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Kundenrezensionen

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am 27. März 2006
"Ich stamme aus feinbürgerlichem, wenn auch liederlichem Hause", beschreibt Felix fein sein Herkunftsmilieu. Wer sich an solchen Petitessen erfreuen kann, wer sich für Ironie, Wortwitz und Sprache interessiert, wem es bei "WOW", "Cool" und "nicht wirklich" in den Zähnen zieht, der ist hier richtig.
Wem die deutsche Sprache nicht egal ist, wer sich von der Schönheit einer Sprache anrühren lassen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Es amüsiert, es wärmt, es bringt einen herzhaft zum Lachen. Kurz: Mein Lieblingsbuch seit vielen Jahren, zigmal gelesen, zerlesen, immer wieder nachgekauft. Ein Must für alle Sprachfans.
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am 28. Oktober 2014
In dem Buch geht es, wie der Titel schon sagt um den Hochstapler Felix Krull. Es wird seine Lebensgeschichte erzählt, besonders die Ereignisse, die ihn in seinem Aufstieg als Hochstapler vorantrieben.

Angefangen in der Kindheit, mit Diebstählen von Kleinigkeiten, schreitet er in seiner Karrierebahn voran und überspringt hier oft mehrere Stufen, bis er am Ende ein feiner Adeliger wird oder besser gesagt in seine Rolle schlüpft.

Besonders wichtig für seinen Aufstieg sind sein gutes Benehmen, Höflichkeit und poetische Ausdrucksweise. Kein Mensch zweifelt an seiner Existenz als Adeliger. So nimmt das Buch seinen Lauf und einige Dinge passieren, manche interessanter und manche weniger interessant, meines Erachtens.

Mann ist ein Perfektionist, ein Meister in seiner Sache. Er trifft zwar nicht immer meinen Geschmack, aber ich würde es nicht übers Herz bringen, ihm weniger als 5 Sterne zu geben. Das Lesen war für mich nicht immer leicht. Die Sprache ist doch sehr verschachtelt und oft wird Seitenlang über etwas berichtet, dass für mich uninteressant erscheint und so meine Aufmerksamkeit abschweift. Nichts desto trotz sind dann wieder Stellen, bei denen ich so richtig in die Geschichte und die Atmosphäre der Handlung eingetaucht bin.

Einen Mann zu lesen lohnt sich, ist aber nicht unbedingt leicht!

Zitate:

„Ich kann aber nach wiederholtem eindringlichem Nachdenken nicht umhin, mein träges und wiederwilliges Verhalten bei meiner Geburt, diese offenbare Unlust, das Dunkel des Mutterschoßes mit dem hellen Tage zu vertauschen, in Zusammenhang zu bringen mit der außerordentlichen Neigung und Begabung zum Schlafe, die mir von klein auf eigentümlich war.“ (S.10)

„Meine wachsende Abneigung gegen dies feindselige Institut noch besonders zu begründen, erachte ich für überflüssig. Die Bedingung, unter der ich einzig zu leben vermag, ist Ungebundenheit des Geistes und der Phantasie, und so kommt es, dass die Erinnerung an meinen langjährigen Aufenthalt im Zuchthause mich weniger unliebsam brührt als diejenige an die Bande der Knechtschaft und Furcht, in welche die scheinbar ehrenvollere Disziplin des kalkweißen, knastenartigen Hauses drunten im Städtchen die empfindliche Knabenseele schlug. Stellt man zum Überfluss meine Vereinsamung mit in Rechnung, deren Ursprünge ich auf früherem Blatte aufgedeckt habe, so wird es nicht wundernehmen, dass ich früh darauf sann, dem Schuldienst nicht nur an Sonn- und Feiertagen zu entkommen.“ (S. 37 Schule)

„Liebenswürdig ist nur der Verlangende, nicht der Satte“ (S. 56)

„Das Wort ist der Feind des Geheimnisvollen und ein grausamer Verräter der Gewöhnlichkeit.“ (S. 117)

