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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
70
4,4 von 5 Sternen
Der Sandmann
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:2,00 €+ 2,35 € Versandkosten


TOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 20. April 2015
SCHAUERROMAN _ SCHAUERMÄRCHEN: Vielleicht der schönste Text von E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, voll dunkler Schönheit, voller Abgründe............. der Text glüht in dunkler Nacht. Schwarze Kindheitserinnerungen, Realität und Traum verwischen.......... der Student Nathanael kann nicht mehr zwischen ihnen unterscheiden, der Leser bzw. Zuhörer auch nicht. Böse Gestalten, wie der "Wetterglashändler Coppola" entstehen vor dem inneren Auge der Zuhörer. Es gibt kein Entrinnen...............................

Der Schauspieler Gerd Wameling liest hier diesen Text von E.T.A. Hoffmann, mit seiner warmen, samtigen, meditativen Stimme, ungekürzt. Man kann die Lesung gar nicht unterbrechen. Sie entwickelt einen Sog, dem sich der Zuhörer schlecht entziehen kann. Deshalb ist hier das mp3-Format sehr sinnvoll, auch wenn es sich "nur" um 91 min handelt, die diese Gesamtlesung dauert. Klassiker möchte man nicht unterbrechen, möchte lange zuhören..................... und den SANDMANN muss man einfach ganz hören - ohne Unterbrechung.

In dieser Klassiker -Reihe des Audio-Verlags gibt es noch einen zweiten Text von E.T.A. Hoffmann, die SCUDERI, gelesen von Christian Brückner; ein Tipp zum Weiterhören.

(J. Fromholzer )
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TOP 500 REZENSENTam 11. April 2009
Ein komischer Kauz scheint er gewesen zu sein, dieser Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Zur Zeit der Befreiungskriege pflegte er nach den Schlachten mit einem Glas Rotwein in der Hand über die blutgetränkten Schlachtfelder zu flanieren, um sich der Ästhetik des Schreckens hinzugeben, von der so viele Romantiker begeistert, um nicht zu sagen besessen waren. In seinen Werken beschäftigte sich Hoffmann mit menschlichen Abgründen hinter der Fassade des Bürgerlichen sowie den Einfluss der Kindheit auf das Denken und Handeln eines Erwachsenen, so dass Sigmund Freud sagen konnte, dass ein Großteil seiner Psychologie bereits bei Hoffmann angelegt gewesen sei. Eine seiner bekanntesten und wirkungsmächtigsten Geschichten ist "Der Sandmann", die erstmals im Jahr 1817 erschienen ist.

Zum Inhalt: Der Student Nathanael berichtet zu Beginn in einem Brief über ein schlimmes Erlebnis aus seiner Kindheit. Er musste mit ansehen, wie sein Vater bei einem merkwürdigen Experiment, welches er mit dem Advokaten Coppelius durchführte, ums Leben kam. Nun, Jahre später, meint er, in dem Optiker Coppola den Dämonen seiner Vergangenheit wieder entdeckt zu haben. Seine Geliebte Klara versucht, ihn zu beruhigen: "Es ist das Phantom unseres eigenen Ichs, dessen innige Verwandtschaft und dessen tiefe Einwirkung auf unser Gemüt uns in die Hölle wirft, oder in den Himmel verzückt" (15). Bildet sich Nathanael alles nur ein, oder wird er tatsächlich von den Schatten seiner Vergangenheit eingeholt? Zusätzlich verliebt er sich in Olimpia, die Tochter von Professor Spallanzani. Geradezu fanatisch steigert er sich in seine Liebe zu Olimpia hinein, die auf alle anderen Menschen in ihrer Umgebung seltsam farblos wirkt.

Wahn oder Wahrheit? Realität oder Fiktion? Der Text erlaubt keine definitive Antwort auf diese Fragen. Ist Nathanael verrückt oder verbirgt sich hinter dem Optiker Coppola tatsächlich der Advokat Coppelius aus seiner Vergangenheit? Es finden sich Hinweise für beide Positionen, so dass "Der Sandmann" eine optimale Projektionsfläche für die Interpretationskünste des Lesers bietet. Und was sich hinter der mysteriösen Olimpia verbirgt, hat nicht nur die Literaturgeschichte revolutioniert.

