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am 15. Mai 2013
Eigentlich dachte ich ja, ich hätte genug.

Genug Bücher über Konsumwahn und Konsumverzicht gelesen. Kritisches Reflektieren unserer Situation ist ja ganz nett. Aber davon ändert sich nichts und irgendwann reicht’s auch mal mit der Theorie.

Aber dann kommt da immer mal wieder ein Buch des Wegs, das mich trotzdem anspringt. So geschehen mit Harald Welzers Buch “Selbst denken”.

Harald Welzer fragt nach, wie uns eigentlich die Zukunft abhanden gekommen ist. Er lotet die Abgründe des Konsumwahns aus. Seziert das hilflose politische Kasperltheater, das eigentlich nur den Status Quo erhalten will. Zeigt auf, dass wir mit unserer wachstumsorientierten Wirtschaftsweise voll gegen die Wand laufen.

Eigentlich an sich nichts Neues. Aber er macht das so extrem scharfsinnig, witzig, cool und herzerfrischend un-ideologisch, das die Lektüre sich schon allein deshalb lohnt.

Aber noch viel besser ist eigentlich die Grundbotschaft des Buches:

Es nutzt nichts, die Leute permanent zu kritisieren und ihnen am laufenden Band Katastrophenszenarien um die Ohren zu hauen. Der bessere Weg ist, herauszufinden, wie denn das neue gute Leben aussehen könnte. Und es vorzuleben. Menschen, die mit einem neuen guten Leben glücklich sind, machen anderen weit mehr Mut und Appetit als mahnende Prediger.

Da es dafür keinen Masterplan gibt, ist Experimentieren angesagt. In den unterschiedlichsten Bereichen, auf den unterschiedlichsten Ebenen. In kleinen Schritten.

Das Feine daran ist, dass es jeder selbst tun kann. In dem Bereich, der am besten für ihn passt. Das kann eine Shoppingdiät sein, Stricken oder Nähen oder Kochen lernen, selbst Gemüse anbauen, einen Tauschring gründen oder sonstwas. Und dann geht man wieder einen Schritt weiter.

Meine logische Empfehlung für den ersten Schritt lautet also: Selbst lesen!
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am 26. Dezember 2014
Ich habe vom Autor ein Interview gelesen und mir daraufhin dieses Buch bestellt. Der Untertitel "Anleitung zum Widerstand" ist etwas irreführend, wenn man aktive Aufwiegelung erwartet.
Widerstand eher insofern, als man nicht jeden Konsumterror mitmachen muss.
Was ich faszinierend fand, war, wie der Autor aus soziologischer und zuweilen auch psychologischer Sicht darlegt, warum wir so seelenruhig bleiben trotz der drohenden Gefahr eines wirtschaftlichen Zusammenbruches und wie die Verdrängungsmechanismen funktionieren.
Sehr gut erklärt war auch, dass eine Lösung nicht aus der wirtschaftlicjen Ecke kommen kann, sondern aus der sozialen: Fast alle bisherigen Alternativen, andere Lebensversuche, Aktionen sind aus sozialen Initiativen einzelner oder Gruppen erwachsen. Und nur so kann die Lösung aussehen.
Dabei ist erfrischend, dass der Autor nicht beim Lamentieren verweilt, sondern einfach erklärt, darstellt und optimistische Versuche und Projekte erwähnt.
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am 22. März 2013
Jeder einigermaßen gebildete und bewusste Zeitgenosse fühlt sich angesichts der medialen Übermacht derer, die sich anmaßen für ihn zu denken und ihm zu sagen, was er denken soll, angewidert. Und doch scheint die Übermacht dieser Medien so groß, bzw. die Bequemlichkeit und das angebliche Glück, das sie versprechen, so verlockend, dass selbst die kritischsten Menschen glauben, etwa ohne facebook et al. nicht auskommen zu können.

