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am 18. Juli 2012
Wenn ich bei einem Amazon-Kauf unsicher bin, schaue ich mir manchmal die Rezensionen an. Dabei beschränke ich mich in der Regel auf die schlechtesten, um mir ein Bild zu machen, was mich evtl. an einem Produkt abschrecken oder enttäuschen könnte. Wegen der 1-Sterne-Rezensionen hätte ich mir "Solar" fast nicht bestellt, weil der Vorwurf der vermeintlichen "Humorlosigkeit" in Kombination mit den Themen Physik und Klimawandel mich ein gänzlich anderes Buch erwarten ließ. Tatsächlich habe ich bis Seite 200 schon mehrfach sprichwörtlich lachend auf dem Boden gelegen. Wenn ein Künstler wie McEwan, der es vermag, scheinbar leicht und ohne viele Worte Sachverhalte anschaulich zu beschreiben, beweist, dass man auch Slapstick (Radiosprecherin, Nordpolexpedition, Stiefelkammer) in den Kontext eines Beziehungskrisen-, Midlife-Krisen-, Wissenschafts-, Öko- und Gesellschaftskrisenromans setzen kann, dann ist das doch schon allergrößte Klasse! Laut gängiger Kommunikationstheorien bestimmt der Empfänger die Nachricht. Wer ist demnach humorlos, der Leser oder der Autor?
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TOP 500 REZENSENTam 21. März 2011
Gute Literatur, so haben wir es an den Universitäten gelernt, verknüpft das gesellschaftlich Relevante mit dem individuell Besonderen. Hört sich gut an. Gute Literatur entfaltet einen formal raffinierten Spannungsbogen in anspruchsvoller Prosa und zurückhaltendem Humor. Prima - aber wo finden wir solche Literatur? Ganz sicher nicht in den gängigen Bestellerlisten - wenngleich es auch bedeutende Literaten gibt, deren Bücher sich ausnehmend gut verkaufen.
Zum kleinen Kreis dieser Gruppe gehört zweifellos der britische Autor Ian McEwan, der es wie nur wenige andere versteht, seine kunstvoll gestalteten literarischen Bühnenbilder mit psychologisch überzeugenden Figuren auszufüllen.
In seinem neuesten Buch "Solar" hat sich McEwan einem Thema verschrieben, das in seinen früheren Werken als Motiv immer schon unterschwellig mitklang, ohne jemals dominant zu werden: einer Kritik der politischen Correctness. Ein heißes Eisen würwahr, riskiert doch jeder Autor, der gegen den linksliberalen "Neusprech" verstößt, sofort das Wutgeheul der Tugendwächter. McEwan versucht sich gegen diese Gefahr so gut es geht zu wappnen, indem er seinen politisch inkorrekte Hauptperson, den fetten Pysiknobelpreisträger Michael Beard, so unsympathisch wie möglich daherkommen lässt. Michael Beard ist ein durch und durch ungenderisierter Mann, er liebt Frauen, die im Bett wie am Herd ihren Herrn und Meister nach allen Regeln der Kunst verwöhnen und besitzt auch keinerlei Skrupel durch raffinierte Lügengespinste sein Leben nach diesem Gusto auszurichten. Die Frauen in dem vorliegenden Buch sind allerdings auch keineswegs nur Opfer, sie wissen sich zu wehren, gehen ihrerseits fremd, und es gelingt ihnen sogar mit den Jahren immer besser den ungenderisierten Beard zu domestizieren.
Auf jeden Fall reist der Leser in dem vorliegenden Buch mit den Augen dieses rösigen Naturwissenschaftlers durch die kuriose Welt moderner Scheuklappen und politisch unkorrekter Todsünden, die ein jeder bei Strafe des öffentlichen Schandprangers tunlichtst vermeiden sollte Eine solche Todsünde besteht etwa darin, einem ahnungslosen Zeitgenossen bestimmte Grundstrukturen der Wirklichkeit zu erklären. Wer so verfährt, handelt "reduktionistisch". Eine fast noch schlimmere Todsünde besteht darin, unwiderlegbare aber offenbar unbekannte Fakten in eine Diskussion einzubringen - wer sich dazu hergibt, handelt "hegemonistisch", d.h. er dominiert unmenschlicherweise einen Gesprächspartner der nur Trotteleien von sich gibt. Und das ist menschenverachtend.
Man sieht: Michael Beard ist dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal verpflichtet und es fällt ihm schwer, den Kulturmüll ernst zu nehmen, der im kommunikativen Diskurs der Geisteswissenschaften wie in einer endlos arbeitenden Wideraufbereitungsanlage für Banalitäten durchgeknetet wird. Michael Beards brillante intellektuelle Karriere, die ihn sogar bis zum Nobelpreis führt, bringt es aber mit sich, dass er als Kurator und Vorstand diverser staatlicher Forschungseinrichtungen sein Leben lang mit solchen Geisteswissenschaftlern und Künstlern zu tun haben sollte. Denn wir schreiben das Jahr 2000, der Klimawandel ist in aller Munde, und allenthalben wird das Ende des Planeten verkündet. Merkwürdig ist nur für Beard nur, dass das Ende des Planeten vor allem von denjenigen verkündet wird, die gar nicht recht wissen, wie dieser Planet funktioniert. Auf einer Klimainformationsreise muss Beard feststellen, dass er der einzige Naturwissenschaftler auf der Reise ist, während alle anderen als Künstler oder Literaten den Klimawandel mit Tänzen mit Eisbärskulpturen bekämpfen wollen. Dabei ist dem erotisch hyperaktiven Beard der Klimawandel herzlich schnuppe, ihn verblüfft nur das nahezu erstaunliche Ausmaß an Dilettantismus, mit dem Nichtfachleute über naturwissenschaftliche Themen schwadronieren, und so dauert nicht lange, bis er wegen politisch inkorrekter Äußerungen in den Fadenkreis von Feministinnen und Genderaktivistinnen und damit in den Mittelpunkt eines Skandals gerät.
