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am 18. Mai 2017
Lieferung ging schnell und reibungslos.
Allerdings weist das Exemplar Mängel auf. Diese waren nicht direkt sichtbar. Allerdings fielen schon beim ersten lesen Seiten raus. Je weiter man das Buch liest umso mehr Seiten kommen einem entgegen.
Auch wenn es sich um ein gebrauchtes Exemplar handelt, darf sowas nicht direkt passieren. Und schon gar nicht, wenn man es als neuer Besitzer das erste Mal aufschlägt und liest.
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am 23. März 2017
Ich habe das Buch für eine Hausarbeit gebraucht, aber es war leider mit Textmarker vollgeschmiert. Das hat mich beim lesen sehr abgelenkt. Daher musste ich es zurückschicken.
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am 11. August 2010
"Ich fand die ganze liebe deutsche Bestie gegen mich anspringend - ich bin ihr nämlich durchaus nicht mehr »moralisch genug.«" (Nietzsche)

Peter Singer dürfte vielen entweder als der Philosoph bekannt sein, der dafür eintritt, Tiere moralisch dem Menschen gleichzustellen, oder als der Philosoph, der Behinderten das Lebensrecht abspricht. Während erstere Aussage etwas vereinfacht, aber im Grunde wahr ist, handelt es sich bei letzterer um ein die Grenzen der Verfälschung klar überschreitendes Zerrbild (insbesondere, wenn Singer in die Nähe der NS-Euthanasie gerückt wird). Allein schon, wer daran interessiert ist, die Wahrheit hinter der dämonisierenden Fassade kennen zu lernen, sollte Singer selbst lesen.

Die "Praktische Ethik" ist aber auch interessant für jeden, der utilitaristische Ansichten zu verschiedenen anderen oft hochaktuellen ethischen und politischen Themen lesen möchte, denn Singer behandelt in diesem Buch weit mehr als die genannten Themen, mit denen er berühmt-berüchtigt geworden ist. Er schreibt u. a. auch zu Abtreibung, Flüchtlingsproblematik, Entwicklungshilfe und Umweltschutz, und zur sicheren Überraschung derer, die in ihm wegen seiner Äußerung zur Euthanasie einen verkappten Nazi sehen, nimmt er hierbei großteils sehr linke bzw. grüne Positionen ein.

Singers Ansatz ist dabei sehr freigeistig und sehr konsequent. Freigeistig, weil er - im besten Sinne des aufklärerischen "Sapere aude!" - wie einst der eingangs zitierte und ebenfalls vielfach verzerrte Nietzsche etablierte Grundsätze der herrschenden Moral wie die Höherwertigkeit des Menschen gegenüber anderen Lebensformen oder die kategorische Geltung des Rechts auf Leben von Geburt an nicht nur anzuzweifeln, sondern auch noch begründet abzulehnen wagt; konsequent, weil er den von ihm für richtig befundenen Grundsatz der absolut gleichen Interessenabwägung, unabhängig etwa von Geschlecht, "Rasse" oder Spezies, in verschiedenen Bereichen anwendet und dabei auch nicht davor zurückschreckt, diejenigen Folgen klar zu benennen, die wohl manch anderer heruntergespielt oder unter den Teppich gekehrt hätte, um seinen guten Ruf nicht zu gefährden.

Man muss natürlich Singer nicht in allen Punkten und auch nicht im Wesentlichen zustimmen. Wie jedes andere ethische Buch zuvor kann auch die "Praktische Ethik" nicht für sich beanspruchen, die definitive Wahrheit in ethischen Fragen gefunden zu haben, und an einigen Stellen kann anstelle von entrüsteten Bannflüchen auch begründete, sachliche Kritik geübt werden (so ignoriert Singer etwa die Frage, ob Entwicklungshilfe vor Ort auch so wirkt, wie sie wirken soll). Was die "Praktische Ethik" allerdings für sich beanspruchen kann, ist, mit ihrem anti-dogmatischen Impuls den ethischen Diskurs zu beleben, indem eine Reihe höchst unkonventioneller Ansichten vorgestellt werden und man Anstöße gegeben werden, auch einmal über das nachzudenken, worüber man sonst nicht nachdenkt, weil man es für selbstverständlich hält. Dazu kann es allerdings nur kommen, wenn man Singer eine faire Chance einräumt und seine Ansichten frühestens, nachdem man dieses Buch unvoreingenommen gelesen hat, verdammt. Wenn die herrschende Moral der Ethik Singers überlegen ist, muss sie den offenen Diskurs nicht fürchten - und wenn sie ihn fürchten muss, so ist sie um so überdenkenswerter und ein offener Diskurs um so notwendiger. So oder so ist dieses Buch lesenswert.
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am 17. Februar 2013
Ich finde dieses Buch grandios!