Fazit: Dunkel, düster, mysteriös: "Der Sandmann" fasziniert bis heute und war seiner Zeit weit voraus. Mehr über E.T.A Hoffmann und die Epoche der Romantik finden sich in den beiden exzellenten Darstellungen E. T. A. Hoffmann: Das Leben eines skeptischen Phantasten und Romantik. Eine deutsche Affäre von Rüdiger Safranski.
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am 16. September 2016
E.T.A Hoffmann, ist und bleibt für mich einer der ganz großen Authoren der Klassik.
Es wurde bei anderen Rezensionen genügend auf den Inhalt eingegangen, deswegen halte ich mich kurz.
In schlichter doch bildhafter Sprache erfährt der Leser von Nathanaels traumatischen Kindheitserinnerungen, hervorgerufen durch den Wetterglashändlers Coppola, in dem er den Advokat Coppelius zu erkennen glaubt. Advokat Coppelius, in Nathanaels Kindheit, war der unheimliche Sandmann. Langsam wird Nathanael immer verwirrter und verrückter bis zu seinem tragischen Ende.

Hoffmann schreibt, ich möchte fast sage minimalistisch, er verzweigt nicht in Nebensächlichkeiten und bleibt stets bei der Sache. Trotzdem ist die Erzählsprache bildhaft, spanned und dem Thema entsprechen etwas schaurig.

Ich kann diese Buch nur empfehlen.
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am 23. März 2008
Ich habe nicht alle Erzählungen von Hoffmann gelesen, aber wer sich z. B. das "Fräulein Scuderi" zu Gemüte geführt hat und von allen Hoffmannschen Erzählungen diese Klasse erwartet, der wird hier eher enttäuscht.
Zwar ist auch der Sandmann stilistisch gelungen als Briefroman aufgemacht und unterhaltsam erzählt, allerdings können Psychologie der Hauptfigur wie das Ende der Geschichte keinesfalls überzeugen.
Das Kindheitstrauma des Studenten Nathanael und dessen Auswirkungen auf sein späteres Leben wirken arg konstruiert und die Liebe zur Tochter seines Professors, welche in Wahrheit eine Maschine ist, grenzt schon ans Lächerliche.
Dazu enthält die Geschichte eine Reihe von unerklärlichen Sprüngen, die angesichts der Kürze der gesamten Erzählung deren Plausibilität noch weiter unterhöhlen.
So bleibt unterm Strich leidlich gute Unterhaltung, etwas Alltag des 19. Jahrhunderts mit einem Schuss Phantastischem und Horror.
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am 25. Oktober 2008
Der Sandmann ist ein sehr vielschichtiges, tiefgründiges Werk. Da hier schon zahlreiche sehr gute Rezensionen vorliegen, die auf verschiedenste Aspekte eingehen und ich mich in letzter Zeit mit moderner Horrorunterhaltungsliteratur befasst habe, möchte ich mich auf den Horroraspekt der Erzählung beschränken.

E.T.A. Hoffmann skizziert mit einigen wenigen Pinselstrichen ein Meisterwerk des Horrors. Ich habe noch nie zuvor irgendetwas gelesen, das so erschreckend ist und unter die Haut geht wie der Eröffnungsteil des Sandmanns. Bemerkenswert ist, dass Hoffmann diese schreckliche Bild des Sandmanns in einer düsteren, angespannten Atmosphäre sehr kurz und präzise erzählt ohne weit auszuschweifen. So manch moderner, gefeierter König des Horros schafft auf 1000 Seiten nicht, was Hoffmann auf nur 10 erledigt. Beim Lesen hat man das Gefühl, dass man sich tatsächlich selbst in der Situation befindet: man ist ein Kind, das mit Schrecken darauf wartet, dass der Sandmann die Treppe heraufgeht. Die Figur des Sandmanns selbst ist in wenigen Worten so erschreckend und furchteinflößend dargestellt, dass man hofft ihm niemals zu begegnen.

