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Kundenrezensionen

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am 6. Dezember 2014
Dieser Roman war mein erstes Werk von Bernhard Schlink, auf das ich allerdings neugierig wurde, weil ich 2008 den Oskar-gekrönten Film „The Reader“ mit Ralph Fiennes und Kate Winslet nach seinem Roman „Der Vorleser“ gesehen hatte, der mir außerordentlich gut gefallen hatte.

Zum Inhalt: Im Mittelpunkt steht ein berühmtes Gemälde einer schönen Frau mit dem Titel „Die Frau auf der Treppe“. Um dieses Bild entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen dem Besitzer und dem Erschaffer des Kunstwerks – der eine ihr Mann, der andere ihr Liebhaber. Diesen nahezu unlösbaren Konflikt soll ein junger Anwalt – der Ich-Erzähler des Romans – schlichten. Dabei verliebt sich dieser ebenfalls in die Frau, wird von ihr aber sitzen gelassen. 40 Jahre später entdeckt er das Bild in Sydney und alte Wunden brechen wieder auf. So beginnt seine Suche nach der Frau, die ihn bis an die wilden Küsten Australiens führt. Doch was hofft er nach all der Zeit zu finden?

Meine Meinung: Ich denke der Inhalt in diesem Roman – der junge Anwalt, der in eine Dreiecksbeziehung und somit in den erbitterten Kampf um ein Gemälde und die darauf abgebildete Frau hineingezogen wird – ist eher zweitranging und bildet lediglich das Gerüst, in das der Autor das Eigentliche, das er fast schon zwischen den Zeilen erzählt, hineinbettet. Darin geht es um das Altern, um Wunden, die niemals vergehen – sogenannte „kleine Splitter, die schwerer zu entfernen sind als die großen“ – es geht um verpasste Chancen, um die Erkenntnis, dass Erfolg allein nicht glücklich macht und dass zum ernsten Intellekt auch Gefühle zum Ausgleich nötig sind.

Sprachlich gesehen ist der Roman auf einem gehobenen Niveau und macht für mein Empfinden den größten Teil des Lesegenusses aus, denn inhaltlich gibt es sicherlich einige Schwächen, aber wie gesagt dies dient nur als äußere Rahmen-Handlung. Das Buch macht nachdenklich und regt an, über sein eigenes Leben nachzudenken, über seine eigenen verpassten Gelegenheiten. Doch sicherlich benötigt man als Leser eine genügend große Lebenserfahrung, um in den vollen Genuss dieses Romans zu kommen – für jüngere Leser daher vielleicht eher ungeeigneter bzw. schwerer verständlicher.

Fazit: Ein sehr leiser Roman, in dem die eigentliche Handlung nur als Rahmen dient, um darin die versteckte Botschaft zu verpacken, nämlich bewusster zu leben, nicht auf Äußerlichkeiten zu setzen, sondern auf das innere, emotionale Empfinden, sprich auf das Sein und nicht das Tun. Sprachlich auf hohem Niveau mit leider einigen inhaltlichen Schwächen, für die ich einen Stern abziehe. Aber abgesehen davon sehr lesens- und empfehlenswert. ☺
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am 27. August 2014
Bernhard Schlink hat das Problem, dass man bei seinem Namen unweigerlich an den „Vorleser“ denkt, jenes grandiose und später verfilmte Werk aus dem Jahre 1995, das man heute schon fast als modernen Klassiker bezeichnen kann.

Man kann gar nicht anders, als alles, was der heute 71-Jährige danach geschrieben hat, mit diesem Werk zu vergleichen. Und diesen Vergleich verlieren eben all diese Bücher.

Das gilt leider auch für seinen neuesten Roman, „Die Frau auf der Treppe“. Alles wirkt ein wenig hölzern, etwas betulich, kopflastig und wenig lebensnah – so als habe der Autor am Reißbrett eine Geschichte entworfen und zu Papier gebracht, die aber mit der Realität nur sehr wenig zu tun hat. Man hat Schwierigkeiten, sich die Figuren vorzustellen, versteht nicht recht, wie sie handeln, und kann die große Liebe, die der Ich-Erzähler für die titelgebende Frau empfindet, nicht nachvollziehen.