…ein Gedanke, der mich zuweilen beschäftigte, wenn ich gerade, im Speisesaal oder in der Halle, die Hände mit der Serviette auf den Rücken, einige Minuten müßig stand und die von den Blaufräcken umschwänzelte und verpflegte Hotel-Gesellschaft überblickte. Es war der Gedanke der Vertauschbarkeit. Den Anzug, die Aufmachung gewechselt, hätten sehr vielfach die Bedienenden ebensogut Herrschaft sein und hätte so mancher von denen, welche die Zigarette im Mundwinkel, in den tiefen Korbstühlen sich rekelten – den Kellner abgeben können. Es war der reine Zufall, daß es sich umgekehrt verhielt – der Zufall des Reichtums; denn eine Aristokratie des Geldes ist eine vertauschbare Zufallsaristokratie. (S. 231)

"Mich verlangte nach keiner Beschäftigung, keiner Lektüre. Zu sitzen und zu sein, was ich war, - welcher Unterhaltung sonst noch bedurfte es?" (S. 267)

„Mutter und Tochter, - auch damit hat es eine greifende Bewandtnis. Ein Geschwisterpaar, gut, es hat gleichfalls oft großen Zauber. Aber Mutter und Tochter, ich sage es frei- und möge es auch etwas fiebrig klingen-, geben doch das reizendste Doppelbild ab auf diesem Sterne.“ (S. 320)

