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am 27. Dezember 2009
Der Autor schickt den Leser auf eine Zeitreise. Ein gelungenes Buch über Orte und Ereignisse in der österreichischen Geschichte, die nicht in jedem Geschichtsbuch stehen. Die Inhalte werden auf bemerkenswerte Art und Weise sehr anschaulich vermittelt.

Johannes Sachslehner wirft in seinem Vorwort 'Erinnern wir uns zu viel?' folgende Fragen auf, über deren Beantwortung man sich im Zuge der Lektüre auch so seine eigenen Gedanken machen wird: Wer sind wir Österreicher? Welche Assoziationen und Emotionen bestimmen unsere Identität? Welche Gedenkfeiern und Denkmäler, welche Mythen und Rituale, welche materiellen und ideellen Erinnerungsorte bilden zusammen das Netz des kollektiven Gedächtnisses der 'österreichischen Nation'? Er stellt auch die Frage danach, woran wir uns denn nun tatsächlich gemeinsam erinnern und ob wir überhaupt eine 'erinnerungsfreudige' Gesellschaft sind oder ob es uns eher nicht liegt uns zu erinnern und wir eher Verdrängen und Vergessen.

Kritik zu üben fällt mir bei diesem Buch sehr schwer, da ich viel Neues und Interessantes über Österreichs bewegte Geschichte durch die Lektüre erfahren habe, die Illustrationen und auch die Qualität des Papiers sehr gut sind und es mir, im Nachhinein betrachtet, im Geschichtsunterricht in der Schule gefehlt hat. Hätten wir ein Geschichtsbuch gehabt, welches nur annähern so spannend und lehrreich gewesen wäre, wäre es mir wohl um vieles leichter gefallen, mich für Geschichte zu interessieren. In diesem Zusammenhang würde ich anregen, dieses Buch als Grundlage für ein neues Unterrichtsfach an österreichischen Schulen zu verwenden: Unterrichtsfach - 'Österreichische Geschichte'.

