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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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Schall und Wahn
Format: Taschenbuch|Ändern
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TOP 500 REZENSENTam 27. Januar 2017
Bizarr wird im Duden erklärt mit "wunderlich" "seltsam". Das Wort drückt mehr aus, als diese schwachen Synonyme, meint es doch auch eine übersteigerte, erschreckende nicht wohltuende sondern eher abstoßende Besonderheit.

So erscheint der Roman. Es ist ein Experimentalroman, wie er in dieser Form von Faulkner nicht wieder geschrieben wurde. Die Familiengeschichte des Niedergangs der Comsons wird aus vier verschiedenen Erzählerperspektiven mit oppulentem Reichtum an Details vorangetrieben, einer Familie, die in den geordneten Verhältnissen der Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten bedeutende Erfolge erzielte, angesehene Personen hervorbrachte und mit der Neuordnung der Gesellschaft nach dem Bürgerkrieg einen immer weiter fortschreitenden Niedergang erfuhr. Faulkner erzählt die Familiengeschichte aus der Sicht der drei lebenden Söhne der Familie, eines geistig Behindeten, eines Selbstmörders und eines Kaufmanns, dieser eine echte Krämerseele ohne Phantasie, Ideale und Visionen. Drei gänzlich verschiedene Menschen, drei verschiedene Reflexionen der Außenwelt, die Beschränkung dieser Sichten auf jeweils einen Tag aus dem Leben der Erzähler, die Sprunghaftigkeit, gerade so, wie es einem selbst geht, wenn die Gedanken zu anderen Themen enteilen also ein typisches Schreiben im Bewußtseinsstrom machen es schwer für den Leser, zu folgen. Wer es schafft, sich da durchzukämpfen wird im vierten Teil mit einem klärenden Schlussbild belohnt, welches den eingangs benannten Zusammenhang zwischen der Neuordnung der Verhältnisse und dem Niedergang der Familie durch fehlendes Vermögen, sich diesen Veränderungen zu stellen, zeigt.

Kompromissloser, als es Thomas Mann mit seinem 30 Jahre zuvor geschaffenen großen Gesellschaftsroman "Die Buddenbrooks" tat, deren Niedergang sich über vier Generationen hinzog, packt Faulkner dies nicht nur in diese eine Familiengeneration sondern auch noch als inneren Monolog in jeweils nur einen Tag aus dem Leben der Brüder.