Ich muss nicht in jedem Punkt mit Peter Singer übereinstimmen, kann mir durchaus öfter mal einen anderen Reim auf gewisse Sachverhalte machen ABER dieses Buch regt mich an, es bringt mich zum Nachdenken und das sogar ziemlich intensiv.

Ich lese es immer wieder, je nachdem welches Kapitel mich im Augenblick wieder mehr anspricht.
Manchmal kann ich nur zwei Seiten lesen, weil meine Gedanken dann hin und her wuseln und manchmal lese ich zwei Kapitel hintereinander.

Besonders interessant ist der Teil in dem er seine Erfahrungen mit Deutschland schildert.

Ich wünschte es gäbe eine neue Auflage oder ein "Praktische Ethik im Jahr 2013" !!!
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am 9. Januar 2014
dieses Buch habe ich mir auf Empfehlung zu einem Seminar an der Uni gekauft. Singer schreibt interessante Texte, die auch ein wenig schwarzen Humor enthalten und ist der Tierethiker schlechthin. Er selbst ist überzeugter Vegetarier. Seine Texte sind gut verständlich, führen gut in die Thematik ein und sind auch nicht ermüdend. Wer sich über Tierethik informieren möchten und einen ersten Eindruck braucht, trifft bei diesem Heft die richtige Wahl.
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am 6. November 2006
Inhalt:

Vorwort

1. Über Ethik

2. Gleichheit und ihre Implikationen

3. Gleichheit für Tiere?

4. Weshalb ist töten unrecht?

5. Leben nehmen: Tiere

6. Leben nehmen: Der Embryo und der Fötus

7. Leben nehmen: Menschen

8. Arm und Reich

9. Die drinnen und die draußen

10. Die Umwelt

11. Zwecke und Mittel

12. Warum moralisch handeln?

Anhang: Wie man in Deutschland mundtot gemacht wird

Anmerkungen, Nachweise und weiterführende Literatur

Nachbemerkung

Register

Peter Singer zeigt mit beispielloser argumentativer Stringenz und einer der Komplexität der behandelten Themen angemessenen Ausführlichkeit, daß traditionelle Ethiken dysfunktional sind, weil sie sich nicht konsequent und ausschließlich an Vorhandensein und Ausprägung ethisch relevanter Eigenschaften orientieren. Das willkürliche Konzept der "Menschenwürde", das einerseits empfindungslosen Gegenständen wie frühembryonalen menschlichen Zellen oder Leichen moralische Objekthaftigkeit zuerkennt, andererseits jedoch leidensfähige, ja selbstbewußte Wesen von ethischer Berücksichtigung ausschließt, wird als faschistoides Totschlagargument entlarvt und zu den Akten gelegt. Wo man bereit ist, einigen Lebewesen ohne rationale Begründung eine Würde zuzusprechen, da braucht man nämlich auch keine solche Begründung, sie ihnen von vornherein zu verweigern oder wieder abzuerkennen. Hingegen sind Leidensfähigkeit, Personalität und Lebensbewußtsein prüfbare Eigenschaften bestimmter Organismen, die wir berücksichtigen können und müssen, sofern wir die Vorbeugung und Beseitigung von Leid wie auch ein vernünftig begründetes Tötungsverbot für den Kern jeder Ethik halten.

Trotz tiefster Bewunderung für Singers absolut historische Leistung kann ich ihm jedoch nicht in allen Punkten folgen:

I. Er verzichtet auf die meiner Ansicht nach bedeutsame Unterscheidung zwischen selbstbewußten und lebensbewußten Wesen. Nur letztere wissen, daß sie leben und sterben werden (was hochkomplexes begriffliches Denken voraussetzt). Darum können auch nur sie tatsächlich leben- und den Tod vermeiden WOLLEN. Alle Gründe gegen die Tötung nicht-lebensbewußter Wesen können also nur indirekt sein (was übrigens zunächst keine konkreten Handlungen impliziert. Der Umstand, daß es keinen direkten moralischen Grund GEGEN die Tötung eines Lebewesens gibt, bedeutet noch lange nicht, daß es zur Tötung freigegeben ist!).

