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Kundenrezensionen

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Das ist wieder mal so ein Buch, wo einen der Klappentext völlig in die Irre führt. Um einen Vater und seinen Sohn auf der Flucht vor einem Rächer soll es gehen, dessen Freundin aus Versehen vom Sohn erschlagen wurde. Tatsächlich kommt diese Geschichte im Buch vor, unter all den vielen Geschichten die hier erzählt werden, ist es allerdings die schlechteste. Wenig begründet, schlecht nachvollziehbar wirkt dieser Aufhänger im Buch, der eher dazu dient, die wirklich spannenden Entwicklungen in Gang zu bringen, so insbesondere die Karriere des Sohn als Autor.

Versucht man sich an einer Inhaltsangabe des Romans, so muss man bewusst vermeiden, in eine Beschreibung eines früheren Buches von John Irving abzurutschen, weil so viele Motive hier wieder auftauchen. Schon in "The World According to Garp" ging es um einen werdenden Autor mit einer unvollständigen Familie, deren Mitglieder mit notorischer Häufigkeit in diverse Unfälle verwickelt waren. Die Angst der Eltern vor dem Tod der eigenen Kinder wird hier grausam wie schon lange nicht mehr bei Irving thematisiert. Auch die Bedeutung, die eigentlich Fremde in einer Familie gewinnen können, die Erweiterung der Familie über ihre Grenzen hinaus erinnert an "Garp". Und wie in diesem Buch auch wird hier die Geschichte der Vereinigten Staaten erzählt, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so viel mehr erleben und erleiden mussten als wir hier in Deutschland, weshalb vielen deutschen Lesern auch einige Elemente in diesem Buch fremd bleiben werden. Und dann gibt es noch wie in vielen Büchern von Irving diese wunderbare Passagen über Bären und Hunde, über das Leben auf dem Land und in der Stadt als Gegensatz, über Liebe und Verlust, über Sexualität jenseits aller Konventionen, und über Gewalt, Verlust und Tod. Nur ein Ausflug nach Wien fehlt hier diesmal.

Man ahnt den Spaß, den der Autor beim Schreiben dieses Buches gehabt haben mag, insbesondere wenn er immer wieder Hinweise auf seine früheren Bücher versteckt. Aber auch das leitet dann viele Leser und Rezensenten in die Irre. "Twisted River" ist kein autobiographisches Buch, und wer dieses vermutet, sollte einige Passagen des Buches, die diese Frage direkt ansprechen, besser noch einmal lesen. Irving geht es hier um den Spaß am Erzählen, er lässt die Leser eintauchen in eine wunderbare Welt mit wunderbaren Menschen, die eben doch erfunden sind. Die aber eine so schöne Geschichte ihr Eigen nennen, dass man am Ende des Buches nicht herum kommt, einfach laut drauf los zu heulen, wenn mit der Einsamkeit eines alten Mannes ein weiteres, für Irving neues Thema aufkommt. Aber auch in dieser Situation kennt der Autor dann eine Antwort, die mit einem Augenzwinkern die Leser wieder auf einen anderen Pfad führt. Die Ironie, die sich in dem finalen Schicksals des Protagonisten auch versteckt, erinnert eher an die postmodernen 80er, als dass sie in die heutige Zeit passen will. Aber vielleicht ist es ja genau das, was Irving hier will. In einer Zeit, die nicht mehr die seinige ist, will er an Gutes aus seiner eigenen Zeit erinnern. Ketchum, die versteckte Hauptfigur dieses Romans, hat dazu viel zu sagen. Sie ist ohnehin das Sprachrohr des Autors für alles, was er dem Leser direkt, ohne Umschweife vermitteln will.

