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Kundenrezensionen

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am 26. Juni 2006
Eines vorneweg: so ein trauriges und deprimierendes Buch habe ich noch nie gelesen. Jetzt sollte man meinen, warum man ein solches Buch lesen oder gar gut finden sollte. Ganz einfach: weil es viel interessanter, aufwühlender und lehrreicher ist als jeder 1000seitige Krimi/Thriller der heutigen Zeit. Typisch für Kafka sind wieder die sehr langen, verschachtelten Sätze, welche gut zur Geschichte passen, da so die Hilflosigkeit, der K. ausgesetzt ist, noch besser zur Geltung kommt. Die Sprache ist oft sehr bildhaft(vgl. Kapitel 'Im Dom') und man kann hier viel hineininterpretieren. Aber das kann jeder für sich selbst entscheiden. Der Prozeß ist auch deshalb so aufwühlend und spannend, weil man manchnal auch sich selbst(als die Person Josef K.) darin erkennt. Natürlich ist das Buch nicht für jedermann geeignet, da es sehr deprimierend ist, und deshalb schwer zu ertragen, aber wer sich für psychoanalytisches Denken interessiert oder einfach mal etwas anderes, abseits leichter Unterhaltung, lesen möchte, der sollte es nicht versäumen. Eigentlich sollte es jeder gelesen haben. Bis denn
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am 15. März 2012
Kafka , whow , mein erster Literaturklassiker den ich privat lese. Die ersten Seiten haben mich echt gepackt , kein Autor schreibt so gefühlvoll , melancholisch ja fast schon depressiv. Es zerrt einen in diese tiefe Atmosphäre und man leidet an K.s Seite. Ich hab sicher nicht jede Intention des Autors nachvollziehen können , speziell im letzteren drittel , aber ich war immer Gepackt von der Tiefe und der Stimmung die von diesem Buch ausgeht. Nach weglegen dieses Werks hab ich immer eine kurze Zeit lang gebraucht das gelesene zu verarbeiten um mich wieder in der anderen Welt einzufinden. Schon erstaunlich wie Wörter auf jemanden wirken können. Das wird sicher nicht mein letztes Werk von Kafka gewesen sein.
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Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. – Mit diesem Satz beginnt Kafkas posthum durch Max Brod veröffentlichter Roman, der einer der ganz großen Romane der Weltliteratur ist.

Die Verhaftung erfolgt in seiner Wohnung. Was ihm zur Last gelegt wird, erfährt weder K. noch der Leser noch später der ihn vertretende Advokat. Kafka bedient sich der personalen Erzählstruktur, so dass der Leser nie mehr weiß als K. selbst. K. darf weiter seinem Tagesgeschäft nachgehen; er ist Prokurist in einer Bank. Seine Berufstätigkeit ist der wesentliche Lebensinhalt des jungen Mannes. Er hat keine Familie, keine Freunde, pflegt keinen Kontakt zu seiner Mutter oder sonstigen Verwandten. Ein Verhältnis zu einer jungen Frau namens Elsa, die er einmal in der Woche aufsucht, scheint rein sexueller Natur zu sein. Schnell merkt man, dass es sich bei der anklagenden Behörde nicht um den staatlichen Rechtsapparat handelt, sondern um ein parallel existierendes Gericht. (Unsere Behörde,....sucht doch nicht etwa die Schuld in der Bevölkerung, sondern wird, wie es im Gesetz heißt, von der Schuld angezogen und muss uns Wächter ausschicken.) K. erkennt schnell, dass es nur ein Verfahren ist, wenn er es als solches anerkennt. Demnach unterliegt es seinem Willen, ob der Prozess gegen ihn aufrecht erhalten wird und stattfinden kann oder nicht. Doch ohne sein Zutun nimmt die Anklage immer mehr Raum in seinem Denken und Handeln ein, was letztlich dazu führt, dass er seiner Arbeit nicht mehr auf die notwendige Weise nachkommen kann. Immer mehr Menschen wissen von seiner Anklage und von den Gerichten, die auf Dachböden tagen (auf fast jedem Dachboden befindet sich ein Gericht). K. sucht Kontakte zu Menschen, die ihm seiner Meinung nach helfen könnten, seine Unschuld zu beweisen, denn er muss eine Eingabe zu seiner Entlastung einreichen. Nur: Entlastung von Was? Da K. den Anklagepunkt nicht kennt, kann er sich auch nicht zielgerichtet verteidigen.