Fazit: Schicksalsorte Österreichs ist das erste, aber ganz bestimmt nicht das letzte Werk, welches ich von Johannes Sachslehner gelesen habe. Das Vorhaben des Autors, "ein unterhaltsames und informatives Lesebuch zu schaffen, welches Anstoß zu kritischer Erinnerungskultur und lebendigem Geschichtsbewusstsein geben sollte", hat er in großartiger Art und Weise umgesetzt! Absolut gelungen! - Absolut lesenswert!
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TOP 500 REZENSENTam 23. November 2009
"Nicht jeder Deutsche ist ein Österreicher, aber jeder Österreicher ist ein Deutscher", tönten die Nationalliberalen in der 1848er Revolution. Das ist lange her, und heute ist Österreich längst ein eigener Staat - aber ist es auch eine eigene Nation"?
Johannes Sachslehner, der diese Frage in der Einleitung zu dem vorliegenden Buch aufwirft, will diese Frage nicht ad hoc beantworten, macht aber einen interessanten Vorschlag zu ihrer Neudefinition. Nation, so Sachslehner in Anlehnung an französischen Soziologen Maurice Halbwachs, besitzt immer auch eine topologische Dimension, d.h. sie ist als Hort gemeinsamer Erinnerungen immer auch an bestimmte Orte gebunden. Das Thema des Buches, die Suche nach solchen Schicksalsorten Österreichs", ist somit auch ein Beitrag zur Selbstvergewisserung der so genannten österreichischen Staatsnation.
Der Leser kann also mit dem Buch in der Hand durch Zeit und Raum der österreichischen Geschichte reisen, und was er dabei erfährt, ist kurzweilig und informativ - aber keineswegs immer erfreulich Der Autor widersteht jeder Tendenz zur retrospektiven Heroisierung , d. h. Erhabenes und Tragisches, Heldentum und Schuld sind wie in der Geschichte aller Völker gut durchmischt. Die Auswahl der Orte ist eigenwillig, verbindet aber auf recht gelungene Weise Weltgeschichte und lokale Historie, eine Kombination, die für sich betrachtet geradezu ein Erkennungszeichen der österreichischen Geschichte darstellen dürfte.
Die historische Reise beginnt nach einer kurzen Einleitung, die die Ursprünge Österreichs am Ende des 10. Jhdts. mit der berühmten Haft des englischen Königs Richard Löwenherz auf Burg DÜRNSTEIN in der Wachau(1191) und setzt sich fort mit dem Drama der Schlacht von DÜNKRUT und dem Untergang Ottokars von Böhmen (1278). Es folgen zwei Schicksalsorte, deren Erinnerung eher beschämt, nämlich der "Ketzerfriedhof von STEYR", wo ein durchgeknaller Inquisitor im Jahre 1397 Hunderte von Waldenser verbrennen ließ und der JUDENPLATZ von Wien, in dessen Umkreis die 1420/1 die Wiener Judengemeinde in einem schrecklichen Pogrom unterging. Fünfter Schicksalsort ist natürlich der STEPHANSDOM, in dem 1515 Erzherzog Ferdinand die ungarische Königstochter Maria ehelichte, womit der Grundstein für die schicksalhafte Verbindung Österreichs und Ungarns gelegt wurde. Ein kurioses aber weltberühmtes Detail aus dem Dreißigjährigen Krieg behandelt das Frankberger Würfelspiel von 1621, wo Todgeweihte in HAUSHAMERFELD um ihr Leben würfeln mussten. Allein drei Beiträge (MOGERSDORF, PERCHTOLDSDORF und KAHLENBERG) sind dem Kampf der Habsburger gegen die Türken im 17. Jhdt. gewidmet. Auch der Spanische Erbfolgekrieg, in dem Österreich entgültig zur Großmacht aufstieg, ist gleich mir zwei Geschichten vertreten: dem Kampf der Tiroler an der PONTZLACHER BRÜCKE 1703 und dem Kuruzzenüberfall in ZISTERDORF 1706. Einer der interessantesten Beiträge des Buches beschäftigt sich am Beispiel SCHWARZACHS mit der Austreibung der Protestanten aus dem Erzbistum Salzburg im Jahre 1731, ein erzwungener Exodus, der das Salzkammergut demographisch und kulturell schwer schädigte und keinen anderen Effekt hatte, als das Aufnehmerland, den späteren Rivalen Preußen, zu stärken. Maria Theresia ist erstaunlicherweise mit keinem Schicksalsort vertreten, stattdessen springt der transhistorische Express gleich weiter zu den napoleonischen Kriegen und erinnert an den Aufstand Andreas Hofers in BAD ISEL (1809) und im längsten Beitrag des Buches an den Sieg der Österreicher in der Schlacht von ASPERN (ebenfalls 1809). Der Wiener Kongress, die Revolution von 1848, der Sturz Metternichs, die