Hat eigentlich irgendwer gemerkt, dass in diesem Buch auch eine Geschichte der amerikanischen Gastronomie erzählt wird? Dass über die sechs Jahrzehnte sich deren Moden ändern, aber die Menschen gleich bleiben? Wie vielen Lesern ist aufgefallen, wie in diesem Buch die Themen Politik und Bildung verknüpft werden, wobei letztere eben nicht aus Schulen und Universitäten kommt, sondern durch persönliche Beziehungen vermittelt werden muss? Wie viele Leser haben die Pointe verstanden, dass Eltern das mit dem Sex von ihren Kindern fern halten wollen, sie aber gerade durch dessen Verschweigen die Kinder in größte Nöte bringen? Die über 700 Seiten des Buches enthalten so unglaublich viel, dass die meisten Leser hier die Übersicht verlieren werden. Aber es ist wie immer: Gründliches Lesen und gründliches Nachdenken hilft, gerade bei John Irving.

Die vielleicht schönsten Passagen dieses Buches handeln vom Erzählen, von der Entwicklung eines Romans, von dem Erfinden von Personen und Handlungen. "Twisted River" steht nicht nur für einen Fluß, in dem Menschen ertrinken, es steht auch für die Struktur dieses Romans. Diese ist auf besondere Art "verwunden", so sehr, dass sie wieder an den Anfang zurück führt, nach vielen Irrungen, Wirrungen und Wendungen. Vollzieht man diese nach, liest man dazu die Passagen des Autors über das Schreiben von Büchern, so lernt man viel über das, was Irving beim Schreiben bewegt und mit welchen Techniken er eigentlich arbeitet. Und das gibt einem denn auf das Thema Literatur noch einmal eine ganz andere Perspektive. Und damit finde ich diesen Roman - trotz aller Parallelen zu den vielen anderen, genialen Büchern dieses Autors - als ein einzigartiges, hoch lesenswertes Werk, insbesondere weil es Leser bewegt, zu Gefühlen und Gedanken.

Und was will man von Literatur eigentlich mehr?
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Vier Jahre nach seinem bisher letzten Roman Bis ich dich finde hat John Irving nun mit "Letzte Nacht in Twisted River" sein neues Werk vorgelegt, welches alles bietet, wonach Fans des amerikanischen Schriftstellers der Sinn steht. In epischer Breite schildert Irving die Geschichte dreier Menschen, die sich über mehr als fünf Jahrzehnte erstreckt und aufgrund eines tragischen Vorfalls eine Geschichte von Flucht, Verfolgung und gescheiterten Träumen, aber auch von unzertrennlicher Freundschaft und kurzen Momenten des Glücks darstellt.

New Hampshire, 1954: Der Koch Dominic Baciagalupo lebt mit seinem kleinen Sohn Daniel in einer abgelegenen Holzfällersiedlung am Twisted River. Sein bester Freund ist der trinkfeste und bärbeißige Holzfäller Ketchum, hinter dessen rauer Oberfläche, wie echte Männer nun mal so sind, ein weicher und sentimentaler Kern steckt. Aufgrund einer Verkettung von mehreren unglücklichen Umständen erschlägt der kleine Daniel die Geliebte seines Vaters bei deren gemeinsamen Liebesspiel. Die beiden müssen fliehen, um der Rache des brutalen Constables Carl zu entkommen. Ihre Flucht entpuppt sich zu einer wahren Odyssee, im Verlaufe derer Daniel zu einem erfolgreichen Schriftsteller heranreift.

"Last Night in Twisted River" ist neben der bewegenden Lebensgeschichte von Dominic, Daniel und Ketchum, der heimlichen Hauptperson des Romans, auch die Geschichte des Heranreifens eines Schriftstellers, mit welchen Schwierigkeiten und inneren Kämpfen er sich auseinander zu setzen hat und wie die Reaktionen auf seine Werke das Leben des Autors beeinflussen können. In diesem Zusammenhang begibt sich Irving auf für ihn ungewohntes metafiktionales Terrain. Gegen Ende des Romans ringt Daniel um den ersten Satz seines neuen Buches und formuliert nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen die endgültige Version, mit welcher dann auch "Last Night in Twisted River" beginnt. Sprich, wir erleben, wie sich am Ende der Handlung der Protagonist des Buches daran begibt, eben dieses zu schreiben.

