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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
3
4,3 von 5 Sternen
Romanzero (Reclams Universal-Bibliothek)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:6,10 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

TOP 1000 REZENSENTam 6. September 2016
Aus meiner Schulzeit war mir bisher nur das satirische Werk "Deutschland, ein Wintermärchen" von Heinrich Heine bekannt. Darin nahm er ähnlich wie später zur Zeit Kaiser Wilhelms II "Der Hauptmann von Köpenik" den deutsch - preußischen Beamten- und Militärstaat aufs Korn und offenbarte uns die blinde Kuh, namens deutscher Michel. Dabei riskiert Heine mit seinen spitzfindigen Worten zur Zeit der deutschen Vormärzrevolution recht viel und sein Humor ist dennoch irgendwie zeitlos. Vielelicht ist ja Dieter Nuhr die Reinkarnation von Heinrich Heine. :-)

In der Stuttgarter S- Bahn werden regelmäßig Weisheiten oder Gedanken für den Alltag veröffentlicht. Dazu zählte auch des öfteren der ein oder andere Satz aus diesem Werk Heines.

Ein Auszug:
Lamentationen

Das Glück ist eine leichte Dirne,
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küßt dich rasch und flattert fort.

Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.

Dieser Auszug spricht geradezu für den sarkastischen Humor Heines. Nicht nur für Germanisten empfehlenswert. - Christoph Erlemeier -
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am 10. Mai 2010
Im Nachwort zum ,Romanzero' bekennt Heinrich Heine, dass der Titel des Werks dem Romanzenton der Gedichte entspricht. Das Werk wurde 1851 veröffentlicht, als der Dichter gefangen in seiner ,Matratzengruft', zu einem Skelett abgemagert auf den Tod wartete: "Man hatte mir längst das Maß genommen, zum Sarg."

Heine, der auch als die Spottdrossel im deutschen Liederwald bezeichnet wurde, gesteht, nie ein frommes Lamm gewesen zu sein. Seine satirisch, bissigen Seitenhiebe wurden vom Gegner gefürchtet und von der deutschen Zensur verfolgt.

"Verlorner Posten in dem Freiheitskriege,
Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus.
Ich kämpfte ohne Hoffnung, dass ich siege,
Ich wusste, nie komm' ich gesund nach Haus."

Der Weg zurück in das geliebte Deutschland sollte für immer verwehrt bleiben. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Montmartre in Paris.

"Jetzt wohin? Der dumme Fuß
Will mich gern nach Deutschland tragen;
Doch es schüttelt klug das Haupt
Mein Verstand und scheint zu sagen:

Zwar beendigt ist der Krieg,
Doch die Krieggerichte blieben,
Und es heißt, du habest einst
Viel Erschießliches geschrieben."

Heine bereitet sich auf sein Ende vor. Er verabschiedet sich von den treuen Lesern und verhöhnt seine Feinde. Mit seinem Schöpfer hat er Frieden geschlossen: "Ja, wie mit der Kreatur, habe ich auch mit dem Schöpfer Frieden gemacht, zum größten Ärgernis meiner aufgeklärten Freunde ...". In den ,schwindelichsten Bergpfaden der Dialektik' und dem Pantheismus sieht er Irrwege. Doch kehrt weder in den Schoß der jüdischen noch den der christlichen Kirche zurück.

Im ,Buch der Lieder', das Heinrich Heine als gedrucktes Narrenhaus bezeichnete, in dem düstere Gedanken und dunkle Träumen wohnen, begegnen wir Tod und Teufel. Auch im Romanzero begegnen uns Geister und Gespenster. Tote steigen zu mitternächtlicher Stunde aus ihren Gräbern, und Wandtapeten erwachen zum Leben. Bein bunten Stelldichein der Spukgestalten in alten Gemäuern rasselt und knistert es, Gewisper und Gewinseln ist zu hören.

Wie so oft werden auch die Religionen nicht von Heines Spott verschont. Zum Schmunzeln ist die Geschichte eines mittelalterlichen Religionsstreites - Heine nennt es einen Maulkampf - zwischen einem Rabbi und einem Franziskaner. Wie so oft wurde über die Frage "Welches ist der wahre Gott?" gestritten. Die beiden Maulhelden geraten in eine hitzige Diskussion und als die Königin entscheiden soll, wer von beiden den Sieg davon trägt, antwortet sie weise.

"Welcher recht hat, weiß ich nicht -
Doch es will mir schier bedünken,
Dass der Rabbi und der Mönch,
Dass sie beide stinken."

Dass in Frankreich nach der Revolution immer noch die alten Sitten herrschen, der ,alte Spuk' umgeht, beschreibt Heine in dem Gedicht ,Marie Antoinette'. Die Königin hält immer noch morgens im Tuilerienschloß ihr Lever. Die Hofdamen schminken, frisieren die Herrscherin und kleiden sie an. Dass alle Damen durch die Guillotine kopflos geworden sind, stört kaum, denn "in Ermangelung eines Kopfes lächelt sie mit dem Steiße".

Wie unterschiedlich hold Glück und Unglück dem Menschen sind, schildern folgende Zeilen.

"Das Glück ist eine leichte Dirne
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küsst dich rasch und flattert fort.

Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt."

Heines Gedanken über Geld und Reichtum sind zeitlos:

"Dir huldigt die Menschheit, denn du hast Geld!
...
Doch, Ärmste, hast du einst kein Geld,
Dreht dir den Rücken die ganze Welt"

Und an andere Stelle:

"Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.

Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben -
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur, die etwas haben."

Und zum Abschluss noch diese Zeilen:

"Die reichen Leute, die gewinnt
Man nur durch platte Schmeichelein -
Das Geld ist platt, mein liebes Kind,
Und will auch platt geschmeichelt sein."
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am 7. September 2009
Der "Romanzero" ist ein gewaltiges Werk: bissig und gelassen, frech, blasphemisch, zynisch und gefühlvoll, respektlos, lustig, gescheit, kunstvoll und kunstlos, seiner Zeit um 150 Jahre voraus, eine Frischzellenkur im spiessigen Biedermeier des 19. Jahrhunderts und im politisch korrekten Linksspiessbürgertum der Jetztzeit, ein Dorn in jedem Auge, und vor allem ein bewundernswürdig gelassenes und selbstironisches Werk im Angesicht des Todes.
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