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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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4,6 von 5 Sternen
L'Etranger: (Fremdsprachentexte) (Reclams Universal-Bibliothek)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:4,80 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 14. Februar 2013
Jüngere politische Entwicklungen regten mich an, nach Jahren wieder einmal diesen schmalen Band aus dem Regal zu nehmen um der Frage einer kolonialen oder post-kolonialen Allegorie nachzugehen. Zwar wurde L'Étranger meist als örtlich neutrales Dokument europäischen Bewusstseins in der Krise interpretiert, da es geschrieben wurde unter dem Eindruck der deutschen Besatzung von Frankreich und einer Welt, die von faschistischer Herrschaft bedroht wurde und das Ausgeliefertsein an eine autoritäre Instanz und die Todesstrafe behandelt. Allerdings kann man nicht darüber hinwegsehen, dass der Schauplatz der Handlungen von L'Étranger und La Peste, zwei wichtige Werke der existentiellen Philosophie in Algerien liegt, wo der Autor 1913 geboren wurde und bis 1940 lebte. Trotzdem bleiben sowohl Geschichte und der Widerstand gegen den französischen Kolonialismus, der in die algerische Unabhängigkeit führte unerwähnt.

Im Gegensatz dazu ist Sisyphos (org. Le mythe de Sisyphe, 1942) keineswegs ein Symbol für Verzweiflung oder Sinnlosigkeit, sondern im Gegenteil die personifizierte Schicksals- und Lebensakzeptanz, die sich selbst genügt und keines Trostes oder Schutzes durch die Götter bedarf, denn Sisyphos 'macht aus dem Schicksal eine menschliche Angelegenheit.' Der Felsbrocken versinnbildlicht sein und unser Leben, das ständig durch wiederholten Kraftaufwand der Absurdität entrissen werden muss, er steht für die leidenschaftliche Revolte als Lebensinhalt und bildet einen drastischen Unterschied zu Meursault, der seinen Felsbrocken erst am Ende erkennt und daher im hilflosen Erdulden der Absurdität untergeht.

Der Freiheitskampf der Algerier wurde von der französischen Linken grösstenteils unterstützt, was der OAS (Organisation de l'armée secrète) auch in Frankreich kräftigen Zulauf bescherte und den Krieg nicht nur noch blutiger als zuvor gestaltete, sondern auch politisch komplizierte. Die linke Intelligentsia wurde hauptsächlich von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir angeführt, während sich Camus einer deutlichen Stellungnahme entzog und stattdessen für Versöhnung und Ausgleich plädierte, oder er schwieg und versäumte auch, das Unrecht des Kolonialismus prinzipiell zu verurteilen. Der Grund für diese Haltung war die Liebe zu seiner algerischen Heimat, die er nicht verlieren wollte und in der nach seiner Vorstellung christliche Siedler und einheimische Muslime, "vereint in Freiheit und Gerechtigkeit" zusammenleben würden, was er in der Essaysammlung (L'homme révolté, 1951) utopisch und mythologisierend als mittelmeerisches Denken beschrieb. Aus diesen Gründen lehnte er die Unabhängigkeit Algeriens vehement ab und setzte sich dadurch prompt zwischen alle Stühle, weshalb L'Étranger in Algerien bis heute ein Stein des Anstosses blieb. Sartre hingegen glaubte unbedingt an den Fortschritt der Geschichte und betrachtete sich als dessen Speerspitze. Schon deshalb verwies er den Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit nicht in die Bereiche von Geist und Liebe, sondern fokussierte diesen konkret, handfest auf koloniale Verhältnisse, die zu überwinden waren. Wenn nötig auch mit Gewalt, da diese primär nicht von den Kolonisierten ausgehe, sondern von den Kolonisatoren. Obwohl sich Camus bezüglich der Algerienfrage widerspricht, bleibt sein humanistisches Weltbild weiterhin im Vordergrund seiner journalistischen Tätigkeit. Seine Ablehnung vis-à-vis einer prinzipielle Legitimation von Gewalt als Mittel zum Zweck, wie sie Teile der französischen Linken vertraten, führten ihn rasch auf Konfrontationskurs mit der Parti Communiste Française die ihn auch prompt ausschloss.