Rückeroberung der Stadt durch Windischgrätz sind in dem Buch nicht vertreten, stattdessen setzt das Buch erst fast ein Jahrhundert später mit gleich zwei Orten wieder ein - mit HAINFELD, wo 1889 die Sozialdemokratische Partei Österreichs gegründet wurde und führt anschließend nach MAYERLING, wo im gleichen Jahr der Thronfolger Erzherzog Rudolf mit seiner Geliebten in den Freitod ging. Ein letzter Blick auf die todgeweihte Monarchie bietet der Ausflug nach BAD ISCHL. wo Kaiser Franz Josef im Juli 1914 das verhängnisvolle Ultimatum an Serbien unterzeichnete. Mit der Flucht Kaiser Karls I aus SCHÖNBRUNN endete nur vier Jahre später die über sechshundertjährige Herrschaft der Habsburger in Österreich.
Am Beispiel von SCHATTENDORF (1927) und LEOBEN (1934) werden die bürgerkriegsähnlichen Wirren in der ersten österreichischen Republik eindringlich vorgeführt - da rückt bereits die deutsche Reichswehr 1938 in Österreich, ein und Hitler verkündet auf dem HELDENPLATZ VON WIEN den sogenannten Eintritt seiner Heimat in der Deutsche Reich. Damit betritt der Autor eine durchaus heikle Epoche des österreichischen Selbstverständnisses, denn von einem entschlossenen Widerstand der Österreicher gegen ihren Eintritt ins III. Reich ist historisch wenig bekannt. Österreich "verschwindet" gleichsam im Großdeutschen Reich und wird ebenso wie alle andere Territorien in die Todesmaschinerie des Nationalsozialismus eingespannt. Der Wiener ASPANGBAHNHOF, von dem die Deportationen in die Todeslager fuhren, das KZ MAUTHAUSEN Schloss RECHNITZ, wo sich in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges ein abscheuliches Massaker ereignete, gehören leider auch zur österreichischen Geschichte. Mit dem Staatsvertrag im BELVEDERE von 1955 und der Brücke von ANDAU, über die die Ungarnflüchtlinge 1956 in den Westen flohen, endet das Buch.
Wie man sieht, eine stolze Reihe von Schicksalsorten, die ganz unterschiedliche Schlaglichter auf Österreich werfen. Aber keine Angst, die einzelnen Geschichten sind jede für sich anschaulich, oft sogar mitreißend erzählt, und wer Freude an einer edlen Aufmachung von Druck und Bild hat, kommt bei dem vorliegenden Buch voll auf seine Kosten Ein ideales Geschenk für alle Freunde Österreichs, zugleich auch als Einleitung in den Werdegang unseres alpenländischen Nachbars zu lesen, von dem wir aber am Ende immer noch nicht wissen, ob er nun eine Nation repräsentiert oder nicht.
Wenn man an dem gelungenen und lesenswerten Werk überhaupt Kritik üben wollte, dann könnte man allenfalls fragen, warum auf die Darstellung eines geradezu weltgeschichtlichen Schicksalsortes aus dem Jahre 1989 verzichtet wurde, als an der ungarisch-österreichischen Grenze zwischen Eisenstadt und Sopron der eiserne Vorhang fiel. Aber das kann ja in der zweiten Auflage nachgeholt werden.
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Schon in Johannes Sachslehners erstem Band über die "Schicksalsorte Österreichs" war absehbar dass sich selbst die Wendepunkte der österreichischen Geschichte schwer in nur einem Buch zusammenfassen lassen. Dabei bediente sich Sachslehner damals noch eines Tricks, nämlich indem er sich auf Schicksalsorte beschränkte die auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich liegen. Im zweiten Band seiner "Schicksalsorte Österreichs" spürt der Historiker nun jenen schicksalsträchtigen Orten nach die heute außerhalb Österreichs liegen. Dabei hat Sachslehner für diesen Band ein besonderes Metathema gewählt, nämlich die dunklen Seiten der Geschichte Österreichs. Jene "schändlichen" Ereignisse und Taten die in den österreichischen Geschichtsbüchern meist auf Randnotizen reduziert sind, um sich leichter von ihnen distanzieren zu können. Auch wenn diese in Österreich eher in Vergessenheit geraten sind, so stellen sie für die betroffenen anderen Nationen oft nationalen Traumen dar. Das wenig ruhmhafte der österreichischen Geschichte steht damit im Mittelpunkt. Zugleich bleibt dennoch eine Menge an Schicksalsorten ausgespart (etwa Frankfurt 1848 oder Berchtesgarden 1938) die genügend Material für einen dritten Band bieten würden.

