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am 1. Oktober 2013
In ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ schreibt die jüdische Gelehrte Hannah Arendt (1906 – 1975) über die Zeugenaussage von Abba Kovner, dem ehemaligen Kommandeur im jüdischen Untergrund im Raum Wilna in Litauen: „Während der wenigen Minuten, die Kovner brauchte, um über die Hilfe eines deutschen Feldwebels zu erzählen, lag Stille über dem Gerichtssaal; es war, als habe die Menge spontan beschlossen, die üblichen zwei Minuten des Schweigens zu Ehren des Mannes Anton Schmid einzuhalten. Und in diesen zwei Minuten, die wie ein plötzlicher Lichtstrahl inmitten dichter, undurchdringlicher Finsternis waren, zeichnete ein einziger Gedanke sich ab, klar, unwiderlegbar, unbezweifelbar: wie vollkommen anders alles heute wäre, in diesem Gerichtssaal, in Israel, in Deutschland, in ganz Europa, vielleicht in allen Ländern der Welt, wenn es mehr solche Geschichten zu erzählen gäbe.”

Dies ist seine Geschichte: Anton Schmid wurde im Januar 1900 in Wien geboren und in der Pfarrkirche St. Rochus und Sebastian, dem heutigen Oratorium, getauft. Er war ein heiterer, herzensguter Mensch mit einer spürbaren katholischen Grundüberzeugung. In seiner Jugend war er angeblich in ein jüdisches Mädchen verliebt. Wenn beim Gottesdienst der zehnte Mann fehlte, dann kam Anton Schmid in die Synagoge. Mut bewies er schon im März 1938. Als nach dem „Anschluss“ die Auslagenscheibe des Geschäfts einer jüdischen Nachbarin eingeschlagen wurde, hielt er den Täter bis zum Eintreffen der Polizei fest – jedoch landete nicht der Missetäter am Kommissariat, sondern Schmid. Er ließ sich nicht einschüchtern und verhalf nun etlichen jüdischen Bekannten, die tschechische Grenze zu erreichen und zu fliehen.

Als Feldwebel der Wehrmacht hat er sich in den Jahren 1941/42 einen fast legendären Ruf im Wilnaer Ghetto erworben. Er leitete eine Sammelstelle für versprengte deutsche Soldaten. Gleichzeitig wurde er Augenzeuge von widerwärtigen Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung; er entschloss sich, aus eigenem Antrieb zu helfen. Unter großem persönlichem Risiko versorgte er die Bewohner des Ghettos mit Lebensmitteln, verhalf Menschen zur Flucht. Etwa 300 Juden soll er mit einem Wehrmacht-Lastkraftwagen von Wilna weg in sicherere Städte im benachbarten Weißrussland gebracht haben. Schließlich unterstützte er zusammen mit dem Karmeliter Andreas Gdowski, dem Abt des Wilnaer Klosters Ostra Brama, auch den jüdischen Widerstand, der sich Ende 1941 in Wilna zu organisieren begann. Nach mehrmonatiger Rettungstätigkeit wurde Feldwebel Schmid denunziert, von der Geheimen Feldpolizei verhaftet und vor ein Feldkriegsgericht gestellt. Er zum Tode verurteilt und am 13. April 1942 in Wilna hingerichtet. Gerettete sagten über ihn: „Für uns war er so etwas wie ein Heiliger.“ Gegenüber der geretteten Jüdin Luisa Emaitisaite hatte Anton Schmid dieses Bekenntnis abgelegt: „Es ist mir so, als wenn Jesus selbst im Ghetto wäre und um Hilfe riefe. Jesus ist überall, wo Menschen leiden. Ich bin Christ, Luisa, und Jesus bedeutet mir viel.“

Im neuen Buch von Wolfram Wette ist auch Schmids Abschiedsbrief an seine Ehefrau Stefanie abgedruckt: „Will Dir noch mitteilen, wie das ganze kam: hier waren sehr viele Juden, die vom litauischen Militär zusammengetrieben und auf einer Wiese außerhalb der Stadt erschossen wurden, immer so 2000 – 3000 Menschen.“ Er bat seine Familie um Verzeihung: „Ich habe nur als Mensch gehandelt und wollte ja niemandem weh tun.“ Aus seinen Zeilen spricht ein tiefes Gottvertrauen, das auch den heutigen Leser anrührt: „Wenn Ihr, meine Lieben, das Schreiben in Euren Händen habt, dann bin ich nicht mehr auf Erden, werde Euch auch nichts mehr schreiben können, aber eines seid gewiß, daß wird uns einstens wiedersehen in einer besseren Welt bei unserem lieben Gott.“