Fazit: Irvings neuer Roman ist nicht sein bester. Er reicht nicht an die Klasse von Garp oder Owen Meany heran, dafür bleiben zu viele Handlungsstränge zu sehr an der Oberfläche. Dennoch überzeugt auch "Letzte Nacht in Twisted River" durch einen epischen Schreibstil und die überzeugende Darstellung des Schicksals dreier Menschen.
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am 30. August 2016
Für mich der schlechteste Irving. Schriftstellerisch vielleicht der beste, aber zu viele Sprünge, Namen, Nebenstories. Ein ganzes Leben in einem Buch unterzubringen... na ja. Für mich anstrengend und tlw langatmig.
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Das Danny und sein Vater Dominic nach einem spektakulärem Irrtum mit Todesfall das Holzfällercamp in New Hampshire, wo Dominic als Koch arbeitet, verlassen müssen ist bereits Klappentext und Amazon Kurzbeschreibung zu entnehmen. Leider ist denen auch bereits der eigentliche Witz daran zu entnehmen, was Schade ist, da Irving schön auf dieses Ereignis hinschreibt, der Leser aber leider die Pointe schon kennt.
Dafür führt der Klappentext dann auch noch in die Irre wenn von ständiger Flucht und einem Rächer der nicht vergisst die Rede ist. Da erwartet ein Leser der Irvings Bücher nicht kennt vermutlich eine Art Thriller. Davon ist Twisted River jedoch weit entfernt.

Nomen est Omen, und Twisted River ist in der Tat ein gewundener Handlungsfluß, der mäandert, selten direkt aufs Ziel zusteuert, meist irgendwo abbiegt, zurückführt, stagniert um dann langsam weiterzufließen. Thriller geht anders. Doch für Erwartungen die Klappentexter wecken kann der Autor natürlich nichts.
Irvings Roman über das Leben von Danny, dessen Vater Dominic, Dannys Sohn Joe und Familienfreund Ketchum, wird über einen Zeitraum von 50 Jahren vor dem Leser ausgebreitet. Das ist reichlich Zeit für diverse Nebenfiguren in Form von Lebensgefährtinnen, Geliebten, Freunden, Arbeitskollegen und skurrilen Kurzauftritten eigentlich nebensächlichen Personals. Wechselnde Schauplätze durch die, siehe Klappentext, Flucht erlauben es Irving seinem kochenden Helden Erfahrungen in verschiedenen internationalen Küchen zu sammeln.

Irving erzählt so wie der Titel es bereits andeutet: das hat etwas märchenhaftes, und wie bei Märchen meint man jemandem zuzuhören, der einem eine Geschichte erzählt. Der Roman hat etwas von aufgeschriebener mündlicher Überlieferung. Also das war so: letzte Nacht, da hat doch....". Das ist leicht zu lesen und hat einen sympathischen Tonfall, der auch mal derbe sein kann. Wie jemand den man gut kennt einem Erlebnisse von früher erzählt, die man zu Teil kennt, so nimmt Irving Ereignisse vorweg, um dann Details über die Umstände die zu diesen Ereignissen geführt haben, zu erzählen. Inklusive beständiger Zeitsprünge. So nett sich das anhört führt das in diesem Buch jedoch leider zu zu vielen Einschüben ( ach, da fällt mir noch ein...") Wiederholungen, viel zu detaillierten Beschreibungen die häufig Oberfläche bleiben. Eine viel zu ausschweifende Erzählweise, die immer wieder das rechte Maß zwischen wesentlichem und unwesentlichem verliert.