Indem Sachslehner für "Schicksalsorte Österreich 2" gezielt versucht hat eine österreichische Geschichte vom Mittelalter bis in die Nachkriegszeit nur mit Orten im heutigen Ausland auszukommen, finden sich auch einige eher unbekannte Schicksalsorte jüngeren Datums in der Zusammenstellung. Etwa das zwischen 1938 und 1945 zum Sammelpunkt für die geflüchtete KPÖ-Führung gewordene Hotel Lux in Moskau oder auch die Geschichte der in der Kolyma-Region zwischen 1936 und 1956 Internierten. Auf den ersten Blick überraschend ist zum Teil auch die Erwähnung der Schlacht um Stalingrad (19.11.1942-1.2.1943) welche nicht bloß für den Niedergang des Dritten Reichs und damit die Wiederauferstehung Österreichs von Bedeutung ist, sondern auch weil, wie Sachslehner erklärt, das in der Wehrmacht aufgegangenen österreichische Bundesheeres dabei weitgehend ausgelöscht wurde.

Ein Ereignis das man schon in Band 1 hätte erwarten können und vielleicht als Bezugspunkt für eine etwaige Aufarbeitung der Revolution von 1848 und des Berchtesgardener Abkommens 1938 dienen könnte ist die für Österreich schicksalshafte Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866. Jener Tag an dem die Habsburgermonarchie sich aus dem Deutschen Bund zurückziehen und ihre noch aus den Zeiten des Heiligen Römischen Reichs herrührende Vormachtstellung endgültig aufgeben musste.

Den Untergang des Habsburgerreichs illustriert Sachslehner im vorliegenden Werk vor allem anhand der gezielten Bekämpfung der nationalen Bewegungen wie in Italien. Beispielhaft vorgeführt durch die Bedeutung der Festung Spiegelberg in Brünn, welche von 1784 bis 1846 als Völkerkerker der Donaumonarchie galt und zur zeitweiligen Heimat vieler politischer Häftlinge des Kaiserhauses wurde. Bezeichnenderweise war es auch der stets um Effizienz bemühte Joseph II. unter dessen Herrschaft die Haftbedingungen derart erschwert wurden, dass sein Nachfolger Leopold II. viele dieser "aufgeklärten Reformen" zurücknehmen musste, um ein Massensterben der Inhaftierten zu vermeiden. Auch der Tod des Kaiserbruders Maximilian (als Kaiser Mexikos von Gnaden Napoleons III. wurde er am 19. Juli 1867 von den mexikanischen Republikanern in Cerro de las Camapanas, Queretaro exekutiert), der in Was wäre wenn-Spekulationen gerne als besserer Kaiser denn Franz Joseph proklamiert wird, findet in Schicksalsorte 2 eine Aufarbeitung.

Den finalen letzten Akt im Untergang der alten Monarchie bildet schließlich die Ermordung Erzherzog Franz Ferdinands am 28. Juni 1914 in Sarajevo. Der erste Weltkrieg ist schließlich als Kristallisationspunkt des Untergangs der Monarchie mit gleich vier Ereignissen vertreten. Von der Winterschlacht in den Karpaten über die Exekution des in die italienische Armee eingetretenen Reichsratsabgeordneten Cesare Battisti am 12. Juli 1916, den verlustreichen Berkrieg in Pascubio bis zum Schluss des Waffenstillstandes in der Villa Gusti. Den Abschluss wenn man so will, bilden allerdings die von Sachslehner geschilderten Verhandlungen von Saint-Germain-en-Laye am 10.9.1919.

Am Beginn des Werks stehen allerdings noch vermehrt jene Schicksalsorte Österreichs, die zu eben solchen für andere Nationen wurden. Was Königgrätz für Deutschland das ist Sempach für die Schweiz. Jene Schlacht die über den Rückzug der Habsburger aus ihren Schweizer Stammlanden entschied und mit dem Tod Leopold III. am 9. Juli 1386 einherging findet in der österreichischen Geschichte für gewöhnlich nur kurz Erwähnung und wird meist der eigenständigen Geschichte des Habsburgerreichs zugerechnet, für die Schweizer Geschichtsschreibung ist sie jedoch zum Nationalmythos geworden. Ähnlich verhält es sich mit der Schlacht am Weißen Berg nahe Prag (8.11.1620), nur dass die protestantischen tschechischen Stände welche mit dem "Winterkönig" Friedrich von der Pfalz Kaiser Ferdinand II. die Wenzelskrone abspenstig gemacht hatten die Schlacht verloren und die Rache des Kaisers in Kauf nehmen mussten. Dieser hat Sachslehner im Kapitel zum Altstädter Rathaus in Prag (21. Juni 1621) ein Denkmal gesetzt. Im Zuge der Reformation und des Beginns einer gewaltsamen Rekatholisierung der Habsburger Besitzungen kam es auch zur "ungarischen Tragödie" von Eperies/Presov (1687) wo der flammende Katholik und Johanniterritter General Graf Antonio Caraffa (dessen Onkel als päpstlicher Nuntius schon nach der Schlacht am Weißen Berg in Böhmen sein Unwesen trieb und der Papst Paul IV. auf seinem Stammbaum nachweisen kann) aus wirtschaftlichen und ideologischen Gründen ein Tribunal errichtete mit dem er die Bevölkerung zu terrorisieren begann und schlussendlich den Bogen soweit überspannte dass er abberufen wurde.