Ist es Zufall, dass zwei so unterschiedliche Bücher denselben Erzählgegenstand haben und den Weltruhm der Verfasser begründen ja sogar so weit, dass beide die höchstmögliche Auszeichnung für ihr Werk bekommen? Es ist seltsam, verwunderlich erschreckend und doch fesselnd - bizarr.
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am 31. Dezember 2004
Schall und Wahn, im Original 'The Sound and the Fury', beschreibt auf sehr eigene Art und Weise den langsamen Niedergang der Familie Compson.
Das ist an sich keine ungewöhnliche Geschichte: Ein alkoholkranker Vater, ein geistig behinderter Sohn, eine frühreife Tochter.
Den Rest kann man beinahe täglich in der 'Bild' nachlesen: Verwahrlosung, verfallendes Haus, ein Mädchen, das schliesslich mit dem kläglichen Rest des Familienvermögens durchbrennt.
Eine Geschichte die so alltäglich ist, dass sie keinen mehr berührt, geschweige denn interessiert.
Eine Chronik des Versagens.
Interessant wird die Handlung durch die ganz eigene Erzählweise von William Faulkner.
Es gibt keine Kapitel in diesem Sinn. Anstelle einer Kapitelüberschrift der Name eines Protagonisten. Die Handlung, von eben jenem erzählt. Gedanken, in losen Worten hingeschrieben.
Vieles steht zwischen den Zeilen, manches lässt sich erahnen, weniges gar nur erfühlen. Faulkner versteht es meisterlich seinen Leser miteinzubinden, ihn zu seinem Mitverschwörer zu machen.
Die Handlung konstruiert sich nicht über ein mühsam gebasteltes Gerüst erklärender Sätze, sondern sie entfliesst den Gedanken der Protagonisten.
Das verleiht dem Geschehen eine ungemeine Dichte. Und Redundanz. Das Buch ist wahrhaft eine unerschöpfliche Mine. Es bleibt unerobert, ungebeugt, egal wie oft man es liest. Und mit jedem weiteren Mal taucht man wieder mit etwas Neuem, nie Gelesenem, aus den Seiten heraus. Die Komplexität menschlichen Zusammenlebens, die unendlichen, sich wiederholenden Feinheiten im zwischenmenschlichen Umgang, und was sie auszulösen vermögen, Schall und Wahn vermag es darzulegen. Und es vermag zu bezeugen, welch ein meisterlicher Beobachter sein Erschaffer gewesen sein muss. Ein schriftstellerisches Genie. Die Informationsdichte, die er in jeden seiner beiläufigen, oftmals banalen, Sätze einwob, vermag der Leser kaum aufzunehmen.
Die düstere Stimmung die über der ganzen Szenerie liegt, kann man ihm da schon nachsehen.
Eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits.
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am 21. Februar 2001
William Faulkner? Meiner Meinung nach der größte amerikanische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. „Schall und Wahn" versetzt uns in einer nie zuvor dagewesenen Darstellung mitten in die letzte Phase des Niedergangs der einst bedeutenden und angesehenen Familie Compson. Der Roman bietet ein reiches Lesevergnügen auf all seinen Ebenen: einmal sind jeder Schritt und jedes Wort der Figuren mit unmittelbarstem und vibrierendem Leben gefüllt; zweitens lotet Faulkner in seinen Charakteren all die Wesenszüge und Triebkräfte aus, die bewirken, daß Menschen sich selbst zerstören, und damit auch alle, die mit ihnen verbunden sind zugrunde richten, ohne daß es einer äußeren Einwirkung bedürfte; drittens aber gewährt die Geschichte in ihrer Gesamtanlage einen Einblick in das Wesen von Zeit und Erinnerung und zeigt, wie alles, was wir einmal gesehen, gehört, erlebt, gesagt und getan haben uns in seiner Summe ausmacht und in jeder Sekunde unseres Lebens gegenwärtig ist. Dieses Buch ist unerschöpflich.
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am 9. August 2008
...jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich."

Mit dieser lapidaren, oft zitierten und parodierten Feststellung beginnt Tolstois "Anna Karenina", und sie könnte als Motto über "Schall und Wahn" ("Sound and Fury"), William Faulkners großartiger, formal
gewagter Schilderung des Niedergangs der Familie Compson, stehen.

Die vorliegende deutsche Ausgabe beginnt mit einer vom Autor verfaßten Genealogie der Compsons. Überschrieben ist sie mit "Zur Einführung".
Hierzu eine klärende Anmerkung. Die sogenannte "Einführung" wurde von
Faulkner 1946 für die Modern Literary Edition hinzugefügt, und zwar
als Anhang, als eine Art Epilog. Liest man diese "Einführung" vor der
Lektüre des eigentlichen Werkes, bringt man sich um das Vergnügen, die
Charaktere selbst zu entdecken, Zusammenhänge herzustellen und sich
Hintergründe zu erschließen. Wie alle Einführungen ist sie recht hilfreich zum Verständnis des nicht immer leicht zugänglichen Werkes, aber es bietet sich an, sie erst dann zu Rate zu ziehen, wenn man das
Gefühlt hat, den Überblick zu verlieren, und sie nach Lektüre des Romanes noch einmal in voller Länge zu genießen.

Der Niedergang der Familie Compson wird aus den Perspektiven dreier Familienmitglieder geschildert, den zeitlichen Fokus bilden drei Tage im April 1928.