Es sind vor allem diese noch nicht gänzlich abgestumpften Menschen, denen der Sozialpsychologe Harald Welzer mit seinem neuen Buch Mut zum eigenen Denken machen möchte. Trotz seinem auch sprachlich hohen Niveau lohnt es sich, sich das Buch anzueignen. Denn schon bald wird sein Anliegen deutlich, mit dem er in die Fußstapfen Kants tritt, der den Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit auf sein philosophisches Programm schrieb.

Welzers Denkansatz ist ein Denken im Futur 2. So heißt auch die Stiftung Zukunftsfähigkeit, der er vorsteht.
"Vieles von dem, was im einfachen Futur als unbequem und lästig erscheint, wird im Futur 2 plötzlich interessant und attraktiv“, sagt Welzer und weist darauf hin, dass die etwa Vorstellung, wie mein Leben gewesen sein wird, ganz andere Werte und Wertigkeiten generiert als ein bloßes Denken, wie es sein wird. Da regieren eher Angst oder aber auch Streben nach Materiellem.

Es gebe, so Welzer, auch in unserer hochkomplexen Gesellschaft, die alles bis in die Seele des Einzelnen hinein beherrschen will, noch genügend Nischen und Freiräume, die man nutzen und mit denen man sein Selbst denken beginnen kann. Und wer damit erst einmal Erfahrungen gemacht hat, der wird damit nicht mehr aufhören wollen, vor allen Dingen, wenn er die von Welzer vorgeschlagenen „12 Regeln für erfolgreichen Widerstand“ Schritt für Schritt verinnerlicht und sie ggf. nach seinen eigenen Verhältnissen gestaltet:

1. Alles könnte anders sein.
2. Es hängt ausschließlich von Ihnen ab, ob sich etwas verändert
3. Nehmen Sie sich deshalb ernst
4. Hören Sie auf, einverstanden zu sein
5. Leisten Sie Widerstand, sobald Sie nicht einverstanden sind
6. Sie haben jede Menge Handlungsspielräume
7. Erweitern sie Ihre Handlungsspielräume dort, wo Sie sind und Einfluss haben
8. Schließen Sie Bündnisse
9. Rechnen Sie mit Rückschlägen, vor allem solchen, die von Ihnen ausgehen
10.Sie haben keine Verantwortung für die Welt
11. Wie Ihr Widerstand aussieht, hängt von Ihren Möglichkeiten ab
12. Und von dem, was Ihnen Spaß macht

Welzer wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass es nicht abstrakte Werte sind, die die Praxis verändern (mit dieser Maxime bin ich etwa aufgewachsen und habe auch lange so gelebt) , sondern dass es eine veränderte Praxis ist, die die jeweiligen Werte verändert.

Ein Buch, das jedem, der es liest, zunächst einmal eine radikale und auch unangenehme Selbstkritik auferlegt. Wie möchte ich gelebt haben? Was wird mir wichtig gewesen sein im Leben? Schon die ersten Antworten auf diese Futur 2 Fragen, werden die ersten widerständigen Veränderungen unabänderlich machen – im ganz persönlichen Umfeld und Alltag. Das nenne ich radikal.
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Nachhaltigkeit ist eines der Buzzwords unserer Zeit. Doch was bedeutet das überhaupt? Und was kann ich in Sachen nachhaltig leben tun? Wie sieht unsere Zukunft aus mit Blick auf Finanzmarktkrisen, Konsumrauch und Nahrungsmittelknappheit auf der einen und Nahrungsmittelüberfluss auf der anderen Seite? Und was ist mit der ständigen Überwachung von Facebook & Co., der wir uns freiwillig aussetzen?

Harald Welzer, deutscher Soziologe und Sozialpsychologe, hat sich dieser Themen angenommen und ein Buch geschrieben. Er verspricht uns zu Beginn von Selbst denken - Eine Anleitung zum Widerstand, dass unser seit Jahrzehnten aufgeschichteter Tunnelblick therapiert wird. Dabei verweist er auf das kantische Programm des "Ausgangs des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" und fordert zum Denken und vor allen Dingen zum Selbst Denken auf. Er verlangt, sich im Dschungel der medialen Überfütterung zurecht zu finden und sich von den allgegenwärtigen konsumistischen Verführungen zu widersetzen.