„Schreiben ist kein Selbstgespräch. Folge, Besonnenheit und ein unüberstürztes Heranführen an den Gegenstand sind dabei unerlässlich.“ (S. 383)
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Felix Krull ist ein Dieb, ein Betrüger, ein Frauenheld und, am weitaus wichtigsten, ein Meister der Sprache. Seine schier unglaublichen Eloquenz, mit der er uns von seinen Erlebnissen berichtet, bewirkt, dass wir als Leser dazu geneigt sind, selbst moralisch fragwürdige Aktionen des Protagonisten gutzuheißen. Dies liegt vielleicht aber auch daran, dass wir gerne selber ein bisschen so wären wie der gute Felix, der es mit seiner Dreistigkeit ja ziemlich weit zu bringen scheint.
Dennoch, bei aller stillen Bewunderung für den Hochstapler bleibt der Eindruck haften, dass seine gesamte Erzählung in einem höchst ironisch bis sarkastischem Ton gehalten ist. Ständig beschwört er, dass er die bestehende Gesellschaftsordnung mit ihrer "gottgewollten Ungleichheit" bewundert und liebend gern ein Teil von dieser wäre. Genau dies scheint er auch zu schaffen, doch nur mit Mitteln, die von dieser Gesellschaft verachtet werden. Wie ist Felix also zu interpretieren? Unter Umständen wirklich als sehr konservativer Mensch, der alles tut, um sich in die Gesellschaft zu integrieren und um in ihr aufzusteigen, oder als Anarchist, der die Verlogenheit des Systems aufzeigt, indem gerade er, der gegen alle Regeln verstößt, geradezu zu einem Intimus des portugiesischen Königs werden kann?
Was bleibt, von solchen Fragen einmal abgesehen, ist ein irre witziges und äußerst kurzweiliges zu lesendes Buch. Leider verstab Mann bevor er der Memoiren zweiter Teil verfassen konnte, so dass der weitere Verlauf des Lebens Krulls, der im ersten Teil vielfach angedeutet wurde (Gefängnisaufenthalt, zum Beispiel), von der Fantasie des Lesers abhängig ist.
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am 13. Mai 2005
Thomas Mann hat mit "Felix Krull" eine Parodie auf den klassischen Bildungsroman geschrieben: Der Protagonist kann den typischen Eigenschaften eines sich entwickelnden Helden nicht entsprechen, vielmehr kehrt er sie alle um. War der Künstler in den anderen Werken Manns (wie z.B. "Tonio Kröger") der seltsame, ja kriminelle, Außenseiter, ist Felix Krull der nicht mehr dekadente Künstler, der auf eine moralische Weltdeutung verzichtet und doch die Welt als ästhetische genießt. Damit war verbunden, dass Thomas Mann sich ganz und gar von Wagner löste, besonders durch Nietzsches wagner-feindliche Schriften.
Liebevoll und detaliert ist jedes Buch des Werkes komponiert, ob nun die Kindheit des Hochstaplers und die äußerst anspruchsvolle Begegnung mit dem Professor Kuckuck: Immer wieder werden Philosophien bekannter Denker (Schopenhauer, Nietzsche..) verarbeitet und neu interpretiert. So zum Beispiel, wenn der Professor zwar das Sein nicht als Wohlsein bezeichnet, Schopenhauer aber nicht vollkommen in seinem Pessimismus folgt und meint: "...unwert der Sympathie seinur das Nichts...".
Immer wieder geht es um das Sich-Finden in anderen, Doppelbilder, das Problem der Identität,die Begründung der Identität durch das Vorstellungsmuster und schließlich um die Auflösung der Identität in der Alleinheit des kosmischen Seins, deren Elemente die Allsympathie und die Liebe sind.
Vielleicht könnte man es auch so beschreiben: "Die Welt will betrogen werden".
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am 24. August 2016
Wer kennt nicht den ersten Satz dieses Buches, der sich über eine halbe Seite erstreckt und in dem der Protagonist seiner eigenen Geburt gedenkt? Dieser erste Satz, der auch die Rückseite dieser Ausgabe ziert, ist eine wunderbare Zusammenfassung der Atmosphäre, die im Felix herrscht.
Ein interessanter Charakter, der aus seinem Leben in intelligentem Plauderton erzählt und die verschiedenen Personen, denen er begegnet mit Charme und Witz kommentiert. Durch die vielen Orte, die im Buch beschrieben werden, hat man als Leser selbst das Gefühl mitzureisen und etwas von der Welt zu erleben.
Viele Passagen ergehen sich in der Beschreibung von Gefühlen und inneren Vorgängen, die den Protagonisten gleich von der ersten Seite an mit Leben füllen. Wer Sprache liebt und an der menschlichen Natur interessiert ist, sollte dieses Buch von Thomas Mann gelesen haben.
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am 18. März 2014
"Felix Krull" wurde mir als Einstiegslektüre in die Thomas Mann Bücher geraten. Als "leichtester" Mann wurde mir Felix angepriesen und so führt auch Herr Krull im Buch ein beschwingtes, ja, leichtes Leben, ähnlich dem Taugenichts von Joseph Eichendorff, den ich vor wenigen Monaten erst gelesen habe. Er nimmt das Leben leicht, auch wenn es oft bittere Begebenheiten bereit hält. Mit Witz, Verstand und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, das häufig in Selbstüberschätzung gipfelt, macht sich der Leser auf die Lebensreise mit Felix, dem Hochstapler.
Thomas Manns verschachtelte Sätze zu verstehen ist mühsam, aber man wird voll entlohnt. Ich habe noch nie einen Schriftsteller so schreiben gesehen. Er hat mich förmlich in eine andere Literaturebene gehoben. So kann Man(n) also auch schreiben! Wie viele Schriftsteller haben wohl voller Frustration ihr Werkzeug beiseite gelegt, wenn sie Thomas Mann gelesen haben?
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am 17. Dezember 2000
Der Roman BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL ist mit dem SIMPLICISSISMUS von GRIMMELSHAUSEN und der BLECHTTROMMEL von GÜNTER GRASS vergleichbar. Mitten in Europa erlebt FELIX KRULL erotische Abenteuer, strauchelt von einer Liebe in die nächste und gewinnt dem Leben seine positiven Seiten ab. Selbst wenn es den Anschein hat, es gebe kein Entrinnen mehr. Ausweglose Situationen sind für FELIX KRULL das Salz in der Lebenssuppe.
Dieses Werk sollte deshalb auch als eine Parodie auf den traditionellen Bildungsroman verstanden werden. Das Motto von KRULL lautet durchweg: "Freut Euch des Lebens" und laßt kein Vergnügen aus.
Meisterhaft aus unterschiedlichen Erzählperspektiven schildert THOMAS MANN hier einen Lebenskünstler, der das Erdendasein als kurze und genußvolle Episode meistert.
Der schöne Schein und die absolute Illusion ersetzen in diesem Werk nicht selten die graue Tristesse des Alltags mit all ihren Normen und Sanktionsmöglichkeiten, denen sich FELIX KRULL immer wieder entzieht.
Dieses Spätwerk von Thomas Mann lebt von der Magie des schönen Wortes - engehüllt in jede Menge Ironie...
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am 23. Januar 2017
Der Ich-Erzähler plaudert und charmiert sich höchst gepflegt durch ein Leben voll liebenswerter Betrügereien und amouröser Extravaganzen. Dialoge und Portraits klingen erfreulich pointiert und delikat satirisch, natürlich einschließlich der Namen (Olympia Übel, Eleonor Twentyman, Senhora Maria Pia Kuckuck, Zouzu Kuckuck). Besonders liebevoll schildert Thomas Mann gutsituierte Lebemänner und leicht liederliche Damen sowie dezidiert gehässig spröde Funktionsträger; der Physiognomie widmet er größte Aufmerksamkeit, ebenso Interieurs, wie auch eigentlich allen anderen Details außer frei wachsender Natur und Witterung.