Autor Wolfram Wette stellt den Feldwebel Anton Schmid in den historischen Kontext des Rettungswiderstandes. Gemeint sind damit die risikoreichen Bemühungen einzelner Menschen oder Gruppen, die ihre Nachbarn, Freunde und auch Fremde versteckt, ernährt und damit gerettet haben. Es ist beeindruckend, wie kenntnisreich und meisterhaft das Umfeld erkundet und erhellt wird, in dem Feldwebel Schmid sich bewegen musste. Bei aller Sympathie und Bewunderung für seinen Helden hält der Historiker Wette einen analytischen Grundton durch. Damit hat er eine mustergültig quellenkritische Biografie vorgelegt. Mit diesem faktenreichen und zugleich aufrüttelnden Buch wurde dem kleinen Feldwebel aus Wien ein literarisches Denkmal gesetzt. Des Autors unverstellter Blick gilt dem einfachen Handwerker, der dank seiner christlichen Grundierung aktiven Anstand bewies und die Tugend „compassion“ in die Tat umsetzte. Anton Schmid war ein wahrer Held, auch wenn er sich selbst einfach „nur als Mensch“ verstanden hat. Der Autor würdigt das Vorbild Anton Schmid so: „Er kann die heute und zukünftig lebenden Menschen lehren, dass eine humane Orientierung – Schutz des Lebens und der Würde des Menschen – die Leitlinie für das eigene Handeln sein sollte, im Alltag wie unter schwierigen Bedingungen. Anton Schmid setzte sein Leben ein für die Freiheit des Gewissens und die Würde des Menschen.“
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Der Österreicher Anton Schmid ist unbestritten ein Held der Menschlichkeit. Um jedoch ein Buch über ihn zu füllen, reichen erhalten gebliebene, historische Fakten leider nicht aus. Deshalb ist dieses Buch auch über weite Strecken ein Buch über die Juden in Litauen und darüber hinaus während des II. Weltkrieges.

Über Anton Schmid gibt es lediglich zwei erhaltene Briefe, die er seiner Frau geschrieben hat. Und es gibt sehr viele Aussagen von Juden, denen er persönlich das Leben gerettet hat. Wie Wette nachweist, gehen eben diese Aussagen hinein in das Reich der Legendenbildung.

Fest steht, dass der Feldwebel Anton Schmid im April 1942 hingerichtet wurde, weil er hunderten Juden zum Leben verhalf. Warum der politisch nicht sonderlich interessierte Mann dies tat, ist heute nicht sicher, vielleicht, weil er vor dem Krieg seine jüdische Freundin hatte?

Er half nur, wenn Juden ihn darum baten und er ließ sich seine Hilfe nie bezahlen.

Dieses Buch beschreibt sehr ausführlich den Kontext, in dem Anton Schmid seine stillen Heldentaten vollbringen konnte. Es macht mit einem bislang unbekannten Helden der Menschlichkeit bekannt, der in den Reihen der deutschen Besatzer die Vernichtung hunderttausender Juden mitzuverantworten hatte und einigen Hundert das Leben rettete.

Wolfram Wette versucht diesen gewaltigen Widerspruch darzustellen und lässt mich staunend zurück!
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am 24. November 2016
... defintiv mit Georg Elser v. Hellmut G. Haasis und Zivilcourage v. Wolfram Wette in den Schulunterricht. Hier werden nämlich mal Otto Normalverbraucher beschrieben, die versucht haben das Unmögliche möglich zu machen und auf ihre Weise Sand ins grosse Getriebe geworfen haben. Sie sind ein echtes Zeichen und in meinen Augen mehr Helden (obwohl sie dies vermutlich ablehnen würde so genannt zu werden) als die Attentäter vom 20 Juli.
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