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am 23. April 2015
Die Hochzeit des Mönchs

Verona zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts. An einem frostigen Novemberabend gesellt sich ein „gravitätischer Mann, dessen große Züge und lange Gewänder aus einer anderen Welt zu sein schienen“, zu einer fürstlichen Abendgesellschaft. Wir alle kennen das Konterfei des Gastes, welches die Rückseite der italienischen 2 Euro Münze schmückt. Es ist kein Geringerer als der berühmte Dante Alighieri.

Im Kreise der Gäste beiderlei Geschlechts wird gelacht und gescherzt. Unter die adligen Teilnehmer hat sich Hofgesinde gemischt. Die Szenerie erinnert an die Rahmenhandlung aus Giovanni Boccaccios Novellensammlung ‚Decamerone’. Wie bei Boccaccio Männer und Frauen zusammenfinden und Geschichten erzählen, die unter einem bestimmten Leitmotto stehen, so wird auch in Meyers Novelle den Vortragenden ein Thema vorgegeben: der plötzliche Berufswechsel.

Der Dichter erkundigt sich, welche Facetten des Themas bereits behandelt wurden und entscheidet sich dann für die Geschichte eines Mönchs, der sein Gelübde freiwillig löste. Die Inspiration will Dante aus einer Grabinschrift gewonnen haben.

Eine Diskussion über den Sinn und Zwecke des Mönchtums setzt ein und gipfelt in der ketzerischen Frage, ob es mehr schlechte als gute Mönche gäbe. Dante beendet das Streitgespräch, indem er darauf verweist, dass das Gute in der Welt vorherrsche: „Fragt und untersucht unsere Philosophie nicht, wie ist das Böse in die Welt gekommen? Wären die Bösen in der Mehrzahl, so frügen wir: wie kam das Gute in die Welt?“

Dante beginnt: Die Brautfahrt des Umberto Vicedomini und der Diana Pizzaguerra in einer Barke auf dem Fluss Brenta in Padua endet in einer Katastrophe. Das Boot kentert, Umberto ertrinkt und sein Bruder, der Mönch Astorre, rettet die Braut. Astorres Vater, der „alte“ Vicedomini, ist besorgt um sein Erbe. Er hat alle Söhne verloren, nur Astorre lebt noch und so bedrängt er den Verbliebenen, sein Gelübde zu lösen und Diana zu heiraten. Als der Alte auf dem Strebebett „seine Knie schon in die kalte Flut der Lethe versinken“ fühlt, flucht und wettert er gegen Gott. Um das Seelenheil des Vaters besorgt, willigt der Mönch in die Ehe mit Diana ein. Zufrieden schließt der Alte die Augen.

Astorre macht sich auf den Weg, einen Trauring zu kaufen. Da er die Ringgröße der Braut nicht kennt wählt er zwei Ringe aus: einen großen und einen kleinen. Von einem Leibgardisten angestoßen, rollt der kleine Ring aus seiner Hand. Die Zofe der adligen Antiope hebt das Schmuckstück auf und streift es der Herrin über den Finger: „Ein Glücksring!“. Astorre zögert einen Moment, den Ring zurückzufordern, dann wird er von einem Freund abgelenkt und überlässt den Ring der Finderin. Die Zofe erzählt Antiopes Mutter, Madonna Olympia, der Mönch habe „Antiope verstohlenerweise einen Goldring zugerollt“. Antiope gelingt es nicht, der Mutter das „Geschwätz“ auszureden.

Während der Vermählung Astorres mit Diana kommt es zum Eklat. Als Astorre Diana den Ring überstreift, beharrt Madonna Olympia auf Astorres angebliches Heiratsversprechen. In dem nun aufkommenden Tumult ohrfeigt Diana Madonna Olympia. Astorre bringt Antiope nach Hause und entdeckt seine Zuneigung für die junge Frau. Die grobe, harte Haltung Dianas empfindet er abstoßend, das zartfühlende, herzliche Auftreten Antiopes entflammt seine Liebe. Die Aufregung von Dianas Vater legt sich rasch, als eine finanzielle Entschädigung lockt. Germano, Dianas Bruder und Astorres Freund fühlt sich in der Ehre gekränkt, überlässt aber der Rachegöttin die Bestrafung. Auch Diana willigt scheinbar in den Handel ein, verlangt aber, dass Antiope ihr demütig und reuig den Ring vom Finger zieht. Als Antiope den Ring Dianas berührt, wird sie von der Entehrten getötet. Astorre ermordet Germano, den er für den Täter hält und stirbt durch dessen Schwert: „Jetzt schlummert den Mönch Astorre neben seiner Gattin Antiope“.