Das Personal in diesem Roman bleibt überschaubar. Sehr schlecht kommen die wenigen Frauen dabei weg. Sie sind ausnahmslos Objekte sexueller Begierde und auch im eigenen Handeln nur auf Sexualität ausgerichtet. Überhaupt bleiben alle Charaktere, K. eingeschlossen, seltsam oberflächlich.

Kafka ist nicht eindeutig zu interpretieren. Man kann biografisch ansetzten; sicherlich hat sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater seine Literatur beeinflusst. Allerdings, wenn man seinen Biografen Glauben schenken darf, scheint er auch selbst ein schwieriger Mensch gewesen zu sein und nicht unbedingt für das praktische Leben tauglich. So finden sich sicher auch Züge Kafkas in der Person K. wieder. Aber auch soziale (siehe die Lebensumstände der Personen), psychoanalytische (Rolle der Frauen) oder religiöse (hat nicht jeder auf irgendeine Weise Schuld auf sich geladen?) Ansätze sind denkbar. Es bleibt letztlich jedem einzelnen Leser überlassen, zu welcher Interpretation er tendiert.

Was ist nun das Besondere an diesem Buch? Meiner Meinung nach ist es die Atmosphäre, die den Reiz dieses Buches ausmacht. Es bleibt alles seltsam im Dunkeln und nebulös. Dies hat ja nicht zuletzt den noch heute verwendeten Begriff kafkaesk geprägt für Situationen, die irgendwie merkwürdig und nicht logisch zu erklären sind. Eine große Rolle spielen Licht und Dunkelheit in diesem Buch. K.‘s Büro in der Bank hat große Fenster, die es erhellen; die Wohnung des Advokaten wird nur von schummrigem Kerzenlicht beleuchtet, ebenso die des Malers Titorelli. Dafür gibt es noch weitere Beispiele.

Ich finde, entgegen vielen anderen Lesern, dieses Buch nicht nur düster. Es hat sogar etliche satirische Passagen. Auf den ersten Blick bemerkt man das nicht, aber wenn man diese Stellen laut liest, kann man sich des Schmunzelns nicht erwehren. Z.B.: Die Rangordnung und Steigerung des Gerichts sei unendlich und selbst für den Eingeweihten nicht absehbar. Das Verfahren vor den Gerichtshöfen sei aber im allgemeinen auch für die unteren Beamten geheim, sie können daher die Angelegenheiten, die sie bearbeiten, in ihrem ferneren Weitergang kaum jemals vollständig verfolgen, die Gerichtssache erscheint also in ihrem Gesichtkreis, ohne dass sie oft wissen, woher sie kommt, und sie geht weiter, ohne dass sie erfahren , wohin. ??? Oder: Man will die Verteidigung möglichst ausschalten, alles soll auf den Angeklagten selbst gestellt sein. Kein schlechter Standpunkt im Grunde, nichts wäre aber verfehlter, als daraus zu folgern, dass bei diesem Gericht die Advokaten für den Angeklagten unnötig sind. Im Gegenteil, bei keinem anderen Gericht sind sie so notwendig wie bei diesem. Das Verfahren ist nämlich im allgemeinen nicht nur vor der Öffentlichkeit geheim, sondern auch vor dem Angeklagten.

