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am 13. Februar 2002
Gould versucht in seinem Buch zu zeigen, dass die biologische Evolution entgegen der landläufigen Meinung keinen Trend zum Fortschritt zeigt. Die Evolution kann zwangsläufig nur bei den Lebewesen mit der geringsten Komplexität beginnen. Dies sind die Bakterien. Von dort aus kann sie sich nur in Richtung zu immer größerer Komplexität ausbreiten. Gould fasst diese Entwicklung als statistischen Trend auf, dessen Schwankungen nicht nur in Richtung größerer Komplexität ablaufen, sondern auch Rückentwicklungen mit sich bringen. Als Beispiel dafür nennt er Parasiten, die meist Simplifizierungen der Tiere sind, bei denen sie schmarotzen. Unter diesen Gesichtspunkten wurden Entwicklungslinien bisher teilweise falsch interpretiert. Sehr ausführlich diskutiert er die Evolution der Pferde, bei der immer wieder ein Trend zur Zunahme der Körpergröße und Ausprägung bestimmter morphologischer Merkmale gesehen wurde. Gould weist anhand des sehr umfangreichen Datenmaterials überzeugend nach, dass die Entwicklung der Pferde von so vielen Zufällen abhing, dass an deren vorläufigem Ende auch ebensogut eine kleinwüchsige Art mit einer anderen Morphologie hätte stehen können. Die einzige Lebensform, die die Jahrmillionen relativ unverändert überdauert hat und auch noch in Zukunft weiter Bestand haben wird, ist diejenige mit der geringsten Komplexität und der größten Individuenzahl: die Bakterien. Alle komplexeren Lebewesen kommen gemäß einer schiefen statistischen Verteilung in geringerer Zahl und mit der entsprechenden Variationsbreite vor. Aufgrund dieser Überlegungen, würde die Evolution auf der Erde ein zweites Mal völlig anders ablaufen. Im Gegensatz dazu sieht Gould in der Entwicklung der menschlichen Kultur einen aktiven Trend, der durch unsere bewusste Weitergabe von einmal Erlerntem zustande kommt.
Zunächst halte ich die von Gould diskutierte statistische Betrachtung der Komplexität in Abhängigkeit von der Individuenzahl für nicht besonders überzeugend. Es ist eine triviale Erkenntnis, dass kleine Objekte immer zahlreicher vorkommen als große und dass sie zwangsweise eine geringere Komplexität besitzen als große. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass etwa Sandkörner weit häufiger anzutreffen sind als Steine und diese wieder häufiger als Felsbrocken. Für die Komplexität gilt das umgekehrte, nämlich dass Felsbrocken eine komplexere Zusammensetzung haben als Sandkörner. Da komplexe Lebewesen schon für sich aus Billionen von Zellen bestehen, erhebt sich die Frage, ob es überhaupt zulässig ist, die Zahl der Bakterien mit der Zahl der komplexen Lebewesen zu vergleichen oder ob man sie nicht vielmehr der Gesamtzahl der Eukaryontenzellen gegenüberstellen muss.
Wie brauchbar Goulds Betrachtungen letztlich sind, lässt sich nicht genau sagen, denn wir kennen bisher nur die eine Evolution. Sicherlich hat er recht, was die Entwicklung der Pferde betrifft. Aber wenn man seinen Blick nicht auf die Details richtet, sondern die Entwicklung im Großen verfolgt, so kommen doch Zweifel an seiner Einstellung auf, dass die Evolution ein zweites Mal völlig anders verlaufen würde. Denn es gibt offensichtlich Zwangszüge, die durch die physikalisch-chemischen Randbedingungen festgelegt sind, oder Lösungen, die für das Leben so immense Vorteile darstellen, dass sie mehrfach entstehen konnten oder - einmal entstanden - erhalten blieben. Beispiele hierfür wären Sinnesorgane und Nervensysteme. Auch die Existenz von konvergenter Evolution - z.B. bei den Buntbarschen des Malavi- und Tanganjika-Sees - belegt, dass es offensichtlich ähnliche Verläufe in der Evolution geben kann, die nicht auf Zufällen beruhen können. Und was heißt es schon, dass die Entstehung des Menschen ein einmaliger Zufall war? Muss man deshalb annehmen, dass die Entwicklung eines Kultur schaffenden Lebewesens sonst unmöglich gewesen wäre? Wohl kaum. Denn diese Lebewesen hätten sich sicher ebensogut aus den Dinosauriern entwickeln können, wenn diese nicht durch eine geologische und kosmische Katastrophe ausgelöscht worden wären. Niemand würde behaupten, dass die Evolution ein zweites Mal zu denselben Lebewesen führen müsste, aber müsste tatsächlich daraus folgen, dass sie nicht wieder zu Lebewesen führen könnte, die die ganze Variationsbreite von Funktionalität wie die heutigen Lebewesen entwickelt hätten? Und müssten nicht diese Lebewesen nur aufgrund der Funktionalität und der Randbedingungen unseren heutigen Lebewesen morphologisch ähnlich sein? Leider schweigt Gould sich darüber aus.
Trotzdem ist das Buch sehr lesenswert, räumt Gould doch zumindest mit dem gängigen Klischee des Fortschritts bzw. der Entwicklung zum "Besseren" in der Evolution auf. Gould's fesselnder und klarer Stil macht das Lesen zu einem Vergnügen. Er wendet seine Überlegungen zudem in einem Exkurs auf einen statistischen Trend beim amerikanischen Baseball an und stellt den gängigen Interpretationen seine eigene gegenüber. So erfährt man nebenbei auf amüsante Weise gleich etwas über diese in Europa eher unbedeutende Sportart.
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am 7. Mai 2002
Ist zwar schon `ne Weile her, das ich Goulds Klassiker gelesen habe, aber ich muss sagen er ist mir nur positiv im Gedächtnis haften geblieben. Wie anhand der Baseball-Statistiken so einige Missverständnisse der allgemeinen Evolutionsbiologie aufgezeigt werden, hat mich überzeugt. Und dass der Mensch im Vergleich zu den "kernlosen Überlebensmaschinen" so einige Mängel hat, sollte wohl längst jedem klar sein.
Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wer sich für Naturwissnschaft und Sport(statistiken) begeistern kann, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
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am 11. Februar 2016
ALLES BESTEN - BEWERTUNG = 5 x * * * * *ALLES BESTEN - BEWERTUNG = 5 x * * * * *
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