Im ersten Teil, 7. April 1928, schildert der Schwachsinnige Benji, zu
diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt, seinen Nachmittag, den er mit Luster, dem Enkel der schwarzen Haushälterin Dilsey, damit zubringt, Leuten beim Golfspielen zuzusehen und mit Luster einen Quarter zu suchen, damit dieser am Abend ins Theater gehen kann. In diese Schilderung mischen
sich Erinnerungen an seine geliebte Schwester Candace ("Candace roch
wie Bäume und wie wenn sie sagt, wir schlafen."), die die Familie 1910
verlassen hat und deren uneheliches Kind, die frühreife Quentin, am
Abend dieses Tages durchbrennen wird, um der "Obhut" ihres kaltherzigen,
geldgierigen Onkels Jason zu entfliehen. Benjis Bericht ist in der Tat "a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing" (Macbeth, V, 5): kindlich einfach und poetisch, herzzerreißend in seinem Kummer über den Verlust der über alles geliebten Schwester, aber auch voll "leeren Wahns".

Im zweiten Teil schildert Quentin, der Bruder Caddys, nach dem sie ihr Kind noch vor der Geburt genannt hat, den letzten Tag in seinem Leben, an dessen Abend er sich das Leben nehmen wird. Auch er hat den Verlust
seiner großen Liebe, seiner Schwester Candace (Inzestmotive werden hier
angedeutet) nicht verwinden können und zerbricht an ihm. Konsequenter als in den anderen Teilen bedient sich Faulkner hier der Bewußtseinsstromtechnik, und nicht an Joyce, Woolf und Proust geschulte Leser werden viel Geduld brauchen, um bei der Stange zu bleiben. Sperrig,
aber atemberaubend schön und voll düsterer Poesie, ist dieser der Teil der anspruchsvollste, aber - neben dem letzten Teil - auch der gelungenste: "Hin und wieder flimmerte der Fluß jenseits der Dinge in niederschießendem Geflimmer über Mittag und später." Flüchtige Eindrücke, halberinnerte Gesprächsfetzen und Szenen aus seinem Leben, quälende, bittersüße Erinnerungen an Caddy mischen sich mit Gedanken wie "Es ist wohl so, daß die Menschen, die doch sich selbst und einander so sehr durch Worte abnutzen, wenigstens darin übereinstimmen, daß sie der Weisheit eine schweigende Zunge zuerkennen." zu einem faszinierenden, berauschenden impressionistischen Gemälde.

Der nächste Teil bringt uns wieder in den April des Jahres 1928 zurück.
Jason, der Bruder Caddys, Benjis und Quentins, der nach dem Tode des Vaters für die Familie - seine hysterische und kalte Mutter und seine frühreife Nichte Quentin - "sorgt", schildert die Familie und die Gründe für ihren Niedergang aus seiner Sicht, ein greller Kontrast zu dem Bericht seines Bruders; Jason, über dem es in der "Einführung" heißt: "Der erste geistig normale Compson seit der Zeit vor Culloden und (als kinderloser Junggeselle) der letzte (...) der gleich nach seiner Mutter Tod (...) seinen schwachsinnigen Bruder dem Staat auslieferte(...)" Jason ist ein vom Leben enttäuschter, verzweifelter, ständig von
Kopfschmerzen gequälter, kalter, brutaler, zynischer und verschlagener Gescheiterter, dessen Haß sich vor allem auf drei Menschen konzentriert:
seine Nichte Quentin, der er die Schuld für sein vermurkstes Leben gibt ("ihre Augen in dem völlig von Schminke verklebten Gesicht blickten kaltblütig wie die eines Straßenköters"), die schwarze Hausangestellte Dilsey, die entdeckt hat, daß er Quentin die Unterhaltszahlungen ihrer Mutter vorenthält, und deren Enkel Luster. Quentin ist aus seiner Sicht
nicht als ein frühreifes, verdorbenes Früchtchen, das Schande über ihn und die Familie bringt, eine "Hure", eine "verdammte kleine Schlampe".
Als Quentin mit rund 8000 $ durchbrennt, verfolgt er sie erfolglos,
außer sich vor Wut, mit hämmernden Kopfschmerzen, kommt dabei fast ums Leben und muß sich schließlich von einem der von ihm zutiefst verabscheuten "Niggern" zurück nach Hause fahren lassen. Nach dem Tod seiner Mutter wird er seinen ständig lallenden, wimmernden und sabbernden Bruder in ein Irrenhaus einweisen, das Haus verkaufen und in eine Einzimmerwohnung ziehen und seine Beziehung mit der Prostituierten Lorraine fortsetzen.