Kafkas Sprache hat etwas Besonderes. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.
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am 3. September 2009
Einen Roman namens "Der Proceß" von Franz Kafka hat es nie gegeben. Was es gibt, und was man in Ausgaben wie dieser als einen solchen verkauft bekommt, ist ein Konvolut von Notizheftzetteln, auf denen Franz Kafka die Teile eines Romanfragments namens "Der Proceß" niedergeschrieben hat - und welche der kränkliche und zu Lebzeiten völlig unbekannte Prager Autor seinem Nachlassverwalter eigentlich testamentarisch zum Verbrennen übereignet hatte. Doch Max Brod erkannte glücklicherweise das literarische Potential des Nachlasses seines Freundes. So veröffentlichte er im Jahre 1925 erstmals den "Proceß", ohne dabei jedoch kenntlich zu machen, dass die vordergründige Abgeschlossenheit des Romans tatsächlich eine Interpretation seinerseits - und keinesfalls vom Autor autorisiert war. Editionskritisch gesehen muss somit jede Ausgabe, welche den "Proceß" kommentarlos als kompletten Roman vorstellt, ohne etwa zu bemerken, dass allein die Kapitelreihenfolge zweifelhaft und offen für Uminterpretation ist, unter ein kritisches Licht gestellt werden. Die historisch-kritische Ausgabe mit der kompletten Faksimilierung der Originalhandschriften Kafkas ist in dieser Hinsicht natürlich ein Ideal, das natürlich weder erschwinglich noch besonders lesekomfortträchtig ist. Natürlich ist es in Anbetracht dessen legitim, für den "Hausgebrauch" Leseausgaben wie die hier vorliegende zu verwenden. Man sollte dabei jedoch im Hinterkopf behalten, dass "Der Proceß" ein äußerst dynamisches Kunstwerk ist, in dem Querverweise und Episodenhaftigkeit der Kapitel dazu einladen, auch mal gegen die von Brod vorgegebene Reihenfolge zu lesen und seinen eigenen Proceß-Roman daraus zu konstruieren. Denn dieser Text, dieser "Proceß", ist einer der schönsten, den wir haben, und das verdanken wir einzig Franz Kafka, und niemand anderem.
"Der Proceß" ist dabei zunächst einmal die Geschichte eines in seiner Einfachheit und Geradlinigkeit bewundernswerten Charakters, mit Namen Josef K., der (scheinbar) zum Spielball einer obskuren Gerichtsbarkeit wird, und phasenweise dieses Verhältnis gegenüber der vollkommen gestaltlos bleibenden Macht und dem inhaltlosen Gesetz umkehrt und herausfordert. Wie aus dem Nichts verhaftet und angeklagt, sieht sich der in geregelten Verhältnissen lebende Bankangestellte einer Verkettung sich gegenseitig an Skurrilität und Exzentrik überbietender Situationen und Charaktere gegenüber, die ihn nach und nach in seinen "Proceß" einführen und ihn durch diesen begleiten, ohne ihn jedoch ansatzweise mit Inhalt zu füllen. Es gibt eine Verhaftung, aber kein Gefängnis, eine Anklage, aber keinen Tatvorwurf, viele Gerichtssitzungen, aber keinen spürbaren Fortgang des Prozesses, bis diese abstruse und beklemmende, immer in der Schwebe hängende Situation zu einem Teil von Ks Leben word, welchen dieser sich bei genauer Betrachtung in durchaus positivem Sinne zu eigen macht. So geht er, nach einem Stadium der Verständnislosigkeit, vollkommen in dem Verfassen von Verteidigungsschriften und Verbalattacken gegen die Gerichtsbarkeit auf. Ob dies mit einem Schuldeingestädnnis gleichzusetzen ist, bleibt eine der interessantesten Fragen an den Roman. Doch K.s strikte Absage an jegliches Schuldeingeständniss bleibt Teil das entscheidende Element, das diese Figur prägt und veredelt. Um so frappierender erscheint in diesem Kontext das "Ende" des eigentlich nicht zu beendenden weil von der kontinuierlichen "Verschleppung" des gestaltlosen Prozesses und der dadurch entstehenden immer neuen Formen des Verlangens und Erfahrungsdranges der Hauptfigur lebenden Romans, der schließlich Fragment geblieben ist und dessen Kapiteleinteilung durch Max Brod bis heute Diskussionsstoff bietet.