Bezeichnend für die Unterdrückung der Protestanten durch das Erzhaus ist auch Kaiser Ferdinand I. Kampagne gegen die Wiedertäufer in Tirol. Im Kapitel zum "Goldenen Dachl, 25.2.1536" findet diese ihre Aufarbeitung. Denn vor diesem fand der Wiedertäufer-Anführer Jakob Hutter an jenem 25. Februar des Jahres 1536 am Scheiterhaufen sein Ende. Den Dreißigjährige Krieg resümiert Sachslehner wiederum weitgehend im Zuge des Kapitels zur Ermordung des kaiserlichen Feldheern Wallenstein in "Eger (Cheb) am 25.2.1634" wo der kranke, abgesetzte und kriegsmüde Feldherr einer mörderischen Intrige seines Generals Piccolomini zum Opfer fiel, der ihm beim Kaiser mit der Unterstellung, von Umsturzplänen und Absichten sich den protestantischen Truppen anzuschließen, in Verruf gebracht hatte.

- Resümee -
Wie schon Band 1 der Schicksalsorte Österreichs beweist Johannes Sachslehner auch in dessen Fortsetzung sein Talent Geschichte prägnant und durch Beispiele auch gut lesbar zu vermitteln. Denn in die Berichte von jedem dieser Schicksalsorte Österreichs lässt Sachslehner sein Wissen um die Vorgeschichte und Nachwirkungen dieser Ereignisse einfließen. Etwas das er schon in den Chroniken "Wien anno 1683", "Der Infarkt - 28. Oktober 1918" und "Napoleon in Wien" anschaulich demonstriert hat. Dazu gesellt sich ein angenehm zu lesender Erzählstil, durch den sich die Lektüre sehr lebendig gestaltet.