In der Genealogie heißt es: "Er war jetzt befreit. Er war frei."

Der vierte und letzte Teil schildert in der dritten Person, aber aus der Sicht von Dilsey, den Tag, an dem Quentins Flucht entdeckt wird. Dieser Teil ist sprachlich der schönste: "Kahl und kühl dämmerte der Tag herauf, eine aus Nordosten heranwandernde Wand grauen Lichts, die, statt sich in Feuchtigkeit aufzulösen, sich in winzige und bösartige Partikel gleich Staubkörnern zu zersetzen schien (...)". Zum erstenmal werden die
Charaktere "von außen" geschildert; die Mutter: "kalt und wehleidig und
mit schlohweißem Haar und verschwollenen, verwirten Augen (...)". Dieser
Teil bildet den Abschluß des Romans, nicht der Familie Compson: was aus
Jason, Quentin und Candace wird, darüber gibt die Genealogie Auskunft.
Und Faulkner läßt keinen Zweifel daran, wer letztendlich überleben wird:
"Und das war alles. Die Folgenden waren keine Compsons. Sie waren schwarz: (...) Sie harrten aus."

Ebenso wie Thomas Mann am Beispiel der Buddenbrooks das Ende einer Epoche schildert, so schildert Faulkner den "Niedergang des alten amerikanischen Südens" (Klappentext). Die Rolle der Hagenströms nehmen bei Faulkner die Snopes ein.... aber der sich durchaus anbietende Vergleich zwischen beiden Romanen ist ein anderes Thema.

Fazit: Der wohl schönste und formvollendetste Roman Faulkners ist zugleich auch der sperrigste und am schwersten zugängliche. Aber
die Geduld, die man gelegentlich aufbringen muß, lohnt sich. Ein
Lesevergnügen der allerfeinsten Sorte, das mich - nachdem ich
zuletzt die wohlfeilen Bestseller "Kite Runner" und "Sacred
Games" und zwei Thriller von Ellroy verschlungen hatte - wieder daran erinnert hat, was das eigentlich heißt: lesen, richtig lesen.
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am 3. Mai 2016
Ich weiss, dass Schall und Wahn von William Faulkner zu den Klassikern der Weltliteratur zählt, was sicherlich auch mit dem sehr ungewöhnlichen Schreibstils des Autors zu tun hat.
Das Buch ist in mehrere Kapitel aufgeteilt, welche die Geschehnisse jeweils aus der Sicht einer anderen Person erzählt. Dabei wird zwischen verschiedene Zeitsträngen hin und her gewechselt.
Das erste Kapitel fand ich hierbei am anstrengendsten, denn es ist aus der Sicht eines geistig behinderten Jungen geschrieben. Es war wirklich quälend, zu verstehen, was gerade vor sich geht, die immer und immer wiederkehrenden Wiederholungen ganzer Sätze, waren unglaublich nervtötend, zeigen aber wahrscheinlich, wie sich der Autor die Gefühls- und Gedankenwelt eines geistig behinderten Menschen vorstellt. Woher er das wissen will, was im Kopf eines Behinderten vorgeht, bleibt sein Geheimnis. Es ist halt seine Vorstellung davon. Durch diesen ständigen Wiederholungen baut sich der Fortgang der Geschichte nur unendlich langsam auf und man hat seitenlang das Gefühl auf der Stelle zu treten.
Die weiteren Kapitel waren nicht ganz so verwirrend und daher auch einfacher zu lesen und zu verstehen.