Die Handlung bildet keine Dreiecks-, sondern sogar eine Vierecks-Liebesgeschichte: Gleich drei Männer kämpfen um eine geheimnisvolle Frau. Die Dame ist mit einem reichen Mann verheiratet und lässt sich von einem Maler nackt auf einer Treppe malen. Der Rechtsanwalt und Ich-Erzähler, der den anschließenden Streit zwischen Ehemann und Maler um Frau und Bild schlichten soll, verliebt sich anhand des Bildes ebenfalls in diese Frau, und das vierfache Gefühls-Chaos ist perfekt. Die Geschichte endet erst 40 Jahre später in einer abgelegenen Bucht, wo die Frau mittlerweile allein lebt und sich sozial engagiert.

Sicher, Bernhard Schlink hat sein schriftstellerisches Handwerkszeug natürlich nicht komplett verlernt. Er hat einen schnörkellosen, gradlinigen Stil, sodass sich auch dieser Roman angenehm und leicht lesen lässt. Und doch bleibt eine gewisse Unzufriedenheit zurück – vor allem, wenn man den „Vorleser“ kennt.
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TOP 500 REZENSENTam 26. August 2014
Ich habe dieses Buch im Anschluss an einen Roman gelesen, der mich mit seiner bildhaften Sprache und seiner Dichte beeindruckt hat und so fiel es mir anfänglich sehr schwer, mich an die oft kurzen aber präzisen Sätze dieses Buches und die Lücken, die so viel Interpretationsspielraum zulassen, zu gewöhnen.

Der Erzähler, ein älterer Jurist, Witwer mit längst erwachsenen Kindern, entdeckt ein lange verschollenes Bild, das ihn in jungen Jahren zu der scheinbar einzigen spontanen Dummheit seines Lebens verführt hat. Irene, die Frau auf der Treppe, das Model für das berühmte Bild, begegnete ihm als jungem Anwalt, der zwischen dem Maler des Bildes und dem Käufer des Bildes vermitteln sollte. Es ist schon Jahre her, doch nachdem er nun das Bild wieder entdeckt hat, macht er sich auf die Suche nach ihr und findet sie – allein auf einer Insel und am Ende ihres Lebens. Und auch die anderen beiden Männer aus dieser Zeit verfolgen die Fährte des Bildes und so sind sie plötzlich alle wieder vereint. In langen Gesprächen wird klar, aus welchem Grund jeder einzelne von ihnen auf die Insel gekommen ist.

Die Hauptfigur, der Jurist, der auch als Erzähler auftritt, erzählt teilweise wie ein unbeteiligter Beobachter und lässt auch im Rückblick auf sein eigenes Leben, denn darum geht es hauptsächlich, zeitweise sehr wenig Emotionen zu. Er analysiert das Vergangene und überlässt es dem Leser, zu erkennen, warum er nach so langer Zeit eine Frau sucht, die er nur kurz getroffen hat und die ihn damals nicht ernst genommen hat.

Seine Gedanken, seine Taten sind nicht immer nachvollziehbar und doch geht von diesem neuen Treffen, der erneuten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dem Zulassen einer Zukunft eine gewisse Faszination aus. Vielleicht auch, weil die Fragen, die er sich stellen muss, am Ende eines Lebens auftauchen werden und Fragen sind, die jeder Mensch eigentlich schon unausgesprochen in sich trägt.