Meyers historisches Liebesdrama unterscheidet sich von seinen komödianten Novellen. Auch wenn die Kritik an der Religion nicht vorherrscht, kann sich der Autor einen Seitenhieb gegen das Mönchtum nicht verkneifen. Auf die Frage, ob es denn Mönche geben müsse antwortet Dante: „Nicht meinetwegen … Mögen die Mönche aussterben, sobald ein Geschlecht ersteht, welches die beiden höchsten Kräfte der Menschenseele, die sich auszuschließen scheinen, die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit vereinigen lernt“. Wie so oft verwendet Meyer das Stilmittel der Erzählung in der Erzählung. Der Erzähler Dante unterbricht oft seine Erzählung, um Einwürfe der Zuhörer zu beantworten oder Erläuterungen hinzuzufügen. Im Vergleich zu anderen Novellen, etwa ‚Plautus im Nonnenkloster’ oder ‚Das Amulett’ fallen die retardierenden Momente ausgedehnter aus und fordern vom Leser eine höhere Konzentration. Meyer scheint das erkannt zu haben, wenn er schreibt: „Dante hielt inne. Seine Fabel lag in ausgeschütteter Fülle vor ihm; aber sein strenger Geist wählte und vereinfachte.“

Fazit: Eine schöne Novelle in der Meyer dem großen italienischen Dichter ein Denkmal setzt.

Plautus im Nonnenkloster

In der Novelle ‚Plautus im Nonnenkloster’ setzt Conrad Ferdinand Meyer dem Humanisten und Sprachforscher Poggio Bracciolini ein Denkmal. Poggio verdanken wir das Wiederauffinden vieler, längst verschollen geglaubter lateinischer Schriften. Bei dem 1882 entstandenen Werk handelt es sich – wie in der Novelle ‚der Schuss von der Kanzel’ auch – um eine Verwechslungskomödie, nur hat Meyer die beiden Pistolen gegen zwei Kreuze ausgetauscht.

In einer Abendgesellschaft in den Gärten des Cosmus Medici wird der greise Poggio aufgefordert zu berichten, wie er „der Welt die Komödien des Plautus wiedergegeben“ hat. Unverkennbar die Parallele zu Meyers Novelle ‚Die Hochzeit des Mönchs’, in welcher der Dichter Dante Alighieri eine abendliche Gesellschaft mit einer Geschichte unterhält. Weiterhin wird der aufmerksame Leser ein beliebtes Stilmittel von Meyer wiederfinden: die verschachtelte Aufbauweise, eine Erzählung in der Erzählung.

Poggio erzählt, wie er im Herbst 1417 anlässlich eines Konzils in Konstanz, welches das Schisma auflösen und einen neuen Papst bestimmen sollte, die Gunst der Stunde nutzt und in den umliegenden Klöstern nach altertümlichen Manuskripten forscht. Er verfolgt eine Spur, die ihn in ein Nonnenkloster führt, „wo ein Unsterblicher, statt die Welt zu ergötzen, in unwürdigem Dunkel moderte!“. Im Klosterhof wird er Zeuge einer seltsam anmutenden Szenerie: Eine angetrunkene Horde trieb unter „Jubel und Gelächter“ ihre Späße mit einem schweren Holzkreuz: „Um die Unwürdigkeit der Szene zu vollenden, tanzte die bäurische Äbtissin wie eine Besessene auf der frisch gemähten Wiese herum …“. Es ist die Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung der Nonnenanwärterin Gertrude. Schnell durchschaut der Glaubensmann das Spiel: Der Menge soll vorgetäuscht werden, dass nur eine von Gott für würdig befundene Kandidatin das Kreuz zu tragen vermag. Das „Scheinwunder“ wird durch ein „leichtes Gaukelkreuz“ erreicht. Poggio entdeckt das leichte Duplikat und droht der Äbtissin mit einem Ketzerprozess. Mit diesem Druckmittel presst er ihr das Manuskript der Komödien des Plautus ab. Im Gegenzug muss er der Äbtissin aber versprechen, Gertruden den Betrug nicht offenzulegen. Er greift zu einer List und gibt Gertrud drei Hinweise. Diese erkennt den Schwindel, enttarnt das Geheimnis und stellt die Äbtissin bloß. Die „Reliquie (wurde) entkräftet und die Laufbahn des Mirakels geschlossen“. Mit den Worten „Plaudite amici! Ich bin zu Ende“, schließt die Geschichte.