Ich halte mich selbst für jemanden, der sehr schnell liest und im Grunde sehr vielen literarischen Werken etwas Gutes abgewinnen kann. Hier kam ich bei beidem an meine Grenzen. Schnell lesen war gar nicht möglich, da man sonst komplett die Handlung aus den Augen verloren hätte. Ich habe fast 2 Wochen gebraucht für dieses Buch.
Daher wird Schall und Wahn sicherlich nie zu einem meiner Lieblingsbüchern zählen, es gehört für mich eher in die Kategorie 'gelesen ' Haken dran'.
Vielleicht ist es aber auch eines dieser Bücher, dass man irgendwann nochmal liest und man es dann plötzlich liebt. Keine Ahnung ' vielleicht werde ich es in ein paar Jahren nochmal versuchen.

Dem ganzen jetzt den Status 'Meisterwerk' zuzusprechen oder abzusprechen, kann und will ich gar nicht. Ich kann und will aber auch nicht in die Lobgesänge der vielen anderen Rezensenten einfallen, die dieses Werk als 'genial' bezeichnen. Das nun ganz bestimmt nicht.
Es gar ganz einfach nicht MEIN Ding, aber jeder hat ja seinen eigenen Zugang zu Büchern und deren Inhalt. Für mich war es zum derzeitigen Zeitpunkt einfach nichts.
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HALL OF FAMETOP 500 REZENSENTam 16. Juli 2012
Der Roman „Schall und Wahn“ („The Sound and the Fury“), erschienen 1929, ist eines der frühen Werke des amerikanischen Schriftstellers William Faulkner (1897-1962) und dennoch gehört er zu den Klassikern der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts. Für Faulkner war es sogar „dasjenige meiner Bücher, das ich am meisten liebe“.

Am Beispiel der einst stolzen und einflussreichen Familie Compson aus dem fiktiven Jefferson erzählt Faulkner vom Niedergang des alten amerikanischen Südens, das ein zentrales Thema seines gesamten Schaffens war. Hier bedient er sich allerdings eines ungewöhnlichen Erzählstils, denn das Familienschicksal wird an nur drei aufeinanderfolgenden Apriltagen des Jahres 1928 dargestellt, wobei immer wieder verschlungene Rückblenden eingebaut sind.

Am ersten Tag des Romans wird der beklemmende Alltag der Familie aus der Sicht des erwachsenen und geistig behinderten Benjamin (Benjy) geschildert. Obwohl seine Betrachtungen und Sinneseindrücke zusammenhangslos und geheimnisvoll wirken, wird hier die äußere Handlung zur Innenperspektive. Ergänzt werden Benjamins verworrene Gedankengänge durch die Erinnerungen eines seiner Brüder, wobei der Roman einen Zeitsprung um fast achtzehn Jahre zurück macht.

Am zweiten Apriltag, der allerdings einen Tag vor dem ersten Romanabschnitt liegt, schildert Benjamins älterer Bruder Quentin seine Sicht der Dinge. Faulkner hat ausgerechnet jenen Tag gewählt, an dem der depressive Harvard-Student Selbstmord begeht. Er genügte nicht seinen eigenen gesellschaftlichen Ansprüchen und stürzte sich von einer Brücke in den Tod. Während im ersten Teil der innere Monolog von Benjamin vorherrscht, ist das zweite Kapitel von einem gehobenen Erzählstil geprägt.