Mein Fazit: Ein ruhiges Buch, das nicht nur von vertanen Chancen und verletzter Eitelkeit handelt, sondern das das Leben an sich mit teilweise philosophischen Ansätzen hinterfragt und viele Interpretationen seitens des Lesers zulässt.
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am 22. Oktober 2014
Bernhard Schlinks Bücher gefallen mir eigentlich - soviel schon einmal vorweg. Sowohl der Vorleser als auch seine Kurzgeschichten habe ich verschlungen. Die Frau auf der Treppe fängt auch vielversprechend an. Die Dreiecksgeschichte um den Anwalt, den Maler, den Mäzen und die mysteriöse Frau hat mich zunächst gefesselt, wobei ich mich nur gefragt habe, warum deutsche Autoren ständig über Bilder schreiben müssen... Egal, das ist ein anderes Thema. Charles Brauer liest zwar eher gemächlich und nicht so gut wie Schlinks bisherige Standardstimme Hans Korte, doch trotzdem gefiel mir der erste Teil. Leider geht es jedoch nicht so weiter. Die Geschichte verliert ihre Faszination, kaum dass sie in der Gegenwart angekommen ist. Schlink scheint plötzlich den Faden zu verlieren, denn plötzlich füllt er die Seiten mit absurden Dialogen, uninteressanten pseudo-philosophischen Gedanken und einer Handlung, die mich als 37-Jährigen vor die Wahl stellt, mir direkt das Leben zu nehmen oder mich auf einen ähnlich deprimierenden Lebensabend vorzubereiten. Mein Gott, das ist dermaßen betulich, deprimierend und öde, dass ich mich frage, welcher Lektor dieses Buch durchgewunken hat. Philipp Roth hat wunderbare Romane über das Altern geschrieben, doch das, was uns Schlink hier anbietet, ist kaum auszuhalten...
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am 18. Februar 2015
Als hätte Bernhard Schlink irgendwie dann doch bemerkt, dass seine Behandlung des RAF-Terrorismus in Das Wochenende reichlich missglückt ist, hat er sich des Themas nun noch einmal in einem wesentlich romaneskeren und unterhaltsameren Buch angenommen, in dem es nur ein Aspekt von vielen ist. Ausgangspunkt der Erinnerungen eines erfolgreichen Juristen ist ein Bild des Malers Schwind, der seine damalige Geliebte Irene nackt auf einer Treppe malte. Der Anwalt (und Ich-Erzähler des Romans) findet es in Sydney in der Art Gallery. Ein Detektiv findet heraus, dass die Porträtierte selbst, die illegal bei Rock Harbour an der Küste lebt, das Bild dem Museum zur Verfügung gestellt hat, und reist kurz entschlossen zu ihr.

Das Bild hat eine Vorgeschichte: Die Porträtierte, Irene Gundlach, und das Porträt waren Ende der sechziger Jahre der Zankapfel zwischen ihrem Mann, dem vermögenden Geschäftsmann Gundlach, für den das Bild als Auftragsarbeit gefertigt worden war, und dem Maler Schwind, der sich in seine Muse verliebt hatte. Irene verließ Gundlach; dieser rächte sich, indem er das Bild malträtierte, was der Maler nicht ertrug. Er schaltete die Kanzlei des Anwalts ein. Der Anwalt verliebte sich seinerseits in die aparte Frau, heckte mit ihr einen Fluchtplan aus, der auch tatsächlich aufging, allerdings nicht in dessen Sinn, denn Irene setzte sich anschließend mit dem Bild, aber ohne ihn ab, geriet auf der Suche nach einer existentiellen Aufgabe in den Sog des Terrorismus der siebziger Jahre, tauchte schließlich in der »DDR« unter. Der Anwalt heiratete eine andere Frau, bekam drei Kinder, seine Frau verstarb später und als er auf einer Dienstreise in Sydney auf das Bild »Die Frau auf der Treppe« stößt, ist die alte Faszination sofort wieder da.

Irene bekommt nun in ihrer abgelegenen Küstenresidenz – und hier überspannt der Roman den Bogen, wird geradezu zur Burleske – innerhalb von 14 Tagen nicht nur Besuch von dem Anwalt, es reisen kurz nach ihm auch Gundlach und Schwind an, da das lange als verschollen gegoltene Gemälde (inzwischen millionenschwer) in der Kunstwelt für Aufsehen gesorgt hat. Sie empfängt ihre abgelegten Liebhaber mit der allergrößten Selbstverständlichkeit, ganz so, als würden sich Biografien im Verlauf von vierzig Jahren nicht großartig auseinander entwickeln. Schwind und Gundlach umflattern Irene noch einmal wie Motten das Licht. Beide wollen immer noch das Bild, das juristisch noch Gundlach gehört, und ziehen nach dem Misserfolg ihrer Bemühungen ab wie ein Unwetter. Der Betrug des Anwalts spielt kaum eine Rolle für sie, sie ignorieren ihn geradezu.

Der Schlussteil des Romans schließlich widmet sich der aufopferungsvollen Fürsorge des Anwalts für die an Krebs erkrankte Frau, die nach einem Leben im Dienst für die Bedürftigen nun selbst auf Hilfe angewiesen ist. Ohne zu zögern und ohne gebeten worden zu sein tritt der Anwalt in ihren Pflegedienst, opfert sich auf für die Frau, die ihn einst verriet. Ihm wird dabei klar, dass sein eigenes Leben auf einer Reihe falscher Prämissen beruhte. Als sei das alles noch nicht dramatisch genug, zaubert Schlink dann auch noch einen der gefürchteten australischen Buschbrände herbei, der auch Irenes Küstendomizil nicht verschont. Die beiden spät Zusammengeführten retten sich mit einem Boot aufs Meer – und dann ist Irene auf einmal verschwunden...