Aufgrund der Einstellung von Camus begann in Algerien schon früh ein postkolonialer Diskurs über den vorliegenden Roman, der in ausführlicher Weise allerdings erst nach dem Tod des Autors begann. Die Auseinandersetzung ist zum Teil in der Biographie von Camus begründet, er wurde 1913 in Mondovi in eine Familie mit spanischen und südfranzösischen Wurzeln geboren, folglich ein pied-noir und wächst im Arbeiterviertel Belcourt in Algier als Halbwaise auf, da sein Vater wegen einer Kriegsverletzung bereits 1914 starb. Der Schock der Todesnachricht liess seine Mutter verstummen und innerlich absterben. Der Sohn erlebte hypothetisch eine tote Mutter an die er sich in der Hoffnung klammerte, dass sie eines Tages wieder zum Leben erwachen würde. Und so beginnt der Roman L'Étranger mit dem Satz, 'Aujourd'hui Maman est morte." Camus betont die Lakonie, die neben der Philosophie des Absurden seinen Roman bestimmt mit dem zweiten Satz, "Ou peut-être hier, je ne sais pas." Man kann deshalb konstatieren, dass die Gleichgültigkeit seines anti-Helden Meursault vis-à-vis der Identität des "Arabers" den er am Strand erschossen hat, nichts mit Rassismus zu tun hat. Der Fremde ist sich selbst fremd und seine Gefühls- und Kontaktlosigkeit wird ihm am Ende des Romans zum Verhängnis.

Zeit der Handlung sind die 1930er Jahre, Meursault der Fremde und Protagonist des Romans, lebt und arbeitet in Belcourt. Obwohl ein pied-noir, gehört er nicht der reichen Schicht von Kolonialherren an, sondern ist einfacher Angestellter in einem Importunternehmen. Sein Umfeld ist ein Mietshaus, einige Freunde und seine Geliebte Marie, ehemalige Sekretärin im selben Unternehmen, sie sind petits blancs der unteren sozialen Schichten. Im Verlauf der Erzählung gerät Meursault in den Einfluss seines Wohnungsnachbarn Raymond Sintès, wobei er in dessen Konflikt mit einer Gruppe von Arabern um den Bruder seiner ehemaligen Geliebten, einer Araberin involviert wird. Der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt als Meursault, Raymond und Marie Cordona ein Wochenende in der Strandhütte von Masson verbringen möchten. Bei einem Spaziergang werden sie von zwei Arabern aus dem Umfeld der ex-Geliebten angegriffen, diese verletzen Raymond mit einem Messer und flüchten. Später ist Meursault, der Raymonds Revolver an sich genommen hat, allein am Strand und wird erneut eines Arabers ansichtig, der in etwa zehn Metern Entfernung ruhig in der Sonne liegt - er scheint er zu lächeln. Meursault spürt, wie die Sonne sein Gesicht erhitzt, Schweisstropfen bilden sich auf seiner Stirn. Er wird sich bewusst, dass dies die selbe Sonne ist, die er während der Beerdigung seiner Mutter ertragen musste, er fühlt sich zunehmend unwohl und macht einen Schritt in Richtung des Arabers, worauf dieser ein Messer zieht. Meursault empfindet 'cette epée brûlante rongeait mes cils et fouillait mes yeux douloureux,' er feuert einen ersten Schuss auf den Araber, danach begreift er, "que j'avais détruit l'équilibre du jour, le silence exceptionnel d'une plage où j'avais été heureux." In diesem Moment feuert er vier weitere Schüsse auf den leblosen Körper.

Die Schüsse sind offensichtlich keine Reaktion auf eine bewusst wahrgenommene Provokation des Arabers. Meursault fühlt sich nicht dadurch bedroht, dass der Araber sein Messer gezogen hat, was ihn trifft ist das Licht der Sonne das von der Klinge reflektiert wird. Dadurch wird der Araber gleichsam zum Objekt neutralisiert und die Szene wird meist als Erlebnis des Absurden gelesen, da Meursault weder aus einem persönlichen Konflikt mit dem Araber noch aufgrund einer konkreten Bedrohung handelt. Es ist diese étrange indifférence, die ihm vor Gericht zum Verhängnis wird, er erkennt dies bereits nach dem letzten Schuss, 'c'était comme quatre coups brefs que je frappais sur la porte du malheur.'

Meursaults Freunde sind ausschliesslich pied-noirs, deren Charaktere ausgearbeitet sind und die namentlich genannt werden, Marie, Raymond, Masson, Céleste und Emanuelle. Die Araber (oder ethnisch korrekter indigènes) hingegen bleiben praktisch undefiniert und als Individuen ausgeblendet. Dies ist besonders auffällig, da Albert Camus das Zusammenleben von indigènes und pied-noirs in einigen biographischen Schriften als friedvoll und sozial hervorhebt und wie bereits bemerkt, ein Zusammenleben "vereint in Freiheit und Gerechtigkeit" sogar anstrebt. Auch ist Meursaults Gleichgültigkeit wechselseitig und nicht etwa der herablassende Blick des colonisateur auf die colonisés.