II. Warum die Vereitelung von Zukunftswünschen ein Argument gegen die Tötung (mindestens) selbstbewußter Wesen sein soll, kann ich insofern nicht nachvollziehen, als sie unter der Nichterfüllung ihrer Wünsche ja nicht mehr leiden können, wenn sie tot sind. Dasselbe gilt zwar auch für den Tod selbst, aber: TodesANGST ist ein sehr belastendes psychologisches Faktum im LEBEN bestimmter hochentwickelter Wesen und insofern der am schwersten wiegende Grund dafür, Maßnahmen gegen unfreiwilliges und vorzeitiges Sterben zu treffen. Dem Tod selbst sind wir hilflos ausgeliefert, aber wir können umso unbeschwerter leben, je sicherer wir sein dürfen, vor der Grenze unserer natürlichen Lebenserwartung keines unfreiwilligen und vermeidbaren Todes sterben zu müssen.

III. Singer gesteht religiösen Ethiken zu viel zu, indem er verkennt, daß nicht nur das Ergebnis, sondern immer auch die Motivation in die moralische Bewertung einer Handlung mit einbezogen werden muß. Ein Verzicht darauf hätte die absurde und auch für die ethische Didaktik katastrophale Folge, daß man einen Mordanschlag für moralisch gut halten müßte, nur weil er mißlungen ist und z.B. einem Blinden das Augenlicht wiedergegeben hat. Dasselbe gilt für Handlungen aus Gehorsam, die dadurch gekennzeichnet sind, daß ihnen eben KEINE moralischen Erwägungen zugrundeliegen.

Eher gefühlsbetonte ZeitgenossInnen mag es in Aufruhr versetzen, doch wer auch nur irgendwo, GANZ BESONDERS aber im Bereich der Ethik auf (interne UND externe) logische Konsistenz verzichtet, öffnet der Beliebigkeit Tür und Tor. Genau deshalb kommt die Menschheit nicht voran dabei, jedem einzelnen ihrer Mitglieder und auch allen übrigen empfindungsfähigen Wesen ein Leben weitestgehend frei von vermeidbarem Leid zu ermöglichen - obwohl sie es KÖNNTE! Peter Singer erklärt uns, warum sie es auch WOLLEN sollte, und wie es praktisch zu erreichen ist.