Thomas Mann schreibt so zierlich, geschnörkelt und affektiert, wie nur er es kann, ohne zu verstören. Bisweilen verfällt der Ich-Erzähler zu ausführlich ins Allgemeine und entschuldigt sich kokett selbst für seine, Zitat, "Quisquilien", die er zudem mit bekannt Philosophischem überlagert (Schein-Sein, Kunst-Leben, Kommerz-Kultur, Persönlichkeitstausch wie in den Vertauschten Köpfen). Dies gilt besonders ab Beginn der "Weltreise" – anlässlich einer Bahnfahrt von Paris nach Lissabon und in Lissabon selbst präsentiert Thomas Mann weitgehend nur naturwissenschaftlich-naturphilosophische Gedanken, mühsam in Erzähltes verpackt, ohne sich ernsthaft für die Handlung zu interessieren.

Mann arbeitete über Jahrzehnte an dem Stoff, den er erst in hohem Alter abschloss; dennoch müffeln Felix Krulls kuriose Damenabenteuer kaum nach erotischer Altherreninkontinenz, wie sie John Updike oder Martin Walser aus der Feder tröpfelt. So richtig zu Ende brachte Mann seinen Krull nicht, der Schluss dieser "Memoiren erster Teil" wirkt abrupt; doch quälende Fragen bleiben nicht offen, und noch mehr selbstverliebtes Gesäusel des Ich-Erzählers nebst ausschweifendem Philosophieren könnte meine wohlmeinende Geduld überstrapazieren.

Eigentümlich wirken einige Lehnwörter u.a. aus dem englischen oder jedenfalls germanisch-lateinischen Sprachraum, die sich vielleicht nur mit Manns US-Exil oder seiner norddeutschen Herkunft erklären lassen, etwa "kosig" (im Sinn des engl. "cozy"), "kordial" oder "Tenazität" in nicht-wissenschaftlichem Kontext. Dennoch klingt Mann auch hier nicht wie ein Forscher, der englische Begriffe allzu fantasielos eindeutscht.

Ich habe den Krull gebraucht in einer unpraktischen Hardcover-Ausgabe gekauft, und zwar in der Frankfurter Ausgabe in Einzelbänden (© 1985), weil ich irrig annahm, sie enthalte gleich auch die Anmerkungen. Stattdessen gibt es nur ein 20seitiges Nachwort von Hans Wysling – und im Romantext mindestens ein halbes Dutzend Tipp- oder Grammatikfehler wie "den" statt "dem", "ihr" statt "ich", "sie" statt "Sie" oder "meheren" statt "mehreren". Dazu kommen noch ein paar vom Autor verworfene Seiten.
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am 26. Februar 2014
Schon in der Schule behandelten wir die 'Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull` ausführlich. Nun, gut 2 Jahrzehnte später, fiel mir der Roman durch Zufall erneut in die Hände. Waren es zu Schulzeiten noch Zwang und Unlust dem geschriebenen Wort gegenüber, die mir keinen Zugang zu dem Werk gewährten, so begeisterte mich jetzt in reiferem Alter dieser Klassiker umso mehr. Die feine Sprache Thomas Manns lässt nichts zu wünschen übrig. Manns Wortwitz und der wunderschöne Ausdruck sind ein Genuss. Auch wenn die Sätze vielleicht zu lang und sein Stil etwas verschraubt erscheinen, so überzeugt der brilliante Plot auf ganzer Linie.
Erzählt wird die Geschichte des, von der Natur mit blendendem Aussehen gesegneten, Titelhelden Felix Krull, der es durch Besonnenheit und Charme, Zielstrebigkeit und ein ausgeprägtes Talent zur Verstellung und Rollenaneignung vom Sohn eines bankrotten Sektfabrikanten zum anerkannten Mitglied der besten Gesellschaft bringt.