[Diese Rezension basiert auf einem kostenfreien Rezensionsexemplar]
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HALL OF FAMEam 18. Januar 2011
Nach "Schicksalsorte Österreichs" (Styria Verlag Wien-Graz-Klagenfurt 2009) mit Erinnerungsorten in Österreich hat Johannes Sachslehner in Schicksalsorte Österreichs - Band 2" (Styria Verlag Wien-Graz-Klagenfurt 2010) nunmehr Erinnerungsorte Österreichs im Ausland beschrieben. Seine Beiträge über 18 für Österreich schicksalsträchtige Orte im Ausland sollen - wie der Autor erläutert - die Kraft in sich tragen, nicht nur neugierig zu machen, sondern auch aufzurütteln, sich mit dem zu beschäftigen, was hinter dem Mythos, hinter den Legenden, hinter den Geschichten und oft auch hinter den Halbwahrheiten steckt. Blass kniet der Patriot" ist der Titel des ersten Kapitels über die Schlacht bei Sempach, bei der die mächtigen Habsburger 1386 die Herrschaft über ihr Stammland im Herzen der Schweiz verloren - für die Schweiz ein Mythos und eine National-Legende. Unmittelbar zusammen hängen die beiden Kapitel Ein schwarzer Tag für Böhmen" und Habsburgs blutige Rache". Der 8. November 1620 - noch am Anfang des 30jährigen Krieges - war für Böhmen insofern ein schwarzer Tag als böhmische Rebellen am Weißen Berg eine Niederlage erlitten. Ihm folgte der 21. Juni 1621, an dem die habsburgische Vergeltung durch 27 Hinrichtungen vor dem Altstädter Rathaus in Prag nahm. Auch mit Böhmen zu tun hat das Kapitel Wallensteins Tod" in Eger (Cheb) am 25. Februar 1634 - mitten im 30jährigen Krieg. Die Welt stürzt ein!" beschäftigt sich mit Königgrätz, wo am 3. Juli 1866 die Österreicher von den Preußen geschlagen wurden. Tod am Glockenhügel" stellt kurz die Herrschaft von Kaiser Maximilian von Mexiko, des Bruders von Kaiser Franz Joseph, und seinen Tod in Querétaro am 19. Juni 1867 dar. In den Fakten und Mythen der Schüsse, die die Welt verändern" wird der Mord an Kronprinz Franz Ferdinand in Sarajewo, dessen Vorgeschichte und Folgen beschrieben. Weitere Schicksalsorte sind u.a. der Pasubio im, die Villa Giusti am Ende und Saint-Germain-en-Laye nach dem 1. Weltkrieg. Im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg werden als Schicksalsorte das Hotel Lux in Moskau (Ratten und Revolutionäre") und Stalingrad Das Ende an der Wolga" behandelt. Wie schon im ersten Band wird bei all diesen Orten das vorgestellt, was für Österreichs Schicksal von Bedeutung war - und auch heute noch ist. Alle Kapitel sind spannend und quellentreu, vielfach kritisch und fördern in jedem Fall das Geschichtsbewußtsein der Leser.
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HALL OF FAMEam 9. Januar 2011
Mit "Schicksalsorte Österreichs" (Styria Verlag Wien-Graz-Klagenfurt 2009) hat Johannes Sachslehner weniger die Schicksalsorte Österreichs als vielmehr die Orte in Österreich beschrieben, die mit einer Erinnerung an vergangene Geschehnisse verbunden sind. Diese Geschehnisse in den beschriebenen Orten fanden vom Mittelalter bis in die Neuzeit statt. Eingeleitet wird das Buch mit Essay zur (österreichischen) Landschaft und zu (österreichischen) Orten. Die Verbindung von Geschehnis und Ort beginnt mit dem Kapitel "Das Geschäft mit Richard Löwenherz" (Dürnstein, 1193) und beschreibt die Gefangennahme, die Verhandlungen über ein Lösegeld, dessen Zahlung und schlußendlich die Freilassung von Richard Löwenherz, ein Kapitel, das die meisten Leser noch aus ihrer Schulzeit kennen. Das Kapitel "König Ottokars Glück und Ende" (Dürnkrut/Jedenspeigen, 1278) erinnert an die Entscheidungsschlacht zwischen dem Premysliden Ottokar und dem Habsburger Rudolf, die den Tod Ottokars zur Folge hatte und der Beginn des Aufstiegs des Hauses Habsburg war. Auf das Schicksal von über 100 ermordeten Männern und Frauen aus den Waldensergemeinden der Eisenwurzen geht das Kapitel "Opfer der Inquisition" (Steyr, 1397) ein. Das letzte mittelalterliche Kapitel erinnert an die "Geserah", eine Judenverfolgung und -vernichtung unter Albrecht V. (Wien, 1420/21). Weitere Kapitel - schon aus der Neuzeit - behandeln u.a. das Frankenburger Würfelspiel (Haushamerfeld, 1625), den ersten Sieg der kaiserlichen Armee über die Osmanen in offener Feldschlacht (Mogersdorf/St. Gotthard, 1664), die entscheidende Niederlage der Osmanen unter Führung von Großwesir Kara Mustafa (Wien/Kahlenberg, 1683), den Sieg der von Erzherzog Carl befehligten kaiserlichen Armee über Napoleon (Wien/Aspern, 1809), die Gründung der Sozialdemokratischen Partei (Hainfeld) und der Tod von Mary Vetsera und Kronprinz Rudolf (Mayerling) 1889 an gar nicht so weit voneinander liegenden Orten. Für Geschehnisse im 20. Jahrhundert gibt es u.a. Kapitel über den Auftakt zum 1. Weltkrieg (Bad Ischl, 1914), die letzten Tage der Monarchie (Wien/Schönbrunn, 1918), den Tod des Koloman Wallisch (Leoben, 1934), Hitler in Wien (Wien/Heldenplatz, 1938), ein Drama am Südostwall (Rechnitz, 1945) und zum Staatsvertrag (Wien/Belvedere, 1955). Spannend und immer um Quellentreue bemüht erzählt der Autor die Geschichte all dieser Orte, welche im Lauf der österreichischen Geschichte von Bedeutung gewesen und auch heute noch präsent sind. "Schicksalsorte Österreichs" ist ein positives Beispiel von kritischer Erinnerungskultur und lebendigem Geschichtsbewußtsein.
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am 28. November 2009
Nach dem Fall der Mauer führte uns unsere erste Urlaubsreise nach Tirol, und der Titel des Buches weckte die Wißbegier, mehr über die Geschichte dieses Grenzraumes deutscher Sprache und Kultur zu erfahren. Die Erwartungen des Lesers werden nicht enttäuscht.