Selbst denken ist keine "Anleitung zum Glücklichsein". Es versteht sich auch nicht als Handbuch für Gutmenschen, das ihre positiven Taten und Grundhaltung pro Nachhaltigkeit rechtfertigen soll. Es ist vielmehr eine Reise durch unsere Geschichte in politischer, gesellschaftlicher, pädagogischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Welzer stellt Verbindungen zur Psychologie und Verhaltensforschung her, die zu einem Wissensteppich verwebt werden, der zahlreiche Facetten tangiert. Die formulierten Thesen münden in einer Logik und Einfachheit, die den Leser mehrmals zu einem "Wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen?" verleiten.

Gegen Ende von Selbst denken werden exemplarisch Menschen und Unternehmen genannt, die den Weg des Selbst denken erfolgreich gegangen sind. Mit dabei sind bekannte Unternehmen wie die Schweizer Bahn und das ehemalige Kultgetränk Bionade. Denn auch wirtschaftlich agierende Unternehmen können das Selbst denken als "mission statement" vorleben.

Als Beispiel nennt der Autor die GLS Bank, die sich nachhaltigen Investments verschrieben hat und der lebendige Gegenbeweis dafür ist, "dass auch ein Unternehmen der Finanzindustrie nicht den vorgeblich systemischen Logigen 'der Märkte' folgen und Renditevorgaben von 25 Prozent und mehr aufrufen muss, um erfolgreich zu sein."

Mein Fazit

Als ich die ersten Seiten von Selbst denken gelesen hatte, kam mir in den Sinn: All das Gelesene klingt vom Ansatz recht radikal. Doch Harald Welzer versteht es, den Leser zu provozieren und zur Reflektion anzuregen. Er macht das nie in einem belehrenden Ton oder mit erhobenem Zeigefinger. Stattdessen überzeugt er mit Argumenten und Beispielen, die selbst für Laien der Materie gut nachzuvollziehen sind. Welzer tritt für nachhaltiges Wirtschaften ein, das allein unserer nachfolgenden Generationen gegenüber unsere Pflicht sein sollte.

Welzers Buch rüttelt auf und macht mich nachdenklich. Wir sind inzwischen so saturiert, dass wir die Zerstörung unserer Erde kritiklos akzeptieren - weil wir gleichzeitig wissen, dass unser Konsum - der bekanntermaßen von der Industrie permanent geweckt wird und Bedürfnisse stillt, von dessen Existenz wir lange Zeit gar nicht wussten - den Raubbau an der Natur und der Tierwelt immer weiter vorantreibt.

Selbst denken - Eine Anleitung zum Widerstand ist kein einfaches Buch. Es dient nicht dem schnellen Lese-Konsum, sondern beschäftigt den Leser auch nach dem Lesen. Und es ist ein Buch, das polarisieren wird. Denn die Positionen, die der Autor aufbaut, sind in einigen Ansätzen drastisch, aber niemals unlogisch.

Ein bemerkenswerter Satz steht im Kapitel Mentale Infrastrukturen: "Ich selbst bin das Problem, das gelöst werden muss, wenn unsere Welt zukunftsfähig werden soll." Und genau dort liegt der Knackpunkt. Wer von uns ist bereit, auf das Smartphone, den Urlaub im Süden, die unzähligen Gadgets, kurzum den Luxus des Lebens zu verzichten und sich zu mäßigen, um die Welt auch für die nachfolgenden Enkel und Urenkel noch lebenswert zu halten?

"Es findet sich kein plausibles Argument dafür, nichts zu tun. Das Fehlen eines Masterplans gibt Ihnen sogar die Freiheit, Fehler zu machen und Misserfolge zu haben", das schreibt Harald Welzer den Skeptikern und Pessimisten ins Stammbuch, die der Meinung sind, ein Mensch allein könne nichts ausrichten und bewegen.