Doch McEwan wäre nicht der Meister, der er ist, wenn er es mit seinem Roman allein bei einer Kritik der Klima- und Genderreligion bewenden ließe. Über diverse unterhaltsam entfaltete Irrungen und Wirrungen, Ehebrüche und Unglücksfälle, Seitensprünge und Plagiate kommt der alternde Professor, der eigentlich längst den Anschluss an den naturwissenschaftlichen Fortschritt verloren hatte, an das Manuskript eines genialen Studenten, in dem ungeahnte Möglichkeiten der Energiegewinnung aus einer gelenkten Photosynthese aufgezeigt werden. Umstandslos wird aus dem klimatheoretischen Quietisten Beard ein Apostel klimatologisch bedingten Weltunterganges, weil sich auf diese Art mögliche Patente und Geschäfte am ehesten auschlachten lassen. Wie der alternde Nobelpreisträger zwischen all diesen Aktivitäten noch Zeit findet, diverse Geliebte zu beschlafen, eine Tochter zu zeugen und im Übermaß zu futtern und zu saufen, ist nachgerade erstaunlich. Trotzdem trudelt die Klimastory und das turbulente Privatleben schließlich im dritten Teil des vorliegenden Buches einem furioseren Finale entgegen, das leider abrupt abbricht und den Leser dafür mit zwei literarisch ungemein ergiebigen Gefühlen zurück lässt - erstens hat er sich prächtig unterhalten und zweitens sind ihm jede Menge Fragen hochgekommen, über die er weiter nachdenken wird. Was will man von einem zeitgemäßen Roman mehr erwarten?
Alle in allem ist das vorliegende Buch ein echter Kracher, ein Werk der allerhöchsten Güteklasse, würdig für einen potentiellen Nobelpreisträger, wobei ich jedoch die Befürchtung hinzufügen möchte, das Ian McEwan diesen Preis wahrscheinlich niemals erhalten wird, weil eben die Spezies der Geisteswissenschaftler, die in seinem Werk so unvorteilhaft wegkommen, darüber bestimmt, wer diesen Preis erhält.
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am 3. Januar 2011
Ich habe bislang noch kein Buch von McEwan gelesen, das mich auch nur annähernd NICHT gefesselt hat. Am faszinierendsten finde ich, dass man durch seine Romane - neben den menschlichen Abgründen, die er wortgewandt und fesselnd beschreibt - fast nebenbei sehr viel Wissen über Gebiete erlangt, für die man sich sonst gar nicht interessiert hätte.
In "Solar" ist das Solarenergie, künstliche Fotosynthese. Selbst Lesern, die keinen Funken Ahnung von Physik haben, vermag es McEwan, dieses Phänomen näher zu bringen. Aber einige Rezensenten haben Recht: Es geht hier gar nicht hauptsächlich um den Klimawandel und die Erfindung einer neuen, sauberen Energiequelle. Was mich vor dem Lesen zugegeben eher "abgeschreckt" hat - ich interessiere mich zwar für den Klimawandel und lebe so umweltbewusst wie es geht - aber ein "Klimabuch" wollte ich nicht lesen. "Solar" ist das aber gar nicht, sondern ein vielschichtiges, faszinierendes Menschenporträt, über einen - und uns alle. Wie fast immer in seinen Romanen geht es um einen männlichen Protagonisten, der sich vor verschiedenste Probleme gestellt sieht. In "Solar" ist dies zwar tatsächlich eine eher unsympathische Figur - ein bindungsunfähiger, maßloser Nobelpreisträger - doch habe zumindest ich mich beim Lesen sofort auf seine Figur einlassen können, weswegen mich das Ende auch mehr als berührt hat. Obwohl er sich manchmal so ungerecht und verletzend verhält, bleibt Michael Beard doch eine zutiefst menschliche und bemitleidendswerte Figur, der man gern über 400 Seiten folgt.
Die Wendungen sind genial, der Protagonist auch, die Verweise auf den Klimawandel ebenfalls - und sprachlich fesselt McEwan wie gewohnt aufs Vorzüglichste. Ich habe dieses 400 Seiten-Buch wahnsinnig schnell ausgelesen und im Vergleich zum Roman-Vorgänger "Am Strand" (das Libretto-Buch mal ausgelassen), das mich vom Thema her zwar mehr interessiert hat, hat mich "Solar" bedeutend mehr bewegt, unterhalten und berührt. Dieses Buch ist jeden Cent wert und beim Zuklappen nach der letzten Seite hinterlässt es diese traurige, aber intime Gefühl, das der Leser eines McEwan-Romanes hat, wenn er den letzten Satz verschlungen hat.
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Nach Franzens "Freiheit" nun McEwans "Solar", zwei Neuerscheinungen, die sich mit Umweltfragen und menschlichen Abgründen beschäftigen. Walter Berglund und Michael Beard, zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Geschichte ihres literarischen Zusammentreffens würde ich mir bestimmt nicht entgehen lassen.

