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am 28. Mai 2017
Im 2001 veröffentlichten Reclambändchen sind sechs Betrachtungen zu Wirkung und Nutzen der Psychoanalyse auf die Literaturwissenschaft niedergelegt. Eingerahmt von einer Einleitung und einem Nachwort. Es handelt sich um eine redigierte Fassung von Vorlesungen, die der Autor 1971 an der Universität Zürich hielt.
Peter von Matt, inzwischen 80jährig, ist wohl der bedeutendste zeitgenössische Literaturwissenschaftler der Schweiz und im ganze deutschsprachigen Raum hoch angesehen. Dass es sich hierbei um eine „klassische Einführung in die Thematik“ handele wie auf dem rückwärtigen Einband vermerkt, dem kann man nur uneingeschränkt zustimmen. Von Matt ist ein Klassiker und Freud natürlich ohnehin.
Bei Besprechung und Erwägung von Literatur und damit virtueller Lebensentwürfe sind psychoanalytische Kategorien und Mechanismen so selbstverständlich eingebürgert und offenbar unverzichtbar – man braucht nur die Feuilletons der großen Zeitungen und ihre Reaktionen auf Neuerscheinungen zu lesen. An der Berechtigung dessen hat von Matt wenig Zweifel. Wo sie auftauchen, sind sie so besonnen diplomatisch und en passant formuliert, dass man zwischen Lob und Tadel für die Psychoanalyse nicht auf Anhieb unterscheiden kann. Er stellt sich damit in eine große Tradition des absoluten Respekt späterer Freudversteher vor der väterlichen Autorität, denen manche schwerwiegende Implausibilitäten nicht entgangen sind, denen aber trotz aller Korrekturen und Anpassungen das Genie Freuds völlig unbeschädigt erscheint. Von Matt ist sicher nicht so kritisch gesinnt wie etwa Erich Fromm, kritisch genug aber um die Enge und Verzweckung des Freudschen Kunstbegriffes, seine Traditionsgebundenheit nicht zu übersehen. Das liest sich dann in der eleganten Diktion van Matts so: „Freuds persönlicher Begriff vom Kunstwerk bleibt weit hinter dem zurück, was seine Anthropologie für den Kunstbegriff der Moderne bedeutet.“ Dem ersten Teil der Aussage ist gewiss zuzustimmen, denn Freuds Hamlet-Interpretation, seine Ausführungen zu Leonardo da Vinci und Michelangelo wie auch die Arbeit „Der Dichter und das Phantasieren“ gehören schwerlich zum besseren Teil des Freudschen Werkes. Spannend ist allerdings die vorbehaltlose Anerkennung seiner Anthropologie und ihrer Bedeutung für den Kunstbegriff der Moderne. Ein bisschen hat man hier den Eindruck, dass der Literaturfachmann, der auf seinem Ureigensten nicht die Höchstnote geben möchte, auf der angrenzenden, ihm nicht in alle Details vertrauten gern ein überschwängliches Lob erteilt. Freuds Anthropologie ist genau besehen ja keineswegs der Goldstandard, den ihm Geisteswissenschaftler bis heute geben möchten. Seine „wissenschaftliche“ Leistung auf diesem Gebiet ist narrativ beeindruckend, aber eben auch hoch spekulativ. Aus einer empirischen Überprüfung – an der Freud ohnehin ja nie interessiert war – mit den zugegeben teilweise sehr jungen Mitteln der evolutionären Biologie und Biopsychologie würde sie nur sehr beschädigt hervorgehen.

Trotz der oben angedeuteten Beschränkungen ist die kluge und kenntniseiche, glänzend formulierte Vortragsreihe allen thematisch interessierten wärmstens zu empfehlen. Gerade auch wer nicht ohne Vorbehalte gegen die planetare Bedeutung der Freud'schen Lehre für alles Kulturelle der Menschheit in die Lektüre einsteigt, wird Vergnügen und neue Einsichten daran gewinnen wie oberhalb der angreifbaren geläufigen Symbole und Mechanismen eine Art Metapsychoanalyse des unbewegten „Beobachtens“, ein offenes Floaten entworfen wird, dem es gelingt, „Nachdenken“ mit allen seinen beschriebenen Filtermechanismen zu überwinden.
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am 24. Februar 2005
Der Autor hat hier einige heikle Themen aus der Literaturgeschichte erfasst und dabei das im Vorwort angegebene Ziel, naemlich die Literaturwissenschaft wenn nicht zu veraendern, so doch Zeichen und Richtlinien zu setzen, an denen man sich orientieren kann, bis zum Schluss nicht aus den Augen verloren. Er gibt nicht nur Anhaltspunkte im Umgang mit Literatur sondern schafft analytische Schematas im Zusammenhang mit literaturwissenschaftlichen Vorlagen, die einem den Umgang mit Literatur erheblich erleichtern. Hin und wieder verschafft er einem nicht nur das Gefuehl, mehr wissen zu wollen, nein, er erspart dem Leser durch seine scharfsinnigen Analysen und seinen pragmatischen Hilfestellungen oft auch das langwierige Erarbeiten von kulturgeschichtlichen Hintergruenden. Die kurzgefasste Reclam - Ausgabe erspart einem so manche Vorlesung und sollte zur Grundlage jeden psychologischen, analytischen, bzw. soziologischen Studienfaches gehoeren. Kurz: so macht Lesen einfach wieder mehr Spass!
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am 14. August 2009
Das Buch beinhaltet die Vorlesungen, welche von Matt in den 70er Jahren zur psychoanalytischen Literaturwissenschaft hielt. Es werden in ihnen alle, bis dahin relevanten Themen abgedeckt. das heißt jedoch auch, daß das ganze noch sehr Freud-zentriert ist. Modernere Ansätze finden sich (logischerweise) kaum.
Zu empfehlen ist das Buch all jenen, die bereits Grundkenntnisse in psychoanalytischer Literaturwissenschaft haben und diese wissenschaftshistorisch ergänzen möchten.
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