Wie in Irvings anderen Werken versteht der Autor es auch hier eine eigene Welt entstehen zu lassen und mit Personen und Ereignissen auszustatten. Dieser Irvingsche Kosmos folgt eigenen regeln und er spielt hier mit seinen typischen Elementen (Familie, aufwachsen mit nur einem Elternteil, Bären, Sport - hier kommt sogar wieder Ringen vor-, die Arbeit und Entwicklung eines Schriftstellers, Unfälle und Todesfälle, starke Frauenpersönlichkeiten, die große Liebe die tragisch endet). Wer Irvings andere Bücher kennt wird hier vieles wiederentdecken und das ist hier von ihm auch ganz bewusst eingesetzt, wenn einem etwa Themen und Kritik an den Büchern von Danny Angel bekannt vorkommen.

So menschlich, tragisch, berührend, humorvoll und lebendig die Irvingsche Welt auch sein kann, durchgehend gefesselt hat Twisted River mich nicht. Leider verliert sich Irving in den vielen Nebenereignissen und Figuren. Den Anfang fand ich holperig und es brauchte gefühlt 100 Seiten um in die Geschichte reinzukommen. Dann folgte eine schöne Phase Irvingschen Erzählflusses der aber in der Mitte stockt: noch eine Wendung, noch mehr nebensächliche Personen und ermüdende, unwesentliche Details, die Geschichte geht einfach nicht voran, hat keinen Fokus und sich beständig wiederholende Elemente. Schlimmer noch: trotz der vielen Seiten bleiben einige seiner Figuren oberflächlich und blass. Zum Ende hin wird es wieder besser, interessanter.
Dass das hier kein neuer Garp ist: geschenkt. Das Buch gibt es schließlich schon. Jedes Buch muss für sich selbst stehen und in diesem hier findet Irving zu selten das Gleichgewicht zwischen Detailreichtum, interessanten Szenen, Ausschmückungen, echter Handlung und Charakterentwicklung. Zuviel Oberfläche, zuwenig Substanz. Ein Handlungsort weniger und die damit verbundenen Personen aus der Geschichte gestrichen, hätte dem Buch schon geholfen. Schade.
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am 3. August 2010
Es ist wieder eine typische John Irving Geschichte, wobei es diesmal sehr viele Handlungsstränge sind, (Evtl. sogar zuviele?), die zum Teil doch eher für Verwirrung als für Spass sorgen.
Doch einmal in der Handlung lesend, hat man wieder das schöne Irving-Gefühl, dass man ja so sehr liebt und darum auch seine Bücher verfolgt. Auch an seine Überlängen hat sich der fortgeschrittene Irving-Leser schon lange gewöhnt und ist kein Grund für Trübsal, im Gegenteil, die Protagonisten bleiben einem länger erhalten.

Viele klagen über die Story und die Zusammenhänge, auch ist es vielen zu wenig tief und ja es unterscheidet sich halt von Owen Meany oder von Garp. Wollen wir denn immer den gleichen Roman einfach mit einem anderen Titel lesen, oder wollen wir verschiedene Bücher?

Ich denke das Zweite trifft zu und deshalb kann man diesen Wälzer auch nicht mit den anderen vergleichen.
Auch hat sich die Erde, wie auch John Irving im Laufe der Jahre geändert, was mich persönlich nicht stört.

Bin extra nicht zu tief auf die Story eingegangen, denke man sollte auch gewisse Rezensionen, die schon das ganze Buch verraten, löschen oder freundlich darauf hinweisen, das es nicht um das Erzählen der Story geht, sondern um die eigene Meinung des Gelesenen.

Wenn John Irving weiter so schreibt wie im Stil von Until i find you und jetzt auch wieder in Twisted River, dann freue ich mich auf hoffentlich noch weitere Bücher von ihm. Auch die politischen Inputs die heute mehr als früher erwähnt werden stören mich in keinster Weise.