Michael Beard ist verfressen und versoffen, ein Lügner, Betrüger, ein nahezu kahlköpfiger Fettwanst mit unappetitlichen Angewohnheiten, der seine Wohnung verkommen lässt, seine Kleidung auch, und nicht viel von Körperpflege hält. Er ist missgünstig, gierig auf Sex und Geld und auf ein komfortables Leben, außerdem schlampig, asozial und ein zynisches, schlaues Kerlchen. Dieser Mann ist unerträglich, ich mag ihn nicht. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass er nahezu ein Allerweltstyp ist und jeder von uns sich hin und wieder mehr oder weniger in ihm erkennen kann. Das macht den Kerl noch unsympathischer.

Ian McEwan hat diesen abgehalfterten Nobelpreisträger der Physik, der im Windschatten seiner einstigen, einmalig herausragender Leistung segelt und daraus Profit schlägt, in den Mittelpunkt dieses Buches gestellt. Er erzählt uns eine ironische Geschichte vom Raubbau an der Natur, der Endlichkeit der Ressourcen, vom Klimawandel und nicht zuletzt von betrüblichen menschlichen Verhaltensweisen mit einer Leichtigkeit, die nur sehr guten Erzählern gegeben ist. Manche verwechseln das vielleicht mit Oberflächlichkeit. Jedoch seine Besorgnis, sein Engagement und nicht zuletzt seine Wut liegen sorgfältig unter der glatten Oberfläche verpackt.

