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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
7


TOP 500 REZENSENTam 5. Mai 2011
Von einer wirklichen literarischen Perle kann man hier wohl kaum sprechen. Auch wenn die ersten und letzten Seiten sehr ansprechend geschrieben sind. Aus Sicht der Grossmutter wird das Leben einer Frau erzählt, der die Kalligraphie den einzigen und wirklichen Lebensinhalt bedeutet, denn mit dem sonstigen Leben ist es eher unbefriedigend. Eine Frau die sich den furchtbaren Männern unterzuordnen hat, und sonst noch so einiges Enttäuschendes erleben wird. Selbst an ihre Söhne kommt sie nicht richtig heran. Für eine Buchbesprechung gibt dieses Buch schlicht zu wenig her. Wer sich hier einen tieferen Zugang zur aussterbenden Kalligraphie erwartet, dürfte enttäuscht werden, denn Yasmina Ghata behandelt es fast als eine Nebensache, in einem Roman, bei dem ich alles andere als einen Zugang bekommen habe. Kalligraphie wird hier als ein Ausdruck Gottes oder eine Vermittlung des Göttlichen verstanden. Eine emotionsarme und durchschnittliche geschriebene Lektüre, auf die man getrost verzichten kann. Ein Schreibstil der nicht besonders ist, ein Buch das zwar von manchen als "schön" empfunden wird, aber als Leseerfahrung wenig zu bieten hat, somit ist dieses Buch alles andere als eine Bereicherung, wenn man von einzelne Seiten absieht. Das einzige was ich hier als lesenswert empfand, wie die Ich-Erzählerin über ihren eigenen Tod erzählt, nur tut sie dies in nur ganz wenigen Seiten. Schade. Wie man solche Bücher mit 5* bewerten kann, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Auf die Lektüre dieses Buches hätte ich getrost verzichten können.
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am 9. März 2008
Im Jahr 1928 ersetzte die türkische Republik unter maßgeblicher Führung von Kemal Atatürk die Jahrhunderte lang herrschende arabische Schrift durch eine abgewandelte Version des lateinischen Alphabets. Für die türkische Gesellschaft, islamisch geprägt über eine lange Zeit, war dies zusammen mit der gleichzeitigen Trennung von Staat und Religion und der Einführung eines vom Militär streng überwachten Laizismus ein Schock, zumal dieser Prozeß nicht unbedingt demokratischen Leitlinien folgte.
Das Ergebnis allerdings war, dass die Türkei sich entwickelte, Anschluß gewann an die industrielle Entwicklung Europas und nun sogar vor den Toren Europas auf die Aufnahme in die EU hofft. Der Historiker Dan Diner hat unlängst in einem für das Verständnis der gegenwärtigen islamischen Welt unverzichtbaren Buch mit dem Titel "Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt" (List Verlag 2007) darauf hingewiesen , dass neben anderen Faktoren das Festhalten am religiös aufgeladenen Arabischen und die fehlende Säkularisierung der Sprache und der Kultur ein wesentlicher Grund darstelle für die extreme Rückständigkeit der arabischen Welt. Und er hat für die Zukunft keine besonders optimistischen Erwartungen: "Die Entwicklung, die im Westen mit der Erfindung des Buchdrucks anhob und durch die Renaissance und Reformation beflügelt wurde, konnte in den muslimischen Ländern arabischer Sprache durch die Beständigkeit des Sakralen aufgehalten werden. Diese Entwicklung nachzuholen ist ein herkulisches Unternehmen zukünftiger Generationen."

Yasmine Ghata, 1975 in Frankreich geboren, arbeitet als Expertin für islamische Kunst. So ist ihr dieses Buch über ihre Großmutter Rikkat nicht nur ein biographisches Anliegen, sondern sie beschreibt die Leidenschaft, ja Besessenheit von Menschen, die sich, religiös berufen wähnend, einer Kunst und einem Leben hingeben, das im Westen eher an eine mittelalterliche, klösterliche Schreiberexistenz erinnert.