Allein der von mir beschriebene Aspekt verdient sich 5 Sterne. Dieser ist aber, wie bereits oben erwähnt, nur einer von vielen, den dieses Meisterwerk zu bieten hat.
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HALL OF FAMEam 12. Juli 2006
Es fängt ganz harmlos an: Der kleine Nathanael fürchtet sich vor dem Sandmann, wie das bei Kindern nun mal vorkommen kann. Nathanael ist sich sicher, dass der Advokat Coppelius, der oft abends den Vater besucht, der Sandmann ist, von dem ihm die Kinderfrau schreckliche Dinge erzählt hat. Als dann der Vater ums Leben kommt, woran Coppelius nicht ganz unschuldig ist, bestätigt das die Ängste des Jungen. Jahre später - Nathanael ist inzwischen Student - glaubt er in einem Hausierer Coppelius wiederzuerkennen. Seine Angst flammt wieder auf; er fürchtet, Coppelius könnte mit dämonischen Kräften sein Leben zerstören. So kommt es dann auch: Nathanael sieht sich auf Schritt und Tritt vom bösen Sandmann verfolgt, der es auf Menschenaugen abgesehen hat. Schließlich stürzt er sich von einem Turm in den Tod. Ist Nathanael tatsächlich wehrloses Opfer einer bösen Macht? Oder verfällt hier ein übersensibler junger Mann nach und nach dem Wahnsinn? Diese Frage wird nicht geklärt. Denn E. T. A. Hoffmann, der Meister der phantastischen Literatur, verwischt in seiner Erzählung bewusst die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn und lässt unterschiedliche Deutungen zu. Mit dieser Erzählweise gilt der "Gespenster-Hoffmann" als ein Vorläufer der modernen Literatur.
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am 11. Mai 2012
Nathanael schreibt angsterfüllt einen Brief an seinen zukünftigen Schwager Lothar. Er ist voller Angst den 'Sandmann' wiedergesehen zu haben, den er für den Mörder seines Vaters hält. Diesen Brief adressiert Nathanael jedoch fälschlicherweise an seine Verlobte Clara. Der Erzähler, ein Freund Nathanaels fährt nach den einführenden Briefen fort. Er beschreibt, wie Nathanael im Verlauf der Geschichte immer mehr in den Wahnsinn verfällt.

Mir hat die Geschicht um Nathanael recht gut gefallen. Der Wahn des Protagonisten ist detailliert dargestellt. Alles in allem hat das Werk seinen Platz in der Schwarzen Romantik und diesen auch wirklich zurecht.
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am 31. Mai 2007
Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann", der Sammlung "Nachtstücke" entnommen, gehört zu den am meisten gelesenen Werken Hoffmanns, wenn es nicht gar das meistgelene ist. Entsprechend groß ist auch die Anzahl der Interpretationen, die zwar oft weit hergeholt sind - bei der psychoanalytischen Deutung Freuds meint man, es sei kein literarisches Kunstwerk mehr, sondern eine psychopathologische Fallstudie -, die aber doch letztendlich ein Beweis für jene gewaltige literarische Substanz sind, die Hoffmann in eine spannende Geschichte eingearbeitet hat. Das Ammenmärchen vom Sandmann und ein Kindheitstrauma bestimmen das Schicksal Nathanaels, die Grenzen zwischen Realität und Fiktionalität verschwimmen, für den jungen Mann gibt es kein Entrinnen mehr.
E. T. A. Hoffmann steht in dieser Erzählung einerseits in der Tradition der Romantik (Schauerroman) wird aber zugleich zu deren Überwinder, indem er durch das Motiv des Augenraubs Brentanos Definition der Romantik als ein "Perspektiv", das tote Gegenstände belebt, an Nathanaels tragischem Schicksal bis zur Unhaltbarkeit verspottet. Im Sandmann stehen Aufklärung und Romantik am Beispiel Klaras (Nathanaels Jungendliebe), für die die Vernunft das höchste Gut ist, und Nathanaels, dem Inbegriff des unverstandenen romantischen Künstlers und seiner narzisstischen Liebe zu einem Automaten, in Konflikt, ohne zu einer klaren Lösung zu kommen. Weitere Motive sind u. a. das serapionitische Prinzip (Versuch eines Ausgleichs zwischen phantastischer Innenwelt und wirklicher Außenwelt), die prometheische Selbstüberschätzung und die beißende Kritik an den Teegesellschaften.
Doch auch in der Konzeption der Erzählung ist Hoffmann seiner Zeit weit voraus und nimmt Techniken des 20. Jahrhunderts vorweg. Nach erzählerlosem Beginn in Form von Briefen finden Wechsel zwischen auktorialer und personaler Erzählweise statt, wodurch eine Verwirrung beim Leser entsteht und der beginnende Wahnsinn Nathanaels zum Ausdruck kommt.
Insgesamt hat Hoffmann mit dem Sandmann die Romantik zu ihrem krönenden Abschluss geführt und ein Werk von tiefem Grauen und ungemeiner Komplexität erschaffen, an dem sich die Geister bis heute scheiden. Gedankt haben Hoffmann viele seiner Zeitgenossen nicht. Viele sahen in ihm nur den "Gespenster-Hoffmann", dessen Werke Auswürfe einer kranken Seele seien. Selbst Goethe, der ihn um zehn Jahre überlebte, stand gegen ihn, wohl aus dem einfachsten Grund: Hoffmanns Erzählkunst machte ihn international weitaus erfolgreicher als den greisen Dichterfürsten.
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am 26. Juni 2015
Schöne und gute Bücher, sie sind zwar nicht Topmodern, aber sie sind kostenlos und können einem immer noch toll die Zeit vertreiben.
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am 2. Juli 2012
Traum oder Wirklichkeit