Am Beispiel von Michael Beard zeigt er auf, dass Intelligenz ohne Verknüpfung mit anderen herausragenden Eigenschaften weder von besonderem Wert ist, noch zu gewünschten Resultaten führt. Die Menschheitsgeschichte lehrt uns immer wieder, dass den größten Schaden selten die "Dummen", aber um so häufiger die "Intelligenten" anrichten. Dieser Mann, ein Egoist ohne nennenswertes Gewissen, schreckt vor wenig zurück, wenn es darum geht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. So gibt er, dessen Ideen schon lange in einer unproduktiven Endlosschlaufe kreisen, die Erkenntnisse eines begabten Nachwuchsphysikers als seine aus. Die bringen ihm etliche lukrative Patente und ein außergewöhnliches und innovatives Projekt im Süden der USA ein. Kurz vor dem Durchbruch holen ihn dennoch die Schatten der Vergangenheit ein, obwohl sich der geistige Eigentümer seines Projekts, der einst mit seiner 5. Ehefrau ein Verhältnis hatte, schon lange nicht mehr wehren kann. Und damit sind wir bei Beards Frauen, die mich immer wieder ratlos machen. Zu gerne würde ich sie in die Schublade "Männerphantasien" ablegen, jedoch zahlreiche Beispiele aus dem Bereich Politik, Showbusiness und vermutlich auch Wissenschaft (letztere nicht so sehr hochglanzmagazinmäßig präsent), sprechen für die Realität. Ja, es gibt sie, diese Frauen, die, um ein wenig im Glanz fremder Reputation zu stehen, für Außenstehende merkwürdig anmutende Verbindungen eingehen. Diese Frauen stehen sehr häufig selbst "ihren Mann", wie beispielsweise Melissa, Beards Langzeitgeliebte und Mutter seiner Tochter. Sie ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, aber betriebsblind, was ihren wankelmütigen Freund angeht, und in hohem Maße leidensfähig. Denn Michael Beard gibt emotional nichts, er nimmt, was nicht für eine tatsächlich existierende Beziehung spricht. Außerdem ist er notorisch untreu, gerne auch deftig, und suhlt sich schon auch einmal mit einer fetten, alkoholabhängigen Kellnerin in deren Wohnwagen und in schäbigen Motels. Auch ein Nobelpreisträger schließt eben hin und wieder seine Türe hinter sich und lässt die Hosen herunter - nein, der Preis wäre mir entschieden zu hoch! Nun, über Geschmack lässt sich nicht streiten, und so sehen wir am Ende des Buches zwei Furien auf Beard losgehen, der vor den Scherben seiner Existenz steht. Ein fulminantes, offenes Ende und ganz zum Schluss gibt es, als Sahnehäubchen, die honorige Nobelpreisrede aus Beards Glanzzeit.

Auch wenn Ihnen vielleicht in diesem Buch alte Versagensängste und das Gefühl der Unzulänglichkeit wieder begegnen werden, die Sie nur allzu gut aus Ihrer Schulzeit kennen, wenn es um Mathematik oder Physik ging (Einstein geistert beunruhigend oft durch diese Geschichte), begleiten Sie Beard in die Arktis, verweilen Sie mit ihm in London oder fliegen Sie in seiner Begleitung nach New Mexico - Sie werden es, wenn Sie sich genügend geärgert und Tränen gelacht haben, vermutlich nicht bereuen. Vielleicht fragen Sie sich anschließend auch, obwohl Ihnen Ihre Kinder und Enkel und deren Zukunft am Herzen liegen, wie sehr Sie dazu bereit sind, liebgewonnene Annehmlichkeiten aufzugeben und Verhaltensweisen zu ändern, wenn es darum geht, einen drohenden Klimawandel abzumildern, den Sie vermutlich in seiner ganzen Kraft gar nicht mehr erleben werden. Keine Frage, dieses Buch unterhält und regt zum Nachdenken an, was will man mehr.