Bernhard Schlink bewegt sich mit seinem neuen Roman auf schmalem Grat: Die Geschichte von der nach so vielen Jahren vor Klinik unter Palmen-Kulisse wiedergefundenen Liebe könnte auch aus einem der besseren Rosamunde-Pilcher-Romane stammen oder wirkt angesichts des tragischen Ausgangs wie die x-te Variation von Love Story. Andererseits ist der Roman so gut ausgedacht und verfügt über so viele durchaus überraschende (wenn auch natürlich unglaubwürdige) Wendungen, dass er das Interesse des Lesers kontinuierlich wachhält. Das ist mehr, als man über die meisten der zeitgenössischen deutschen Autoren sagen kann. Bei (vermeintlich) großer Kunst wie dem preisgekrönten Das Ungeheuer (unlängst von mir rezensiert) hatte ich nach zehn Seiten schon keine Lust mehr weiterzulesen. Ist mir hier nicht passiert.
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am 8. Oktober 2014
Ein erfolgreicher Anwalt, Mitte 60, verwitwet und Seniorpartner in einer angesehenen Frankfurter Kanzlei, befindet sich geschäftlich in Sydney. Nach erfolgtem Vertragsabschluss gönnt er sich einen Besuch in der Art Gallery und stößt unvermittelt auf das Porträt "Frau auf einer Treppe". Das jahrzehntelang verschollene Gemälde wühlt ihn auf; ist er doch mit diesem Gemälde auf seltsame Art verbunden. Während er einer Detektei den Auftrag erteilt, den Besitzer des Bildes zu finden, schweifen seine Gedanken gut 40 Jahre in die Vergangenheit zurück.

Als junger Anwalt stellte die "Frau auf einer Treppe" sein Leben gehörig auf den Kopf. Der aufstrebende Maler Karl Schwind, heute weltberühmt und verehrt, erhielt vom Industriellen Peter Gundlach den Auftrag, seine Frau zu malen. Zwischen Schwind, Gundlach und Irene entwickelte sich eine seltsame Dreiecksgeschichte, in deren Mittelpunkt immer das fertige Gemälde stand. Irene verließ Gundlach für Schwind und Schwind letztendlich für das Gemälde. Der Anwalt, als Vermittler gedacht, verfiel wiederum Irene und wurde von ihr beiläufig ausgenutzt. Nach turbulenten Monaten verschwanden schließlich Irene und das Gemälde für gut 40 Jahre.

Die Detektei spürt schließlich Irene auf und der Anwalt macht sich sofort zu ihr auf den Weg. Sie lebt nördlich von Sydney in einer abgelegenen Bucht. Die Jahre sind nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Aus der strahlenden jungen Frau ist eine alte kranke Frau geworden, die so gar nichts mit der Irene der Vergangenheit gemeinsam hat. Dennoch verfällt ihr der Anwalt sofort wieder, auch als er erfährt, dass die Ausstellung des Bildes einzig und allein dem Zweck dient, Schwind und Gundlach nach Australien zu locken. Seine Anwesenheit spielt keine Rolle, ob er hier ist oder nicht, hat für Irene keinerlei Bedeutung. Irenes Plan geht auf. Es kommt zum Showdown zwischen ihr, Schwind und Gundlach.