Zwei (scheinbar) gegensätzliche Grundstimmungen prägen bei all dem Ton und Atmosphäre der Erzählung. Auf der einen Seite ist da die Beklommenheit, das Ausgeliefertsein Ks an diese obskure Gerichtsmaschinerie, die sich etwa in der Verhaftung mit dem wie selbstverständlich von statten gehenden Eindringen in Ks Privatsphäre oder in der die Angeklagten im wahrsten Sinne des Wortes niederdrückenden Luft in den Gerichtskanzleien manifestiert. Auch der vorwurfsvolle, die aus der Luft gegriffene Anklage in keinster Weise hinterfragende Onkel, der das Element des Schuldgefühls gegenüber der Familie ins Spiel bringt, wie auch die mahnenden Worte des Geistlichen im Dom (mit der weltberühmten Parabel "Vor dem Gesetz") tragen zu diesem bedrohlichen und düsteren Grundton des Romans bei, welcher an diesen Stellen dokumentarisch darlegt und dazu ebenso prophetisch vorausahnt, wie die hochkomplexen bürokratischen Gesellschaftsmaschinerien des 20. Jahrhunderts das Individuum mit Repression und Angst konfrontieren.
Aber Kafka wäre nicht Kafka, wenn er nicht im gesamten Roman Auswege für die beklommenen Seelen bereitstellen würde, welche sich vor allem aus den großen Freuden des Lebens speisen, welche bei Kafka so reichlich vorhanden sind und doch gern übersehen werden. Da wäre der Humor, welcher der Betrachtung dieser obskuren Szenerien stets beiwohnt. Warum essen die zwei Wächter, die K. verhaften, einfach so sein Frühstück auf? Warum finden sie sich, nach dem K. sich über ihr Verhalten beschwert, mit einem lackledernen Prügler in einer Rumpelkammer in Ks Büro wieder? Warum sind die Gerichtskanzleien auf dem Dachboden irgendeines übervölkerten Armenhauses am Stadtrand, und warum zeigt nur ein mit einer kindlichen Krakelschrift versehenes Blatt Papier den Weg "zu den Kanzleien" an. Man könnte ewig so weitermachen und lachen, lachen, bei aller verstörenden und befremdlichen Wirkung, die diese Elemente im Kontext der bedrohlich anmutenden Prozesssituation zweifelsohne haben, lugt immer wieder der verschlagen grinsende Kafka hinter diesen Worten hervor und sagt uns: Lacht, macht was draus! Ebenso die Erotik, immer wieder diese hocherotischen Elemente bei Kafka: Schummrige Abende bei Fräulein Bürstner, unser K. leckt ihr einfach mal den Hals...der Untersuchungsrichter blättert während seiner Prozesse in "Unterlagen", die sich ausnahmslos als Pornohefte erweisen...das Umhertragen von Frauen von A nach B...die Dienerin des Advokaten...es ist ein Durchlauf durch die verschiedensten Stadien der Erotik, wie sie uns im Alltag begleiten und schön verleugnet oder verschwiegen werden. Kafka legt sie offen, und stellt sie uns zur Verfügung, als Ausweg aus der Repression, als letzter Strohhalm des niedergedrückten Verlangens. Es ist ein skurriler wie bestechender Humor, es ist eine prickelnde Erotik, es ist einfach alles drin in diesem Roman.
Wer bei Kafka die Düsternis nicht erkennt, dem ist nicht zu helfen. Wer aber den Humor bislang noch nicht recht entdeckt hat, der sollte sich ihm gegenüber öffnen, und ihn finden, hier, in diesem Roman, in der erschreckendsten und beklemmendsten weil subtilsten Schilderung des Totalitarismus und der Repression, hier mitten drin pulsiert, verkörpert durch diesen Josef K., das volle Leben, die volle Energie und Lebensfreude, die prickelnde Erotik und der skurrile Humor, die Kafkas Werke so erbaulich, ja so unverzichtbar machen. Solche Literatur rettet Leben!
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TOP 500 REZENSENTam 15. Dezember 2013
Da ist ein Bank(st)er, nennen wir in Josef K, 30 Jahre alt, Single, lebt in einer größeren, gemischten WG, er steht auf eine seiner Mitbewohnerinnen und stalkt diese ein wenig ungeschickt, bis sie lieber mit einer weiteren Frau zusammenzieht. Die NSA (?) hat wohl irgendwie mitgekriegt, dass er was gedreht hat oder auch nicht, vielleicht war es nur ein Übersetzungsfehler oder er wurde denunziert, weil er irgendeiner Wahrheit zu nahe gekommen ist. An seinem dreißigsten Geburtstag bekommt dieser Josef K. jedenfalls frühmorgens Besuch von Unbekannten Agenten, die sich nicht ausweisen (das würde wohl gegen die nationale Sicherheit verstoßen). Sie teilen ihm mit, dass er angeklagt ist. Zunächst hält K das für einen Scherz seiner Kollegen, aber die Kerle scheinen es wirklich ernst zu meinen. Weswegen er angeklagt wurde, von wem und warum? Das ist irrelevant (oder eine Sache von nationaler Sicherheit und top secret) und das wird auch so von allen Seiten akzeptiert, schließlich lebt man ja in einem Rechtsstaat.