Helga Kurz

1. Oktober 2010
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Solar ist ein allegorischer, satirischer Entwicklungsroman rund um einen Helden, der in erster Linie opportunistisch ist, anderen Menschen schadet oder sich an Ihnen auf verschiedensten Ebenen bereichert aber selbst immer wieder auf die Füsse fällt. Mit einem leicht schalen Geschmack im Mund hofft er, dass seine Leichen im Keller bleiben und vergisst im Lauf der Zeit auch gerne mal, dass er welche im Keller hat. Das Leben meint es gut mit ihm, die Geschichte gibt ihm recht - und in der Summe findet er sich eigentlich recht toll.

Das Buch bietet einen spannenenden Bogen zwischen einer naiven und korrupten akademischen Welt der Physik, einem politischen Machtkrimi und dem Psychogramm eines Durchschnittsmenschen mit zu viel Glück. McEwan schafft das erstaunliche - er baut ein eng verwobenes, unterhaltsamea und absolut glaubhaftes Netz und vermittelt immer wieder Gedankengänge, bei denen man sich auch mal selbst als Mensch an die Nase fassen muss. Wer hat diese dunklen Seiten nicht in sich? Wer ist vor den Verlockungen einer Konsumwelt gefeit?

Michael Beard ist ein Protagonist, der aus dem Leben gegriffen scheint. Wie auch die meisten Vorrezensenten erscheint er einem fast als Mensch aus dem persönlichen Bekanntenkreis. Daher bleibt er bei allen Unzulänglichkeiten und seinen amoralischen Taten sympatisch. Immer wieder könnte sich eine Schlinge um seinen Hals legen, aber sie tut es nicht. Fast wünscht man ihm ein Happy End, wenn man nicht wüsste dass so ein Mensch bestraft gehört. Ob es das Happy End gibt oder nicht lasse ich offen...es bleibt bis zum Schluss spannend!

Für mich ist dies das erste Buch von Ian McEwan, daher muss ich erwähnen dass ich es als alleinstehendes Werk rezensiere und nicht im Vergleich mit seinen anderen Büchern. Spontan würde ich es einreihen in MAughams "Of Human Bondage", Goethes "Wahlverwandschaften" oder "On Beauty" von Sadie Smith. Entwicklungsromane rund um relativ normale Menschen die sich mal mehr oder mal weniger bewusst durch's Leben manövrieren.
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am 23. Januar 2012
Für mich war das bislang der beste Roman von Ian McEwan. Gelesen bisher habe ich "Ein Kind zur Zeit", "Unschuldige", "Zementgarten", "Liebeswahn", alles gute Bücher mit mal mehr, mal weniger Nachhaltigkeit.

Die Figur des Michael Beard wird für mich jedoch unvergeßlich bleiben. Er wird portraitiert als ein Mensch mit sehr vielen Schwächen. Trotzdem hatte ich ihn am Ende der Geschichte in mein Herz geschlossen.

Die Charakterzeichnung des Michael Beard ist grandios, differenziert, witzig. Wen er sich so alles zum Feind macht und warum, woran er hängt und was er flieht, wie er sich selbst und andere belügt, wie pfiffig er sich aus manchen Lagen hinausmanövriert, wie tollpatschig er in anderen ist... Wie menschlich !

"Solar" dreht sich ein gut Teil um die Weiterentwicklung unserer Energieversorgung durch die Sonne. Ich kann gut verstehen, daß manche Leser sich schwer tun mit den entsprechenden Kapiteln oder Passagen. Das ging mir ähnlich, da ich auf dem Gebiet der Naturwissenschaften eine Niete bin und auch kein Interesse dafür habe. Deswegen habe ich auch über 3 Wochen gebraucht, um das Buch zu lesen. Indem man "genötigt" ist, weiterzulesen, erfährt man "nebenbei" trotzdem auch sehr interessante Dinge.

Der Titel "Solar" steht meiner Meinung nach aber noch für etwas anderes, nämlich für die "Erforschung" des männlichen Prinzips. Nur in der deutschen Sprache heißt es "die" Sonne und "der" Mond. Ich denke, allgemein ist man sich jedoch einig, daß die Sonne dem männlichen und der Mond dem weiblichen Prinzip entspricht.