Den abschließenden dritten Teil (Ostersonntag 1928) erzählt Jason, der jüngste der Compson-Söhne, in einer realistischen Sprache. Nach dem Tod des Vaters hat er die Rolle des Familienvorstands übernommen, die er aber nicht ausfüllen kann. Er hat jahrelang die Unterhaltszahlungen unterschlagen, die seine Schwester Candace (Caddy) ihrer Tochter geschickt hat; mit diesem Geldverspekuliert er sich jedoch an der New Yorker Börse. Das schürt seinen Hass auf alle, auf die Welt, die Juden und die Schwarzen.

Neben Benjamin ist die schwarze Hausangestellte Dilsey die heimliche Heldin des Ro-mans, sie ist das ausgleichende Element im Haus der Compson. Geduldig versucht sie immer wieder, die Streitereien ihrer Herrschaft zu glätten und die auseinandertriftenden Familienmitglieder zusammenzuhalten. Am Ende scheint nur Caddys 16jährige Tochter Quentin (sie heißt genauso wie ihr Onkel) dem Niedergang der Familie zu entkommen. In einem Anhang gibt Faulkner abschließend noch einen kurzen, aber detaillierten Überblick über die bewegte Vergangenheit der Compsons seit dem 17. Jahrhundert.

„Schall und Wahn“ ist, wie die meisten Romane Faulkners, keine leichte Lektüre. Die Handlung wird zersprengt von Rückblenden, Schnitten und inneren Monologen. In jedem Teil wechselt die Erzählperspektive. Trotz dieses experimentellen und innovativen Erzählstils gelingt es dem Autor immer wieder, den Leser mit der tragischen Wucht der Geschichte und der Sprache zu fesseln und die Spannung wachzuhalten. Faulkner stellt seine Protagonisten realistisch dar, ohne ihre Charakterschwächen zu beschönigen. Der Roman ist noch heute ein Klassiker der Moderne, der erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der US-amerikanischen Literatur gehabt hat. Er wurde 1959 („Fluch des Südens“) unter der Regie von Martin Ritt und mit Yul Brunner und Joanne Woodward verfilmt.