PS.: Singers Probleme im Umgang mit seiner alzheimerkranken Mutter bestätigen nur die Binsenweisheit, daß Emotion und Ratio nicht immer deckungsgleich sind. Seine ethische Theorie wird dadurch in keiner Weise relativiert - im Gegenteil! Sie führt uns eindringlich vor Augen, daß Ethik etwas theoretisch ungeheuer Komplexes und praktisch oft enorm schwierig Umzusetzendes ist, das man ebenso mühsam lernen muß, wie andere (geistes-)wissenschaftliche Disziplinen auch - eine unerhörte Botschaft für einen Kulturkreis, der seine ethische "Überlegenheit" wesentlich von zehn primitiven Befehlen eines allmächtigen Diktators herleitet.
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am 30. Juli 2001
Selbst wenn man - wie ich - nicht alle Schlüsse Singers mitvollziehen kann, so bleibt doch das Urteil bestehen, das schon einige Leser hier festgehalten haben: Singer argumentiert mit sorgfältig erläuterten Begriffen und gibt jeweils an, aufgrund welcher Überlegungen er zu welchem genauen ethischen Urteil kommt. Deshalb finde ich dieses Buch im Vergleich mit anderen Versuchen, Antworten auf hochaktuelle ethische Fragen zu geben, sehr informativ und hilfreich. Einerseits gelingt es Singer, diese vieldiskutierten ethischen Fragen auf der Grundlage philosophischer Überlegungen zu lösen, andrerseits ist seine Sprache gut verständlich, seine Argumentation nachvollziehbar, wenn nicht sogar bestechend. Auch wenn man eigentlich die Probleme von einer anderen Warte sieht, sollte man diese Darlegung zur Kenntnis nehmen.
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am 15. Dezember 2012
Insgesamt ein enttäuschendes, sich in endlosen Tiraden ergehendes Buch eines Philosophen mit dem Massenpublikum als Auditorium beim Schreiben im Hinterkopf. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Warum das sich in weitschweifigen Wiederholungen ergehende Werk, das sich gut und gerne auf ein Drittel zusammenstreichen ließe ohen an Substanz zu verlieren, seinerzeit derlei viel Wirbel auslöste, bleibt heute unverständlich. Das Buch liest sich schwatzhaft, ein wenig selbstgefällig und, da ist Singer ganz Geisteswissenschaftler, nicht im geringsten von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Gedankengängen angekränkelt. Patina hat es reichlich angesetzt und irgendwie scheint Singer theoretisch seither nicht weitergekommen zu sein. Für Tierrechtler und Studenten mit entsprechender Thematik dennoch immer noch als Lektüre zu empfehlen, und sei es um in Sachen Singer "mitreden" zu können.
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am 4. November 2005
Die Praktische Ethik Peter Singers ist wohl ein Buch, das wie kaum ein anderes in den letzten Jahren diskutiert wurde. Manche Menschenrechtler setzen Singer auf eine Stufe mit Hitler und dem nationalsozialistischen Euthanasieprogramm, andere drohen ihm gar mit Anschlägen oder bewerfen ihn auf Lesungen mit Eiern. Einige Tierschützer sehen in Singer hingegen den Verfechter neuer Tierrechte, den Begründer einer neuen und besseren Ethik. Doch was ist wirklich dran am Mythos Peter Singer und der Praktischen Ethik?
Singer fasst in seinem Buch in 12 aufeinander aufbauenden (nicht einzeln lesbaren) Kapiteln seine Ansichten zur Ethik zusammen. Dabei stellt er fest, dass Ethik grundsätzlich universal (also nicht relativ) sein sollte, und dass der Utilitarismus dies am besten stützt. Er untersucht Tiere und Menschen hinsichtlich ihrer verschiedenen Interessen und kommt zum Schluss, dass beide Schmerzen empfinden können und bestimmte Interessen im Hinblick auf die Gegenwart und (manche) auf die Zukunft besitzen. Er schließt daher, dass sich eine gültige Ethik auf diese Interessen (Präferenzen) beziehen muss und begründet damit den Präferenzutilitarismus. Ohne Frage steht das Leben (das wohl höchste Interesse aller Lebewesen) bei Singer an erster Stelle; folgerichtig stellt er sich nur die Frage, warum man Tiere mit gleichen Interessen wie Menschen tötet, während man bei Menschen darauf verzichtet. Die Bevorzugung des Menschen gegenüber den Tieren nennt er Speziesismus und stellt diesen in Reihe mit Sexismus (ein Geschlecht wird bevorzugt) und Rassismus (eine Rasse wird bevorzugt). Mit der Feststellung, dass Sexismus und Rassismus wenigstens von intelligenten Menschen als schlecht und falsch erkannt werden, markiert er den Speziesismus ebenfalls als moralisch verkehrt: Wer Tiere tötet, der sollte auch Menschen töten respektive wer keine Menschen töten will, der darf auch keine Tiere töten!
Dass einige Menschen nun glauben, Peter Singer fordere zum Mord an Menschen (egal welcher Entwicklung) auf, der irrt gewaltig und hat das Buch entweder überhaupt nicht gelesen oder nicht verstanden. Singer setzt nicht die Würde und die Rechte des Menschen auf Tierniveau. Er hebt im Gegenteil die Rechte der Tiere an und sorgt sich um ihre Behandlung durch den Menschen.
Peter Singer in Deutschland mundtot zu machen, ihn als Nazi zu beschimpfen (oder überhaupt mit solchen zu vergleichen) und seine Veranstaltungen zu blockieren, hat der wissenschaftlichen und philosophischen Debatte in Deutschland extrem geschadet. Wer sein Buch wirklich ganz gelesen und verstanden hat, der mag vielleicht anderer Meinung als er bleiben (wenn er stichhaltige Gegenargumente finden kann, was bezweifelt werden darf). Sich die Gedanken eines jeden Philosophen aber erst einmal anzuhören (oder zu lesen!) sollte jeder Mensch allein aus Höflichkeit zu seinen Grundregeln machen.
Fazit: Singers Buch Praktische Ethik ist argumentativ durchdacht, klug und zukunftsweisend. Egal ob man sich seiner Meinung anschließen mag oder nicht: Wer über ihn urteilen will, sollte das Buch GANZ lesen (das geht nicht in vier Stunden...) und versuchen, es zu begreifen (das geht auch nicht in vier Stunden...)!
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Ich möchte mir gar nicht anmaßen, mit den folgenden Bemerkungen eine wirklich erschöpfende Bewertung des Konzeptes ethischen Handelns, das von Singer in seiner "Praktischen Ethik" vorgestellt wird, abzugeben, doch finde ich sein Gedankengerüst gleichzeitig so faszinierend und abstoßend, dass ich einige Überlegungen dazu anstellen möchte.