Ich empfand es jedenfalls so, daß McEwan auf eine höhere Ebene switcht, in der es nicht um unser Energieproblem geht, sondern um die Ausleuchtung des "männlichen Prinzips". Die Sonne macht nix, ist einfach nur da und scheint, wie Michael Beard, bzw. wie viele Männer. Die Erde dreht sich um die Sonne, nicht umgekehrt. So wie er sich von seinen Geliebten umkreisen läßt. Michael Beard hat ein enormes Selbstbewußtsein, trotzdem ihm die meisten seiner Schwächen sehr wohl selbst bewußt sind.

Trotzdem kulminieren am Ende die Probleme und er hat nichts mehr im Griff. Dann fällt der letzte Satz. Dieser ist so schön und gleichzeitig nicht eindeutig.
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am 7. April 2013
SOLAR war mein erster McEwan, wird aber nicht mein letzter sein.

Zu Beginn fand ich das Buch etwas schleppend, auch den Slapstick nicht immer gelungen, spätestens mit der Kriminalgeschichte gegen Ende des ersten Teils (von insgesamt 3 Teilen) hat es dann aber zum Glück etwas an Fahrt und Spannung aufgenommen.

Beeindruckend ist die Schilderung des Hauptcharakters, des theoretischen Physikers Michael Beard: so beeindruckend in seiner Inkonsequenz, die bis ins Allerletzte geht, bis in den Abgrund – und somit wenigstens hierin konsequent ist. Erfrischend anders ist die Idee einer (hoch) intelligenten, redegewandten, auch in Teilen sympathischen Hauptfigur die jedoch explizit KEINE Entwicklung durchmacht. Insofern ist die Figur auch eine wunderbare Allegorie der Menschheit, unser aller innerer Schweinehunde. Eine Mahnung.

Insgesamt hätte ich mir mehr physikalische Ausführungen gewünscht, hier bleibt der Roman hinter seinem Versprechen zurück. Im Mittelpunkt stehen doch eher die absurden Abenteuer und Phantasien der Hauptfigur, mit der Zeit ist das aber okay, da sie intelligent erzählt werden.

Die Kommentare auf dem Buchrücken versprechen meines Erachtens insgesamt etwas zu viel:

„[...] Vielmehr kann ein Roman nicht leisen.“
Doch kann er.

„[...]...in thematischer Hinsicht Literaturgeschichte geschrieben.“
Naja.

Mein Fazit:
Wer gut unterhalten sein möchte (auch ich musste stellenweise laut lachen) und sich ein Wenig für physikalische Fragestellungen interessiert (Achtung: es geht nicht in die Tiefe!), wird von SOLAR vermutlich nicht enttäuscht sein.

Drei gute Sterne.
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am 9. Februar 2011
Das Buch fällt in zwei Teile. Zum einen die Enstehungsgeschichte des Buches , die von den Klima Groupies des Feuilletons mit vielen : Ah , wundervoll, dieser Einsatz. Und mit 5 Nobelpreisträgern war der Mann schon einmal in einem Raum, unglaublich" Geschnatter, dann der Erscheinungstag und das Entsetzen bei den Intellektuellen Klimahysterikern. Ian Mc Ewan schrieb einen wissenschaftlichen Schelmenroman und macht aus seinem zweifelhaften Helden einen Menschen. Das geht in der humorfreien Szene der Klimaphobiker von der taz bis zur FAZ schon mal garnicht. Wer Leute wie Prof. Schellnhuber, einen Nobelpreisträger in Lauerstellung nicht mit religiöser Inbrunst vereehrt, der kann nicht edlen Gemüts sein. Da wird eine volkspädagogische Zeitung aus der Hauptstadt der Bewegung sauer. Helmut Schmidt schrieb mal, der langweiligste Abend sei für ihn der gewesen, als er mit zwei Nobelpreisträgern am Tisch saßen, die sich ausschließlich Gedanken um das schöne Preisgeld machten. In irgendeiner Qualitätszeitung war 2010 ein Artikel über Nobelpreisträger und wie die ihrer eigenen Überheblichkeit vollends erlagen. Und so einen beschreibt Ian Mc Ewan manchmal so lustig als wäre es ein Röde Orm Roman ohne internet. Ein echtes Meisterwerk ist Solar geworden , ohne gegen oder für etwas mit der üblichen Besessenheit und Prteilichkeit wie es in Deutschland üblich ist, zu versanden.
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Mag sein, dass ich den neuen Roman von Ian McEwan allzu sehr unter dem Eindruck seines kleinen Meisterwerks "Am Strand" gelesen habe. Jedenfalls haben die 208 wesentlich tiefere Spuren bei mir hinterlassen als die gut 400 Seiten von "Solar". Aber vielleicht liegt es auch an der Figur von Michael Beard, weshalb ich mich immer wieder beim Überfliegen ganzer Passagen ertappte.