„Das ist alles, was wir sind, trotzdem aber sind wir fähig, einzusehen, daß die hohen Behörden, in deren Dienst wir stehen, ehe sie eine solche Verhaftung verfügen, sich sehr genau über die Gründe der Verhaftung und die Person des Verhafteten unterrichten. Es gibt darin keinen Irrtum. Unsere Behörde, soweit ich sie kenne, und ich kenne nur die niedrigsten Grade, sucht doch nicht etwa die Schuld in der Bevölkerung, sondern wird, wie es im Gesetz heißt, von der Schuld angezogen und muß uns Wächter ausschicken.“

Wohl aus Kostengründen kommt K in den offenen Vollzug, Angst, dass er untertauschen könnte hat man wohl nicht (wahrscheinlich ortet man in permanent über sein Handy oder einen RFID Chip (eine Zeit in der die Geschichte Spielt hat Kafka nämlich nicht angegeben)).
Die Vorverhandlung ist eine Farce. Nachdem man ihm nicht mal korrekt Zeit und Ort genannt hat, scheint die Angelegenheit an sich ohnehin eine abgekartete Sache zu sein. K, ein bisher aufrechter Bürger stellt sich hier aus Selbstschutz zum ersten Mal gegen das System, um andere vor der gleichen Situation zu bewahren, aber nur, weil es ihn selbst erwischt hat. Vorher war ihm dieses Unrechtssystem entweder unbekannt, oder egal. »die Bücher sind wohl Gesetzbücher und es gehört zu der Art dieses Gerichtswesens, daß man nicht nur unschuldig, sondern auch unwissend verurteilt wird.«
Menschen die mehr über das System wissen könnten, ihm vielleicht helfen könnten, haben Angst um ihren Job und halten daher den Mund: „Es gibt hierfür keinen Schutz, auch mein Mann hat sich schon damit abgefunden; will er seine Stellung behalten, muß er es dulden, denn jener Mann ist Student und wird voraussichtlich zu größerer Macht kommen.“

Und nicht nur die direkten Angestellten des Systems profitieren von diesem Unrechtssystem, auch andere bereichern sich daran, allen voran die Anwälte, die damit so richtig Kasse machen und sich in Machtspielchen ergehen. Das ganze System ist korrupt und aufgrund der Geheinhaltung haben nicht einmal die Richter den vollständigen Fall vorliegen. Rettung gibt es nur über Beziehungen, Bestechung und Korruption.

Man sagte mir, Kafka sei interpretationsflexibel. So was finde ich gut, denn jeder kann somit in diese Geschichte das hineinlesen, was ihn bewegt und so das Buch durchaus als dystopische Vorhersage aktueller politischer Entwicklungen sehen.
Für mich ist dieser Roman eine Orwell‘sche Dystopie auf einen totalitären Überwachungsstaat, der seine Bürger überwacht, unter Generalverdacht stellt, ausspioniert, anklagt und exekutiert. Ohne wirklich transparente Gerichte oder Verhandlungen.
Dieses Buch ist eine allegorische Beschreibung der derzeitig von Konzernen und Geheimdiensten beherrschten westlichen Welt, in der Bürger, die ins Fadenkreuz der Dienste geraten, keine Chance haben sich zu wehren, weil sie es ja selber nicht wissen, da es ja geheime Informationen sind und somit können sie auch nicht dagegen klagen, denn es geht ja um geheime Dinge, die die Staatssicherheit betreffen. Alles, was geheim bleiben soll oder einfach nur das Weltbild stört, wird als nationale Sicherheit oder Terrorismus definiert, sei es auch noch so harmlos.
Beim Lesen fragt man sich unweigerlich: Was wusste Kafka über die NSA und Five Eyes? Was über die Geheimprozesse und woher wusste er so genau, dass selbst bei der NSA die eine Abteilung nicht weiß, was die andere macht?