Der Sandmann ist eine Erzählung, die in die Psyche des Protagonisten eindringt, und dem Leser selbst die Wahl lässt, ob das, was dieser erlebt Traum oder Wirklichkeit ist. Ich persönlich habe die Erzählung bereits mehrfach gelesen und möchte hier nun eine etwas längere Rezension vorstellen, die eine recht große Inhaltsangabe mit sich trägt. Wer den Sandmann bereits gelesen hat kann den ersten Teil der Rezension getrost überspringen ^^

Alles beginnt mit dem jungen Studenten Nathanael, der seinem alten Freund Lothar einen Brief schreibt. Er berichtet von einem Erlebnis aus seiner Kindheit: Als Nathanael acht Jahre alt war, wurde ihm jeden Abend erzählt, dass wenn er nicht zeitig schlafen gehen würde der Sandmann kommen würde und ihm die Augen auskratzen würde. Gleichzeitig vernahm der Junge jeden Abend laute Schritte auf dem Gang, die zu dem Arbeitszimmer seines Vaters führten. Er beschließt dem ganzen auf den Grund zu gehen und schleicht sich eines Tages, anstatt schlafen zu gehen, in das bereits erwähnte Arbeitszimmer und versteckt sich, nach dem Vernehmen von Schritten und Stimmen in einem Schrank. Daraufhin beobachtet er seinen Vater, wie er mit dem Advokaten Coppelius alchemistische Experimente durchführt. Nathanael wird von Coppelius entdeckt, welcher ihm daraufhin voller Wut droht ihm die Augen auszukratzen. Dadurch, dass Nathanel dieses Handeln vorher immer mit dem 'Sandmann' assoziiert hat, tritt nun Coppelius in seiner Fantasie an Stelle dieser mystischen Figur. Nun, wo Nathanael längst sein Elternhaus verlassen hat, tritt dieses längst verdrängte Erlebnis wieder in sein Gedächtnis, denn er ist tatsächlich auf einen Mann getroffen, der dem Advokaten vom Aussehen her absolut gleicht ' den Wetterglashändler Coppola. Dieser merkwürdige Mann, will dem Protagonisten mit seinen Gläsern 'Sköne Oke' (also schöne Augen) verkaufen möchte. Nathanael gerät in einen Verwirrtheitszustand.

Nicht nur Lothar liest diesen Bericht Nathanael's sondern auch seine Schwester und Nathanaels Verlobte Clara. Sie macht sich Sorgen um seinen Gemütszustand und überzeugt ihn scheinbar(!) in einem Brief, dass es sich bei Coppola gewiss nicht um den Advokaten handle. Der Student verfasst einen weiteren Brief an Lothar, indem er nicht nur über Claras überraschende Antwort, sondern auch über eine hinreißende Frauengestalt berichtet, welche er stets am Fenster eines nahegelegenen Hauses, dem des Professors Spalanzani, sitzen sieht.