Gewiss, in Stilfragen muss man den englischen Erfolgsautor nicht beraten. Würde seine Hauptfigur so behende mit den Höhen und Tiefen des Lebens umgehen wie es McEwan mit der Sprache macht, wäre der alternde Physiker um einiges sympathischer. Aber so soll er eben gar nicht erscheinen. Es ist natürlich das gute Recht eines Autors, seine Leser auch mit Zeitgenossen bekannt zu machen, die er während der Lektüre nicht ins Herz schließen wird. Aber mich kann er damit trotz der ironischen Untertöne nur bedingt erreichen. Kombiniert mit den Schwierigkeiten, die ich beim Verständnis von Quantenphysik habe, ist mir das Ganze dann doch zu viel. Oder zumindest keine Fünfsternebewertung wert. Da ich selbstverständlich nie bestreiten würde, dass der Zugang zu einem Roman auch von persönlichen Befindlichkeiten und Lebensgeschichten des Lesers abhängt, könnte ich auch bestens verstehen, wenn McEwan mit den Figuren dieses Romans ein Publikum begeistern kann. Bei "Abbitte" saß auch ich unter den Applaudierenden.

Warum die Frauen den Nobelpreisträger lieben, wird mir nicht ganz klar, auch wenn Ruhm und Ansehen sexy macht. Vielleicht spürte Ian McEwan, dass seine Story zwar äußerst geschickt komponiert ist, aber letztlich doch nicht so tragfähig ist, dass er auf das Element der Spannung verzichten könnte, die er mit seiner Kriminalgeschichte einbringt. Natürlich regt das Buch zum Nachdenken an. Aber indem man sich von der Figur allzu leicht distanzieren kann, übertragen sich Momente der Ferne auch auf Inhalte, die mit Michael Beard nur indirekt zu tun haben.

Mein Fazit: Nicht mein Lieblingsbuch von Ian McEwan. Mit seinem Können schafft der Autor zwar immer wieder Höhepunkte, die mich fesselten. Aber sie genügten letztlich doch nicht, um von einem wahren Lesegenuss zu sprechen. Schade, dass nicht mehr von den Lebensperioden des Helden die Rede ist, in der er seine Nobelpreisrede hielt.
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am 2. Oktober 2012
Das größte Problem ist: man darf das Buch nicht in der Öffentlichkeit lesen! Ich hab es über weite Strecken im Zug gelesen und meine Mitreisenden waren genervt von meiner Lacherei. Selten hatte ich so einen Spass beim Lesen eines Buches! Genial!

Das Leben Beards ist eine Ansammlung von Selbstüberschätzungen, er lebt vom ehemals schmalen Ruf und ist tief in sich drin eine verunsicherte und vom Leben völlig irritierte, wenngleich nicht durch die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbsterkenntnis geplagte Figur mit allen Elementen von Lächerlichkeit, wie sie heute der moderne Mann (unabhängig von der Geschellschaftsform!) allzuoft vor sich herträgt: ein Macho und ein Chauvi vom Feinsten.

Alleine die dilettantische, wenngleich menschlich verständliche Aktion Beards, in arktischer Kälte zu pipinieren - hervoragend und genüßlich zerlegt und von einem umwerfenden Sprachwitz getragen - zeigt das Besondere an dem Buch: im Grunde kann man den Typen nicht leiden, aber McEwan schafft es, diesem größten selbstgerechten Chauvi und Angeber seine unfassbar unbeholfene Menschlichkeit zu belassen.

McEwan schwingt sich mit Solar in neue Höhen hinauf.
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