Ich verbrachte sehr vergnügliche Stunden mit diesem Buch. Einzig der nicht mehr zeitgemäße Schreibstil hinderte mich an der Vergabe von 5 Punkten. Aber dafür ist es ja ein Klassiker.
Trotzdem sehr lesenswert!
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am 1. September 2010
In einem amüsant verschnörkelten und überkorrekten Idiom, das der Erzähler Felix Krill wohl für distinguiert hält (er stammt ja "aus feinbürgerlichem Hause"), und welches, angesichts des von ihm Berichteten, um so grotesker wirkt, schildert der Filou, nach einem Gefängnisaufenthalt, sein Leben.
Mit sympathischer Selbstsicherheit zeichnet er seinen abenteuerlichen Werdegang und breitet seine politisch unkorrekte Überzeugungen aus: " Nach meiner Theorie wird jede Täuschung, der keinerlei höhere Wahrheit zugrunde liegt und die nichts ist als bare Lüge, plump, unvollkommen, und für den erstbesten durchschaubar sein. Nur der Betrug hat Aussicht auf Erfolg und lebensvolle Wirkung unter den Menschen, der den Namen Betrug nicht durchaus verdient, sondern nichts ist als die Ausstattung einer lebendigen, aber nicht völlig ins Reich des Wirklichen eingetretenen Wahrheit mit denjenigen materiellen Merkmalen, deren sie bedarf, um von der Welt erkannt und gewürdigt zu werden."
Seit seiner frühester Kindheit entdeckt Felix Freude an und Talent zu Verstellung und kleinen Gaunereien: er simuliert, stiehlt Süßigkeiten, fälscht Unterschriften (und wehrt sich nachdrücklich gegen Gleichmacherei der plumpen beschuldigenden Begriffe, die seine Handlungen in eine Reihe mit Tausend anderen stellen und "die lebendige, ursprüngliche, ewig junge, ewig von Neuheit, Erstmaligkeit und Unvergleichlichkeit glänzende Tat" nivellieren. Er ist erhaben über Konventionen, weiß genau, was er will, und steuert zielstrebig darauf zu.
All dies herrlich humorvoll beschrieben: abstruse Handlung plus nuancierte (gleichwohl jeder Selbstironie bare) An- und Einsichten des Erzählers. Ein Brüller ist die Szene seiner (Aus-)Musterung, die zu einem der Höhepunkte des Buchs gehört.
Souverän meistert Felix Krull die Wechselfälle des Lebens in einem selbstlosen Streben nach Luxus und gesellschaftlichem Erfolg. Worum es ihm eigentlich geht, ist die wahrgenommene Perfektion und Harmonie einer solchen Existenz. Nennen wir das züchtig "Spannung zwischen Künstlertum und Bürgertum", wie es auf dem Buchumschlag heißt.
Ich kann mir vorstellen, dass Thomas Mann die Figur Krulls ausgedacht hat, um die dem Protagonisten innewohnende subversive - aber durchaus menschliche - Eigenschaften auf der belletristischen Spielwiese auszuleben. Der Leser folgt dem Geschehen so vergnüglich, weil er ja mit dem Protagonist Empathie empfindet, ihm das Gelingen wünscht. Ein anarchisches Buch, dessen Held sowohl eingebildet und grillenhaft, aber auch - na ja, doch - humanistisch ist. Widersprüchlich wie das Sein.
Der Text ist nicht frei von einer Art Strukturunebenheit, der humorvoll-kuriose Moment geht gegen Ende zugunsten opulenter Beschreibungen und Reflexionen etwas zurück, Felix Inneres wirkt auf einmal "positiver" (im herkömmlichen moralischen Sinne) und, für mein Geschmack, etwas zu weise für seine Jugend. Dies ist wohl auf die lange Entstehungsperiode des Romans zurückzuführen, die einzelne Teile entstanden in einem Abstand von vierzig Jahren.
Dennoch vergebe ich fünf Sterne. Thomas Mann hier muss einer erst mal nachmachen.
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