Mich konnte dieser Roman leider nicht überzeugen. Obwohl die ersten Seiten sehr vielversprechend klangen und auch die Geschehnisse in der Vergangenheit ausreichend Stoff für Auswirkungen in der Gegenwart geboten hätten, verliert sich das Buch sehr bald in Andeutungen und Nichtigkeiten. Der Anwalt, der bis zum Ende des Buches keinen eigenen Namen bekommt, verhält sich meiner Meinung nach völlig unlogisch. Er kann sowohl auf ein erfülltes Privatleben als auch auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken, dennoch stellt er alles in Frage sobald er auf Irene trifft. Jene Irene, die mit ihm gespielt hat, die ihn ausgenutzt und belogen hat und die ihm bei jeder Gelegenheit sagt, wie wenig sie von ihm und seinem gewählten Lebensweg hält. Schwind und Gundlach verhalten sich nur geringfügig besser. Sie alle agieren wie Marionetten, die vom Schriftsteller vorgegebene Sätze, mehr schlecht als recht, aufsagen müssen. Es ist seltsam, wie unbeholfen drei erfolgreiche und einflussreiche Männer agieren müssen. Ebenso überflüssig sind die kurzen Hinweise auf die Familie des Anwalts. Sie bringen die Geschichte weder voran noch erklären sie irgendetwas.
Für mich bleibt "Die Frau auf der Treppe" relativ farblos. Sie ist immer nur ein Buch, entwickelt kein Eigenleben und keine Faszination. Die Figuren sind nicht Fleisch und nicht Fisch, man entwickelt für Niemanden eine bestimmte Sympathie oder Antipathie. Die Handlung bleibt einem somit letzten Endes auch egal.
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. September 2014
"Ich klage nicht darüber, dass ich alt bin. Ich neide der Jugend nicht, dass sie das Leben noch vor sich hat; ich will es nicht noch mal vor mir haben. Aber ich neide ihr, dass die Vergangenheit, die hinter ihr liegt, kurz ist. Wenn wir jung sind, können wir unsere Vergangenheit überschauen. Wir können ihr einen Sinn geben, auch wenn es immer wieder ein anderer ist. Wenn ich jetzt auf die Vergangenheit zurückschaue, weiß ich nicht, was Last und Geschenk war, ob der Erfolg den Preis wert war und was sich in meinen Begegnungen mit Frauen erfüllt und was sich mir versagt hat." (S.55)

Dieser melancholisch resignative Ton legt sich wie ein dichter Herbstnebel in den Text und lässt nicht einmal gelegentlich Momente seichten Erzähllichtes durchscheinen. Details verschwinden hinter einer grauen Wand verblasster Emotionen. "Wir hielten uns, jeder an seine Gedanken verloren und doch beim anderen. Dann wurden mir meine Gedanken fade, und auch ich wurde traurig, weil auch ich die Grenze spürte, an der wir einander nicht verstanden oder nicht miteinander fühlten. Nicht nur Irene und ich - es gab von früh an eine Glasscheibe, die mich die anderen nicht wirklich erreichen ließ, nicht meine Frau, nicht meine Kinder, nicht meine Freunde. Ich war immer für mich." (S.224)

'Die Frau auf der Treppe' besticht durch die erzählerische Kraft des Autors und diese mental herbstliche Stimmung. Ein Buch wie für diese Jahreszeit gemacht. "Der erste kleine Kratzer am neuen Auto schmerzt mehr als die späteren größeren. Die kleinen Splitter sind schwerer zu entfernen als die großen, und manchmal hilft alles Stochern mit der Nadel nicht, und wir müssen warten, bis sie herauseitern. Die frühen großen Niederlagen lenken unser Leben in eine neue Richtung. Die frühen kleinen verändern uns nicht, aber begleiten und quälen uns, stete kleine Stachel im Fleisch." (S.149) Ach wenn dieses Buch doch nur Stimmung und Empfindung wäre!

Ist es aber leider nicht. Vielmehr eine abstruse Geschichte eines elitären deutschen Rechtsanwalts, der im hohen Alter im australischen Nirgendwo seine erste Liebe (wieder-) findet. Ein wenig wird das Motiv der RAF Kämpferin aus 'Das Wochenende' recycled, und sich dabei natürlich wieder aus dumpfen DDR Stereotypen bedient. Man möchte dem Autor seinen eigenen Text vorhalten: "Sie verstehen nicht, dass, was vorbei ist, vorbei ist. Dass man, wenn man vorwärts gehen will, das Vergangene hinter sich lassen muss. Die alten Lieben und die alten Freundschaften immer mit sich schleppen... Man wächst aus ihnen heraus wie aus alten Kleidern. Nach Jahr und Tag riechen Sie muffig." (S.164)

Leider steht die Erzählung und die Bezugspunkte in einem so körperlich spürbaren Widerspruch zum Erzählton, dass man hier fast zwei Autoren am Werke sehen möchte. Den jungen Rechtsprofessor Bernhard Schlink, der mit der trivialen Trilogie um den Kriminologen "Selbs" inhaltsleere Kalendergeschichten zwsichen zwei Buchdeckeln gepresst hat. Zugleich den gealterten Empathen Bernhard Schlink, der mit 'Liebesfluchten' Trost für wahrhaft Liebende gespendet hat. Hier kreuzen sich diese beiden Autorentypen. Leider nicht zum Guten.