In der Ethik geht es zwar um "moralisch" richtiges Handeln, aber dennoch sind in diesem Zusammenhang Etikette wie "gut" und "böse" fehl am Platz, da sie eher der Theologie, oder dem Märchen - so ist der Wolf "böse", Rotkäppchen hingegen "gut" - entstammen. Singers Verdienst, wie das des Utilitarismus überhaupt, ist es in diesem Zusammenhang, Maßstäbe für richtiges Verhalten zu entwickeln, die sich mit dem menschlichen Verstand nachvollziehen lassen. Dies ist meines Erachtens sehr wichtig, denn die meisten ethischen Konzepte sind, wenn auch nicht offen, so doch versteckt religiös, insofern sie den Menschen dazu anhalten, an etwas zu glauben, das er letzten Endes nicht weiter hinterfragen kann. Die Vorstellung von der Menschenwürde, die für den Menschen von vornherein einen höheren Wert postuliert, als ihn etwa ein Schimpanse hat, hängt gegenüber dem Verstand genauso in der Luft wie die Vorstellung von einem Gott, der den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und ihm die Herrschaft über den Rest der Schöpfung übertragen hat. Einer verstandesmäßigen, kritischen Analyse vermögen derartige Gedanken nicht standzuhalten. Die von Singer demgegenüber aufgestellten Prämissen wirken jedoch sehr überzeugend, und hierin liegt ein großes Verdienst des Utilitarismus - auch gegenüber der deontologischen Ethik -, auf das ich mit meiner Überschrift hinzuweisen versuchte.

Denn welche ethischen Verpflichtungen würden einer Person erwachsen, die von sich behauptet, an gar nichts zu glauben? In Dostojevskijs Roman "Die Brüder Karamasov" finden wir die Antwort, die uns sicherlich nicht gefallen dürfte: "Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt." Analog könnte ein solcher Mensch sagen: "Wenn sich die Menschenwürde nicht beweisen lässt, ist alles erlaubt." Schwerer dürfte es unserem Nihilisten allerdings fallen, die von Singer in den ersten beiden Kapiteln aufgestellten Grundsatzüberlegungen zu umgehen, wollte er nicht auch die leitende Funktion des menschlichen Verstandes negieren - doch täte er dies, machte er sich selbst einer Absurdität schuldig, denn er würde die Maßgeblichkeit des Verstandes verwerfen, um amoralisches Handeln rational zu begründen.

Der Vorwurf der Unmenschlichkeit, den man Singer macht, ist zunächst einmal zur Kenntnis zu nehmen, doch schließt er die Frage ein, was denn Unmenschlichkeit konkret bedeutet. Wird Unmenschlichkeit als besonders feines ethisches Bewusstsein gefasst, dann zielt dieser Vorwurf Singer gegenüber ins Leere, denn die Implikationen, die sich aus Singers Prämissen ergeben, verlangen uns im Gegenteil ein ungleich feineres ethisches Bewußtsein ab, als die meisten von uns es im Alltag an den Tag legen, indem wir etwa auf den Verzehr von Fleisch und ungehemmten Luxuskonsum nach Maßgabe unserer finanziellen Möglichkeiten verzichten müssten. Wird das Wort "Unmenschlichkeit" indes durch Anthropozentrismus übersetzt, dann sprechen wir mit einem Male die Sprache der meisten der Kritiker Singers, die sich nicht mit den logischen Konsequenzen für die Ablehnung der Annahme, der Mensch sei etwas Besonderes (gleichsam die "Krone der Schöpfung"), anfreunden können, und sind auch wieder bei der Menschenwürde, die dem Schimpansen eben nicht eignet, angelangt. Wir sind dann recht eigentlich der menschlichen Eitelkeit ins Netz gegangen, gegen die schon Kopernikus und Charles Darwin einen anstrengenden Kampf führen mussten. Ich kann eine Kritik an Singer emotional durchaus teilen, steht er doch mit all unseren von Kindheit an verinnerlichten ethischen Grundsätzen im Widerspruch, doch finde ich - im Augenblick - keine Möglichkeit, ihm intellektuell-rational beizukommen.