Fazit: Meyers Novelle besitzt den Witz einer plautischen Komödie. Auch die Charakterzüge und das Verwechslungsmotiv könnten der neuen attischen Komödie entliehen sein. Dem steht die harsche Kritik gegen Kirche und Klerus gegenüber. Der Hinweis auf das katholische Schisma und die Häresie weisen den Leser auf die drängenden Probleme der damaligen Zeit. Im Stile Luthers prangert Meyer die Missstände der katholischen Kirche an („unser heiliger Vater Johannes XXIII, den wir in Konstanz entthronten, hatte kein Gewissen“) und beschuldigt den Klerus, die gutgläubigen Schäfchen zu verdummen: „Man soll mit dem Volk nicht scherzen“. Das Nonnenkloster, in dem sich „Bänkelsänger, Zigeuner, fahrende Leute, Dirnen und Gesindel jeder Art“ herumtreiben gleicht mehr einem Jahrmarkt, denn einer erbaulichen Stätte. Die bäurische Äbtissin ist angetrunken und den weltlichen Dingen mehr zugetan als den geistlichen.

Bei aller Kritik an den menschlichen Schwächen darf aber der Leser nicht vergessen, dass wir den Mönchen in den Klostern zu Dank verpflichtet sind für die Bewahrung des antiken Erbes und den Humanisten für deren Wiederentdeckung.
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am 4. Oktober 2011
Poggio, ehemaliger Kleriker und päpstlicher Sekretär, Dichter und Sammler antiker Schriften, besonders der Werke des Plautus, nunmehr Familienvater mit aus der Art geschlagenen Söhnen, ist eigentlich ein Ästhet, der alles, was um ihn herum geschieht, aus der Distanz nach Gefallen und Mißfallen beurteilt und genießt. Nun wird er Zeuge einer unglücklich abgebogenen Liebesgeschichte. Sein Verantwortungsgefühl erwacht. Er weiß die Dinge so hinzudrehen, daß er einen eklatanten Klosterbetrug aufdeckt, die unglückliche Braut Christi ihrem geeigneteren irdischen Bräutigam zuführt und zugleich an die begehrte Schriftrolle mit den gesuchten Komödien des Plautus herankommt.
Das Werk, Meyers kürzeste Novelle und zugleich eine seiner wenigen mit glücklichem Ausgang, ist kühl wie eine Marmorstatue unter mediterranem Himmel erzählt und entfaltet seinen anhaltenden Reiz auf der Folie vertrauter Kenntnis. Das ist nichts für unkonzentrierte Diagonalleser.
Es gibt neben den zahlreichen Leseausgaben inzwischen einige Hörbuchversionen. Zum Verständnis ist es wichtig, daß der Aufnehmende Pausen bekommt, um die dichte Information auf sich einwirken zu lassen. Leider bringen Produzenten nicht immer die Aufmerksamkeit zustande, um solche perfekten Textkunstwerke zu vermitteln. Also aufpassen und nicht unbedingt auf das von Meyer Gemeinte zurückschließen!
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am 26. April 2011
Nach mehrmaligem Lesen finde ich immer noch Überraschungen, sei es, daß mir
erst jetzt die Symbolik der Namensgebungen auffiel oder Hintergründe, die
Meyer mit einem kleinen Handstreich mal eben anreißt, mein Verlangen
anregen, weiter gründlich in der Literatur zu recherchieren. Erinnert z.B.
nicht schon die Eingangsszene an Boccaccio? Sehe ich da nicht Einflüsse und
Bezüge zu Themen, die sich bei Goethe und Molière finden? Oder viel später
in der Psychologie und Philosophie unserer Tage? Griechische und römische
Mythologie ist verwoben mit dem Spiel des Fatums inmitten psychologisch
gewitzter Kenntnis menschlicher Schwächen und Eitelkeiten. Wortspiele, von
Protagonisten verwendete Spitzfindigkeiten regen an zum Kombinieren und
Schlußfolgern. Meyer ist hintergründig, vielleicht sogar verschlagen, er
verkleidet die Ambivalenz und Triebhaftigkeit der Menschen hinter
mannigfaltigsten Masken. Und immer farbig und gedrängt. Sehr bildhaft. Von
wegen bürgerlicher Realismus!
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am 12. April 2001
Conrad Ferdinand Meyer: Die Hochzeit des Mönchs, 1884