Kafkas „Der Prozeß“ erschien postum und bliebt unvollendet (ein Kapitel ist unvollendet und ich glaube nicht, dass man da wirklich viel verpasst hat; es sei denn, es fehlen noch ganze Kapitel, die er nie begonnen hat). Der Roman entstand um 1914
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am 8. November 2015
Innerhalb von zwei Tagen habe ich das Buch durchgelesen weil es mich so gepackt hat. Gerade gegen Ende wurde es unglaublich spannend und der Schluss ist einfach genial.

[Spoiler]
Nach dem Zuklappen war ich noch zehn Minuten lächelnd am Sofa gesessen, mit einem fetten WTF auf der Stirn.
Es ergibt einfach nichts wirklich Sinn und man wird über alles im Dunkeln gelassen. Aber gerade dieser riesige Interpretationsspielraum macht das Buch zu etwas besonderem.
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am 25. Oktober 2015
Man kann den „Prozess“ unter vielen Aspekten sehen. Nur einer davon wäre, dass Kafka mit seiner hypnotisierenden Sprache einen perfekten Horrorroman geschrieben hat. Aber der Roman ist viel mehr:
Er ist einmal eine Vorschau auf die politische Entwicklung Deutschlands, er ist eine Vorschau auf unsere heutige Welt und er ist eine philosophische Abhandlung über die Themen:“ was ist Lüge“ und „was ist Schuld?“
Josef K. Sucht nach der Wahrheit und findet nur Lügen. In seinem Prozess, der ihm aufgezwungen wird, wird ihm nie gesagt was ihm eigentlich zum Vorwurf gemacht wird. Je mehr er sich bemüht, die Wahrheit zu finden, desto tiefer versinkt er in eine pechähnliche Scheinwirklichkeit, die ihn an jedem Fortkommen gehindert und dennoch an ihm klebt.
In aller Bescheidenheit erinnere ich mich daran, dass wir heute fast alle Lügner sind und dass unsere Gesetze uns dazu gemacht haben genauso wie diese Gesetze die Lüge verteidigen.

Wenn Du im Internet etwas bestellst, wirst du es nicht erhalten, wenn du nicht bestätigst die AGB gelesen und akzeptiert zu haben. Diese AGB sind derartig langweilig und schwer verständlich geschrieben, dass sie Dir riesige Mengen an Lebenszeit rauben, wenn du sie lesen willst. Also machst du deinen Häkchen –Klick und schon bist du ein Lügner.Und es ist das Gesetz, das dich dazu zwingt ein Lügner zu werden, denn in den AGB sind auch wieder Lügen versteckt.
Und unsere Werbewirtschaft macht sogar äußerst treuherzig neben jede Lüge ein Sternchen. Diese Sternchen klären Dich darüber auf, dass das, was neben dem Sternchen geschrieben steht, gelogen ist. Aber berufe Dich bloß nicht darauf, dass diese Lüge Dir Lebenszeit geraubt hat, in dem sie Dich dazu veranlasst, die Anzeige zu lesen. Wenn du das öffentlich tust, brauchst Du ganz gute Anwälte und es ist das“ Recht“ welches Dir verbietet, eine Lüge als Lüge zu bezeichnen.
Wer ein wenig Gespür für diese Dinge hat, fühlt, wie unser Recht, unsere Gesetzgebung und unsere Rechtsprechung wie Pech an uns kleben und die Realität verzerren. Das ist dieselbe Situation wie in dem fantastischen Roman „Der Prozess“
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am 20. August 2013
Im Gegensatz zur leicht und schnell lesbaren, immer kurzweiligen "Verwandlung" ist "Der Proceß" (1925 von Kafkas Freund Max Brod posthum herausgegeben und überhaupt erst aus losen Notizen zusammengefügt) aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. In diesem Roman steht der Protagonist "Josef K." der anonymen Macht eines Gerichtes gegenüber - warum er verhaftet wurde, weiß er nicht. Kafka schildert die Hürden der Bürokratie, auf die sein Held trifft, sehr ausführlich und lässt dabei hin und wieder auch den ihm eigenen Humor aufblitzen. Im Endeffekt packt "Der Proceß" während der Lektüre aber mit seiner extrem verdichteten Atmosphäre.