Allerdings - und dies ist die Kehrseite der Medaille - sehe ich durchaus die Gefahren, die sich aus Singers Ethik ergeben. Ich muss mich hier gar nicht lange bei den besonders für uns Deutsche unangenehmen Assoziationen, die sich aus Konzepten wie "Euthanasie" und Abtreibung behinderter Kinder ergeben, aufhalten, wobei doch angemerkt sein sollte, dass sich zwischen Singers Lesart und derjenigen der Nationalsozialisten gewisse Unterschiede auftun.

Vielmehr gebe ich zu bedenken, dass der Reduzierung menschlichen Lebens auf Gesundheit, Denkfähigkeit und Bewusstsein ein sehr unangenehmer Beigeschmack von Funktionalität anhaftet, der bestens ins unsere von Globalisierung und Normierung geprägte Zeit des "Bigger is better" passt und dem Menschen mehr und mehr die Rolle eines funktionierenden, widerstandslos um die eigene Achse rotierenden Rädchens innerhalb der Gesellschaft zuschreibt, wobei abweichendes Verhalten mit wissenschaftlichem Vokabular pathologisiert zu werden droht.

Auch mit der exponierten Rolle von Wissenschaft und menschlichem Verstand habe ich meine Probleme, denn was heute als Wissenschaft gilt, kann morgen bereits als Irrtum entlarvt sein (Smithers, "Uh, Sir! Phrenology was dismissed as quackery 160 years ago."). Zudem glaube ich nicht, dass die Wissenschaft wirklich für alle Bereiche unseres Lebens die maßgebliche Bezugsgröße abgeben kann. So sehe ich denn auch in der Fähigkeit, Lust und Freude zu empfinden, die man Behinderten gewöhnlich nicht abzusprechen vermag, etwas durchaus Menschliches und Schützenswertes. Und eine Emotion mag mir in hundert wissenschaftlichen Werken als ein biologisch wichtiger Überlebensmechanismus verkauft werden, sie ist für mich doch immer etwas Schönes und Erfüllendes.

Was bleibt mir nun als Schlussfolgerung bezüglich dieses durchaus der Diskussion werten Buches von Singer übrig? Singer gelingt es auf der einen Seite, der Ethik eine feste Grundlage zu geben, indem er rational nachvollziehbare Prämissen für ihren Geltungsbereich sowie für die Grundsätze ethischen Handelns darlegt. Dadurch leistet er der Ethik einen Dienst, enthebt er sie doch der Beliebigkeit individuellen Glaubens und Für-wahr-Haltens. Andererseits aber gefallen unzähligen Menschen die sich daraus ergebenden Implikationen in mehreren Bereichen menschlichen Handelns nicht, haben sie doch begründeten Anlass zur Sorge vor unheilvollen Entwicklungen. Was ist hier also zu tun? Wir sind in einem rechten Dilemma gefangen.

Da es meiner Meinung nach unsinnig ist, eine philosophische Theorie danach zu bewerten, ob sie mir nun persönlich zusagt oder ob sie abstoßend und beleidigend auf mich wirkt, halte ich mich an Kriterien wie logische Schlüssigkeit und fundierte Argumentation. In diesen Bereichen weiß Singer, so finde ich, mehr zu überzeugen als viele andere Konstrukte praktischer Philosophie. Wenn man sich mit den einzelnen Implikationen Singers nicht abfinden will, und das kann ich durchaus verstehen, dann bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als weiterhin scharf und kritisch über Ethik nachzudenken - und uns hierzu zu bringen, ist dann ein weiteres Verdienst dieses so befremdlichen Buches.
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