Atatürks Revolution beraubte die Kalligraphen ihrer traditionellen Glorie. Yasmina Ghata gibt einer der wenigen Frauen in der im wesentlichen Männern vorbehaltenen Zunft der Kalligraphen ihre Stimme zurück. Rikkat erzählt ihr Leben, von ihren beiden unglücklichen Ehen. Sie erzählt von ihrem lebenslangen, leisen Kampf gegen die Vorherrschaft der Männer, und ihrer an Besessenheit grenzenden Leidenschaft für die Kalligraphie, der Kunst der schönen Schrift, die Schreibern und Lesern religiöser Texte über das Bilderverbot des Koran hinweghalf.

Von ihrer Umgebung und dem Geschehen in der Welt bekommt Rikkat wenig mit. Wie sollte sie auch, ist sie doch mit ihrer Leidenschaft für diese aussterbenden Kunst so sehr der verklärten Vergangenheit verhaftet, dass sie nicht wahrhaben kann, was sich durch den Buchdruck wirklich verändert hat.

Wie Yasmine Ghata allerdings diese Kunst, ihre Geister und Geheimtinten, ihre besonderen Schreibfedern und das Wirken der verstorbenen Lehrer im Leben ihrer Schüler beschreibt, ist von großer sprachlicher Schönheit.
Und so ist das ganze Buch ein Symbol für die Zwischenexistenz vieler moderner Muslimas, zwischen den wertvollen Traditionen ihrer Kultur und der säkularen Welt des Westens, wo sie aufgewachsen sind und leben.

Ein schönes, ein fremdes Buch, das man mit einer gewissen Ehrfurcht aus der Hand legt und dem Gefühl, dass absolut notwendige Säkularisierung ( siehe Dan Diners Buch) aber auch große, unwiederbringliche Verluste zu beklagen hat.
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am 2. Oktober 2007
Die Geschichte beginnt mit der Schilderung des eigenen Todes und endet mit einer Beschreibung der Loslösung von der Lebenslust. Denn die Passion für das Schreiben erlöscht bei der Kalligraphin erst, als das zunehmende Zittern der betagten Hand der 83 jährigen Rikkat Kunt den Abschluss einer grossen Lebensphrase ankündigt.

Dazwischen lesen wir in grossen Bögen vom bewegten Leben einer Frau, die sich in der sich ständig verändernden türkischen Gesellschaft für eine Berufung entscheidet und eine männlichen Beruf ausübt. Für Rikat ist der Ausdruck in Arabesquen und das Nachempfinden von Suren des Korans weit befriedigender und erfüllender, als eine Anpassung an dominiersüchtige Männer und geschichtliche und gesellschaftliche Realitäten.

Die Autorin Yasmine Ghata hält für uns die grossen Erzählbögen dann an, wenn Sie uns in kurzen Episoden in die Empfindungen einer grossen Künstlerin eintauchen lässt. Wie von Geisterhand, von den alten Meistern und Lehrern, ist sie geführt, wenn Sie die Federn rüstet, die Tinte aufsaugt und in kunstvollen Bewegungen über das Papier führt.

Die Erzählbögen werden auch dann kurzum gestoppt, wenn wir Leid und Freud der Mutter nachempfinden, wenn wir in die Briefwechsel mit ihrem nach Libanon ausgereisten und später in Frankreich studierenden Sohn Einblick haben. Dann lesen wir im Moment und verstehen. Grossartig.
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am 21. Mai 2007
Yasmine Ghata Die Nacht der Kalligraphen

Meridiane Ammann ISBN 3250600865

Ungewöhnlich beginnt diese kleine Erzählung von Yasmine Ghata.
Rikkat, eine berühmte türkische Kalligraphin, beginnt mit dem Bericht über ihren eigenen Tod, um dann über ihr Leben zu erzählen.

Sie war eine der wenigen weiblichen Kalligraphinnen in Istanbul, denn diese Arbeit war eigentlich den Männern vorbehalten.

Kalligraphen sind Protokollanten der Worte Gottes, hier des Islam. Sie waren Priestern gleich gestellt, umgeben von einem Nymbus der Heiligkeit und ausgestattet mit Rezepturen für ihre kalligraphischen Arbeiten wie Tinte, Feder und Vorbereitung des Papiers, die nur Eingeweihte durch die Überlieferung kannten.