Die Hilflosigkeit des Protagonisten, seine Unfähigkeit, die Mechanismen und Tücken der Bürokratie zu verstehen, überträgt sich bereits nach wenigen Seiten auf den Leser. Man fühlt sich sofort in die Welt von Josef K. hineinversetzt, ein ausgesprochen bedrückendes Gefühl. Noch dazu passieren im Laufe des Romans neben ganz real anmutenden bürokratischen Eigenheiten auch einige unerklärliche, fast mystische Dinge. Diese Bilder, die ausgesprochenen Symbolcharakter zu haben scheinen, wurden von Kafka so raffiniert eingebaut, dass sie das Gefüge des grundsätzlich sehr nüchternen und eher trockenen Buches keineswegs stören. Auch das trägt zur geheimnisvollen Gesamtatmosphäre des Buches bei. Das eine solche Geschichte kein Happy End haben kann, liegt fast auf der Hand.

Die Versuche der Interpretation dieses Werkes sind vielfältig - sie reichen von einer Art Autobiographie (K. = Kafka) bis hin zu einer prophetischen Vision des Nazi-Terrors. Meiner Ansicht nach haben alle Interpretationsversuche etwas für sich. Man sollte aber bei aller Liebe zu verschiedenen Deutungen nicht vergessen, dass es vornehmlich Kafkas Umgang mit der deutschen Sprache ist, der die Lektüre trotz (oder gerade wegen?) des trockenen Themas so spannend macht.
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am 5. März 2014
Diese Ausgabe sollten wir uns für den Unterricht kaufen. Ich zweifelte schon etwas, da ich immer gerne viele Notizen mache - und das ist bei der Reclamausgabe tatsächlich schwer. Häufig sind Monologe oder Texte, welche über viele Seiten gehen und wo dann nur ein Zentimeter am Rand frei ist. Ohne Absätze und so weiter. Da wird es selbst mit einem sehr dünnen Stift schwer.
Inhaltlich ist "Der Proceß" ein wunderbares Buch. Wirklich eins meiner liebsten Bücher für die Schule, aber auch in meiner Freizeit habe ich einiges von Kafka gelesen. Es geht wieder um die Frage nach dem Sinn, wer wer ist, warum etwas geschieht, was geschieht...
Es lässt sich auf den verschiedensten Deutungsebenen deuten und analysieren, welches die Arbeit mit dem Buch umso interessanter macht!

Ja, "Der Proceß" an sich ist wirklich empfehlenswert - aber ich würde die paar Euros mehr ausgeben für einen anderen Verlag. Reclam erfüllt aber seinen Zweck mit handlich klein, Reclam halt.
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am 6. Februar 2016
Franz Kafka beweist in „Der Prozess“ einmal mehr, dass er der Meister des Grotesken ist. Logik spielt hier nur selten eine Rolle. Auch hier nicht, als der Bankbeamte Josef K. an seinem 30. Geburtstag unversehens verhaftet und zu einem Verhör ins Schlafzimmer seiner Nachbarin entführt wird. Mehr Traum als Wirklichkeit scheint der Prozess vor dem anonymen Gericht, denn K. habe zwar kein Verbrechen begangen, schuld sei er aber dennoch und deshalb würde er nach einem unbekannten Gesetz verurteilt. Ein erschütterndes Buch über das ausweglose Dasein des Einzelnen im Labyrinth einer anonymen Welt.
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