Darum 4 Sterne von mir, weil es für mich als Fan von Gottes Werk und Teufels Beitrag, fast nichts besseres als eben dieses Buch von ihm geben kann.
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am 4. August 2011
OK, ich bin ein Irving-Fan. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch und ich wurde nicht enttäuscht! Ich hab sie geliebt, diese vielen kleinen Details, die man in jedem seiner Bücher wiederfindet: der Autounfall muss auf eine bestimmte Art und Weise passieren, Ringer, Bären, Schriftsteller kommen vor.
Außerdem gefällt mir diese anfangs Holzfällergeschichte, dann Familiengeschichte, am Ende wieder Holzfällergeschichte.
Mir gefällt, wie man mitten in der Geschichte drin plötzlich dabei ist, wie der Schriftsteller genau diese Geschichte niederschreibt. Wie man deshalb immer wieder auf die Frage kommt: ist ein bißchen Wahrheit dabei? Oder doch alles erfunden? Er beschreibt einen Schriftsteller, der er selber sein könnte, es gibt Hinweise auf viele seiner Bücher.
Und was mir noch besonders gefällt: diese liebenswerten Charaktäre.
Dann wäre da noch seine Art wie er seine politischen Statements verpackt, großgartig.
Für mich kann niemand so wunderbare Geschichten schreiben wie John Irving.
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am 26. Oktober 2012
Lese zwar immer Rezensionen, schreibe aber sonst keine. In diesem Fall muss ich aber unbedingt.
Habe das Buch ungeduldig erwartet, da ich bisher alle seine Romane sehr mochte. Aber dieser ist so unglaublich öde geschrieben, mit diesen unsäglichen Umschreibeungen der Namen der Protagonisten. Hat Herr Irving schon leichte Aussetzer oder traut er dem geneigten Leser nicht mehr zu ihm folgen zu können wenn er durch die Zeiten springt. Lege sonst kein Buch beiseite, selbst wenn der Lesegenuss auf der Strecke bleibt, aber dieses hier, wird bei Seite 290 in den Schrank gestellt.
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am 19. Mai 2010
Das lange Warten hat endlich ein Ende: Vier Jahre nach meinem persönlichen Irving-Favoriten "Bis ich dich finde" (für mich unerklärlich, dass sich das Buch mittlerweile bei nur 3 1/2 Sternen eingependelt hat ...) erscheint 2010 endlich der neue Roman auf deutsch. Und auch diesmal bin ich auf meine Kosten gekommen.
Auf die sich über 50 Jahre erstreckende Handlung möchte ich an dieser Stelle gar nicht im Detail eingehen; der Irving-Fan wird - wen wundert's - nicht enttäuscht. Die bekannten Motive von Bären bis Schriftstellerei dürfen natürlich nicht fehlen, die Handlung pendelt gekonnt zwischen Komik und Tragik, ist dabei immer zutiefst bewegend und doch amüsant.
An welchen Rang meiner persönlichen Lieblingsbücher von John Irving ich "Last Night In Twisted River" setzen würde, kann ich noch nicht wirklich sagen, zumindest aber im ersten Drittel. Aber da für mich persönlich nur ca. drei Irving-Romane doch mehr oder weniger deutlich zu seinen Klassikern abfallen, ist eine Einordnung ohnehin schwer. Ich sehe "Twisted River" in einer Reihe mit "Witwe für ein Jahr", "Owen Meany" oder auch "Das Hotel New Hamphire".

Übertroffen hat sich John Irving nicht. Das geht allerdings auch nicht, wenn man sich mit fast jedem neuen Roman auf höchstem Niveau ohne besonders viel Steigerungsmöglichkeiten nach oben bewegt.
Am liebsten hätte ich die Lektüre des letzten Kapitels des Buches immer weiter und weiter hinausgezögert: Zwar will man natürlich wissen, wie es ausgeht; aber die Aussicht, nach Ende des Romans wohl wieder ca. vier Jahre auf einen neuen Roman von John Irving warten zu müssen, ist doch äußerst unbefriedigend. Von daher: Genießt "Twisted River", wer weiß, wie viele Romane von John Irving noch folgen!

