stalinistischen Moskau an die spanischen Kommunisten erfolgt wäre, andere Gruppen ihrer früheren Mitkämpfer (beispielsweise die P.O.U.M. oder die Anarchisten) zu diffamieren und schließlich zu liquidieren. Selbst wenn sie im Bürgerkrieg gesiegt hätten, scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, daß sich die verschiedenen sozialistischen, kommunistischen oder anarchistischen Gruppen später gegenseitig bekämpft hätten, daß Oppositionelle bald unterdrückt oder beseitigt worden wären und die Revolution in einer Diktatur endete.

Man sollte aber solche Überlegungen aus späterer Erfahrung nicht unbedingt in die Beurteilung Orwells Berichts einfließen lassen, sondern das Buch als das nehmen, was es ist: ein authentisches Zeugnis eines Zeitgenossen, der sich am damaligen Bürgerkrieg beteiligt und versucht hat, viele falsche Berichte und ihre Deutungen (insbesondere die in der kommunistischen Version der Kämpfe) richtig zu stellen, also als ein historisches Dokument über ein Geschehen in Europa des 20. Jahrhundert. Und als solches ist es wertvoll.
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In typischer britischer Manier (trocken und amüsant)schreibt Orwell über seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg, auf der Seite der Linken, gegen Franco (natürlich!) - aber was heißt das schon. Wir lernen von George Orwell, daß die verschiedenen Linken Parteien in Spanien untereinander genauso zerstritten waren, wie mit ihren Kriegsgegnern. Orwell läßt sich davon nicht beeindrucken, erwähnt es nur nüchtern, unterdrückt eine weitergehende Wertung dessen. Herrlich auch, wie er die spanische Art Krieg zu führen beschreibt - und zwischen den Zeilen schon erwähnt, dass das nun die Engländer oder auch die Deutschen besser können. Bedienen auf der Gegenseite deutsche Söldner die Maschinengewehre dann zieht Orwell den Kopf ein, bei spanischen Schützen nicht. Ich war überrascht, wie zügig man dieses Buch lesen kann. Sehr, sehr kurzweilig. Wer schon einmal in Barcelona war, wird es noch mehr genießen können.
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am 16. Januar 2013
Memoiren - vor allem solche mit politischem und militärischem Hintergrund - sind eine Sache für sich. Oft genug sieht sich der Leser nachträglichen Interpretationen, Verklärungen und Verzerrungen gegenüber. Dies gilt auch für die Memoirenliteratur über den Spanischen Bürgerkrieg (so z.B. Heinz Hoffmann, Robert Weinand, Ignacio Cisneros etc.). George Orwells 1938 erschienenes Buch hebt sich wohltuend davon ab. Orwell bekennt sich zu seiner Mitgliedschaft in der Miliz der linkssozialistischen POUM, besitzt aber dennoch einen klaren analytischen Blick für die Unzulänglichkeiten der Truppe (miserable Bewaffnung und Ausbildung, weitgehende militärische Untätigkeit an der Aragon-Front) und seinen eigenen als "wirkungslos" bezeichneten Einsatz.

Der interessanteste Teil des Buches beschreibt die Verfolgung der POUM unter dem Vorwand des Kampfes gegen "Trotzkismus", Faschismus und Spionage. Orwell erlebte aus nächster Nähe, wie ehemalige Mitkämpfer verschwanden und verhaftet wurden. Er musste ebenfalls um sein Leben fürchten, bemühte sich aber dennoch, gefangenen Freunden trotz eigener Gefährdung zu helfen. Obwohl Orwell 1937/38 nur dürftige und parteiische Quellen zur Verfügung standen, analysierte er dennoch weitgehend zutreffend, wie sich die Kräftverhältnisse im republikanischen Lager verschoben. Geradezu prophetisch sind die letzten Sätze seines Buches zu nennen, in denen er unter dem Eindruck der britischen Appeasement-Politik folgendes über seine Landsleute schrieb: "Sie alle schliefen den tiefen, tiefen Schlaf Englands. Ich fürchte, wir werden nie daraus erwachen, ehe uns nicht das Krachen von Bomben daraus erweckt." Ein Jahr nach Erscheinen des Buches sollte diese Vorhersage bittere Realität werden.

Orwells Erlebnisbericht ist auch heute noch für jeden an der Geschichte des Spanischen Bürgerkrieges Interessierten ein absolutes Muss und darf in keiner Bibliothek fehlen.
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