Also raus aus der Komfortzone und los geht's mit dem Selbst denken. Es ist noch nicht zu spät!
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am 26. September 2014
Harald Welzer beschreibt leicht lesbar und mit vielen praktischen Beispielen, was aus dem Ruder läuft mit unserer Zukunft.
Dinge, die uns allen auffallen und oft diskutiert, jedoch nicht aktiv verändert werden.
Welzer zeigt Missstaende auf und animiert zum Nachdenken und zum Widerstand.
Ein erfrischendes, aufrüttelndes und endlich auch mal ein positives Buch zum Thema - wohin geht die Zukunft, die wir unseren Kindern hinterlassen wollen (...wenn wir nur zusehen).

Hab das Buch dann auch um Sinne meines persönlichen Nachhaltigkeitsbeitrages vom Buchhaendler in meiner Stadt gekauft...
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am 27. August 2014
Welzer analysiert logisch, fundiert und zumeist treffend die Auswüchse des Kapitalismus und zeigt Möglichkeiten für Auswege aus den bestehenden, der Welt schadenden Systemen. Dabei geht es in erster Linie um den Einzelnen.
Ein großartiger Lesestoff, der nachdenklich macht und einen viele Aspekte der Weltentwicklung in neuem Licht sehen lässt. Er ist Ansporn zum Denken und Handeln für eine bessere Welt.
Absolute Empfehlung!
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Hätte man mir vor einem Jahr gesagt, dass unser Haushalt ohne Auto auskommen müsste, wäre ich in Panik geraten. Ohne Auto? Auf dem Land? Mit zwei Kindern? Schlichtweg unmöglich! Seit einem halben Jahr verzichten wir (zunächst notgedrungen, mittlerweile mit Freuden) auf ein Auto. Was hat sich geändert? Eine Menge! Wir sind weniger gestresst, haben seltsamerweise sehr viel mehr Zeit als vorher (kann mir das mal jemand erklären?!), sparen eine Menge Geld und bewegen uns mehr. Wir nutzen öffentliche Verkehrsmittel (hier Bus und Bus in Kombination mit der Bahn) und unternehmen Wochenendausflüge gemeinsam mit einer Freundin (mit deren Auto) und einer befreundeten Familie. Wir zahlen die Eintritte, sie das Bezin - auf diese Weise profitieren wir alle. Der (früher undenkbare) Verzicht auf ein Auto hat uns die Augen geöffnet - viele Dinge braucht man überhaupt nicht wirklich und es ist der eigentliche "Luxus", sie eben nicht zu besitzen! Wir sparen damit Geld, das wir in weniger Arbeit und mehr Zeit mit unseren Kindern investieren. Jeden Morgen fahren an unserem Bus mehrere Autos vorbei, in denen 1-2 Personen sitzen. Sie fahren genau dorthin, wo der Bus auch hinfährt, benötigen dafür 5 Minuten weniger. Mittags und abends fahren diese Autos wieder zur gleichen Zeit die gleiche Strecke neben dem Bus her. Ist das nicht irre?