Trotzdem natürlich lesenswert.
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am 5. September 2014
Schlink hat ein großartiges Buch, den "Vorleser", geschrieben, das vor allem von seinem Thema lebte. Ein gut schreibender, stilistisch sicherer Autor ist er aber gewiss nicht. Wie die "Frau auf der Treppe" sehr deutlich zeigt: eine an den Haaren herbeigezogene, absurde Handlung, bei der der Zufall überstrapaziert wird, dazu die Gedanken eines drögen Anwalts, die so tun, als seien sie philosophisch. Und wie ungeschickt, dieser Autor darin ist, Landschaften zu beschreiben! Was er an Australienschilderungen bietet, könnte auf der halben Welt angesiedelt sein. Eine maßlose Enttäuschung-
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am 17. Juli 2016
Ein Rechtsanwalt wickelt die Übernahme eines australischen von einem deutschen Unternehmen in Sydney ab und geht ins Museum. Soweit sehr gut. Als er in den letzten Hof der Art Gallery tritt, entdeckt er ein lange verschollen geglaubtes Gemälde, an dessen Verschwinden er als Junganwalt nicht ganz unbeteiligt gewesen war. Nun, der Reihe nach. Das Bild zeigt eine schöne, junge, nackte Frau, deren rechter Fuß bereits die unterste Stufe einer Treppe berührt. Das war Irene. Der Maler war Karl Schwind - heute berühmt und reich, der Gönner war Gundlach - damals Irenes Ehemann. Irene verlässt Gundlach, um mit Schwind zu leben, doch Schwind beginnt sich bald mehr nach dem Gemälde zu sehnen, als nach der jungen Frau in seinen Armen. Der junge Anwalt soll eine Regelung darüber treffen, wo das Bild und wo die Frau verbleiben sollen. Naja - immer noch gut.

Unser Ich-Erzähler wurde wie die beiden anderen von Irene zum Narren gehalten. Zwar hat er bei der Flucht mit Gemälde assistiert, dann aber nie wieder von Frau und Bild gehört. Als er das Gemälde in der Art Gallery sieht, wird ihm bewusst, Irene kann nicht weit sein und er soll Recht behalten. Sie hat sich auf eine abgelegene Farm in Australien zurückgezogen und dort bereits auf ihre drei Helden gewartet. Das Bild als Lockvogel war erfolgreich! Hier hat der Roman für mich einen wahren Höhepunkt erreicht. Alle vier und ihre Lebenswenden treffen auf der Farm aufeinander. Und dann ... passiert nichts. Gar nichts!

Irene ist todkrank, und unser tapferen Anwalt liebt und pflegt sie in bis zum Tod. Zwar reflektiert er immer wieder, das Leben und die Beziehung zu den Menschen, die er nach Irene gewählt hat, und doch bleibt er bloß als grauer und egoistischer Charakter bestehen. Die Liebesgeschichte der Todkranken und des Helden ist langweilig und für mich nicht glaubhaft geschildert.

Und doch bin ich ratlos, warum der Autor das gut inszenierte Zusammentreffen der Vier so ohne jede Ladung, ohne Spannung und ohne jeglichen Racheakt über die Bühne gebracht hat - unbegreiflich!

Zu Beginn flüssig, im Abgang einfach zu zäh für eine Weiterempfehlung!
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am 24. November 2014
1. Lassen Sie sich durch das Umschlagbild nicht verführen: Wer Pinien und St. Tropez, Frankreich oder Mittelmeer im Roman von Bernhard Schlink erwartet und sucht, wird vom Verlag enttäuscht. Für die Bildauswahl des Diogenes-Verlages mag es kommerzielle Gründe geben. Einen Bezug zum Buch habe ich nicht erkennen können.

2. Sehen Sie sich jedoch unbedingt das Bild von Gerhard Richter "Ema (Akt auf einer Treppe)" an, um die Erzählung besser nachvollziehen zu können. Eine weitere Rolle spielt das kubistische Bild "Nu descendant un escalier" von Marcel Duchamp als explizite Referenz und Herausforderung für den Maler der "Frau auf der Treppe".

3. Große Stärken beweist die Erzählung in ihrem letzten Teil, einem australischen Kammerspiel: Hier werden einzelne Lebensabschnitte des männlichen Ich-Erzählers literarisch brillant seziert und unterschiedlich beleuchtet, ähnlich dem malerischen Vorgehen von Duchamp in seinem kubistischen Bild. Irene tritt dem "reinen Tor" mit wenigen Worten hinterfragend und kritisch gegenüber. Die sterbende Studienliebe zeigt ihrem vergeblichen Liebhaber die Spiegelfechtereien seines vermeintlich erfolgreichen Lebens auf.
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