Die Erzählung beginnt geheimnisvoll. Manches klingt wie ein Traum, so als sei die Kunst von göttlicher Eingebung beflügelt.
Derwischen gleich erscheinen die Toten den Lebenden, um sie zu belehren.

Mit Attatürk veränderte sich die Türkei. Die arabische Sprache wurde abgeschafft und die traditionelle Kunst der Kalligraphie verlor an Bedeutung.

Umso aufregender ist die Geschichte von Rikkat, die mit außergewöhnlichen Gaben beschenkt war und in stiller aber überschwänglicher Liebe für diese Kunst wie geschaffen schien. Sie durfte als einzige weibliche Lehrerin diese Kunst unterrichten.

Was wie eine Geschichte der Mystik beginnt, geht über in eine ganz reale Lebensgeschichte mit dramatischen und widersprüchlichen Gegenwartsbezügen.
Da geht es um Ehen ohne Liebe, Abschiede und Trennungen, die den ganz alltäglichen irdischen Schmerz heutiger Lebensgeschichten widerspiegelt. Damit leitet die Autorin über in die heutige Welt, in der es in der Türkei neben der Zwangsheirat die Ehescheidung und den Kampf um Kinder gibt. Diese Passagen sind ungewöhnlich liebevoll und empfindsam geschrieben.

Yasmine Ghata hat mit ihrem Roman vor allem ihrer Großmutter ein Denkmal gesetzt, einer der wenigen Kalligraphinnen der türkischen Geschichte.
Ghata schreibt eine blumenreiche und poetische Sprache, die zunächst dem Inhalt nach befremdlich wirkt. Die Informationen über islamische Kunst und die Kalligraphie macht neugierig und man möchte mehr darüber erfahren.

Dieses Buch öffnet Türen, sich der Welt des Islam abseits vom politischen Alltag einmal ganz aus der Sicht der Kunst zu nähern. Ein schönes, lesenswertes und Völker verbindendes kleines Buch, das man dem interessierten Leser gerne empfehlen möchte.
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am 28. Februar 2008
Yasmin Ghata erzählt in eindringlichen Worten die Geschichte ihrer Großmutter, einer türkischen Meister-Kalligraphin. Das Buch hat etwas mystisches, verzaubertes, obwohl die Lebensumstände manches mal recht deprimierend sind. Es ist eine eigenartige orientalische Zauberwelt in die sie den Leser mitnimmt.

Es handelt auch von der Türkei zwischen Orient und westlicher Lebensweise, zwischen der Tradition und der Moderne. Es zeigt auch, dass sich Veränderungen nicht erzwingen lassen, wie sich ja gerade heute auch wieder zeigt. Rückschritte sind möglich, wie man an manchen Türken in Deutschland und der Kopftuchdiskussion sieht. Ein Werk bei dem man traurig ist, wenn man die letzte Seite umschlägt.

Wunderschönes Buch voller Poesie, Zauber und Schönheit in graues Leinen gebunden - mit einem Titelbild von Shirin Neshat.

Am besten gleich zweimal kaufen: eins zum verschenken und eins zum behalten!
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am 7. März 2007
Hier wird die Lebensgeschichte der türkischen Großmutter der Autorin erzählt. Sie war eine der wenigen Kalligraphinnen in einer von Männern dominierten Zunft. Die Geschichte bringt einem die besondere Beziehung nahe, die Rikkat zur Kalligraphie, zu ihrem Schreibwerkzeug und zu ihrem Lehrer hat, der sie über seinen Tod hinaus begleitet. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, - die Sprache ist sehr poetisch, fein, hat mich sehr berührt und man kann sich sehr gut in die fremde Kultur aber auch in das persönliche Leben von Rikkat, der Kalligraphin hineinversetzen. Ein ruhiges, feines, leises Buch, das einen ganz sanft gefangennimmt.
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am 20. März 2013
Wer sich für den Übergang vom Osmansichen Reich zur Republik interessiert, findet diese Zeit hier schön beschrieben. Aus dieser Lebensgeschichte kann man sehen, dass "die Orientalin" nicht so unterwürfig ist, wie manche glauben. Sie geht ihren Weg, durch alle Wirrungen und Irrungen....
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