Harald Welzers Buch "Selbst denken" hat mich fasziniert. Von der ersten bis zur letzten Seite. Zunächst zeigt er rigoros auf, wie sehr wir uns selbst entmündigt haben (um mal wieder Kant zu bemühen...) und dass wir dieser Entmündigung auch nicht entgehen, wenn wir uns ein schniekes Niedrigenergiehaus in einen schicken Vorort stellen. Erneuerbare Energien, Niedrigenergiehäuser, CO2-ausstoßärmere Autos etc. suggerieren uns, dass wir Ressourcen sparen, ein gutes Gewissen haben können und uns dafür zur Belohnung vielleicht eine kleine Flugreise gönnen könnten - wir sind ja immerhin die "Braven", die was für die Umwelt tun. Dass dies aber das Gleiche "in Grün" ist, macht Welzer schnell klar, denn immerhin müssen auch für alternative Energien (sei es in Form von Solaranlagen, Windrädern oder was auch immer) zunächst Ressourcen aufgewendet werden und auch die Instandhaltung und der Abbau dieser Anlagen kostet Ressourcen. Wirklich umweltfreundlich ist das nicht. Zudem kann man ein expansives Modell, das nicht funkioniert nicht durch noch mehr Expansion "heilen". Das einzige, was hilft, ist Schrumpfung. Wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine Welt hinterlassen möchten, in denen auch sie ein gutes Leben führen können, können wir unmöglich weiterhin den ausbeuterischen Lebensstil weiterverfolgen, dem wir bisher frönen. Die Lösung kann also nur im (Konsum)Verzicht liegen. Der muss ja aber nicht qualvoll sein, wie man sich das vorstellt, wenn man nur das Wort "Verzicht" hört. Vielmehr kann ein neuer, nachhaltiger Lebensstil viel befriedigender sein, als der konsumorientierte. Wenn andere Dinge wichtig werden, merkt man plötzlich, wie wohltuend das Weglassen von Konsumgütern ist. Es gibt schon einige Beispiele für nachhaltige Lebensstile. Viele Konsumgüter lassen sich z.B. gemeinschaftlich nutzen - wie oft brauchen Sie eigentlich ihre 350 Euro teure Schlagbohrmaschine? Und hat ihr Nachbar nicht ein ähnliches, wenn nicht gar das gleiche Modell? Im kleinen Rahmen lassen sich viele Dinge so sehr viel besser nutzen - mit einem Gewinn für alle Beteiligten!
Welzer berichtet in diesem Zusammenhang auch von sog. "resilienten Gesellschaften", z.B. auf den Philippinen. Dort helfen die Leute sich in Notzeiten gegenseitig (und die sind in einem derart erdbebengeschüttelten Land mit schwachem staatlichen Apparat durchaus an der Tagesordnung). Versicherungen in unserem Sinne sind so gut wie unbekannt.
Was können wir konkret unternehmen, um den Ausstieg aus dem expansiven Modell zu schaffen? Eine Menge! Und Harald Welzer erzählt im letzten Teil des Buches auch solche "Geschichten vom Gelingen", etwa von der Schweizer Bundesbahn, die das ganze Land bis in den hintersten ländlichen Bereich im Rahmen von Verkehrsverbünden erschließt. In der Schweiz besitzt die Hälfte der Bevölkerung ein Bahnabo (das viel günstiger als unsere Bahncard100 ist). Fahrräder und Hunde können kostenfrei mitgeführt werden u.v.m. Mit der Bahn fährt dort nicht derjenige, der sich kein Auto leisten kann, sondern jedermann, denn es bedeutet ein Mehr an Komfort! Auch von anderen "Selbstdenkern" erzählt der Autor - und man bekommt richtig Lust, die eigene Geschichte im Futur II zu erzählen: "Wer werde ich gewesen sein?"
Ein faszinierendes Buch, das die Augen öffnet und zum Selbstdenken anregt. Unbedingt zu empfehlen!
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am 9. Mai 2015
„Die Kultur des ALLES IMMER verbraucht die Zukunft derjenigen, die das Pech hatten, später geboren zu sein als Sie.“ - Und weil das so ist, unternimmt der Sozialpsychologe Harald Welzer 2013 in diesem sehr lesenswerten Buch den Versuch der Aufklärung, inwieweit die Kultur der uns umgebenden ausbeuterischen Wachstumsgesellschaft auch unser ganzes Denken und Wünschen von frühester Kindheit in ähnliche Richtung manipuliert hat. Wir sind doch, so der Autor, inzwischen selbst zu Produkten geworden, Adressaten des absatzorientierten Wirtschaftssystems, das uns immer neu mit völlig unnötigen Innovationen, wie z.B. Smartphones beglücken will. Wir sind degradiert zu bloßen „Relaisstationen zwischen Herstellung und Entsorgung“ von Produkten. Und da diese von früh auf erfahrenen "Habitusprägungen" jenseits der Bewusstseinsschwelle verlaufen, dringt selbst kognitive Einsicht in die Umweltprobleme nur höchst selten bis zur Änderung des praktischen Verhaltens vor.