Auf dieses Buch aufmerksam wurde ich durch dessen Titel. Als ich das Buch dann las, stellte ich fest, dass der Inhalt ziemlich genau meinen Erwartungen entspricht: Die Novelle handelt von einem Mönch, der heiratet, was ihn und sein Umfeld in einige Schwierigkeiten bringt.

"Die Hochzeit des Mönchs" ist in der Form der Rahmen- und Binnenerzählung geschrieben. Conrad Ferdinand Meyer konzipierte den Text aus persönlichen Gründen als historische Novelle und verlegte die Handlung ins hochmittelalterliche Italien. Dante, der aus seiner Heimatstadt vertrieben und vom Fürsten in Verona aufgenommen wurde, tritt an einem kalten Winterabend in den Kreis der Höflinge, die sich um den Fürsten am Kamin versammelt haben. Auf Bitten des Fürsten erzählt er eine Geschichte zum Thema "Berufswechsel". Inspiriert durch einen Grabstein in Padua, erfindet er die Geschichte des Mönchs Astorre.

Astorre kehrt unter dem Druck seines sterbenden Vaters nach mehreren Jahren im Kloster widerwillig ins weltliche Leben zurück und verspricht, Diana, die Braut seines eben verstorbenen Bruders, zur Frau zu nehmen, um das weitere Bestehen des Geschlechtes zu gewährleisten. Der ehemalige Mönch fühlt sich aber von seinem Vater um das Klosterleben betrogen und empfindet tiefe Reue. Doch sobald Astorre von den strengen Regeln des Klosterlebens befreit ist, wird er haltlos. Seine Gefühle überwältigen ihn und schon bald begeht er einen weiteren Treuebruch: Er verliebt sich in Antiope und vermählt sich mit ihr am Tag nach seiner Verlobung mit Diana. Da er damit gegen die Regeln der Gesellschaft verstösst, macht er sich seine Mitmenschen zu Todfeinden. So nimmt die Geschichte ein tragisches Ende: Antiope wird durch die in ihrem Stolz verletzte Diana getötet, woraufhin Astorre deren Bruder ersticht und dabei selbst durch dessen Schwert umkommt.

Für seine Figuren verwendet Dante die Namen seiner Zuhörer. Ihre Charaktere treten in der Rahmenerzählung nur wenig hervor. Doch Dante formt, obwohl er behauptet, im "Inneren" seiner Zuhörer nicht "lesen" zu können, die Gestalten seiner Erzählung genau nach dem Vorbild seiner Zuhörer. In der Geschichte sind die Charaktere sehr fein ausgearbeitet und treten deutlich hervor. So entsteht eine enge Beziehung zwischen der Rahmen- und der Binnenerzählung, die nicht nur auf Äusserlichkeiten beschränkt bleibt. Immer wieder wird Dante durch seine Zuhörer unterbrochen oder er unterbricht sich selber und korrigiert seine Geschichte. Durch diese geschickt eingeschalteten Pausen wirkt die Novelle auf mich noch lebendiger.

