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am 10. Februar 2010
Die Editionswissenschaft beschäftigt sich mit der Art und Weise, in der literarische Texte ihren Weg von der ersten oftmals handschriftlichen Niederschrift des Autors/der Autorin zur Veröffentlichung in Buchform gelangen. Die zentrale Fragestellung liegt hierbei darin, was für einen Unterschied es macht, etwa eine Handschrift unkommentiert und ohne Berücksichtigung von Streichungen oder Vorstufen in eine sog. Leseausgabe zu überfuhren, oder die gleiche Handschrift unter Hinzufügung eines alle Streichungen enthaltenden Handapparates oder gar einer Faksimilierung der Handschrift als kritische bzw. historisch-kritische Ausgabe zu publizieren.
Bodo Plachtas als handliches Reclam-Heft erschienener Einführungsband zur Editionswissenschaft führt Literaturinteressierte und -studierende in diese höchst spannenden, aber oftmals auch im Germanistikstudium zu Unrecht vernachlässigten Bereich der Literaturwissenschaft auf ebenso verständliche wie Interesse weckende Weise ein. Dabei klärt der Band zunächst in aller gebotenen Ausführlichkeit die Grundbegriffe der Disziplin, erläutert Unterschiede zwischen verschiedenen Editionsformen wie etwa Leseausgabe, kritische und historisch-kritische Edition, und zeigt Vor- und Nachteile anhand von Beispielen adäquat auf.
Doch worin liegt überhaupt der Mehrwert einer Beschäftigung mit dieser Thematik? Reicht es nicht aus, sich mit literarischen Texten in ihrer bereits veröffentlichen Form zu befassen? Auch hier gibt Plachta eine auch für Editionsnovizen befriedigende Antwort, indem er sich mit der Textgenese, dem Zustandekommen literarischer Texte befasst und die nötigen Grundlagen hierzu klärt. So erläutert er den Unterschied zwischen sog. Kopfarbeitern, die ihren Text erst nach minutiöser Vorformulierung aufs Papier bringen, und sog. Papierarbeitern, welche sozusagen "drauflos schreiben" und sich vom Prozess des Schreibens selbst zu immer neuen Ideen treiben lassen. Gerade bei letzteren wird so nur allzu deutlich, wie wichtig es ist, die Originalhandschriften bei der philologischen Arbeit an Texten solcher
Autoren zu Rate zu ziehen, und sich auf diesem Wege endgültig von dem Ammenmärchen des abgeschlossenen Werkbegriffs zu lösen, der, wie etwa bei Franz Kafka, schon für so viele unsägliche Über- und Fehlinterpretationen großartiger literarischer Meisterwerke gesorgt hat.
Wie viel lehrreicher, spannender und auch wissenschaftlich seriöser ist es doch, sich anhand der Genese eines Texts geradezu detektivisch in einen Text und seine Aussage hineinzuarbeiten und die ganze Lebhaftigkeit etwa einer Kafka-Handschrift in sich aufzunehmen! Plachtas Band macht genau diese Faszination sehr schön deutlich, ohne jedoch dabei den Duktus des seriös-informativen Einführungsbandes zu verlassen.
Auch weitere Themenkomplexe wie etwa die Rolle der neuen Medien in der Editionswissenschaft des 21. Jahrhunderts macht Plachta zum Thema, wenn auch der Fokus seines Buches wie der editionswissenschaftlichen Forschung überhaupt klar auf der Erforschung der Handschriften der großen deutschsprachigen Autoren aus den Zeiten der handschriftlichen Erstellung von Manuskripten liegt.
Insgesamt kann man Plachtas Band als hervorragende Möglichkeit gerade für Studierende betrachten, dieses hochspannende literaturwissenschaftliche Feld für sich zu entdecken und daraus Rückschlüsse auf alle anderen Teilbereiche der Literaturwissenschaft zu ziehen.
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