"Schicksalsorte in Österreich" wäre allerdings der richtige Titel, denn Österreich verstand sich über Jahrhunderte als etwas Größeres und die Habsburger trugen sehr lange die deutsche Kaiserkrone. Königgrätz, Austerlitz, Tolmein und viele andere Orte sind ebenfalls Schicksalsorte Österreichs, auch wenn sie heute nicht mehr in seinen Grenzen liegen, andere Orte, in denen über das Schicksal Österreichs entschieden wurde, lagen sogar stets außerhalb.
Die provinzielle Einengung bei der Auswahl der Orte gilt allerdings nicht für ihre Bedeutung. 1683 am Kahlenberg vor Wien ging es um mehr als um Österreich.

Nicht alle ausgewählten Schicksalsorte sind die von Ruhmestaten. Nein, auch Orte von Greueltaten (Pechtelsdorf, Zistersdorf), der Judenverfolgungen in Wien 1420 und erneut 1942, und die Orte, wo 1914 über Krieg und Frieden beschlossen wurde, kamen in die Auswahl.

Die Schreibweise ist sachlich und dennoch packend, Papierqualität und Illustration des Buches sind hervorragend. Am Ende eines jeden geschichtlichen Ortes werden einige Literaturhinweise gegegeben, am Schluß noch einmal eine Seite Literaturangaben. Als Einziges vermißt der Bundesdeutsche eine schematische Karte, die die geographische Lage der ausgewählten Orte angibt.
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Mit seiner Biografie des KZ-Kommandanten Amon Göth ("Der Tod ist ein Meister aus Wien") und seinen sehr detailreichen Chronologienzu Schicksalsmomenten der österreichischen Geschichte wie "Wien anno 1683", "Der Infarkt - 1918" oder "Napoleon in Wien" hat sich Verlagslektor Johannes Sachslehner einen gewissen Ruf verschafft, der gerade auch durch seine in unzählige Sprachen übersetzte Geschenkbücher über Wien und Österreich auch ins Ausland transportiert wird. Dass er sich nun den Schicksalsorten Österreichs zugewandt hat ist dank Sachslehners sehr flüßigen Erzählstil und seinem Talent Geschichte spannend zu vermitteln ein Gewinn.

Schon vom Titel her ist "Schicksalsorte Österreichs" so etwas wie Pflichtlektüre für Österreich-Interessierte, beschäftigt sich das Werk doch explizit eben mit der österreichischen Geschichte und verirrt sich nicht in den dynastischen Verwicklungen der Habsburger. Von Richard Löwenherz Gefangenschaft auf der Burg Dürnstein bis zur Brücke von Andau und ihrer Bedeutung nach dem Ungarnaufstand 1956 spannt Sachslehner den Bogen. Obwohl die damit eigentlich verbundene episodenhafte Erzählweise eine gute Ausrede wäre nur Stücke der österreichischen Geschichte zu präsentieren und damit doch irgendwie einen unvollständigen Eindruck zu erwecken, gelingt es Sachslehner sogar eine gewisse Kontinuität aufzubauen, indem er schon in der Einleitung beginnt die Wurzeln Österreichs im keltischen Erbe des Reichs Noricum auszumachen. Dass er die Geschichte Österreichs dann 1956 abreissen lässt hat aber dann doch durchaus seine Gründe, läge alles weitere schon zu nahe an der Gegenwart.