Im Rowohlt Verlag liegt die Familiensaga nun in einer Neuübersetzung von Frank Heibert vor. Indem es ihm gelungen ist, den unterschiedlichen Sprachrhythmus Faulkners einzufangen, hat er den Roman mit einer modernen Sprache zu einem wahren Lektüreerlebnis für den heutigen deutschen Leser gemacht, vor allem die Integration des Schwarzen-Jargons in den Text ist beachtenswert. In einem Nachwort erläutert Heibert ausführlich seine Vorgehensweise.
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am 28. November 2007
Wer es vermag, sollte den Roman im Original lesen.
Die Form macht ihn schwer verständlich. Das erste Kapitel wird aus der Sicht eines Idioten erzählt.
Faulkner hat seine Botschaft verschlüsselt.
Sie lautet etwas so:Ein Idiot hat sein Herz, seine ganze Liebe, seiner Schwester gegeben. Die ist weg und gibt sich vielen Männern hin. Da er ein Idiot ist, kann er weder Raum noch Zeit gedanklich überbrücken. Seine Liebe und sein Schmerz sind unbegrenzt und ungefiltert durch den Verstand.
Außerdem muss sie auch deshalb unerreichbar sein, weil sie seine eigene Schwester ist.
Faulkner hat diese Erzählung in seiner tiefsten Not jeden Morgen lange vor Sonnenaufgang mit seinem ganzen Herzblut geschrieben.
Seine anderen Werke sind Versuche, das zu wiederholen.
Obwohl William Faulkner den Literaturnobelpreis bekommen hat, ist er bei uns kaum bekannt und wenig gelesen.
Leider sind auch die Übersetzungen veraltet und lieblos.
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am 28. Juni 2005
kann mir mal einer sagen warum dieses buch so genial sein soll?
das erste kapitel ist wirklich sehr ordentlich und macht, da es aus der sicht eines beschränkten erzählt wird, lust auf mehr, aber was dann im zweiten kapitel folgt ist mal sowas von ätzend langweilig das man irgendwann aufgibt, auch wenn man sich vorgenommen hat es zu lesen. über irgendwelche hirngespinste schreiben kann nun wirklich jeder, nichts anderes wird im zweiten kapitel dargeboten.
das dritte kapitel ist wieder ganz ordentlich wobei der roman im ganzen rcht schwerfällig daherkommt.
ich empfehle daher buddenbrooks von thomas mann oder worlds end von t.c. boyle zu lesen, diese bücher machen wirklich spass und sind wirklich mit das beste, das ich bisher gelesen habe.
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am 20. Februar 2015
Googelt man William Faulkner ist das erste auf das man stösst "Klassiker der Neu Moderne" Literatur Nobelpreisträger, Meisterwerk etc....
In einer anderen Rezension habe ich folgenden Satz gelesen "was tun wenn man es gelesen hat, aber überhaupt nix damit anfangen kann"
Gut ganz so arg war es bei mir nicht, ich kann den Herrn oder Dame ich weiss es jetzt gerade nicht allerdings gut verstehen, bis knapp zur Hälfte des Buches fand ich so absolut keinen Zugang das ich es schon aufgeben wollte, über das erste Kapitel des Benjamin zb musste ich mich wirklich drüber quälen. Allerdings wird das Buch um so weiter man liest, sprich umso näher man zum Ende kommt, leichter zu lesen, man muss nicht mehr die hälfte hinein interpretieren und es fängt an einem etwas zu erzählen, bis zur Hälfte allerdings erzählt der Leser dem Buch die Geschichte.
Einen Fehler den ich vielleicht begangen habe, waren die Wikipedia Einträge bzw die "Einleitung" am Anfang zu lesen, man verätt sich selber zu viel, auch wenn man vielleicht an der Hälfte des Buches angelangt ist und man sich gerade so gar nicht auskennt, wird es weiter hinten "eingedeutscht" wenn man so will, es wiederholt sich quasi. Gegen Ende bringt Faulkner selber licht in sein Werk, somit sollte man sich die ganzen Kritiken und Erklärungen für den Schluss aufheben.
Hat man das ganze Buch verinnerlicht, bekommt man auch eine Ahnung davon warum es so hochgelobt ist, ein Meisterwerk im Grossen und Ganzen, man muss sich eben im klaren sein das dieses Buch 1930 herum entstand.
1930 war eben alles anders... Die Sicht der Menschen auf ihre Farbigen Mitmenschen, mir ist zwar nicht ganz klar ob in dem Buch Faulkners Ansichten vertretten sind oder ob das die Ansichten seiner Figuren sind.
Fazit: Man sollte es zumindest einmal gelesen haben, nicht nur bis zur Hälfte sondern ganz ;)
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am 7. Dezember 2013
Den Titel dieses offenbar weltberühmten "sagenumwobenen" Romans, im Original "The Sound And The Fury" von William Faulkner, mit "Der Schall und der Wahn" zu übersetzen lässt Schlimmes erahnen; der Leser vergewissere sich doch selbst der englischen Bedeutung dieser Wörter. Ich lese gerade selbst diesen Roman auf Englisch, was zugegeben ein wenig mühselig ist aber durchaus machbar. Dieses sollte auch verhindern, dass man sich durch solche "Vorinterpretationen", die sich aus der Übersetung ergeben, dazu verleiten lässt etwas anderes zu verstehen, als das, was wirklich im Text steht. Und das wäte schade um dieses bemerkenswerte Buch, das man in der Tat lesen kann und lesen, währenddessen sich immer neue Deutungsperspektiven eröffnen können.
Fazit: Das Lesevergnügen scheint mir weit aus größer zu sein, wenn man den Roman auf Englisch liest...
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