Folgend trifft der Leser auf einen Umbruch, der von einer reinen Brieferzählung auf eine intradiegetische Erzählweise eines Bekannten Nathanaels, Siegfrieds, wechselt. Man erfährt nicht nur, dass der junge Student in eine Art philosophisches Tief fällt, was seiner Verlobten zuwider ist, sondern auch, dass er dem Wetterglas Coppola ein Perspektiv abkauft. Als er durch das Perspektiv aus seinem Fenster blickt und Spalanzanis 'Tochter' Olimpia erblickt, die im Übrigen ein Automat ist, also eine Art androide Maschine, verliebt er sich unweigerlich in ihre Schönheit. Nathanael begreift zuerst nicht, dass es sich bei Olimpia um keinen Menschen handelt, und beschließt, ihr nach einiger Zeit in der er sie 'näher kennenlernen konnte' einen Heiratsantrag zu machen. Als er zu Spalanzani geht, wird er Zeuge eines heftigen Streits zwischen Coppola und dem Professor, in dem dieser den Wetterglashändler eindeutig 'Coppelius' nennt. Der Wetterglashändler schafft es jedoch vor einem Angriff Nathanaels zu fliehen. Der Student muss nach all diesen Verwirrungen, die ihn nun in den Wahnsinn stürzen. Er muss für unbestimmte Zeit in ein Tollhaus. Einige Zeit später besichtigen Nathanel und seine stets Verlobte einen Aussichtsturm, als Nathanael herunterblickt sieht er Coppelius, der wie einst Coppola 'Sköne Oke' heraufruft. Der Protagonist stürzt sich, scheinbar durch Rückfall seiner psychischen Situation, vom Turm und stirbt.

Diese Erzählung, die die erste Geschichte des ersten Bandes der Nachtstücke bildet, ist wahrscheinlich die mit Abstand meist diskutierte Erzählung des Romanciers E.T.A. Hoffmann. Die Frage was Wahn und Wirklichkeit sei, und ob Nathanael denn im Recht liegt, steht offen. Mit diesem Aufbau der Geschichte, und dem sogenannten 'Doppelgängermotiv', von dem vor allem in der schwarzen Romantik Gebrauch gemacht wurde, schafft der Autor die Möglichkeit in zwei voneinander scheinbar unabhängigen Personen eine Identität zu schaffen, von der man nicht weiß, ob es sich nun wirklich um jene zwei Personen, oder um eine Person handelt. Die Auslegung setzt sich sehr mit der Psyche des Protagonisten auseinander, so wie es auch Sigmund Freud um 1900 mit seiner Psychoanalyse bzw. der Traumdeutung getan hat, gleichzeitig bekommt der Leser hier noch eine Erzählung vorgelegt, die sich ganz klar von dem 'blumigen' Werken der Romantik und der Lichtmetaphorik der Aufklärung absetzt und sich ernsthaft mit dem Schauerlichen befasst. Hier trifft der Leser auch erstmals auf perspektivisches Erzählen, in der von einer außenstehenden, intradiegetischen, Person berichtet wird. Gleichzusetzen ist diese Erzählung der schwarzen Romantik bspw. mit dem britischen Vorbild der Gothic Novel, die unter anderem Edgar Allan Poe zum Vorreiter erkoren hat.

So, wie bereits erwähnt kannte ich diese Erzählung bereits vor dem Beginn des Lesens der Nachtstücke. Sie hat mich schon vor einigen Jahren in ihren Bann gezogen und hat mir dabei geholfen mich in der Schulzeit erstmals ernsthaft mit dem Sinn hinter Literatur zu beschäftigen. Klar, es ist ein Klassiker, und in die muss man sich ja meist zuerst ein wenig einfinden, dennoch lohnt sich die Lektüre dieser kurzen und dennoch komplexen Erzählung in jedem Fall. Hoffmann stellt den Leser vor ein unaufgedecktes Rätsel, was unweigerlich dafür sorgt, dass sich dieser mit der Geschichte beschäftigt und sich vor Augen führt, wie es dem Protagonisten in dieser Situation geht. Es geht nicht nur um ein psychisches Problem Seiten Nathanaels, sondern auch um das niemals verarbeitete Geschehnis in seiner Kindheit. Sprachlich zwar in einem gehobenen Stil ist diese Erzählung auf jeden Fall auch für Laien interessant und lesbar.

Mehr Rezensionen gibt es auf meinem Blog: [...]
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