P.S. Meine Bewertung bezieht sich zwar auf die englische Original-Fassung; aber ich gehe einfach davon aus, dass die deutsche Übersetzung ebenso gelungen und vorbildlich geraten ist wie bei den bisherigen Irving-Werken.
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am 3. Oktober 2012
"Letzte Nacht in Twisted River" war der ersten Irving, den ich nicht zu Ende gelesen habe. Bei der Hälfte war Schluss, und die Enttäuschung war bitter. Wie konnte es so weit kommen? Denn eigentlich ist alles wie immer, und viele Zutaten im Buch sind schlicht und einfach Irving und zu schreiben hat er auch nicht verlernt. Warum also?
Hier eine Annäherung: es ist halt zu viel altbekannter Irving. Ringen. Bären. Neu-England. Sex. Aber das wäre es wahrscheinlich auch nicht. Das kennt man von ihm, das will man von ihm.
Aber was nicht gelingt, das ist die sonst so kunstvolle Verschachtelung von in der Gegenwartsform gehaltenen Passagen mit Rückblenden, die Schilderung von Ergebnissen von Handlungen bevor diese geschildert werden. Durch allzuviele Vorwegnahmen fehlt es an entscheidenden Stellen an überraschenden Wendungen - die von der hat man schon viele viele Seiten vorher gelesen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern mangelte es auch an der zentralen Figur beziehungsweise der Identifikationsmöglichkeit mit Danny - er kommt mir nicht nahe genug, um mitzuerleben - und die Miterlebensqualität zeichnet sonst Irivng aus, der selbst schrulligste und merkwürdigste Figuren seinem Leser nahebringen konnte.
Und doch: genügt das, diesen Roman mit einem Seufzen des Bedauerns wegzulegen?
Obendrauf kommt noch larmoyantes Jammern von Iriving durch den ganzen Roman über seine mangelnde Anerkennung als Literat. Wieder und immer wieder darf (oder muss) sein Alter Ego im Roman seine (und damit Irvings) schriftstellerischen Leistungen verteidigen. Diese Abrechnung mit seinen Kritikern steht Irivng nicht gut zu Gesicht - und macht das ganze ungenießbar. Für wen oder was schreibt er denn dieses Buch?
Traurig.
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am 9. Februar 2016
Sich einem Roman von Irving über die Story zu nähern, gestaltet sich meist recht schwierig. Insbesondere wenn dieser fünfzig ereignisreiche Jahre zum Inhalt hat, die ebensowenig geradlinig verlaufen wie der namensgebende Fluss. Selbstverständlich spielt die im Klappentext zusammengeraffte Flucht- und Rachehandlung eine gewichtige Rolle, aber das macht „Letzte Nacht in Twisted River“ nicht aus. Wie so oft bei Irving ist die Handlung nur Mittel zum Erzählen und die Hauptcharaktere deren eigentliche Essenz. Dominic, der Vater, der sein ganzes Leben dem Wohlergehen seines Sohnes widmet. Danny, dem trotz aller Fürsorge das Leben nicht erspart bleibt. Und Ketchum, väterlich-bärbeißiger Freund und moralische Instanz, der sich seine entscheidenden Fehlgriffe niemals wird verzeihen können.

„Letzte Nacht in Twisted River“ kann man wie andere von Irvings Büchern als einen klassischen Entwicklungsroman lesen. Danny wächst auf, geht zum College, entdeckt seine Liebe zum Schreiben und steigt zum bewundernden Bestsellerautor auf. Im Gegensatz zu „Bis ich dich finde“ oder „In einer Person“ ist hier der Fokuspunkt aber weniger scharf auf Danny eingestellt. Dominic ist nicht weniger präsent vorhanden und Ketchum agiert für mich sowieso als der eigentliche Taktgeber der Erzählung. Trotz dieser leichten Abweichung von der Norm ist auch „Letzte Nacht in Twisted River“ ein typischer Irving mit dem dazu passendem Panoptikum an Skurrilitäten der altbekannten Motive. Bären tummeln sich im ganzen Buch, starke ältere Frauen verführen wieder unerfahrene Männer und es gibt mehr Unfälle als man verkraften kann.