Das Umsetzen von anderem, nachhaltigerem Verhalten kostet dem gegenüber also Kraft, benötigt Widerstand, und zwar sowohl gegen mich selbst, meinen „inneren Schweinehund“, aber auch gegen Andere, die uns beispielsweise zum Essen eines ausbeuterisch gefangenen Thunfischs überreden wollen, obwohl wir das für uns ablehnen. Solche „moralischen Dehnübungen“ sind es aber, so der Autor, die uns voranbringen auf dem Weg zu selbstbestimmtem und auch selbstwirksamem Handeln in Richtung zu einer Ressourcen-schonenden und dadurch letztlich auch glücklicheren Lebensweise. – „Ich selbst bin das Problem, das gelöst werden muss, wenn unsere Welt zukunftsfähig werden soll“. Es geht um die „Transformation unserer mentalen Infrastrukturen“, die über Jahrzehnte auf Haben, statt auf Sein eingerichtet wurden.

Im zweiten Teil des Buches geht es Welzer demnach um Ermutigung. Er bringt als Direktor von ‚Futurzwei - Stiftung Zukunftsfähigkeit’ Beispiele guten Handelns, die zeigen, dass schon jetzt anders, besser und nachhaltiger gehandelt werden kann. Er vertraut dabei nicht so sehr technischen Innovationen, die leider häufig die CO2-Bilanz zunächst eher noch weiter verschlechtern, sondern eher sozialen Verbesserungen: Menschen verbinden sich zu Gruppen, entwickeln und nutzen Dinge gemeinsam, stärken sich gegenseitig im Widerstand gegen Ausbeutung der Ressourcen. Harald Welzer betont, dass das Einüben von Futurzwei-Denken wichtig sei: „Wie werde ich gelebt haben?“ oder, „Wer werde ich gewesen sein?“ D.h. über das Imaginieren der Zukunftswünsche schon jetzt zu einem verbesserten Leben kommen. Ein "essayistisches Leben" aus dem Möglichkeitssinn heraus, aus dem 'Selbst denken' "moralischer Phantasie" (Günther Anders).

Ein wunderbares Buch, das Mut macht und dem ich ganz viele Leser wünsche aus allen Bereichen der Gesellschaft. (8.05.15)
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am 28. Februar 2016
Wenn schon auch im Buch angesprochen wird das sich in allen Berufsgruppen etwas ändern sollte dann sollten diese auch alle in einer Form angesprochen werden damit auch diese solche Bücher verstehen können. So viele Fremdwörter zu verwenden damit man ständig im Internet nachschauen muss was ist hiermit wieder gemeint ist meines Erachtens unnötig. Wenn ich ein Buch in deutsch herausgebe sollte es auch jeder verstehen können. Nicht jeder hat studiert und ist mit diesen teilweise verwirrenden Schlagwörtern und Slogans vertraut.
Ansonsten gut gedacht.
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am 16. März 2013
Auch wenn viele Gedanken, Thesen und Ideen nicht ganz neu sind: Die Besonderheit des Buches sehe ich darin, dass es eine breite Palette von zentralen gesellschaftlichen Themen vereint, die sonst nur getrennt voneinander aufgegriffen werden. Zudem überraschte mich der Autor mit der ein oder anderen These: So sieht er in den all­ge­gen­wär­ti­gen Flat­rates und in den All-in­clu­si­ve-An­ge­bo­te An­zei­chen für das Ab­sin­ken der Wer­tig­keit von Be­sitz. „Immer geht es um die Stei­ge­rung der Ver­füg­bar­keit all jener Güter und Dienst­leis­tun­gen, von denen man po­ten­ti­ell Ge­brauch ma­chen kann, vor­aus­ge­setzt, man hat die ent­spre­chen­den Zah­lun­gen ge­tä­tigt“, kritisiert der Autor und kommt dann zu der treffend formulierten Erkenntnis, dass der Ka­pi­ta­lis­mus sich auf die­ser Ent­wick­lungs­stu­fe Men­schen schafft, „wel­che nicht nur pro­du­zie­ren, ohne zu kon­su­mie­ren, son­dern auch noch kau­fen, ohne zu kon­su­mie­ren!“