Auch der Titel ist klug gewählt, wird doch das seit dem 19. Jahrhundert bestehende Problem Geschichte immer aus der Sicht des Nationalstaats zu betrachten umgangen, indem sich Sachslehner bei der Auswahl der Orte allein auf jene beschränkt die nachwievor auf österreichischem Staatsgebiet liegen. Anders wäre ihre Zahl noch deutlich in die Höhe getrieben, was Umfang und Preis des Werks aber auch für manchen Leser uninteressant gemacht hätte. So wie es ist hat es einfach die beste Konsistenz und Sachslehner schafft das Kunststück eine österreichische Historiographie zu entwickeln und diese gleich noch spannend darzubringen. Das sein Literatur/Quellenverzeichnis da manchmal zu wünschen übrig ließe sei ihm deshalb verziehen. Wer sich dennoch für die Problematik der österreichischen Geschichtsschreibung interessiert, sei auf Martin Scheutz und Arno Strohmeyers "Was heißt 'österreichische' Geschichte?" hingewiesen.

Fazit:
Ein überaus gelungenes Meisterwerk von einem Historiker der sich meisterhaft darauf versteht Geschichte spannend, flüßig und vor allem zugänglich zu vermitteln.
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am 30. November 2016
Vorweg zur Klarstellung (da hier offensichtlich Rezensionen zu verschiedenen Ausgaben zusammengeworfen wurden): Meine Bewertung bezieht sich auf das 2016 erschienene Buch "Schicksalsorte Österreichs", welches sowohl in Österreich als auch im (heutigen) Ausland gelegene Orte umfasst.

Der Autor hat dafür 25 Örtlichkeiten ausgewählt, an welchen sich für die österreichische Geschichte prägende Ereignisse zugetragen haben. Von der Gefangenschaft von Richard Löwenherz in Dürnstein bis zur Brücke von Andau, die 1956 vielen Ungarn den Weg in die Freiheit ebnete.
Er schildert den Ablauf der jeweiligen Geschehnisse, erläutert ihre Hintergründe sowie Folgen und lässt oft auch Zitate aus Berichten von Augenzeugen einfließen. Durch letzteres werden die ansonsten eher sachlichen Ausführungen immer wieder lebendig.
Die Darstellungen sind gut lesbar und ermöglichen es, in vergangene Zeiten und historische Zusammenhänge einzutauchen. Nur die Beschreibungen bezüglich des Ablaufs diverser Schlachten hätten für meinen Geschmack etwas weniger ausführlich sein können.
Außerdem wirkt die Auswahl der Orte etwas unausgewogen (aber dies trifft auf die meisten derartigen Werke zu). Mit der sieben Jahre währenden NS-Herrschaft befassen sich vier Kapitel, die 60 Jahre seit 1956 finden dagegen keine Beachtung, obwohl es sicher auch in diesem Zeitraum schicksalsträchtige Ereignisse (z.B. Fall des Eisernen Vorhangs, EU-Beitritt) gegeben hätte.
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am 23. November 2009
Ein Buch,das Neues und auch Altbekanntes bringt, durch die Auswahl von Orten die nicht so bekannt sind wird Neugierde geweckt.Die Erzählung und Beschreibung bleibt nicht nur oberflächlich als eine reine Aufzählung von historischen Fakten sondern geht in die Tiefe der Geschichte. Was zu diesem Ereigniss führte, die Hintergründe und genaue Beschreibung der beteiligten Personen all das wird hier aufgeführt. Dadurch das hier die einzelnen Orte und Geschehnisse durch die genauen Recherchen lebendig werden, ist es ein sehr grosses Lesevergnügen das hier vorliegt. Im Gegensatz zu manch andern hisitorischen Sachbüchern ist der Schreibstil erzählerisch so angelegt das es nicht belehrend wirkt. Es wird hier auf angenehme Weise Wissern vermittelt. Durch die gesamte Gestaltung des Buches, Einband, Bilder, Seitengestaltung wird es zu einem Werk das zum durchblättern und wiederlesen anregt. Besonders gefallen haben mir hier die genauen Orts- und Zeitangaben, mit dem Buch in der Hand kann man eine Rundreise durch Östereich machen und neues entdecken und auf den Spuren der Geschichte unseres Heimatlandes wandeln. Ein weiterer grosser Pluspunkt ist meines Erachtens die wunderbare Bildauswahl,die Einführung des Autors zum Thema Erinnerung regt zum Nachdenken und zu einem bewussten Umgang mit dieser an.
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