Für den absurden Menschen konnte es nach Camus nicht mehr um Erklärungen und Lösungen gehen, weshalb eine scharfsichtige Gleichgültigkeit die Essenz seiner Erfahrungen darstellt. So bedeutet das auf den Mord folgende Todesurteil den Verlust der Zugehörigkeit zur Welt der pied-noirs. Die Ablehnung des Anstaltsgeistlichen bedeutet die endgültige Loslösung, da das Christentum die Legitimation der Kolonialherrschaft darstellt. Mit dem Verzicht auf christliches Heil bleibt nur die Identität eines Atheisten und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Ermordeten und seinen Verbliebenen, auch Schuld- und Reuegefühle bleiben ihm fremd, "il me restait peu de temps. Je ne voulais pas le perdre avec Dieu." Aber mit dieser Art von Glaubensbekenntnis feiert er sein irdisches Dasein und seine Absurdität. Ähnlich wie Sisyphos erkennt er, dass er nun glücklich ist und sieht seiner Hinrichtung gefasst entgegen.
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am 10. Januar 2000
Meursault, einem jungen Büroangestellten in Algier, wird per Telegramm der Tod der Mutter mitgeteilt, die er vor vielen Jahren in einem Altersheim untergebracht hatte. Meursault nimmt sich für die Beerdigung zwei Tage Urlaub. Nach dem Begräbnis kehrt er nach Algier zurück und nimmt bereits am folgenden Tag sein gewöhnliches Leben wieder auf. Er geht mit Marie, einer ehemaligen Arbeitskollegin, ins Schwimmbad. Am Abend sehen sich die beiden einen Film an und verbringen die Nacht miteinander. Schließlich wird Marie seine Geliebte. Kurze Zeit später wird Meursault in eine Auseinandersetzung zwischen seinem Nachbarn Raymond und einem Araber hineingezogen. Diese Angelegenheit findet ihr Ende in einem Handgemenge, bei dem Meursault Raymonds Revolver an sich nimmt. Als er später auf einem Spaziergang den Araber trifft, zieht dieser das Messer. Einem inneren Druck folgend, greift Meursault nach dem Revolver und erschießt den Araber. Dann beginnt eine Untersuchungshaft von elf Monaten. In den Verhören steht immer weniger die Frage nach dem Tathergang im Vordergrund als sein Vorleben. Das Urteil lautet: Tod durch Hinrichtung. Das Erscheinen des Romans im besetzten Frankreich des Jahres 1942 fällt in eine Zeit der Perspektivlosigkeit. Camus' Behauptung, das Leben sei ohne Sinn, kam dem Lebensgefühl jener Zeit nahe: Niederlage, Hoffnungslosigkeit, Zusammenbruch, Krieg und Zerstörung führen das Dasein ad absurdum. Die vorliegende Ausgabe ist mit zahlreichen Vokabelhilfen auf jeder Seite versehen und eignet sich daher sehr gut für die Verwendung im Französischunterricht für Fortgeschrittene. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 21. Juni 2014
Die Reclam-Fremdsprachenreihe erleichtert das Lesen fremdsprachiger Texte enorm, man erspart sich das ständige Wörterbuchblättern und Nachschauen. So kann man Weltliteratur auch im Original flüssig lesen und bekommt obendrein noch eine Interpretation. Sehr zu empfehlen.
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am 9. September 2016
Liest sich gut! Geht auch mit nicht so gutem französisch, und inhaltlich auch nur zu empfehlen! Andere Werke von Camus sind auch gut!
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am 21. August 2012
Die Lektüre war hilfreich beim Auffrischen meiner Literatur- und Französischkenntnisse. Das recht kurze Nachwort in dieser Ausgabe empfand ich als sehr hilfreich.
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am 12. Januar 2014
Ich hatte 6 Jahre Französischunterricht in der Schule und bin im Moment dabei neben meinem Studium wieder vermehrt Französisch aufzufrischen. Dafür ist diese Ausgabe von Camus Fremden optimal geeignet, da wichtige und wiederkehrende und seltene Worte unten auf jeder Seite ganz gut ins Deutsche übersetzt werden.
Der Inhalt des Buches ist sicher nicht für jeden was, aber wer es ein wenig skurril und wundersam mag und gerne in fremde, absurde Welten entführt wird, für den ist Camus generell und l'étranger im Speziellen sehr empfehlenswerte Lektüre.
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am 7. Juli 2006
Normalerweise hegt man ja gleich eine gewisse Abneigung für die Bücher, die man in der Schule liest, L'Etranger von Camus ist allerdings kein langweiliges und trockenes Buch.

Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich das lyrische Ich verhält und mit der Zeit immer und immer fremder wird.

Jedoch bekommt man beim Lesen auch irgendwie Mitleid mit Meursault.

Lesenswert für Französischliebhaber und Algerien-Anhänger sowie Fans anspruchsvoller Bücher mit Hang zu Absurdem!
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