Harald Welzer spricht auch unangenehme Wahrheiten klar aus. Ich stimme ihm zu, wenn er postuliert, dass sich Öko­lo­gie und Wachs­tum wech­sel­sei­tig ausschließen. Wenn wir so­zia­le Ge­rech­tig­keit und Nach­hal­tig­keit im glo­ba­len Maß­stab wollen, dann müssen wir unsere Kom­fort­zo­ne ver­las­sen, schreibt er. Die Konsequenz ist, dass wir auf Wohl­stand ver­zich­ten, ab­ge­ben und entsprechend andere Mo­del­le des Ver­tei­lens, Wirt­schaf­tens und Le­bens ent­wi­ckeln müssen. Im Gegensatz dazu gaukelt uns vor allem die Politik den Wunschtraum vor, dass eine nach­hal­ti­ge Welt so viel Wohl­stand, Kom­fort und Fremd­ver­sor­gung vor­hält wie die bis­he­ri­ge nicht-nach­hal­ti­ge.

Welzer plädiert für Kul­tur­tech­ni­ken des Er­hal­tens auf dem Weg in eine nach­hal­ti­ge Mo­der­ne. Denn je mehr der Le­bens­zy­klus eines Pro­dukts ver­län­gert wird, desto geringer wird der Her­stel­lungs­auf­wand und desto nach­hal­ti­ger wer­den die Res­sour­cen ge­nutzt.
Wichtig finde ich in diesem Zusammenhang auch den Gedanken, dass die Rück­kehr der Ge­nos­sen­schaf­ten ebenfalls ein wich­ti­ger Schritt für eine nach­hal­ti­ge Mo­der­ne ist, weil hier nicht der pri­va­te, son­dern der ge­mein­schaft­li­che Nut­zen im Vor­der­grund steht. Im Gegensatz dazu produzieren ka­pi­ta­lis­ti­sche Ge­sell­schaf­ten immer polare Er­fah­rungen:
- einerseits Frei­heit und Teil­ha­be, andererseits jedoch Un­gleich­heit und Un­ge­rech­tig­keit;
- einerseits die Stei­ge­rung des in­di­vi­du­el­len Glücks und andererseits die Zer­stö­rung der Welt.
- einerseits Auf­klä­rung und andererseits Selbst­ent­mün­di­gung.

++++ Mein Fazit: Ein sehr lesenswertes, meist gut verständlich geschriebens Buch, das viele Anregungen bietet, um sein eigenes Leben und Erleben zu reflektieren. Bezogen auf die Regeln Nr. 11 „Wie Ihr Wi­der­stand aus­sieht, hängt von Ihren Mög­lich­kei­ten ab.“ fehlen mir allerdings konkrete Beispiele, wie man (auch als Nicht-Unternehmer) den Widerstand ins persönliche Umfeld bringen und entsprechend leben kann – durchaus auch als Teil einer etwas anderen Kooperation oder Genossenschaft (entsprechend Regel Nr. 8: „Schlie­ßen Sie Bünd­nis­se.“)
Nicht ganz überzeugend finde ich zudem die Auswahl der Unternehmensbeispiele, die meist interessant sind, mir aber irgendwie willkürlich gewählt erscheinen.
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