Zu Beginn der Geschichte sagt der Fürst: "Wer gestossen wird, springt schlecht." Diese Worte deuten bereits auf den Verlauf der Handlung hin und auch das Ende der Geschichte ist durch die Grabinschrift schon gegeben. Trotzdem nimmt die Geschichte für mich immer wieder eine überraschende Wende. Mir ist aufgefallen, dass in Meyers Novelle der Zufall eine grosse Rolle spielt. Ohne manche rein zufällige Begebenheiten wäre die Geschichte meiner Meinung nach ganz anders verlaufen. Wäre sein Bruder nicht infolge eines Unglücks gestorben, wäre Astorre nicht aufgefordert worden Diana zu heiraten. Auch, dass er sich schliesslich mit Antiope vermählt, wird durch einige Zufälle ausgelöst. Astorre folgt den Zufällen nicht nach seiner Überzeugung, sondern aus seiner inneren Unsicherheit und lässt sich dabei von seinen Emotionen leiten. Viele dieser Zufälle empfinde ich als sehr konstruier und unwahrscheinlich, was meiner Meinung ein Schwachpunkt der Novelle ist.

Conrad Ferdinand Meyer schrieb "Die Hochzeit des Mönchs" gegen Ende des Realismus im Jahre 1884. Der Schweizer Schriftsteller stammt wie die meisten Realisten aus dem Bürgertum. Doch im Gegensatz zu den übrigen Realisten hat Meyer seine Erzählung nicht in die Zeit der Gegenwart, sondern in die des Mittelalters verlegt. Für den Handlungsraum wählte er eines der Gebiete, die er auf einer seiner zahlreichen Reisen kennen gelernt hatte. "Die Hochzeit des Mönchs" spielt in Padua, der damals berühmten Universitätsstadt in Italien. Im Realismus spielt die Handlung nicht in einem Industriezentrum oder einer Großstadt, sondern in einer Kleinstadt oder auf dem Land. Den Hintergrund bildet nicht das öffentliche Geschehen oder die große Politik, sondern die kleine, enge Welt des Privaten. Der bürgerlichen Realismus will die erfahrbare Welt schildern und ist gegen jede die Wirklichkeit verfälschende Tendenz. Doch Meyers Novelle entfernt sich aus meiner Sicht zunehmend von den nachvollziehbaren Erfahrungen und psychologischen Wahrscheinlichkeiten, was vor allem durch die auf mich künstlich wirkenden Zufälle geschieht. Conrad Ferdinand Meyer teilt mit den Realisten das Interesse an der Darstellung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft. Bei ihm tritt dabei das Thema der Treue ins Zentrum. Treue heisst Festhalten an sozialen Bindungen oder Rollen, Untreue birgt ein innerliches Aufbegehren gegen die Verbindlichkeit gesellschaftlicher Ansprüche. Dazu zählt nicht nur die Treue in der Liebe, für deren Bruch Astorre mit dem Leben bezahlt, sondern auch die Treue gegenüber der Gesellschaft und der eigenen Überzeugung. Dabei scheinen auch die Kirche und die Geistlichkeit bei Meyer eine tragende Rolle zu spielen. Ich glaube aber, dass es weniger um die Religion als vielmehr um eine Machtfrage geht. Nur Astorre bereut zu Beginn seine Verweltlichung und denkt an Widersetzung. Andere Vertreter der Kirche kommen aber nicht zu Wort.

Meyers Sprache ist einfach und nüchtern und macht auf mich einen sehr natürlichen Eindruck. Er vermeidet sprachliche Extreme wie Gefühlsüberschwang und Ausbrüche. Aus dieser Sicht ist "Die Hochzeit des Mönchs" typisch für den bürgerlichen Realismus. Im Inhalt ist die Novelle aber keinesfalls emotionslos. Meyer verwendet eine sehr eigentümliche Wortwahl, was mir besonders bei den Adjektiven aufgefallen ist. Obwohl Meyer sehr viele Adjektive braucht, verzichtet er auf die genaue Beschreibung von Unwichtigem, sondern berichtet nur, was man wissen muss, um die Novelle zu verstehen. Die Gefühle und die Meinung des Autors bleiben ausserhalb der Darstellung. Diese Objektivität, die bei Meyer ganz stark zum Ausdruck kommt ist ein sehr typisches Merkmal des Realismus. Sowohl die Rahmenerzählung als auch die Binnenerzählung sind in der Aussensicht dargestellt.

Die Novelle hat einen ganz klaren Handlungsablauf, was das Lesen für mich vereinfachte. Sie ist in einem raschen Tempo erzählt und steuert unaufhaltsam auf die Katastrophe zu. Ich finde die Novelle sehr spannend und Conrad Ferdinand Meyers trockener Humor regte mich immer wieder zum Grinsen an.
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