Man sollte dieses Buch vielleicht besser nicht lesen, wenn man zu schwermütigen Grübeleien neigt. Dominic und vor allem Danny sind nahezu besessen von der ständigen Angst vor dem Verlust geliebter Menschen. Dass diese dann auch eintreten, ist nur konsequent erzählt. Seit ihrer jeweiligen Jugend erleiden sie Verletzungen, deren Narben niemals vollständig heilen werden. Als Reaktion darauf ziehen sie über weite Strecken die Einsamkeit vor, anstelle abermals Schmerz erdulden zu müssen. Trotz all dieser Schicksalsschläge und Enttäuschungen ist „Letzte Nacht in Twisted River“ aber kein durchgängig trauriges Buch. Die Wärme zwischen den Personen und die Erfordernis, das Leben so anzunehmen wie es kommt, machen es zu einer melancholisch tröstenden Erfahrung.

Um diese Erfahrung zu machen, bedarf es jedoch Irving-untypisch etwas Durchhaltewillen. Verschiedene zeitliche Ebenen und zahlreiche Ortswechsel haben mich hier und da verwirrt zurück gelassen. Irving frönt wie nie seiner Vorliebe für kleine, in sich abgeschlossene Anekdoten, die zwar den Grundtenor unterstützen, die Lesbarkeit jedoch erschweren. Die Einflechtung der Ereignisse von 9/11 und des daraus resultierenden Krieges gegen den Terror wirken beispielsweise arg bemüht. Wollte Irving verspätet politische Stellung beziehen oder sollen diese Exkurse tatsächlich der Charakterzeichnung dienen? Man weiß es nicht.

Dass Irving seine Romane gerne mit autobiografischen Einflüssen anreichert, ist bekannt. Dass dies Anlass genug für einige Journalisten ist, hinter jedem verwendeten Motiv eine Kindheitstragödie oder sexuelle Neigung zu entdecken, ist auch nicht neu. Irving wird nicht müde zu betonen, dass in seinen Büchern Fiktion und Realität Hand in Hand gehen. Kann man aber annehmen, dass alles wahr ist, weil ein paar Körnchen nachweislicher Wahrheit enthalten sind? In „Letzte Nacht in Twisted River“ spielt Irving so genüsslich und offen wie nie mit dieser Ambivalenz. Gegen Ende bekommt das Buch dadurch einen verschmitzt humoristischen Einschlag, der ihm gut steht und sich wunderbar mit der Quintessenz verbindet.

Wie in jedem Buch von Irving wachsen einem bereits nach wenigen Seiten die Personen ans Herz. Man lacht und weint mit ihnen und möchte sie vor all dem um sich schlagendem Schicksal beschützen. Dass das nicht gelingt, ist so traurig wie selbstverständlich. Umso schöner und herzerwärmender sind die Reaktionen von Dominic, Danny und Ketchum darauf. Sie bleiben sich treu, erdulden ihr Leid und überschütten ihre Nächsten mit Liebe und Anteilnahme, um daraus ihre Kraft zu ziehen – eine bemerkenswerte Reaktion, die nach Nachahmung schreit.

Viele von Irvings Hauptpersonen ähneln sich, bleiben zwar als Summe ihrer Werte und Eigenschaften, aber nicht als Personen im Gedächtnis haften. Ausnahmen davon sind Garp, Owen Meany und nun – Ketchum. Der kernige Holzfäller aus den Wäldern New Hampshires ist einer der charismatischsten Charaktere, die mir in letzter Zeit untergekommen sind. Dass er die meiste Zeit nicht an der Handlung teilnimmt, sondern nur in Anekdoten lebt und ansonsten seine Meinung per Telefon oder kauzig-skurril per Fax mitteilt, tut dem keinen Abbruch. Ich hoffe auf viele Ketchum-eske Momente in den nächsten Büchern.
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